Liebe Hörerinnen und Hörer, hört ihr dieses Geräusch? Dann folgt Werbung. Ihr kennt ja den Deal. Ihr könnt den Podcast kostenlos hören, dafür gibt's ab und zu Werbung. Und jetzt? Los geht's! Giolino Spezial, der Wissens-Podcast für junge Entdeckerinnen und Entdecker. Hallo ihr Lieben! Schließt einmal kurz die Augen. Stellt euch vor, wir steigen in eine Zeitmaschine. Es ruckelt ein bisschen und zack, wir reisen viele tausend Jahre zurück in die Vergangenheit. Es geht weit weg, über Ozeane und Kontinente. Unser Ziel? Mittel- und Südamerika. Unter uns erscheinen dichte Regenwälder. Hohe Berge, trockene Wüsten, lange Küsten und tiefe Schluchten. Hier wachsen Mais, Kakao und Bohnen. Und hier leben viele Tiere, wie Jaguare, Alpakas und viele bunte Vögel. In dieser Region der Erde haben schon vor vielen Jahren Menschen gelebt. Lange bevor es Autos, Strom oder Computer gab. Sind hier große Kulturen entstanden. Die Maya, Inka und Azteken. Und diese versunkene Welt, die schauen wir uns heute einmal ganz genau an. Unsere Zeitmaschine, die rattert durch die Zeit und wir steigen aus am Ende der letzten Eiszeit. Schon im Jahr 11.000 v. Chr. gibt es auf dem amerikanischen Kontinent Menschen. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler vermuten, dass diese Menschen in mehreren Wellen nach Amerika gekommen sind. Einige wandern über eine eisige Landbrücke zwischen Sibirien und Alaska. Sie heißt Beringa, über die Beringstraße. Andere durchrauschende Wellen, mit Booten entlang der Pazifikküste. Zuerst ziehen sie als Jäger und Sammlerinnen umher. Doch mit der Zeit lernen sie, Pflanzen anzubauen und Tiere zu zähmen. In Südmexiko bauen die Menschen Kürbishahn, in Peru Bohnen. In den Anden zähmen sie wilde Alpakas und nutzen ihre weiche, wärmende Wolle, um sie mit anderer Ware zu tauschen. Aus kleinen Dörfern werden mit der Zeit große Siedlungen. Aus den Siedlungen werden schließlich Städte. Sie sehen zwar noch nicht so aus wie heute, aber sie sind schon ziemlich entwickelt. Vor über 4.500 Jahren entsteht mit Caral in Peru die erste bekannte Stadt Amerikas. Damit beginnt die Zeit der sogenannten Hochkulturen. Die Leistungen der indigenen Völker in Mittel- und Südamerika sind durchaus mit anderen frühen Hochkulturen vergleichbar. Etwa mit dem alten Ägypten. Hochentwickelte Gesellschaften haben ganz typische Merkmale, wie Handel, Schrift, Baukunst und Religion. Viele Reiche entstehen und vergehen wieder. Manche werden erobert, andere geben ihre Städte auf, weil sie nichts mehr anpflanzen können oder weil sich das Klima verändert. Eine dieser Hochkulturen, die schauen wir uns heute genauer an. Eine Kultur, die besonders viele Rätsel hinterlassen hat. Die Maya. Die Maya leben im Gebiet des heutigen Mexikos, sowie in Guatemala, Belize und Honduras. Die ersten Maya-Gruppen entstehen vor über 2000 Jahren. Ihre große Blütezeit liegt ungefähr zwischen 250 und 900 n. Chr. In dieser Zeit bauen sie beeindruckende Städte mit gewaltigen Tempeln, hohen Pyramiden, Palästen und großen Plätzen. Mit erstaunlicher Genauigkeit setzen die Maya riesige Steine zusammen. Bis heute bewundern Forscherinnen und Forscher ihre Baukunst. Neben ihren Bauten sind die Maya aber auch für ein ausgetüfteltes Wassersystem bekannt. Und für ihren einzigartigen Kalender. Die Maya sind schlaue Köpfe, Sportskanonen, Erfinderinnen und Erfinder. Viele Maya-Städte liegen mitten im Regenwald. Als ihre Bewohner und Bewohnerinnen sie verlassen, holt sich die Natur alles