Während des Siebenjährigen Krieges ringen die europäischen Weltmächte Großbritannien und Frankreich auch in Indien um Territorien und Einfluss. 1757 zieht der Herrscher von Bengalen mit Unterstützung der Franzosen in die Schlacht gegen die immer aggressiver auftretende britische East India Company. Gut ein Jahr, nachdem seine Männer Dutzende Briten im berüchtigten Schwarzen Loch von Kalkutta elendiglich haben sterben lassen. Doch ein Verräter wird ihm nicht nur den Sieg nehmen, sondern am Ende auch das Leben.
Verbrechen der Vergangenheit. Ein Crime-Podcast von Geo Epoche und RTL+. Hallo, herzlich willkommen zu einer neuen Folge von Verbrechen der Vergangenheit, dem Podcast von Geo Epoche über die dunkle Seite des Menschen und der Macht. Vorab möchte ich noch einmal, wie schon beim letzten Mal, um Verständnis dafür bitten, dass ihr in diesem Podcast verstärkt Werbung zu hören bekommt. Die Spots, die sind für den Erzählfluss und den Hörgenuss nicht optimal, das wissen wir. Aber Werbung hilft uns, dass wir Verbrechen der Vergangenheit weiter in gewohnter Qualität produzieren können und dass ihr diese Folgen auch alle weiter kostenlos hören könnt. Von Plattformen wie Spotify bekommen wir übrigens kein Geld. Könnte man denken, ist aber nicht so. auch nicht, wenn ihr dort Premium-Abos abgeschlossen habt. So, und nun kommen wir zum schwarzen Loch von Kalkutta. Ich weiß nicht, wie bekannt das ist. Besser auf jeden Fall kennt man es wahrscheinlich in seiner englischen Variante als Black Hole of Calcutta. Denn das, was ihr gleich hört, das ist eben eine berüchtigte Episode nicht der deutschen, sondern der britischen Geschichte. Dieses schwarze Loch, das tut sich grob Mitte des 18. Jahrhunderts in Indien auf. Das ist die Zeit des Siebenjährigen Krieges.
Über den haben wir hier bei Verbrechen der Vergangenheit ja auch schon intensiver gesprochen. In der Folge Überfall in der Wildnis und auch das britische Kolonialreich in Indien. Das war natürlich schon Thema bei uns in die Drogenhändler ihrer Majestät. Immer wenn ich auf alte Folgenhinweise ärgere, ich mich übrigens, dass wir die nicht von Anfang an konsequent durchnummeriert haben. Sollten wir vielleicht mal nachholen, dann ist es hier einfacher mit den Nachholtipps. Auf jeden Fall kommt nun in dieser Folge alles zusammen. Der Siebenjährige Krieg, das britische Überseeimperium und natürlich entscheidende Momente der indischen Geschichte. Und um das einmal voreinander zu bringen, ist die Autorin der heutigen Geschichte vorbeigekommen, Katrin Maike Sedlmeier. Schön, dass du da bist. Hallo Insa. Also als erstes müssen wir natürlich mal genauer klären, wie der Siebenjährige Krieg nach Südasien kommen konnte. Das haben wir ansatzweise in der eben erwähnten Folge schon getan, aber ich glaube, jetzt schauen wir doch nochmal genauer hin. Gerne. Also der siebenjährige Krieg, der ereignete sich ja von 1756 bis 1763.
War eben nicht nur ein Kampf um die Vorherrschaft im Deutschen Reich und in Mitteleuropa, auch wenn das in Deutschland manchmal so wahrgenommen wird. Er war nämlich gleichzeitig auch ein Wettstreit um die globale Vorherrschaft. Und dieser Kampf, der wurde vor allem von Frankreich und Großbritannien geführt. Ja, das waren zwei Kolonialmächte, die durch Bündnisse in das europäische Mächtesystem einbezogen, verwickelt waren. Großbritannien, das war mit Preußen verbündet und Frankreich wiederum mit Österreich und Russland. Genau.
