Hallo liebe hörerinnen und hörer an dieser stelle solltet ihr eigentlich das witzigste das schlagfertigste das interessanteste das spannendste das sensationellste anfangsgeplänkel jemals bei augstein und blome hören, der liebe herr augstein hat aber nicht auf aufnahme gedrückt und deswegen jetzt so intro, Augstein und Blome. Also lieber Kollege Augstein, bevor wir jetzt auf die großen Themen der Woche kommen, nochmal einmal kurz einen ganz kurzen Blick zurück auf den AfD-Parteitag. Da ist ja Alice Weidel gestärkt worden, hat uns hinterher bei RTLNNTV ein Interview gegeben Und wurde dann darauf angesprochen, dass im Sachsen-Anhaltinischen Wahlprogramm, ziemlich krass steht, dass Vater, Mutter, Kind das normale Familienbild sei, und dass alle anderen Sachen sinngemäß so eine Art Abweichung sind von dieser Norm. Und damit eben auch der Lebensentwurf von Alice Weidel selber, die ja in einer homosexuellen Beziehung mit einer Frau lebt und zwei Adoptivkinder hat. Und dann wurde sie darauf angesprochen, wie stehen sie jetzt zu dieser Passage in dem AfD-Wahlprogramm für Sachsen-Anhalt, die nächste Landtagswahl. Das schlägt ihnen ja ins Gesicht und sagt sie, ja, das gefällt mir auch nicht, das sehe ich auch komplett anders und eigentlich, ja, nö, ich lebe mein Leben, natürlich, und dann sollen die da mal in Sachsen-Anhalt sagen, was sie wollen. Das fand ich echt krass. Die Frau ist Parteichefin und lässt zu, dass sie in einem zentralen Landtagswahlkampf stigmatisiert wird mit ihrem Lebensentwurf. Ja gut, ich will jetzt keine falschen historischen Vergleiche machen, lieber Kollege Blome. Hier ist übrigens der Kollege Augstein. Aber der Führer war nicht blond und Josef Goebbels kein großer Sportler. Also dass es sozusagen einen Widerspruch geben kann zwischen persönlicher Lebensführung oder den Individuen und dem Parteiprogramm, das ist ja nichts Neues. Das hat doch die AfD auch nicht exklusiv. Da würde ich jetzt keine große Sache draus machen, oder? Und ihr dürft auch nicht vergessen, dass die nicht queer ist, sondern mit einer Frau verheiratet, die sie seit 20 Jahren kennt. Das ist ganz wichtig. Ja, das ist spannend, Ivy. Das finde ich echt einen ganz wichtigen Punkt, weil Jens Spahn sagt ja auch von sich, er sei nicht queer. Weil queer ist eben was anderes als Homosexuelle, da man lebt irgendwie so eine gleichgeschlechtliche Ehe oder Partnerschaft. Es ist natürlich auch ein lustiges Missverständnis auch auf der linken progressiven Seite in den früheren Jahren gewesen, dass man gedacht hat, alle Homosexuellen müssten irgendwie selber auch progressiv und fortschrittlich sein, weil sie potenziell. Opfer oder Objekt von Diskriminierung sind. Und deshalb müssten sie selber auch quasi immer so antidiskriminierende Politiken machen. Das ist natürlich ein großer Irrtum. Deshalb trennt sich ja, wenn ich das richtig verstanden habe, eben auch das, wie du es ja eben gesagt hast, eben in Queer, was im Prinzip ja mehr ist als nur gleichgeschlechtlich, das bedeutet ja, wenn ich das richtig sehe, auch eine gewisse, politische Identifikation und Alice Weidel will damit eben gar nichts zu tun haben und Jens Spahn auch nicht. Und da müsste ich jetzt sagen, das Recht muss man natürlich auch haben, oder? Wie siehst du das, Ivy? Naja, also erstmal bedeutet Queer, das ist einfach nur eine Sammelbezeichnung für sexuelle Orientierungen, die eben nicht heterosexuell sind. Und es schließt auch Geschlechtsidentitäten ein, also auch nicht binäre Menschen und so weiter und so fort. Es ist ja eigentlich nur ein Sammelbegriff. Dass er instrumentalisiert wird als Voker-Begriff, das ist halt was ganz anderes. Also irgendwie aber zu sagen, man ist nicht queer, ist aber in einer lesbischen Beziehung und das seit sehr langer Zeit, ist halt sehr witzig. Weil es ist nur ein Sammelbegriff. Naja, wenn ich mich einmal auch noch einschalten darf, hier als Kollege Blome, Das leuchtet mir dann bei Alice Weil ja gerade noch ein, wenn sie sagt, sie sei nicht queer. Soll das doch bedeuten, wenn ich das richtig verstehe, dass sie nicht unterschreiben möchte, es gäbe mehr als zwei Geschlechter? Nee, nicht unbedingt. Also lesbisch sein ist unter dem Umbrella-Term queer auch mit beinhaltet. Es ist einfach nur ein einfacher Begriff, wenn du dich halt nicht komplett outen möchtest und genau auf deine Geschlechtsidentität oder Sexualität eingehen möchtest, kannst du auch einfach sagen, ich bin queer. Das machen tatsächlich sehr, sehr viele, weil du dich nicht weiter erklären musst eigentlich. Wenn jetzt dann aber das als politische Einstellung auch gesehen wird. Ja, ich finde es auf jeden Fall krass und auf den, wenn man so will, wesentlich schlichteren Widerspruch wollte ich ja hinaus, dass sie einfach akzeptiert, dass sie in ihrem eigenen, und es auch öffentlich