zurück. Pyramiden werden von Moos überwachsen, Paläste verschwinden unter Baumwurzeln. Manche Steinsäulen sehen irgendwann aus wie ganz normale Baumstämme. Doch ganz unentdeckt sind die Maya-Städte ja nicht geblieben. Im 19. Jahrhundert gab es einen riesigen Entdecker-Hype in Europa. Viele Archäologen, Forscherinnen und Forscher sind aufgebrochen, um die Geheimnisse der Maya zu lüften. Ihre Geschichten sind aber teilweise schwierig. Denn zu der Zeit leben schon lange Menschen vor Ort. Die Einheimischen helfen den Archäologinnen und Archäologen, die Städte im Dschungel zu finden. Doch leider werden sie nicht immer fair behandelt. Und die Forscherinnen und Forscher sehen die Funde nur aus ihrer eigenen, europäischen Sicht. Nicht so, wie die Menschen vor Ort sie sehen. Nicht selten landen wertvolle Stücke wie Goldschmuck oder sogar ganze Steinmonumente aus Ägypten oder aus dem alten Griechenland in Museen der großen europäischen Hauptstädte wie London, Paris oder Berlin. Heute wird oft darüber diskutiert, ob die Werke in den Museen wieder zurückgegeben werden müssen. Denn sie gehören den Europäerinnen und Europäern nicht. Sie haben sie nach ihren Ausgrabungen einfach mitgenommen. Das nennen wir heute Raubkunst. Und meine Meinung, könnt ihr euch vorstellen, ich finde, diese Kunst sollte in die Länder zurückgegeben werden, in denen sie, und das muss man so sagen, geklaut wurden. Trotzdem wären die Städte vielleicht unentdeckt geblieben, wenn die Archäologen aus Europa sich nicht auf die weite Reise gemacht hätten. Ohne die Forscherinnen und Forscher wüssten wir heute wahrscheinlich nicht viel über die Maya. Einer von ihnen ist der Engländer Alfred Morsley. Er ist 1880 aufgebrochen, um die Tempel der Maya zu erforschen. Dieser Europäer muss völlig verrückt sein. Hat er doch tatsächlich ein kleines, mutterloses Äffchen ins Herz geschlossen? Lässt er sogar manchmal auf seiner Liege schlafen? Und dann schickt er auch noch einen der einheimischen Arbeiter los, um für das weißen Baby Dosenmilch aus der nächsten Siedlung zu besorgen. Hin und zurück sind das vier volle Tagesmärsche. Was für ein Spinner, das denken die Einheimischen. Doch wenn Alfred Mordsley, dieser große blonde Mann mit dem dicken Schnurrbart im Gesicht, nicht manchmal so verrückte Dinge tun würde, dann wäre er vermutlich auch niemals hier gelandet. Im Regenwald zwischen Mexiko, Guatemala, Honduras und Belize. Mitten im geheimnisvollen Maya-Gebiet. Er könnte im heimischen England in einem gemütlichen Schaukelstuhl sitzen und ein Abenteuerbuch lesen. Stattdessen aber möchte er lieber selbst Abenteuer erleben. Mit Anfang 20 fährt er zum ersten Mal nach Mittelamerika, um tropische Vögel in freier Wildbahn zu erforschen. Er steigt auf einen Vulkan und fertigt kleine Bleistiftzeichnungen an. Manchmal fühlt er sich wie Alice im Wunderland, völlig verzaubert. Er ist begeistert von den Pflanzen und Tieren. Zum Beispiel, wenn aus einem Busch am Wegesrand plötzlich hunderte Schmetterlinge aufsteigen, wie große, bunte Blumensträuße. Die nächsten Jahre verbringt Maudsley an anderen exotischen Orten auf der Welt. Im Dienste der britischen Regierung. In Australien, auf den Fidji-Inseln, auf Samoa und Tonga. Doch nirgendwo bleibt er lange. Er ist ein Weltenbummler, der sein Ziel noch nicht gefunden hat. Bis er im Januar 1881 auf einem klapprigen Dampfschiff bei dem kleinen guatemaltikischen Dorf Isabel landet. Auf dem Weg nach Quiringua. Ein paar mutige Männer haben sich zwar