Am 27. Januar 1999, dem Tag, an dem Hilal verschwindet, da hilft die Großmutter morgens noch, die Kinder für die Schule fertig zu machen. Und am Vormittag trifft sie sich dann mit einer Freundin auf dem Wochenmarkt. Das ist so gegen 11.30 Uhr. Eine Stunde später gehen die beiden zusammen in die Wohnung der Freundin. Da kommt noch eine weitere Freundin dazu. Erst gegen 18 Uhr geht die Großmutter dann wieder nach Hause. Und eine halbe Stunde später erreicht sie dann der Anruf der Tochter, dass Hilal verschwunden ist. Das sagt die Großmutter so der Polizei. Wieder und immer wieder. Jedes Mal, wenn sie befragt wird. Ein beinahe lückenloser Tagesablauf, denke ich, als ich das höre. Und fast immer sind Freundinnen dabei. Es gibt nur ein Problem mit dem, was die Großmutter der Polizei erzählt. Es stimmt nicht. Ihr hört Hilal, einen Podcast von Stern und RTL. Ich frage mich immer noch, wieso hat niemand was gesehen? Wie kann das sein, dass ein Mädchen verschwindet? Das geht ja nicht. Ich bin Annalena Anza. Und ich bin Nikolas Büchse. Das ist Folge 3. Das Mädchen. Über die Großmutter von Hilal haben wir euch noch nichts erzählt. Ich habe sie zum ersten Mal in einem alten Nachrichtenbeitrag gesehen, der kurz nach Hilals Verschwinden gesendet wurde. Da sitzt sie auf der Couch in der Wohnung von Hilals Eltern. Sie trägt eine Brille mit dicken Gestell und eine Weste über ihrer Bluse. So ein bisschen Bida, so ein Oma-Outfit eben. Und ihr Oberkörper, der bebt richtig. So sehr weint sie. Aber ausgerechnet diese Großmutter, die wird jetzt zur einzigen Verdächtigen im Fall Hilal. Und das hat einen Grund. Irgendwann stellte sich auch heraus, die beiden Freundinnen, die Alibi-Geberin, das wackelte auch immer mehr. Also das passt alles hinten und vorne. Die Polizei hat die Freundin Ende Februar befragt. Also die Freundin, mit der die Großmutter mittags auf dem Markt und dann bei ihr zu Hause gewesen sein will. Aber die Freundin räumt im Lauf der Befragung ein, sie habe die Großmutter am 27. Januar erst am frühen Abend gesehen. Das heißt, so kann es nicht gewesen sein. Das passt zeitlich hinten und vorne nicht. Ein falsches Alibi also. Aber warum lügt die Großmutter? Das möchte auch Soko-Chef Reinhard Zedor rausfinden und befragt sie selbst Ende April 1999, sogar in zwei Tagen hintereinander. Er möchte wissen, warum die Großmutter lügt. Aber? Egal, was wir angestellt haben, Oma ist bei dieser Variante geblieben. Zedor kommt einfach nicht weiter. Ihm bleibt nur noch ein letztes Mittel, um die Großmutter zum Reden zu bringen. Die Öffentlichkeit. In einem Interview mit einer Zeitung schimpft er deshalb im Mai 1999. Es ist nicht normal, dass sie als Großmutter in dieser Situation lügt und Dinge verschweigt. Und auch im Fernsehen, da erklärt der Pressesprecher der Polizei. Sie ist sehr unkooperativ, was Vernehmung angeht. Und sie hat teilweise auch die Unwahrheit gesagt. Das heißt, die Ermittlungen wissentlich erschwert. Das macht sie verdächtig. Denn eine Oma, die sich um ihren Enkel sorgt, um ihre Enkelin, die reagiert eigentlich anders. Die tut alles dafür, damit die Enkelin wiedergefunden wird und behindert nicht die Ermittlungen. Was hat die Oma zu verbergen? Also der Pressesprecher, der hat da so seine Theorie. Das kann durchaus ein kultureller