Zum anderen aber, und das macht den Siebenjährigen Krieg ja erst zu einem globalen Konflikt, der übrigens manchmal auch als Erster Weltkrieg der Geschichte bezeichnet wird. Also zum anderen waren Frankreich und Großbritannien in dieser Zeit schon, du hast es eben erwähnt, bedeutende Kolonialmächte, die auf drei Kontinenten aktiv waren. In Afrika, Amerika und eben Asien. Und überall an diesen Orten sind sie dann während dieses Krieges auch aneinander geraten. Ja, also auch in Indien. Ja, da sind beide Mächte damals stark engagiert, weil sich mit dem Handeln mit Indien viel Geld verdienen lässt. Allerdings greifen die Staaten da zu dieser Zeit nicht direkt ein, also wie wir das heute kennen mit großen Armeen etwa, sondern sie haben das quasi delegiert an Handelsgesellschaften. Das waren private Aktiengesellschaften, die extra zu diesem Zweck gegründet wurden. Ja, delegiert ist richtig und wichtig. Das waren eben nicht einfach kommerzielle Unternehmen, wie wir das heute kennen, sondern diese in überseeaktiven Aktiengesellschaften, die hatten hoheitliche Rechte, wurden ihnen verliehen, also von ihren Regierungen. Aber du sagst uns jetzt einmal, was das eigentlich konkret heißt.
Naja, die durften beispielsweise diplomatische Verhandlungen mit Herrschern vor Ort führen. Die durften Handelsstützpunkte gründen, militärische Truppen unterhalten und im Zweifelsfalle sogar Krieg führen.
Auf britischer Seite war das die East India Company, die ist ja sehr bekannt. Und auf französischer Seite die Compagnie de Sons Oriental, die französische Ostindien Company. Ja, die kennt man tatsächlich nicht so sehr wie die East India Company. Und das kommt ja auch nicht von ungefähr. Das hat ja mit unserer Geschichte zu tun. In der Tat, das ist halt ein Ergebnis dieser Kämpfe, um die es in unserer heutigen Geschichte später auch gehen wird. Aus diesen Kämpfen geht nämlich Großbritannien als Sieger hervor, wie übrigens auch aus dem gesamten Siebenjährigen Krieg. Frankreich ist danach weitgehend raus aus dem Indiengeschäft und für Großbritannien geht es mit diesen Erfolgen in Indien ja erst so richtig los. Keine 100 Jahre später, also um 1850, da sprechen wir nicht mehr von Handelsstützpunkten hier und dort, sondern da gehört, Fast der gesamte indische Subkontinent zum British Empire. Ja, wir haben bislang ja nur von diesen zwei europäischen Mächten gesprochen, aber in diese Kämpfe um 1755, in die sind ja auch einheimische Parteien verwickelt. Vergiss man manchmal. Ja, allerdings. Also man muss sich ja klar machen, was bei unserer eurozentristischen Sicht der Dinge gerne mal untergeht. Dass Indien zu dieser Zeit ja schon eine reichhaltige Geschichte hat mit gewaltigen Reichen und machtvollen Herrschern.
Allerdings hat es da einige Jahrzehnte vor unserer Geschichte einen großen Umbruch gegeben. Bis Anfang des 18. Jahrhunderts regierten die sogenannten Mogul-Kaiser über Großteile Indiens. Erst von Agra aus und dann von Delhi.
Und deren große Zeit ging dann aber zu Ende. Also unter anderem konnten die das riesige Gebiet auch militärisch nicht halten. Und viele Regionen wurden de facto unabhängig. Ja, und da kommt jetzt der Schauplatz unserer heutigen Folge ins Spiel. Das ist Bengalen im Nordosten von Indien. Richtig, das ist damals eine der reichsten Gegenden des ganzen Subkontinents. Auf die Herrscher da hatte der Mogul-Kaiser praktisch keinen Einfluss mehr. Anders gesagt, also diese Herrscher in Bengalen, die wurden übrigens damals Nawab genannt, die waren dadurch in Bengalen dann auch die wichtigsten Ansprechpartner für die Briten und die Franzosen. Und sie haben, das sieht man ja oft in kolonialen Situationen.
