Bevor es losgeht, ein Hinweis an euch. Die ersten vier Folgen von Hilal bekommt ihr wöchentlich frei verfügbar auf allen Plattformen. Den ganzen Podcast, alle neun Folgen könnt ihr sofort bei Stern Plus hören. Und zwar nur für euch, für ein Abo, das nur einen Euro kostet. Ab Folge 5 nämlich ist Hilal nur im Abo bei Stern Plus, bei RTL Plus oder in der App campfire.fm zu hören. Wenn dieser Podcast euch gefällt, habt ihr vielleicht Lust, das zu unterstützen. Und versprochen, ein Stern-Abo lohnt sich. Es ist der nächste Morgen. Der Morgen des 28. Januar 1999. Gestern ist Hilal verschwunden. Seit 19 Stunden ist sie schon weg. Und es gibt keine Spur. Die Argents haben in der letzten Nacht kein Auge zugemacht. Keiner ist ins Bett gegangen. Alle haben sie zusammengesessen im Wohnzimmer. Sie haben gehofft, dass es klingelt. Gehofft, dass Hilal vor der Tür steht. Heute kann sich Hilels Schwester Fatma kaum noch erinnern an diese Stunden, in denen sie hofft und wartet. Die Bilder, die verschwimmen in ihrem Kopf, sagt sie. Aber an zwei Dinge erinnert sie sich noch sehr genau. Meine Mutter war am Weinen und ja, wir konnten einfach nichts tun. Einfach nur zu warten und ja, sie wird wieder auftauchen, aber kam ja nichts von der, also von der Polizei kam nichts und wir haben nur gewartet. So vergeht Stunde um Stunde. In der ersten Folge haben wir Hilals Schritte gezählt. 97 Schritte bis zur Ampel. 298 bis zum Sparmarkt, wo sie Huber-Buba kaufen wollte. Die kurze Strecke, die Hilal nie wieder zurückgelaufen ist. Von jetzt an zählt keine Entfernung mehr. Jetzt zählt nur noch eins, die Zeit. Denn wenn ein Kind verschwindet, dann läuft die Uhr. Sie läuft gegen Hilal. Es ist ein Tag später, der 29. Januar, 44 Stunden und noch immer keine Spur. Der Fall, der macht jetzt Schlagzeilen in Hamburg und in ganz Deutschland. Hilals Vater Kamil, der empfängt jetzt Fernsehteam nach Fernsehteam, um Interviews zu geben. Das ist das Einzige, was er tun kann. So viele Leute wie möglich darauf aufmerksam machen, dass seine Tochter verschwunden ist. Seitenstraßen, Hinterhöfe und Spielplätze. Die ganze Umgebung hat Kamil Erjan bereits abgesucht. Vergeblich. Schon seit zwei Tagen ist das Bett seiner ältesten Tochter unberührt. Annalena und ich schauen uns die Interviews nochmal an, heute, 27 Jahre später. Wir sehen Hilals Vater. Er hat dunkle Ringe unter den Augen. Vollkommen erschöpft sieht er aus. Er steht im kleinen Kinderzimmer von Hilal und ihrer Schwester Fatma, vor der Wand mit der bunten Tapete mit den Comic-Tieren. Er zeigt auf das Hochbett, unten das ordentlich gemachte Bett von Hilal, mit ihrer Plüschmaus auf dem Kopfkissen. Immer wieder erzählt Kamil Ercan von den letzten Minuten mit seiner Tochter. Guck mal, ich habe gutes Zeugnis. Sie hat gesagt, gib mal einen Kuss. Habe ich einen Kuss? Und sie haben gesagt, ich gehe einkaufen. Wo dieses Einkaufszentrum. Habe ich gesagt, ja, kannst du. Und sie sind nicht wieder zufrieden gekommen. Auch Kamil Erjan ist stolz aufs Zeugnis. Die beiden geben sich einen Kuss. Und Hilal geht los zum Einkaufszentrum. Nicht nur der Vater. Auch die Polizei wendet sich am 29. Januar an die Öffentlichkeit. Wir bitten jetzt ganz inständig die Hamburger Bevölkerung um Mithilfe. Wer hat die 10-jährige Hilal