tut, öffentlich akzeptiert, dass sie in ihrem eigenen Wahlprogramm, zumindest in diesem Landtagswahlprogramm, schlichtweg stigmatisiert wird und außerhalb der Norm gestellt wird. Und einer der Slogans, ich weiß gar nicht mehr, ob es der aktuelle ist, aber einer, der mal plakatiert war, in einem Wahlkampf war von der AfD, Deutschland, aber normal. Also, dass sie damit klarkommt, finde ich überraschend. Also, da muss sie quasi neben sich stehen als politische Persönlichkeit und ihre private Persönlichkeit ist dann aufgrund nicht eine ganz andere Persönlichkeit. Weil, wie gesagt, ihre private Persönlichkeit nicht zu ihrem politischen Programm passt. Zumindest so, wie ihr das jetzt in Sachsen-Anhalt aufgestempelt wird, aufgetult. Gut, aber dass diese Frau eine mehrfache Brechungen sozusagen in sich trägt und dass aus diesen Brechungen, ja, Entschuldigung jetzt hier, Dr. Dr. Psych-HC und dass diesen Brechungen auch einen großen Teil ihrer Energie bezieht, das finde ich merkt man, wenn man ihr einmal beim Reden zuhört. Deshalb ist sie ja auch so zutiefst unheimlich und das passt auch dazu. Und vielleicht biegen wir dann auch zu unserem Hauptthema ein. Ich bin fest davon überzeugt, ich würde jetzt darauf wetten, dass sie irgendwann mal Vizekanzlerin wird, mindestens. Und dann, ich weiß nicht, war es Wirtschaftsministerin oder Außenministerin oder so. Die ist erst am Anfang ihrer politischen Laufbahn. Und die Professionalität und meinetwegen auch die Kälte und Härte, keine Ahnung, mit der sie sich auf dem AfD-Parteitag durchgesetzt hat und auch ihre Leute durchgezogen hat, man verfolgt das jetzt ja alles als braver Zeitungsleser, weil es halt die wichtigste und größte Partei in Deutschland inzwischen ist, nicht nur in Ostdeutschland, sondern in Westdeutschland auch. Also diese Professionalität zeigt ja, dass sie, genau das kann, was man als Spitzenpolitikerin können muss, nämlich dieses Stehvermögen, diese Geduld, diese Hartnäckigkeit, das ruhige hinter den Kulissen agieren und seine Interessen durchsetzen. So Angela Merkel mäßig. Sie ist halt im Grunde so eine kalte, böse Angela Merkel. Das ist schon, scary zum Zugucken, aber irgendwie auch faszinierend, muss ich gestehen. Ja, das sehe ich echt anders, weil sie. Zumindest in der jetzigen längeren Entwicklung dieser Partei, lieber Augstein, ein One-Trick-Pony ist. Sie radikalisiert und geht immer noch in weiteren Schritten weiter raus, solange es einzahlt. Es zahlt ein, die Partei ist in den Umfragen West wie Ost immer weiter gestiegen. Jetzt steht sie seit einer geraumen Zeit still und trotzdem stehen sie kurz vor einem großen Wahlerfolg eben in Sachsen-Anhalt und. Es ist immer derselbe Trick, den sie vorführt, dieses sich vollkommen empören und dann schreien in den Saal, von wir reißen alle Windräder ab, die Windmühlen der Schande oder wie sie das genannt hat, bis hin zu Remigration, dann heißt es eben Remigration. Also diese Selbstentzündung und diese Selbstempörung, das ist das Einzige, mein Blick zumindest im Moment darauf, die einzige Nummer, die sie aufführt und sicherlich auch ehrlich und ernst meint, wenn man so will. Sonst könnte man das auch nicht so auf der Bühne zelebrieren und einen Saal so anzünden damit. Aber das würde natürlich niemals reichen, um zu regieren. Das sagen Sie jetzt. Das werden wir dann sehen. Die Frage ist, ob es reicht, an die Macht zu kommen. Was man dann braucht, um zu regieren, ist ein vollkommen anderes Thema. Entschuldigung, also da ist ja auch der jetzige Bundeskanzler, zu dem wir jetzt vielleicht kommen, auch ehrlich gesagt ein gutes Beispiel dafür. Denn der hat, bevor er gewählt wurde, ganz, ganz anders geredet als danach. Und das halten Sie für vollkommen normal und völlig okay. Und dann sagen Sie, ja gut, klar hat er gesagt, keine Steuererhöhungen. Klar hat er gesagt, Schuldenbremse und so. Also klar hat der die Opposition, die Regierung, die damalige vor sich hergetrieben, weil sie mit den Finanzen nicht zurechtkommt. Das ist ja sein Job als Oppositionsführer. Und jetzt, wo er Kanzler ist, sagen sie natürlich, ja nee, wieso? Wir brauchen doch das Geld gegen die Russen und für die Infrastruktur und bla bla bla und so. Also lassen Sie mal, ehrlich gesagt, da messen Sie jetzt mit zwei Maßstäben. Naja, aber dann kommen wir doch mal, lieber Augstein, dann kommen wir doch mal auf dieses Reformpaket. Das, wie ich finde, dann doch schon eine überraschend liberale, rechts der Mitte, sage ich mal, Handschrift trägt. Sowohl bei den Sozialreformen, die ja letztlich auch daran bestehen, dafür zu sorgen, dass weniger Geld ausgegeben wird, also man könnte es auch Kürzungen nennen. Bei einer Rentenreform, die wahrscheinlich die größte ist seit über 20 Jahren. Bis hin zu einem, wie ich finde, in diesem Fall wirklich ambitionierten und extrem