Hintergrund sein. Sprich, die 10-jährige Hila wird zur Frau. Sie soll wieder den kulturellen Gepflogenheiten der Türken zugeführt werden. Wieder Kopftuch tragen, verschleiert herumlaufen. Oder halt Streit in der Familie. Das alles ist noch nicht geklärt. Ja, ihr habt richtig gehört. Die Gepflogenheiten der Türken. So wird 1999 im Fernsehen geredet. Und in Wohnzimmern, Büros und in Kneipen übrigens auch. Die Soko hat jedenfalls diese Theorie, dass die Oma ihre Enkelin weggeschafft haben könnte. In die Türkei. Eine Kindesentziehung ins Ausland. Man hört ja manchmal von solchen Fällen. Wenn Eltern über das Sorgerecht streiten zum Beispiel. Vielleicht, überlegen die Ermittler, hat die Großmutter Angst gehabt. Angst, ihre Tochter könnte bei einer Scheidung Hilal verlieren. Cedo hat nämlich Gerüchte gehört. Über eine mögliche Trennung von Hilals Eltern. Aber es sind eben nur Gerüchte. Was wirklich stimmt, das weißt sie doch nicht. Aber eins glaubt er damals, Hilal könnte noch leben. Der 14. Mai 1999. Seit Wochen ermittelt Cedor gegen Hilals Oma. Die Ermittlungen konzentrieren sich auf die Orte Izmir, Gaziantep und Samsun. Hier, so glaubt die Polizei, könnten Familienmitglieder das Mädchen verstecken. Es ist ein neuer Schritt von Cedor. Ein drastischer Schritt. Mehr als 100 Polizisten durchsuchen in der Türkei mehrere Häuser. Eine richtige Großaktion. Sie suchen am Mittelmeer, am Schwarzen Meer und in Anatolien. Sie suchen in Schulen, Internaten und Heimen. Zedr persönlich ist währenddessen auch vor Ort. Er ist mit einer kleinen Delegation aus Hamburg hingeflogen. Und das ist nach meiner Erfahrung wirklich selten. In Izmir schaut er sogar dabei zu, wie türkische Polizisten nach Hilal suchen. Und das Ganze wird auch noch begleitet von den Zeitungen in der Türkei. Die schreiben, wo ist Hilal? Überall im Land. Doch am Ende, all dieser groß angelegten Ermittlungen steht fest, Die Türkei-Spur ist kalt. Cedor und seine Ermittler, die finden nichts. Keine Hilal und keine Beweise gegen die Großmutter. Aber eine Frage ist für Cedor noch immer nicht beantwortet. Warum hat denn die Großmutter gelogen? Als er zurück ist, bestellt er sie nochmal in sein Büro. Davon hat er später im Podcast Sterncrime Spurensuche erzählt. Rückblickend, ganz süß. Oma Fatma kam dann immer mit einem Picknickkorb ins Präsidium. Wir haben uns dann bei mir im Büro unterhalten. Vertrauen muss da erst aufgebaut werden. In diesem Gespräch konfrontiert Zedor die Großmutter nicht. Er hört ihr zu und lernt sie vielleicht sogar etwas kennen. Sie treffen sich dann noch drei, vier, fünf Mal. Und dann sagt die Großmutter Zedor endlich die Wahrheit. Die Wahrheit über das, was sie an diesem Tag gemacht hat. An dem Tag, an dem Hilal verschwunden ist. Sie sagt ihm. Ja, ich habe meinen Ehemann von damals getroffen und wir haben uns wieder so, ein Stück, ja, angenährt will ich gar nicht sagen, aber wir waren in der Überlegung, das hat sich alles erledigt, zwischenzeitlich. Ich will ihn auch nicht mehr sehen, endgültig auch nicht mehr sehen. Die Großmutter hat sich also heimlich mit ihrem Ex-Mann getroffen. Was für ein Fehlschlag. Monatelang war die Großmutter die einzige Verdächtige. Und jetzt kommt raus, dass sie gelogen hat, weil sie vor ihrer Familie verbergen wollte, dass sie zu