Hey, hier ist Matthias, Journalist beim Stern und Host unserer Podcast-Serie Luchterhand. Das hier ist keine neue Luchterhand-Folge, sorry. Aber dafür habe ich einen Podcast-Tipp für euch. Kollegen vom Stern haben nämlich eine Serie produziert, die ich euch ans Herz legen möchte. Ich konnte die vergangenen Monate schon mal reinhören und ich muss sagen, was sie da erzählen, ist ganz schön packend und auch bedrückend. Der Podcast heißt Der Untergang der Sea-Story und er erzählt von einem Schiffsunglück auf dem Roten Meer in Ägypten. Ende November 2024 sinkt dort eine Yacht mit 45 Menschen an Bord. Viele davon Tauchtouristen. Elf von ihnen sterben. Vielleicht habt ihr davon sogar in den Nachrichten gelesen. Es waren nämlich auch einige Deutsche an Bord. Die ägyptischen Behörden haben das schnell als Unfall erklärt, eine Monsterwelle sei schuld gewesen. Aber stimmt das wirklich? War das Ganze wirklich nur ein tragisches Unglück? Meine Kollegen Tina Kaiser und Marc Neller sind dem nachgegangen. Sie haben Überlebende getroffen und die haben ihnen von dieser schrecklichen Nacht erzählt, als sie im Wrack eingeschlossen waren und Angst um ihr Leben hatten. Manche haben diese Momente sogar mit ihrem Handy gefilmt. Am Ende fahren Tina und Marc nach Ägypten und recherchieren undercover. Sie wollen nämlich wissen, warum war der Untergang der Sea-Story nicht das einzige Schiffsunglück auf dem Roten Meer? Warum passiert so etwas immer wieder? Hier könnt ihr gleich die erste Folge dieses Podcasts anhören. Und wenn ihr ab sofort alle sieben Teile durchhören wollt, dann findet ihr sie auf Sternplus oder RTLplus. Der Link ist in den Shownotes. Und jetzt geht's los mit Folge 1 von Der Untergang der Sea-Story. Es gibt da dieses Foto. Das geht mir seit anderthalb Jahren nicht aus dem Kopf, seit ich es das erste Mal gesehen habe. Auf den ersten Blick ist es eigentlich ganz lustig. Es zeigt einen Mann und eine Frau auf einer Yacht. Die sitzen mit Urlaubsklamotten in einem Wirrpool, buchstäblich auf dem Trockenen. Weil in diesem Wirrpool ist nämlich gar kein Wasser. Die beiden grinsen so doll, wie ich mir zwei Lottogewinner vorstelle. Das Schiff, das liegt im Hafen und im Hintergrund geht dann auch noch die Sonne im Meer unter. Die Hafenpromenade leuchtet golden. Es ist echt alles wie auf so einer Kitschpostkarte. Im Laufe dieser Recherche habe ich mir dieses Foto immer wieder angesehen. Es berührt mich, weil diese Leute so happy aussehen, aber auch, weil ich weiß, es ist ihr letztes gemeinsames Foto. Zwei Tage nach dieser Aufnahme ist einer von beiden tot. In der Nacht zum 25. November 2024 kentert im Roten Meer vor Ägypten ein Touristenschiff. Die Sea Story. Für elf Menschen wird das Schiff zum Grab. Sie ertrinken. Drei der Toten kommen aus Deutschland. Für die Menschen an Bord wird diese Nacht und die Tage danach zu einem Kampf ums Überleben. Ein Albtraum, der sie bis heute nicht loslässt. Und in Ägypten? Dort spricht man von einem tragischen Unglück. Einer unvermeidbaren Katastrophe. Aber stimmt das? In diesem Podcast wollen wir herausfinden, warum elf Menschen sterben mussten. Was ist wirklich passiert an Bord der Sea-Story in dieser Nacht auf dem Roten Meer? Zusammen mit meinem Kollegen Mark Neller mache ich mich auf eine monatelange Recherche. Wir werden selbst nach Ägypten fliegen und wir werden mit Zeugen und Überlebenden sprechen. Und mit Informanten, die anonym bleiben wollen. Viele werden aber auch gar nicht mit uns reden. Aus Angst. Aber vor wem? Wir werden merken, unsere Recherche passt nicht jedem und könnte nicht nur uns gefährden. Am Ende werden Marc und ich in Ägypten am Flughafen sitzen und hoffen, dass kein Zollbeamter zu genau in unser Gepäck guckt. Weil was da drin ist, ist super heikel für die ägyptische Regierung und könnte uns richtig in Schwierigkeiten bringen. Also es war eigentlich