Lieber Kollege Augstein, nach unserem spektakulären Sonderpodcast jetzt die reguläre Folge mit vielen wichtigen Themen, aber einer echten Truvai, möchte ich sagen. Einem echten Fundstück der politischen Prosa und Begrifflichkeit. Ich habe nämlich schon mit Blick auf die Landtagswahlen in Berlin in 14 Tagen. Ich sag mal ein bisschen rumgefordert im Programm der Linken. Und folgenden Begriff gefunden, den kannte ich nicht. Ich schwöre bei, ich weiß nicht was, ich schwöre, ich kannte diesen Begriff nicht. Und der heißt Nützlichkeitsrassismus. Gegen den wendet sich die Partei Die Linke, weil sie nicht möchte, dass Zuwanderer nach ihrer Tauglichkeit, ihren Fähigkeiten, ihren Einsatzwillen auf dem deutschen Arbeitsmarkt bewertet und begutachtet werden. Diese Form von Abwägung, wer passt zu uns und wer passt nicht so sehr zu uns und in unsere Wirtschaft, nennen sie Nützlichkeitsrassismus. Und da steckt so viel drin, darüber müssen wir nächste Woche reden, denn diese Woche reden wir ja im Zweifel nochmal über Sachsen-Anhalt. Wissen Sie, Blobe, bevor jetzt gleich das Intro kommt, möchte ich dazu nur eine Sache sagen. Die Linken sind mir deutlich lieber als die Rechten. Und jetzt Intro ab. Ja, bevor das Intro abgeht, habe ich doch noch eine winzige Einwahl. Wo genau liegt der Unterschied zwischen AfD sagt, alle Ausländer raus und die Linke in Berlin, aus was sich ihres Wahlprogramms sagt, alle Ausländer rein? Gut, wenn Sie den Unterschied nicht verstehen, dann müssen Sie nochmal links oben in der Brustgegen gucken, ob Sie ein Herz haben. Intro jetzt aber wirklich ab. So, lieber Kollege Augschen, fangen wir an. Put your money where your mouth is. Das Geld dahin, wo man auch sich selber positioniert. Würden Sie wetten, dass Ulrich Siegmund Ministerpräsident für die AfD in Sachsen-Anhalt wird, dass er diese Wahl, die es dazu ja braucht, gewinnt? Naja, ja, also wenn Sie mich jetzt so fragen und wetten ist ja immer mal ja oder nein, also ich würde das wetten ja und zwar aus ganz ganz vielen verschiedenen Gründen, zum Beispiel, dass er die Wahlhaushochhaus gewonnen hat, wäre zum Beispiel mal ein guter Grund, Ministerpräsident zu werden, also mit großem Abstand, ich meine, früher haben solche Wahlergebnisse die CSU in Bayern eingefahren, Ich wüsste gar nicht, welche Partei sonst in den letzten 20 Jahren solche Wahlergebnisse hatte. Das wäre schon mal ein Grund. Also die AfD hat gewonnen. Der andere Grund ist, wenn die das nicht machen, und wir werden jetzt ja sicherlich darüber reden, was es da so für Winkelzüge und Fragen und ich weiß nicht, Fallstrecke gibt und so. Aber wenn die das nicht machen, dann müssen die doch bei den nächsten Wahlen gar nicht mehr antreten. Denn die Wähler können sich doch auch sagen, okay, wir haben die jetzt schon mit 44 fucking Prozent praktisch ausgestattet und der regiert immer noch nicht, aber was wollen die denn noch? Oder ist es eine Strategie zu sagen, 44 Prozent reichen uns nicht, wir wollen 55, 60, 70 Prozent, das gesamte deutsche Volk soll sich hinter uns versammeln und dann werden wir gemeint. Und zwar wie ein Mann. Wie ein Mann, aber nur ein Mann. Frauen nicht so, aber wie ein Mann. Ja, das kann natürlich auch sein. Jetzt haben sie witzigerweise, ohne es zu merken, vielleicht ohne es zu merken. Ulrich Siegmund von vor der Wahl zitiert. Wo er sagte, beim Wahlkampf aufknackt, war ich dabei, in Magdeburg sagt er, ey Leute, ich brauche euch, sagt er in die Halle mit den ganzen Fähnchen. Ah, Fähnchen, Fähnchen, Fähnchen. Leute, ich brauche euch, ich brauche eure Hilfe. Ich will nicht 40 Prozent haben. Ich will auch nicht 42, 43, ich will 45 plus Prozent haben, denn ich will alleine regieren und ich werde nur alleine regieren. Gut, jetzt ist er vor die Wahl gestellt, seine Worte aufzuessen. Ganz schön sperrig, weil sehr schwere Worte, liegt auch ordentlich im Magen. Ach, jetzt hat er auch noch im Nacken sitzen seine beiden Parteichefs, die sagen, Ulrich, alter Schwede, jetzt mal nicht gekniffen. Du gehst jetzt mal auch notfalls mit einer Minderheit regieren. Und Ulrich sagt, nee, nein, eine Minderheit wollte ich nicht. Ey, Moment mal, das könnt ihr nicht mit mir machen. Das Problem wird sein, dass dieses Wahlergebnis, zugegeben, ganz fair und objektiv, jetzt für eine Sekunde Ironie und der ganze andere Quatsch aus, dieses Wahlergebnis ist extrem kompliziert. Das einer Partei vor die Füße zu legen, die sowas noch nie gemacht hat, ist objektiv wirklich schwer. Man könnte gerade so sagen, unfair vom Wähler. Warum? Ja, weil sie so im Halbschatten liegen geblieben sind. Es ist eben keine absolute Mehrheit. Klar, es gibt aber auch keine, noch nicht einmal denkbare, auch theoretisch nicht denkbare Möglichkeit für die CDU eine Regierung zu bilden, diese Regenbogenregierung, von der immer die Rede war, inklusive Linkspartei, selbst das reicht nicht. Es müssten sich also alle Parteien inklusive BSW zusammentun, um einen Ministerpräsidenten, keine Ahnung was da rein zu wählen. Der Ball liegt ganz alleine und ausschließlich bei der AfD, bei Ulrich Siegmund, jetzt irgendwas zusammenzubasteln, was ihr a. Ins Ministerpräsidentenamt wählt und b. dann irgendetwas ist wie eine Regierung, die auch Gesetze beschließen kann. Gut, das wissen wir jetzt noch nicht. Die Wahl ist jetzt erst ein paar Tage her. An dem Abend hat Herr Siegmund gesagt, wie hatten wir hier schon im Sonderpodcast, meine Hand ist ausgestreckt, meine Faust ist ausgestreckt, wer