Lieber Kollege Augstein, herzlich willkommen zu diesem, unseren Podcast. Wir zeichnen auf am Mittwochmittag und soeben klingelte es die Eilmeldung rauf und runter. Die Bundesregierung hat die Pflegeform nun doch ins Kabinett gebracht, das heißt sie hat sie im Kabinett beschlossen. Jetzt geht sie in den Deutschen Bundestag und so weiter und so fort. Das war nicht immer klar und die Art und Weise, warum das die letzten Tage sich so zugespitzt hat in einem Streit zwischen SPD und CDU, CSU, Die zeigten eine Menge über den Zustand dieser Bundesregierung, die nämlich die beiden Parteien, die Koalitionsparteien, so total unterschiedliche Schlussfolgerungen aus, den Wahlergebnissen in Berlin und in Mecklenburg-Vorpommern gezogen haben. Hallo, lieber Kollege Blume. Ich lausche Ihren Ausführungen, ich hänge an Ihren Lippen. Welche unterschiedlichen Lehren haben die denn aus diesen Wahlergebnissen gezogen? Bitte, Herr Blume. Danke, lieber Kollege Augstein. Wir spielen jetzt so ein bisschen auch, Sie befragen mich und ich bin sehr, sehr klug und Sie sind sehr, sehr neugierig. Ist das okay so? Nein, das machen wir überhaupt nicht, sondern in diesem einen Fall wollte ich jetzt einfach nur, dass Sie weiter sprechen über das Thema, von dem Sie offenkundig mehr verstehen als ich und für das Sie sich vermutlich auch mehr interessieren als ich. Denn ich fürchte, dass auch der Erfolg dieser Pflegereform oder ging es um die Rente, ich habe es schon vergessen, oder die Verkehrspolitik oder Digitalisierung oder es ging um die Pflege, nicht das Schicksal dieser Bundesregierung drehen wird. Aber fangen Sie erstmal an mit der unterschiedlichen... Naja, sagen wir mal so, das Schicksal der Bundesregierung wäre einen weiteren entschlossenen Schritt in Richtung Abpunkt gegangen, wenn man das jetzt nicht hingekriegt hätte, diese letztlich prestigeträchtige, aber eben als Etappe auch wichtige. Moment im Kabinett herzustellen, nämlich dazu beschließen, dass man ein Defizit von irgendwo 8 bis 10 Milliarden Euro im kommenden Jahr in der Pflegekasse schließt. Mit Ausgabensenkungen, Kürzungen, aber auch Einnahmeverbesserungen, Beitragserhöhungen und drittens wahrscheinlich eben auch mit einem staatlichen Darlehen. Und daran sehen Sie, dass der Kompromiss ein bisschen wackelig und faul ist, aber immerhin man hat jetzt was zusammengebracht. Gut und die SPD und die CDU haben, wie Sie eben gesagt haben, unterschiedliche Lehren aus den Wahlergebnissen der letzten Wochen gezogen. Und ich vermute mal ganz kurz. Ich sage noch schnell welche. Entschuldigung, sie hat mich ja nach den Lehren gefragt. Und die SPD hat in den letzten Tagen. Ich komme überhaupt nicht zu Wort heute. Das ist so, wenn man Fragen stellt und Antworten bekommt und dann mitschreiben soll. Also Stifte raus, Diktat, Kollege Augstein. Hat in den letzten Tagen die SPD dann doch also sehr grundsätzliche Fragen, etwas überraschend. Auf den Tisch gelegt zu dieser Pflegereform, zum Beispiel soll man die private Pflegekasse abschaffen und eine Bürgerversicherung im Bereich der Pflege herstellen, so wie das genannt wird. Sehr grundsätzlich, geradezu strukturelle Frage und die CDU verwies dann darauf, ja liebe Kollegen, strukturelle Fragen, hochinteressant wollten wir aber jetzt nicht lösen, dafür haben wir eine Strukturkommission einberufen, die bis zum Jahresende Vorschläge grundsätzlicher Natur machen will. Und darum hat die CDU nie verstanden, warum die SPD das jetzt aufmacht und der einzige Ratschluss war, die glauben, Mecklenburg-Vorpommern, der Sieg von Manuela Schwesig, nicht der Sieg, der Erfolg. Führt sie auf einen Gerechtigkeitspfad, weniger Reformen, weniger das davon, was als Kürzungen wahrgenommen wird und mehr klassische linke Wirtschafts- und Sozialpolitik. Naja, das nennen sie klassische linke Wirtschafts- und Sozialpolitik. Ich finde, dass auch die SPD in dem schwachen Versuch eine Kurskorrektur vorzunehmen nach diesen katastrophalen Wahlergebnissen schon wieder zu kurz springt. Natürlich wäre eine solidarische Bürger-Sozialversicherung, die Pflege, Krankheit und Rente miteinander kombiniert, ein tolles Projekt, ein Projekt der Erneuerung von Solidarität, von Solidargemeinschaft, vielleicht auch ein Projekt von Erneuerung von... Demokratie und Mitte in diesem Land, aber dafür hat die SPD ja nicht mal die Kraft, das zu fordern, geschweige denn hätte die CDU Lust, das zu machen. Das heißt, man murkelt und wurstelt weiter vor sich hin in der sogenannten Mitte, die irgendwie immer leerer wird. Darüber werden wir heute vielleicht ein bisschen reden, über diesen Begriff der Mitte und wie er sich verändert. Denn früher war es ja so, dass sich alles in der Mitte gedrängt hat. In der Mitte gewinnt man Wahlen, hieß es früher. Oder heute hat mich das Gefühl, dass man in der Mitte Wahlen verliert, weil in der Mitte ein Loch klafft in diesem Land und daran sind beide großen Volksparteien schuld. Ich will das jetzt keineswegs nur der CDU aufhalten. Also, okay, Herr Augstein, über die Frage, ob man in der Mitte Wahlen verliert oder gewinnt, werden wir gleich noch reden. Mein Eindruck, kleiner Spoiler, ist, in dem Maße, wie die AfD, zumindest in Sachsen-Anhalt, in die Mitte vorgedrungen ist, hat sie diese Wahl auch gewonnen. Insofern hat sie eben genau das getan, was immer richtig ist. Man gewinnt Wahlen in der Mitte oder man bleibt eine randständige Partei, die dann 20, vielleicht auch ein bisschen mehr Prozent machen kann, aber eben niemals über die 30 oder gar über die 40 kommt. Aber vielleicht noch eine Sekunde