Liebe Hörerinnen und Hörer, hört ihr dieses Geräusch? Dann folgt Werbung. Ihr kennt ja den Deal. Ihr könnt den Podcast kostenlos hören, dafür gibt's ab und zu Werbung. Und jetzt, los geht's! Giolino Spezial, der Wissens-Podcast für junge Entdeckerinnen und Entdecker. Hallo ihr Lieben, schön, dass ihr auch bei dieser Folge wieder dabei seid. Heute reisen wir noch einmal zurück zu den mittel- und südamerikanischen Hochkulturen, bevor die Europäer sie entdeckt und unterworfen haben. Seid ihr bereit? Dann geht's jetzt los in eine Welt voller gigantischer Tempel, geheimnisvoller Götter und vieler rätselhafter Ereignisse. Wir reisen über 800 Jahre zurück in das Gebiet, in dem heute Mexiko liegt. Dort gibt es ein Tal, das von riesigen, schneebedeckten Bergen umgeben ist. Und mittendrin liegt ein großer Salzsee, der Teschkoko-See. Und auf einer Insel in diesem See, da befindet sich eine der beeindruckendsten Städte der damaligen Welt. Tenochtitlan, die Hauptstadt der Azteken. Ab 1215 wandern die Azteken in dieses Hochtal ein. Wahrscheinlich kommen sie aus dem Norden des heutigen Mexikos oder dem Süden der USA. Und schnell steigt das Volk zu einer absoluten Supermacht Amerikas auf. Denn die Azteken gelten als schreckenserregende Krieger. Auf dem Höhepunkt ihrer Macht haben sie 450 Städte unterworfen. Fast drei Millionen Menschen leben auf dem Aztekengebiet. Fast so viel wie alle Einwohner von Berlin. 1325, also 110 Jahre nachdem sie in das Hochteil von Mexiko eingewandert sind, gründen sie ihre Hauptstadt Tenochtitlan. Ihr müsst euch das einmal vorstellen. Das ist eine Inselstadt mitten in einem großen See mit Tempelanlagen, Häusern und blühenden Gärten, Palmen und ganz, ganz vielen Menschen. Über Brücken und Dämme kann man in die Stadt kommen. Und überall gibt es Kanäle, auf denen Boote unterwegs sind, fast so ein bisschen wie Venedig heute. In der Hauptstadt der Azteken ist also einiges los. Händlerinnen bieten Jaguar-Fälle an. Jade, das ist so ein grünlicher, schöner Stein. Und auch Sklavinnen. Geschichtenerzähler, Schreiberinnen, Sänger bieten ihre Dienste an. Es wird um Salz, Mais, Kakao, Chili und Hunde gefeilscht. Dicht gedrängt ist es laut und heiß auf dem Markt, der circa fünf Kilometer entfernt ist vom großen Tempel. Ungefähr 60.000 Menschen sind hier Ende des 15. Jahrhunderts unterwegs, um zu handeln. Bezahlt wird mit Kakaobohnen. Die sind richtig wertvoll. Also Luxusgüter, wie heute bei uns teurer Champagner. Jede Hochkultur. Also auch die Azteken. Ihre großen Städte, die extrem wichtig für ihre kulturelle Entwicklung sind. Denn diese Metropolen sind so etwas wie die Versuchslabore der jeweiligen Kultur. Hier leben, wie im übrigen Reich, Handwerker, Kaufleute, WissenschaftlerInnen, nur eben auf sehr viel kleineren Raum. Das sind dann die Wege kürzer, Absprachen einfacher und Lösungen leichter und schneller zu finden. Kein Wunder, dass viele große Erfindungen in den Städten gemacht werden. In Tenochtitlan werden zum Beispiel die riesigen Tempel so gebaut, dass sie sich nach den Sternen richten. Und apropos Tempel, Götter spielen bei den Azteken eine ganz wichtige Rolle. Die fünf Schutzheiligen der Azteken sind ganz schön schillernde, bunte und beeindruckende Gestalten. Und