Also sie haben versucht, die Konkurrenz zwischen den europäischen Mächten für sich zu nutzen, Die beiden also gegeneinander auszuspielen. Das hat aber in dem Fall nicht so gut geklappt, richtig? Nein, letzten Endes nicht. Also der Nawab von Bengalen zieht in diesem Machtspiel den Kürzeren und verliert sogar sein Leben. Dazu werden wir gleich mehr hören. Genau, verraten wir jetzt nicht mehr. Genau. Und seine Dynastie verliert nach seinem Tod auch die Macht in Bengalen an die Briten. Genauer gesagt natürlich an die East India Company. Und die wird dadurch endgültig zur politischen und auch militärischen Macht in Indien. Zu einem einschneidenden Ereignis im Rahmen dieser Kämpfe, von dem haben wir anfangs schon gehört, würde ich dich jetzt gerne nochmal befragen und um das hat sich nämlich ein interessanter Mythos entwickelt. Ich meine natürlich das Black Hole of Calcutta, das Schwarze Loch von Calcutta. Also kannst du einmal kurz erklären, was da passiert ist? Ja, also 1756, da hat dieser besagte Nawab von Bengalen, den wir gerade schon erwähnt haben. Shirat Udaula war sein Name, glaube ich. Genau der. Der hat da mit seinen französischen Verbündeten einen Triumph über die Truppen der East India Company errungen. Der konnte nämlich ein wichtiges Faux einnehmen, das Faux William. Das lag auf dem Gebiet des heutigen Kolkata. Also der Name Kalkutta ist seit 2001 nicht mehr in Gebrauch. Oh gut, dass du nochmal darauf hinweist. Genau. Habe ich ja gerade ganz falsch gemacht.
Naja, wir sprechen ja über den historischen Kontext. Damals hat man Kalkutta gesagt, also kann man das schon machen.
Und bei diesem Sieg oder bei dieser Schlacht, da machen seine Soldaten viele Gefangenen und die sperren sie über Nacht in einem viel zu kleinen Raum in dem eroberten Fonds ein. Das wurde damals eigentlich oder zuvor eigentlich eher als Ausnüchterungszelle für Soldaten. Britische Soldaten genutzt. Und durch die Enge und Hitze überlebt dann ein Großteil dieser britischen Gefangenen die Nacht nicht. Ja, was da im Einzelnen vor sich ging, dazu hören wir gleich noch mehr. Mir geht es jetzt vor allem mal um die Nachgeschichte dieser Tragödie. Die ist nämlich interessant. Ja, die ist in der Tat interessant.
Logischerweise gibt es natürlich diese Nachgeschichte, dieses historische Vermächtnis. Im Englischen gibt es dafür das Wort Legacy. Das lässt sich nicht hundertprozentig ins Deutsch übersetzen. Aber diese Geschichte gibt es jedenfalls in zwei Sichtweisen aus der britischen und von der indischen Seite her. In Großbritannien ist das Schlagwort Black Hole of Calcutta ja heute noch auf jeden Fall geläufig. Genau und das hat vor allem damit zu tun, dass das, was damals in Indien passiert ist, über gut zwei Jahrhunderte fester Bestandteil des britischen Geschichtsunterrichts war. Und dabei wurde, also wenig überraschend vor allem, die britische Opferrolle betont. Aber im englischen Sprachraum, da ist nicht nur das eigentliche historische Ereignis noch relativ geläufig, sondern der Begriff an sich ist ein Schlagwort geworden, das man auch in ganz anderen Zusammenhängen verwenden kann. Es ist dabei oft ein Synonym für eine besonders schlimme und ausweglose Situation oder auch einfach nur für einen extremen kleinen Raum.
Also könnte sein, dass ein britischer Urlauber, der unzufrieden mit seinem Hotel ist, sagt, unser Hotelzimmer ist so klein, dass Black Hole auf Karkata war, nichts dagegen. Ja, sehr unbedarfter Vergleich. Es gibt sogar Songs, die so heißen. Genau, also ich habe da einige gefunden, also von Metal-Bands oder es gibt auch Folk-Songs, die kann man bei den Streaming-Diensten finden, wenn man da Black Hole of Kolkata eingibt. Aber auch da setzen die Musiker den Begriff eher metaphorisch ein. Also es geht nicht um das historische Ereignis von 1756, sondern sie benutzen den Begriff, um enge oder eine ausweglose Situation zu beschreiben. Aber es gibt ja eben auch, das hast du eben schon angekündigt, die indische Sicht auf die ganze Geschichte, das Nachleben des Black Hole in der indischen Gesellschaft. Und da sieht es ja ganz anders aus. Genau, da wird die Erzählung eher als ein Beispiel für britische koloniale Propaganda gesehen. Vor allem die eben erwähnte britische Opferrolle, die zur Zeit des Empires und auch danach, wie wir ja gerade gehört haben, noch betont wurde. Und die lehnen eben viele Inderinnen und Inder ab.