schon durch die unzugänglichen Urwälder geschlagen und von atemberaubenden Überresten alter Maya-Städte berichtet. Doch vieles bleibt Gerücht. Und Expeditionen dorthin sind viele Jahre lang viel zu gefährlich. Die Gegend ist berüchtigt für Schießereien und Überfälle. Die Lage entspannt sich schließlich und Alfred Maudsley ist sich sicher, jetzt ist der richtige Zeitpunkt. Und er der richtige Mann. Seiner Schwester schreibt er. Ich habe von neu entdeckten und unerforschten Ruinenstätten gehört. Wie aufregend. Und sei beruhigt, hier reiten keine Männer mehr mit Revolvern durch die Gegend. Ein Erholungsurlaub wird es trotzdem nicht. Denn in den Tiefen des tropischen Regenwaldes gibt es höchstens Trampelpfade, auf denen man selbst mit Maultieren nur mühsam vorankommt. Manchmal nicht einmal das. Dann ist es klüger, die Flüsse zu befahren. Doch dort gibt es gefährliche Stromschnellen. Schlimmer noch sind die kleinen Biester, die sich blutrünstig auf Mordslay und seine Männer stürzen. Zecken, Wurzeln. Bremsen, Wespen. Das Trinkwasser ist manchmal so trübe wie Erbsensuppe. Es wimmelt von unzähligen Kaulquappen und wer weiß, welchen Krankheitserregern. Doch Alfred Mordsley möchte in keiner anderen Gegend der Welt sein. Das Maya-Fieber hat ihn längst gepackt. Immer wieder schlägt er sich zu ihren großartigen alten Städten durch. In Chichen Itza, Kirigua, Yashilan, Kopan oder Tikal gibt es riesige Pyramiden, mit steilen Treppen, kunstvollen Altären und faszinierenden Stählen zu entdecken. Stählen sind hohe Pfeiler aus Stein oder Holz. Auf ihnen stehen meistens Texte oder Bilder. Sie erinnern als Denkmale oder Grabsteine an wichtige Menschen und Ereignisse. Die Bauten der Maya sind meist so stark von Moos, Flechten und Sträuchern überwachsen, dass man sie auf den ersten Blick kaum sehen kann. Mordsler möchte diese Schätze unbedingt bewahren. Alle alten Inschriften und Reliefs kopieren, um sie Forscherinnen und Forschern in Europa zum Studieren zu überlassen. Mit Sack und Pack reist er zu den Ausgrabungsstätten. Er hat Zelte und Campingausrüstung dabei, Lebensmittel in Dosen, Äxte, Machetensparten, Stemmeisen, Schubkarren, Vermessungsgeräte, tonnenweise Gips, Pappmaché, Seile, Packpapier und Fotoapparate. Ganz planmäßig und sorgfältig gehen Mordsley und die Spezialisten vor, die er sich in sein Team geholt hat. Sie fällen Bäume, reißen das Gestrüpp herunter, verbrennen beides. Sie schaufeln das verwitterte Gestein weg, bauen Gerüste. Danach säubern sie die Steine von mächtigem Überwuchs. Erst dann können sie damit beginnen, hunderte Gipsabdrücke von den uralten Verzierungen und Hieroglyphen in Schriften zu nehmen und für den späteren Abtransport zu verpacken. Morsley selbst macht unzählige Fotografien. Er arbeitet Tag und Nacht, schlägt sein Lager häufig mitten in den Maya-Tempeln auf. Den einheimischen Helferinnen und Helfern ist das nicht ganz geheuer. Sie fürchten sich vor Geistern und Kobolden. Bis 1894 stellt Alfred Morsley sieben ausgedehnte Forschungstouren nach Mittelamerika auf die Beine. Bald wird er von vielen dort Don Alfredo genannt. Später schreibt er ein fünfbändiges wissenschaftliches Werk über seine Entdeckungen. Die Erinnerungen an seine Erlebnisse im Regenwald, wie etwa in Palenque, der wunderbarsten aller Maya-Städte, hat er sich bis zu seinem Tod im Jahr 1931 bewahrt. Ich werde die Schönheit der mondklaren Nächte, wenn wir auf der westlichen Terrasse saßen, uns unterhielten und auf die angestrahlte Vorderseite