Hallo Blume, herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe unseres intergalaktischen Podcasts in der neuen Zeit. Denn ich glaube, dass diese ganzen Landtagswahlen, die wir erlebt haben, der Niedergang der CDU, der Aufstieg der Linken, die große Antisemitismus-Debatte, wer ist für Israel, wer ist für Palästina und so weiter, schon Zeichen einer neuen Zeit sind. Und ich möchte mit einem Funfact einsteigen. Die CDU hat zusammen mit der AfD in einem Ort in Sachsen beschlossen, dass keine Stolpersteine mehr verlegt werden sollen. Ich nehme mal an, wegen der Sicherheit und Ordnung in diesem Ort, weil zu viele Sachsen über diese Stolpersteine wahrscheinlich gestolpert sind und deshalb sollen die dann nicht mehr verlegt werden. Während in Berlin man sich darüber streitet, ob palästinafreundliche Linke, die gegen die israelische Besatzungspolitik und den Krieg in Gaza sind, mit dem Antisemitismusvorwurf von der Regierung ferngehalten werden sollen, finde den Fehler. Blome? Ja, in Ihrem Vortrag steckt der Fehler, lieber Kollege Augstein, aber das ist bei dem Thema vielleicht auch... Nicht völlig unerwartet, sage ich mal so. Und wir wollen es versuchen, ohne große Polemik zu machen. Und natürlich ist das, was da in Heidenau geschah, dieser Beschluss, ein Skandal, für den die CDU hoffentlich und die AfD auch, aber denen ist dann meistens egal, aber wenigstens die CDU mächtig an den Ohren gezogen wird. Ich glaube, Heidenau ist schon mehrfach in der Vergangenheit, gerade auch so bei Flüchtlingsfragen in den 2015er, 16er, 17er Zeiten, außerordentlich unangenehm aufgefallen, wenn ich mich recht entsinne. Aber sei es drum, das ist indiskutabel, das geht überhaupt nicht. Es hat nur gerade überhaupt gar nichts, außer den durchschaubaren Versuch der Ablenkung zu tun mit dem, was. Die Partei Die Linke sich hier in Berlin leistet. Leistet an, sie sagen palästinafreundlichen Tönen, ich sag an krassem Israel-Hass, der natürlich auch, eine Grenze zum Antisemitismus hat und über die wollen wir ja in Wahrheit reden, wo die liegt, also wo darf man, wie weit, ist es noch, Kritik an israelischem Besatzungsverhalten, an israelischer Kriegsführung in Gaza und und und und und, und wo schwappt das dann in Richtung Antisemitismus, den es mit allen Mitteln zu bekämpfen gilt und dem es schon gar nicht die Hand zu reichen gilt als Koalitionspartner. Ja, das Thema ist schwierig. Ich finde es deshalb vor allen Dingen so schwierig, weil, die Begriffe unklar sind. Also alle Leute sagen, dass sie gegen Antisemitismus sind. Ich habe noch nie jemanden gehört, der gesagt hat, er ist unbedingt für Antisemitismus, er findet das eine richtig gute Sache. Also ich kenne jedenfalls keinen und habe auch noch von keinem gelesen, der das so formulieren würde. Jeder ist also gegen Antisemitismus. Trotzdem werfen sich dauernd Leute gegenseitig Antisemitismus vor. Dann ist offensichtlich der Begriff schwierig. Offenbar hadert und hapert es mit dem Begriff, weil jeder darunter etwas anderes versteht. Es gibt den schönen Spruch. Doch Stein, wirklich, wir wollen es nicht polemisch machen, aber wir wollen es jetzt auch nicht döver machen, als wir sind, beziehungsweise wir sollten uns jetzt auch nicht döver stellen, als wir sind. Natürlich sagt niemand, Antisemitismus ist eine runde Sache. Selbst die Antisemiten sagen das nicht, aber ich habe auch noch nie einen gehört, der sagt, Mord ist eine runde Sache und trotzdem gibt es Mörder. Verstehen Sie, also das ist jetzt keine Frage der Begrifflichkeit, sondern das Inhalts. Doch, es ist eine Frage der Begrifflichkeit. Pass auf, wir machen heute die Sendung heute, jetzt mal Spaß beiseite, ist auch tatsächlich ein bisschen so eine Art Infosendung, weil ich könnte mir vorstellen, dass tatsächlich viele Hörerinnen und Hörer da draußen im Lande, sich irgendwie am Kopf kratzen und sagen, sie verstehen im Prinzip nicht mehr, worum es geht bei diesen ganzen Debatten. Ich glaube deshalb, dass man jetzt mal nüchtern auch ein bisschen Informationsvermittlung hier betreiben sollte, obwohl das ja eigentlich nicht das Hauptgeschäft ist, in dem Sie und ich jedenfalls in diesem Rahmen hier tätig sind, wo wir uns immer gegenseitig nur an den Ohren ziehen. Also es gibt zwei Definitionen für Antisemitismus, die eigentlich die beiden gängigen sind. Das eine ist die sogenannte IHRA-Arbeitsdefinition von 2016 und dann die Jerusalemer Erklärung zum Antisemitismus JDA von 2021. Und im Wesentlichen unterscheiden die sich darin, wie man, ob man welche Arten von Äußerungen in Bezug auf Israel und auf israelische Politik man