da reinläuft ist selber schuld. Nein, die ist ausgestreckt und das ist halt Demokratie und da muss man jetzt mal gucken. Was ich jetzt nicht verstehe ist, oder machen Sie das nur, weil das so Ihr Job ist, weil Sie so halt tagespolitischer Journalist sind und so, dass Sie jetzt so, Sie laden das so dramatisch auf. Sie wissen schon auch, dass auch Koalitionsverhandlungen zwischen arrivierten Parteien gerne mal, wie lange dauern? Zwei, drei, vier Wochen, zwei Monate, drei Monate, keine Ahnung. Also jetzt nach drei Tagen schon zu sagen, haha, da kann man mal sehen und so. Das war ein bisschen komisch. Ja, haben Sie völlig recht. Und manchmal scheitern die auch. Sie erinnern sich an die Verhandlungen 2017 für Jamaika. Ja, das erinnert mich. Unter der Regierung. Also wäre wahrscheinlich ganz gut gewesen, sagt Christian Lindner im Nachhinein wahrscheinlich auch. Der ist damals nämlich für die FDP rausgegangen und hat gesagt, Es ist besser nicht zu regieren, als falsch zu regieren. Was in zivilen Worten exakt das ist, was Ulrich Siegmund auch sagt von der AfD. Ich regiere nur, wenn ich meine Inhalte hier voll oder ziemlich voll durchsetzen kann. Und also können solche Koalitionsverhandlungen also auch scheitern. Aber in der Regel tun sie das nicht in Deutschland. Und mit so jemandem am Tisch wie der AfD würde ich mal sagen, wäre der Regelfall das Scheitern. Weil diese Bewegung, die die AfD ist, im Vergleich zu einer klassischen Partei, auf Kompromisse nicht ausgehen kann. Weil die Kompromisse als solchen schlecht gemacht zu haben, war zentrale Triebfehler ihres Wahlkampfs. Wir sind anders als diese komischen, glatt geschliffenen Kieselsteinchen, die nur Mist bauen. Blum, ich verstehe Sie gar nicht. Das fängt doch in Sachsen-Anhalt bereits an. Da ist doch schon der Rechtsaußen Sepp Müller, der schon vor der Wahl seinem, Parteifeind Schulze anständig in den Rücken gefallen ist. Der will doch da jetzt Parteivorsitzender werden, Chef in Sachsen-Anhalt. Und wer weiß, wohin der die CDU dort führen wird. Wer weiß, wie es Herrn Sigmund gelingen wird, irgendwelche Leute, also AfD-Sigmund gelingen wird, irgendwelche Leute aus der CDU rauszubrechen, aus der Fraktion, die ihn dann dort hineinwählen. Die CDU ist, glaube ich, nicht so monolithisch, wie sie es jetzt gerne hätten und vor allen Dingen ist die Autorität von Merz durch dieses Wahlergebnis total angekratzt und erschüttert. Und nochmal kann man auch an Herrn Müller sehen, wie der sich jetzt gegenüber Herrn Merz verhält. Herr Merz hat ihn vor der Wahl quasi öffentlich abgewatscht und jetzt nach der Wahl sagt Müller, ja ehrlich gesagt, das sehe ich anders als unser Bundesvorsitzender und übrigens unser ganzer Landesverband sieht das auch anders. Also Merz verfügt in diesem Landesverband gar nicht mehr über diese Form von Autorität und deshalb ist das Ergebnis im Moment total offen. Ja, lieber Kollege Augstein, da haben Sie nicht ganz unrecht. Auf alle Fälle wird es auch irgendwas von der CDU brauchen, aus Sicht der AfD, um eine Mehrheit zusammenzubasteln. Weil das, was man anfangs sagte, das BSW, was da ja nur mit 5, Krümelprozent noch reingehüpft ist, wenn die den Saal nur verlassen, dann hat er seine eigene Mehrheit da stehen. Das stimmt aber nicht. Da hat sich jemand gravierend verrechnet, auch im deutschen Fernsehen mehrfach jetzt. Allerdings nicht bei uns, nicht bei RTL und NTV. Aber die CDU... Wird man sehen, ob da nicht ein, zwei, drei Leute sich rausbrechen lassen, die vielleicht sogar zur AfD überwechseln und dann hat er seine Mehrheit auch, wenn man so will, im Rahmen seiner AfD-Fraktion. Das ist tatsächlich noch offen. Aber auch dafür müsste er einen Preis bezahlen und nicht in Euro, sondern wahrscheinlich in irgendwelchen Inhalten. Könnte ich mir vorstellen, mal sehen, ob er das hinkriegt. Aber Blick nach vorn, Blick auf Friedrich Merz, total angefasst. Ich habe den Bundeskanzler ehrlich gesagt noch nie so ratlos gesehen wie am Tag nach der Wahl. Am Mittwoch in der Generaldebatte hat er versucht, die AfD wirklich Wolle zu nehmen. Aber das ist eben auch nicht so richtig kanzlerisch, wenn jemand eigentlich erklären soll, wohin die Reise geht mit ihm beziehungsweise mit seiner Regierung vor großen, großen Reformvorhaben. Und was er dann raushaut, ist eine Breitseite an der anderen. Und nicht schlecht, aber eben doch nur gerichtet auf die Oppositionspartei namens AfD. Also der Kanzler taumelt. Blome, wir sitzen jetzt hier beide, ich komme mir vor wie so Kommentatoren in so einem Tennismatch oder eben so Fußballkommentatoren, wie ich das früher als Kind... Unsterblicher Satz, unsterblicher Satz. In einem Spiel, wo das Tor zusammenbrach. Und dann musste das wieder aufgestellt werden. Und die Kommentatoren, ich glaube, Günther Jauch war dabei, einer von den beiden, mussten dann das überbrücken und reden und reden und reden. Und dann fiel der Satz, ein Tor tätet im Spiel jetzt gut. Sehr witzig. Also jedenfalls kommt mir das gerade hier so vor. Das ist eigentlich überhaupt nicht meine Rolle, aber sei es drum. Deshalb gehe ich das jetzt sozusagen von der mir lieber, von der mir angenehmeren Seite an, nämlich von der Feuilletonistischen. Ich habe in FAZ-Föto einen Artikel von Simon Strauß gelesen. Kann ich allen Hörerinnen und Hörern wirklich nur empfehlen. Toller Autor in einer eh guten Zeitung, das wissen wir ja, aber wirklich ein großartiger, lustiger, kluger Autor, der eine wirklich bemerkenswerte