bleiben bei den Schlussfolgerungen. Also der Bundeskanzler hat ja ganz klar gesagt, wir machen das jetzt einfach weiter, wir ziehen das jetzt durch und in dem Sinne war es eben so wichtig. Mit der Pflegereform, zumindest mit dieser Defizitschließung ins Kabinett zu kommen, um zu zeigen, der Takt bleibt hoch, wir ziehen das durch, wir machen das jetzt. Und die SPD sieht es grundsätzlich anders und wollte jetzt schon Strukturfragen klären, die man eigentlich erst später klären wollte und ob die Bürgerversicherung, also alle Zahlen in einen Topf ein und es gibt keine Differenzierung mehr zwischen privat und gesetzlicher Versicherung, ob das so clever ist. Ich glaube, es ist nicht so clever, es ist wahrscheinlich auch nicht verfassungsfest, einfach in deren Kasse reinzulangen, also in die Kasse der Privat-Sich-Versichernden. Aber das wird man ja sehen im Laufe der Zeit. Trotzdem... Hat man an dieser Phase jetzt, wie wohl sie glücklich im Kabinett geendet hat erst einmal, gesehen, wie weit diese beiden Lager eben doch auseinander sind. Und das zeigt auch, wie breit die Mitte in Wahrheit ist, wie unterschiedlich man es sehen kann, die Dinge weltanschaulich betrachten kann, obwohl man SPD wie CDU, CSU zur sogenannten Mitte gehören. Vielleicht sind die gar nicht so mittig, vielleicht haben die eben doch totale Unterschiede Und dann wäre es auch vollkommen schnurz, was die AfD zur Pflegeversicherung denkt, weil sie eh keinen Plan hat. Die weiß noch nicht mehr mal, dass sie existiert. Blobe, was Sie gerade machen, das nennt man auf Französisch, glaube ich, Haare in vier Teile schneiden. Was soll das denn jetzt? Sie sagen jetzt, ich habe gerade gesagt, die Mitte ist leer, es gibt sie nicht. Früher hat man gesagt, da werden Wahlen gewonnen, heute werden Wahlen verloren. Jetzt sagen sie, nein, die Mitte, die ist viel breiter und es braucht gar keine Extreme. Ich glaube, das ist mir jetzt hier ein zu wirrer Begriffssalat. Lassen wir uns mal zu den Fakten zurückkommen. Die Fakten sind, dass die Volkspartei SPD ist schon im Arsch und die Volkspartei CDU ist gerade auf dem Weg, den gleichen Weg zu gehen. Und ob die jetzt diese Reform hinkriegen oder nicht, ich finde es gut, dass sie das machen. Ich halte die Reform für falsch und wie gesagt für zu wenig. Aber es ist doch schön, wenn die Regierung noch funktioniert und Gesetze machen kann und so, dann läuft der Laden wenigstens. Nur, da werden Sie mir doch jetzt auch zugeben, in Wahrheit ändert das schon gar nichts mehr. Die Stimmung im Land ist miserabel, die Stimmung in der CDU ist miserabel und die Stimmung in der Öffentlichkeit über die CDU ist miserabel und niemand kann sich vorstellen, dass das mit der bestehenden Truppe noch gedreht wird. Und das Einzige, der Deus Ex Machina, der praktisch Münchhausen-mäßig das Land am eigenen Zopf aus dem Sumpf ziehen könnte, wäre das Wirtschaftswachstum. Das heißt, alle sitzen jetzt da, beißen die Zähne zusammen oder die Arschbacken, je nachdem, und warten aufs Wirtschaftswachstum. Und wenn das nicht kommt, dann ist diese Bundesregierung im Eimer, vollkommen egal, ob sie jetzt noch gute oder schlechte Reformpakete durchbringt. Verstehen Sie das? Ja, ich verstehe, was Sie sagen wollen. Ich glaube nur, diese Reformen sind, zentrale Bedingungen für Wachstum. Von der Bürokratie, dem Bürokratieabbau bis hin zum in den Griff bekommen eines, in den letzten Jahren eben stark ausgeuferten Sozialstaats, der halt den Faktor Arbeit und die Unternehmen über Gebühr belastet. Zumindest könnte man sie da entlasten, wenn man sie von Energiepreisen vielleicht nicht so gut entlasten kann, aus diversen Gründen, die unter anderem in Moskau und in Washington zu suchen sind. Das heißt... Sie müssen in diesem Reformtakt kommen, um auch nur die Hoffnung zu haben, dass das Wachstum anhebt, was es im Moment gerade tut. Also das Wirtschaftswachstum Deutschlands ist ja deutlich in der Prognose hochgesetzt worden und liegt jetzt über dem EU-Durchschnitt, immerhin. Ich weiß nicht, ob wir, das Land, Sie und ich und vor allen Dingen der Bundeskanzler so viel Zeit haben, wie Sie da jetzt implizieren mit Ihren Worten. Denn selbst wenn diese Reformen wirken, werden sie nicht so schnell wirken, dass Merz es bis dahin schafft. Das ist ja das Problem. Wenn Sie jetzt mal zurückgehen an den Punkt, wo er Kanzler wurde. Er wurde Kanzler auf einer Welle der Unzufriedenheit mit der alten Ampelregierung, an die man sich kaum noch erinnert, obwohl das noch gar nicht so lange her ist. Das ist ja irgendwie auch ein ganz merkwürdiger Prozess der politischen Wahrnehmung bei uns allen. Das ist ganz kurz her und trotzdem haben alle das im Prinzip schon vergessen. Also er wurde auf einer Welle der Unzufriedenheit Kanzler getrieben von der Kraft seiner eigenen großen Versprechungen. Und er hat vom ersten Tag an seine Versprechungen nicht gehalten, vielleicht auch nicht halten können, aber er hatte sie halt gemacht. Und hat dann ein Erwartungsmanagement, auch ein Wort aus seinem Wortschatz. Benutzt, um sozusagen uns alle bei der Stange zu halten, um die Öffentlichkeit bei der Stange zu halten. So jetzt der nächste Sommer wird der Sommer der Zufriedenheit, der Herbst wird der Herbst der Entscheidung. Und dann geht es immer so weiter und dann kommt das Frühjahr des ich weiß nicht was und so. Und jetzt sind wir schon wieder im nächsten Herbst und es geht immer nur weiter runter und die AfD ist nicht halbiert, sondern verdoppelt. Also worauf ich hinaus will ist, und das sage ich gar nicht, weil ich was gegen den Mann