für antisemitisch hält oder nicht. Und um es jetzt mal einfach zu formulieren, die strengere und engere IHRAA-Definition sagt im Prinzip bei sehr vielen Äußerungen über Israel, dass das israelbezogene Antisemitismus ist, dass sozusagen Antisemiten hier an. Der israelischen Politik Kritik üben, um dahinter ihren eigentlichen Antisemitismus zu verstecken. Während die Jerusalemer Erklärung sagt, man kann schon eine ganze Menge den Israelis vorwerfen, ohne dass man sich deshalb für einen Antisemiten schelten lassen muss. Das ist im Großen und Ganzen die Spielaufstellung. Und wenn Sie jetzt sehen, worum es in Berlin geht, dann geht es dort ja nicht, um den klassischen, rassistischen, alten, christlichen oder deutschen Antisemitismus. Der Jude isst Kinder und will nur Geld und ist Sex besessen. Also irgendwelche antisemitischen Vorurteile aus der Vergangenheit. Sondern es geht ja bei der Berliner Debatte ausschließlich um die Frage und die Haltung zu Israel. Daran sehen Sie aber schon, und wenn aber die beiden großen Antisemitismus-Definitionen sich gerade an der Frage trennen und der Vorwurf in Berlin sich auch an der Frage trennt, dann sehen Sie, dass es eigentlich keine Antisemitismus-Debatte ist, sondern eigentlich eine Debatte ist über das deutsche Verhältnis zum Staat Israel und seiner Politik. Ja klar, es gibt nichts auf der Welt, was keinen Kontext hat, würde ich mal sagen. Und hier in Berlin spielt natürlich die deutsche Blickweise auf Besonderheiten, der Blickweise auf Israel eine Rolle. Und hier mischt sich natürlich in dieser Stadt auch nochmal eine muslimische Blickweise auf dieses Problem dazu. und das ist nicht immer die schönste und kleiner Funfact von den. Von muslimischen deutschen Staatsbürgern, die in Berlin zur Wahl gegangen sind, hat mehr als die Hälfte, ich glaube 51 Prozent, die Linke gewählt. Und das hat ja auch Gründe und das ist auch alles vollkommen okay, aber ich finde ja, möglicherweise bezieht sich das hier eher darüber, worüber wir reden müssen. Also das Problem bei den Linken mit einem möglichen Antisemitismus oder ich würde sagen, dass sie haben ein Manifest des Antisemitismus Problems, bezieht sich also auf die Haltung zu Israel und wann geht die über diese Grenze und dann sind sie bei ihren beiden Definitionen. Nur die Haltung zu Israel klingt auch schon außerordentlich vornehm, wenn halt die Linke es zulässt, dass in ihren Reihen und auf ihren Veranstaltungen, in Wahrheit nichts weniger gefordert wird als die Auslöschung Israels. Weil man halt sagt, naja, das ist doch eh alles Palästinensergebiet und wo die Juden dann bleiben, ist auch scheißegal. Ja, ich weiß nicht. Wie gesagt, ich würde es mir da nicht so einfach machen. Das könnten wir jetzt aber schon als Antisemitismus bezeichnen, oder? Auch nach Ihren beiden Definitionen. Ich wollte gerade darauf eingehen, das ist interessant, weil es gibt ja Leute, die sagen, wenn man die Einstaatenlösung fordert und demokratische Rechte für alle dort, dann ist das gleichbedeutend mit der Auslöschung Israels als jüdischer Staat und ist deshalb sozusagen antizionistisch und was antizionistisch ist, ist antisemitisch. Und das ist jetzt keine sarkastische Übertreibung von mir. Sie wissen, dass es sozusagen diese Sichtweise, auch diese Definition gibt. Jeder, der sagt, in Israel müsste one man, one vote gelten und, es muss einen großen Staat geben, in dem alle Leute, die auf diesem Territorium da sind, zusammenleben, fordert implizit die Auslöschung Israels und das ist antisemitisch. Einerseits kann man das dann so sehen, andererseits wäre das aber das, was wir eigentlich alle für normal halten, nämlich, dass jeder Mensch eine Stimme hat und dass demokratische Rechte für alle gelten. Das Problem an Israel ist eben die Sondersituation, dass die sozusagen einen ethnisch homogenen Staat haben wollen und gleichzeitig andere Leute da wohnen. Sie haben ja eine arabische Minderheit im Land, die israelische Staatsbürger sind. Natürlich kann nur ein israelischer Staatsbürger wählen, genauso wie in Deutschland auch nur ein deutscher Staatsbürger wählen kann. Und Sie haben eine umfangreiche Besatzungspolitik, die von der UNO für völkerrechtswidrig gehalten wird, bla bla bla. Das wissen wir alles. Naja, gut. Und worauf ich hinaus will, ist, wenn Sie sich die Einzelfälle angucken, was man jetzt der Berliner Linken vorwirft, und zwar ja in einer maßlosen Art und Weise. Darüber müssen wir gleich auch nochmal sprechen, wie man, was sozusagen hier gerade rhetorisch hochgedreht wird. Alles, was man den Linken hier vorwirft, hat nur zu tun, ich