gesehen? Sie ist 1,50 m groß, sie hat lange dunkle Haare, sie spricht Deutsch und sie war dunkel gekleidet, hatte einen orangefarbenen Pullover an. Das sagt der Polizeipressesprecher in einer Pressekonferenz. Genau wie Hilals Vater und die Familie glaubt die Polizei, je mehr Leute von dem Fall hören, desto besser. Sie kann einfach nicht spurlos verschwunden sein. Irgendjemand muss sie irgendwo gesehen haben. Und für uns ist alles möglich. Das heißt weglaufen, ein Unfall oder sogar ein Verbrechen, wir ermitteln in alle Richtungen. Erst einmal ohne Erfolg. Es ist der 2. Februar. Sechs Tage. Und noch immer keine Spur. In Hillards Grundschule geht nach den kurzen Zeugnisferien der Unterricht weiter. Der Lehrer verteilt Arbeitsblätter, legt sie vor jedes Kind auf die Tische. Nur auf einen Tisch legt er kein Blatt. In der Schule bleibt Hillards Platz leer, weil niemand den Grund für das Verschwinden der Zehnjährigen kennt. In den Nachrichten sehen die Zuschauer an diesem Abend auch Fatma. Sie steht neben ihrem Vater und Onkel in der Einkaufspassage und wirkt verloren. Sie sieht jünger aus als neun Jahre. Ernstes Gesicht, müde, traurige Augen. Sie hat so einen Stapel Zettel in der Hand. Da ist auch ein Foto von Hilal drauf kopiert, eine Handynummer so dick mit Filzstift drangeschrieben und ein Text, wer hat dieses Mädchen gesehen? Hilals Mutter redet in den ersten Tagen noch mit den Reportern. Jetzt, eine Woche später, schafft sie das nicht mehr. Sie vergräbt ihr Gesicht in den Händen und krümmt sich unter Tränen. Und auch der Vater, der blickt völlig kraftlos und blass in die Kameras. Hier spricht er auf Türkisch. Ein Reporter liefert die deutsche Übersetzung. Immer wenn ich etwas esse, bleibt es mir im Halse stecken. Ich muss mich jedes Mal fragen, ob sie etwas essen kann und ob sie etwas trinken kann. Viele Reporter schwirren um die Familie Erjan und durch Hamburg-Lurup. Sie befragen Passanten, auch eine Frau mit ihrer kleinen Tochter an der Hand. Auch das sehen die Zuschauer in den Nachrichten. Sechs Tage nach Hilals Verschwinden. Man macht sich wirklich Gedanken, was tut man jetzt am besten. Oder ich habe eine ältere Tochter, also sie ist nicht die einzige. Und die bringe ich jetzt jeden Tag wieder zur Schule und hole sie jetzt auch ab. Weil man doch, man hat Angst um seine Kinder. Die Frau ist ängstlich und die Polizei ratlos. Die Ermittlungsgruppe der Polizei hat bis heute 25 Hinweise erhalten. Eine heiße Spur fehlt jedoch. Dann, es ist der 3. Februar 1999. Seit sieben Tagen vermisst und noch immer gibt es kein Lebenszeichen von der kleinen Hilal. Die Eltern des zehnjährigen Mädchens sind am Ende ihrer Kräfte. Kamil Erjan liest noch einmal seinen verzweifelten Aufruf an mögliche Zeugen und an den Entführer, der seiner Tochter etwas Schreckliches angetan haben könnte. Ich sehe Hilals Vater Kamil mit einem Stück karierten Papier in der Hand. Da hat er sorgfältig mit Druckbuchstaben draufgeschrieben. Manche Buchstaben hat er durchgestrichen. Manche Sätze hat er klein zwischen den Zeilen hinzugeschrieben. Wie viel Kraft muss ihn das gekostet haben, Worte zu finden? Auf seinem Zettel kann ich lesen, es ist, als wenn ein Teil Fleisch von mir zerrissen ist, das schmerzt. Ich kann für meine Tochter nichts tun. Wir