nach fünf Sekunden Überlebenskampf. Also für mich war dann schon klar, okay, wir haben jetzt nicht ein kleines Problem oder ein größeres Problem, sondern ein Riesenproblem. Das Wasser steigt und wir sterben hier drin. Das ist also aus meiner Sicht Vertuschung. If God wants to give me more money, he give me. If he wants to take, he will take. Wir brauchen unabhängige Zeugen. Keiner kommt da raus. Ihr hört Der Untergang der Sea Story. Ein Podcast von Stern und RTL. Mein Name ist Tina Kaiser. Und diese Geschichte habe ich zusammen mit meinem Kollegen Mark Neller recherchiert. Wir sind Investigativreporter beim Stern. Das ist Folge 1. Der Sturm. Für mich hat das alles am 25. November 2024 angefangen. Da sitze ich morgens zu Hause am Frühstückstisch. Es ist kurz vor halb neun, ich trinke gerade meinen ersten Kaffee, lese Nachrichten auf dem Handy und bekomme eine WhatsApp. Es ist eine weitergeleitete, dringende Unfallmeldung, die der ägyptische Tauchverband kurz zuvor abgesetzt hat. Da steht, dringend, wir brauchen die Hilfe von allen Booten 18 Seemeilen südlich von Massa Alam helft die Seastory zu lokalisieren. Sie hat ein Notrufsignal abgesetzt. Informationen zu ihrer Position bitte bei der folgenden Notrufnummer durchgeben. Ich kriege das als Screenshot und darunter den Kommentar Das ist alles ein fucking Nightmare. Diese WhatsApp, die hat mir jemand aus der Tauchszene geschickt. Ich kenne ihn schon lang aus anderen Recherchen. Und ihr werdet ihn auch noch kennenlernen. Von ihm erfahre ich so früh von der Schiffskatastrophe. In den deutschen Medien wird erst Stunden später berichtet. Um 11.35 Uhr an diesem Morgen schickt dann die dpa die erste Meldung zur Seastory über den Nachrichtenticker. Nach und nach berichten Medien in Deutschland und im Ausland über das Unglück. Mit immer mehr Details. Die Sea Story ist ein Tauch-Safari-Schiff, also so eine Art kleines Kreuzfahrtschiff für Hobbytaucher. Eine Woche lang werden die Taucher darauf von Korallenriff zu Korallenriff geschippert. Wie bei einer Safari an Land geht es da aber vor allem um seltene Tiere. Bunte Fische in schillernden Farben, Schildkröten und Haie. Gestern erst ist die Sea-Story aus dem Hafen ausgelaufen und mitten in der Nacht untergegangen. 45 Frauen und Männer waren an Bord, 15 von ihnen Besatzungsmitglieder, der Rest Touristen. Und die kommen aus fast allen Winkeln der Welt. Sechs Deutsche sind an Bord, aber zum Beispiel auch Touristen aus der Schweiz, Belgien, Norwegen, Amerika oder Asien. Insgesamt kommen die Passagiere aus zwölf verschiedenen Ländern. Auch deswegen berichten viele Medien auf der ganzen Welt tagelang über das Unglück. Allzu viele Infos gibt es nicht. In den ersten Tagen ist nicht mal klar, wer die Überlebenden sind, geschweige denn die Vermissten und wo sie überall herkommen. Das muss man sich mal vorstellen, was das für ein Horror ist. Irre viele Touristen sind gerade auf dem Roten Meer unterwegs. Und überall auf der Welt sitzen jetzt ihre Angehörigen und müssen sich fragen, waren meine Liebsten vielleicht auf dem Schiff, das da untergegangen ist? Namen haben die Behörden nicht veröffentlicht, aber immerhin ein paar Fotos von Überlebenden. Ich gucke mir also die Bilder an. Beim Stern nutzen wir eine Software, mit der kann man Gesichter auf Fotos mit Millionen von anderen Bildern im Internet vergleichen. Und bingo, wir haben einen Treffer. Das Foto aus den ägyptischen Nachrichten zeigt einen Mann, Mitte 30, mit langen Haaren und einem Vollbart. Er liegt mit einem Krankenhauskittel auf einer Bahre. Das Vergleichsbild, das wir im Internet finden, ist ein Profilbild auf Instagram. Eindeutig dieselbe Person. Er heißt Danilo Röska und ist 38. Auf dem Bild bei Insta hat er die Dreadlocks zum Zopf gebunden. Er arbeitet bei einem Fotomagazin in Hamburg und macht auch selbst ziemlich geile Fotos, die