WEBVTT

00:00:00.017 --> 00:00:03.177
Liebe Hörerinnen und Hörer, hört ihr dieses Geräusch?

00:00:05.417 --> 00:00:09.797
Dann folgt Werbung. Ihr kennt ja den Deal. Ihr könnt den Podcast kostenlos hören,

00:00:09.897 --> 00:00:11.177
dafür gibt's ab und zu Werbung.

00:00:11.417 --> 00:00:13.477
Und jetzt, los geht's!

00:00:15.477 --> 00:00:20.537
Giolino Spezial, der Wissens-Podcast für junge Entdeckerinnen und Entdecker.

00:00:25.997 --> 00:00:30.777
Hallo ihr Lieben, schön, dass ihr wieder dabei seid. Hat euch die Zeitreise

00:00:30.777 --> 00:00:32.497
aus der letzten Folge gefallen? Ja?

00:00:33.237 --> 00:00:38.957
Dann schnallt euch an, haltet euch gut fest. Wir reisen heute wieder zurück in der Geschichte.

00:00:44.517 --> 00:00:46.897
Und wir halten unsere Zeitmaschine an.

00:00:49.277 --> 00:00:57.677
Im Jahr 1200 nach Christus. Bei uns in Europa ist das die Zeit des Hochmittelalters

00:00:57.677 --> 00:01:02.517
mit Rittern, prächtigen Burgen und Schlössern und geheimnisvollen Klöstern.

00:01:02.737 --> 00:01:07.617
Aber wir bleiben nicht in Europa, sondern unsere Reise bringt uns wieder über

00:01:07.617 --> 00:01:10.617
den Nord- und Südatlantik nach Südamerika.

00:01:11.437 --> 00:01:17.217
Genauer gesagt in ein Tal umgeben von steilen Berghängen und voll mit saftig

00:01:17.217 --> 00:01:26.357
grünem Gras. Das Tal von Cusco, das liegt im heutigen Peru und dort siedelt sich ab 1200 n. Chr.

00:01:26.617 --> 00:01:34.377
Ein kleines Völkchen an, das bald eines der größten Reiche Amerikas beherrschen wird, die Inka.

00:01:36.912 --> 00:01:42.652
Aber wie wird aus diesem kleinen Völkchen eine der größten und geheimnisvollsten

00:01:42.652 --> 00:01:44.292
Hochkulturen Südamerikas?

00:01:45.132 --> 00:01:49.852
Das liegt vor allem daran, dass die Inka sehr geschickte Krieger sind und ihr

00:01:49.852 --> 00:01:54.492
Reich innerhalb von kürzester Zeit enorm ausdehnen, indem sie andere Völker

00:01:54.492 --> 00:01:56.372
angreifen und unterwerfen.

00:01:56.972 --> 00:02:03.272
Um 1438 umfasst ihr Herrschaftsgebiet gerade mal das Tal von Cusco.

00:02:04.072 --> 00:02:10.672
Nur ca. 60 Jahre später erstreckt sich das Reich auf 4600 Kilometer Länge entlang

00:02:10.672 --> 00:02:12.272
der Westküste Südamerikas.

00:02:12.772 --> 00:02:18.092
4600 Kilometer, das ist so, als würden wir von Hamburg bis nach Kairo in Ägypten

00:02:18.092 --> 00:02:19.452
zu den Pyramiden laufen.

00:02:20.352 --> 00:02:25.992
Und das Inka-Reich wächst noch weiter. In dieser Zeit der Ausdehnung wird beispielsweise

00:02:25.992 --> 00:02:28.652
auch die berühmte Stadt Machu Picchu gebaut.

00:02:29.132 --> 00:02:35.052
Eine Stadt mitten in den Anden. in 2340 Metern Höhe.

00:02:35.552 --> 00:02:38.712
Die Ruinen kann man heute noch in Peru besichtigen.

00:02:41.092 --> 00:02:48.592
Um das Jahr 1525 regiert der Inka-König dann schon über neun Millionen Untertanen.

00:02:48.692 --> 00:02:52.952
Da sind so viele Menschen, die in ganz Österreich wohnen. Und diese Menschen,

00:02:52.952 --> 00:02:55.452
die wollen wir jetzt mal genauer kennenlernen.

00:03:02.969 --> 00:03:06.109
Das Zentrum der Inka liegt in der Stadt Cusco.

00:03:06.369 --> 00:03:10.849
Von dort aus wird das riesige Reich regiert und organisiert.

00:03:11.029 --> 00:03:16.429
Hier gibt es Tempel und Paläste voller Gold und Silber. Die Menschen laufen

00:03:16.429 --> 00:03:18.529
in bunten, prächtigen Gewändern herum.

00:03:19.149 --> 00:03:24.309
Den König nennt das Volk den Sapa Inka, den Sohn der Sonne.

00:03:24.529 --> 00:03:29.529
Denn die Inka verehren die Sonne wie einen Gott. Und weil Gold genauso glänzt

00:03:29.529 --> 00:03:34.409
wie die Sonne, bezeichnen sie das Gold als Schweißperlen der Sonne und Silber

00:03:34.409 --> 00:03:37.589
als Tränen des Mondes. Schön, oder?

00:03:37.989 --> 00:03:42.789
Aber weil es im Inka-Reich Gold und Silber im Überfluss gibt,

00:03:43.089 --> 00:03:45.429
ist das gar nicht so viel wert wie heute bei uns.

00:03:45.909 --> 00:03:51.429
Bezahlen kann man mit Gold deshalb nicht. Nicht mal einen Sack Mais kann man dafür bekommen.

00:03:52.429 --> 00:03:55.589
Wer bei den Inka welchen Beruf ausübt, das bestimmt der König.