Spalte geschrieben hat zum Auftritt von Friedrich Merz in der Pressekonferenz nach dieser Wahl. Und wo er eben zusammengefasst hat, wie Merz... Um Worte ringt und sozusagen wie vor dem Publikum darüber nachdenkt, wie er zu diesem Publikum reden muss. Und das muss wirklich eine ganz, ich habe mir das nicht angeguckt, ich gucke ja nicht so viel fern, ich gucke ja, ihr lest ja mehr Zeitung, aber wie Strauß das beschrieben hat, dass der Bundeskanzler um Worte ringt, wie er, besser sozusagen sprechfähig wird, so als höre man ihm beim Denken zu, als würde er laut mit sich selber reden oder mit seinem PR-Berater sprechen, wie man das besser machen kann. Das muss ziemlich bemerkenswert und schräg gewesen sein. Ja, bemerkenswert, schräg. Ich habe es eben versucht mit dem Wort ratlos zu fassen. Das war so wie jemand, der geht in einen großen Raum, der ist aber ganz leer. Und dann fängt er so leise, aber unsicher an zu reden und dann hallt es aus allen Ecken wieder auf ihn zurück und das nimmt er auf und redet dann einfach weiter und in der Tat verfertigt beim Reden Gedanken. Und das Ganze soll dann eine Kanzlerlinie darstellen. Das war es nicht. Es war schon ehrlich und authentisch, weil er offenkundig schwerst angefasst war. Und das dann leider mit dem Satz garnierte und dann ist es eben wieder typisch Merz. Fast getroffen ist auch daneben. Dann kam der Satz, den offenkundig irgendein Politberater wie ein Virus in diese Stadt gesetzt hat. Das macht etwas mit mir. Das macht etwas mit uns. Und wir brauchen eine andere Erzählung. Das ist auch so ein Wort. Wir brauchen ein neues Narrativ. In welchem Zusammenhang würden Sie sagen, das macht etwas mit mir? Ich weiß nicht, morgen habe ich zum Beispiel so eine Augenoperation, da will man mir so ein Loch ins Auge bohren, das erzähle ich dann den Hörerinnen und Hörern, nächste Woche fanden ich dann noch gucken, obwohl für einen Podcast muss man ja nicht so gut gucken können. Ich nehme mal an, das wird echt was mit mir machen, wenn man mir ein Loch ins Auge bohrt. Aber egal, was Simon Strauss… Ohne Betäubung? Nicht drüber reden, da kriege ich hier praktisch, dann bin ich hier raus aus dem, was ich hier gerade mache. Ohne Betäubung, ein Loch in den Kopf? Nein, ich bin echt ein Wimpy-Kid und ein Wimpy-Patient und das wird ganz furchtbar. Aber ich habe einen Schweizer Augenarzt, wo wir schon gerade drüber sprechen. Und allein der Umstand, dass es ein Schweizer ist, erfüllt mich mit so einer Art Grundvertrauen. Da können Sie mal sehen, dass ich bin natürlich auch irgendwie ein Rassist oder ein Kulturrassist oder ein Chauvinist oder so. Und es gibt sozusagen bestimmte Kulturräume, mit denen ich positiv und offen und mit Sympathie oder eben sogar mit Vertrauen begegne, wie der Schweiz. Und dann gibt es andere, über die möchte ich jetzt hier nicht reden. Aber zu diesem Thema kommen wir gleich. So, Klammer zu. Ich will nochmal zu dem Artikel, nein, zu Merz und Strauß dem Artikel, weil er in dem Artikel schreibt Strauß, dass Merz also sagt, er müsse emotionaler werden und er müsse sozusagen mit den Leuten besser ins Gespräch kommen. Und dann, und das ist natürlich die echte Pointe dieses Textes, Zitat, noch richtiger wäre es allerdings gewesen, er hätte die Rede gleich für diesen Vorsatz genutzt. Show, don't tell, sagen die Drehbuchschreiber. Zur echten Emotionalität gehört, dass sie sich nicht vorher ankündigt und zur schönen Erzählung, dass sie beginnt, ohne sich vorzustellen. Zitat Ende. Und das ist natürlich genau das Problem. Sie haben es eben gesagt, Merz kann einem schon fast leidtun. Das stimmt, das ist ja schon fast rührend, wenn da jemand vorne sitzt, ich muss unbedingt emotionaler werden. Ich weiß bloß nicht, wie es geht, weil ich gucke in mich hinein und so positive Emotionen, die mich sympathisch machen, habe ich gar keine. Doch, Friedrich Merz kann sympathisch sein. So ist es nicht. Der kann auch sehr sympathisch mit Menschen umgehen. Das kann man auch im Fernsehen mitunter beobachten. Wir haben eine Runde gehabt. Bei RTL. Vor der Wahl. Vier normale, in Anführungsstrichen, Menschen aus dem Volke, die alle Kritik an Merz übten, aber auf sehr unterschiedliche Art und Weise. Da war eine Ärztin dabei, die war Aktivistin in Wahrheit und ist dann vollkommen aus der Hose gesprungen und dann hat der Bundeskanzler echt zurückgeschlagen. Das war auch nicht super geschickt zumindest und trotzdem vielleicht sogar verständlich, egal, gab sehr, sehr viel harte Kritik, aber die eine Vertreterin, also eine Teilnehmerin, das war eine Pfarrerin aus Sachsen-Anhalt. Und die hatte so eine Mischung aus Kritik und Zweifel, aber eben so einer gewissen Zugewandtheit, einer Offenheit. Vielleicht ist das auch ein Teil des Berufsbildes. Und auf die ging der Bundeskanzler, wie ich fand, ganz persönlicher Eindruck, ungeheuer sympathisch zu und verbrüderte sich mit der so ein bisschen an dem Tisch, in dem er wirklich rund gemacht wurde ansonsten. Und das geht also. Das waren sehr sympathische fünf Minuten in dieser Sendung mit dieser Fahrerin. Also es geht. Und es ist für Friedrich Merz, wer ihn so ein bisschen kennt, schon echt ein großes Ding, wenn er sich öffentlich hinstellt und sagt, ich habe ein Defizit. Die Grunddisposition von Friedrich Merz war eigentlich immer ich weiß alles und ich kann es besser. So ist er, fürchte ich, durch größere Teile seines Lebens und seines politischen Lebens vor allen Dingen geschritten. Ich