er postet. Ich sehe tanzende Menschen auf Festivals, Haie, Nahaufnahme, Reisfelder in Sri Lanka. Ich schreibe Danilo bei Insta an und er schickt mir seine Nummer. Telefonieren will er aber erstmal nicht. Deswegen schicke ich ihm das hier. Hallo Danilo. Ich dachte, ich schicke dir jetzt eine Sprachnachricht, dann hast du wenigstens mal meine Stimme gehört. Ich versuche ihm zu erklären, wer ich bin, was für eine Art von Journalismus ich mache und was ich überhaupt von ihm will. Also, dass ich keine schnelle Boulevard-Story vorhabe. Also in diesem Sinne, bis dann. Tschüss. Diese Nachricht, die ist für mich sowas wie der Startpunkt. Für eine Recherche, die am Ende mehr als ein Jahr dauern wird. Meine eigene Geschichte mit der Sea-Story. Dabei geht es um sehr viel mehr als um eine einzelne Katastrophe. Um Geldgier und Vertuschung. Um die Suche nach Schuldigen und nach denen, die profitieren. Und Danilos Geschichte, die beginnt nur eine Woche vor meiner Sprachnachricht, als er von Hamburg nach Ägypten fliegt. Das war am 20. Und dann war ich erstmal in Hurgada und war da dann erst noch zwei Tage tauchen. Danilo taucht seit rund acht Jahren. Und das überall auf der Welt. Ägypten, das fehlt ihm noch auf seiner Bucketlist. Ich war noch nie im Roten Meer tauchen und alle haben so gesagt, oh ja, das wirst du so toll finden. Rotes Meer ist einfach der beste Ort zum Tauchen und so. Deshalb war ich auch entsprechend hyped. Für Ägypten spricht aber noch was anderes. Der Preis. Die Art von Trip ist dort verhältnismäßig erschwinglich. Auf Englisch heißen diese Tauchkreuzfahrten Liverboard. Also, weil man während der Reise tatsächlich auf dem Boot lebt. Ich habe schon immer mit Liveboard geliebäugelt, aber ich bin jetzt noch nicht so in dem Status, dass ich das Geld so locker habe, dass ich da jetzt irgendwie jedes Jahr, auf so ein Liveboard gehen kann. Also halt mehrere Tage auf einem Boot sein und da dann tauchen. Das kostet ja schon ein paar tausend Euro. Und zusammen mit einem Freund haben wir uns mal dann zusammengesetzt und überlegt, okay, lass doch mal schauen, wo es bezahlbare Varianten gibt. In Massa Alam werden sie fündig. Danilo bucht die Reise mit einem befreundeten Pärchen. Er selbst ist Single. Deswegen muss er sich die Kabine mit einem Fremden teilen. Dafür kostet ihn die Woche auf dem Schiff nur rund tausend Euro, inklusive Essen, Schlafen und vier Tauchgängen am Tag. Wieso das so billig ist, darüber macht er sich erstmal keine Gedanken. In Hurghada trifft Danilo seine beiden Freunde. Das sind Susanne und Alex. Sie kommen aus München. Die drei haben sich vor ein paar Jahren auf einem Festival kennengelernt. Alex und Susanne sind selbstständig. Beide haben ihr Leben so organisiert, dass sie von überall arbeiten können. Wir haben halt dieselben Interessen geteilt, deshalb haben wir viel Gesprächsstoff gehabt und konnten uns halt Ewigkeiten über das unterhalten, was wir halt lieben. Also da gehört jetzt neben dem Tauchen und dem Reisen halt auch jetzt Musikfestivals dazu. Aber meistens haben wir schon über das Verreisen geredet, weil Alex und Susanne waren halt auch sehr, sehr viel unterwegs und haben viel von der Welt gesehen. Am Samstagmorgen fahren sie mit dem Taxi nach Port Galibe. Das ist so etwa drei Stunden südlich von Hogada. Dort liegt die Sea Story im Hafen. Eine Sache ist hier noch wichtig. Danilo, Alex und Susanne, die haben eigentlich gar nicht die Sea-Story gebucht, sondern ein anderes Schiff des Anbieters, das kleiner und billiger ist. Die Tillis. Aber dann haben sie eine E-Mail bekommen. Nicht die Tillis wird ihr Schiff, sondern die Sea-Story. Ein Upgrade also. Auf den Fotos im Internet sieht die Sea-Story tatsächlich richtig cool aus. Eine weiße Jacht mit vier Decks und 18 Kabinen mit eigenen Bädern. Es gibt außerdem mehrere Aufenthaltsräume und Sonnendecks und sogar einen