die stelle ich euch jetzt einmal vor. Da wäre zum Beispiel Ketzalcoatl. Ja, an die besonderen Namen könnt ihr euch schon mal gewöhnen. Und gute Geolino-Hörerinnen und Hörer, die haben den Namen schon mal gehört und zwar in unserer Dinosaurier-Folge. Das, was hier so komisch klingt, ist Nahuatl, die Sprache der Azteken. Also Ketzalcoatl, die gefiederte Schlange, ist der Schöpfergott. Er ist zuständig für Erfindungen und Wissen und gleichzeitig auch Gott der Kaufleute. Heute würden wir ihn vermutlich einen Allround-Talente-Gott nennen, weil er immer wieder sein Aussehen und seine Aufgaben ändert. Erkennen könnt ihr ihn aber gut an der Klapperschlange in seiner Hand, die mit den Federn des Ketzalvogels geschmückt ist. Das ist ein wunderschöner Vogel mit leuchtend grünem und scharlachrotem Gefieder und ganz langen Schwanzfedern. Achtung, der nächste Gott ist nicht für Zartbeseitete, denn der Sage nach hat Schipe Totec sich einst selbst die Haut abgezogen, damit die Pflanzen wachsen. Deshalb bedeutet sein Name auch so viel wie Der Enthäutete. Er symbolisiert den Kreislauf von Leben, Tod und Wiedergeburt. Und um den Fruchtbarkeitsgott zu besänftigen, wiederholen die Azteken dieses Ritual an ihren Kriegsgefangenen. Ganz schön brutal. Dann gibt es da noch die Herren der Seen und Flüsse. Eine Wassergottheit. Am blauen Kleid, das aussieht wie fließendes Gewässer und am Ende mit schönen Muscheln verziert ist, könnt ihr sie gut erkennen. Ihr Name? Chalchiutlique. Die mit dem Jaderock. Die meisten Azteken leben vom Anbau von Mais. Und diese Äcker brauchen natürlich immer genug Wasser, das dorthin fließt. Dafür ist die Herrin der Seen und Flüsse verantwortlich. Bei den Göttern gilt, wie bei uns auch, gleich und gleich gesellt sich gern. Deshalb ist Schallschüt Lique verheiratet mit dem Regengott Tlaloc. Er kann die Äcker der Azteken mit Regen beschenken oder sie mit Dürre bestrafen. Auch für andere Wetterphänomene wie Hagel, Donner, Blitze oder Stürme ist er verantwortlich. Tlaloc erkennt er an seinen Fangzehen und den Augen, die von einer Art Brille umrahmt sind. Die Azteken haben ihm zu Ehren in der Hauptstadt Tenochtitlan einen Pyramidentempel errichtet. Auch dem Gott Huitzilopochtli ist ein Pyramidentempel in der Hauptstadt gewidmet. Sein Name bedeutet Kolibri des Südens. Und den Gott müsst ihr euch merken. Er ist einer der bedeutendsten Schutzheiligen der Azteken. Er ist der Gott des Krieges und der Sonne. Und er gilt auch als der Begründer der Hauptstadt Tenochtitlan. Sein außergewöhnliches Outfit, das Gesicht geschwärzt, Kolibri-Federn auf dem Kopf, in den Händen eine Schlange und ein Spiegel. Jetzt kennt ihr die fünf Schutzheiligen der Azteken. Um diesem Milde zu stimmen, feiern die Azteken viele Feste zu deren Ehren und bringen ihnen immer wieder Opfergaben. Muscheln, Korallen, Tiere, wie etwa Wachteln oder auch Goldschmuck. Aber damit nicht genug. Bei den Azteken gibt es auch Menschenopfer. Sie schneiden einigen Kriegsgefangenen die Herzen aus der Brust, während diese noch leben. Denn nur mit diesen grausigen Gaben, so glauben es die Azteken, kann die Welt weiter bestehen. Die Azteken, so berichten es die spanischen Eroberer, seien das blutrünstigste Volk der Welt. Unglaublich