Liebe Hörerinnen und Hörer, hört ihr dieses Geräusch? Dann folgt Werbung. Ihr kennt ja den Deal. Ihr könnt den Podcast kostenlos hören, dafür gibt's ab und zu Werbung. Und jetzt, los geht's! Giolino Spezial, der Wissens-Podcast für junge Entdeckerinnen und Entdecker. Hallo ihr Lieben, schön, dass ihr wieder dabei seid. Hat euch die Zeitreise aus der letzten Folge gefallen? Ja? Dann schnallt euch an, haltet euch gut fest. Wir reisen heute wieder zurück in der Geschichte. Und wir halten unsere Zeitmaschine an. Im Jahr 1200 nach Christus. Bei uns in Europa ist das die Zeit des Hochmittelalters mit Rittern, prächtigen Burgen und Schlössern und geheimnisvollen Klöstern. Aber wir bleiben nicht in Europa, sondern unsere Reise bringt uns wieder über den Nord- und Südatlantik nach Südamerika. Genauer gesagt in ein Tal umgeben von steilen Berghängen und voll mit saftig grünem Gras. Das Tal von Cusco, das liegt im heutigen Peru und dort siedelt sich ab 1200 n. Chr. Ein kleines Völkchen an, das bald eines der größten Reiche Amerikas beherrschen wird, die Inka. Aber wie wird aus diesem kleinen Völkchen eine der größten und geheimnisvollsten Hochkulturen Südamerikas? Das liegt vor allem daran, dass die Inka sehr geschickte Krieger sind und ihr Reich innerhalb von kürzester Zeit enorm ausdehnen, indem sie andere Völker angreifen und unterwerfen. Um 1438 umfasst ihr Herrschaftsgebiet gerade mal das Tal von Cusco. Nur ca. 60 Jahre später erstreckt sich das Reich auf 4600 Kilometer Länge entlang der Westküste Südamerikas. 4600 Kilometer, das ist so, als würden wir von Hamburg bis nach Kairo in Ägypten zu den Pyramiden laufen. Und das Inka-Reich wächst noch weiter. In dieser Zeit der Ausdehnung wird beispielsweise auch die berühmte Stadt Machu Picchu gebaut. Eine Stadt mitten in den Anden. in 2340 Metern Höhe. Die Ruinen kann man heute noch in Peru besichtigen. Um das Jahr 1525 regiert der Inka-König dann schon über neun Millionen Untertanen. Da sind so viele Menschen, die in ganz Österreich wohnen. Und diese Menschen, die wollen wir jetzt mal genauer kennenlernen. Das Zentrum der Inka liegt in der Stadt Cusco. Von dort aus wird das riesige Reich regiert und organisiert. Hier gibt es Tempel und Paläste voller Gold und Silber. Die Menschen laufen in bunten, prächtigen Gewändern herum. Den König nennt das Volk den Sapa Inka, den Sohn der Sonne. Denn die Inka verehren die Sonne wie einen Gott. Und weil Gold genauso glänzt wie die Sonne, bezeichnen sie das Gold als Schweißperlen der Sonne und Silber als Tränen des Mondes. Schön, oder? Aber weil es im Inka-Reich Gold und Silber im Überfluss gibt, ist das gar nicht so viel wert wie heute bei uns. Bezahlen kann man mit Gold deshalb nicht. Nicht mal einen Sack Mais kann man dafür bekommen. Wer bei den Inka welchen Beruf ausübt, das bestimmt der König. So sorgt er dafür, dass alle Arbeiten erledigt werden. Und am besten machen alle das, was die auch gut können. Der, der besonderes Talent in der Feldarbeit hat, beackert größere Felder und tauscht das überschüssige Getreide gegen Kleider, die wiederum ein anderer herstellt. Diese Arbeitsteilung ist bei den Inka sehr erfolgreich. Die Menschen produzieren plötzlich mehr, besser und schneller, weil sie sich in ihren Aufgaben üben können und dabei Wissen ansammeln, um die Produkte zu verbessern. Aus der Arbeitsteilung entstehen dann schließlich Berufe wie Bäuerin, Weber