Whirlpool ganz oben. Die drei kommen am Samstagmittag im Hafen von Port Calib an. Das Schiff ist noch nicht bereit zum Check-in. Aber wir haben halt die Sea-Story da schon gesehen und waren halt gleich schon ganz schön geflasht, wie groß das war. Ein paar Stunden später dürfen sie dann an Bord. Danilo zeigt mir ein Foto. Ihr kennt dieses Foto schon. Ich habe euch ganz am Anfang davon erzählt. Zwei Urlauber in ihren Klamotten im trockenen Whirlpool. Die beiden Urlauber auf dem Foto, das sind er, also Danilo und Susanne. Also ich sehe da zwei fröhliche, glückliche Menschen, die im Sonnenuntergang sitzen und irgendwie so aussehen wie so, yay, jetzt geht's los. Welche Erinnerung hast du an den Moment? Ja, wir konnten uns irgendwie nicht so glauben, wie groß und wie nobel das halt alles war. Also deshalb haben wir uns gleich gesagt, lass mal hier gleich in den Whirlpool setzen und ein Foto machen. Das glaubt uns doch keiner, wie groß dieses Schiff ist. Danilo schickt das Foto damals seinen Eltern. Klassischer Touri-Move irgendwie. Hätte ich aber vielleicht auch gemacht. Er ahnt damals natürlich noch nicht, dass es ihr letztes Foto ist. Es gibt einen persönlichen Grund, warum ich mich auf diese Recherche überhaupt eingelassen habe. Und das liegt nicht nur daran, dass ich Journalistin bin, weil normalerweise recherchiere ich ganz andere Dinge. Rechtsextremismus zum Beispiel oder auch über die Tesla-Fabrik in Brandenburg, Es gehört zu unserem Job, dass wir mit Menschen sprechen, die furchtbare Dinge erlebt haben Anschläge, Unfälle zum Beispiel, Das ist oft emotional schwierig, auch für uns Solche Gespräche lassen einen nicht kalt Auch nach vielen Jahren Erfahrung Aber dieser Fall, der geht mir ganz besonders nah Weil ich mir immer wieder eine Sache denke das hätte auch mir passieren können. Mit 13 habe ich meinen Tauchschein gemacht. Ich war in ziemlich vielen Orten auf der Welt tauchen, die für alles Mögliche bekannt sind, aber nicht unbedingt für ihre Sicherheit. Ich war in Unterwasserhöhlen in Mexiko, in Wracks in der Karibik und ich habe in Papua mit Mantas und Haien getaucht. Und ganz ehrlich, es gibt kaum was, das mich so glücklich macht wie dieser Moment. Dieser Augenblick, wenn ich irgendwo auf der Welt auf einem Bootsrand sitze, den Atemregler in den Mund nehme und mich hintenüber in die Wellen fallen lasse. wenn ich abtauche. Was ihr da hört, bin übrigens ich beim Tauchen. Dieses Gefühl, durch eine Welt zu schweben, in der wir eigentlich überhaupt nichts zu suchen haben. Leicht, frei, fast wie so eine Astronautin, nur eben unter Wasser. Und das ist so ruhig da unten, du hörst nur deinen Atem. Und ab und zu vielleicht ein Delfin quieken. Tja, und natürlich weiß ich auch, dass das ein gefährliches Hobby ist. Dass du dich in 40 Metern Tiefe auf Tauchflaschen verlässt, die du nicht selbst mit Gas gefüllt hast. Und dass du in Ländern unterwegs bist, in denen natürlich nichts TÜV geprüft ist. Weder die Tauchausrüstung noch die Schiffe und natürlich auch nicht die Busse oder Taxen, die einen zum Meer bringen. Aber irgendwie hat man ja meist so ein Grundvertrauen, gerade im Urlaub. Da will man natürlich nicht über die Normen nachdenken. Da geht es einem im Idealfall um ganz andere Dinge. Zum Beispiel? Hammerhaie sollte es da unten im Süden geben. Hammerhaie. Das zumindest ist der Grund, warum Lisa Wolf die Tour gebucht hat. Sie ist 34, hat gerade ihren Doktor in Pädagogik an der Uni Dortmund gemacht. Und ja, sie taucht gern mit Hammerhaien. Als ich Lisa zwei Wochen nach dem Unglück zum ersten Mal treffe, denke ich gleich, was für eine coole Frau. Bisschen Burschikos, bisschen alternativ, super selbstbewusst. Die reist ohne Schminke, dafür mit Rucksack und Gitarre. Die Reise hat sie mit einer Freundin aus England gebucht und dann ein, Zitat, kostenloses Upgrade von der kleinen Tillis