eines Tempels mit dem dunklen Wald dahinter schauten, niemals vergessen. Die Maya-Städte waren mal voller Leben. Und sie haben vor allem eins gebraucht, Wasser. Heute finden wir viele Spuren, wie die Maya gelebt haben. Zum Beispiel im Untergrund von Yucatan. Yucatan ist eine Halbinsel im heutigen Mexiko. Sie ist durchlöchert von einem riesigen Höhlensystem. Fast schon wie ein Schweizer Käse. Die Maya haben diese Höhlen als Brunnen, Opfer und Grabstätten genutzt. Das Tor unter die Erde ist leicht zu übersehen. Eine Pfütze, irgendwo im Regenwald. Ein Meter im Durchmesser, vielleicht knietief, denkt man. Doch wenn man sich hineinbegibt... Geht man auf eine Reise durch die Unterwelt der Maya. Obwohl es im Norden Jukatans reichlich regnet, gibt es kaum Flüsse. Das Wasser fließt unterirdisch in Höhlen. Denn dieser löchrige Kalkboden lässt den Regen durchsickern. Dadurch haben sich über Jahrtausende hinweg unter der Erde immer größere Wassermengen angesammelt. Diese haben nach und nach den Boden ausgehöhlt, bis er an einigen Stellen eingestürzt ist. So sind die Zugänge zu den Höhlen entstanden. Manche dieser Höhleneingänge liegen offen im Dschungel. Andere sind in Grotten versteckt. Was unter der Oberfläche, im Verborgenen beginnt, wächst zum wahrscheinlich größten Höhlensystem der Welt heran. Kilometerlang ziehen sich die Tunnel hin, mal eng wie Kanalrohre, dann wieder hoch und breit wie eine Turnhalle. Nur an einigen Stellen tun sich im Erdboden Eingänge zu dieser wassergefluteten Wunderwelt auf. Die geheimnisvolle Unterwelt ist aber nicht nur ein Naturphänomen. Für die ersten Maya sind die Hüllen überlebenswichtige Orte. Die Maya nennen sie Cenots, die Spanier später Cenotes. Es bedeutet so viel wie Höhle mit Wasser oder heiliges Wasser. Die Maya leben hier versteckt im Regenwald bereits vor 2000 Jahren. Sie schöpfen aus den Höhlen Wasser zum Trinken und für die Landwirtschaft. Sie bauen Felder direkt neben den Cenotes an, um sie bei Trockenheit wässern zu können. Und sie züchten dort viele Gemüse- und Obstsorten, die bis heute auch bei uns auf dem Speiseplan stehen. Mais und Kartoffeln, Kürbisse, Avocado und Papaya. Und wo Wasser Leben schenkt, vermuten die Maya auch göttliche Macht. Sie sind sich sicher, dass ihr Regengott Cha'ak dort unten leben muss. Cha'ak, der dem Land Wasser und üppige Ernten bringt. Als Gegenleistung bringen sie ihm darum Opfer dar. Bohnen und Mais, aber auch Menschen. Manchmal bringen die Maya Menschen um, um ihre Götter zu beschwichtigen. Sie denken, dass die Götter das Blut wollen, damit sie nicht verärgert sind. Die Überreste der Opfer haben die Zeit überdauert. Forscherinnen und Forscher können sie heute noch finden. Und dafür tauchen sie in die Cenotes hinab. In den Höhlen müssen die Vorfahren der Maya vor fast 12.000 Jahren auch schon gelebt haben. Der Meeresspiegel lag damals noch 65 Meter unter dem heutigen. Erst nach dem Ende der jüngsten Eiszeit sind die Gletscher der Umgebung geschmolzen. Wasser hat die Höhlen geflutet und so die Menschen vertrieben. Doch die Reste zum Beispiel der Lagerfeuer sind bis heute an Ort und Stelle. Perfekt verwahrt. In den Höhlen können Knochen oder Keramiken viele Jahrhunderte überdauern. Denn dort unten ist es stets dunkel und die Wassertemperatur ist immer gleich. Die Funde liegen meist offen auf dem Höhlengrund. Weil es dort kaum Strömung gibt, haben sich die Knochen oft über Jahrtausende nicht bewegt. Aber die Maya, die sind nicht nur Baumeister