viele Menschen sollen sie geopfert haben. Und jahrhundertelang zweifelt auch kaum jemand an diesen Berichten. Aber ein Wissenschaftler, der Berliner Eduard Seeler, der will nicht an die grausamen Erzählungen über die Azteken glauben. Und macht sich 1887 auf den Weg nach Mittel- und Südamerika, um selbst herauszufinden, was stimmt und was nicht. Und auf dieses Abenteuer nehme ich euch jetzt mit. Also ab nach Berlin, Ende des 19. Jahrhunderts. Amen. Wir schauten hinüber zur großen Pyramide und sahen, wie die Azteken unsere Kameraden mit Gewalt die Stufen hinaufschleppten und sich anschickten, sie zu opfern. Nachdem sie getanzt hatten, legten die Azteken die Gefangenen rücklings über recht schmale, zur Opferung hergerichtete Steine. Und mit Feuersteinmessern schnitten sie ihnen die Brust auf, rissen das Herz noch zuckend heraus und boten es den Götzen dar. Eduard Seeler schüttelt den Kopf. Er kann, er will nicht glauben, dass diese grausame Geschichte stimmt, die ein spanischer Soldat niedergeschrieben hat. 1520 hatten die Azteken in ihrer Hauptstadt Tenochtitlan einen Aufstand angezettelt. Einige Spanier gefangen genommen und angeblich geopfert. In ganz Europa geht seither die Geschichte um, dass Menschenopfer das Kennzeichen dieses Volkes seien. Hunderttausende hätten die Azteken getötet, heißt es in Berichten der Spanier. Und niemand zweifelt daran. Bis auf Eduard Seeler, der Altertumsforscher aus Berlin. Eduard Seeler wird im Dezember 1849 geboren. Hager und krank ist er sein Leben lang. Aber auch ehrgeizig und verbissen. Anfang der 1870er Jahre studiert er in Berlin Pflanzen- und Bodenkunde und wird Lehrer. Doch schon 1879 muss er den Schuldienst wegen eines Magenleidens beenden. Die Krankheit ist aber auch ein Glücksfall für ihn. Bei einem seiner ständigen Arztbesuche lernt er nämlich die Tochter des Doktors kennen. Cecilie. Sie wird erst seine Assistentin, dann Gefährtin und 1885 auch seine Frau. Und frei von allen Schulpflichten kann er sich nun ganz und gar seiner Leidenschaft widmen, den alten amerikanischen Kulturen. Vor allem die Azteken faszinieren ihn. Dieses eins so mächtige Volk in Mittelamerika, von dem nichts als Ruinen und viele Rätsel geblieben sind. Waren sie wirklich so blutrünstig? Sela liest jetzt alles, was es in Berlin und Umgebung über die Azteken zu lesen gibt. Es ist nicht viel. Eine Handvoll Augenzeugenberichte, wie der des spanischen Soldaten oder die ehrliche Chronik eines Missionars, der die vermeintlich wahre Geschichte des Volkes in Mittelamerika beschreibt. Aufzeichnungen der Azteken selbst kann er aber kaum finden. Nachdem die Spanier die Azteken 1521 endgültig unterworfen hatten, verbrannten die Eroberer um Hernando Cortés die meisten Schriften. Von da an wurde die Geschichte der Azteken nur noch aus Sicht der Spanier geschrieben, also aus der Sicht der Sieger. Eduard Seeler traut diesen Überlieferungen nicht. Wäre das Volk der Azteken nicht viel früher untergegangen, hätte es jährlich Hunderttausende von Menschen geopfert? Die Wahrheit, das ahnt er, ist alleine in den sogenannten Kodizes überliefert. In diesen Faltbüchern notierten die Azteken ihr Alltagsleben. Und zwar in rätselhaften Bildergeschichten. Wirtschaft und Verwaltung, nichts