kann es besser, Angela Merkel war ein Irrtum und jetzt kommt endlich Rechte und Ordnung zurück, nämlich ich. Aber das war doch schon die Haltung von Olaf Scholz, dachte ich. Er kann alles am besten. Ja. Also noch besser eben als Merz. Also nicht nur besser, sondern am besten. Ja, wobei Friedrich Merz es noch besser zu können glaubte als Olaf Scholz, was nicht so schwierig war, nachdem man gesehen hatte, was Olaf Scholz wirklich kann als Bundeskanzler. Jetzt läuft allerdings Olaf Scholz durch die Stadt. Tritt so bei irgendwelchen Festen hier auf, zum Beispiel beim Fest der Landesvertretung von Hamburg und sagt halt, naja, da könnt ihr mal sehen, ich kann es aber doch besser gekonnt. Ich habe das gehört, Blume, dass Sie eben gesagt haben, es ist für Merz was ganz Besonderes, wenn er Fehler zugibt. Aber nehmen Sie es mir und den anderen 89, ich weiß nicht wie viele Millionen Deutschen nicht übel. Und es könnte sein, dass das too little, too late ist. Vielleicht reicht das nicht und ehrlich gesagt, das finde ich auch fast ein bisschen prätentiös. Jetzt könnt ihr doch mal sehen, ich gehe doch auch total in mich und ich bin doch total selbstkritisch. Ich stelle fest, ich bin gar nicht der Aller, Aller, Allerbeste. Ich bin nur der Beste. Das ist doch echt lächerlich. Die Frage ist halt, kann er das? Schafft er das? Und nicht irgendwie so, ob er jetzt anfängt mit so Soul-Searching. Ja, stimmt, Augstein. Too little, too late. Fairerweise muss man aber jetzt auch sagen, so wie Sie jetzt auf den Bundeskanzler blicken, und das ist ja fast noch mal an der Grenze zur Objektivität, kann der inzwischen machen, was er will. Wenn er über Wasser ginge, würden die Leute sagen, schwimmen kann er ja wohl nicht, oder? Insofern ist es wirklich, wirklich, wirklich schwer. Und wir kommen vielleicht am Ende der kleinen Podcast-Nummer hier nochmal drauf zurück, ob er eigentlich bleiben kann. ab so jemand, der so weit. Wundgescheuert ist, überhaupt noch bleiben kann, weil er denklogisch, theoretisch noch die Hoffnung haben darf, wieder da rauszukrabbeln aus dem Tief. Ich befürchte, das ist nicht der Fall. Es gibt keine Chance für ein Comeback für Friedrich Merz. Aber dazu gleich nochmal später. Ich würde gerne noch einmal zurück zur Frage too little, too late. Worüber wir nämlich überhaupt nicht reden, weil wir die ganze Zeit auf die CDU starren, ist die SPD, die andere Hälfte dieser Regierung, die uns ja hier aus dem Schlamassel führen soll, denn die AfD-Regierung in Sachsen-Anhalt wird es ja wohl nicht tun. Also, wo ist der Beitrag der SPD zur Stabilisierung dieses Bundeskanzlers? Die SPD, die gibt es ja noch. Sie ist jetzt in Sachsen-Anhalt einstellig, ist aber sehr, sehr zufrieden. Sie ist gestiegen. Weil das Ergebnis ist besser als letztes Mal. Also sie bewegt sich sozusagen nach oben. Also wenn man das auf einer Linie... Die SPD ist eine traurige Veranstaltung, Blume. Das kann ich Ihnen sagen. Und die SPD, von der SPD zu erwarten, die mit zwei durchschossenen Füßen sozusagen sich durch ihr politisches Restleben schleppt, diesen taumelnden, torkelnden Bundeskanzler zu stabilisieren, ist ein bisschen viel verlangt, finde ich. Ich glaube, das sollte er schon selber und das müsste schon seine Partei übernehmen. Die SPD kann froh sein, wenn sie nicht selber Hilfe braucht. Aber wenn die ganze Erzählung, lieber Kollege Augstein, dieses Bundeskanzlers, noch darin besteht, diese Reformen sind der Weg zum Wachstum. Wachstum ist und war das heilende Mittel auch für diese Gesellschaft, für das ganze Land. Und diese Reformen müssen wir deswegen jetzt durchziehen, meine Worte. Wenn sich die SPD dem in den Weg stellt, weil das ihre Lehre aus der Wahl in Sachsen-Anhalt ist, dann zerbröseln die Reformen und dann zerbröselt diese Regierung, zerbröselt dieser Kanzler. Also natürlich hängt es von der SPD ab und daraus, welche Lehre sie aus diesem Wahldebakel zieht. Noch einmal, mehr Schröder oder weniger Schröder, welchen Kurs hätten wir denn gern bei der SPD? Es hängt an der SPD ob diese Reformen bestehen bleiben und der Rest der Erzählung der Rest der Grundlage dieser Kanzlerschaft von Friedrich Merz bestehen bleibt oder ob er jetzt kaputt geht und dann ist Schluss am Ende des Jahres, Ich glaube, diese Regierung, Merz und auch die SPD, befinden sich in einer klassischen Catch-22-Situation. Im Prinzip ist, was sie machen, falsch. Wenn sie die Reformen durchziehen. Sind die Leute sauer, weil die Reformen unpopulär sind und es schadet bei allen kommenden Wahlen und die stabilisiert dann die Regierung. Und wenn sie die Reformen nicht durchziehen, verlieren sie ihre Glaubwürdigkeit, und vielleicht auch die Chance auf das Wachstum, was man bräuchte, um zumindest langfristig der AfD wieder das Wasser abzugrafen. Denn ich glaube, dass die AfD auf der Existenzangst der Leute ihre schmutzigen Buden aufbaut. Und wenn man die Existenzangst der Leute bekämpft, bekämpft man letztlich auch das Fundament der AfD. Aber wie gesagt, ich weiß nicht, ob diese Regierung dazu in der Lage sein wird. Aber ehrlich gesagt, deshalb habe ich schon tausendmal gesagt, bin ich froh kein Politiker zu sein. Und ich bilde mir auch nicht ein, hier Lösungen zu kennen. Ich glaube, ganz egal, was diese Regierung macht, ist es in jedem Fall falsch. Beides ist falsch. Tu es oder lass es, häng dich auf oder nicht, bereuen wirst du beides, wie der berühmte Philosoph Kierkegaard gesagt hat, den sie sicherlich kennen und auch