oder Beamter. Welchen Beruf würdet ihr wohl machen, wenn es nur darum geht, was ihr am besten könnt? Bei mir wäre es vermutlich... Also ich bin handwerklich ganz gut mitgehabt, deswegen glaube ich so eine Weberin. Ich glaube, ich wäre eine ganz gute Weberin. Ich sticke auch ganz viel in meiner Freizeit. Aber zurück zu den Inka. Wenn sich die Inka begrüßen, dann sagen sie, das Volk der Sonne lügt nicht, stiehlt nicht und faulenzt nicht. Disziplin und sich an Regeln halten, das ist das oberste Gebot der Inka. Schauen wir uns doch einmal in der Hauptstadt bei den fleißigen Inka um. Da drüben steht ein Mann mit einem gelben Gewand, vor einem Steinhaus voller Maiskolben. Das ist ein Beamter der Inka. Der ist beispielsweise dafür da, die Maiskolben, die von den Bauern aus dem ganzen Reich nach Cusco kommen, zu zählen. Wenn er nicht weiß, wie viel Mais hier an- und abtransportiert wird, wie viel davon die Adeligen, die Bauarbeiter, die Alten und die Kranken bekommen, dann weiß es niemand. Beamte sind aber nicht nur dafür da, die Nahrungsmittel im Reich zu verteilen. Sie müssen auch den Überblick über die Straßen- und Brückenarbeiten behalten. Oder die Boten mit Nachrichten und Waren ins ganze Reich versenden. Und in seiner Hand hält er etwas. Einen Stab, an dem viele verknotete Fäden hängen. Das ist ein sogenannter Quipu. Damit behalten die Beamten den Überblick. Die Knoten in den herabbaumelnden Fäden stehen für Zahlen. Niemand beherrscht das Rechnen so perfekt wie die Beamten im Inka-Reich. Und je besser ein Beamter ist, desto höher stehen auch die Chancen, dass er einmal ganz nach oben befördert wird und im goldenen Palast von Cusco für den König arbeiten darf. Übrigens, die Inka sind auch richtige Partytiere. Im Januar gibt es das größte Fest, damit die Ernte des Jahres gut ausfällt. Wenn dann im Februar die Saat keimt, wird wieder gefeiert. Im März genauso. Im April, wenn die ersten Kartoffeln und Mais geerntet werden, da gibt es wieder eine Party mit Musik und Tanz. Naja, und so geht das eben das ganze Jahr hindurch. Die größten Feiern finden natürlich in der Hauptstadt Cusco statt. Und dann gibt es noch die sogenannten Reifefeiern. Wenn ein Junge zum Mann wird. Bei den Inkas ist man das ab elf Jahren. Zum Zeichen der Reife werden dann Flöcke durch die Ohrläppchen getrieben. Autsch. Aber die Jungen sehen das trotz des Schmerzes als Ehre an, weil sie dann als echter Inkamann gelten. Bei den Mädchen wird oft die erste Periode mit einem Ritual gefeiert. Oh, was denn da hinten los? Lasst uns mal zum Tempel gehen, da stehen ganz viele Menschen. Da steht ein Priester mit einem bunten Federkopfschmuck und hält eine kleine Schüssel in der Hand, aus der es ganz schön raucht. Er hat die Augen zu und streckt beide Hände in den Himmel. Wartet mal, ich höre mich mal um. Ah, okay, jetzt verstehe ich, warum die Leute sich so freuen. Der Priester hat gerade vorhergesagt, dass endlich Regen kommen soll. Bei den Inka verehren die Menschen verschiedene Götter. Der höchste Gott ist Inti, die Sonne. Die Inka beten auch zu Killa, dem Mond, zu Pachamama, der Erdenmutter und Elapa, dem Blitz. Den Göttern werden auch immer wieder Opfer gebracht, wie beispielsweise ein Lama. So soll Inti gnädig gestimmt werden. Die Priester kümmern sich im Inka-Reich aber um mehr als nur die Götter. Sie leiten Begräbnisse und Hochzeiten, sagen Kriege, gute und schlechte Ernten und