00:03:55.789 --> 00:03:59.609
So sorgt er dafür, dass alle Arbeiten erledigt werden.

00:03:59.909 --> 00:04:03.309
Und am besten machen alle das, was die auch gut können.

00:04:03.769 --> 00:04:09.729
Der, der besonderes Talent in der Feldarbeit hat, beackert größere Felder und

00:04:09.729 --> 00:04:14.569
tauscht das überschüssige Getreide gegen Kleider, die wiederum ein anderer herstellt.

00:04:15.009 --> 00:04:20.589
Diese Arbeitsteilung ist bei den Inka sehr erfolgreich. Die Menschen produzieren

00:04:20.589 --> 00:04:26.329
plötzlich mehr, besser und schneller, weil sie sich in ihren Aufgaben üben können

00:04:26.329 --> 00:04:29.449
und dabei Wissen ansammeln, um die Produkte zu verbessern.

00:04:30.674 --> 00:04:35.634
Aus der Arbeitsteilung entstehen dann schließlich Berufe wie Bäuerin, Weber oder Beamter.

00:04:36.394 --> 00:04:40.134
Welchen Beruf würdet ihr wohl machen, wenn es nur darum geht, was ihr am besten könnt?

00:04:41.374 --> 00:04:46.214
Bei mir wäre es vermutlich... Also ich bin handwerklich ganz gut mitgehabt,

00:04:46.434 --> 00:04:48.274
deswegen glaube ich so eine Weberin.

00:04:48.434 --> 00:04:51.934
Ich glaube, ich wäre eine ganz gute Weberin. Ich sticke auch ganz viel in meiner Freizeit.

00:04:52.254 --> 00:04:56.934
Aber zurück zu den Inka. Wenn sich die Inka begrüßen, dann sagen sie,

00:04:57.114 --> 00:05:01.794
das Volk der Sonne lügt nicht, stiehlt nicht und faulenzt nicht.

00:05:02.774 --> 00:05:07.994
Disziplin und sich an Regeln halten, das ist das oberste Gebot der Inka.

00:05:08.634 --> 00:05:12.574
Schauen wir uns doch einmal in der Hauptstadt bei den fleißigen Inka um.

00:05:14.934 --> 00:05:20.614
Da drüben steht ein Mann mit einem gelben Gewand, vor einem Steinhaus voller Maiskolben.

00:05:21.194 --> 00:05:25.654
Das ist ein Beamter der Inka. Der ist beispielsweise dafür da,

00:05:25.834 --> 00:05:31.134
die Maiskolben, die von den Bauern aus dem ganzen Reich nach Cusco kommen, zu zählen.

00:05:31.274 --> 00:05:34.894
Wenn er nicht weiß, wie viel Mais hier an- und abtransportiert wird,

00:05:35.134 --> 00:05:41.834
wie viel davon die Adeligen, die Bauarbeiter, die Alten und die Kranken bekommen, dann weiß es niemand.

00:05:42.494 --> 00:05:45.694
Beamte sind aber nicht nur dafür da, die Nahrungsmittel im Reich zu verteilen.

00:05:45.694 --> 00:05:50.794
Sie müssen auch den Überblick über die Straßen- und Brückenarbeiten behalten.

00:05:50.994 --> 00:05:55.014
Oder die Boten mit Nachrichten und Waren ins ganze Reich versenden.

00:05:55.254 --> 00:05:57.234
Und in seiner Hand hält er etwas.

00:05:57.494 --> 00:06:01.694
Einen Stab, an dem viele verknotete Fäden hängen.

00:06:02.866 --> 00:06:08.766
Das ist ein sogenannter Quipu. Damit behalten die Beamten den Überblick.

00:06:09.006 --> 00:06:13.386
Die Knoten in den herabbaumelnden Fäden stehen für Zahlen.

00:06:14.046 --> 00:06:18.926
Niemand beherrscht das Rechnen so perfekt wie die Beamten im Inka-Reich.

00:06:19.226 --> 00:06:23.526
Und je besser ein Beamter ist, desto höher stehen auch die Chancen,

00:06:23.606 --> 00:06:27.846
dass er einmal ganz nach oben befördert wird und im goldenen Palast von Cusco

00:06:27.846 --> 00:06:29.366
für den König arbeiten darf.

00:06:30.046 --> 00:06:35.666
Übrigens, die Inka sind auch richtige Partytiere. Im Januar gibt es das größte

00:06:35.666 --> 00:06:38.226
Fest, damit die Ernte des Jahres gut ausfällt.

00:06:38.526 --> 00:06:43.166
Wenn dann im Februar die Saat keimt, wird wieder gefeiert. Im März genauso.

00:06:43.446 --> 00:06:46.346
Im April, wenn die ersten Kartoffeln und Mais geerntet werden,

00:06:46.846 --> 00:06:49.726
da gibt es wieder eine Party mit Musik und Tanz.

00:06:50.166 --> 00:06:53.766
Naja, und so geht das eben das ganze Jahr hindurch. Die größten Feiern finden

00:06:53.766 --> 00:06:55.646
natürlich in der Hauptstadt Cusco statt.

00:06:55.886 --> 00:07:00.766
Und dann gibt es noch die sogenannten Reifefeiern. Wenn ein Junge zum Mann wird.

00:07:00.926 --> 00:07:03.786
Bei den Inkas ist man das ab elf Jahren.

00:07:04.666 --> 00:07:08.926
Zum Zeichen der Reife werden dann Flöcke durch die Ohrläppchen getrieben.

00:07:09.466 --> 00:07:13.446
Autsch. Aber die Jungen sehen das trotz des Schmerzes als Ehre an,

00:07:13.626 --> 00:07:16.166
weil sie dann als echter Inkamann gelten.

