Hallo und herzlich willkommen zur CamperStyle Kaffeepause, deiner kleinen Portion Camping für zwischendurch. Ich bin Nele. Und ich bin Sebastian und heute haben wir ein Thema, was uns ziemlich aufgeregt hat. Wir wollen heute, ich weiß gar nicht, wie ich es sage, also wir haben letzte Woche ein Dokument zugespielt bekommen.
Und wenn das so, wie das geplant kommt oder geplant ist, kommt, dann wird es unseren Campingurlaub und wahrscheinlich auch den von einigen von euch ziemlich grundlegend verändern. Ja, wir haben zuerst auch ein bisschen ungläubig drauf geguckt, weil es zu dem Thema bislang noch gar keine Medienberichte oder ähnliches gab. Aber wir haben es einmal gecheckt und für uns sieht die Quelle seriös aus. Das Dokument trägt eine aus unserer Sicht echte Referenznummer und wir haben auf Anfrage auch jetzt inzwischen eine erste mehr oder weniger offizielle Bestätigung aus Straßburg bekommen.
Ja, wir haben das auch mal mit KI geprüft. Also wir haben ja von Politik nicht so viel Ahnung und von Gesetzgebung und so weiter und wir haben ja die KI-Folgen gemacht und haben das auch mal genutzt und das sieht alles ganz echt aus. Also es soll ein sogenannter Camping-Carbon-Pass kommen, CCP kurz genannt. Das heißt, das wird so eine Art CO2-Emissionsnachweis für Campingfahrzeuge. Da gibt es in der EU halt scheinbar eine laufende Gesetzgebung, also die bereiten da gerade was vor, gibt da auch eine Referenznummer zu, die wir haben. Wir werden das Dokument auch mal in den Shownotes verlinken und was da drin steht, das ist echt schräg. Also der Arbeitstitel ist CCP Directive und vielleicht sagen wir mal zuerst ein paar Worte dazu, was wir rausfinden konnten, was dieser Camping Carbon Pass oder Camping Carbon Pass überhaupt sein soll.
Laut aktueller Planung soll ab dem 1. Januar 2027, also jetzt schon sehr zügig für EU-Verhältnisse, für alle Halter von Wohnmobilen, Wohnwagen, Kastenwagen, Campingbussen in der EU eine neue Nachweispflicht gelten. Und zwar betrifft es Menschen, die mit ihrem Fahrzeug pro Kalenderjahr mehr als 5000 Kilometer campingbezogene Fahrten zurücklegen. Die müssen sich dann beim zuständigen Kraftfahrtbundesamt registrieren und eben diesen Pass oder einen sogenannten Carbon Corridor, Carbon Corridor beantragen. Ja, und der ist gedeckelt sozusagen. Also das heißt, man hat pro Jahr ein bestimmtes CO2-Budget. Und wenn man das überschreitet, also halt mehr fährt, wir haben das auch mal ein bisschen durchgerechnet, komme ich gleich zu, und auch mehr Strom verbraucht und mehr Gas verbrennen, dann muss man quasi wie die Wirtschaft auch so Emissionszertifikate, die nennen das Camping-Emissionszertifikate kaufen. Und das orientiert sich auch an dem, was quasi da draußen die Industrie bezahlt und das sind aktuell so 50 bis 60 Euro je Tonne CO2. Also vielleicht mal, du hattest es ja durchgerechnet, magst du mal eben uns die Zahlen geben?
Ja, also wenn wir jetzt hier so einen Standard-Ducato nehmen und den ein bisschen sparsam mit 10 Litern fahren, dann produziert der auf 100 Kilometer, also mit 10 Litern pro 100 Kilometer, dann produziert der pro gefahrenen Kilometer so 260, 264 Gramm CO2. Das ist zumindest das, was der Hersteller angibt. Und wenn man das mal hochrechnet, sind das bei 8000 Kilometern im Jahr. Also wenn man diese 5000 überschreitet und 8000 ist zwar schon viel, aber jetzt nichts Ungewöhnliches, dann sind wir da so bei 2,1 Tonnen CO2, was so ein Wohnmobil quasi ausstößt und das sind dann, wenn man die Preise zugrunde legt, die da geplant sind, so 100 bis 130 Euro nur für die Fahrstrecke.
Ja, das klingt im ersten Moment überschaubar, aber du hast ja gesagt, das ist jetzt nur für die Fahrt alleine. Und interessanterweise, also interessant in Anführungszeichen, soll dieser Camping Carbon Pass laut Entwurf auch den Energieverbrauch auf dem Stellplatz inkludieren. Das heißt also, ich brauche ja zum Beispiel kochen, heizen, brauche ich Energie, ob das jetzt Gas ist oder Strom. Ich brauche für den Kühlschrank. Und dann kommt jetzt noch was echt Absurdes. Da habe ich wirklich gedacht, die verarschen uns. Du darfst es sagen, Sebastian. Ja, das ist der Comfort-Footprint, wie sie es nennen, der CFP.