Unwetter voraus. Und sie heilen Kranke, indem sie deren Körper und Seele wieder in Einklang bringen. Denn die Inker sind davon überzeugt, Krankheiten entstehen durch schlechte Energie. Von dieser muss die Seele gereinigt werden. Dann heilt auch der Körper. Massagen oder Handauflegen sollen dann die schlechte Energie vertreiben. Die Inka glauben auch an ein Leben nach dem Tod. Wenn der Inka, also der König, stirbt, wird er einbalsamiert. Außerdem begleiten ihn Frauen und Diener in den Tod, damit er nicht alleine ist. Die Könige sind dann als Mumien bei allen Festen anwesend. Sie bekommen Delikatessen und werden über den Markt getragen. Die einfachen Menschen aus dem Volk, die bekommen auch Gegenstände mit ins Grab gelegt. damit es ihnen nach dem Tod an nichts fehlt. Oh, da hinten spielen ein paar Jungen mit einem Kreisel aus Holz. Die scheinen wohl heute keine Schule zu haben. Denn alle adeligen Kinder bekommen bei den Inka eine gute Ausbildung. Sie lernen etwas über ihre Religion, wie man sich gut ausdrückt, über die Geschichte ihres Herrscherhauses. Sie haben Fächer wie Kalenderwissenschaft, die Lehre der Knotenschnüre. Ihr wisst schon, der starb mit den vielen Knoten dran. Und auch die Kriegskunst. Von den Jungen der Adeligen wird oft erwartet, dass sie einmal für ihr Volk in den Krieg ziehen und den Inka, den König, verteidigen. Musikinstrumente wie die Muscheltrompete oder die Panflöte können die Kinder auch lernen. So, wir haben jetzt erstmal genug von der trubeligen Hauptstadt der Inka. Lass uns mal durch die Anden ziehen und schauen, was die Menschen so außerhalb der Hauptstadt in den anderen Städten und Dörfern treiben. Wow, was für eine Aussicht. Von hier oben hat man den Blick auf schneebedeckte Berge. Und die Felder sind hier nicht so kerzengerade und viereckig, wie wir das von uns in Deutschland kennen. Hier sind die Hänge so steil, dass alles abrutschen würde. Deshalb bauen die Bäuerinnen und Bauern den Mais auf megaren Stufen an. Zwischen diesen Terrassenebenen verlaufen Bewässerungsanlagen, sodass der Mais auch gedeiht, wenn es mal länger nicht regnet. Als Dünger nutzen sie Asche. Dazu etwas Guano, Vogelmist, damit der Mais besser wächst. Bei der Ackerarbeit helfen alle mit. Mama, Papa und die Kinder. Aber dafür gibt es dann eben auch was Leckeres zum Abendessen. Maismehlsuppe mit Bohnen, gewürzt mit Chili. Da freuen sich die Kinder. Denn seit dem Frühstück aus Kartoffeln, Ananas, Bananen oder Erdnüssen gab es nichts mehr zu knabbern. Fleisch gibt es bei den Bauern nur ganz selten. und nur zu besonderen Anlässen und Festen. Die Ernte müssen die Bäuerinnen und Bauern dann zur Hälfte an den Adel abgeben. Den anderen Teil behalten sie zum Essen und für die nächste Aussaat. Lass uns noch ein Dorf besuchen. Hier hängen ja überall bunte Tücher an Holzästen. Das muss bestimmt ein Dorf voll mit Webern sein. Das Handwerk hat eine lange Tradition bei den Inka. Oh, da drüben, da sitzt auch schon einer. Er hat eine Reihe von Fäden zwischen zwei Holzstangen aufgespannt. Die eine Stange ist an einem Baum festgebunden. An dem anderen hängt eine Schnur, die er sich um den Oberkörper geschwungen hat. Und durch die so von ihm gespannten Fäden webt er jetzt den quer verlaufenden Webfaden mit einem Webschwert. Einem Holzstück, an dem ein Faden hängt. Manchmal nutzen die Weber Lahmawolle, manchmal Baumwolle, manchmal auch Menschenhaare. Aus den