auf die große Sea-Story bekommen. Dass sie damit nicht die einzigen sind, das bemerken sie erst an Bord. Also irgendwie war es halt seltsam, dass es fast alle Gäste betroffen hat. Also wenn man irgendwie zwei Leute umbuchen muss, okay, aber wenn dann das komplette Boot eigentlich ein anderes Boot gebucht hat, war so ein bisschen komisch. Es gibt aber noch was anderes, das ihr merkwürdig vorkommt. Die schweren Möbel auf den Oberdecks sind überhaupt nicht festgeschraubt. Was, wenn das Schiff mal schwankt? Also mir ist es aufgefallen und ich habe auch darüber nachgedacht, aber ich habe noch gedacht, naja, die werden schon wissen, was sie tun. Muss man vielleicht nicht. Im Gegensatz zu Danilo und seinen Freunden ist Lisa erst nicht so begeistert davon, auf die Sea-Story umgebucht zu werden. Sie denkt sich, Schnösel-Alarm. Leute, die so ein großes Luxusschiff mit Whirlpool buchen, das sind nicht unbedingt die, mit denen sie Urlaub machen will. Weil ich finde das eigentlich ganz schön, wenn man da wirklich so die Natur und das Tauchen im Vordergrund hat. Ich muss da gar nicht so Party haben. Ich mag das dann eigentlich eher ruhig. Ich kann mir vorstellen, wovon sie spricht. So eine Woche auf einem Boot ist natürlich auch immer eine Art Sozialexperiment. Du bist abgeschnitten von der Außenwelt auf engen Raum. Und wenn du das Schiff voller Stinkstiefel hast, dann war es das mit dem Urlaub. Aber nach dem Check-in auf der Sea-Story, da sind auch Lisa und ihre Freundin total begeistert von dem Schiff. Und die Leute sind auch echt okay. Lisa dreht ein Video, das sie auf Instagram hochlädt. Wir schauen uns das zusammen an. Und das war da, wo deine Kabine war, oder? Auf der anderen Seite wäre sie gewesen. Aber das ist das Deck, ja. Und bist du das, oder ist das Sarah? Und Sarah müsste gleich da... Stimmt. Oder nicht? Doch. Man sieht Lisa und ihre Freundin, wie sie barfuß über die hellen Schiffsplanken des Oberdecks laufen. Sie strahlen richtig. Und drumherum, da ist auch alles strahlend weiß. Die Wände, die Sofas, die Bezüge der schweren Holzliegen und natürlich der Wirrpool in der Mitte. Aber das wirkt ja schon so alles, als wenn ihr so denkt, so cool, hier Hauptgewinn. Ja, voll. Am Ende dieses Videos gibt es eine kurze Sequenz vom ersten Abend. Da sieht man Lisa mit Danilo auf dem Sonnendeck auf dem Sofa sitzen. Und Alex und Susanne sind auch dabei. Im Hintergrund laute Musik. Sie tanzen im Sitzen und lachen in die Kamera. Auch das schauen wir uns zusammen an. Oh Gott. Hast du gerade gesagt, oh Gott? Also ich habe noch öfter mal daran gedacht, wie wir da in dieser Sitzgruppe saßen und so den ersten Abend zusammen verbracht haben. Also kann mich noch sehr genau daran erinnern, da gesessen zu haben. Aber sehe ich dieses Videogefühl gerade zum ersten Mal. Ja, es sind ja leider auch nur so ein paar Sekunden. Ja, sieht auf jeden Fall aus wie gute Stimmung und eine gute Gruppe. Das war, ja, ja, da hatten wir schon direkt am ersten Abend. Gut Spaß. Es bilden sich erste Grüppchen, wie das halt so ist, wenn man mit 30 Unbekannten zusammengewürfelt wird. Manche spielen Karten, andere hören Musik. Sie trinken Bier und zeigen sich Fotos. Und natürlich wird super viel übers Tauchen gequatscht. Die Euphorie hält dann allerdings nur bis zum nächsten Tag an. Die Sea-Story liegt immer noch im Hafen. Eigentlich hätte es morgens früh schon losgehen sollen. Ja, die Stimmung war schon nicht so gut, weil sie uns einfach sehr lange haben warten lassen, auch ohne wirklich konkrete Ansage. Um neun waren dann halt die allermeisten wach und waren in freudiger Aufregung. Und je mehr Stunden dann verstrichen sind, desto ungeduldiger wurden wir und dann ging das dann halt irgendwann erst, ich glaube, so 13 Uhr los. Naja, aber dann geht's wirklich los. Die Sea Story fährt rund eine Stunde in die Bucht von Marsa Schona. Das