davon ist möglich, ohne Schrift. Fast jede frühe Hochkultur, sei es in Mesopotamien, Ägypten oder in Mittelamerika, besitzt darum ein ausgeklügeltes System an Bildern, Talen und Zeichen. Warum? Weil das Leben unübersichtlich geworden ist. Man handelt plötzlich nicht mehr mit einer, sondern mit vielen Bahnen von überall her. Wie soll sich ein einzelner Händler das alles merken ohne Notizen? Und dann gibt es auch damals schon Gesetze, die für jeden gleich gelten. Wenn man die nur mündlich weitergibt, dann würden sich die Gesetze ja ständig ändern. Wie beim stille Post spielen. Also muss man die Gesetze festhalten. Und zwar schriftlich. Also wenn wir heute denken, dass nur Geschichten und Liebesbriefe aufgeschrieben wurden, um sie der Nachwelt zu übergeben, dann ist das eine ganz schön romantische Vorstellung. Denn eigentlich wird die Schrift erfunden, um wie eine Art Datenspeicher, eine Festplatte das Leben zu ordnen und festzuhalten. Zurück zu den Faltbüchern der Azteken. Davon soll es noch wenige Abschriften in Mexiko stattgeben, die den Sturm der Spanier überlebt haben. Sela muss dorthin, am besten sofort. Mit seiner Frau bricht er im Spätsommer 1887 auf. Fast 12.000 Kilometer sind es von Berlin bis zum Ziel. Zweieinhalb Monate verbringen sie in Schiffen, die im Sturm hin- und herwackeln und in überfüllten, stickigen Eisenbahnen. Angekommen in Mexiko-Stadt marschiert Cecilie sofort mit ihrer Kamera durch die Straßen, macht Schnappschüsse von Menschen mit riesigen Hüten, fotografiert die bröckelnden Ruinen der alten Tempel. Eduard dagegen zieht sich in die Nationalbibliothek im Zentrum der Stadt zurück und beginnt, die Abschriften der 14 erhaltenen Kodizes zu studieren. Aus Kodizes wie diesem liest Eduard Seeler auch heraus, welche Pflichten die Kinder von klein auf im Alltag zu erledigen hatten. Die Töchter mussten das Haus fegen, Mais malen, weben. Die Söhne holten das Reißigholz heran und fischten. Und wenn sie das nicht machen wollten, drohte man, sie in den beißenden Rauch brennender Chilichoten zu halten. Das muss brennen. Oder auf den kühlen Boden zu legen. In den Schriften tauchen auch immer wieder furchterregende Krieger auf, die sich mit scharfen Messern bewaffnet in die Schlacht oder zur nächsten Menschenopferung aufmachen. Die Schriften sind mit vielen verschiedenen Farben gestaltet. Und tatsächlich, Eduard Seeler findet immer wieder auch Szenen, wie Menschen getötet werden. Vor allem zum Neujahrsfest. Der Forscher erkennt in der Bilderflut das Kalendersystem, nachdem alle 52 Jahre ein neues aztekisches Jahrhundert beginnt. Dem zu Ehren überbauten die Azteken immer wieder ihre Tempel und stimmten die Götter offenbar mit Opfern milde. Auch mit Menschenopfern? Und dann gleich zigtausenden, wie die spanischen Chronisten das für das Neujahrsfest festgehalten haben? So große Opferrituale müssen ihre Spuren hinterlassen haben, glaubt der Forscher. Eduard und Cecilie reiten nach Xochicalco, um sich vor Ort ein eigenes Bild zu machen. Die Anlage, 100 Kilometer südwestlich von Mexiko-Stadt entfernt, ist eine der wenigen, die die Spanier nicht zerstört haben. Sela misst die Länge und die Höhe der Gebäude, kopiert die Inschriften auf den Steinmauern. Und wieder