Stoffen entstehen dann Ponchos, Taschen oder Ländenschürze. Das sind so etwas wie Röcke, die sich die Männer um die Beine binden. Die Stoffe dieses Webers werden fast im ganzen Inka-Reich getragen. Aber insgeheim träumt er natürlich davon, dass er eines Tages ein Festgewand für den König höchstpersönlich weben darf. Also, das Reich der Inka war riesig. Wenn man da mal eine Nachricht überbringen will, von einem Ende des Reiches ans andere, dann ist das nicht so leicht wie heute mit unseren Smartphones. Aber auch dafür haben die Inka eine Lösung. Über ein Wegenetz von 40.000 Kilometern Länge bringen Booten die Chaski Mitteilungen von einem zum nächsten Ort. Am laufenden Band werden Nachrichten hin und her geschickt. Und die Booten haben dafür ein ziemlich cleveres System. Sie machen einfach einen Staffellauf. Jeder Boote läuft dann eine bestimmte Anzahl von Kilometern und dann wird die Nachricht oder die Ware bei einer Wechselstation an den nächsten Booten übergeben. Mit diesem System sollen die Nachrichten und Waren bis zu 400 Kilometer am Tag gereist sein. Mit dabei hat jeder Boote auch ein Quipu, das Knotenbündel, zum Rechnen. Von dem kann man einiges ablesen, je nach Anzahl der Knoten und Farben, wie eine Art Notizbuch. Die meisten Inka-Pfade sind heute völlig überwuchert oder ganz zerstört. Es ist also gar nicht so leicht nachzuvollziehen, wie und wo sich die Booten bewegt haben. Aber Karten und Berichte können uns einen kleinen Einblick geben. Die Wege der Booten führen durch die trockene Atacama-Wüste, entlang von glitzernden Salzseen, über die schneebedeckten Vulkane der Anden und bis runter ans Meer. Und natürlich immer wieder über die besonderen Hängebrücken der Inka-Pfade. Und jetzt haltet euch fest, denn es wird ganz schön wackelig. Die Inka waren nämlich nicht nur geschickte Krieger, fleißige Bäuerinnen oder kreative Weber, sondern sie waren auch schon immer sehr begabt im Brückenbauen. Im 15. Jahrhundert, also zur Blütezeit des Reiches, soll es bis zu 200 Hängebrücken gegeben haben, mit denen die Inka tiefe Schluchten, in denen reißende Flüsse flossen, überspannt haben. Naja, Höhenangst sollte man da besser nicht haben. Als die spanischen Eroberer um 1500 das Land erreichen und die Brücken entdecken, trauen sie sich mit keinem Schritt drüber und kriechen maximal auf den Knien über die Hängebrücken. Davon ist heute leider nicht mehr viel übrig. Nur eine einzige Brücke hat die Zeit überdauert. Die Quezvachaka-Hängebrücke über den Apurimag-Fluss. 100 Kilometer südlich der Stadt Cusco gelegen. Also dem Ort, wo die Inka-Kultur ihren Ursprung hat. 36 Meter lang ist die neue alte Hängebrücke. Und auf diese Brücke passen die Menschen aus der Region besonders gut auf. Einmal im Jahr, im Juni, kommen sie zusammen, um sie zu erneuern. Und knüpfen damit wortwörtlich an uralte Inka-Traditionen an. Hunderte Frauen und Männer aus den umliegenden Dörfern helfen damit. Eine ganze Woche sind sie damit beschäftigt, die Seile auszutauschen, an denen Wind und Wetter genagt haben. Das klingt echt nach harter Arbeit. Aber die Einheimischen erledigen diese harte Arbeit gern, denn sie sind stolz, noch immer die Knüpftechniken zu beherrschen, die sich ihre Ur-Ur-Ur-Urahnen vor langer Zeit ausgedacht haben. Die Seile für die neue Hängebrücke werden aus Ichugras angefertigt. Das wächst in der Region am Ampurimak-Fluss. Das Gras wird dann weichgeklopft. So