00:07:16.386 --> 00:07:20.426
Bei den Mädchen wird oft die erste Periode mit einem Ritual gefeiert.

00:07:23.292 --> 00:07:28.212
Oh, was denn da hinten los? Lasst uns mal zum Tempel gehen, da stehen ganz viele Menschen.

00:07:28.932 --> 00:07:33.932
Da steht ein Priester mit einem bunten Federkopfschmuck und hält eine kleine

00:07:33.932 --> 00:07:37.232
Schüssel in der Hand, aus der es ganz schön raucht.

00:07:37.732 --> 00:07:43.452
Er hat die Augen zu und streckt beide Hände in den Himmel. Wartet mal, ich höre mich mal um.

00:07:44.132 --> 00:07:47.632
Ah, okay, jetzt verstehe ich, warum die Leute sich so freuen.

00:07:47.952 --> 00:07:51.772
Der Priester hat gerade vorhergesagt, dass endlich Regen kommen soll.

00:07:53.332 --> 00:07:59.972
Bei den Inka verehren die Menschen verschiedene Götter. Der höchste Gott ist Inti, die Sonne.

00:08:00.312 --> 00:08:08.192
Die Inka beten auch zu Killa, dem Mond, zu Pachamama, der Erdenmutter und Elapa, dem Blitz.

00:08:08.652 --> 00:08:12.732
Den Göttern werden auch immer wieder Opfer gebracht, wie beispielsweise ein Lama.

00:08:13.172 --> 00:08:18.492
So soll Inti gnädig gestimmt werden. Die Priester kümmern sich im Inka-Reich

00:08:18.492 --> 00:08:20.092
aber um mehr als nur die Götter.

00:08:20.992 --> 00:08:27.652
Sie leiten Begräbnisse und Hochzeiten, sagen Kriege, gute und schlechte Ernten und Unwetter voraus.

00:08:27.912 --> 00:08:32.652
Und sie heilen Kranke, indem sie deren Körper und Seele wieder in Einklang bringen.

00:08:33.152 --> 00:08:38.172
Denn die Inker sind davon überzeugt, Krankheiten entstehen durch schlechte Energie.

00:08:38.532 --> 00:08:42.872
Von dieser muss die Seele gereinigt werden. Dann heilt auch der Körper.

00:08:43.512 --> 00:08:47.712
Massagen oder Handauflegen sollen dann die schlechte Energie vertreiben.

00:08:49.273 --> 00:08:52.433
Die Inka glauben auch an ein Leben nach dem Tod.

00:08:53.033 --> 00:08:58.433
Wenn der Inka, also der König, stirbt, wird er einbalsamiert.

00:08:58.873 --> 00:09:04.573
Außerdem begleiten ihn Frauen und Diener in den Tod, damit er nicht alleine ist.

00:09:05.653 --> 00:09:10.513
Die Könige sind dann als Mumien bei allen Festen anwesend.

00:09:10.833 --> 00:09:14.093
Sie bekommen Delikatessen und werden über den Markt getragen.

00:09:15.033 --> 00:09:18.593
Die einfachen Menschen aus dem Volk, die bekommen auch Gegenstände mit ins Grab

00:09:18.593 --> 00:09:21.793
gelegt. damit es ihnen nach dem Tod an nichts fehlt.

00:09:25.173 --> 00:09:28.393
Oh, da hinten spielen ein paar Jungen mit einem Kreisel aus Holz.

00:09:29.333 --> 00:09:34.733
Die scheinen wohl heute keine Schule zu haben. Denn alle adeligen Kinder bekommen

00:09:34.733 --> 00:09:36.813
bei den Inka eine gute Ausbildung.

00:09:37.053 --> 00:09:40.893
Sie lernen etwas über ihre Religion, wie man sich gut ausdrückt,

00:09:41.033 --> 00:09:42.953
über die Geschichte ihres Herrscherhauses.

00:09:43.213 --> 00:09:47.373
Sie haben Fächer wie Kalenderwissenschaft, die Lehre der Knotenschnüre.

00:09:47.973 --> 00:09:52.473
Ihr wisst schon, der starb mit den vielen Knoten dran. Und auch die Kriegskunst.

00:09:53.053 --> 00:09:57.573
Von den Jungen der Adeligen wird oft erwartet, dass sie einmal für ihr Volk

00:09:57.573 --> 00:10:01.473
in den Krieg ziehen und den Inka, den König, verteidigen.

00:10:02.433 --> 00:10:07.353
Musikinstrumente wie die Muscheltrompete oder die Panflöte können die Kinder auch lernen.

00:10:08.153 --> 00:10:11.293
So, wir haben jetzt erstmal genug von der trubeligen Hauptstadt der Inka.

00:10:11.293 --> 00:10:16.133
Lass uns mal durch die Anden ziehen und schauen, was die Menschen so außerhalb

00:10:16.133 --> 00:10:18.533
der Hauptstadt in den anderen Städten und Dörfern treiben.

00:10:25.318 --> 00:10:28.898
Wow, was für eine Aussicht.

00:10:29.318 --> 00:10:32.918
Von hier oben hat man den Blick auf schneebedeckte Berge.

00:10:33.058 --> 00:10:36.078
Und die Felder sind hier nicht so kerzengerade und viereckig,

00:10:36.118 --> 00:10:37.818
wie wir das von uns in Deutschland kennen.

00:10:38.398 --> 00:10:42.298
Hier sind die Hänge so steil, dass alles abrutschen würde.

00:10:43.058 --> 00:10:47.378
Deshalb bauen die Bäuerinnen und Bauern den Mais auf megaren Stufen an.

00:10:47.898 --> 00:10:51.458
Zwischen diesen Terrassenebenen verlaufen Bewässerungsanlagen,

00:10:51.738 --> 00:10:54.418
sodass der Mais auch gedeiht, wenn es mal länger nicht regnet.