finde das ist wichtig, es geht ausschließlich um die Frage, wie stehen wir zu Israel. Das heißt, wir holen uns hier in die Berliner Landespolitik. Ich meine ehrlich gesagt, Sie und ich, wir wissen das hier in der Berliner Landespolitik, wird weder über den Nahostkonflikt entschieden, noch darüber, wie sich die Bundesrepublik Deutschland dazu verhalten soll. Trotzdem ist das hier aber das Chefthema bei der Frage, wer hier dann die Bürgermeisterin stellt. Das ist alleine natürlich schon echt absurd. Und das halte ich übrigens, für eines der größten Probleme bei der ganzen Geschichte. Denn definitiv sollte es hier in dieser Berliner Landespolitik nicht darum gehen, wie wir zum Nahostkonflikt stehen. Absolut. Das ist absolut meine Meinung. Das wundert mich total. Das ist hier Berlin, also die Hauptstadt des Hitler-Nazi-Reiches. In dem der Völkermord an den Juden ins Werk gesetzt wurde, von dem er ausging, wo er geplant wurde. In so einer Stadt, die wieder jetzt, glücklicherweise kann man ja sagen, die deutsche Hauptstadt ist, guckt man natürlich ein bisschen genauer hin, ist doch klar. Und ich glaube, dass die Frage natürlich des Nahostkonfliktes nicht in Berlin entschieden wird, und zwar noch nicht mal in der Bundesregierung und schon gar nicht in der Landesregierung. Das stimmt natürlich, aber noch einmal, das sind alles, tut mir leid, ich will nicht polemisch sein, aber mir kommt das vor, als würden sie von etwas ablenken wollen. Wenn in dieser Stadt eine Partei regieren sollte, die ein Manifestes, ein erkennbares Problem mit Antisemiten oder Antisemitismus in ihren eigenen Reihen, in ihren Vorfeldorganisationen und und und hätte. Nehmen wir das jetzt nur mal als Theorie. Dann wäre das ein Thema von bundesweiter Bedeutung, wahrscheinlich sogar von internationaler Bedeutung. Und darüber muss geredet werden, das ist jetzt nicht der Versuch, den Wahlsieger irgendwie auf den letzten Metern zu verhindern, sondern zu schauen, wer der Wahlsieger ist, und zu schauen, was das für die Stadt bedeuten würde, für den Ruf Deutschlands, für den Ruf dieser Stadt, für das Leben in dieser Stadt, insbesondere das jüdische Leben. Das ist doch selbstverständlich, dass darüber geredet wird und meinetwegen wird da jetzt ein bisschen härter ausgeteilt. Ich kann mich ganz gut erinnern, dass die Linke sagte, wir müssen unbedingt die Reichen abschaffen, die Milliardäre abschaffen. Kann man auch so sehen, fand ich in der Worldwide jetzt auch nicht so richtig elegant, aber die sollen sich jetzt mal nicht so haben, wenn Leute anfangen zu gucken, wer da rumtobt. Die komplette Maßlosigkeit der Debatte, die haben in den Tagesthemen, was ja öffentlich-rechtlicher Rundfunk ist, wo man sagen könnte, die müssen noch so eine Art. Mäßigungsgrundsatz befolgen. In den Tagesthemen kommt dann der Kommentator Thaddeus, ein Mann, der hier in Berlin-Brandenburg ja auch eine publizistische Größe ist, Jörg Thaddeus und macht einen Kommentar, in dem er sagt, ob Grünen und SPD-Politiker eigentlich noch am Auschwitz-Gedenktag teilnehmen können und wollen und sollen, wenn sie hier in Berlin mit diesen Linken in eine Koalition gehen. Ich meine, wenn das nicht eine komplette Entgrenzung ist, eine verbale, auch ein kompletter Missbrauch, ehrlich gesagt, des Gedenkens des Holocaustes, auch ein Verkaufen Auschwitz für ganz, ganz kleine Münze, dann weiß ich nicht. Das zeigt, finde ich, dass bei den Leuten rhetorisch und dann offensichtlich auch gedanklich irgendwie so alle Bremsen gelockert sind. Also ich fand den Kommentar eigentlich gut. Ich will mich aber nicht um einzelne Worte streiten. Aber jetzt kommen Blume, einzelne Worte, wir reden von Auschwitz, nicht von einzelnen Worten. Hören Sie mal, jetzt machen Sie sich da mal nicht so einen schlanken Fuß. Finden Sie das angemessen, das in diesem Zusammenhang so zu formulieren? Ich finde es angemessen zu sagen, dass die Grünen und die SPD ein hohes, hohes Glaubwürdigkeitsproblem haben bei ihrem sehr oft vorgetragenen Nie-Wieder-Nie-Wieder, meinetwegen auch am Auschwitz-Gedenktag, wenn sie mit einer Partei zusammengehen würden, einer regierenden Bürgermeisterin in den Sattel helfen würden, die offenkundig ein solches Antisemitismusproblem mindestens mal in ihren eigenen Reihen hat. Ja, das wäre erheblich doppelzüngig und dann darf man auch, das Auschwitz-Gedenken dabei erwähnen, als wenn man so will, den Kulminationspunkt von Glaubwürdigkeit, der Frage nach Glaubwürdigkeit, wie glaubwürdig ist unsere Haltung zu unserer eigenen Geschichte meinetwegen, wenn sie es so formulieren wollen, oder eben zum Holocaust