habe oder weil ich das mir wünsche, weil ich die Zerstörung will und die Disruption wie so manch freidrehender, Pseudo-Rechtsintellektueller in diesem Land, sondern weil ich es einfach nüchtern beobachte. Ich glaube, dass die... Der Strömungsabriss ist bereits erfolgt und diese Regierung und dieser Kanzler sind jetzt in einem Sinkflug, der sich nicht mehr aufhalten lässt, auch nicht durch noch so viele Pflegereformen, lieber Kollege Blome. Und ich meine, vielleicht sollten wir darüber jetzt mal reden, über das Ende der politischen Mitte. Augstein, Strömungsabriss, schönes Bild. Danach geht man übrigens nicht in den Singflug über, sondern man stürzt ab. Das leert die Fluggründe. Aber das Bild ist ja gut. Also gibt es in der Mitte überhaupt noch Dinge, die fliegen. Weil die Mitte sie trägt, die Menschen noch genügende sind, die in der Mitte wählen wollen und eben nicht nach links außen ins Extreme oder nach rechts außen bis sogar ins Rechtsextreme gehen wollen. Und ich glaube daran, dass es doch diese Leute gibt, die inzwischen vielleicht was anderes wählen, aber die man, sagen wir mal so, mit dem, was halt Regierungshandwerk heißt, schon noch gewinnen kann. Weil doch jetzt in Sachsen-Anhalt vor allen Dingen, für die AfD und wahrscheinlich womöglich in Berlin für die Linkspartei, für die Linke, sichtbar werden wird, dass man die zwar wählen kann, aber man kriegt halt hinterher keine Regierung. Und wenn man eine Regierung kriegt, dann keine regierungsfähige. Und wenn man eine regierungsfähige Regierung bekommen würde, bekäme man plötzlich Politik, die man eigentlich gar nicht haben will. Und das heißt doch in dem Maße, wie zumindest die Mitte der CDU-Kanzler, die SPD-Koalitionspartner weiter einfach ihr Ding machen in Ruhe, Aber wenn Sie das könnten und täten, glaube ich, können Sie die Mitte weiter ausfüllen und weiter attraktiv halten. Das Problem ist doch, dass die, also wir kommen gleich auch im weiteren Verlauf unserer kleinen Sendung auf die Dokumentation des ZDF inside CDU zu sprechen, die übrigens ein, bisschen zu lang geraten ist, wenn ich das leicht kritisch ansagen darf, aber es lohnt sich trotzdem hin und wieder mal so rein zu gucken. Da gibt es eine Szene vom Wahlkampf der CDU in Mecklenburg-Vorpommern, wo traurige, versprengte CDU-Wahlkämpfer in diesem zunehmend blau werdenden Land oder wo eben blau und rot gegeneinander standen und schwarz eine schlechte, Position hatte, rumlaufen, um Fischbrötchen zu verteilen mit dem Slogan, warum verteilen wir Fischbrötchen, weil das Beste in der Mitte ist. Okay, das ist so mecklumburgischer Humor. Nein, nein, stopp. Das ist einfach totaler Schwachsinn. Wer so eine Kampagne macht, fliegt zu Recht aus dem Landtag. Finden Sie, mögen Sie keine Fischbrötchen? Ich komme auch von der Küste und von der Wartaghand. Wissen Sie ja. In der Ex sieht ein Jung mit dem Tüdelband in der anderen Hand. Es will er nicht. Er mag es nicht, wenn ich singe. Entschuldigung. Richtig. Bauchstein, das haben Sie seit 15 Jahren sehr, sehr, sehr gut erkannt. Entschuldigung. Ich mag es nicht, wenn Sie singen. Ich mag ganz viele Sachen nicht, aber wenn Sie singen... Fischbrötchen. Sie können doch nicht im Ernst als bürgerliche Partei, die ernst genommen werden möchte, weil sie ja möchte ja auch gewählt werden, die auch Regierungsverantwortung in diesem Land getragen hat, mit einem Fischbrötchen Wahlkampf machen und sich dann wundern, dass die Leute sie nicht wählen. Jetzt finde den Fehler in diesem Satz. Komisch, die haben mich gar nicht gewählt. Ich verstehe überhaupt nicht, wir hatten doch ein Fischbrötchen. Es ging mir um was anderes. Bei den Fischbrötchen, ich wollte, mein Witz war besser. Stopp, es geht darum, dass die Mitte sich natürlich auch selber so lächerlich machen kann, dass sie einfach verschwindet. Aber mein Witz war noch, ich wollte das gar nicht als Witz nehmen, sondern tatsächlich als aussagekräftige Metapher, denn die CDU, im Wahlkampf bietet den Leuten in Mecklenburg-Vorpommern wenigstens ein Fischbrötchen an, wo in der Mitte tatsächlich was Leckeres ist, wenn man das denn mag, so ein Bismarck-Hering oder so. Mochte ich früher übrigens ganz gerne, habe ich häufiger gegessen. Jetzt schon lange nicht mehr gibt es in Berlin. Kaum gut zu kaufen, egal. Die Politik tut das aber nicht. Das ist doch genau das Problem. Deshalb auch nochmal hier die Pflegereform, die Rentenreform. Wir versuchen ein überkommendes Sozialstaatsmodell irgendwie zu retten in eine Zeit, in der das offenkundig nicht mehr funktioniert, aus vielen verschiedenen Gründen, wegen der Demografie, wegen der Veränderung der Arbeitsgesellschaft, auch wegen der Veränderung der Einkommensquellen von Leuten, der Einkommensverteilung, der Vermögensverteilung und so weiter und so weiter und das Erstaunliche ist, dass weder die CDU noch die SPD in der Lage sind. Die Form von Disruption umzusetzen, die notwendig wäre, um diesen Sozialstaat zu retten. Das heißt, man muss ihn total verändern, um ihn zu retten und das können die beide nicht. Deshalb habe ich ja eben gesagt, was man natürlich bräuchte, wäre eine große allgemeine steuerfinanzierte Sicherungssystem, was die Last vom Faktor Arbeit wegnimmt, komplett wegnimmt. Wir machen das aber nicht, sondern in Wahrheit ist das immer noch das Problem, dass bei uns der Faktor Arbeit übermäßig belastet wird. Und das ist ein Fehler, der ist im System drin. Und die SPD hat auch nicht die Kraft, das zu ändern, die CDU auch nicht. Und deshalb kommen ja eben die anderen Parteien mit ihren Disruptionsvorstellungen, weil