lassen sich die störrischen Halme besser verarbeiten. Die Frauen drillen daraus dann Fäden und flechten diese zu immer dickeren Tauen. Mehr als 60 Kilometer Seil stellen sie gemeinsam her. So ein Tau ist dann auch ziemlich schwer, so dick wie ein Oberarm. Mindestens acht kräftige Männer braucht es, um ein einzelnes Tau zur Schlucht zu tragen, dorthin, wo die neue Kuesvachaka-Brücke entstehen soll. Um diese aufzubauen, nutzen die Männer ein allerletztes Mal die Bestandteile der alten Brücke. Sie befestigen das eine Ende des Taus an Holzpflöcken im Boden und wuchten das andere über die alte, verwitterte Brücke auf die gegenüberliegende Seite der Schlucht. Bald darauf wird die alte Verbindung gekappt. So haben es ihre Vorfahren vor 500 Jahren auch gemacht. Mit vereinten Kräften spannen die Männer dann die sechs dicken Taue. Die bilden das Grundgerüst der neuen Brücke. Vier Seile, die dicht nebeneinander liegen, bilden den Boden. Zwei Seile darüber ergeben die Seile, an denen man sich dann mit der Hand festhalten kann beim Drüberlaufen. Die Seile zum Festhalten und die Seile am Boden verknüpfen die Männer dann mit dicken Strippen. Übrigens, das Strippenziehen ist in dieser Tradition noch Männersache. Genauer gesagt die Sache von zwei bestimmten Männern. Nur die beiden dürfen die Bodentauern verbinden. das Geländer knüpfen und so die Brücke fertigstellen. Wie Zirkusartisten hangeln sie sich dabei über die Taue, die mit jeder Bewegung über dem tiefen Abgrund hin- und herschaukeln. Erst recht, wenn der Wind bläst. Puh, ich glaube, ich brauche jetzt mal wieder festen Boten unter den Füßen. Und ich will euch unbedingt noch ein ganz besonderes Tier vorstellen. Ihre Wolle ist weich und wärmend. Flauschiges Fell bedeckt ihren kompletten Körper von den Ohrenspitzen bis zur Fußsohle. Sie sehen fast so aus wie Lamas und irgendwie habe ich immer das Gefühl, dass sie mich anlächeln. Wisst ihr, welche Tiere ich meine? Genau, Alpakas. Auch wenn die Höcker fehlen, Alpakas zählen zur Gattung der Kamele. Genauer gesagt, der Neuweltkamele. Lange Zeit lebten Alpakas ausschließlich in Südamerika. Heute werden die Tiere auch in Nordamerika und Europa gehalten, wegen der tollen Wolle, die ihren Körper bedeckt. Alpakas messen übrigens von Schwanz bis Schnauze bis zu zwei Meter und bringen dabei gute 60 Kilogramm auf die Waage. Vielleicht habt ihr ja auch schon mal eins gestreichelt oder wart auf einem Spaziergang mit ihnen. Ich habe mal so einen Alpaka-Spaziergang gemacht und das war wirklich ganz toll. Aber die mögen es gar nicht so gerne gestreichelt zu werden. Das hat mir der Besitzer der Alpakas erzählt, denn die Alpakas, die pflegen auch nicht gegenseitig ihr Fell. Also die sind das gar nicht gewohnt, auch innerhalb der Herde sich so, ja wie soll ich sagen, zu liebkosen oder angefasst zu werden. Und deswegen sind die gar nicht so gut zum Streicheln. Also keine Kuscheltiere. Und Alpakas gibt es eben auch schon zu Zeiten der Inka. Ihre Wolle gilt für das Volk als extrem wertvoll, als Luxusgut, das man gegen andere Waren tauschen kann. Wie gegen Hölzer aus den Waldregionen der Azteken. Über die reden wir übrigens in der nächsten Folge. Deshalb haben die Inka schon vor Jahrtausenden begonnen, Alpakas zu halten. Mit dieser flauschigen Matte, die in langen Strähnen an den Körper der Alpakas hinabhängt, verabnern sich die Tiere gegen jedes Wetter. Und damit können