00:10:54.958 --> 00:11:01.338
Als Dünger nutzen sie Asche. Dazu etwas Guano, Vogelmist, damit der Mais besser wächst.

00:11:01.678 --> 00:11:05.818
Bei der Ackerarbeit helfen alle mit. Mama, Papa und die Kinder.

00:11:06.098 --> 00:11:08.538
Aber dafür gibt es dann eben auch was Leckeres zum Abendessen.

00:11:09.478 --> 00:11:12.518
Maismehlsuppe mit Bohnen, gewürzt mit Chili.

00:11:12.898 --> 00:11:16.098
Da freuen sich die Kinder. Denn seit dem Frühstück aus Kartoffeln,

00:11:16.278 --> 00:11:19.858
Ananas, Bananen oder Erdnüssen gab es nichts mehr zu knabbern.

00:11:20.258 --> 00:11:25.718
Fleisch gibt es bei den Bauern nur ganz selten. und nur zu besonderen Anlässen und Festen.

00:11:26.758 --> 00:11:31.258
Die Ernte müssen die Bäuerinnen und Bauern dann zur Hälfte an den Adel abgeben.

00:11:31.558 --> 00:11:35.198
Den anderen Teil behalten sie zum Essen und für die nächste Aussaat.

00:11:35.818 --> 00:11:37.178
Lass uns noch ein Dorf besuchen.

00:11:44.831 --> 00:11:51.911
Hier hängen ja überall bunte Tücher an Holzästen. Das muss bestimmt ein Dorf voll mit Webern sein.

00:11:52.371 --> 00:11:55.331
Das Handwerk hat eine lange Tradition bei den Inka.

00:11:55.651 --> 00:11:59.231
Oh, da drüben, da sitzt auch schon einer. Er hat eine Reihe von Fäden zwischen

00:11:59.231 --> 00:12:00.991
zwei Holzstangen aufgespannt.

00:12:01.491 --> 00:12:06.671
Die eine Stange ist an einem Baum festgebunden. An dem anderen hängt eine Schnur,

00:12:06.731 --> 00:12:08.691
die er sich um den Oberkörper geschwungen hat.

00:12:09.391 --> 00:12:13.611
Und durch die so von ihm gespannten Fäden webt er jetzt den quer verlaufenden

00:12:13.611 --> 00:12:15.971
Webfaden mit einem Webschwert.

00:12:16.251 --> 00:12:18.811
Einem Holzstück, an dem ein Faden hängt.

00:12:19.691 --> 00:12:24.851
Manchmal nutzen die Weber Lahmawolle, manchmal Baumwolle, manchmal auch Menschenhaare.

00:12:25.311 --> 00:12:30.811
Aus den Stoffen entstehen dann Ponchos, Taschen oder Ländenschürze.

00:12:31.111 --> 00:12:33.971
Das sind so etwas wie Röcke, die sich die Männer um die Beine binden.

00:12:33.971 --> 00:12:38.731
Die Stoffe dieses Webers werden fast im ganzen Inka-Reich getragen.

00:12:38.971 --> 00:12:45.071
Aber insgeheim träumt er natürlich davon, dass er eines Tages ein Festgewand

00:12:45.071 --> 00:12:48.251
für den König höchstpersönlich weben darf.

00:12:52.748 --> 00:12:58.808
Also, das Reich der Inka war riesig. Wenn man da mal eine Nachricht überbringen

00:12:58.808 --> 00:13:03.688
will, von einem Ende des Reiches ans andere, dann ist das nicht so leicht wie

00:13:03.688 --> 00:13:05.108
heute mit unseren Smartphones.

00:13:05.568 --> 00:13:08.148
Aber auch dafür haben die Inka eine Lösung.

00:13:08.748 --> 00:13:16.148
Über ein Wegenetz von 40.000 Kilometern Länge bringen Booten die Chaski Mitteilungen

00:13:16.148 --> 00:13:18.468
von einem zum nächsten Ort.

00:13:19.448 --> 00:13:23.148
Am laufenden Band werden Nachrichten hin und her geschickt. Und die Booten haben

00:13:23.148 --> 00:13:24.868
dafür ein ziemlich cleveres System.

00:13:25.248 --> 00:13:27.688
Sie machen einfach einen Staffellauf.

00:13:28.168 --> 00:13:32.088
Jeder Boote läuft dann eine bestimmte Anzahl von Kilometern und dann wird die

00:13:32.088 --> 00:13:36.828
Nachricht oder die Ware bei einer Wechselstation an den nächsten Booten übergeben.

00:13:37.288 --> 00:13:42.488
Mit diesem System sollen die Nachrichten und Waren bis zu 400 Kilometer am Tag gereist sein.

00:13:43.048 --> 00:13:47.708
Mit dabei hat jeder Boote auch ein Quipu, das Knotenbündel, zum Rechnen.

00:13:47.708 --> 00:13:53.948
Von dem kann man einiges ablesen, je nach Anzahl der Knoten und Farben, wie eine Art Notizbuch.

00:13:55.611 --> 00:14:00.971
Die meisten Inka-Pfade sind heute völlig überwuchert oder ganz zerstört.

00:14:01.331 --> 00:14:06.531
Es ist also gar nicht so leicht nachzuvollziehen, wie und wo sich die Booten bewegt haben.

00:14:06.671 --> 00:14:10.551
Aber Karten und Berichte können uns einen kleinen Einblick geben.

00:14:10.971 --> 00:14:15.111
Die Wege der Booten führen durch die trockene Atacama-Wüste,

00:14:15.631 --> 00:14:17.691
entlang von glitzernden Salzseen,

00:14:17.931 --> 00:14:21.871
über die schneebedeckten Vulkane der Anden und bis runter ans Meer.