immer zitierfähig halten, genauso wie ich. Tu es oder lass es, ist doch eh Schnauz, häng dich auf, das stimmt nur aus Sicht der Partei. Oder meinetwegen der politischen Persönlichkeiten, um deren Ämter es jetzt geht. Das kann schon sein, dass das Durchziehen der Reformen am Ende dieser Regierung, die Existenz kostet oder Friedrich Merz die Wiederwahl, wenn er sie überhaupt noch anstrebt. Ich glaube, das wird man ihm schon gesagt haben inzwischen, dass er das besser nicht tun sollte. Aber das fokussiert noch einmal nur auf Parteien und Personen. Und wie wäre es, diese Regierung würde mal aufs Land fokussieren und sagen, wenn wir objektiv der Meinung sind, als diese Regierung, die eine Mehrheit hat. Dass diese Reformen notwendig sind, weil wir sonst hier nie mehr wieder das Land flott kriegen. Und ja auch nicht ewig auf Pump leben können, was man jetzt schon im aktuellen Bundeshaushalt, der gerade debattiert wird, sehen kann, welches Volumen die Zinszahlungen schon angenommen haben. Also ohne Reformen kriegen wir das Land nicht flott, also machen wir sie egal, was sie politisch uns kosten werden. Das wäre doch mal ein Ansatz. Zu sagen, mir ist meine Wiederwahl egal, ich mache das jetzt, wir halten das für richtig und wir ziehen das jetzt durch. Ja, wie gesagt, das kann Merz als Kanzler machen, weil er ist über 70 und hat, im Leben ja noch genug erreicht. Der muss ja auch nicht nochmal neu gewählt werden. Das kann aber natürlich die Partei SPD, die bereits dem Nichts ins Auge blickt, vielleicht nicht so leichtfertig sagen. Darf ich mal ganz kurz nochmal zurück? Was ist denn wichtiger, jetzt die Partei oder das Land? Bin ich jetzt normativ oder deskriptiv? Also was jetzt sein soll oder wie es ist? Was wäre denn besser? Ja, ich finde das auch toll, wenn die Leute also mehr jetzt auch an das große Ganze denken und weniger immer nur an ihr persönlich. Das ist ja schon schön. Also ja, Mann, ja Blume, aber meine Erfahrung ist eine andere. Sie machen jetzt die Frage lustig, das können Sie machen, aber die Frage ist offenkundig ein ganz großer Antreiber für die Wut, den Frust der Leute, die am Ende AfD wählen. Können wir das Gespräch dahin bringen, wo ich mich wohler fühle, nämlich ins Grundsätzliche? Ins Grundsätzliche? Nein, ins Grundsätzliche, nicht ins Seichte. Im Gegenteil, in die tiefen, ich möchte sagen in die Tiefsee sozusagen, der tiefsinnigen und tiefsägigen Gedanken. Wir haben vorhin den Satz gehabt von Friedrich Merz, was macht das mit mir? Können wir mal ganz kurz darüber reden, was das eigentlich mit Deutschland macht, dieser Sieg der AfD? Was macht das mit der deutschen Gesellschaft? Weil ehrlich gesagt, völlig unabhängig davon, wer da jetzt wann Ministerpräsident in Sachsen-Anhalt wird. Ich meine, Leute, seid mal ehrlich, die meisten von euch wussten bisher gar nicht, dass es Sachsen-Anhalt gibt. Ihr könntet es auf der Landkarte nicht einzeichnen. Ihr wusstet nicht, wie die Hauptstadt heißt. Und ihr kanntet auch den Sachsen-Anhaltischen oder anhaltinischen Ministerpräsidenten nicht. Das ist ja die Wahrheit. Wir verlieren auch ein bisschen die Maßstäbe aus dem Kopf. Augstein, jetzt sind wir schon zwei Jammerwessis. Jetzt sind wir schon zwei Leute, die die innere Einheit nie vollzogen haben, angeblich, wie die sehr geschätzte Kollegin, Kolumnistenkollegin Sabine Rennefanz, im Spiegel über mich geschrieben hat, weil ich auch gesagt habe, naja, es gibt Leute, die hinter vorgehaltener Hand, natürlich nur als Scherz gemeint, Mann, echt, sagen, naja, können wir nicht einen Zaun drum machen und es nach Kasachstan verkaufen? Natürlich ist es keine Lösung. Nein, es ist keine Lösung, ich sage ausdrücklich, es ist keine Lösung, einen Zaun um Sachsen-Anhalt zu machen, damit ich jetzt nicht wieder falsch verstanden werde. Keine Lösung, einen Zaun um Sachsen-Anhalt zu machen. Aber Herr Chupalla, wie schreibt er? Chupalla? Chupalla, keine Witze mit Namen. Nein, nein, meine ich nicht. Chupalla hat gesagt, hat sie zitiert bei einer Wahlveranstaltung, hat gesagt, sie wollen den Ostdeutschen die Bananen wegnehmen und die Zitronen und das sei aber für ihn kein Problem, denn dann würden sie Äpfel und, Birnenkohl irgendwas essen. Und dann haben, also heimisches Gebüht, und dann haben alle total gejubelt. Da dachte ich auch, dass dieser Wahlkampf ist auf einem vollkommen anderen Level angekommen. Und dass Sie da auch so eine zentrale Rolle spielen in Sachsen-Anhalt, finde ich interessant. Dürfen Sie da eigentlich noch einreisen? Jetzt haben Sie mal versucht, die Sachsen-Anhaltische Grenze zu übertreten? Der Zaun ist ja noch nicht drum. Als wir renten, war, dass Sachsen-Anhalt ja eigentlich vergleichsweise unwichtig ist. 2,1 Millionen Einwohner von 84 Millionen Einwohnern. Kann man schon so sehen. Und trotzdem, bei aller Liebe, Die ganzen internationalen Zeitungen und Medien, die da drauf geschaut haben und sich fragen, wow, was ist das für eine Welle und wie weit schwappt die noch, die haben ja auch einen Punkt. Also das sollte man schon einen Tickel ernster nehmen, übrigens auch deswegen, weil ich glaube, dass wenn es zu dieser AfD-Regierung kommen wird, was sie ja zum Beispiel glauben, wir sehr schnell in so verfassungsrechtliche, innerdeutsche Verfahrens- und Zuständigkeits- und so Machtfragen kommen werden, die alle unvermessenes Terrain sind. Dafür gibt es Artikel im Bruchgesetz, aber unvermessenes Terrain. Und Merz hat ja auch schon die Leute gewarnt