vielversprechenden, weil strukturell angelegten Bürokratieabbau. Und, und, und, und, 34 Punkte. Über die Kommunikation können wir gleich noch reden. Aber in der Sache ist das ein konservativ-liberales Programm, was da umgesetzt worden ist. Und die SPD hat, anders als ich es erwartet hätte, an vielen, vielen Stellen mitgemacht. Chapeau. Blume, ich kann mir das vorstellen, wie Sie da in Ihrem Kamin sitzen und den Quantro-Schwenker. Vor sich hinschwenkeln und sich freuen über dieses neoliberale Programm, was ich übrigens, wie Sie sich nicht wundern werden, für ein Sozialabbau-Programm halte, aber okay. Ich war neulich bei einer Geburtstagsfeier eingeladen und kam zu sitzen neben einem, jetzt erzähle ich Ihnen eine kleine Schwankanekdote aus meinem Leben. Einem Unternehmer, einem Metallunternehmer aus dem Raum Frankfurt-Heidelberg, der irgendwie mit Aluminium irgendwas macht. Und er hat gesagt, wir erzeugen das Aluminium nicht. Ja, so viel Energie brauchen wir nicht. Das ist praktisch einer der energieintensivsten Bereiche, die es überhaupt gibt, die Aluminiumherstellung. Aber wir verarbeiten Aluminium und brauchen dafür auch 600 Grad. Und die Energiekosten in den letzten Jahren haben sich und ich weiß nicht was. Und wir wollen doch nur. Und das war so ein Unternehmer, Das war so ein ganz anständiger, netter Kerl, so ein älterer Herr, so ein klassischer deutscher Mittelstandsunternehmer, der, jetzt aus irgendwelchen Gründen dachte, wahrscheinlich dachte er, dass er mit Ihnen redet, lieber Blome, weil ich kenne ja diese ganzen Politiker nicht, die Sie ja alle auch kennen und mit Ihnen immer im Kanzlerjet und so. Nikolaus, erklär mal, was würdest du machen? Der dachte wahrscheinlich, dass ich jetzt irgendwie seine Botschaft nach Berlin tragen kann, die eigentlich aus so einer Hilflosigkeit bestand und so einer Ratlosigkeit. Warum macht die Politik es uns so schwer? Und diesen Leuten. Dem Problem, die er hat, für die ist doch dieses Reformprogramm, was sie so toll finden, gar nicht adressiert. Das heißt, das Perverse an diesem Reformprogramm ist, es wird doch der Industrie gar nicht in dem Umfang helfen, wie ich das tun müsste und belastet dann auch noch die armen und arbeitenden Leute. Und deshalb nennt Sabine Rennefanz es in ihrer Spiegelkolumne ein Radikalisierungsprogramm der arbeitenden Mitte und ich glaube, da hat sie recht. Augstein, Ihren freundlichen Aluminiumunternehmer in allen Ehren, mir geht die deutsche Wirtschaft in Teilen zumindest jetzt wirklich auf den Zünder. Ja, man kann sagen, dass die Steuerlast zu hoch ist und diese Steuerreform, die ja Teil dieses großen Reformpaketes ist, viel zu klein ausfällt. Okay, geschenkt. Das ist keine wirkliche Steuerreform, die bei 30 Milliarden Euro Entlastung anfangen würde. Die schaffen es nur auf 10 und die sind auch schon sehr seltsam zusammengerechnet. Aber auf der anderen Seite macht diese Regierung, muss man ihr fairerweise auch mal zugestehen, weil immer nur draufhauen, auch wenn es sich gar nicht gerechtfertigt ist, das bringt es ja auch nicht. Also diese Regierung macht sich immerhin daran, erhebliche Teile dieses Bürokratiedschungels auszuforsten. Und darüber klagt die deutsche Wirtschaft zurecht. Da wird ihr jetzt geholfen und sie klagt immer weiter. So funktioniert das System nicht. So kann das System nicht auf Dauer funktionieren. So wird es in den Graben fahren, beziehungsweise von der AfD übernommen werden. Man muss jetzt irgendwann auch mal unternehmerischerseits zur Kenntnis nehmen, die Lage war schlecht, jetzt ist sie ein Stückchen besser, weil die Regierung was gemacht hat, beziehungsweise dabei ist, was zu tun. Nämlich zum Beispiel die ganzen Berichtspflichten, die Dokumentationspflichten, die... Die Bürokratie, die aus mancher Umsetzung von EU-Richtlinien noch obendrauf gesattelt wurde, wegzumachen. Ja, einfach wegzumachen. Die Hard Facts sind doch die Energiekosten, das wissen Sie doch auch. Und da ändert doch sozusagen diese Reform gar nichts, weil man sich an das Thema in Wahrheit gar nicht rantraut. Augstein, also erstens ist der Industrie bereits die Energiekosten in Teilen gesenkt worden. Immer noch nicht genug, bin ich sofort dabei. Die Steuerreform noch einmal ist keine, aber von wegen Bürokratie wegmachen, senkt keine Kosten. Allein durch einen kleinen Federstrich, da geht es dann so um die Gefahreneinschätzung und Gefahrendokumentation und so ein Zeugs, spart die deutsche Wirtschaft, wenn die das jetzt umsetzen, was sie sich da aufgeschrieben haben, viereinhalb Milliarden Euro pro Jahr. Und das ist dann schon eine Menge Geld gerechnet, auch gegen einen sehr hohen Strompreis. Ich will das jetzt nicht schön lügen. Worum es mir nur geht, ist, wenn wir den Blick für den Trend verlieren, verlieren wir die Fähigkeit, es einzuschätzen, was da vor