hoffen alle, dass meine Tochter lebt. Wenn er ein bisschen hat, oder er ist ein bisschen Vater sein. Heute passiert meine kinder nicht einmal passiert mit dem die den leute kinder, das kann man nicht mit dem so augen zu machen das glaube ich nicht mit einem diese ergen alle leute kann hat sie das gesehen das glaube das sollte nicht angst haben. Wer Hilal gesehen hat, der soll bitte zeigen, dass er ein Herz hat und sich melden. Das sagt Hilals Vater den Reportern am Vormittag des siebten Tages in den Nachrichten. Er weint dann nicht vor der Kamera. Er reißt sich zusammen. Aber er ist jetzt kurz davor. Das sieht man an seinen feuchten Augen. Wenn ein Kind verschwindet, ich denke, dann ist jedem klar, dann geht es um jede Minute. Jetzt, am 3. Februar 1999, ist eine Woche vergangen. 10.080 Minuten. Und noch immer weiß niemand eine Antwort auf die Frage, wo ist Hilal? Zu diesem Zeitpunkt kann Hilals Vater noch nicht ahnen, was am Nachmittag passieren wird, so gegen 17 Uhr. Denn da klingelt bei den Ergerns plötzlich das Telefon. Ihr hört Hilal. Einen Podcast von Stern und RTL. Wir haben vielleicht gedacht, dass Hilal kommt wieder zurück. Wir haben immer gewartet, dass sie wiederkommt. Und anhand der Tatrekonstruktion war ganz klar, so kann es nicht gewesen sein. Das passt zeitlich hinten und vorne nicht. Ich bin Annalena Anza. Und ich bin Nikolas Büchse. Das ist Folge 2. Fataler Verdacht. Wenn ich mir die Fernsehbilder aus diesen Tagen angucke und in die fahlen Gesichter der Eltern blicke, da habe ich das Gefühl, ich kann von Tag zu Tag zugucken, wie Hilahs Eltern die Ungewissheit zerfrisst. Wie sie ihr Leben zur Hölle macht. Wie sie sich an die Hoffnung klammern, dass Hilah noch lebt. Und dabei ahnen, dass es immer weniger Hoffnung gibt. Und dann klingelt plötzlich das Telefon in diese Ungewissheit. Vater Kamil hebt ab. Die Stimme vom Anrufer kennt er nicht. Der Mann spricht Hochdeutsch ohne Akzent. Wir haben den Anruf nachsprechen lassen, so wie sich die Familie daran erinnert. Der Anrufer sagt dem Vater etwas, das er kaum glauben kann, aber unbedingt glauben will. Ich kann Ihnen sagen, wo Hilal ist. Kommen Sie allein. Christuskirche. Keine Polizei. Die Christuskirche ist zehn Kilometer entfernt. Die Erscherns kennen die Gegend kaum. Warum sollen sie ausgerechnet dorthin kommen? Kamil Erschein überlegt. Er erzählt seiner Frau Eiler von dem Anruf. Und überlegt dann wieder. Was soll er jetzt machen? Polizei oder nicht? Zusammen entscheiden sie sich. Der Vater informiert die Polizei. Aber er wartet nicht, bis die bei ihm ist, sondern rast selbst mit dem Auto zusammen mit Eiler und seinem Bruder zur U-Bahn-Station Christuskirche. 30 endlose Minuten quer durch Hamburg. Sie setzen all ihre Hoffnung auf diesen Anrufer. Die Eltern stehen dann zusammen mit dem Onkel am U-Bahnhof. Zwei gegenüberliegende Treppen führen vom U-Bahn-Pavillon hinunter zum Bahnsteig. Da ist so viel los. Sie schauen sich um, aber wonach genau sollen sie Ausschau halten? Sie sehen Feierabendpendler, Einkaufsbummler, junge Leute auf dem Weg in die Bars, erzählt uns Abbas. An dieser Stelle für euch. Kamil Erjan, Hilals Vater, spricht heute nicht mehr über das Verschwinden seiner Tochter. Umso wichtiger, dass wir mit Abbas in engem Austausch