und dem Gedenken an den Holocaust, ja natürlich ist das legitim. Weiß ich nicht. Ich finde es nicht legitim. Ich finde, es ist das Verkaufen dieses Gedenkens und des Menschheitsverbrechens wirklich für eine ganz, ganz kleine Münze. Und ich finde es auch irre, wenn der israelische Botschafter, Herr Prosor, hier sagt, er sieht nach dem Wahlsieg der Linken eine unmittelbare Existenzgefahr für die jüdische Gemeinschaft in Berlin. Und er redet hier von völlig enthemmten Antisemitismus, der sich hier Bahn gebrochen hat und so. Auch das finde ich eine komplette Überdrehung, eine unmittelbare Existenzgefahr. Bitte wägen Sie doch mal die Worte auf Ihre... Ach echt, danke. Augstein, schön ruhig bleiben. Wir wollten das ohne Polemik hinkriegen und ohne Aufregung. Ja, und ich gebe Ihnen zu, die Einlassung des Botschafters in dieser Form auch eher verzichtbar bis überflüssig, vollkommen d'accord, ist aber auch von der Meinungsfreiheit gedeckt, denke ich mir. Und trotzdem zugleich führt es und lenkt es den Blick zum Beispiel nach Neukölln, also einem Bezirk für unsere Nicht-Berliner Zuhörer. Ein Bezirk, ziemlich groß, Größe einer Großstadt inzwischen, in Berlin, wo der stark muslimisch geprägt ist, wo die Linke einfach auch eine sehr starke Parteibasis hat, die, In Teilen sicherlich auch muslimisch geprägt ist und dann finden da eben solche Veranstaltungen oder Demonstrationen oftmals statt, wo es ganz stumpf heißt. Wo die Intifada gelobt wird, wo die Vernichtung Israels als Staat und als Volk, bejubelt wird, wo Kuchen verteilt wurde am 7. Oktober, als das Massaker der Hamas an Israelis auf israelischem Territorium stattgefunden hat. Da wurde der Kuchen zum Feiern verteilt. Also das gibt es halt schon. Und das ist dann eine reale Bedrohung. Da können Sie mit der Kippe auf dem Kopf nicht durch alle Straßen laufen und schon gar nicht durch jede Tageszeit. Blume, nicht, dass wir uns falsch verstehen. Ich bin schon der Meinung, dass die Linkspartei ein Problem hat. Also ich glaube, wir lassen uns mal das Thema jetzt mal wieder erden. Es gibt natürlich Leute in der Linkspartei, vor allen Dingen in der letzten Zeit sind die dazugekommen, weil die Linkspartei sehr, sehr stark gewachsen ist in Berlin. Und sie ist auch in Neukölln sehr stark gewachsen, die versuchen, die Linkspartei auch zu kapern und zu usurpieren mit ihren Themen, mit diesem palästinensischen Nationalismus. Zwischen uns beiden, zwischen Ihnen jetzt, Blome und mir, ist ja nur strittig, ist das antisemitisch oder nicht. Ich halte das nicht für antisemitisch, ich halte das für einen palästinensischen Nationalismus. Die versuchen sozusagen hier das Palästina-Thema nach Berlin zu holen, um hier dann Stimmung zu machen und so weiter. Egal, für die Linkspartei ist das aber in jedem Fall ein politisches Problem, weil erstens gibt es eine Flanke für die politischen Gegner und zweitens macht es natürlich auch den potenziellen politischen Verbündeten es schwer, sich zu den Linken zu bekennen. Ich meine, SPD und Grüne würden ja sofort jetzt mit den Linken hier in Berlin koalieren, wenn da nicht diese Irren wären aus der Palästina-Fraktion, die ihnen das Leben so schwer machen wird. Das bedeutet, natürlich hat diese, wie ich finde, sehr sympathische und glaubwürdige Bürgermeisterkandidatin der Lampen, Frau Ehralp, jetzt das Problem, wie wird sie diese Irren los und hat sie ihren Laden im Griff? Die Linke muss sich ja in ihrer Geschichte schon sehr, sehr viel immer gefallen lassen an Vorwürfen, teilweise zurecht, teilweise überzogen, hat es aber geschafft, damit klar zu kommen, weil sie dann doch sehr gut organisiert waren und eben auch irgendwie staatstragend und verantwortungsvoll bla bla bla und so weiter. Die Frage ist, schaffen die das halt in Berlin auch? Ich würde sagen, das ist im Moment noch offen. Ja gut, damit haben Sie es beim Namen genannt, lieber Kollege Augstein. Wie kriegt man das in den Griff? Was wäre jetzt eine glaubwürdige Distanzierung, beziehungsweise was wäre ein glaubwürdiger Vorschlag, der den beiden anderen potenziellen Koalitionspartnern, also SPD und Grünen. Die Sicherheit gibt, dass da nicht irgendwelche durchgeknallten Leute mit ans Ruder kommen, in einem Boot, das sie dann gemeinsam hier als Regierung steuern wollen. Und da habe ich echt Schwierigkeiten, wie das funktionieren soll. Das ist halt eine Brandmauerfrage, nennen Sie. Und dann hat die Linke eben auch ein Brandmauerproblem, wenn das ein Problem ist. Ich finde, sie müsste sagen, mit dieser Linkspartei geht das nicht. Und übrigens nicht nur wegen des erkennbaren, und das