sich geht. Ob diese Regierung anfängt zu arbeiten, ja oder nein. Wenn wir immer nur sagen, scheiße, scheiße, scheiße und der Allo-Unternehmer sagt, was immer passiert, ich finde es trotzdem doof, dann kommen wir nicht weiter. So kann man, wenn man so will, nicht Politik machen, auch nicht als Bürger bzw. Als Wähler oder Unternehmer. Eines der Hauptprobleme in diesem Land ist doch die Stimmung. Mann, darüber reden wir doch hier auch die ganze Zeit. Und dieser denkwürdig unbeliebte Bundeskanzler hat es bisher ja nicht geschafft, die Stimmung zu wenden. Aber mit diesem sogenannten Reformpaket wird es doch erst recht nicht schaffen, denn jetzt ist die Stimmung noch schlechter als vorher. Das muss man erstmal hinkriegen. Diese neuen Regelungen für die Krankschreibung, die beinhalten, dass man den Leuten misstraut, dass man sich für Blaumacher hält, für Warmduscher, die beim kleinsten Schnüpfchen sich schon in die Hängematte verpieseln wollen und so weiter. Diese Regeln machen wahnsinnig schlechte Laune bei den Leuten, weil man eine Gesamtbevölkerung unter Generalverdacht stellt. Und auf diese Weise erzeugt man doch nicht das optimistische Gemeinschaftsgefühl, wir müssen hier alle zusammen aufbrechen. Das passiert halt nicht. Das heißt, er schafft es weder bei den Unternehmern, von dem ich ja eben jetzt erzählt habe, das Unternehmerbeispiel. So ein Aufbruchsgefühl zu vermitteln, noch bei den normalen arbeitenden Leuten. Und ich weiß nicht, das ist eine... Der Mann ist einfach der falsche Mann am falschen Platz. Ja, Quod Errat Demonstrandum. Das ist ein sauberer Zirkelschluss, lieber Kollege Augstein. Wissen Sie auch, darauf will ich ja hinaus. Also der Unternehmer, dem ich jetzt gar nicht persönlich zu nahe treten möchte, der hat wahrscheinlich wirklich echte Probleme. Aber der sagt, die Stimmung dreht sich ja gar nicht, nimmt aber nicht zur Kenntnis, was ihm gerade auch gutes Widerfahren ist oder widerfahren könnte aus diesem Reformpaket. Weil er sagt, es reicht alles nicht. Die Stimmung dreht sich ja gar nicht. Und dann ist meine Stimmung eben auch schlecht. Das hat ja miteinander zu tun. Und die zweite Punkt, die Stimmung in der Bevölkerung, beim Wähler, tatsächlich verheerend schlecht für Friedrich Merz als Person wie als Regierung. Die dreht sich ja auch nicht, weil die werden alle unter Generalverdacht gestellt. Naja. Den einen oder anderen Minimalen, möchte ich sagen. Hüstelkleinen Anfangsverdacht, den gibt es aber schon. Und der besteht stumpf darin, dass in Gesamteuropa, auch in wirklich vergleichbaren Ländern mit vergleichbaren Gesundheitssystemen und Altersstrukturen etc. pp. Zu Corona-Zeiten, genauso wie in Deutschland, die Krankenstände rasant raufgegangen sind, Krankenschreibungen und Fehlzeiten und danach halt wieder runter aufs Vor-Corona-Niveau, war ja Corona dann auch vorbei. Ein Land macht eine Ausnahme und das ist unser Land. Und das können Sie in Teilen vielleicht mit irgendwelchen statistischen Effekten noch erklären, aber im Kern eben nicht. Und jetzt wird versucht, dagegen vorzugehen, gegen diese überraschend künstlich hohen Krankenstände. So, ist das jetzt Generalverdacht oder ist das Kur? Meinetwegen sogar Rosskur. Aber es ist doch Unsinn. Es ist zum Teil ein statistisches Problem, weil man seit der Einführung der elektronischen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung, Krankschreibung ganz anders erfasst als vorher. Da werden sie jetzt irgendwie so ihre komischen Augen bauen, hochziehen und hüsteln oder so. Aber so entsteht halt auch Wirklichkeit, denn wir haben es ja hier nur mit statistischen Werten und Zahlen zu tun. Die werden heute ganz anders erfasst als früher und lassen sich deshalb sehr, sehr schlecht vergleichen. Außerdem, lieber Kollege Blome, gucken Sie mal in den Spiegel, Deutschland altert und zwar teilweise rasant, möchte ich sagen. Und alte Menschen sind halt auch krankheitsanfälliger als junge Menschen. Ich meine, darüber muss man sich doch dann auch nicht wundern. Lieber Kollege Augstein, ich möchte Sie auf eine Erkenntnis hinweisen, die in Ihrem eigenen Blatt im Spiegel gestanden hat, nämlich eine schöne Umfrage. Wonach ein Viertel der Befragten selber angibt, von sich selber angibt, schon mal blau gemacht zu haben, also krank gefeiert zu haben, obwohl sie gar nicht krank waren, obwohl sie sehr gut hätten zur Arbeit gehen können. Ein Viertel. Mann, aber Blume, nein, Entschuldigung, ich will jetzt wirklich nicht die Sendung von letzter Woche wiederholen, aber ich muss es hier an diesem Punkt, weil das ist einfach das Thema, was im Moment am meisten anliegt und, wie habe ich gesagt, was auch eine Weichenstellung ist für die Zukunft dieses Landes. Das kann man vielleicht doch noch einmal sagen. Bei den Großthemen Steuer, Rente, Gesundheit, Arbeitsmarkt, Wohngeld, das