ich glaube, und das ist jetzt echt eine These, können Sie sich jetzt mal was dazu sagen, ich glaube, die Menschen im Land merken, dass wir Fundamentale, nicht Reformen, sondern Erneuerungen brauchen. Keine Reform, sondern Erneuerungen. Das ist was anderes, das ist eine andere Idee. Und diese beiden Mitte-Parteien haben dazu nicht die Kraft. Augstein, jetzt mal ein bisschen die Emotionen runtergenommen, jetzt nicht so aufwallend sein, weil sie gehen, in beiden übrigens, linksextrem wie rechtsextrem, gleichermaßen auf die Leimrute. Was die Disruption nennen, das Gefühl, wir können das da oben alles wegsprengen und dann wird es alles besser, passt überhaupt nicht zu ihren Vorschlägen, zumindest nicht, was die AfD anlangt. Die macht vielleicht disruptiven Kulturkampf, aber Sozialstaatsmodell bzw. Rentenpolitik oder Pflege, wenn sie überhaupt ein Angebot haben, ist total kontinuierlich, ist total, wenn man so will, links, sehr sozial. Die wollen einfach alle Sozialleistungen verdoppeln und noch ein paar neue erfinden. Das heißt, da kommt gar keine Disruption, da kommt auch gar keine Erneuerung, da kommen noch nicht einmal Reformen. Und die Frage ist wirklich, müssen wir den Sozialstaat erst einmal komplett in die Luft sprengen? Ich glaube, nein. Richtig ist, den Sozialstaat würde man so, wie er jetzt ist, nicht noch einmal bauen. Aber die Frage, wenn man von null anfangen könnte heute, kann man aber nicht. Darum stellt sich nur die Frage, was können wir maßgeblich daran ändern? Und das ist ja auch schon in der Vergangenheit geglückt. Also von Rente mit 67, einer sehr großen Rentenreform, Verlängerung der Lebensarbeitszeit, bis hin zu Hartz IV und dann meinetwegen am Ende Bürgergeld immer wieder Arbeitsmarktreformen, manchmal in die richtige, oftmals in die falsche Richtung. Die haben das Leben von zig Millionen Leuten massiv verändert und auch plötzlich eine Trimmung hergestellt im Sozialstaat, das ja finanzierbar war. Und das muss es halt jetzt nochmal geben. Ich glaube, es wird große Reformen brauchen, aber sie müssen das Ding nicht in die Luft sprengen. Das können sie auch gar nicht, aber sie müssen es eben auch gar nicht. Sie können es reformieren, so wie die Mitte immer. Die Mitte Parteien von SPD, links außen, bis CDU, CSU, rechts außen, das war ja das damalige Spektrum, es immer, immer gemacht hat und immer, immer auch hingekriegt hat. Ich verstehe ihren Pessimismus nicht und diese Neigung, die Sie gerade eben ja noch gegeißelt haben. Jetzt muss es aber mal so richtig knallen. Warum denn? Blume, vielleicht reden wir aneinander vorbei. Ich versuche es nochmal. Eines der zentralen Felder... Wo die Leute, die das Vertrauen in die Politik verlieren, ist die Zukunft des Sozialstaats. Diese Regierung versucht mit Flickwerk, Reformchen, daran herumzufisseln und sieht nicht, und ich glaube, das ist inzwischen eigentlich offensichtlich, dass das so nicht funktionieren kann, weil man in die Prinzipien sozusagen. Auf denen der Sozialstaat aufbaut, daran möchte man nicht rühren. Und das ist vor allen Dingen die Arbeit. Ich weiß, auch über Steuern wird viel finanziert und so, aber im Wesentlichen funktioniert das ganze System darüber, dass Arbeit belastet wird auf der Seite der Arbeitnehmer und auf der Seite der Arbeitgeber. Und das ist das falsche Prinzip. Wenn ich sage Erneuerung, ich bin nicht so doof, ich will nicht die Form von Disruption, die die Linken wollen oder manche Verrückten im Springer Verlag oder so. Offensichtlich will ich das nicht. Ich glaube aber, dass dieser Sozialstaat von Grund auf erneuert werden müsste und die Parteien haben dazu nicht die Kraft. Sie haben deshalb nicht die Kraft, weil in der SPD fehlt es glaube ich an Zukunftsvisionen und in der CDU fehlt es überhaupt an dem Gefühl dafür, dass da eine Gerechtigkeitslücke sich aufreißt in diesem Land, die ja inzwischen sogar die CDU Wähler nervt. Ich meine, Merz hat ja neulich so eine Art Ahnung davon gegeben, dass es auch bei ihm angekommen ist, das Thema Gerechtigkeit. Ist ja lustig, wenn so ein Kanzler dieses Wort plötzlich in den Mund nimmt. Aber sorry, too little, too late. Deshalb nochmal, diese Mitte-Politik hätte die Chance, das Land zu retten und zu drehen und auch zu retten vor den Extremisten von rechts, aber sie nutzt diese Chance halt nicht. Und das finde ich so tragisch. Darauf können wir uns vielleicht einigen, dass es spitz auf Knopf steht, ob diese Koalition, wenn man sie dann Mitte nennt, es hinkriegt, das Land zu retten. Da schwanke ich von Tag zu Tag, gebe ich zu. Im Moment habe ich das Gefühl, doch, das könnte Ihnen gelingen. Bei allen Schwierigkeiten gibt es ja einen ersten Hinweis, deutlichen Hinweis darauf, dass das Wachstum anzieht. Also alle Institute haben ihre Prognosen schlichtweg verdoppelt für das Jahr. Schlichtweg verdoppelt in der Mitte des Jahres. Als hätten sie nichts kommen sehen. Und das könnte dann auch manches Problem beim Haushalt lösen, zum Beispiel, um nochmal praktisch zu werden, auch ein ganz großes Problem für diese Koalition. Wo sparen wir, was sind unsere Prioritäten, wie sehr machen wir neue Schulden. Das werden die alles durchdeklinieren müssen bis in den November hinein, wenn sie diesen Haushalt beschließen müssen. Da könnte ihnen aber zu Hilfe kommen. Verstärktes Wachstum bedeutet ja auch immer mehr Steuereinnahmen, vielleicht schließt sich das Loch dann irgendwann in Teilen, sogar von selber. Also die Mitte hat alles in der Hand. Sie kann das lösen. Es ist nur die Frage, und jetzt kommen wir an den Anfang