nenne ich eben so Antisemitismus-Problems, abseits der netten, ich habe die auch schon interviewt, Spitzenkandidatin, die wirklich sympathisch wirkt, aber halt einer Partei vorsteht, die nicht sympathisch ist und einem Programm, quasi den Stempel verliehen hat und das freundliche Antlitz verliehen hat, das einfach total crazy ist. Allein deswegen, und wir können sicherlich durch ein, zwei, drei Punkte gleich mal gehen, kann man eigentlich mit dieser Linkspartei, wenn sie ihr eigenes Protokollegang ernst nimmt und durchsetzen will als Wahlsiegerin, und das ist sie nun mal, können sie einfach in Wahrheit nicht koalieren. Das geht nicht. Na gut, das sagen Sie jetzt aus politischer Sicht. Das hat aber mit Antisemitismus nichts mehr zu tun. Ich will zu der Frage ganz kurz im Griff haben. Ich habe zwei Punkte gemacht. Es gibt eine sehr grundsätzliche Frage in Sachen Antisemitismus. Da bräuchte es eigentlich eine Brandmauer, von der SPD und Grünen immer sagen, die muss aber zwischen CDU und AfD stehen. Aber die haben die doch, die Linken. Die haben doch Parteiausschlussverfahren eingeleitet gegen Leute. Zum Beispiel hat eine Frau gesagt, die Befreiung Palästinas endet dann, wenn Tel Aviv wieder in der Hand von Palästina liegt. Da könnte man sagen, okay, da ist jetzt eindeutig die Grenze überschritten. Finde ich auch. Ist übrigens auch meine Meinung, dass da die Grenze überschritten ist. Das sieht die Linkspartei ebenso. Deshalb läuft gegen diese Frau ein Parteiausschlussverfahren. Das heißt, die macht das ja, diese Säuberung, um jetzt mal das schlimme Wort zu benutzen. Und das Problem, was die haben, haben doch diese Leute erkannt. Die sind ja nicht blöd. Ich meine, die allermeisten in der Linkspartei sind natürlich ganz vernünftige, normale, moderne, urbane Sozialisten. Und deshalb wurden sie übrigens auch gewählt hier von den Leuten in Berlin. Und die wollen natürlich mit denen nichts zu tun haben. Klasse, wie Sie das schön malen. Wie sagten Sie, moderne, normale Sozialisten? Also gut, dann gehen wir mal ein bisschen durch das Programm. Die möchten gerne den Verfassungsschutz auflösen. Das erinnert mich jetzt, Entschuldigung, an die AfD in Sachsen-Anhalt. Die möchte das nämlich auch. Aber das ist sicherlich nur ein Zufall, diese Parallele. Sie möchte der Polizei Mittel wegnehmen, weil die Polizei zu viel Racial Profiling machen würde. Also diese Straßenkontrollen, denen man Rassismus unterstellt, weil sie eine bestimmte Gruppe überproportional treffen. Also nimmt der Polizei das Geld weg. Ja, okay. Die möchten aber auch, Im Prinzip möchten sie alle Ausländer rein, so wie die AfD alle Ausländer raus haben möchte, rein im Sinne von Länderaufnahmeprogramme. Also das Land Berlin möchte eine eigene Flüchtlingspolitik machen und aus Ländern wie Afghanistan, Syrien etc. Möglichst viele Menschen als Länderprogramme, als Landesprogramm Berliner Spezialität dann reinholen und auch möglichst schnell einbürgern. Unter Verzicht übrigens auf so in Anführungsstrichen entwürdigende Prozeduren. Wie einen Sprachtest oder einen Einbürgerungstest oder irgendwie sowas. Also das sind schon echt extreme Politikansätze, die 25% der Leute, die sie gewählt haben, gekauft haben. Vielleicht wussten sie auch gar nicht, was sie gekauft haben. Ist aber egal, haben sie am Ende also in einem großen Sack mit ihrem Kreuzchen auf dem Wahlzettel angekreuzt, beziehungsweise gewählt. Mit sowas ist auch sehr, sehr schwer zu koalieren. Allein deswegen schon. Also wie gesagt, die Brandmauer in Sachen Antisemitismus fehlt mir. Und ein Blick ins Programm würde mich lehren, okay, das sind Sektierer. Dann lass sie mal alleine. Dann müssen wir eine andere Regierung bilden. Blum, es ist interessant, dass wenn Sie das Wahlprogramm lesen, dass Sie dann diese Punkte zitieren. Sie wissen, warum die Linkspartei vor allen Dingen in Berlin gewählt wurde, weil sie die einzige Partei war, der die Wählerinnen offensichtlich zugetraut haben, das zentrale Problem dieser Stadt zu lösen. Und das ist komischerweise nicht der Verfassungsschutz, ehrlich gesagt auch nicht der Antisemitismus, auch nicht irgendwie, ob die Polizei irgendwie genug, Wannen hat zum rumfahren oder nicht, sondern das sind die Mieten, das ist nämlich das reale Leben der Leute hier. Und das ist nicht das, was die Leute bei der Welt, Zeitung, Springer, Verlag in den Redaktionsstuben umtreibt, sondern nein, sorry, ich finde der Zynismus in der Debatte, der ärgert mich so, denn die großen Parteien haben beim Thema Mieten. Wohnraum hier krass versagt. Ich finde übrigens nicht nur die Parteien, sondern