sind. Denn der erinnert sich. Und dann haben sie einen auffälligen Mann gesehen. Da sind sie dann auch hinterhergegangen. Der Mann ist auffällig, weil er guckt sich genauso suchend um wie die Erschhans. So als würde auch er jemanden suchen. Und da haben sie sofort das Gefühl, das muss der Anrufer sein. Sie gehen auf ihn zu. Doch dann passiert was, womit keiner rechnen kann, auch der Anrufer nicht. Plötzlich sind da überall auf der Straße Blaulicht, Sirenen und Polizisten. Und der Mann verschwindet im Trubel. Er ist weg. Die Eltern und der Onkel warten noch. Eine Stunde. Zwei Stunden. Vergeblich. Der Mann ist und bleibt verschwunden. An mehr kann sich Abbas beim besten Willen nicht erinnern. Zu einem Treffen an der Christuskirche ist es nicht gekommen. Weil ich erinnere auch, dass Papa Kamil dann fürchterlich wütend war. Weil dann hat er Blaulicht und Martinshorn gehört. und war natürlich dann der Überzeugung, die Polizei hätte den Menschen vertrieben. Die Sache ist nur, die Polizei war gar nicht wegen dem Anrufer oder wegen Hilal da. Die Kollegen mussten da hin, weil dann ein Alarm bei einer Bank ausgelöst wurde. Heißt? Das hatte überhaupt nichts damit zu tun. Das ist Reinhard Zedor. Der ist damals Kriminaldirektor beim Landeskriminalamt in Hamburg. Ein dynamischer Typ. Auf Fotos sehen wir ihn meist in Jeans, weißem Hemd und knallbunter Krawatte. Er bekommt im Februar 1999 die Aufgabe, Hilal zu finden. Also, da glaubt Hilals Vater, er habe den Mann gesehen, der ihm sagen könnte, wo Hilal ist. Da setzt die Mutter all ihre Hoffnung in das Treffen mit diesem Mann. Da meinen die Eltern, so kurz davor zu sein, endlich Gewissheit zu haben. Und dann, ja dann zerplatzt diese Hoffnung. Und das wohl wegen eines unglaublichen Zufalls. Etwas später stellt sich raus, es war ziemlich wahrscheinlich eine heiße Spur. Die bisher erste und einzige. Wir konnten die Telefonzelle an der Christuskirche identifizieren, von wo aus dieser Anruf abgegangen ist. Der Anrufer hat also tatsächlich von einer Telefonzelle an der Christuskirche angerufen. Er hat den Vater quasi zu sich bestellt. Warum sollte er das tun, wenn er nicht wirklich etwas loswerden wollte? Ich denke nach wie vor aus dem Gesamtkontext, dass das keine Spinnerei war. Dieser Anrufer, sondern ich denke nach wie vor heute, dass das jemand ist, der uns zu den Ermittlungen auf alle Fälle weiter hätte helfen können. Das hat Reinhard Zedor vor ein paar Jahren im Podcast Sterncrime Spurensuche unserem Kollegen Bernd Vorland erzählt. Und vielleicht wundert ihr euch, warum vor ein paar Jahren? Ja, damals haben Polizei und Staatsanwaltschaft noch über den Fall gesprochen. Und auch wir hätten die Ermittlerinnen und Ermittler gern befragt. Doch die heutige Polizeiführung mauert, will keine Interviews mehr geben. Der Fall Hilal scheint heute, mehr als 27 Jahre danach, ein rotes Tuch zu sein. Und wir erfahren bald warum. Und ihr auch. Musik. Es ist der 8. Februar. Zwölf Tage und noch immer keine Spur. Inzwischen geht niemand mehr davon aus, dass Hilal ausgerissen ist. Wir vermuten, dass ein Verbrechen immer wahrscheinlicher wird. Welches Verbrechen vorliegt, wissen wir nicht. Es kann eine Entführung sein, es kann auch ein Sexualdelikt oder etwas anderes vorliegen. Eine Sonderkommission