zurück, haben die noch die Kraft, beziehungsweise haben sie noch eine deckungsgleiche Schlussfolgerung aus den vergangenen Wahlen, wo ja nur so ein paar hunderttausend Leute abgestimmt haben. Also alles, was Manuela Schwesig im Rücken hat, sind, glaube ich, 350.000 bis 360.000 SPD-Wähler, die in Mecklenburg-Vorpommern für sie gestimmt haben. Naja, so ist es. Moment, Moment. Und daraus wollen wir dann ableiten, wie für 84 Millionen Bundesbürger das Land zu führen sei? Woraus wollen Sie es denn sonst ableiten? Ich verstehe Sie nicht. Stimmungen sind halt diffus. Stimmungen lassen sich nicht richtig messen und auch nicht objektiv quantifizieren. Stimmungen lassen sich aber aufnehmen und ehrlich gesagt ist dann interessanterweise auch an den Stimmungen, wenn sie einmal als solche erkannt worden sind, nicht mehr zu zweifeln und sie sind eben auch schwer zu drehen. Deshalb jetzt zum Thema Inside CDU, diese Dokumentation des ZDF, die ich ein bisschen bizarr finde. Ich gebe zu, die läuft schon ganz lange. Ich habe aber jetzt erst mitgekriegt, dass es sie überhaupt gibt. Das ist vielleicht auch mein Problem, weil ich jetzt nicht immer die Mediathek so täglich so durchpflüge. So, was gibt es Neues in der Mediathek des ZDF? Mache ich gar nicht. Sollte ich vielleicht machen. Also viel, zweite Staffel der Serie Inside CDU, da habe ich auch gedacht, Moment, zweite Staffel, vielleicht zweite Folge. Nein, es ist die zweite Staffel, das ist praktisch wie bei den Sopranos oder Modern Family oder so. Also eine vielstaffeligere Reihe über die CDU. Entschuldigung, Sie merken, ich finde es auch ein bisschen lustig, weil auf die Idee wäre ich zum Beispiel nicht gekommen, das zu machen oder in Auftrag zu geben. Aber à la Bonheur, nur wenn sie sich das angucken, dann denkt man vor allen Dingen, als CDU wäre ich auch nicht auf die Idee gekommen, da mitzumachen. Und deshalb ist das eigentlich meine allergrößte Frage. Warum um alles in der Welt haben die sich das angetan? Ganz großes Fragezeichen. Dazu muss man ein bisschen mehr beschreiben, was diese Serie ja transportiert aus Inside CDU und das ist natürlich zu einem erheblichen Anteil, auch das miefige, biedere, spießige an der bürgerlichen Partei namens CDU. Also wenn Sie sich die Bilder anschauen, wo dann im Foyer des Konrad-Adenauer-Haus, und das ist ein sechsstöckiges, hohes Atrium, also ein wirklich, wirklich sehr hoher Raum, dann da so eine Art Rentner-Disco, also Mitarbeiter-Disco veranstaltet wird und der Disc-Jockey ist hart an der Pensionsgrenze und für Disc-Jockeys würde ich sagen, ist er ungefähr 40 Jahre über der Pensionsgrenze. Das heißt übrigens gar nicht mehr Disc Jockey, aber okay, also er sieht halt aus wie ein Disc Jockey aus den 70er Jahren, der halt immer noch macht und zwar mit den selben Liedern, dann hat das was, beinahe was zum Fremdschämen. Und mir geht es ja darum, und wir wollten ja nicht über die CDU, wenn man so will, über diese Folge und beziehungsweise die Serie reden, sondern über die CDU. Also kann man in diesem Zustand das Land noch führen? Kann man das Land zum Aufbruch bringen, wenn man zumindest in diesen Bildern so vollständig verschnarcht rüberkommt oder eben so komplett aus der Zeit gefallen? Ja, ich will sie da nicht unterbrechen, tu es aber trotzdem. Aus der Zeit gefallen ist ja das richtige Stichwort. Wenn Sie sich mehrere Folgen davon angucken, von der Serie, dann bekommt man schon ein ganz gutes Gefühl, wie diese Partei funktioniert, wie sie aufgestellt ist. Das Biedere übrigens finde ich gar nicht so ein Problem. Ich meine, ich glaube die meisten Menschen sind Bieder. Das ist übrigens die Definition dieses Wortes. Das ist irgendwie so die Mitte, der Durchschnitt der Leute ist halt Bieter, das meint man damit. Und das war die CDU immer, ist ja ganz offensichtlich keine Partei der jungen Revolutionäre. Ich glaube, so war das auch nicht gedacht, die christlich-demokratische Union. Das ist also nicht das Problem. Das Problem ist eher, dass man den Eindruck hat beim Gucken dieser Serie, dass die Partei den Kontakt zu den Leuten so verloren hat. Dass es so schwer fällt, den Wahlkämpfern ins Gespräch zu kommen mit den Leuten auf der Straße. Dass ihnen so viel Unmut entgegenschlägt, Verachtung, Desinteresse, Misstrauen und so weiter. Und ich könnte mir vorstellen, dass das bei CDU-Wahlkämpfern nicht immer so war. Ich kann mir vorstellen, dass die Grünen das oft erlebt haben, in manchen Landesteilen sicherlich auch die Linken. Aber die CDU als so Fremdkörper behandelt zu sehen, in so einer bürgerlichen, Einkaufsstraße, ja, irgendwo, das fand ich schon krass als Beobachtung, ehrlich gesagt. Ah, Augstein, ich weiß nicht, ob es das ist, ob die wirklich nicht wissen, wie die Leute ticken. Ich glaube, die kennen sich in ihren eigenen Milieus durchaus noch gut aus und vertreten die auch. So wie man halt seine Milieus, seine Wählergruppen vertritt. Das Problem, was die in der Fußgängerzone haben und das sogar auch bei den eigenen Leuten, ist doch die Glaubwürdigkeit letztlich der Führungsetage. Also jeder CDU-Wahlkämpfer vom Kommunal-Stadtrats-Wahlkampf bis hoch zum Bundestagswahlkampf, muss gegen Friedrich Merz antreten. Denn Rückenwind aus Berlin kriegen die schon lange nicht mehr. Diese Regierung, dieser Bundeskanzler ist in einer Form in Bierfaschiss geraten, zu Recht oder zu Unrecht, aber das ist mal eine Realität, jetzt echte Realität, in Bierfaschiss, Vertrauensverlust, Abneigung, Hass, geraten wie keine zweite vor ihr. Noch nicht einmal die Ampel, als sie kurz davor war, an