ihrem Ex-Mann Kontakt hatte. Deshalb ist sie bei der Geschichte geblieben, sie habe ihre Freundin am 27. Januar getroffen. Das macht sich jetzt auch irgendwie so ganz schrecklich anhören. Und wie kann man nur in so einer Situation lügen und so weiter und so fort. Und ich habe mich auch ein Stück geärgert, diesen Aufwand. Bin aber auch der Meinung, dass es nicht verkehrt ist, dass wir uns diese Gewissheit dann auch so abgeholt haben. Doch die Familie Erjan, die wühlt das total auf, dass die Großmutter verdächtigt wurde. Mutter Ayla, die will da gar nicht drüber sprechen. Und auch Abbas tut das wirklich nur ungern. Man sieht ja Vorurteile. Die Familie steckt dahinter, sie ist in der Türkei, zwangsverheiratet und was weiß ich, das war schon echt damals die Zeit echt hart. Und dann Soko Morgenland auch noch genannt, anstatt Soko Hilal oder Soko irgendwie vermisstendes Kind zu nennen, haben sie Soko Morgenland. Fand ich auch alles sehr voll, ja, unter der Gürtellinie ehrlich gesagt. Die haben sich auf das ganz Leichte gestellt und haben gedacht, okay, wir finden sie in der Türkei. Dann sind die mit leeren Händen gekommen und dann haben sie gemerkt, dass sie einen Fehler gemacht haben. Die Familienspur war falsch. Hilal ist nicht in der Türkei. Die Familie hat nichts mit ihrem Verschwinden zu tun. Die Trennungsgerichte über Hilals Eltern, alles haltlos. Und damit stirbt auch die letzte Hoffnung, Hilal Leben zu finden. Spätestens zu diesem Zeitpunkt, etwa ein halbes Jahr nachdem Hilal verschwunden ist, wird klar, Hilal ist Opfer eines Kapitalverbrechens geworden und vermutlich tot. Sedor und die Familie, sie haben den Kampf gegen die Zeit verloren. Und für die Familie beginnt mit dem Ende der Verdächtigungen gegen sie eine andere Form des Schmerzes. Hilals Fall stand von Anfang an in der Zeitung. Ihr Foto auf den Flugblättern, ihr Name in den Fernsehnachrichten. Eine Schlagzeile. Aber eine, die hoffte. Wer hat dieses Mädchen gesehen? Das war die Frage. Wochenlang, monatelang. Ein Mädchen, das vermisst wird. Eines, das jeden Moment wieder vor der Tür stehen könnte. Aber jetzt ändern sich diese Schlagzeilen. Aus vermisst wird vermutlich tot. Hilal war ein Mensch, ein Mädchen, das geträumt hat, das gelacht hat, das nur kurz aus dem Haus gegangen ist und gleich wieder zurück sein wollte. Aber was hat Hilal zum Lachen gebracht? Welches Lied hat sie rauf und runter gehört? Wovon hat sie geträumt, wenn sie abends im Hochbett unter ihrer kleinen Schwester lag? Ich habe mich riesig gefreut, als Hilal ja geboren war. Ich war ja davor alleine, also Einzelkind gefühlt und dann hatte ich auf einmal außerdem eine Schwester und das war Hilal. Und ich habe mich natürlich gefreut. Aber ich habe mich immer gewundert, warum ist sie kein Junge gewesen? Ich wollte gerne Fußball spielen. Wir treffen Hilals Bruder Abbas bei seiner Mutter. Wir sitzen bei T. zusammen. Und dann holt er plötzlich sein Handy raus. Da hat er ein Foto drauf von Hilals erstem Geburtstag. Sie hat ein Kleid an, eine weiße Schleife im Haar. Und auch Abbas, der ist ganz schön herausgeputzt und hat die Haare zur Seite gestriegelt. Und vorne auf dem Bild, da ist eine große Torte drauf mit Sahne und Kirschen und einer Kerze. Das Bild ist das schönste Bild mit dir zusammen, ja. Wie alt