und gesagt, wir werden hier euch genau auf die Finger gucken und darauf achten, dass ihr euch ans Grundgesetz haltet. Was halten Sie von dem Satz? Finde ich gut. Finde ich richtig. Also ich finde es ein bisschen unsinnig, auch ein bisschen. Selbstverständlich und zum jetzigen Zeitpunkt auch ein bisschen sehr unnötig aggressiv. Aber inhaltlich finde ich es gut und wenn man bedenkt, wie runtergerockt inzwischen die Verhältnisse sind, kann es ja nicht schaden, das gleich zum Anfang einmal klarzustellen. Also ich fand es im Prinzip richtig. Glauben Sie, dass das eine neue Erzählung wird? Nein, das wird natürlich nicht die neue Erzählung. Das ist doch Quatsch. Ich, Friedrich Merz, schütze die Verfassung vor dem Gas in dem gallischen Dorf in Sachsen-Anhalt. Mir geht es um was anderes. Ich bin hierher gekommen. Ich bin hierher gekommen mit einem Gefühl. Also anders als Friedrich Merz habe ich zum Beispiel überhaupt gar keine Probleme, meine Gefühle zu äußern. Im Gegenteil, meistens ist es so, dass meine Gefühle Probleme haben, nicht geäußert zu werden. Das Gefühl nämlich, dass diese Wahl Auswirkungen hat, die weit, weit über die Grenzen von Sachsen-Anhalt hinausgehen. Ich glaube nämlich, und ich habe das bestätigt bekommen, oder das ist unterstrichen worden, von einem Auftritt von Giovanni Di Lorenzo, dem Chefredakteur der Zeit, sehr geschätzter früherer Kollege von der Süddeutschen Zeitung von mir, großartiger Journalist, tollster Chefredakteur aller Zeiten. Geht's gut? Ja, ja. Der hat jedenfalls bei Karin Miosga an dem Wahlabend, das habe ich an dem Wahlabend nicht gesehen, deshalb konnte ich darüber auch bei unserem Sonderpodcast nicht sprechen, das habe ich erst nachher mir anguckt. Da saß er und hat geredet mit verschiedenen Leuten über dieses Wahlergebnis, und dann fing er plötzlich an zu erzählen, einfach so sozusagen, also fing er an zu erzählen, er sagte, dass Migration, das Thema Migration, Botschaft ist noch gar nicht richtig angekommen, was diese Wahl bedeutet. Also bei denen, die sich der AfD entgegenstellen sollen, ist diese Botschaft nicht angekommen. Einwanderung, 6,1 Millionen Menschen seit 2015. Für Leute, die mit Migration ein Problem haben, ist das ein Einschnitt, ein Rieseneinschnitt. Er sagt, er glaubt gar nicht, dass alle Wähler der AfD Feinde der Migration sind, die finden das schon okay, wenn Leute hier sind und mitarbeiten, bla bla bla und so weiter. Aber, und dann fing er an, eine Geschichte zu erzählen, die gerade seine Zeitkollegen recherchierten, von drei südosteuropäischen Migranten oder Menschen, die, ausreisepflichtig gewesen seien, weil sie eine Straftat bereits begangen hatten, die sozusagen zur Ausreisepflicht gehört und die dann aber aufgrund einer Intervention einer Härtefallstelle, in Nordrhein-Westfalen sozusagen von der Abschiebung bewahrt und ausgenommen wurden. Und danach einen 95-jährigen Mann bei sich zu Hause gefoltert und getötet haben und dann praktisch mit seinem Elektrofahrrad das Weite gesucht haben. Und das sei doch den Leuten heute gar nicht mehr vermittelbar, solche Geschichten. Punkt, Full Stop. Und da habe ich gedacht, schau mal einer an, was der Giovanni an dem Abend des Wahlsieges der AfD im deutschen Fernsehen sagt. Den Leserinnen und Lesern der Zeit und auch den Zuhörerinnen und Zuguckerinnen dieses Fernsehsenders zu erzählen hat für eine Geschichte. Nämlich die Geschichte von Ausländern, die abschiebepflichtig waren und einen Menschen bestialisch getötet haben und diese Art von Staatsversagen seid doch den Leuten nicht mehr zuzumuten. Und ich finde es nämlich, ich verstehe es nicht jetzt falsch, die Geschichte ist okay, aber es ist ja nicht nur, was jemand sagt, sondern wer es unter welchen Umständen sagt, Das ist ja eigentlich immer die Botschaft. Und meine Kernthese wäre jetzt, ich glaube ja, dass das rechte Denken der AfD, in die Mitte wandert oder die Mitte wandert zum rechten Denken der AfD hin. Das wäre meine Prognose für die nächsten Jahre in Deutschland. Wissen Sie was, lieber Kollege Augstein, ich glaube, in der Frage steckt das Problem, weil Sie etwas auf einer Skala zwischen Mitte und AfD abtragen, was eigentlich ja die nackte Vernunft sein sollte. Nämlich ein unvorstellter Blick dafür... Bei der Suche nach Motiven, weshalb Menschen AfD wählen, auch auf das große Feld Migration zu schauen und vor allen Dingen auf Einzelfälle zu schauen, die die Stimmung maßgeblich beeinflussen. Darunter so ein Einzelfall, wo man wirklich sagen kann, verdammt nochmal, warum mussten diese Menschen ausreisepflichtig noch hier sein? Ist das Staatsversagen oder war die Härtefallkommission zu milde? Ausweislich der Geschichte. Die Härtefallkommission war zu weich. So, ausweislich der Geschichte, die da erzählt wurde, waren die drei Südosteuropäer gehörlos, alle drei, und durften deswegen nicht zurückgeschickt werden. Das kann ich gar nicht beurteilen. Aber der Frage nachzugehen, ist doch nicht AfD oder links oder rechts oder oben oder unten, sondern das ist vernünftig, weil es offenkundig zu Fälle zu viele oder zu prominente Fälle zu schreckliche Fälle dieser Art gegeben hat, wo sich die Leute fragen, was. Wenn wir den aufgenommen haben, er hat sein Verfahren bekommen, sein Verfahren ist abgeschlossen, er soll nicht mehr hier sein, warum ist er hier noch? Und dann macht er auch noch richtig Mist. Das kann nicht sein. Und auf der Basis, ohne eine einzige Lösung anzubieten, arbeitet die AfD. Aber