und Höhlenexpertinnen. Sie sind auch kluge Denkerinnen und Denker. Sie erfinden eine Schrift mit Bildern, die Hieroglyphen. Ähnlich wie die Hieroglyphen der Ägypter. Damit schreiben sie Geschichten, Herrschernamen und wichtige Ereignisse auf. Sie rechnen mit Zahlen und kennen sogar schon die Null. Das ist wirklich besonders, denn es zeigt, dass sie schon sehr abstrakt denken. Stell dir vor, du willst zählen oder rechnen und etwas fehlt. Dann brauchst du die Null. Das haben auch die Maya schon erkannt. Sie haben also ein Zeichen für nichts. Ohne die Null wäre vieles durcheinander. Zum Beispiel erkennt man ohne die Null den Unterschied zwischen 1, 10 und 100 nicht. Die Maya können deshalb große Zahlen richtig lesen und schreiben. Viele andere Völker kennen dieses Zeichen zu der Zeit noch nicht. Die Null hilft auch bei ihrem Kalender. Die Maya schaffen den vielleicht kniffligsten Kalender der Welt. Sie denken, dass er ihnen sogar Unglückstage voraussagen kann. Den Kalender haben Mathematiker und Astronomen entworfen. Noch heute gibt es Wahrsagerinnen und Wahrsager in Guatemala, die die Zukunft vorhersagen sollen. Sie prophezeien, genau wie ihre Ur-Ur-Urahnen, Tage, an denen man besonders gute Geschäfte machen kann oder auf dem Feld aussehen sollte. Um den Kalender zu verstehen, heißt es Mathe-Pauken. Die Maya sind nämlich geniale Mathematikerinnen und Astronomen und ihr Kalender ist eine Art knifflige Rechenaufgabe. Der Kalender besteht aus drei Teilen. Der erste Teil ist ein Wahrsagekalender. Er heißt Zolkin. Der hat 260 Tage. Er wird zum Planen von festen und wichtigen Tagen benutzt. Der zweite Kalender heißt Haab. Er hat 365 Tage wie unser Jahr. So lange braucht die Erde, um einmal um die Sonne zu kreisen. Der Haab-Kalender ist aber anders aufgebaut als unserer. Er besteht aus 18 Monaten mit jeweils 20 Tagen. Das sind zusammen nur 360 Tage. Es fehlen also fünf Tage. Schlau wie die Maya sind, hängen sie diese Tage einfach ans Ende vom Jahr und nennen es Uayep. Das sind für die Maya Unglückstage. An ihnen sind sie besonders vorsichtig, damit das Pech keine Chance hat. Wäre doch ganz praktisch, wenn in unserem Kalender auch solche Tage verzeichnet werden. An ihnen würden wir erst gar nicht aus dem Bett kriechen. Die Maya benutzen diese beiden Kalender zusammen, wobei es nur alle 52 Jahre dazu kommt, dass ein Zolkin-Tag und ein H-Ab-Tag aufeinanderfallen. Für längere Zeiträume reicht die Zählung also nicht. Deshalb erfinden sie noch einen dritten Kalender, die lange Zählung. So rechnen sie sehr weit in die Vergangenheit und in die Zukunft. Und Sie können die genauen Daten von Sonnen- und Mondfinsternissen festhalten. Das klingt alles ganz schön kompliziert. Ihr komplexes Kalenderwissen schreiben die Maya auch in Bücher, die aus Fasern der Feigenbaumrinde gefertigt und wie Ziharmonikas gefaltet werden. In einem solchen Kodex notieren sie astronomische Ereignisse und gute Tage für die Jagd. Es sind nur wenige dieser Bücher erhalten. Viele sind von den spanischen Eroberern im 16. Jahrhundert vernichtet worden. Der Maya-Kalender hat übrigens 2012 geendet. Ich kann mich noch daran erinnern, ich bin ja schon ein bisschen älter. Ganz viele Menschen hatten dann wirklich Angst, also so 2011, wenn 2012 kommt, dass die Maya den Weltuntergang vorhergesagt haben. Also, dass es danach einfach nicht mehr weitergeht. Aber die Maya haben nicht den Weltuntergang vorhergesagt. Also, ihr könnt es euch denken, die Welt ist immer noch da. Sie