00:14:21.871 --> 00:14:27.331
Und natürlich immer wieder über die besonderen Hängebrücken der Inka-Pfade.

00:14:28.671 --> 00:14:32.751
Und jetzt haltet euch fest, denn es wird ganz schön wackelig.

00:14:33.251 --> 00:14:37.631
Die Inka waren nämlich nicht nur geschickte Krieger, fleißige Bäuerinnen oder

00:14:37.631 --> 00:14:43.211
kreative Weber, sondern sie waren auch schon immer sehr begabt im Brückenbauen.

00:14:43.591 --> 00:14:49.971
Im 15. Jahrhundert, also zur Blütezeit des Reiches, soll es bis zu 200 Hängebrücken

00:14:49.971 --> 00:14:54.571
gegeben haben, mit denen die Inka tiefe Schluchten, in denen reißende Flüsse

00:14:54.571 --> 00:14:56.171
flossen, überspannt haben.

00:14:57.011 --> 00:15:00.431
Naja, Höhenangst sollte man da besser nicht haben.

00:15:00.831 --> 00:15:06.231
Als die spanischen Eroberer um 1500 das Land erreichen und die Brücken entdecken,

00:15:06.771 --> 00:15:12.571
trauen sie sich mit keinem Schritt drüber und kriechen maximal auf den Knien über die Hängebrücken.

00:15:14.048 --> 00:15:20.468
Davon ist heute leider nicht mehr viel übrig. Nur eine einzige Brücke hat die Zeit überdauert.

00:15:20.668 --> 00:15:24.968
Die Quezvachaka-Hängebrücke über den Apurimag-Fluss.

00:15:25.528 --> 00:15:30.168
100 Kilometer südlich der Stadt Cusco gelegen. Also dem Ort,

00:15:30.428 --> 00:15:32.508
wo die Inka-Kultur ihren Ursprung hat.

00:15:33.288 --> 00:15:38.628
36 Meter lang ist die neue alte Hängebrücke. Und auf diese Brücke passen die

00:15:38.628 --> 00:15:40.608
Menschen aus der Region besonders gut auf.

00:15:41.348 --> 00:15:46.068
Einmal im Jahr, im Juni, kommen sie zusammen, um sie zu erneuern.

00:15:46.228 --> 00:15:51.768
Und knüpfen damit wortwörtlich an uralte Inka-Traditionen an.

00:15:52.248 --> 00:15:56.008
Hunderte Frauen und Männer aus den umliegenden Dörfern helfen damit.

00:15:56.548 --> 00:16:00.008
Eine ganze Woche sind sie damit beschäftigt, die Seile auszutauschen,

00:16:00.188 --> 00:16:02.528
an denen Wind und Wetter genagt haben.

00:16:02.748 --> 00:16:09.488
Das klingt echt nach harter Arbeit. Aber die Einheimischen erledigen diese harte Arbeit gern,

00:16:09.828 --> 00:16:13.948
denn sie sind stolz, noch immer die Knüpftechniken zu beherrschen,

00:16:14.108 --> 00:16:19.228
die sich ihre Ur-Ur-Ur-Urahnen vor langer Zeit ausgedacht haben.

00:16:19.568 --> 00:16:24.168
Die Seile für die neue Hängebrücke werden aus Ichugras angefertigt.

00:16:24.308 --> 00:16:26.808
Das wächst in der Region am Ampurimak-Fluss.

00:16:27.128 --> 00:16:29.128
Das Gras wird dann weichgeklopft.

00:16:29.468 --> 00:16:33.688
So lassen sich die störrischen Halme besser verarbeiten. Die Frauen drillen

00:16:33.688 --> 00:16:37.308
daraus dann Fäden und flechten diese zu immer dickeren Tauen.

00:16:37.808 --> 00:16:41.348
Mehr als 60 Kilometer Seil stellen sie gemeinsam her.

00:16:41.748 --> 00:16:46.348
So ein Tau ist dann auch ziemlich schwer, so dick wie ein Oberarm.

00:16:47.008 --> 00:16:51.948
Mindestens acht kräftige Männer braucht es, um ein einzelnes Tau zur Schlucht

00:16:51.948 --> 00:16:56.308
zu tragen, dorthin, wo die neue Kuesvachaka-Brücke entstehen soll.

00:16:57.682 --> 00:17:02.642
Um diese aufzubauen, nutzen die Männer ein allerletztes Mal die Bestandteile der alten Brücke.

00:17:02.842 --> 00:17:08.262
Sie befestigen das eine Ende des Taus an Holzpflöcken im Boden und wuchten das

00:17:08.262 --> 00:17:12.922
andere über die alte, verwitterte Brücke auf die gegenüberliegende Seite der Schlucht.

00:17:13.442 --> 00:17:17.262
Bald darauf wird die alte Verbindung gekappt.

00:17:17.662 --> 00:17:22.202
So haben es ihre Vorfahren vor 500 Jahren auch gemacht.

00:17:22.762 --> 00:17:26.982
Mit vereinten Kräften spannen die Männer dann die sechs dicken Taue.

00:17:27.682 --> 00:17:31.782
Die bilden das Grundgerüst der neuen Brücke. Vier Seile, die dicht nebeneinander

00:17:31.782 --> 00:17:33.122
liegen, bilden den Boden.

00:17:33.562 --> 00:17:37.002
Zwei Seile darüber ergeben die Seile, an denen man sich dann mit der Hand festhalten

00:17:37.002 --> 00:17:37.922
kann beim Drüberlaufen.

00:17:38.682 --> 00:17:43.462
Die Seile zum Festhalten und die Seile am Boden verknüpfen die Männer dann mit dicken Strippen.