Altersschwäche oder welcher auch immer inneren Zermorschtheit auseinander zu kippen, war so unbeliebt wie diese Regierung. Ein Bundeskanzler war noch nie so unbeliebt wie dieser Bundeskanzler. Und das zieht die CDU wie ein Senkblei nach unten, darüber haben wir schon mal gesprochen, der Bundeskanzler selber, der Parteichef, CDU-Chef Friedrich Merz, hängt seiner Partei um den Hals wie ein Mühlstein. Ja, aber das ist das Personal, das sage ich doch, weil in dieser Serie sehen sie dann ja auch Gordon Schnieder, Rheinland-Pfalz. Das ist zum Beispiel so ein CDU-Politiker von altem Schrot und Korn, das ist so ein richtiger Landespolitiker, dem glaubt man das sofort, der wirkt auch auf dem Bildschirm ganz anders. Da habe ich sofort das Gefühl, okay, ich verstehe, wofür der steht. Ich check das, das ist die CDU. Ich verstehe, warum Leute den wählen, warum man dem vertraut. Der hat auch eine körperliche Präsenz, darf man auch echt nicht unterschätzen, finde ich, in diesem Geschäft. Der ist ja auch ein großer, schwerer Mann, aber jetzt nicht, weil er irgendwie dick oder korpulent ist, sondern er hat einfach eine Präsenz im Raum, die sozusagen von innen kommt. Man nennt das, glaube ich, auch Ausstrahlung. Und ehrlich gesagt, wenn Sie sich dann die Figuren angucken aus der Berliner Zentrale und deshalb ist so eine Serie dann doch manchmal ganz gut, sich das anzugucken, dann denkt man so, wow, krass, was für ein extremer Kontrast. Vielleicht war das immer so, vielleicht muss das auch so sein, aber ich sehe das selten. Aber was sind das für... Also stromlinienförmige, in die gleichen Anzüge hineingepresste junge Männer, mit ordentlichen Frisuren, artige junge Frauen, die irgendwie so mit so leicht kickzenden Stimmen immer das Richtige sagen und so, wo sie denken, Leute, ihr könnt bestimmt total gut so eine Kraftfahrzeugzulassungsstelle leiten oder eine Versicherung oder irgend sowas. Aber eine Partei, die so ein Land in so einer Situation führen soll, das ist so überhaupt keine, keiner von denen hat irgendein Charisma, keiner hat irgendeine Form. Von spannender, gewinnender oder meinetwegen auch nur kontroverser, kann ja auch sein, woran man sich reiben kann, so Ausstrahlung, total null, sill und das finde ich, das geht nicht, das kann man nicht machen. Ich glaube, dass das ein echtes Problem ist und es wird zu einem massiven Problem, wenn diese Leute dann versuchen, sich in den sozialen Medien zu präsentieren, können sie auch sehen auf dieser Serie, wie das dann ist, wenn die das machen, dann wird es natürlich wirklich zum Fremdschirm. Wenn die dann plötzlich so, hey, es ist total toll, dass ihr hier seid und wir gehen jetzt hier zusammen zum Landesparteitag in Rheinland-Pfalz und da wollen wir mal gucken, was so passiert. Dann denkst du so, Alter, das geht so derartig in die Hose. Dann guckt man sich freiwillig lieber einen AfD-Spot an und das meine ich jetzt echt ernst. Liebe Hörerinnen und Hörer, wenn Sie das Gefühl haben, ich sei zwischenzeitlich abwesend gewesen, dann haben Sie recht. Ich war draußen, habe ein Auto lackiert, zwei Bäume gefällt und noch meine Kinder quasi in die Schule gefahren. Groß gezogen. Und bin aber jetzt wieder rechtzeitig da, wo der Kollege Augstein fertig ist mit Reden. Ist doch schön. Ich möchte zurück an einen Punkt in seiner Ausführung, nämlich Politiker, an denen man sich reiben kann. Und dann komme ich zu Jens Spahn, mal weg von dieser komischen Doku. Jens Spahn, das war ja ein Politiker, an dem man sich reiben konnte. Aber den hat die eigene Basis jetzt weggeschossen. Weil er offenkundig überzogen hatte, weil er nicht bieder genug war, weil er nicht normal genug war, weil er natürlich über die Stränge geschlagen hatte, sich einen schweren, schweren, wie soll man sagen, Fall von Wasserpredigen und Weinsaufen geleistet hatte und es im kleineren Maßstab nochmal nachgeholt hat, jetzt vor kurzem mit einer Reise in die Ferien und am Bundestag hat er gesagt, er sei krank oder könne nicht. Das verstehe ich nicht. Das müssen Sie mir mal erklären. Ganz kurz. Halt mal jetzt auch mal für alle Zuhörerinnen und Zuhörer, die das nicht so im Detail verfolgt haben. Ich habe es nämlich nicht gecheckt. Erklären Sie mir mal, ohne Witz, was ist da genau passiert mit Spahn, Sardinien und seinem Posten im Haushaltsausschuss? Es gab eine Sitzung im Haushaltsausschuss, sehr, sehr wichtiger Ausschuss muss man wissen, weil da wird das Geld verteilt, beziehungsweise darum gerungen, wie man es verteilt. Also da kennt sich auch Jens Spahn blendend aus, der war Staatssekretär bei Wolfgang Schäuble im Finanzministerium, der ist ein Fachmann, der kann das und da ist er wirklich gut auch. Ich glaube, das würde auch die Gegenseite sagen, die eine andere politische Meinung hat, aber den Handwerker und den Fachmann, den Experten durchaus zu schätzen weiß. Also, da ist er nicht schlecht aufgehoben, inhaltlich, aber hat sich entschuldigt abgemeldet von einer oder zwei Sitzungen, weil sein Kind krank sei, wenn ich es richtig gelesen habe. Turns out, es gab ein Foto von ihm an einem dieser Fehltage, für die er übrigens auch noch einen Ersatz aus einem anderen Politiker organisiert hat, damit sein Stuhl nicht leer bleibt, gab ein Foto von ihm auf einem Flughafen in Sardinien. Also war er offenkundig in einer Art Urlaubssituation. Dieses Foto, wahrscheinlich von privater, von einem anderen Touristen gemacht, kam ganz kurz auf die Website der Bild-Zeitung, verschwand dann ganz schnell wieder. Aber es hatte gereicht, dass er damit aufgefallen, um nicht zu