hat nicht 2012 geendet. Für sie war das das Ende des Kalenders und die Feier eines neuen Zeitalters. Also, es hat einfach ein neuer Kalender wieder von vorne angefangen. So, nach den ganzen Zahlen raucht mir jetzt so ein bisschen der Kopf. Und ich glaube, da hilft immer ein bisschen Sport. Applaus. Die Maya kennen nämlich nicht nur Zahlen und Rechnungen. Sie wissen auch, wie man richtig Spaß hat. Sie spielen zum Beispiel Ulama, in anderen Regionen auch Pok-Tapok oder Piz genannt. Wir nennen es mal Hüftball. Dieses besondere Beispiel spielen die Maya zu Ehren ihrer Götter. Dafür benutzen sie eine Kugel aus Kautschuk. Das ist ein Stoff, der aus dem Saft des Kautschukbaumes gewonnen wird. und eine Art Gummi ist. Die Regeln sind im Grunde ganz einfach. Das Runde muss ins Runde. Der Gummiball muss im Steinring der gegnerischen Mannschaft landen. Die Spieler dürfen diese schwere Kautschukugel aber nicht mit Händen oder Füßen berühren. Mit allen anderen Körperteilen aber schon. Also nicht wie beim Fußball oder Handball heute. Ein Spiel dauert auch nicht nur zwei Halbzeiten oder 90 Minuten. Es kann Tage dauern. Da ist also Ausdauer gefragt. Wie der Fußballspieler heute tragen die Maya-Athleten Sportklamotten. Prächtigen Kopfschmuck, Arm- und Knieschoner und eine Art Hüftschutz. Der heißt Joch. Er ist aus Stoff, Holz oder Leder. Wenn der schwere Vollgummi-Ball den Allerwertesten trifft, tut das nämlich ganz schön weh. Bis zu vier Kilo wiegt eine Hüftballkugel. Das kann einem sogar die Knochen brechen. Aber das ist immer noch besser, als zu verlieren. Denn die Verlierer werden den Göttern geopfert. Da heißt es dann wirklich, Sport ist Mord. Um das Jahr 900 n. Chr. geschieht etwas Rätselhaftes. Viele Maya-Städte werden verlassen. Tempel verfallen, Höhlen bleiben leer. Es gibt wohl verschiedene Gründe dafür, dass das Reich langsam zerfällt. Das Klima in den Maya-Gebieten ändert sich und es regnet weniger. Das bedeutet, es gibt weniger Wasser und keine guten Ernten mehr. Die Menschen haben Hunger. Außerdem haben die einzelnen Städte verschiedene Herrscher. Zwischen den Herrschern gibt es oft Streit und dadurch bricht das politische System langsam zusammen. Vielleicht gibt es auch Krankheiten, die in den Maya-Gebieten ausbrechen. Bis heute rätseln Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, warum ist das große Maya-Reich untergegangen? Wahrscheinlich ist es eine Mischung aus einzelnen Krisen. Ganz genau wissen wir das bis heute nicht. Steigt wieder ein in unsere Zeitmaschine. Wir fahren jetzt wieder zurück in die Gegenwart. Danke, dass ihr mit auf diese Reise gekommen seid und vielleicht steigen wir ja bald wieder zusammen in der Zeitmaschine. Ich liebe das ja immer, aber vorher darf noch etwas, was ich liebe, nicht fehlen. der Witz der Woche. Hallo, ich bin Clara und ich bin sechs Jahre alt. Ich will euch heute meinen Lieblingswitz erzählen. Es trafen sich zwei Kerzen. Die eine sagte, ist was für gefährlich. Die andere sagte, davon kannst du ausgehen. Hihi. Ihr habt auch einen richtig guten Witz auf Lager? Dann schickt ihn mir per WhatsApp Sprachnachricht. Die Nummer steht wie immer in der Folgenbeschreibung. Mein Name ist Ivy Hase Das Skript kommt diese Woche von Judith Reinders. Vielen Dank dafür. Und die Audio-Produktion übernimmt wie immer Alexandra Zibisch. Schaltet auch das nächste Mal wieder ein. Ich freue mich auf euch. Tschüss. Noch mehr Giolino für zu Hause? Schaut einfach unter giolino.de slash spezial.