die Stadtgesellschaft selber auch, weil es sind ja auch die Berlinerinnen und Berliner, die nicht wollten, dass das Tempelhofer Feld bebaut wird. Es sind ja auch viele Berlinerinnen und Berliner, die nicht wollen, dass die Schrebergärten für Bebauung zur Verfügung gestellt werden. Das heißt also in der Stadt ist das ja auch ein sehr widersprüchlich gehandhabtes Thema. Jedenfalls war es das zentrale Thema bei den Wahlen und da genießt offensichtlich die Linkspartei mehr Glaubwürdigkeit als die anderen Parteien. Verfassungsschutz hin oder her, lieber Kollege Blomer. Das ist einfach das, was die Leute bewegt und interessiert. Das ist eine interessante, auf eine Art noch eine Parallele zur AfD. Es ist ein disruptives Modell, was die Linke vorgeschlagen hat, um das Wohn-Miet-Problem, das ein eindeutiges ist, zu lösen in dieser Stadt. Sie möchte nämlich den Wohnungsbestand großer Wohnungskonzerne, Wohnungsbaugesellschaften vergesellschaften oder enteignen, das hängt jetzt ein bisschen davon ab. Sie schlägt dabei einen erkennbar verfassungswidrigen Weg vor, aber das könnte ja noch ein Gericht gerade biegen. Gebaut ist deswegen noch nicht. Deswegen gibt es noch keine Wohnung mehr. Aber das sei mal dahingestellt, es ist ein disruptives Modell, das diesen Anklang gefunden hat. Anders als all die kleinen Modelle und Vorschläge und Ideen und Pläne der anderen Parteien, die halt versucht haben, durch Bürokratieabbau und andere Punkte, irgendwie Schwung in diesen Wohnungsbaumarkt. Zu kriegen. Ja, das ist eine demokratische Wahl. Und noch einmal, dann sollen sie das probieren, wenn sie dafür eine Mehrheit bekommen, eine regierungsfähige parlamentarische Mehrheit. Die Frage ist halt nur, ob das Problem, das die Leute an die Urne und zum Wählen der Linken getrieben hat, auf diesem Weg wirklich zu lösen ist oder ob es nicht einfach nur einen zweistelligen Milliardenbetrag kostet und hinterher ist Berlin nun endgültig pleite. Diese Frage darf man aber auch stellen. Und die ist nicht erhaben und nicht mehr, wenn man so will, diskutabel, nur weil die Linke 25 Prozent gemacht hat. Blume, was mir hier gerade noch fehlt in dem Gespräch zwischen Ihnen und mir ist, Sie nennen das disruptiv, was die Linkspartei da anbietet, genauso wie die AfD disruptiv. Vielleicht kann man das tatsächlich irgendwie vergleichen, obwohl ich diese vergleiche, Linkspartei, AfD finde ich echt schrecklich, wie sie sich denken können. Aber egal, vielleicht muss man aber zur Kenntnis nehmen, wir hatten hier bei unserem Sonderpodcast nach der Wahl, da hatte ich gesagt, das ist der Anfang vom Ende der alten Bundesrepublik. Die Parteien in der Mitte haben keine Attraktion mehr, in der Mitte klafft ein Loch. Und das ist doch eigentlich die Lehre hier von Berlin. Die Mitte-Parteien machen kein Angebot mehr, was sozusagen die Mehrheit der Wähler erreicht. Ich meine, wir wollen auf dem Teppich bleiben von 25 Prozent der Wähler, die die Linkspartei gewählt haben. Ja, wir müssen jetzt auch nicht so tun, als wäre das irgendwie hier so praktisch so die absolute riesige Mehrheitsmeinung. Aber trotzdem bricht sich doch da ein Gefühlbahn, dass sozusagen diese etablierte Politik, die das Leben hier in dieser Großstadt offensichtlich nicht in den Griff kriegt. Und da geht es ja nicht nur um das Wohnen, es geht ja auch um Wohnen. Um das Gefühl in einer lebenswerten Stadt zu sein, sagen wir mal so. Und inwieweit ist die Politik in der Lage, diese Sehnsucht, die die Leute haben, zu adressieren. Und was ich interessant finde, vielleicht wollen sie das jetzt nicht. Sie beschäftigen sich überhaupt nicht damit, warum eigentlich SPD und CDU es nicht geschafft haben, den Wählerinnen und Wählern dieses Gefühl zu vermitteln oder sie damit irgendwie an die Wahlurne zu locken. Warum muss eigentlich die Linkspartei kommen mit diesen ganzen Vorstellungen, die Sie ja für völlig irre halten und kriegt dann eine Mehrheit? Diese Frage müssten Sie doch eigentlich beantworten als Vertreter dieser politischen Mitte oder finden Sie das nicht? Natürlich muss man die Frage beantworten. Es ist allerdings auch die eine Million Dollar Frage, die sich übrigens ja genau so stellt mit Blick auf die Wahlergebnisse der AfD. Und man muss die jetzt nicht gleichsetzen, aber dass sie auf sehr unterschiedliche Art und Weise dieselbe Frage stellen, auch mit denselben Typen von Typologien von Antworten kommen, das scheint doch offenkundig. Und es trifft auf eine Bevölkerung, mindestens mal in Teilen, in Ostdeutschland deutlich größere Teile, in Berlin jetzt auch schon einen nennenswerten Teil, im