sagen aufgeflogen war. Und das war es dann. Ganz hübsche Formulierung, offensichtlich eine Urlaubssituation auf dem Flughafen, in Sardinien, in Olbia. Da war ich übrigens auch mal sehr schön. Ich verstehe das Problem immer noch nicht. Denn was ich nicht checke ist, er musste zurücktreten wegen dieser Geschichte mit dem Kind. Okay, weiß ich nicht. Dann war er eine Weile weg, ehrlich gesagt gar nicht so fürchterlich lange, ein paar Wochen, ein paar Monate. Und dann kam er zurück in diesen Ausschuss, wo man denkt, ja das ist dann eben das Comeback, leitet sich jetzt ein. Jens Spahn, wichtiger Nachwuchskraft der CDU, kann sich nicht darauf verzichten. Er ist im Haushaltsausschuss. Und dann schmeißen die ihn raus, weil er in Ferien war, obwohl er sich abgemeldet hatte und für einen Ersatz gesorgt hat. Ich meine, where is the fucking problem? Das checkt ja dann wirklich niemand mehr. Naja, das Problem ist glaube ich darin, dass er offenkundig, wenn es stimmt, was berichtet wird. Und seiner Partei und den anderen in diesem Ausschuss suggeriert hat, das Kind sei krank und deswegen müsse er daheim bleiben. Was ja okay ist. Gut, er hat also genau das gleiche gemacht, was alle jungen Eltern hin und wieder machen, nämlich die eigenen Kinder als Vorwand nehmen, um irgendwas zu tun, was man nicht will oder was man gerade besonders gerne will. Wer kennt das nicht, kann ich dann nur sagen. Die einen nennen es Homeoffice, die anderen blau machen. Ja, aber das ist eben halt schlecht, wenn sie sowieso schon echt on the watch list sind und auch richtig schlecht, wenn sie das mit in einem öffentlichen Amt machen. Das ist ein Bundestagsmandat, sogar ein ziemlich öffentliches Amt. Ist doch klar, dass da die Klappe fallen kann, nicht fallen muss. Die Leute hatten in seinen eigenen Reihen offenkundig die Nase voll von ihm. Und das ist doch der eigentliche Vorgang. Sie hatten die Nase voll von ihrem wichtigsten, potenziell wichtigsten Mann, der eine Zeit lang das zentrale Scharnier dieser Koalition war und das funktionierte auch gut. Und er ist mit 46 Jahren, zwar schon seit 25 Jahren im Bundestag, aber natürlich noch Führungsnachwuchs. Das heißt, der könnte auch noch Kanzler werden. Und den schießen sie ab. Ja, aber das ist ein Zerrüttungs- und deshalb reden wir jetzt auch drüber und deshalb hat das auch was mit unserem Thema zu tun. Inside-CDU, Verlust der Mitte. Das ist ein Zerfallsprozess von innen heraus, denn man versteht ja ihn nicht, warum er in so kurzer Zeit es sich wieder so verscherzt mit seinen Leuten. Also hat er so wenig Gespür? Also wir haben eben gesagt oder ich habe gesagt, die CDU-Politiker haben kein Gespür mehr für ihre Wähler. Offensichtlich haben dann die CDU-Politiker nicht mal mehr ein Gespür für ihre eigenen Fraktionskollegen. Also gar kein Gespür mehr für irgendwas, weil er dann nicht gemerkt hat, dass er das sich vielleicht jetzt im ersten Jahr im Haushaltsausschuss nicht leisten sollte, sondern es vielleicht besser wäre, da mit solchen Sachen, die wahrscheinlich komplett normal sind, die da alle Leute machen, vielleicht ein bisschen warten soll. Also so eine Art von Sensibilität. Erster Punkt. Zweiter Punkt, die Leute, seine Kollegen, sind die alle schon so wundgescheuert, dass sie ihn jetzt tatsächlich deswegen rauswerfen und jetzt, glaube ich, wird es schwer für ihn zurückzukommen, weil ich meine, zweimal so rauszufliegen in so kurzer Zeit, weiß ich nicht, ob man dann nochmal ein drittes Mal zurückkommt, kann ich mir jetzt im Moment nicht so richtig vorstellen. Das heißt also, die verzichten also auch freiwillig dann auf so einen Mann, den sie ja in Wahrheit brauchen. All das sind Schwächeanzeichen. Und ich glaube, das verbindende Element dafür sind, und das nervt sie jetzt, wenn ich das sage, es sind natürlich die sozialen Medien. Diese Leute sind getrieben von den sozialen Medien. Sie denken in Kategorien der sozialen Medien und können sich davon gar nicht mehr befreien. Und ich glaube, das wird für unsere Politik zusehends zu einem echten Problem. Prozessualen Problem. Der Laden läuft nicht mehr richtig, die Maschine funktioniert nicht mehr richtig in der Bedingung der sozialen Medien. Ach lieber Augstein, von den vielen Sachen, für die dieser Rücktritt, diese Stolperei, dieser Glaubwürdigkeitsverlust von Jens Spahn als Person steht, würden mir die sozialen Medien ehrlich gesagt als letztes einfallen. Die triggern oder beschleunigen vielleicht die Reaktion, die Wutereignen Basis, die ihn beim ersten Mal bei der Leihmutterschaftsgeschichte weggeschwemmt hat, ja. Aber interessanter ist doch, dass die Mitte, also die CDU, wundgescheuert ist. Wundgescheuert von schlechten Umfragen, von schlechtem Regierungshandwerk, von einem Bundeskanzler, dem sie nichts mehr zutrauen und schon gar nicht mehr die Wiederauferstehung zutrauen. Und das projiziert sich jetzt in das Binnenleben. Das heißt, die Lunte aller Beteiligten in der CDU ist viel, viel kürzer geworden. Und das hat Jens Spahn offenkundig nicht mitgeschnitten oder nicht mitkriegen wollen. Oder er hat gesagt, ist mir jetzt langsam auch egal, ihr Idioten, dann macht doch euren Scheiß alleine. Das ist der Vorgang. Die Lunte ist viel kürzer geworden und wie kriegt man es hin, dass eine bürgerliche Partei... Auch wieder mal ein bisschen Ruhe ausstrahlt und Souveränität und Stamina und Gelassenheit. Die sind ja ein so aufgescheuchter Haufen, wie die Linkspartei es immer war. Oder die Grünen mit ihren missionarischen, ich weiß nicht was, Binnenflügel-Diskussionen, wo sie ganze Parteitage