sie natürlich auch die Inkas wärmen. Aus der weichen Wolle weben sie Mützen und Mäntel, die im ganzen Reich begehrt sind. Denn ein Mantel aus Alpakawolle gilt als Zeichen des Wohlstands. Hunderttausende Alpakas grasen deshalb im 16. Jahrhundert überall im Inka-Reich. Dann aber landen die Spanier an den Küsten. Mitgebracht haben sie nicht nur Waffen, mit denen sie die Einwohner Südamerikas bekämpfen. In den Bäuchen der Schiffe, die den Eroberern bald folgen werden, blöken auch hunderte Schafe. Die Europäer haben nämlich kein Interesse daran, sich an die einheimischen Wollproduzenten zu gewöhnen und sie zu züchten. Die Zahl der Alpakas geht daraufhin extrem zurück. Als das Inke-Reich Mitte des 16. Jahrhunderts schließlich untergeht, sind auch die Alpakas beinahe ausgestorben. Nur noch vereinzelt werden die Tiere von Familien im Hochland gehalten. Die Einheimischen schätzen die Alpakas nämlich wie eh und je, weil sie so robust und zäh sind. Alpakas halten es auch im Winter draußen aus, geben sich dort mit trockenem Gras und Mosen zufrieden und sie spucken auch weniger als ihre nahen Verwandten, die Lamas. Erst Anfang des 19. Jahrhunderts erinnern sich mehr und mehr Peruaner an die vielen Vorteile der Alpakas und entdecken vor allem deren tolle Wolle wieder. Denn sie erkennen, gegenüber der Schafswolle sind Alpaka-Fasern viel weicher und widerstandsfähiger. Und sie wärmen besser, denn die Fasern sind innen teilweise hohl und dieser Hohlraum hält die kalte Luft vom Körper fern. Etwa drei Millionen Alpakas gibt es heute wieder weltweit. Die allermeisten grasen nach wie vor in Peru, in Andendörfchen wie dem in der Region Puno. Dort leben die Menschen wie in alten Zeiten mit und von den Tieren. Die Frauen in ihren bunten Röcken müssen sich nur der Wiese hinter ihrem Dorf nähern. schon spitzen die Alpakas ihre Ohren, blicken neugierig unter ihrer Strubbelmähne hervor und kommen herbeigetippelt. Kommen so nah heran, dass zwischen Alpakaschnauzen und Menschennasen kaum mehr ein Blatt passt. Und dann beginnen sie zu brummen, tief und beruhigend. Als wollten sie ihren Besitzerinnen und Besitzern aus dem kleinen Dorf im Bundesstaat Puno im Süden Perus sagen, habt keine Angst, wir sind ja da. Tatsächlich könnten die Menschen hier oben ohne Alpakas kaum überleben. Hier oben in fast 4000 Meter Höhe, wo gleißendes Sonnenlicht die Ernte verbrennen kann und die Kälte nachts in die Hütten kriecht. Für die Andenbewohner sind die Tiere eine Lebensversicherung. Die Menschen ernähren sich von getrocknetem Alpakafleisch, feuern an eisigen Tagen deren Dung, das ist die Kacka von Alpakas, und sie verkaufen die wertvolle Wolle. Alpakas sind unser Gold, sagen die Peruanerinnen und Peruaner darum und das bereits seit Jahrtausenden. Die Wolle ist das wichtigste Produkt. Doch daran zu kommen, ist ein wahrer Kraftakt. Bei der Schule nämlich zeigen die sonst so sanften Tiere auch mal ihre biestige Seite. Vor allem im November. Wenn der Frühling auf der Südhalbkugel beginnt und es Zeit ist, die Alpakas zu scheren. Die Frauen, traditionell für die Wollproduktion verantwortlich, kommen nicht allein zur Wiese. Heute sind alle Hände der Familie gefragt, um die Tiere zusammenzutreiben und zu bändigen. Sobald sie sich bedrängt fühlen, wehren sich die Alpakas, beißen und treten. Um dies zu vermeiden, drücken die Männer die Tiere auf den Boden, während die Frauen mit großen Scheren