00:17:44.102 --> 00:17:49.042
Übrigens, das Strippenziehen ist in dieser Tradition noch Männersache.

00:17:49.382 --> 00:17:54.062
Genauer gesagt die Sache von zwei bestimmten Männern. Nur die beiden dürfen

00:17:54.062 --> 00:17:58.862
die Bodentauern verbinden. das Geländer knüpfen und so die Brücke fertigstellen.

00:17:59.222 --> 00:18:04.342
Wie Zirkusartisten hangeln sie sich dabei über die Taue, die mit jeder Bewegung

00:18:04.342 --> 00:18:08.062
über dem tiefen Abgrund hin- und herschaukeln.

00:18:08.322 --> 00:18:10.562
Erst recht, wenn der Wind bläst.

00:18:11.142 --> 00:18:14.742
Puh, ich glaube, ich brauche jetzt mal wieder festen Boten unter den Füßen.

00:18:14.902 --> 00:18:18.522
Und ich will euch unbedingt noch ein ganz besonderes Tier vorstellen.

00:18:24.252 --> 00:18:30.132
Ihre Wolle ist weich und wärmend. Flauschiges Fell bedeckt ihren kompletten

00:18:30.132 --> 00:18:32.832
Körper von den Ohrenspitzen bis zur Fußsohle.

00:18:33.152 --> 00:18:36.832
Sie sehen fast so aus wie Lamas und irgendwie habe ich immer das Gefühl,

00:18:36.972 --> 00:18:37.892
dass sie mich anlächeln.

00:18:38.432 --> 00:18:39.932
Wisst ihr, welche Tiere ich meine?

00:18:40.552 --> 00:18:46.792
Genau, Alpakas. Auch wenn die Höcker fehlen, Alpakas zählen zur Gattung der Kamele.

00:18:47.332 --> 00:18:49.732
Genauer gesagt, der Neuweltkamele.

00:18:50.532 --> 00:18:54.632
Lange Zeit lebten Alpakas ausschließlich in Südamerika. Heute werden die Tiere

00:18:54.632 --> 00:18:57.632
auch in Nordamerika und Europa gehalten, wegen der tollen Wolle,

00:18:57.732 --> 00:18:58.872
die ihren Körper bedeckt.

00:18:59.552 --> 00:19:04.092
Alpakas messen übrigens von Schwanz bis Schnauze bis zu zwei Meter und bringen

00:19:04.092 --> 00:19:06.432
dabei gute 60 Kilogramm auf die Waage.

00:19:07.341 --> 00:19:10.041
Vielleicht habt ihr ja auch schon mal eins gestreichelt oder wart auf einem

00:19:10.041 --> 00:19:12.841
Spaziergang mit ihnen. Ich habe mal so einen Alpaka-Spaziergang gemacht und

00:19:12.841 --> 00:19:13.881
das war wirklich ganz toll.

00:19:14.201 --> 00:19:17.361
Aber die mögen es gar nicht so gerne gestreichelt zu werden.

00:19:17.581 --> 00:19:21.001
Das hat mir der Besitzer der Alpakas erzählt, denn die Alpakas,

00:19:21.061 --> 00:19:24.141
die pflegen auch nicht gegenseitig ihr Fell.

00:19:24.321 --> 00:19:27.721
Also die sind das gar nicht gewohnt, auch innerhalb der Herde sich so,

00:19:27.861 --> 00:19:31.481
ja wie soll ich sagen, zu liebkosen oder angefasst zu werden.

00:19:31.481 --> 00:19:36.761
Und deswegen sind die gar nicht so gut zum Streicheln. Also keine Kuscheltiere.

00:19:37.021 --> 00:19:40.481
Und Alpakas gibt es eben auch schon zu Zeiten der Inka.

00:19:40.861 --> 00:19:44.761
Ihre Wolle gilt für das Volk als extrem wertvoll, als Luxusgut,

00:19:44.921 --> 00:19:46.821
das man gegen andere Waren tauschen kann.

00:19:46.961 --> 00:19:49.621
Wie gegen Hölzer aus den Waldregionen der Azteken.

00:19:50.021 --> 00:19:51.681
Über die reden wir übrigens in der nächsten Folge.

00:19:52.421 --> 00:19:55.901
Deshalb haben die Inka schon vor Jahrtausenden begonnen, Alpakas zu halten.

00:19:56.081 --> 00:20:00.061
Mit dieser flauschigen Matte, die in langen Strähnen an den Körper der Alpakas

00:20:00.061 --> 00:20:03.281
hinabhängt, verabnern sich die Tiere gegen jedes Wetter.

00:20:03.661 --> 00:20:05.941
Und damit können sie natürlich auch die Inkas wärmen.

00:20:06.381 --> 00:20:11.081
Aus der weichen Wolle weben sie Mützen und Mäntel, die im ganzen Reich begehrt sind.

00:20:11.701 --> 00:20:16.441
Denn ein Mantel aus Alpakawolle gilt als Zeichen des Wohlstands.

00:20:17.541 --> 00:20:22.841
Hunderttausende Alpakas grasen deshalb im 16. Jahrhundert überall im Inka-Reich.

00:20:23.301 --> 00:20:26.701
Dann aber landen die Spanier an den Küsten.

00:20:27.921 --> 00:20:32.001
Mitgebracht haben sie nicht nur Waffen, mit denen sie die Einwohner Südamerikas bekämpfen.

00:20:32.241 --> 00:20:36.421
In den Bäuchen der Schiffe, die den Eroberern bald folgen werden,

00:20:36.841 --> 00:20:39.161
blöken auch hunderte Schafe.

00:20:39.461 --> 00:20:43.721
Die Europäer haben nämlich kein Interesse daran, sich an die einheimischen Wollproduzenten

00:20:43.721 --> 00:20:45.541
zu gewöhnen und sie zu züchten.