wird an diesem Tag offiziell eingesetzt. Mit 20 Ermittlerinnen und Ermittlern. Alle sollen daran arbeiten, Hilal endlich zu finden. Bis dahin war das örtliche Polizeirevier im Fall Hilal zuständig. Jetzt also die Sonderkommission. Und der Chef der Sonderkommission ist nicht irgendwer, sondern Reinhard Zedor. Ihr kennt ihn. Zedor gilt als Ausnahmeermittler. Er leitet das LKA 2, die Abteilung der Hamburger Kriminalpolizei, für die echt harten Fälle. Also Geiselnahmen, mobiles Einsatzkommando, Entführungen und sowas. Cedor ist zu diesem Zeitpunkt 46 Jahre alt. Ein zäher und erfahrener Polizist. Er hat die Bayersdorf-Erpresser gefangen und den Heidemörder Thomas Holst. Holst, der hat drei Frauen ermordet, auf bestialische Art. Jetzt soll Cedor mit seinem Team den Fall Hilal übernehmen und den Wettlauf gegen die Zeit gewinnen. Cedor fährt auf die Polizeiwache. Und ja, der Zufall wollte es, dass dann, Just in diesem Moment, der Papa dann auch an die Dienststelle kommt und Schuhe abgibt. So Tenor, so, das sind hier die Schuhe, die Hilal beim Verschwenden getragen hat. Das ist die erste Begegnung von Cedor und Hilals Vater. Der Vater hielt Kinderschuhe in der Hand, solche wie Hilal getragen hatte. Er hatte den Auftrag, sie nachzukaufen und will sie jetzt den Polizisten übergeben. Der Papa hatte auch den Auftrag, einen ähnlichen Anorak zu kaufen. Das hat er aber noch nicht geschafft. Darf ich das mal sagen, so mit der abgelaufenen Zeit. Das hat mich schon stark befremdet, den Eltern in dieser Situation zuzumuten, dafür zu sorgen, dass die entsprechende Bekleidung kommt. Nochmal möchte ich den Kollegen von damals nicht zu nahe treten, aber das war sicherlich nicht angemessen in der Situation. Also das hat mich schon sehr berührt. Cedor und Kamil Ercan unterhalten sich. Der Vater öffnet sich ein bisschen. Er erzählt Cedor, wie bisher ermittelt wurde. Dass er wenig informiert wurde. Und dass er echt unzufrieden ist. Mich hat auch sehr berührt, dass die Haltung des Papas, der sehr deutlich machte, auch zum Ausdruck brachte, also ihr macht auch nichts, ihr macht auch nicht genug oder ihr macht eh nichts. Ihr macht eh nichts. Als Cedo das hört, trifft ihn das. Und er ist keiner, an dem so etwas spurlos vorbeigeht. Und auch keiner, der Angehörige sitzen lässt. So hat Abbas ihn damals erlebt. Er stürzt sich in den Fall. Zusammen mit seinem Team überprüft er bekannte Sexualstraftäter. Sie befragen die Menschen in Hilals Hochhaus und in allen anderen Hochhäusern drumherum. Sie lassen sich vom Hausmeister der Elbgau-Passagen alle Kellerräume aufschließen und in die entlegensten Ecken der Tiefgarage führen. Sie fordern eine Hundertschaft an, die durch Camp mit Holzknüppeln, Spaten und Metallstangen das Unterholz in den angrenzenden Parks. Sie setzen eine Belohnung von 20.000 DM aus. Und CEDOR geht bei den Ergents auch ziemlich unkonventionelle Wege. Wir haben die Familie Ercan ins Präsidium eingeladen. Ich habe mich so ein Stück entschuldigt für das, was bisher gelaufen ist. Wobei es da insbesondere darum ging, sich dafür zu entschuldigen, dass so wenig transparent gemacht wurde. Es sind ja durchaus auf viele Maßnahmen gelaufen und wir haben uns verabredet, dass das in Zukunft anders wird. CEDOR geht sogar noch weiter. Was