ganz kurz, ich bin doch inhaltlich vollkommen Ihrer Meinung. Sehe ich ganz genau so, wie Sie ich bin. Aber warum stört es Sie dann, dass die Geschichte erzählt wurde? Es stört, weil wer sagt was, unter welchen Umständen. Naja, wenn Sie irgendwie, Entschuldigung, Sie beschäftigen sich doch mit Worten. Der Kollege Blume ist doch genauso wie ich auch mit Worten unterwegs. Ich bin als Kind in das Fass mit den Buchstaben. Ja, genau. Aber wir sitzen doch hier in diesem kleinen Podcast über die Welt, so wie sie sich uns zeigt, auch mal ein bisschen in Ruhe nachzudenken. Wir können uns die Zeit nehmen, die andere Leute sich vielleicht nicht nehmen wollen. Und deshalb nochmal, wenn Giovanni Di Lorenzo an dem Wahlabend, wo die AfD ihren Durchbruchsieg hatte, sagt, übrigens die erste Anekdote, die mir einfällt, ist von diesen Ausländern, die den alten Mann umgebracht haben, also nur mal so jetzt hier, dann finde ich das ein totales Zeichen. Denn der ist jetzt ja nicht rechtsextrem oder irgendwas. Im Gegenteil. Er ist ein sehr guter Chefredakteur, der merkt, ich will meine Zeitung auch künftig verkaufen. Bei meinen Lesern ändert sich die Stimmung. Ich muss sozusagen mit einem anderen Blick auf diese Wirklichkeit gucken, denn immer mehr Leute da draußen im Land tun es. Insofern ist er wie ein, wie nennt man das? Wie so ein Wetterfahne, wo man merkt, ah, der Wind dreht sich. Das meine ich nicht böse. Es ist sein Job, das zu machen. Und das finde ich interessant, denn er hätte auch ganz andere Geschichten erzählen können. Er hätte doch zum Beispiel auch sagen können, wissen Sie eigentlich was? Ich bei der Vorbereitung für diese Sendung gelernt habe. Dass in Sachsen-Anhalt und in Schleswig-Holstein ist die Kriminalitätsrate annähernd gleich groß. Aber in Sachsen-Anhalt ist die Angst vor Kriminalität viel, viel höher als in Schleswig-Holstein. Ist das nicht eine interessante Beobachtung? Hat das vielleicht auch was damit zu tun, warum die da AfD wählen? Dass es sozusagen gar nicht um die Wirklichkeit geht, sondern wie man die Wirklichkeit sieht. Das hätte er doch genauso auch sagen können, oder? Ja, wahrscheinlich ist das auch gefallen möglicherweise. Es war ja die Suche nach Motiven, so wie wir alle. Ja seit geraumer Zeit vor und nach der Wahl erst recht nach den Gründen suchen, weshalb so ein Erdrutschsieg für die AfD zustande gekommen ist. Und es sind viele Gründe und einen hat man eben offenkundig in diesem Feld ausgemacht. Und das ist, glaube ich, auch richtig. Und der Frage, wie sehr solche Fälle, noch einmal, auf das ständige Mantra der AfD einzahlen, der Staat versagt, der Staat kann sich nicht mehr schützen, Der Staat hält das Urversprechen an seine Bürger nicht mehr Sicherheit, Unverletzlichkeit, Stabilität und dann ufert es schon aus, aber das Urversprechen Sicherheit, du kannst sicher über die Straße gehen, du kannst mehr oder minder sicher abends durch den Park gehen. Das in Zweifel zu ziehen, vielleicht sogar übertrieben in Zweifel zu ziehen, ist Wesensmerkmal der AfD und ihres Erfolges. Und darum ein Beispiel zu nehmen und zu sagen, das ist das Ding, mit dem die arbeiten. Was kann man dagegen tun, um es ihnen aus der Hand zu nehmen? Merken Sie nicht, dass das genau das Problem ist. Danke, dass Sie das nochmal so präzisiert haben. Das finde ich sehr gut. Das hilft mir jetzt bei meinem Argument. Denn Sie werden in einer Gesellschaft, die so groß ist wie unsere, niemals eine Situation herkriegen, dass nicht jemand solche Einzelfälle findet, um damit Stimmung zu machen. Wenn Sie eine Gesellschaft haben, in der solche Einzelfälle auf einen derart fruchtbaren Boden fallen, dann ist nicht der Einzelfall das Problem, sondern die Gesellschaft unter fruchtbaren Boden, um es mal ganz klar zu sagen. Und wie gesagt, der Umstand, dass die Kriminalität in Sachsen-Anhalt genauso groß ist wie die in Schleswig-Holstein und die Leute in Schleswig-Holstein viel, viel weniger Angst haben, das ist für mich die eigentlich aussagekräftige, das aussagekräftige Faktum in diesem Zusammenhang. Das ist interessant, überhaupt keine Frage. Und auch da müsste man nach Gründen suchen, sind die Leute aus anderen Gründen. Anderen, völlig anderen, ökonomischen, meinetwegen, gesellschaftspsychologischen. Könnte es daran liegen. Interessant. Verunsicherte und sind dann sowas ansprechbar. Und aber trotzdem ändert es doch nichts daran, dass der Staat, der sich auf die Fahnen schreibt, jeden außer Landes zu bringen, der hier nicht hingehört, nach letztinstanzlicher abschließender Beurteilung durch ein unabhängiges Gericht. Moment, der Staat scheitert daran. Und das Scheitern löst die Wut aus. Unabhängig von der Frage und natürlich ihrem sehr richtigen Satz, es wird immer einen Einzelfall geben. Natürlich wird es das geben, klaro. Aber das ändert doch nichts daran, dass die Leute, selbst die, die sagen, okay, mir ist schon klar, dass es totale Sicherheit nicht gibt. Ich will aber meinen Staat sehen, dass er tut, was er tun kann und das ist mir zu wenig, was er tut. Ah ja gut, pass auf. Wir haben 230.000 Ausreisepflichtige, davon 191.000 mit Duldung. Das heißt, die Leute, um die es hier geht, sind 39.000 in einem Land mit 89, wie viel, 85 Millionen Leute. Die AfD würde fragen, warum sind 190.000 geduldet und ich würde das übrigens auch fragen und wenn ein stattlicher Teil womöglich sogar die Mehrheit dieser 190.000 Menschen sagt, ich weiß nicht mehr, woher ich komme, meinen Pass habe