sind ja alles Teile, wo diese. Koalition jetzt versucht, in einer großen Reformaufwahlung den Stillstand, die Misere, was auch immer, in diesem Land in den Griff zu bekommen. Und am Schluss bleibt übrig, dass die kleinen Leute die Zeche zahlen und alles auf ihren Schultern abgearbeitet wird. Und dann auch noch mit dem Zeigefinger. Und außerdem haben wir euch im Verdacht, ihr seid alles Faulenzer und Blaumacher, ihr Schlappschwänze. Jetzt hier mal Ärmel hochkrempeln und so. Und das ist verheerend. Deshalb freuen sie sich ja in Wahrheit aus. Deshalb haben sie ja auch in der letzten Woche eine Kolumne beim Spiegel geschrieben, das sei eine neoliberale Reformagenda. Und das haben sie gar nicht als Kritik gemeint. Denn wenn ich das sagen würde, wäre das ein vernichtendes Urteil. Wenn sie das sagen, ist das ein Kompliment. Und vor allem, was ist mit den Menschen, die trotzdem zur Arbeit gehen, wenn sie krank sind? Die sind ja in den Statistiken auch nicht drin. Das macht mich, ich kriege ein bisschen Puls, wenn ich da so zuhöre, muss ich ehrlich sagen. Ivy, das freut mich auf eine Art, dass die Generation, die nach uns folgt und unsere Rente ja sichern muss, auch meine Rente sichern muss, noch Puls hat. Das halte ich für eine... Nein, das finde ich auf eine Art erfreuliche Nachricht. Ich habe nur das Gefühl... Aus tausenderlei Gründen. Ich will jetzt kein Generationen-Bashing machen. Das habe ich noch nie gemacht. Das werde ich auch niemals tun. Das halte ich für so abseitig doof, dass ich das nicht mache. Und trotzdem müssen wir uns doch die Frage stellen, ob, genauso wie Augstein das sagt, wir nicht alle miteinander mal die Ärmel hochkrempeln müssen, um diesen Karren aus dem Morass zu ziehen namens Deutschland. Und ja, wahrscheinlich müssen wir die Ärmel hochkrempeln. Und das bedeutet eine mindestens mal zeitweilige Mehrbelastung im Vergleich zu vorher. Ja, aber Blume. Aber was wir nicht machen können, was wir definitiv nicht machen können, ist zu sagen, wir lassen alles wie es ist, inklusive der Ärmel unten und wundern uns, dass sich nichts verändert. Ja, Blume, ich glaube, dass der Punkt ist, die Stimmung ist so schlecht und diese Reformen lassen sich so schlecht vermitteln, weil die Leute mitbekommen, ich sag's nochmal, dass die Inhaber großer Vermögen, die Rentiers, die Leute, die viel geerbt haben, die Leute, die Mietshäuser haben und von Mieteinnahmen leben, dass die von all diesen ganzen Sachen nicht betroffen sind, weil sie quasi in so einer Art, Paralleluniversum ihr Geld verdienen. Diese ganzen Sachen, die hier sind, betreffen Angestellte und Menschen, die monatliches Einkommen beziehen. Leute, die ihr Geld aus anderen Quellen haben, segeln quasi in ganz anderen Fahrwassern. Das ist grundsätzlich unsozial und zwar bei der Frage Krankenversicherung, bei der Frage Rente, bei der Frage der Steuern und so weiter, haben wir im Prinzip in der Struktur unsoziales System. Und das Komische ist, das blenden Sie so weit aus, dass Sie das schon gar nicht mehr sehen. So wie übrigens diese gesamte Mehrheitsgesellschaft auch. Also die, soweit sie sich in den sogenannten Mainstream-Medien wiederfindet. Und das ist eine fundamentale Schieflage und der echte Skandal ist natürlich, dass die SPD das einfach mitmacht. Ich meine, ich erinnere Sie nur daran, die SPD hatte vor ein paar Jahren, stand sie dafür, diese sachgrundlose Befristung von Arbeitsverträgen grundsätzlich zu streichen, weil es ein mieses Mittel, ehrlich gesagt, Entschuldigung, der Ausbeutung und der Unterdrückung von abhängig Beschäftigten ist. Und jetzt wird es nochmal, ich weiß nicht was, auf vier Jahre verlängert, die Maximalfrist und danach kann man immer noch verlängern. Sie können Leute jetzt dauerhaft immer so in der Schwebe halten im Arbeitsmarkt. Das ist die SPD, die für heute. Ich meine, die Partei braucht echt keinen Mensch mehr. Da haben Sie auf eine Art Paradox, möchte man beinahe sagen, Recht, lieber Kollege Augstein. Denn in der Tat finde ich, dass die SPD sich bewegt hat und zwar mal zur Abwechslung in die richtige Richtung. Ich glaube übrigens auch in eine Richtung, die ihre alte Wählerschaft, die Arbeiterschaft für gerecht empfindet. Die ein ganz tiefes Ungerechtigkeitsgefühl haben, zu Recht oder zu Unrecht, gegen diesen Sozialstaat, der eben dann vielleicht doch zu üppig, nicht im Sinne von Geld, aber doch im Sinne von Regelung, zu leicht auch ausnutzbar geworden ist und deswegen diese Arbeiter der, SPD von der Fahne gegangen sind. Aber man könnte ihnen ja zurufen, der SPD, in ihrem Sinne, dann geht doch rüber. Wenn ihr dabei nicht mitmachen wollt, liebe SPD, bei einer Liberalisierung, bei einer wachstumsfördernden Politik, die dann auch mal gut ist für die Unternehmen, dann geht doch rüber und sucht euch eine linke Mehrheit. Denn