ich denen gesagt habe, ich würde mich dann um euch kümmern, sicherlich eine ungewöhnliche Situation als Polizeiverantwortlicher, dann auch diesen Kontakt zu machen. Aber ich habe diese Aufgabe dann auch gern übernommen. Cedor selbst führt die Familie auch durch das Großraumbüro der Soko. Sie sollen sehen, dass ermittelt wird, wie viele Menschen nach Hilal suchen. Er stellt der Familie die Ermittlerinnen und Ermittler vor. Er erklärt ihnen, hier arbeiten wir nicht nur 9 to 5, hier suchen wir rund um die Uhr ihre Tochter. Er besucht die Familie jede Woche zu Hause. Irgendwann ist er nicht mehr der Herr Kommissar, sondern fast schon ein Freund. Und diese Freundschaft hat bis heute in einem Fotoalbum der Familie Ercan überdauert. Einmal als Annalena und ich auf dem Sofa bei seiner Mutter sitzen, da zeigt uns Abbas ein Foto. Auf dem Foto sehe ich, wie Cedor bei der Familie Ercan auf dem Sofa sitzt. Abbas hat den Arm um Cedors Schulter gelegt. Schalen mit Wassermelonenhäppchen und Pistazien stehen auf dem Tisch. Ihr könnt euch das Foto von Abbas und Cedor auch anschauen. In der Folgenbeschreibung findet ihr den Link zu Stern.de und zum Stern-Instagram-Kanal. Da findet ihr noch mehr Fotos und auch eine interaktive Grafik von Hilals letzten Schritten. Übrigens, wenn ihr mit uns direkt über den Pfeil chatten wollt, Fragen an Nikolas um mich habt, dann geht doch in die App campfire.fm. Auf mich wirkt dieses Foto von Cedor mit Familie Ercan sehr vertraut. So vertraut, wie ich es zwischen einem Ermittler und der Familie eines vermissten Kindes nicht erwarten würde. Ich mochte ihn ja gerne, den Rainer Zitter. Ich habe ihn auch umarmt. Auf dem Bild sieht man auch das Team Umarme. Der war gut, der Kontext, er kam vorbei. Genau, er kam vorbei, er war Ansprechpartner. Er hat uns immer von Geschehnissen, Ermittlungen erzählt. Man hatte immer was zu reden gehabt. Er war eine gute Stütze damals. Das sagt Abbas über Zedor. Wir hatten sehr gut ein Draht. Er hatte uns damals versprochen, den Fall zu lösen. So erinnert sich Abbas, dass Zedor es versprochen hat. Die Familie knüpft in diesen Tagen extrem große Hoffnung an Cedor. Und nicht nur die Familie. Gefühlt alle Augen sind zu dieser Zeit auf ihn gerichtet. Schließlich ermittelt er längst in Hamburgs größtem Vermisstenfall. Und egal, was Cedor tut, es geht niemandem schnell genug. Und an Absprachen hält sich auch nicht jeder. Das muss Cedor zum Beispiel erfahren, als er Reportern von dem mysteriösen Anruf von der Christuskirche erzählt. Er bittet sie, behutsam darüber zu berichten. Auf keinen Fall dürfe der Anrufer als Täter bezeichnet werden, damit man ihn nicht verschreckt. Vielleicht meldet er sich ja nochmal. Aber … Ja, da machte eine Hamburger Tageszeitung auf mit der Überschrift Anruf von der Christuskirche. War das der Täter? Und damit war natürlich, ja, genau das Zeichen ist richtig. Ich habe so einen Nils gehabt. Der Anrufer von der Christuskirche, von dem sich Reinhard Zedor so wertvolle Hinweise erhofft, der meldet sich nie wieder. Egal, was Cedo und sein Team versuchen. Welch ein Rückschlag. Vielleicht hat ihn ja wirklich die Schlagzeile in der Zeitung vergrault. Und dann ist da noch eine andere Sache. Die ist ziemlich brisant. Die Polizei hat eine andere Spur. Ich