versenkt haben. Also was ist es, dass die Konservativen und Bürgerlichen das verlieren lässt, was sie immer unterschieden hat, nämlich die Ruhe, Gelassenheit, das Augenmaß und die Kuhlnis in Wahrheit. Und Blume, darum geht es doch genau hier gerade. Die Nervosität, die Sie da beobachten, dieses mangelnde Selbstbewusstsein, ist das Symptom für den Zerfall der CDU, für den Zerfall der Mitte. Darüber haben wir jetzt hier die ganze Zeit geredet. Es ist das Symptom für die Furcht davor. Die haben Angst. Und Bürgerliche haben eigentlich in dem Sinne, das ist nicht typisch für Bürgerliche, Angst zu haben. Also etwas geht da vor sich. Die sind ja noch nicht weg. Die haben nur Angst davor, dass sie weg sind demnächst. Und sie wissen, dass sie es eigentlich machen. Auch gar nicht verschwinden müssen als Volkspartei, wenn sie es nur ordentlich hinkriegen. Aber sie kriegen es nicht ordentlich hin. Das ist das Unerklärliche. Blume, das wohin Sie uns jetzt geführt haben, nennt sich Aporie. Das können Sie dann mal im Lexikon nachgucken. Die Ausweglosigkeit, die Saarkasse sozusagen, wo es keinen weiter mehr gibt. Ich weiß jetzt nicht ganz genau, wir können jetzt zwei Sachen machen. Wir können jetzt noch reden über Julia Klöckner und ihre Drohung, ganze Fraktionen rauszuwerfen. Auch das hat übrigens was zu tun mit Nervosität der Mitte und mit der Frage, wie geht man mit diesen Krisensymptomen um. Wenn die Bundestagspräsidentin androht, ganze Fraktionen rauszuwerfen, praktisch als Disziplinierungsmittel, weil sie sagt, im Bundestag ist normales Reden und Arbeiten nicht mehr möglich, weil zu viele Leute anfangen, die Bundestagssitzung als Bühne für die Inszenierung von Social Media Reels zu nehmen. Und da sind wir wieder bei dem Thema, was ich eben schon am Wickel hatte. Riesending meiner Meinung nach, Riesending Realität wird nur noch zum Sendungsbestandteil von so Social Media Scheiß gemacht und dadurch vollkommen entwertet. Und Frau Klöckner, die ich cool finde, ich bin total Team Klöckner, schmeißt sich da dagegen und sagt, Leute, ich schmeiß euch notfalls raus, wenn ihr das hier nicht ernst nehmt, was wir machen. Darüber könnten wir reden oder wir könnten uns verabschieden und nach Hause gehen ins Homeoffice, wie Sie möchten. Jetzt entscheiden Sie. Und dann sage ich nochmal zwei Sätze zu Frau Klöckner. Also erstens war der Bundestag glaube ich immer eine Bühne. Er ist natürlich die öffentliche Zelebrierung von politischer Auseinandersetzung, deren Form und Zuschnitt sich im Laufe der Zeit geändert hat. Früher war das sehr, sehr ruppig, als sich da in den 60er, 70er Jahren die Leute angebrüllt haben. Waren Sie damals schon dabei? Wie haben Sie das erlebt? Wie war das für Sie so? Persönlich? Ja. Ja, es war schwer. War nicht so einfach. Also auch Franz Josef Strauß quasi als 40-Jähriger aus der Nähe zu erleben. Also ich meine, ich als 40-Jähriger Franz Josef Strauß aus der Nähe zu erleben, das war schon ein dickes Ding. Also noch einmal, das war schon immer eine Bühne. Gleichzeitig finde ich es... Und Rainer Barzel, an den erinnere ich mich noch, der hat sich immer die Oberlöppel geleckt. Rainer Barzel, der hat versucht, das zu werden, was Helmut Kohl nannte. wurde. Ja, ich glaube die Abstimmung, die ihn dazu hätte bringen können, Misstrauensworte, wurde dann gekauft von der DDR. Das war die Gesichter. Ja, Hauptschuld. Also. Lisa Klöckner gefällt mir auch deswegen so gut, weil sie versucht. Den Anstand, den bürgerlichen Kommand in diesem Parlament aufrechtzuerhalten. Sie finden die auch gut? Ja. Ich finde die nämlich auch gut. Aber die FAZ hat heute einen Kommentar geschrieben, wo sie gesagt hat, das geht jetzt zu weit und das ist nicht ihr Job und im Sinne des Liberalismus. Sie ist die Hausherrin und sie spielt diese Rolle und füllt sie aus. Ich finde sie toll, ich liebe sie, ich finde sie super. Finde ich, macht eine gute Figur, nicht im einzelnen Fall jedes Mal, weil es auch wirklich schwierig ist, dann genau den richtigen Ton zu treffen, wenn es darum geht, Leute von der Linkspartei oder von der AfD oder von wem auch immer zur Ordnung zu rufen. Aber genau das ist ihre Rolle, zur Ordnung rufen. Und es gibt eine Ordnung in der politischen Auseinandersetzung, die zwei Parteien im Deutschen Bundestag, vor allem aber die AfD im Deutschen Bundestag, einfach kaputt machen will. Und diese Frau wehrt sich dagegen und darum hat sie meine volle Unterstützung. Und wenn sie irgendwann einmal die AfD-Fraktion komplett rausschmeißt, braucht sie einen sehr, sehr guten Grund dafür, aber dann wäre ich voll dafür. Ja, ich finde das ja auch und ich finde, wenn ich an wehrhafte Demokratie denke, jetzt mal Spaß beiseite, dann denke ich an Julia Klöckner. Die ist für mich eine wehrhafte Demokratin, weil die kämpft sozusagen mit ihrer Stimme und mit ihrem Körper, mit ihrem ganzen Einsatz sozusagen dafür. Finde ich total super und ich glaube, dieser Spirit, Entschuldigung, das brauchen wir viel mehr. Frau Schwesig jetzt in Mecklenburg-Vorpommern hat genau die gleiche Ausstrahlung gehabt. Dieses Begeisternde für die Demokratie. Das können halt so Frauen. Vielleicht jetzt sind wir soweit. Am Ende dieser Sendung sind wir jetzt soweit. Ich bekenne mich jetzt dazu. Vielleicht gehen wir jetzt doch ins Zeitalter der Frauen. Verstehen Sie? Und die Frauen müssen jetzt übernehmen, weil die Männer sind alle kraftlos und blass und schlapp. Und was wir brauchen, sind die kräftigen Frauen. Was meinen Sie, Bloge? Ich gehe jetzt ins Homeoffice. Okay. Dann bis nächste Woche. Danke und...