warst du da auf diesem Bild? Also wenn sie ein Jahr alt war, war ich drei. Die eine Hand ist auf der Schulter von Hilal, ne? Genau, das ist auch das. Und ich sage immer, sie schaut mir über die Schulter und hier ist das die rechte Schulter. Wahrscheinlich schaust du mir heute immer noch über die rechte Schulter. Etwas später treffen wir auch die Schwester Fatma, denn wir wollen mehr über Hilal erfahren. Hallo. Hallo. Wir sind in Fatmas Wohnzimmer und es gibt wieder türkischen Tee. Wir schauen uns Fotos an aus der Schulzeit und auch alte Schulhefte. Sie mochte wirklich immer Hausaufgaben zu machen. Das war immer ihr Ziel, immer sofort nach Hause kam sie dann und hat dann sofort die Hausaufgaben gemacht. Das weiß ich noch, da war Mama noch arbeiten, Papa war nicht da. Und dann hat sie sofort ihre Hausaufgaben gemacht und dann war Ruhe, dann konnten wir in Ruhe spielen. Und du hast ja auch deine Hausaufgaben gemacht, weil sie das gemacht hat? Nee, ich, nee. Aber zu anderen Sachen, da hat Hilal ihre kleine Schwester schon überreden können. Egal, was sie so in der Hand hatte, wollte sie dann irgendwas machen, basteln. Und sie hat mir auch vieles immer gezeigt, was ich dann immer so nicht machen konnte. Sie hat dann immer alles vorgezeigt und ja, du musst das so machen, so die Schere halten. Auch doch, dann saßen wir immer an diesem Esstisch. Wir haben noch ein Foto gefunden von Hilal und Fatma. Da lümmeln die beiden Mädchen auf dem Wohnzimmerteppich. Das muss kurz vor dem Schlafen gehen sein. Beide haben nämlich so einen Niki-Schlafanzug an, weinrot. Und vorne ist da ein Hase drauf, der Fetschi. Auf fast allen Fotos sehen die beiden gleich aus. Die haben immer die gleichen Zöpfe und die gleichen Pullover an. Da ist dann meistens Simba drauf von König der Löwen. Und auf manchen haben die so Pinguine draufgestickt. Und das ist deshalb so, weil die Großmutter immer alles im Doppelpack gekauft hat. Die beiden sehen echt aus wie Zwillinge. Ich war die größte Zicke und die war natürlich die große Schwester. Und sie war eher ein ruhiger Mensch, also so. Wie soll ich das erzählen? Ein normaler Tag, der sieht für Hilal und Fatma so aus. Sie war wirklich immer positiv. Immer morgens selber aufgestanden, hat sich selber fertig gemacht, Haare gebürstet. Dann dachte ich so, ja, so bin ich gar nicht. Und mir hat sie auch immer die Haare gemacht, gebürstet. Also wirklich wie eine große Schwester, die das macht. Aber vielleicht ist es so, gerade weil sie so verschieden sind, sind sie ein Herz und eine Seele. Meistens jedenfalls. Also wir haben uns ja eigentlich kaum mit ihr gestritten, weil wie gesagt, ich war immer die Zicke und ich habe sie immer viel angeschrien. Und nie hat sie gesagt, ja, du bist so und so. Dann hat sie für ein paar Stunden mit mir nicht gespielt. Das war es dann aber auch. Und dann haben wir uns wieder vertragen und haben wieder zusammen gespielt. Nachmittags treffen die beiden dann meistens ihre Freundin Sandra im Hochhaus nebenan. Dann waren wir auf dem großen Spielplatz, ja, da hatte jeder so, ne, diese Spice Girls war ja richtig so fame damals und dann hat sie immer gesagt, ja, du bist die, dann bist du die und dann haben wir so getan, dass wir die eine sind. Die eine, das ist Jerry Halliwell, von der schwärmt Hilal. Mama, I