Endeffekt also ein Viertel der abgegebenen Stimmen bei einer hohen Wahlbeteiligung, die so eine, wie ich es nennen würde, so eine Scheißegal-Haltung ist. Und also es ist mir scheißegal, dass die AfD erkennbar rechtsextremistisch ist und in Sachsen-Anhalt so wirklich auch noch das Radikalste vom Radikalen aus den eigenen Reihen zu bieten hat. Es ist mir scheißegal, ich wähle die trotzdem, aus welchen Gründen jetzt auch immer. Und in Berlin ist es die Haltung, ich wähle jetzt trotzdem die Linke. Ich ahne oder sehe, dass die ein Problem mit Antisemitismus haben. Und ich sehe auch irgendwie, kann das so richtig nicht aufgehen mit dieser Wohnbauvergesellschaftung und am Ende fängt es an im Bundesgesetz, das sie daran hindern wird, macht nichts, ich will die trotzdem, weil ich habe einfach keinen Bock mehr auf die anderen. Das scheint mir eine Parallele zu sein. Und wie Sie an diese Leute rankommen, die sagen, das ganze alte System muss einfach mal weg, ist vollkommen egal, was danach kommt, Hauptsache das alte System ist weg, also die alten Parteien, wenn Sie so wollen. Ja, wie adressiert man diese Wut, diese Zerstörungslust, also auch ein bisschen das Destruktive daran, denn egal, was danach kommt, hat was Destruktives. Aber die Linkspartei passt in dieses Raster nicht rein. Übrigens kurz nochmal, zur Ergänzung, Sie haben das sicher mitbekommen, dass hier 150 Jüdinnen und Juden aus der Öffentlichkeit sich gegen diese Antisemitismusvorwürfe ausgesprochen haben. Das zeigt übrigens auch, dass die Debatte, was ist antisemitisch und was nicht, auch innerhalb der deutschen Juden ja sehr, sehr umstritten ist und eben politisch instrumentalisiert wird. Hier geht es ja letztlich auch, ehrlich gesagt, auch um knallharte Wirtschaftsinteressen. Natürlich haben viele Leute Angst, hier enteignet zu werden. Kein Wunder, ich meine, der Antisemitismusvorwurf ist eben ein politischer Hebel, um eine missliebige Politik in Misskredit zu bringen. Wundert mich jetzt ehrlich gesagt nicht. Aber darfst du mir den Einsatz sagen? Das finde ich jetzt sehr billig von Ihnen, Leuten, die Angst um das jüdische Leben in Berlin haben, zu unterstellen, sie hätten nur Schiss um ihr Geld. Das finde ich zu billig. Nein, nicht die. Entschuldigung. Ja gut, aber auch fürs Protokoll, dass sozusagen die Linken vor allen Dingen deshalb so krass kritisiert werden, weil sie hier vielen Leuten sozusagen ans Portemonnaie wollen. Und zwar nicht nur hier in Berlin mit den Wohnungen, sondern ganz grundsätzlich mit der Frage der Umverteilung mit Steuern. Das ist ja wohl klar. Das finde ich übrigens auch gar nicht schlimm. Das nennt sich halt politische Auseinandersetzung. Was ich bloß schlimm finde, ist, dass mit dem Antisemitismus-Argument in dieser politischen Auseinandersetzung gekämpft wird. Blome, das war jetzt nur ein Exkurs, ich will das Thema jetzt nicht nochmal aufrollen. Die Linkspartei bietet natürlich, Entschuldigung, jetzt so zu tun, als wäre das irgendwie was ganz Neues, was jetzt irgendwie so um die Ecke kommt und so disruptiv ist. Die Idee, Wirtschaft und Gesellschaft nach sozialistischen Gesichtspunkten aufzurollen und nicht nach profitorientierten kapitalistischen, ist jetzt ehrlich gesagt gar nicht so neu. Zugegebenerweise hatte sie in Deutschland immer einen ziemlich schlechten, schwierigen Stand. Vielleicht ändert sich das jetzt, weil sich sozusagen die internationale Großwetterlage ändert. Weil wir haben hier schon ein paar Mal darüber gesprochen, weil es eine neue Form von einem urbanen Sozialismus gibt, der für viele Leute attraktiv ist. Und Entschuldigung, sorry, aber Sie sozusagen als alter, weißer. In der Wolle gewirkter Erzliberaler kommen damit halt nicht klar und erkennen nicht, dass das im Prinzip eine neue Form von Politik ist, die die Leute hier vorschlagen. Ja, ob nun neu oder nicht neu, größere Teile des Wohnungsbestandes einfach zu enteignen und dann zu glauben, das löst das Mangelproblem, das nenne ich disruptiv, weil es halt versucht, mit der ganz großen Bombe Tabula Rasa zu machen, um mal zu gucken, wie es danach weitergeht. Wenn es dafür eine Mehrheit gibt, Okay, dann muss man das halt machen. Es sind noch wahrscheinlich ein paar Gerichte vor. Und die Frage ist eben, ob diese Mehrheit zustande kommt. Denn darüber reden wir ja die ganze Zeit, ob diese Mehrheit von Grünen und SPD in diesem Sinne hergestellt wird. Parlamentarisch. Denn mit 25 Prozent allein können sie halt nicht regieren. Und ich glaube, das sollte, so traurig das klingt, in diesem Fall sollte die linke Mehrheit nicht gezogen werden, weil sie