00:20:46.041 --> 00:20:50.141
Die Zahl der Alpakas geht daraufhin extrem zurück.

00:20:51.354 --> 00:20:55.254
Als das Inke-Reich Mitte des 16. Jahrhunderts schließlich untergeht,

00:20:55.654 --> 00:20:58.274
sind auch die Alpakas beinahe ausgestorben.

00:20:58.914 --> 00:21:02.394
Nur noch vereinzelt werden die Tiere von Familien im Hochland gehalten.

00:21:02.934 --> 00:21:05.654
Die Einheimischen schätzen die Alpakas nämlich wie eh und je,

00:21:05.854 --> 00:21:07.554
weil sie so robust und zäh sind.

00:21:08.014 --> 00:21:11.714
Alpakas halten es auch im Winter draußen aus, geben sich dort mit trockenem

00:21:11.714 --> 00:21:17.794
Gras und Mosen zufrieden und sie spucken auch weniger als ihre nahen Verwandten, die Lamas.

00:21:18.594 --> 00:21:22.574
Erst Anfang des 19. Jahrhunderts erinnern sich mehr und mehr Peruaner an die

00:21:22.574 --> 00:21:27.114
vielen Vorteile der Alpakas und entdecken vor allem deren tolle Wolle wieder.

00:21:27.534 --> 00:21:33.894
Denn sie erkennen, gegenüber der Schafswolle sind Alpaka-Fasern viel weicher

00:21:33.894 --> 00:21:35.354
und widerstandsfähiger.

00:21:36.347 --> 00:21:41.787
Und sie wärmen besser, denn die Fasern sind innen teilweise hohl und dieser

00:21:41.787 --> 00:21:44.127
Hohlraum hält die kalte Luft vom Körper fern.

00:21:44.927 --> 00:21:48.047
Etwa drei Millionen Alpakas gibt es heute wieder weltweit.

00:21:48.287 --> 00:21:54.507
Die allermeisten grasen nach wie vor in Peru, in Andendörfchen wie dem in der Region Puno.

00:21:54.987 --> 00:21:59.067
Dort leben die Menschen wie in alten Zeiten mit und von den Tieren.

00:21:59.507 --> 00:22:03.147
Die Frauen in ihren bunten Röcken müssen sich nur der Wiese hinter ihrem Dorf

00:22:03.147 --> 00:22:08.127
nähern. schon spitzen die Alpakas ihre Ohren, blicken neugierig unter ihrer

00:22:08.127 --> 00:22:10.807
Strubbelmähne hervor und kommen herbeigetippelt.

00:22:10.987 --> 00:22:16.567
Kommen so nah heran, dass zwischen Alpakaschnauzen und Menschennasen kaum mehr ein Blatt passt.

00:22:16.807 --> 00:22:20.587
Und dann beginnen sie zu brummen, tief und beruhigend.

00:22:20.827 --> 00:22:25.127
Als wollten sie ihren Besitzerinnen und Besitzern aus dem kleinen Dorf im Bundesstaat

00:22:25.127 --> 00:22:29.787
Puno im Süden Perus sagen, habt keine Angst, wir sind ja da.

00:22:30.747 --> 00:22:36.287
Tatsächlich könnten die Menschen hier oben ohne Alpakas kaum überleben.

00:22:37.367 --> 00:22:43.267
Hier oben in fast 4000 Meter Höhe, wo gleißendes Sonnenlicht die Ernte verbrennen

00:22:43.267 --> 00:22:46.247
kann und die Kälte nachts in die Hütten kriecht.

00:22:46.707 --> 00:22:50.447
Für die Andenbewohner sind die Tiere eine Lebensversicherung.

00:22:50.847 --> 00:22:55.687
Die Menschen ernähren sich von getrocknetem Alpakafleisch, feuern an eisigen

00:22:55.687 --> 00:23:01.827
Tagen deren Dung, das ist die Kacka von Alpakas, und sie verkaufen die wertvolle Wolle.

00:23:02.607 --> 00:23:08.347
Alpakas sind unser Gold, sagen die Peruanerinnen und Peruaner darum und das

00:23:08.347 --> 00:23:09.947
bereits seit Jahrtausenden.

00:23:11.096 --> 00:23:16.096
Die Wolle ist das wichtigste Produkt. Doch daran zu kommen, ist ein wahrer Kraftakt.

00:23:16.436 --> 00:23:20.476
Bei der Schule nämlich zeigen die sonst so sanften Tiere auch mal ihre biestige

00:23:20.476 --> 00:23:22.736
Seite. Vor allem im November.

00:23:23.076 --> 00:23:28.296
Wenn der Frühling auf der Südhalbkugel beginnt und es Zeit ist, die Alpakas zu scheren.

00:23:28.656 --> 00:23:32.036
Die Frauen, traditionell für die Wollproduktion verantwortlich,

00:23:32.176 --> 00:23:33.676
kommen nicht allein zur Wiese.

00:23:33.936 --> 00:23:38.556
Heute sind alle Hände der Familie gefragt, um die Tiere zusammenzutreiben und zu bändigen.

00:23:39.903 --> 00:23:43.783
Sobald sie sich bedrängt fühlen, wehren sich die Alpakas, beißen und treten.

00:23:44.163 --> 00:23:47.543
Um dies zu vermeiden, drücken die Männer die Tiere auf den Boden,

00:23:47.843 --> 00:23:51.263
während die Frauen mit großen Scheren die Alpakas entkleiden.

00:23:51.903 --> 00:23:54.743
Andernorts werden die Tiere längst mit Elektrorasierern geschoren.

00:23:54.963 --> 00:23:59.123
Doch in vielen der kleinen Andendörfer gibt es keinen elektrischen Strom.