ich übrigens auch vergessen, beziehungsweise ich habe nie einen gehabt, ich weiß nicht, woher ich komme. Wenn der Staat darauf nicht zu antworten weiß, aus tausenderlei Gründen, die man alle einzeln benennen kann. Bleibt der Eindruck stehen, da dreht uns einer eine Nase. Und wenn der nachher noch irgendwie zu dritten alten Mann umbringt, dann brennt halt die Sicherung durch. Das ist doch klar. Sie werden etwas dagegen tun müssen, dass dem Staat eine Nase gedreht wird. Blome, eigentlich würde ich dieses Thema gerne mit Ihnen noch weiter vertiefen, weil tatsächlich hat diese Wahl auch was mit mir gemacht. Irre Formulierung, Horror. Aber sie hat was mit mir gemacht. Sie hat mich nämlich nachdenklich gemacht, wie ich sozusagen eigentlich tatsächlich jetzt mal zu dieser Frage stehe, wer gehört hier hin, was bedeutet das? Was ist irgendwie so diese nationale Identität? Wer schuldet hier eigentlich wem was? Und dann habe ich mich dabei erwischt, weil ich versuche immer, alle Sachen möglichst einfach zu denken. Weil dann kann man immer gucken, ob es klappt. Mir zu sagen, ich weiß nicht, jeder, der hier ist, völlig egal, ob mit Duldung, ohne Duldung, warum auch immer, wenn er einmal hier ist, dann habe ich, ich bin aber nicht der Staat, ich als Mensch. An diesen Menschen genau die gleichen Erwartungen und auch die gleichen Ansprüche wie an jeden anderen. Nämlich, er soll sich an die Regeln halten, mir nicht aufs Maul hauen und irgendwie gucken, dass er selber klarkommt. Das ist sozusagen mein Migrations- und Integrationsmodell. Was ich aber nicht habe, ist die Erwartung, er muss irgendwie mehr leisten als ein anderer oder er muss irgendwie sich mehr Mühe geben oder er hat weniger Recht, in Anführungsstrichen, straffällig zu werden als irgendjemand anders. Und ich würde sagen, der ist dann genauso einer wie alle anderen. Wenn er straffällig wird, soll er auch genauso behandelt werden wie alle anderen. Aber er sollte zum Beispiel nicht seine gesamte Existenz aufs Spiel stellen, nur weil er hier strafständlich geworden ist. Warum muss ich ihn dann in das Hellhole-Sudan zurückschicken, nur weil er hier ein Auto geklaut hat? Dann soll er halt hier in den Knast. Das wäre mein Maßstab. Und was ich nicht verstehe ist, ich registriere, dass das weder die Gesetzeslage ist, noch offensichtlich die Stimmung bei vielen Leuten, insbesondere auch bei Giovanni Di Lorenzo, der offenbar auch interessant, also auch, selber Migrationshintergrund offenbar, der Meinung ist, die Leute verwirken dann hier ihr Aufenthaltsrecht oder ihr Bleiberecht oder ihr Gastrecht. Dieser Gedanke, nein, nein, und das meine ich jetzt rein emotional, nicht juristisch. Also rein jetzt meine ich jetzt auch ohne, also einfach so. Der Gedanke ist, das Gefühl ist mir fremd. Warum verwirkt er sein Gastrecht, nur weil er sich hier schlecht benimmt? Da muss er halt sanktioniert werden, aber... Naja, Teil der Sanktion ist dann, das Gastrecht verwirkt zu haben. Und das Gastrecht klingt jetzt so archaisch und so antiquiert und mittelalterlich. Das ist es natürlich nicht. Das meint doch nur, dass wer in einem Verfahren ist, Asyl sucht und sich dann eine schwere Straftat leistet, verwirkt, kann unter Umständen den Anspruch auf dieses Verfahren verwirken. Wer abgelehnt ist, also der schon einmal gesagt bekommen hat, nee, tut uns leid, hier nicht, geh in Haus weiter oder geh zurück. Und dann eine Straftat, eine Schwere begeht, dem muss man doch erst recht sagen, so jetzt langt es aber wirklich, du gehst jetzt hier noch in den Knast und dann wirst du aber wirklich rausgeschafft. Aber diese Fälle, der Fall, den Giovanni erzählt hat, wo die Härtefallkommission, gesagt hat, die können bleiben, der Fall von dem CSD-Attentäter, wo das Gericht gesagt hat, wir glauben nicht den schlechten Prognosen der Sicherheitsbehörden, sondern wir glauben, der muss noch eine Chance bekommen. Das sind doch interessante Fälle deswegen, weil hier das System ja komplett, korrekt formal gearbeitet hat. Hier sind ja die Systemabläufe alle so gewesen, wie wir sie uns mal gedacht haben. Hier kann man ja dem Ausländer gar keinen Vorwurf machen, sondern der hat sich ja sozusagen in das System begeben und ist dann vom System so prozessiert worden, wie es dann nach den Regeln. Und ganz kurz, und was Sie oder Giovanni dem System vorwerfen, ist, dass es dann zu falschen Ergebnissen gekommen ist. Also zu Ergebnissen, wo die die Zukunft nicht mit einberechnet haben. Ja, Kollege Augstein, genau so ist es und deswegen ist der Druck so groß, die Regularien zu ändern. Um die Ergebnisse zu ändern, weil sie politisch so toxisch sind und dieser Partei namens AfD mindestens mal einen nennenswerten Teil ihres Zulaufes beschert haben. Und Sie werden sehen, dass wenn, um jetzt den Kreis zu schließen nach vorne, dort tatsächlich eine Regierung Sigmund ins Amt kommt, werden die als erstes jeden einzelnen Strich unternehmen, den sie ohne Landtagsmehrheit quasi auf dem Verordnungs- und Verwaltungsweg unternehmen können, um das Asylrecht bzw. Den Vollzug des Asylrechts, denn darauf haben sie Zugriff, zu verschärfen. Und die Leute, die sie gewählt haben, werden ihnen zujubeln. Und die Leute links der Mitte werden erkennen müssen, dass sie im Laufe der Jahre eine Menge versäumt haben, als sie darauf bestanden, all diese Regularien genau so zu lassen, wie sie sind. Ja, willkommen im neuen Deutschland, lieber Kollege Blome, und in diesem Sinne bis nächste Woche.