Love You mochte sie gerne, ne, das war das Lied. Richtig toll finden Fatma und Hilal auch Sailor Moon. Das läuft nachmittags immer auf RTL 2. Da kämpft ein Schulmädchen mit magischen Kräften gegen dunkle Mächte. Doch dann ist Hilal plötzlich weg. Sie singt nicht mehr Spice Girls Songs mit Fatma. Sie geht nicht mehr mit ihr auf den Spielplatz. Sie liegt nicht mehr unter ihr im Hochbett. Statt Hilal ist da nun eine riesige Lücke. Und Fatma, die wird jetzt im Frühjahr 1999 nicht mehr von Hilal, sondern von jemand anderem zur Schule begleitet. Die Polizisten, weiß ich noch, die haben mich dann immer zur Schule gebracht. Also ich bin nicht alleine gegangen, da haben die mich immer begleitet. das weiß ich noch. Und auch in der Schule findet Fatma keinen Trost. Im Gegenteil. Alle Kinder wissen, was mit Hilal passiert ist, aber die meisten sprechen nicht darüber, machen weiter wie bisher. Und dann ist da noch die Klassenlehrerin. Damals hat mein Vater oder meine Mama mir so Nagellack gemacht, meine Nägeln und ich fand das schön, ein bisschen Ablenkung. Da hat meine Lehrerin dann mir gesagt, oh, deine Schwester ist doch verschwunden, wieso machst du dir jetzt Nagellack drauf? Wenn sie sowas hört, dann weiß Fatma manchmal nicht, wohin mit ihrem Schmerz und ihrer Verzweiflung. Sie hat keinen mehr zum Reden. Und in solchen Momenten nimmt dieses Mädchen einen Stift in die Hand. Hast du diesen Zettel geschrieben? Das war ich ja. Das ist meine Schrift. Das habe ich geschrieben. Kannst du es einmal vorlesen? Ich muss selber meine Schrift gucken. Liebe Hilal, die Polizisten geben auf, dich zu suchen. Ich bin ganz traurig. Mama hat mir versprochen, nicht zu weinen. Diesen Zettel, den haben wir gemeinsam mit ihrer Mutter gefunden, als wir gerade durch Fotoalben gegangen sind. Und neben diese Zeilen hat Fatma ein Foto geklebt. Und dieses Foto, das hat sie ausgeschnitten von einem dieser Handzettel, die sie damals mit ihren Eltern in der Elbgau-Passage verteilt hat. Und hinter die letzten Buchstaben, da hat sie mit einem roten Filzstift ein dickes Herz gemalt. Es war wirklich Trauer, nur Trauer, weil ich habe nur gesehen, dass meine Mutter nur geweint hat. Und es hat gar nicht so aufgehört, dieser Schmerz. Abbas leidet auch darunter, dass Hilal weg ist. Bald aber merke ich, er geht ein bisschen anders damit um. Also ich konnte sehr schlecht darüber reden. Ich sage ehrlich, damals sind die Tränen sogar gekommen, wenn ich mal darüber geredet habe. Und weil er die Tränen nicht zeigen will, zieht er sich zurück. Ich bin dann ein bisschen, abseits gewesen und habe trotzdem immer nach meiner Schwester gesucht. Wir treffen Abbas das nächste Mal in einem Café. Es ist nur wenige Schritte von dem Hochhaus entfernt, in dem er und seine Familie damals gelebt haben und von dem wir schon so viel gehört haben. Und jetzt gehen wir zusammen rüber und stehen dann vor diesem schmucklosen Haus. Neun Stockwerke, so wie die anderen Hochhäuser auch. Neben der Tür, da lehnen Kinderfahrräder. Ein Tretroller, der liegt davor auf dem Boden. Wir haben damals in diesem Hochhaus gewohnt. Ich glaube, wir sind 1993 oder 1992 hier eingezogen und haben im siebten Stock damals gewohnt. Abbas, der will uns ja eigentlich nur das Haus von außen zeigen. Doch jetzt merke ich, der