entdeckt er viele Tötungsszenen. Aber auch hier wieder keine Hinweise auf Massengräber. Sela sucht weiter von früh bis spät. Während er an den Tempeln die Zeichen der alten Zeit entschlüsselt, reist seine Frau Cecilie in der Region herum, um Land und Leute näher kennenzulernen. Durch Gespräche und häufiges Vergleichen begreifen die Seelers langsam, dass die Bildsprache gar nicht immer das meint, was zu sehen ist. Da gibt es etwa dieses Zeichen, Herz und Blut, das gar nichts Blutrünstiges bedeutet, sondern Kakao. Also das edle Getränk, das die Azteken schätzen wie ihr eigenes Blut. Da hat Eduard eine Idee. Könnte es nicht sein, dass die Azteken Tötungssymbole auch dann verwendet haben, wenn wertvolle Pflanzen wie Mais geerntet oder Tiere als Opfergabe dargebracht wurden? Für ihn wird immer klarer. Die spanischen Eroberer haben die Bilder viel zu wörtlich genommen und später, als die Originale vernichtet waren, in ihren eigenen Berichten maßlos übertrieben. Zigtausende Menschenopfer kamen ihnen sehr gelegen Nach einem Gesetz der Kirche nämlich waren Menschen, die andere Menschen essen oder opfern keine Menschen und durften darum versklavt werden Denn genau das haben die Spanier ja mit den Völkern in Mittel- und Südamerika gemacht. Im Sommer 1888, nach acht Monaten auf Reisen, kehrt Eduard Sela nach Berlin zurück. Bis zu seinem Tod am 23. November 1922 wird er nicht müde, seine neuen Erkenntnisse zu verbreiten. Ja, es wird einzelne Menschenopfer gegeben haben, wie es in allen alten Kulturen üblich war. Aber hunderttausende Opfer scheinen unmöglich. Das sagt er immer wieder. Und lange haben fast alle Forscherinnen und Forscher Seelers Ideen und Folgerungen bestätigt. Und wie das eben so ist, wenn man die Vergangenheit erforscht, gibt es immer wieder neue Entdeckungen, die uns ein Stückchen mehr verraten. Bei Ausgrabungen in Mexiko-Stadt zum Beispiel entdecken Archäologen 2015 etwas ziemlich Gruseliges. Einen Turm aus menschlichen Schädeln. In den Jahren danach werden noch mehr Schädel gefunden, auch von Frauen und Kindern. Die Forscher glauben, dass diese Schädel von Gefangenen sein könnten, die den Göttern geopfert wurden, wahrscheinlich dem Gott des Krieges. Ihr erinnert euch, der mit dem geschwärzten Gesicht und den Kolibri-Federn. Der Schädelturm war aber wohl auch eine Art Warnung für alle Gegner der Azteken. Greift uns lieber nicht an, sonst wisst ihr, was passiert. Ihr seht, es ist also wichtig, dass es Forscherinnen und Forscher wie Cecilie und Eduard gibt, die für uns herausfinden, wie Kulturen damals gelebt haben und wie viel Arbeit dahinter steckt, so etwas herauszufinden. Und trotzdem geben uns die Azteken bis heute immer noch viele Rätsel auf. Auch ihr Untergang ist ziemlich rätselhaft. Im November 1519 erobert der Spanier Hernando Cortés Tenochtitlan die Hauptstadt der Azteken und bald das ganze Reich. Der Aztekenherrscher Montezuma leistet keinen Widerstand. Aber warum? Das ist bis heute ein Rätsel. Schauen wir uns mal die letzten Jahre des Aztekenreichs genauer an. Es ist der 8. November 1519, als ein kleines Heer spanischer Soldaten in Tenochtitlan einzieht, in die prächtige Hauptstadt des Aztekenreichs. Die Fremden sehen furchterregend aus. Sie tragen verfilzte