Genau. Und da berechnen sie quasi, also wir sagen ja auch oft, wenn wir über Camping sprechen, dass gewisse Dinge halt einfach Komfort sind, Solaranlage, Autarkie und so weiter. Und das scheint jetzt tatsächlich da einzufließen. Also da gibt es 17 Seiten zu, das müsst ihr euch mal vorstellen. Da wird die Größe des Fahrzeugs berechnet, die Anzahl der Schlafplätze, ob man ein Vorzelt hat. Und wenn ich hier mal aufs Dokument gucke, die emissionsrelevante Nutzung von Komfortzubehör, insbesondere Klimaanlagen, Absorber- und Kompressorkühlschränken sowie elektrisch betriebenen Markisen. Also wir haben das mal übersetzt. Es ist schräg. Also die elektrische Markise hat, also ich kenne jetzt niemanden persönlich, der eine hat, aber die schlägt dann halt auch aufs, habt ihr eine gehabt? Nee, wir hatten noch eine Mechanische, aber ich glaube Freunde, die eine elektrische Markise haben und der Stromverbrauch, der ist halt nicht ohne dabei.
Und das kostet dann alles quasi CO2. Ich finde das ja ein bisschen schräg, weil das echt nicht viel ist. Ja, und es schlägt sich halt quasi jede kleine Tätigkeit, kann man sagen, würde sich dann auf dieses CO2-Konto niederschlagen. Wir haben, Uns bemüht dazu, eine Stimme zu bekommen, weil wir gedacht haben, irgendwie kann es ja nicht sein, dass da sich keiner mal drum kümmert, das einzuordnen. Und haben uns einen Experten geholt, mit dem haben wir kurz telefoniert. Das ist der Dr. Heinz Gerhard Möllenbeck. Der ist Referent für Mobilitätsrecht für ein europäisches Verbraucherschutzbüro in Straßburg. Ich hatte vorab mit ihm telefoniert und wir haben das aufgenommen. Wir spielen euch jetzt mal sein Statement ein. Die Verordnung 2026.0471 ist ein logischer nächster Schritt nach dem Gebäudeenergiegesetz und den Abgasregelungen im Straßenverkehr. Freizeitfahrzeuge sind bisher vollständig aus dem Emissionshandelssystem herausgefallen. Das ist eine Lücke, die Brüssel schon lange schließen wollte. Ob die Umsetzung in dieser Form politisch durchsetzbar ist, steht auf einem anderen Blatt. Aber das Dokument liegt vor, die Konsultationsphase läuft und ich rechne mit einer finalen Abstimmung noch vor der Sommerpause.
Ja, und jetzt kommen wir mal zu den Punkten, die uns halt wirklich die Sprache verschlagen haben. Dieser Camping-Carbon-Pass, der kommt nicht alleine, sondern da kommen noch eine ganze Menge Sachen mit, die da auch geplant sind. Ja, es gibt natürlich heutzutage eine App, die wird auch Pflicht. Das heißt, jeder registrierte Halter muss diese offizielle EU-Camping-Carbon-App installieren. Die verbindet sich dann per Bluetooth mit der Bordelektronik deines Fahrzeugs und protokolliert halt die ganzen Verbrauchsdaten in Echtzeit. Also alles DSGVO-konform und so weiter, wie es halt in der EU sein muss. Zumindest wird das so versichert.
Die Daten werden dann bei einem Server in Luxemburg gespeichert, also nicht in den USA, aber es ist halt trotzdem ein ziemlicher Eingriff auch, finde ich, in die Persönlichkeits- oder in die Privatsphäre.
Dann müssen alle Camping- und Stellplätze, die mehr als 30 Plätze zur Verfügung stehen haben, ab 2027 an jeder Parzelle so einen QR-Code anbringen. Den scannt man dann beim Einchecken und dann wird quasi automatisch der Stromverbrauch mit eurem Konto, also mit eurem Carbon-Korridor sozusagen, verrechnet. Und die Campingplätze, die das nicht umsetzen, also die haben auch nicht viel Zeit, das irgendwie zu machen, die verlieren dann ihre offizielle EU-Camping-Zertifizierung. Ja, und wie die das dann machen bei Campingplätzen, bei denen man nur eine Pauschale bezahlt, die also nicht den Verbrauch konkret messen, ist dann nochmal eine andere Frage. Aber jetzt kommt mein persönliches Highlight, bis wir wissen was. Ja, das ist wirklich der Wahnsinn. Das ist die Vorzeltflächenpauschale. Wer also nach Vorstellung der EU ein Vorzelt oder eine Markise von mehr als zwölf Quadratmetern besitzt, zahlt automatisch einen pauschalen Aufschlag von 0,3 Tonnen CO2-Äquivalent pro Urlaubswoche. Dazu steht im Dokument oder die Begründung im Dokument lautet wegen des erhöhten Flächenverbrauchs und der damit verbundenen Verdunstungshemmung auf versiegelten und teilversiegelten Campingflächen.