ist ein Tauchplatz, der eigentlich für seine großen Unterwasserschildkröten und Seekühe bekannt ist. Aber für die Gruppe ist es ein Flop. Man sieht nichts unter Wasser. Die See ist an diesem Tag ziemlich rau. Und überall im Wasser aufgewirbeltes Zeug. Aber es war wirklich schlecht. Also es war wirklich sehr schlechte Sicht. Ja, ich dachte mir aber noch, ja gut, werden schon noch ein paar bessere Tauchgänge kommen. Den Nachmittag über bleibt die Sea-Story vor Anker in der Bucht. Nach dem Abendessen fahren sie dann los. Am Morgen soll die Gruppe am nächsten Tauchrevier ankommen. Danilo, seine Freunde Alex und Susanne und auch Lisa sitzen wieder auf dem Sonnendeck. Sie merken, wie das Meer immer wilder wird. Von unten hören sie irgendwann Geschrei. Ich habe nur mitgekriegt, da passiert gerade irgendwas. Und dann wurde auch von unten hochgerufen, höchstens Zodiac verloren gegangen. Zodiacs, das sind solche Schlauchboote mit Außenbootmotor. Von denen gibt es auf der Sea Story zwei. Die waren eigentlich auf einer Plattform im Heck des Schiffs angebunden. Dort, wo tagsüber die Taucher ins Wasser springen. Oh, my God, it's so dangerous. Eine Passagierin hat den Moment auf Video aufgenommen, als das Zodiac flöten geht und die Mannschaft sofort hinterher. Sie springen in das eine Schlauchboot, um das andere zu retten. Sie versuchen es wieder auf die Plattform zu steuern und kentern dabei fast wegen des hohen Wellengangs. Auch da haben wir dann immer noch so gedacht, ja, ist ja schon alles ganz lustig, sowas hier passiert. Naja, gut, nicht lustig, aber aufregend. Aber wir haben das jetzt noch nicht so mit konkreter Gefahr assoziiert, Zumal die Crew war halt auch so auf Zack einfach, die hat sich sofort in das zweite Schlauchboot geschmissen und ist halt los und hat das andere Schlauchboot dann halt wieder geholt unter frenetischem Beifall. Vielleicht ist das auch so ein Urlaubsding. Was man zu Hause bedrohlich finden würde, das ist im Urlaub ein Abenteuer. So ein Moment, in dem man das Handy rauszieht und ein Video macht und dann zu Hause allen zeigt. Nach dem Motto, guck mal, wie verrückt das war. Nach und nach sind dann immer mehr Dinge umgefallen. Also ich kann mich noch, genau, ein Getränk, eine Flasche ist übers Deck gerollt. Ein Mülleimer ist umgefallen, mitsamt dem ganzen Kram drin. Das ist das, woran ich mich noch erinnern kann. Und dann haben die Sofas auch angefangen, sich zu bewegen. Also links und rechts gerutscht. Aber das hat euch nicht beunruhigt in dem Moment? In dem Moment nicht. Ich zumindest habe dann einfach so ein Vertrauen in den Anbieter, dass die machen das ja nicht zum ersten Mal. Die werden schon wissen, was sie tun. So in der Art denken sich das auch die anderen Gäste auf dem Schiff. Weil klar, es ist schon ganz schön wellig und windig, aber das ist tatsächlich gar nicht so ungewöhnlich im Winter auf dem Roten Meer. Das wird so eine große Yacht ja wohl aushalten. Irgendwann entspannt sich die Stimmung jedenfalls wieder. Ein paar Leute sitzen noch zusammen. Lisa dagegen sucht sich einen Schlafplatz. Mit ihrer Bettdecke im Arm wankt sie über das oberste Deck. Das war zu dem Zeitpunkt irgendwie noch witzig. Man hat dann irgendwie so nach rechts, nach links und alle taumeln irgendwie so ein bisschen. Lisa hat zwar eine Oberdeckkabine bekommen, aber in geschlossenen Räumen auf Booten kann sie nicht schlafen. Das weiß sie aus Erfahrung. Also erstens falle ich hier aus dem Bett und zweitens werde ich auch seekrank hier drin. Ich muss auf jeden Fall raus. Sie baut sich einen Schlafplatz auf dem obersten Deck, hinter der Brücke des Kapitäns. So gegen zehn legt sie sich schlafen. Da waren ja diese Sonnenliegen, diese holzernen Sonnenbänke. Und eine von diesen Sonnenliegen habe ich mir da in die Ecke gezogen, habe die Matratze aber runtergenommen, habe die Matratze auf den