auf der linken Seite erstarkt ja gerade die Linke, Ich kann nicht verstehen, warum, aber in Berlin zum Beispiel, bei den Landtagswahlen hier in der Hauptstadt, könnte es ja durchaus sein, dass wir eine linke Bürgermeisterin kriegen, weil die stärker und stärker geworden sind. In der Stadt Graz in Österreich, große Stadt in Österreich, kommunistische Bürgermeisterin. Kommunistisch bitte, das ist doch auch nochmal ein anderer Schnack. Nein, das ist interessant. Wir hatten es am Ende unserer letzten Sendung kurz angeschnitten. Sie haben sich neulich in der Kolumne damit beschäftigt. Was ist mit der Linkspartei? Ich würde dann den Blick noch weiten, was ist überhaupt mit den Linken quasi in Europa, vielleicht sogar im gesamten Westen, die eine Renaissance erleben. Es erlebt ja glücklicherweise nicht nur die AfD eine Renaissance, sondern ist die der Linken leider nicht ganz so glänzend wie die der AfD, aber immerhin. Und der Economist, wenn ich das kurz ein bisschen erläutern darf, die britische Zeitung Economist, die nur wirklich keine linke Zeitung ist, ganz und gar nicht, hat neulich einen Artikel gemacht über ein Phänomen, was sie beobachten dort, die Kollegen, den Gen Z Socialism, also den Sozialismus der Generation Z. Und das fand ich wahnsinnig spannend, weil diese Analyse war natürlich eine Kritik dieses Phänomens, aber manchmal versteht man ja Sachen am besten, wenn sie von ihren Gegnern beschrieben werden. Und da wird gesagt, dass in vielen westlichen Ländern, und dazu gehört Deutschland ja auch, die hohe Inflation, die Wohnungsknappheit und übrigens auch die Sorge um den eigenen Arbeitsplatz durch die KI. Das Triebkräfte sind, die den Linken und einer neuen Form von linken Politikern Wählerstimmen und vor allen Dingen junge Wähler zutreiben. Und wenn Sie mich fragen, halte ich das für eines der ganz, ganz wenigen wirklich optimistisch stimmenden und Hoffnung machenden Phänomene unserer Gegenwart, die ich ansonsten für ziemlich düster halte. Das finde ich so großartig, Augsstein. Das ist so, so großartig. Das ist die Erfindung des Perpetuum mobilis. Das ist Ihnen schon klar. Das politische Perpetuum mobilis. Sie schaffen Wohnungsknappheit in einer Stadt, in dem Sie als linke Politik, auch Grüne haben daran mitgewirkt, verhindern, dass neu gebaut wird. Sie verhindern, dass modernisiert wird. Sie verhindern, sie verhindern und dann möchten Sie auch noch enteignen, damit endgültig die private Bautätigkeit zum Erliegen kommt. Und wenn der möchte, schon irgendwann einmal enteignet werden. Und dann, wenn auf all diesen Wegen Wohnungsknappheit hergestellt worden ist, dann sagen sie, jetzt müssen wir Linke wählen, weil jetzt ist ja Wohnungsknappheit. Das ist doch irre. Entschuldigung, lieber Kollege. Das ist wirklich irre. Die machen ihre eigene Knappheit, aus der sie dann ableiten, man müsste sie wählen. Geht's noch? Nein, die Knappheit ist entstanden dadurch, dass in der neoliberalen Ära der gesamte soziale Wohnungsbau abgewickelt wurde und viele von diesen öffentlichen Wohnungsbaugesellschaften einfach privatisiert wurden. Das war das große ideologische Zeitalter, dass sie so feiern, eine wirklich vollkommen, dysfunktionale, menschenfeindliche Ideologie, die 30 Jahre lang die westlichen Gesellschaften beherrscht und meiner Meinung nach auch kaputt gemacht hat. Und tatsächlich, womit Sie recht haben, ist das natürlich der... Die grüne Ideologie, die ich übrigens nicht für links halte, sondern die ist halt ökologisch und grün, das ist eine andere Idee. Die grüne Ideologie macht das Bauen natürlich massiv teurer. Das stimmt schon. Das Bauen wird natürlich unrentabler durch das Dämmen und durch die Baustoffe und ich weiß nicht was und CO2-Thematik wird Bauen natürlich teurer. Wenn man aber dann gleichzeitig sagt, ja, wir wollen das Klima retten, aber wir wollen auch alles dem Markt überlassen, dann wird Bauen halt so teuer, dass in Berlin eben nur noch wirklich sehr, sehr reiche Leute in Neubauten ziehen können. Wenn man das Klima retten will, müsste man gleichzeitig dann als Staat einsteigen und sagen, wir tragen als Staat diese erhöhten Baukosten, die wir jetzt für notwendig halten und unterstützen den sozialen Wohnungsbau massiv. Das ist aber nicht passiert und das ist genau das, was jetzt eine junge linke Bewegung fordert. Aber es ist ja nicht nur das. Die haben auch festgestellt, die kritisieren sozusagen fundamental die Glaubenssätze an die Leute wie sie immer noch glauben. Sie sind doch auch jemand, der glaubt, Wachstum hilft der Gesamtgesellschaft, weil das Wachstum irgendwann auch runter tropft und trippelt irgendwie auch in die unteren sozialen Bereiche. Diese neue linke Ideologie sagt, das stimmt nicht. Wachstum hilft nur noch den Superreichen. Und das kommt gar nicht mehr an bei den Leuten. Deshalb ist