Ja, dein Vorzelt lässt zu wenig Verdunstung zu und deswegen ist das jetzt ein Klimaproblem. Also ihr wisst ja, dass wir uns grundlegend immer über Umweltschutz und Nachhaltigkeit und so weiter Gedanken machen, aber ein Vorzelt? Ja, vor allem eine Markise, also darunter könnte ja theoretisch der Boden atmen und verdunsten, egal. Und jetzt kommen wir zum absoluten Highlight, da bist du in erster Linie von betroffen. Ja, Thema Hunde. Also es gibt einen Anhang, Anhang 3, also es gibt mehrere Anhänge für jedes dieser Themen. Anhang 3, da gibt es eine Tabelle.
Und da werden Hunde vor allen Dingen, also Haustiere steht da, aber ich kenne jetzt keine Katze, die mehr als 20 Kilo wiegt. Deswegen denke ich mal, wird es auf Hunde quasi abzielen. Da steht, die sind, auch kein Scherz, emissionsrelevante Reisemitglieder. Also wie Kinder werden die eingestuft, wenn die halt ein gewisses Gewicht haben und Begründung ist halt, dass die eben Fleischkonsum haben. Es gibt das Transportgewicht, was sich auswirkt. Die haben eben einen CO2-Ausstoß durch die Häufchen, die sie hinterlassen, also das steht da ein bisschen anders formuliert drin, die Kackbeutel dazu. Und ja, deswegen wird quasi pro Hund über 20 Kilogramm pro Urlaubswoche ein Pauschalwert von 0,015 Tonnen CO2 auf euren persönlichen CO2-Korridor angerechnet. Das bedeutet also, wenn man jetzt, so wie ihr, mit zwei großen Hunden vier Wochen Camping macht, dann hauen die alleine mit 0,12 Tonnen CO2 aufs Konto.
Also eure Hunde sind definitiv ein Klimarisiko. Die kleine Zwiebel bei uns, die kann ungestört weiter furzen und fressen und kacken, aber bei euch wird es ein bisschen teuer. Ja, das ist schräg, was da alles passiert. Also uns fehlen ein bisschen die Worte bei der ganzen Geschichte. Da gibt es jetzt noch eine Konsultationsfrist. Bis Ende Juli soll die laufen, 2026. Das heißt, man kann jetzt noch da Stellungnahmen einreichen. Das können Verbände machen. Das können auch Privatpersonen machen.
Und wir wundern uns ein bisschen, dass es davon noch niemandem irgendwas zu gab, also weder irgendwie ADAC oder DCC, von denen hat man noch gar nichts gehört. Wir sind scheinbar irgendwie die Ersten, die jetzt über die ganze Geschichte schreiben. Wir gucken jetzt selber, ob wir da quasi eine Stellungnahme machen können. Wir lassen uns da einfach mit KI helfen, dass wir das halt quasi so formgerecht irgendwie machen und einreichen können. Ja, würden wir euch dann natürlich in den Shownotes verlinken und wir gucken auch, ob wir sonst noch irgendwie jetzt in den zwei Tagen, die wir noch haben, bis zur Veröffentlichung weitere Infos finden, dann würden wir euch die auch in den Shownotes packen.
Könnt ihr euch das mal selber durchlesen und euch ein Bild machen. Und uns interessiert natürlich auch, was ihr davon haltet, weil wir sind der Meinung, also Umweltschutz, Klimaschutz und so weiter, fein. Aber ob das dann wirklich...
Beim Camping anfangen muss, ist halt auch nochmal so eine Frage. Auf jeden Fall wird es uns halt alle am Ende irgendwie treffen. Zumindest die, die motorisiert und mit Haustieren unterwegs sind und eine Markise oder ein Vorzelt haben. Deswegen schickt uns das gerne und wir gucken mal, wie es mit dem ganzen Thema weitergeht. Ja, wir würden das ja jetzt schon mit der Montenegro-Reise, die wir vorhaben, fast reisen, nicht ganz. Aber da werden wahrscheinlich 4.500 Kilometer auf die Uhr stehen. Und dann ist das quasi schon, Gott sei Dank, dieses Jahr noch nicht mehr drin. Also ja, ich weiß immer noch nicht, was ich dazu sagen soll. Teilt das auf jeden Fall mit allen, die das betrifft. Dürften ja ziemlich viele Camper sein. Wir bleiben da auf jeden Fall dran. Wird auch einen Artikel auf Camperstyle noch dazu geben, der jetzt hier zeitgleich rausgeht. Wir haben den Podcast auch entgegen, wie wir es sonst machen, gar nicht großartig vorproduziert, sondern wirklich den heute Morgen in aller Herrgottes Frühjahr aufgenommen. Und ja, bleibt dran und guckt auch auf Camper Style und ja, wir hoffen, dass wir das irgendwie noch abwenden können und ja, bis zum nächsten Mal. Ja, und schaut vielleicht heute Nachmittag nochmal rein, dann gucken wir, ob wir da schon eventuell ein kleines Update geben können. Bis dann, tschüss.