hat Bilder im Kopf. Und eine Idee. Er guckt lange auf die Klingelschilder neben der Haustür. Und jetzt entdeckt er was. Ach, ich sehe gerade Familie Lüthi Wunter noch, Sechsenstock. Man kann vielleicht klingeln, mal mit denen reden. Abbas drückt die Tür auf. Im sechsten Stock wartet schon Herr Lüthi an der Wohnungstür. Abbas stellt sich vor. Und der Herr Lüthi, der sagt... Kommt doch rein, einen Augenblick. Danke. Herr Lüthi bittet uns ins Wohnzimmer und erzählt uns dann, dass er sich an diesen Tag, als Hilai verschwunden ist, noch richtig gut erinnern kann. Ja, also wenn ich da nur dran denke, dann kriege ich immer noch Gänsehauten. Richtig schlimm. Ich weiß noch, dass die Mutter von, also deine Mama, die saß in der Küche mit meiner Mutter und weil sie nicht so gut Deutsch kunde, hat meine Mutter nur noch die Polizei angerufen und allen möglichen Fragen. Und Abbas, der guckt jetzt ganz verwundert. Das wusste er nämlich noch gar nicht. Dann sprechen sie über die Nachbarn unten drunter, die sich immer über den Kinderlärm so beschwert haben. Einmal, sagt Lüthi, da haben sie sogar Kartoffeln runtergeworfen, weil es ihnen auf dem kleinen Spielplatz mit der Rutsche und dem Sandkasten immer zu laut war. Das ist übrigens auch der Spielplatz, auf dem sich immer Hilal, Fatma und ihre Freundin Sandra getroffen haben und wo sie sich ausgemalt haben, sie wären so berühmt wie die Spice Girls. Als sich Abbas von Herrn Lüthi verabschiedet, geht er sofort in den Hausflur zum großen Fenster. Hier hat es immer, dass die Ausschau-Geräusche rein muss. Hier steht deine Mutter immer. Genau, also in dem siebten Stock. Abbas blickt aus dem Fenster. Von hier aus geht der Blick weit in die Umgebung. Man sieht hier Spar. Könnte man damals gut sehen. Und hier der Parkhaus. Von diesem Fenster aus konnte Ayla nach ihren Kindern schauen, wenn sie unten unterwegs waren. Sie sieht den Weg zur Ampel, den Parkplatz, den Spar, die ganze kurze Strecke. Auch nachdem Hilal verschwunden ist, steht sie hier. Tage vergehen, Wochen, kein Hinweis. Und während Ayla hier steht und wartet, wird wie aus dem Nichts ein Mädchen gefunden. Er hat dieses arme, verängstigte Kind mit einem Schraubendreher bedroht. Hat ihr gesagt, dass er sie absticht, wenn sie sich rührt. und sie war natürlich total verängstigt. In der nächsten Folge von Hilal. Die nächste Folge 4 hört ihr noch auf allen Podcast-Plattformen. Mit einem Stern-Plus- oder RTL-Plus-Abo könnt ihr aber alle Folgen durchhören. Mit einem Stern-Plus-Abo könnt ihr auch unseren Crime-Podcast Luchterhand über einen der mysteriösesten Kriminalfälle Berlins hören. Das lohnt sich also. In der App Campfire können wir uns auch direkt treffen und chatten. Über Hilal, über den Fall und über Fragen, die ihr dazu habt. Dort gibt es auch unsere Fotos und Infografiken. Hilal ist eine Produktion von Sternplus und RTLplus. Konzipiert, geschrieben, gehostet und produziert von Adrian Breder, Isa von Heil und uns, Annalena Anza und Nikolaus Büchse. Postproduktion Veitjön und Andolin Sonnen. Die Titelmusik kommt von Paul Eisenach. Wenn ihr etwas wisst, wenn ihr wirklich einen Hinweis zu Hilals Verschwinden habt, dann meldet euch. Aber bitte keine Spekulationen. Es helfen nur konkrete Hinweise. Die Kontakte findet ihr in der Folgenbeschreibung.