Bärte, schwingen Schwerter und lassen ihre Gewehre knallen. Ihre Pferde tänzeln und schnauben. Keiner der Azteken hat jemals Pferde gesehen oder den lauten Schuss einer Waffe gehört. Montezuma, der König der Azteken, hat schon von den Fremden gehört. Er hat sich in einer Sänfte vor die Tore der Stadt tragen lassen. Der Wind verwirbelt die bunten Federn auf seinem Kopf. Seine Füße stecken in goldenen Sandalen. Montezuma ist ein edler Mann und ein Mächtiger. Seine zigtausend Krieger könnten die Einbringlinge sofort gefangen nehmen. Doch der König ist gelähmt vor Angst. Er ahnt, dass das vielleicht der Anfang vom Ende ist, vom Ende seiner Herrschaft und auch vom Ende seines ganzen Aztekenreichs. Also geht er auf Hernando Cortés, den spanischen Anführer, zu. Der behauptet später, dass Montezuma ihn mit diesen Worten begrüßt hat. »Ihr dürft im ganzen Land nach eurem Willen befehlen. Man wird euch gehorsam sein und euch anerkennen.« Seltsam. Was ist nur mit dem Aztekenkönig los? Vor der Landung der Spanier hatte Montezuma sein Reich 17 Jahre mit starker Hand regiert und seinem Namen alle Ehre gemacht. Denn aus der Nehuatl-Sprache übersetzt bedeutet Montezuma, Er schaut wie ein finsterer Fürst. Aber der König soll schon damals ungewöhnlich abergläubisch gewesen sein. Ständig plagt ihn diese Angst, sein Volk könnte untergehen. Es hatte ja auch genügend Unglückszeichen gegeben. Da waren diese Feuerzungen, die immer wieder nachts am Himmel erschienen. Heute wissen wir, das waren Kometen. Ein Tempel war von einem unheimlichen Blitz getroffen worden. Vor allem aber, sagte der aztekische Kalender, die Rückkehr des Gottes Quetzalcoatl voraus. Von Osten her solle dieser Gott samt einem hellhäutigen Gefolge kommen und bald darauf das Aztekenreich vernichten. Jetzt, im November, sieht Montezuma seine schlimmsten Befürchtungen wahr werden. Denn die Fremden landen tatsächlich an der Küste, also von Osten kommend, wie es in der Prophezeiung heißt. Die Männer sind weiß und tragen Bärte und schwarze Gewänder, so wie auch Quetzalcoatl manchmal dargestellt wird. Montezuma bricht in Panik aus. Wir alle werden durch die Hände dieser neuen Götter sterben, ruft er. Seine Berater versuchen ihn zu beruhigen und dazu zu bringen, irgendwas zu tun. Aber Montezuma zweifelt, zögert, zaudert. Er lässt dem fremden Anführer die kostbarsten Geschenke überbringen, damit der bloß wieder abzieht. Das ist zumindest seine Hoffnung. Aber der Spanier Hernando Cortes lässt sich nicht mit goldenen Gaben gütig stimmen. Er ist ja auch kein Gott, sondern ein habgieriger Eroberer. Also bewirken die Goldgeschenke genau das Gegenteil. Gierig stürzen sich die Spanier auf das ganze Gold, das für die Azteken so wertvoll wie die Sonne selbst ist. Und jetzt, wo die Spanier das ganze Gold gesehen haben, wollen sie die Azteken erst recht unterwerfen. 