diese Wachstumsideologie schon nichts mehr, dem wir anhängen sollen. Und das finde ich alles sehr, sehr erfrischend, weil es ein neuer Input ist in die öffentliche Debatte, der uns so sehr fehlt. Naja, Augstein, neu ist das ja nun alles nicht. Diese Wachstumsskepsis. Und der Gedanke Umverteilung von oben nach unten löse das Problem einer Gesamtgesellschaft. Die im Übrigen, was die Vermögensverteilung und was die Einkommensverteilung angeht, keineswegs ungerechter geworden ist, sondern auf dem Niveau über Jahre und Jahrzehnte zum Teil verharrt ist, dass es hatte, also keine Verschlimmerung, keine grassierende Armut etc. Wachstum ist das Mittel gegen Arbeitslosigkeit. Und Arbeitslosigkeit ist der Nummer 1 Weg in die Armut, auch in die Wohnungsarmut. Das heißt, wenn diese Wirtschaft nicht wächst, werden wir 3, 3,5 und irgendeine 4 Millionen Arbeitslose sehen. Und wenn dann noch die KI oben drauf kommt, dann aber gut Nacht. Das heißt, ich glaube auch die Linke müsste sich eine neue Erzählung einfallen lassen, als nur zu versuchen, ihre alte Erzählung auf TikTok jetzt schneller unter die Leute zu bringen. Und darum, Argstein, finde ich die Linke in ihrem Erfolg eindeutig gefährlich. Und daraus würde ich ableiten, wenn hier immer schon von der Brandmauer die Rede ist, die, wie ich finde, unterm Strich ja doch eine richtige Sache ist zwischen CDU und AfD. Jetzt bitte auch eine zwischen SPD und Grünen auf der einen Seite und eben der Partei Die Linke auf der anderen Seite. Sie können mit dieser Partei nicht wirklich koalieren. Und nicht nur, weil der neue Parteivorsitzende Pantisano gesagt hat, alles rechts von mir sind Faschisten, alles Faschisten außer mir und Mutti. Das hat er nicht gesagt. Sie sind so blöd. Das hat er so gar nicht gesagt. So wie sie den Namen eben ausgesprochen haben, merkt ihr schon, wie sie sich Mühe gesorgt haben. Du heißt der Parmigiano, du heißt der Parmesano. Nein, er heißt Pantisano und es ist offensichtlich ein kluger, lustiger Mann, der eben auch nicht auf den Mund gefallen ist. Und er hat nicht gesagt, alle Leute, die rechts auf vier stehen, sind Faschisten, sondern er hat gesagt, zwischen der Politik, die die CDU macht und der Politik, die die Faschisten machen, gäbe es keinen großen Unterschied. Und dann musste er sich dafür 35 Mal entschuldigen und so weiter und so weiter. Da kann ich nur sagen, Leute, entspannt euch mal ein bisschen und freut euch mal, dass jetzt auch auf linker Seite, ehrlich gesagt, Klartext geredet wird. Warum darf eigentlich immer nur Wolfgang Kubicki Klartext reden und Alice Weidel und ich weiß nicht was und die liberalen, progressiven Parteien müssen immer mit angezogener Handbremse fahren? Das bekommt uns Linken gar nicht so gut. Chantal Mouffe hat gesagt, sie können einer starke Emotion nur mit einer anderen starken Emotion begegnen. Eins meiner absoluten Lieblingszitate. Chantal Mouffe, große Theoretikerin der Linken. Ja, ich weiß, haben Sie recht, Augstein, das leuchtet mir auch mitunter ein. Ich finde nur, also gut, der Mann ist nicht auf den Mund gefallen, aber man hat leider zumindest an der Passage kurz den Eindruck haben müssen, der sei auf den Kopf gefallen. Denn wenn Sie versuchen, die CDU mit der AfD in einen Topf namens Faschismus oder Faschistenz zu werfen, dann zeugt das von einer. Wie soll man sagen, von einer Unernsthaftigkeit gegenüber der Lage, auch der eigenen Lage, dass ich mich wirklich frage, warum man so jemand an die Spitze einer Partei will. Jetzt tun Sie doch nicht so. Seien Sie doch nicht pälslicher als Vertrags. Sie wissen doch ganz genau, die einzige Brandmauer, die zwischen der CDU und der AfD noch steht, ist Friedrich Merz. Friedrich Merz ist die Brandmauer in Person. Sobald der weggeht, und er wird nach der nächsten Wahl weggehen, denn er wird nicht nochmal antreten, kommt Jens Spahn und es kommt die Kooperation zwischen der CDU und der AfD. Und dann kann sich Herr Pantesano irgendwie so zurücklehnen und sagen, habe ich euch doch immer schon gesagt. Und Sie werden irgendwie Ihre Zunge in der Backe kauen müssen und dann übersagen, heute ist es eine ganz andere Situation. Das ist total, komplett absehbar. Und unser Freund Döpfner, über den wir hier neulich geredet haben, der dem publizistisch sozusagen schon den Weg bereitet, der weiß das auch. Und der wird nachher mit Jens Spahn zusammen die CDU in die Arme der AfD treiben. Read my lips. Aber haben Sie nicht das Gefühl, Augstein, haben Sie nicht erstens das Gefühl, dass Herr Pantesano mit solchen Gleichsetzungen. Genau daran teilhat, an dem Niederlegen, an dem In-Gefahr-Bringen dieser Brandmauer zwischen CDU und AfD. Das ist der erste schwere strategische Fehler, den er macht. Und zwar gegen sich selbst, gegen die eigenen Positionen. Also er schädigt sich und seine Partei selber. Und