Boden gelegt und quasi so zwischen Reling und der Holzsonnenliege eingekeilt. Irgendwann gehen auch die anderen nach und nach ins Bett. Ich bin so gegen Mitternacht als einer der Letzten los. Wer war dann noch wach? Ich glaube dann nur noch Alex. Ja, also viel war halt dann auch einfach nicht mehr los, weil sich dann irgendwie alle dann auf die Kabinen verkrümelt haben. Bevor die beiden sich gute Nacht sagen, reden sie kurz noch über den Tauchplatz, der für den nächsten Morgen geplant ist. Oh ja, morgen werden wir dann endlich die Delfine sehen. Die Nacht kriegen wir auch irgendwie rum, bestimmt. 45 Personen sind in dieser Nacht an Bord der Sea Story. Wo sie schlafen, das wird einen riesen Unterschied machen für die nächsten Stunden. Bei manchen von ihnen wird es über Leben und Tod entscheiden. Es ist nicht ganz einfach, sich das Innere des Schiffs räumlich vorzustellen. Mir ging das jedenfalls so. Und vielen Kollegen im Übrigen auch, die mir bei dieser Recherche geholfen haben. Immer wieder saßen wir da, haben über den Ablauf des Untergangs gesprochen. Und irgendwer hat dann immer schief geguckt und gesagt, halt stopp mal, ich check's gerade nicht. Wo im Schiff sind wir gerade? Damit ihr besser folgen könnt, versuche ich euch jetzt mal ein bisschen Orientierung zu geben. In den Shownotes haben wir euch außerdem eine 3D-Grafik verlinkt. Ihr findet sie auch auf dem Stern-Instagram-Kanal. Also, die Sea-Story hat vier Decks. Wir können auch sagen vier Etagen. Es gibt insgesamt 18 Kabinen, jeweils mit zwei Betten. Ganz unten, im Unterdeck, sind die meisten Kabinen. Außerdem noch die Kajüte, in der die Crew schläft. Darüber kommt das Mitteldeck mit weiteren Gästekabinen. In einer von denen liegt Danilo zusammen mit einem anderen Alleinreisenden. Noch ein Stockwerk höher ist das Oberdeck. Da sind die Kabinen mit dem tollsten Ausblick. In einer dieser Kabinen schlafen Danilos Freunde. Also Susanne und Alex. So, und noch ein Deck darüber, da ist die Kapitänsbrücke. Dahinter ein Sonnendeck mit schweren Holzliegen und dem Wirrpool. Dort liegt Lisa, allein, ungefähr 14 Meter über dem Meeresspiegel im Freien. Sie hört, wie der Wind pfeift und spürt, wie das Schiff unter ihr schwankt. Sie wird immer wieder wach, zwingt sich aber weiter zu schlafen. Es ist kurz vor drei in der Nacht. Das Schiff ist jetzt ungefähr 20 Kilometer von der Küste entfernt. Im Halbschlaf kriegt Lisa mit, wie die Sea-Story hin und her kippt. Erst zur einen Seite, dann zur anderen, dann wieder zurück. Wie ein Pendel. Und dann knallt's. Und auf einmal habe ich dieses riesige Gepolter gehört. Also wie diese Möbel und Tische, wie das über diese Holzplanken drüber rutscht. Also wie man sich irgendwie so ein Erdbeben vorstellt, wenn über so Geröll irgendwie, runterfällt und runterpoltert. Also es war einfach laut. Der Lärm dauert nur wenige Sekunden. Lisa hat immer noch die Augen zu, aber sie spürt, dass sie nass ist. Mein erster Gedanke war, hat gerade jemand sich einen Spaß draus gemacht und mir so ein Eimer Wasser über mich drüber gekippt? Ich liege hier, weiß ich nicht, 12, 14 Meter über dem Meeresboden. Welche Welle soll hier hochgekommen sein? Aber es ist kein Spaß. Sie versucht sich zu orientieren. Die Holzplanken des Decks ragen wie eine Steilwand neben Lisa in die Höhe. Die Reling, die eben noch auf ihrer rechten Seite war, die ist jetzt unter ihr. Sie kapiert, alles ist um 90 Grad gedreht. Das Schiff fliegt auf der Seite. Sie gehen unter. Und hab dann so realisiert, ich sinke gerade in das Wasser nach unten. Und das kann eigentlich nur, wenn hier Wasser ist, sind wir gekentert. Und das waren aber alles so Gedanken, wirklich innerhalb von einer halben Sekunde. So bevor ich überhaupt die Augen auf hatte, ist mir halt irgendwie so klar geworden, das Boot ist umgekippt. Und da war ich dann auf einmal hellwach und bin