denke, wenn so eine Lage abgearbeitet werden muss, dann ist immer ein wichtiger Blick in das Innere. Kommt das von außen, also außerhalb der Familie, ist das Straftat passiert oder hat die Familie da was zu tun? Eine Überprüfung der Familie des verschwundenen Kindes. Da befragen die Ermittler Eltern, Großeltern, Onkel und Tanten. Das nächste Umfeld. Um zu rekonstruieren, wer wann wo war an dem Tag, an dem Hildel verschwunden ist. Reine Ermittlungsroutine eigentlich. Aber in diesem Fall auch mehr. Also ich will gar nicht verhehlen. Die Auffassung der Kollegen, der Dienststelle vor Ort, war eindeutig so, dass da einiges in der Familie noch aufzuklären ist. Vielleicht erklärt das auch den Namen der Soko. Die heißt nicht Soko Hilal. Das würde man ja eigentlich denken. Sie heißt Soko Morgenland. Später werden viele fragen, ob nicht schon allein dieser Name die Ermittler in die falsche Richtung geführt hat. Und ob in diesem Namen nicht Stereotype über türkischstämmige Familien in Deutschland mitschwingen. Sicher ist, auch in der Soko setzt sich diese Auffassung durch. Da ist was mit Hilals Familie. Da verhalten sich Personen aus dem engsten Umfeld auffällig. Es ist der 9. März 1999. Seit sechs Wochen ist Hilal verschwunden. Und jetzt passiert was. An diesem Tag zeigen die Nachrichten Bilder vom Polizisten. Es ist dunkel. Sie gehen in ein graffiti-beschmiertes Haus in Hamburg. Seit sechs Wochen wird Hilal vermisst. Seit sechs Wochen sucht die Polizei nach einer heißen Spur. Ihr eigener Onkel, so hefftet die Sonderkommission, noch gestern könnte die Schlüsselfigur im Fall Hilal sein. Gestern Abend wird er in seiner Wohnung in Hamburg-Altona von der Polizei überrascht. Die Beamten durchsuchen alle Zimmer. Ausgerechnet der Onkel. Der ist immer besonders eifrig bei der Suche nach Hilal dabei gewesen. Er hat zum Beispiel Zettel mit ihrem Foto verteilt. Ich habe ihn dabei in ein paar Nachrichtenbeiträgen gesehen. Und er ist auch sofort mit den Eltern zur Christuskirche gefahren, als der Anruf kam. Jetzt wird er festgenommen, weil seine Ex-Freundin hat ihn angezeigt. Er soll sie sexuell genötigt haben. Die Polizei findet eine Waffe, als sie seine Wohnung durchsucht. Anlass genug, ihn auch wegen Hilal zu verhören. Die Ermittler befragen ihn nach seinem Alibi. Hat er etwas mit dem Verschwinden zu tun? Zunächst verwickelt er sich in Widersprüche. Doch der Verdacht, seine eigene Nichte entführt zu haben, so die Polizei heute bestehe, nicht mehr. Ein Fehlschlag, berichten die Nachrichten. Die Spur ist direkt wieder kalt. Der Onkel hat mit dem Verschwinden nichts zu tun. Für Hilads Eltern ist die Aktion nur schwer zu verkraften. Sie denken, da ist unser Kind verschwunden und der Polizei fällt nichts Besseres ein, als unsere Familie zu verdächtigen? Reinhard Zeder muss ihnen das irgendwie erklären. Er versucht, das ihnen möglichst verständlich, möglichst bildlich klarzumachen. Das Bild sah dann aus wie folgt. Bei mir auf der Schulter sitzt Hilal. Die fasst mir in die Haare und sagt, Herr Zedor, ich möchte, dass Sie mein Schicksal aufklären. Wenn die Familie damit zu tun hat, möchte ich das genauso aufgeklärt haben. Ich möchte. Ja, wenn ich tot bin, muss das aufgeklärt werden. Und wenn ich hier irgendwo festgehalten