die Alpakas entkleiden. Andernorts werden die Tiere längst mit Elektrorasierern geschoren. Doch in vielen der kleinen Andendörfer gibt es keinen elektrischen Strom. Also ist das alles noch handgemacht. In großen Knäulen fällt das Fell dann auf den Boden. Bis zu vier Kilogramm pro Tier. Genug, um daraus später drei Kinderpullover zu stricken. Das Fell wird anschließend gesäubert, zur Wolle versponnen und nach altem Brauch mit verschiedenen Blättern und Blüten gefärbt. Zwar gibt es Alpaka-Wolle von Natur aus in 22 verschiedenen Farbtönen, von hellem Weiß über Grau- und Brauntönen bis hin zu tiefem Schwarz. Doch die Nachfahren der Inka wollen noch kräftigere Farben in ihren Alltag bringen und tönen die Fasern darum auch in Rot, Blau oder Gelb. Nach der Schur haben die Alpakas nun erstmal genug von den Menschen. Kaum freigelassen laufen die Tiere auf ihren entharten Beinen, die jetzt so ein bisschen aussehen wie Stelzen, davon. Aus dem Dorf hinaus auf die Wiesen. Die Dorfbewohner, die können ihre Tiere aber auch von Weitem noch sehen. Gerade in den frühen Abendstunden. Denn wenn der Tag sich neigt, lässt das milde Sonnenlicht das Fell schimmern. Bis heute hält sich daher die Sage, dass die spanischen Eroberer beim Anblick der Alpakas glaubten, jedes Tier sei über und über mit Gold beladen. Und ein bisschen stimmt das ja auch, denn die Alpakas sind in Peru bis heute Gold wert. Beeindruckend, was sich das Volk der Inka mitten in den Anden in Südamerika aufgebaut hat. Goldene Tempel, endlose geheimnisvolle Pfaden und Brücken über schwindelerregend tiefe Schluchten. Die Inka sind eine hochentwickelte Gesellschaft, vergleichbar mit Hochkulturen im alten Ägypten. Wenn wir den Handel, die Schrift, die Baukunst und die Religion ansehen. Doch auch diese Hochkultur wird untergehen. Und das schon nach wenigen hundert Jahren. Durch Thronfolgekriege, weil sich die Inka darum streiten, wer als nächstes der König sein darf, wird das Reich nach 1525 immer mehr geschwächt. Als dann die spanischen Eroberer kommen, haben sie leichtes Spiel. Und das, obwohl sie zahlenmäßig ganz schön unterlegen sind. Sie unterwerfen große Teile des Inka-Reiches und wollen den Bewohnern auch ihre Religion aufzwingen. In ihrem Goldrausch nehmen die Spanier ihnen nicht nur ihr Eigentum weg, sondern zwingen sie auch zur Sklavenarbeit, um so an weitere Gold- und Silberschätze der Inka zu kommen. Durch die harte Arbeit und die eingeschleppten Krankheiten der Spanier verlieren viele Inka ihr Leben. 1572 besetzen die Spanier die Inka-Festung von Inka-König Tupac Amaru und richten ihn den letzten Inka-König. Das ist das Ende des Inka-Reichs. Und wir sind jetzt auch am Ende dieser Folge. Zurück in die Gegenwart. Ich hoffe, ihr fandet die Zeitreise genauso spannend wie ich. Es fehlt nur noch der Witz der Woche. Hallo, ich bin Julia aus Hamburg und ich wollte euch einen Witz erzählen. Was sucht ein Zwerg im Netz? Er will sich mit dem Netzwerk verbinden. Wenn ihr auch einen richtig guten Witz habt, dann schickt ihn uns per WhatsApp. Die Nummer findet ihr wie immer in der Folgenbeschreibung. Mein Name ist Ivy Hasel. Das Skript hat diese Woche Luisa Philipp geschrieben. Und das Sounddesign und die Audio-Produktion, die kommt von Lia Wittfeld. Ich freue mich, wenn ihr beim nächsten Mal wieder dabei seid. Tschüss! Noch mehr Giolino für zu Hause? Schaut einfach unter giolino.de slash spezial.