quasi, ja, da war mir dann gleich, irgendwas stimmt hier so ganz und gar nicht. Ich bin aufgestanden und stand dann auf dieser Reling drauf. So richtig kann Lisa immer noch nicht glauben, was gerade passiert ist. Mir war total klar, dass ich nicht träume. Aber ich dachte so, zur Sicherheit knallst du dich mal, vielleicht wachst du ja doch auf. Du hast niemanden schreien gehört? Ich habe niemanden schreien gehört, nee, nee. Aber es war halt niemand da. Ich versuche mir das vorzustellen. In einem Moment schläfst du noch und im nächsten wachst du mitten im Katastrophenfilm auf. Ich habe auch noch gedacht, okay Lisa, egal was du jetzt machst, kriege ich keine Panik. Ja, und dann stand ich da. Und habe so gemerkt, es geht aber nach unten. Also erst stand ich so bis zu den Knien im Wasser auf der Reling, dann war es so bis zur Hüfte. Ich glaube, ich muss weg vom Boot. Also du bist dann einfach ins Wasser gegangen und bist losgeschwommen? Ja. Da war dann eine von diesen großen Holz-Sonnenliegen, schwamm dann im Wasser. Und zu der bin ich dann, habe mich da drauf gesetzt. Lisa sitzt also auf der Holzliege, wie auf einem Floß. Und sie guckt sich das Trümmermeer vor ihr an. Soweit das überhaupt geht, weil der Mond ist nur eine dünne Sichel am Himmel. Es ist ziemlich dunkel. Lisa kann also nur sehen, was unmittelbar in ihrer Nähe ist. Jede Menge Treibgut, das auf den Wellen auf- und abschaukelt. Holzliegen, Polster, Neoprenanzüge und tausende von Styroporkügelchen aus den Sitzsäcken vom Sonnendeck. Und dahinter die Umrisse des untergehenden Schiffs. Ja, da habe ich mir so dieses Boot angeguckt, wie das einfach auf der Seite liegt und so von Mondlicht bestrahlt wird. Das war unwirklich. Also in der einen Sekunde war das noch ein ganz normales Boot und dann sah das auf einmal aus wie so ein Spielzeugboot, was man in der Badewanne mal eben so auf die Seite gekippt hat. Ähm... Ja, und saß dann da original wie Kate auf der Holztür bei Titanic. Ich versuche mich da selbst zu erinnern. Wisst ihr noch, in dem Hollywood-Film gibt es am Ende diese gruselige Szene. Die Titanic ist schon im Nordatlantik versunken und Leonardo DiCaprio im eiskalten Meer erfroren. Es ist totenstill. Kate Winslet hat sich auf ein Stück Holz gerettet und treibt allein in der Dunkelheit. Wie Lisa, ganz allein, mitten in der Nacht, mitten auf dem offenen Meer. Sie hat keine Ahnung, wie weit es bis zum Ufer ist. Sie kann keine Küstenlinie sehen und auch keine anderen Schiffe. Auf der Sea-Story ist kein Licht mehr. Lisa sieht nur noch das Wrack, schemenhaft, wie es immer tiefer in den Wellen versinkt. Also ich hab wirklich gedacht, da kommt keiner raus, keiner kommt da raus. Die ersten drei Folgen dieses Podcasts hört ihr wöchentlich auf dem Kanal Stern Investigativ. Alle sieben Folgen könnt ihr ab sofort auf Stern Plus und RTL Plus durchhören. Den Link dazu findet ihr in der Folgenbeschreibung. Übrigens, ein Stern Plus Abo lohnt sich. Nicht nur für diesen Podcast, denn bei uns erscheinen regelmäßig neue spannende Podcast-Serien, wie zuletzt der Crime-Podcast Luchterhand. Wenn ihr mit uns direkt in Kontakt treten wollt oder Fragen zum Podcast habt, dann kommt doch auf die Plattform Campfire FM. Da könnt ihr mit Marc und mir chatten und euch auch mit anderen austauschen, die den Podcast hören. Und unser ganzes Zusatzmaterial, das gibt es dann natürlich auch. Der Untergang der C-Story ist eine Produktion von Stern Plus und RTL Plus. Danke an das Podcast-Team, besonders an Redaktionen und Sounddesign, die dieses Projekt möglich gemacht haben. Konzipiert, geschrieben, gehostet und produziert von Marisa Gierlinger, Isa von Heil, Marc Neller und mir, Tina Kaiser. Postproduktion RTL Plus. Die Titelmusik kommt von Joscha Grunewald. Ein besonderer Dank geht an meine Kollegin Michelle Janetschek für ihre Recherchen in Ägypten und Deutschland.