werde, möchte ich hier raus. Das ist mir genauso wichtig, wie wenn es ein Fremder gewesen ist. Hilal ist mein Chef. Sie möchte, dass ihr Schicksal geklärt wird. Das versucht Cedor, den Erdschans klarzumachen. Und er macht es nicht ohne Hintergedanken. Er will erreichen, dass die Familie ihm wirklich alles erzählt. Denn obwohl er bei den Erdschans so oft auf der Couch sitzt, hat er einen neuen Verdacht. Der Verdacht, dass die Familie ihm was verheimlicht. Es gibt in jedem Bereich, also bin ich nur noch alt genug geworden, irgendwie sowas wie Familiengeheimnisse. Darüber macht man nicht so ganz so gerne reden und so. Und diese Kleinigkeiten, diese kleinen Lügen haben in solchen Fällen ganz fatale Auswirkungen. Es ist eine andere Person aus der Familie, die im April 1999, mehr als zwei Monate nachdem Hilal verschwunden ist, in Cedos Blick gerät. Er hat sie wie alle anderen befragt. Was haben sie am 27. Januar gemacht? Tatrekonstruktion, so nennen Ermittler das. Anhand der Tatrekonstruktion war ganz klar, so kann es nicht gewesen sein. Das passt zeitlich hinten und vorne nicht. Ja. Ein falsches Alibi also. Die Person hat ihn belogen, das ist klar. Und die Soko überprüft die Konten dieser Person, die Telefonverbindung. Entdeckt, dass sie kurz vor Hilals Verschwinden immer wieder eine Nummer in der Türkei gewählt hat, die sie vorher nie gewählt hatte. Dass sie Zahlungen plötzlich eingestellt hat, die sie jahrelang geleistet hat. Und Cedos stellt ihr wieder und wieder diese eine Frage. Was haben sie an dem Tag gemacht, als Hilal verschwunden ist? Die Person ist 54 Jahre alt. Sie kennt Hilal sehr gut. Sie hat sie am Morgen ihres Verschwindens sogar noch gesehen, als eine der letzten. Sie sagt, sie habe Hilal sehr lieb. Doch sie will Cedor einfach nicht die Wahrheit erzählen. Wiederholt immer dieselben Lügen. Cedor ist sich sicher, sie hat was zu verbergen. Aber er kommt einfach nicht weiter. Er weiß nur noch einen Weg. Er muss den Druck erhöhen. Nun der unfassbare Verdacht, Hilals eigene Großmutter ist in den mysteriösen Fall verstrickt. Die Oma in der nächsten Folge von Hilal. Wollt ihr vielleicht alle Folgen sofort durchhören? Dann findet ihr den Link zu Stern Plus oder RTL Plus in der Folgenbeschreibung. Übrigens, ein Stern Plus Abo lohnt sich. Nicht nur für diesen Podcast. Denn bei uns erscheinen regelmäßig neue spannende Podcast-Serien, wie zuletzt der Untergang der Sea-Story. Das ist eine Investigativ-Recherche über ein gekentertes Touristenboot in Ägypten. Und wenn ihr die Doku zu diesem Podcast sehen wollt, dann geht doch auf den YouTube-Kanal von RTL Nord. Wenn ihr mit uns direkt in Kontakt treten wollt oder Fragen zum Podcast habt, dann kommt doch in die App campfire.fm. Da könnt ihr mit Nikolas und mir chatten und euch auch mit anderen austauschen, die den Podcast hören. Alle Fotos und Grafiken gibt's da natürlich auch. Hilal ist eine Produktion von Stern Plus und RTL Plus. Konzipiert, geschrieben, gehostet und produziert von Adrian Breder, Isa von Heil und uns. Annalena Anza und Nikolas Büchse. Wenn ihr etwas wisst, wenn ihr wirklich einen Hinweis zu Hilals Verschwinden habt, dann meldet euch. Aber bitte keine Spekulationen. Es helfen nur konkrete Hinweise. Die Kontakte findet ihr in der Folgenbeschreibung.