diese Stadt ins Abseits und ins Aus führt und mal ganz unabhängig, wie gesagt, von Antisemitismus. Aber dass wir ein Gerechtigkeitsproblem haben, ist ja nicht nur in Berlin der Antreiber gewesen für diese Wahlen, sondern das ist ja inzwischen als Message offensichtlich sogar schon beim Bundeskanzler angekommen. Sie müssten sich doch irgendwie, wie sagt man, die Augen gerieben haben vor Erschrecken und Erstaunen, als der Bundeskanzler nach der Wahl plötzlich aus der Tasche gezogen hat das Argument, ja tatsächlich, Viele Deutsche halten das Land für zunehmend ungerecht, da müssen wir mal was machen. Das war ja schon fast satirisch überhöht. Das ist grotesk und es passt auch überhaupt nicht zu diesem Mann. Das heißt, er versucht jetzt auch noch eine andere Rolle zu spielen und kann schon seine eigene, ihm auf den Leib geschriebene Rolle nur schlecht spielen. Wie soll das denn erst werden, wenn es eine fremde Rolle ist des Bundestaschentuches, der Kanzler, der jetzt weich wird. Ich möchte keinen Kanzler haben, der Weichheit zeigt. Ich möchte einen Kanzler haben, der die Weichen stellt. Haha, kleines Wortspiel am Rand. Oh Mann, den hatten Sie sich aber schon hingelegt, oder? Ja, der hängt hier seit Wochen vor mir an der Scheibe, dass ich ihn endlich mal vortragen kann. Ja, der Bundeskanzler erkennt eine Gerechtigkeitsfrage. Wissen Sie, was ich gemacht habe danach? Ich habe meinen alten Taschenrechner rausgesucht. Erinnern Sie sich an meinen alten Taschenrechner? Meinen schöner, alter, hellblauer Taschenrechner. Ganz einfach, das war glaube ich noch zu Zeiten, als man so umrechnen konnte, Euro in D-Mark und so ein Zeug. Daher stammt er. Und den müssen wir uns jetzt wieder vor Augen führen. Es gibt ein paar Dinge, die sind objektiv richtig. Und auf diesem Pfad war diese Bundesregierung, wenn sie davon abweicht und das dann Gerechtigkeit nennt, macht sie einen Fehler. Und sie, glaube ich, reitet auch den Begriff Gerechtigkeit dann zu Schanden. Aber Blume, Entschuldigung, ich meine, wir wollen mal nicht so schnell darüber hinwegwischen. Der Bundeskanzler hat mal eben die Trennung von gesetzlichen und privaten Krankenkassen ins Spiel gebracht und soweit ich weiß, die CDU hat ja echt viel leiden müssen mit diesem Kanzler und viele CDU. Wie sagt man, Tafelsilber sind hier schon verschärbelt worden und eingeschmolzen und ich weiß nicht was und so. Aber die Trennung von gesetzlicher und privater Krankenversicherung steht jetzt plötzlich zur Debatte aus einer unbedachten Äußerung dieses Kanzlers. Ehrlich gesagt ist der Mann ja noch unkontrollierter und noch fahriger, als ich es für möglich gehalten hätte. Ich bin kein CDU-Wähler, aber wie fühlen Sie sich denn jetzt, Blume, wie geht es Ihnen mit dieser Äußerung des Bundeskanzlers? Fahrig ist ein gutes Wort. Fahrig ist... Ja, der Bundeskanzler hat aus Versehen mal eines der letzten Stücke, nicht vom Tafelsilber, sondern vom Hochzeitsservice aus dem Sims gehauen. Nämlich tatsächlich die private Krankenversicherung, also das duale System in der deutschen Krankenversicherung. Und hinterher muss der Herr Linnemann kommen und es wieder einsammeln, beziehungsweise kitten. Nein, nein, das hat er nicht so gemeint. Nee, Moment mal, keine Sorge, liebe private Krankenversicherten, ihr werdet jetzt nicht zwangseingemeindet in das gesetzliche System und so weiter und so fort. Ich glaube, das wird nicht kommen, aber es ist ein Symptom, da haben Sie recht. Es ist ein Symptom für die Fähigkeit dieses Bundeskanzlers und wenn er dies nicht ablegt in sehr, sehr, sehr kurzer Zeit jetzt, so viel Zeit hat er nämlich nicht mehr und so viele Chancen kriegt er auch nicht mehr, dann wird ihn seine eigene Partei tatsächlich abräumen. Oder aber es kommt, so wie ich das dargestellt habe in unserem Nachwahlpodcast. Die neue Manuela Schwesig SPD wird die Reformen infrage stellen, an die der Bundeskanzler aber seine politische Existenz gebunden hat. Zumindest an den großen Kernbestand dieser Reform. Und wenn das so kommt, muss er dann eigentlich selber zurücktreten. Die Vertrauensfrage stellen und verlieren oder wie auch immer, dann aber das Amt verlassen. Insofern glaube ich, dass das Endspiel um Friedrich Merz, mit Gerechtigkeit oder ohne Gerechtigkeitssoße begonnen hat und wahrscheinlich zu dem einen oder anderen Ende kommt, bevor die Linke hier in Berlin eine Regierung gebildet hat. Denn das bezweifle ich sehr. Wow, okay, krasse Prognoseblume. Da werde ich Sie, weil wir doch alte Freunde sind und auch noch weiter zusammenarbeiten wollen, nicht beim Wort nehmen. In diesem Sinne bis nächstes.