14. November 1519 Sechs Tage sind seit dem Einmarsch in Tenochtitlan vergangen. Montezuma hat Hernando Cortés mittlerweile einen königlichen Palast überlassen und behandelt ihn, den Feind, wie einen geschätzten Gast. Dem Spanier genügt das aber nicht. Wie leicht könnten sich die Azteken gegen seinen kleinen Trupp wenden, ihn töten und ihren Göttern opfern? Also will Cortés mehr Absicherung für seinen Sieg. Er will Montezuma als Geisel. Was für ein Vorhaben. Die Azteken verehren ihre Könige beinahe wie Götter. Sie wagen es nicht einmal, ihnen ins Gesicht zu schauen. Und nun will Cortés den Herrscher Montezuma im Haus der Spanier festsetzen. Der Aztekenkönig wehrt sich erst und gibt dann doch wieder nach. Seinen Wächtern gegenüber behauptet er, freiwillig bei den Spaniern zu wohnen. Zum Schein regiert Montezuma die Azteken zunächst weiter, aber er ist nur noch eine Marionette in den Händen von Cortes. Der König tut, was den Spaniern gefällt. Das macht seine schreckliche Lage vielleicht ein bisschen erträglicher, denn sein eigenes Volk, das spürt er nun deutlich, beginnt sich gegen ihn zu stellen. Es verachtet ihn für seine Schwäche. Und am 16. Mai 1520 die Katastrophe. Die Spanier fürchten, dass die erzürnten Azteken einen Aufstand haben. Also greifen sie selbst an. Während des Toschkatelfestes metzeln sie die feiernden Azteken nieder. Erst da, endlich, beginnen die Azteken, sich gegen die Einbringlinge zu wehren. Cortés befiehlt Montezuma, dass er sein Volk beruhigen soll und schickt ihn auf das Dach des Palastes. Ob der einst so starke Herrscher überhaupt einen Ton herausgebracht hat, das wissen wir nicht. Dann plötzlich scheint es, als ob Steine, Pfeile, Speere und Stöcke vom Himmel regnen. Montezuma wird getroffen. Drei Tage später. Möglicherweise haben ihn sogar seine eigenen Landsleute ermordet. Und sie kämpfen nun mit aller Kraft gegen die Spanier und vertreiben sie aus Tenochtitlan. Aber dieser Sieg ist nur ein Aufschub des Untergangs. Schon ein Jahr später, 1521 nämlich, greift Cortés noch einmal an mit Wucht. Er kappt die Wasserleitungen und lässt die Versorgungsschiffe der Azteken kapern. Tausende von ihnen verhungern oder sterben an den Pocken. Sie haben ja kaum Widerstandskräfte gegen diese Krankheiten, die die Spanier eingeschleppt haben. Das schafft ihr Immunsystem nicht. Und während das Heer der Azteken immer weiter schrumpft, vermutlich sind 100.000 Azteken in den Kriegen gestorben, wächst das der Spanier. Denn ihnen schließen sich auch viele andere Stämme an, die nicht gut auf die Azteken zu sprechen waren. Mit dieser Streitmacht und mit ihren Waffen und Pferden sind die spanischen Eroberer am Ende einfach übermächtig. Warum Montezuma nichts gegen die Spanier tun konnte oder wollte, ist bis heute nicht geklärt. Nur so viel ist sicher. Der Aztekenkönig hat die ankommenden Spanier zu Recht gefürchtet. Und so endet auch das Mächtigereich der Azteken. Nur knapp 300 Jahre, nachdem sie im Hochteil von Mexiko angekommen und eine beeindruckende Hochkultur aufgebaut haben. Bevor ich mich verabschiede, kommt jetzt noch der Witz der Woche. Zwei Zahnstocher laufen im Wald. Kommt ein Igel vorbei, sagt der eine zum anderen. Und wenn ich gewusst hätte, dass hier ein Bus fährt, dann wäre ich gleich mitgefahren. Von Thea, acht Jahre. In den nächsten Folgen wird gefaucht und geschnurrt. In den nächsten Folgen geht es nämlich um Katzen. Ich freue mich, wenn ihr auch dann wieder einschaltet. Mein Name ist Ivy Hase. Ich sage ganz, ganz lieben Dank an Luisa Philipp für das Skript und Alexandra Zibisch für die Audioproduktion. Bis zum nächsten Mal. Tschüss!