00:23:59.583 --> 00:24:01.323
Also ist das alles noch handgemacht.

00:24:01.863 --> 00:24:05.203
In großen Knäulen fällt das Fell dann auf den Boden.

00:24:05.443 --> 00:24:11.263
Bis zu vier Kilogramm pro Tier. Genug, um daraus später drei Kinderpullover zu stricken.

00:24:11.563 --> 00:24:16.543
Das Fell wird anschließend gesäubert, zur Wolle versponnen und nach altem Brauch

00:24:16.543 --> 00:24:19.123
mit verschiedenen Blättern und Blüten gefärbt.

00:24:19.883 --> 00:24:23.983
Zwar gibt es Alpaka-Wolle von Natur aus in 22 verschiedenen Farbtönen,

00:24:24.123 --> 00:24:27.903
von hellem Weiß über Grau- und Brauntönen bis hin zu tiefem Schwarz.

00:24:28.083 --> 00:24:31.883
Doch die Nachfahren der Inka wollen noch kräftigere Farben in ihren Alltag bringen

00:24:31.883 --> 00:24:35.563
und tönen die Fasern darum auch in Rot, Blau oder Gelb.

00:24:36.123 --> 00:24:39.823
Nach der Schur haben die Alpakas nun erstmal genug von den Menschen.

00:24:40.143 --> 00:24:43.043
Kaum freigelassen laufen die Tiere auf ihren entharten Beinen,

00:24:43.163 --> 00:24:45.603
die jetzt so ein bisschen aussehen wie Stelzen, davon.

00:24:46.103 --> 00:24:48.703
Aus dem Dorf hinaus auf die Wiesen.

00:24:49.843 --> 00:24:53.703
Die Dorfbewohner, die können ihre Tiere aber auch von Weitem noch sehen.

00:24:54.623 --> 00:24:58.503
Gerade in den frühen Abendstunden. Denn wenn der Tag sich neigt,

00:24:58.703 --> 00:25:01.243
lässt das milde Sonnenlicht das Fell schimmern.

00:25:02.083 --> 00:25:06.803
Bis heute hält sich daher die Sage, dass die spanischen Eroberer beim Anblick

00:25:06.803 --> 00:25:12.923
der Alpakas glaubten, jedes Tier sei über und über mit Gold beladen.

00:25:13.163 --> 00:25:19.403
Und ein bisschen stimmt das ja auch, denn die Alpakas sind in Peru bis heute Gold wert.

00:25:21.845 --> 00:25:27.745
Beeindruckend, was sich das Volk der Inka mitten in den Anden in Südamerika aufgebaut hat.

00:25:28.285 --> 00:25:34.105
Goldene Tempel, endlose geheimnisvolle Pfaden und Brücken über schwindelerregend tiefe Schluchten.

00:25:34.465 --> 00:25:40.585
Die Inka sind eine hochentwickelte Gesellschaft, vergleichbar mit Hochkulturen im alten Ägypten.

00:25:40.805 --> 00:25:44.125
Wenn wir den Handel, die Schrift, die Baukunst und die Religion ansehen.

00:25:45.125 --> 00:25:50.205
Doch auch diese Hochkultur wird untergehen. Und das schon nach wenigen hundert Jahren.

00:25:50.905 --> 00:25:54.465
Durch Thronfolgekriege, weil sich die Inka darum streiten, wer als nächstes

00:25:54.465 --> 00:25:59.505
der König sein darf, wird das Reich nach 1525 immer mehr geschwächt.

00:26:00.045 --> 00:26:03.765
Als dann die spanischen Eroberer kommen, haben sie leichtes Spiel.

00:26:03.925 --> 00:26:06.945
Und das, obwohl sie zahlenmäßig ganz schön unterlegen sind.

00:26:07.705 --> 00:26:13.805
Sie unterwerfen große Teile des Inka-Reiches und wollen den Bewohnern auch ihre Religion aufzwingen.

00:26:14.525 --> 00:26:19.345
In ihrem Goldrausch nehmen die Spanier ihnen nicht nur ihr Eigentum weg,

00:26:19.545 --> 00:26:22.125
sondern zwingen sie auch zur Sklavenarbeit,

00:26:22.385 --> 00:26:25.605
um so an weitere Gold- und Silberschätze der Inka zu kommen.

00:26:26.085 --> 00:26:27.885
Durch die harte Arbeit und die

00:26:27.885 --> 00:26:31.605
eingeschleppten Krankheiten der Spanier verlieren viele Inka ihr Leben.

00:26:33.725 --> 00:26:40.145
1572 besetzen die Spanier die Inka-Festung von Inka-König Tupac Amaru und richten

00:26:40.145 --> 00:26:42.045
ihn den letzten Inka-König.

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Das ist das Ende des Inka-Reichs.

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Und wir sind jetzt auch am Ende dieser Folge. Zurück in die Gegenwart.

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Ich hoffe, ihr fandet die Zeitreise genauso spannend wie ich.

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Es fehlt nur noch der Witz der Woche.

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Hallo, ich bin Julia aus Hamburg und ich wollte euch einen Witz erzählen.

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Was sucht ein Zwerg im Netz? Er will sich mit dem Netzwerk verbinden.

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Wenn ihr auch einen richtig guten Witz habt, dann schickt ihn uns per WhatsApp.

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Die Nummer findet ihr wie immer in der Folgenbeschreibung.

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Mein Name ist Ivy Hasel.

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Das Skript hat diese Woche Luisa Philipp geschrieben. Und das Sounddesign und

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die Audio-Produktion, die kommt von Lia Wittfeld.

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Ich freue mich, wenn ihr beim nächsten Mal wieder dabei seid. Tschüss!

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