zweitens wissen Sie ganz genau, dass in dem Augenblick, in dem die Brandmauer umgelegt wird von der CDU, Sie zwei CDUen haben werden. Eine vielleicht Jens Spahn, wobei diese Unterstellungen ich gar nicht so plausibel finde. Aber nehmen wir mal an, eine Jens Spahn, AfD nahe CDU und eine wahrscheinlich deutlich größere, Henrik Wüst, AfD-Averse, AfD-gegnerische CDU. Das ist dann für das deutsche Parteiensystem endgültig die Kapitulation vor dem Pol AfD, aber auf gar keinen Fall der Weg, den die CDU geschlossen gehen würde. Und Augstein, letzter Punkt, ist Ihnen eigentlich bewusst, dass Sie da in Südfrankreich, wo Sie sind, demnächst Teil der USA sind, als 51. Bundesstaat? Wieso das? Naja, ganz einfach. Weil Donald Trump Frankreich annektieren wird, so wie er Grönland annektieren wollte, Belgien und ich keine Ahnung, welche anderen Länder auch noch, Venezuela, Kolumbien, Mexiko, Kanada. Also es wird am Ende aber hinauslaufen auf einen anderen WM-Teilnehmer als die vorgenannten, nämlich auf Frankreich, weil Frankreich Weltmeister wird. Und dann sind die USA Weltmeister im Fußball. Ist doch ganz klar. Und weil er sie einfach vorher annektiert hat. Also sie werden als USA, als 51. Bundesstaat, werden die Weltmeister. Und dann kommt Herr Infantino, der FIFA-Chef, der mindestens, und das ist wirklich schwer, so korrupt ist wie der US-Präsident und sagt, ja, vollkommen okay, klar, die USA sind Weltmeister, hier ist der Pokal. Den er übrigens, Achtung, im Oval Office ja schon abgestellt hat. Es ist ein Plan, sehen Sie das nicht? Sehen Sie, Blume, und deshalb hatte ich eben gerade gesagt, unsere Gegenwart ist düster und das Erstarken einer jungen, irgendwie tatsächlich revolutionär gesündeten Linken ist eine der wenigen Sachen, die ich so halbwegs optimistisch finde. Sie beschreiben diese düstere Gegenwart, in der wir leben. Ja, sehr klar. Ich meine. Es ist ein korrupter Präsident, der sich mit Milliarden bereichert hat in seiner Präsidentschaft. Ein offensichtlich total korrupter Fußballchef, der das alles wird auch überhaupt nicht mehr irgendwie so kaschiert oder hinter so verborgenen Türen so gemacht. Es ist vollkommen offen und alle machen mit, alle unterstützen das, alle machen gute Miene zum bösen Spiel. Alle sind im Grunde wie der NATO-Generalsekretär Mark Rutte, der wie so ein Aal immer wieder noch neue Wege findet, um irgendwie in den unförmigen Leid von Donald Trump einzudringen und dort zu versuchen, seinen Hirn zu beeinflussen oder es überhaupt erstmal zu finden. Was für eine ekelhafte Vorstellung. Also es ist wirklich dystopisch. Ich verstehe nicht, warum wir alle uns nicht abwenden von diesen Leuten, von Trump und Infantino und ihresgleichen. Ich verstehe es echt nicht. Wir machen diese Leute stark. Das ist ihnen schon klar, oder? Entschuldigung, ich werde jetzt ein bisschen pathetisch hier so zum Ausklagen, aber ich finde es einfach drastisch. Naja, sie haben sich das System, ihr jeweiliges System, auf demokratische Art und Weise mit Wahlen ganz schön gefügig gemacht. Das gilt ja auch für Herrn Infantino. Der wird immer wieder wiedergewählt. Was ja ein bisschen damit zusammenhängen könnte, dass auch sehr, sehr, sehr kleine Inselstaaten die Mühe haben, eine Mannschaft zusammenzubringen. Eine so große Stimme, eine Stimme in den Gremien hat, wie große Fußballnationen wie Argentinien, Frankreich, meinetwegen auch Deutschland. Mit Millionen, zig Millionen Mitgliedern in den dortigen, wie soll man sagen, Vereinsstrukturen. Das hat er halt hingekriegt. Der ist quasi unkündbar, weil er unabwählbar ist. Also wir sehen, dass dieses System Trump halt auch schon woanders ganz gut funktioniert, auch in einem Staat, und das ist nichts anderes als ein Staat, mit dem Bruttosozialprodukt einer mittleren Inselrepublik namens FIFA. Alle machen mit, ja, alle gucken hin, ich gucke auch hin, ich gucke total gerne Fußball. Und da sind immer wieder Spiele dabei, wo sie denken, wow, das hätte ich jetzt einfach nicht gedacht, dass es so ein Spiel nochmal geben könnte. Oder dass so jemand wie Lionel Messi, der über 40-jährige Geniespieler von Argentinien, dann einfach so ein Spiel entscheidet, wo seine Mannschaft 2 zu 0 zurückliegt und dann dreht er das Spiel einfach, weil er es kann, weil er begnadet ist. Das Spiel kriegen sie nicht kaputt, das kriegt noch nicht mal Infantino kaputt und darum sage ich ihnen, die Welt ist gar nicht so düster, sie ist gar nicht so dystopisch, weil dieses Spiel ist stärker als alles. Das wird auch Herrn Infantino überleben und Donald Trump mal sowieso. Alles klar, Blume. Ich spring jetzt einfach kopfüber ins Mittelmeer und überlege mir, wann und wo ich wieder auftauche. Bis nächste Woche. Tschüss Ivy, tschüss Blume. Bis bald. Tschüss. Tschüss Augstein. Und nicht in den Tümpel mit dem Rosé springen.