In deren Sicht sind die Briten also im 18. Jahrhundert die Aggressoren und ja, das stimmt ja auch, die kolonialen Unterdrücker also, die ja eigentlich nichts in Indien zu suchen hatten, jedenfalls nicht als militärische Macht. Damit sind wir dann ja schon mittendrin in der modernen Kolonialismusdebatte. Ja, schon. Aber das, was uns an dieser Diskussion so modern vorkommt, all das gibt es in Indien schon erstaunlich lange, muss man sagen. Also diese Debatte ging da schon vor über 100 Jahren los. Wohlgemerkt, wir reden hier nicht vom antikolonialen Widerstand. Den gab es in Indien natürlich auch schon früher. Also wir denken an Mahatma Gandhi und auch bereits vorher gab es schon Aufstände. Sondern hier geht es jetzt um die Infragestellung des kolonialen Narrativs, also um das, was wir heute ja den kolonialen Blick auch nennen. Also wer erzählt eigentlich diese Geschichte? Die wurde ja früher hauptsächlich von Eroberern geprägt und nicht von den Unterdrückten. Ja, das ist interessant. Das Ganze ging los mit einer wissenschaftlichen Studie, in der die britische Sicht auf der Faktenebene infrage gestellt wurde. Und das schon sehr früh, du hast es eben schon gesagt. Genau, das war schon 1897 und in dieser Studie ging es vor allem um die Opferzahl.
Bis dahin hatte niemand an den Zahlen gezweifelt, die der britische Gouverneur in Bengalen im 18. Jahrhundert verbreitet hatte.
Also seinen Angaben nach waren damals im Black Hole 146 Menschen gefangen, von denen 123 gestorben sind. Und diese Zahlen hat der Autor dieser Studie, das war ein indischer Historiker.
Diese Zahlen hat er mit verschiedenen Argumenten in Frage gestellt. Also er ging davon aus, dass der Gouverneur die Zahl der Gefangenen und Toten stark übertrieben hat. Aber diese Debatte, also das war vor allem eine akademische Debatte zu der Zeit, die er damit angestoßen hat, die hat etwas später tatsächlich einen politischen Charakter angenommen und dafür war vor allem ein Mann verantwortlich. Ich hoffe, ich spreche ihn jetzt richtig aus. Shupas Chandra Bose. Das ist eine der wichtigsten politischen Figuren im Indien des 20. Jahrhunderts. Genau, der war wie Mahatma Gandhi Teil der antikolonialen Widerstandsbewegung. Aber er ist auch eine relativ amivalente Figur. Also er war viel radikaler und gewaltbereiter. Deshalb war er auch eher Gandhis Gegenspieler als sein Partner, kann man so sagen. Also es gab da auch Verbindungen zum Beispiel zu den Nationalsozialisten, weil Boos versucht hat, seinen Widerstand auch mithilfe von deutschen Truppen zu organisieren. Das ist dann letztendlich nicht zustande gekommen, aber da gab es auf jeden Fall Kontakte. Dieser Mann jedenfalls, der sieht 1938 in der Debatte um das Black Hole die Gelegenheit, den Widerstand gegen die britischen Kolonialherren anzuheizen. Also die sind ja zu dem Zeitpunkt immer noch da. Also Indien wird ja erst 1947 unabhängig. und Bose konzentriert sich dabei auf ein Symbol für die britische Sichtweise.
Das ist ein Denkmal, Das hat der Gouverneur, der besagte Gouverneur von Mengalen, der damals die Opferzahlen kurz nach dem Ereignis in die Welt gesetzt hat, auf einem zentralen Platz in Kalkutta errichten lassen. 1901 wurde das dann nochmal umgestaltet. Das war dann oder ist ein 15 Meter hohes Denkmal, so eine Art Obelisk. Und dieses Denkmal wurde dort errichtet, wo sich einst auch das Black Hole befunden haben soll. Und Bose und seine Leute, die wollen das jetzt weg haben. Genau und sie haben damit tatsächlich, sagen wir mal, einen Teilerfolg, nämlich der damalige Gouverneur von Bengalen, also zur Zeit von Bose, der lässt das Denkmal nämlich klammheimlich abbauen und an einem viel weniger präsenten Ort wieder errichten. Das war im Hof einer Kirche und ich sage deswegen Teilerfolg, weil steht da immer noch bis heute. Das ist die St. John's Church in Kolkata. Ja, ganz interessant finde ich auch, dass Bose sich nicht nur gegen das Monument eingesetzt hat, sondern ja auch für eine Neubewertung des Mannes, den die Briten für das Massaker verantwortlich gemacht haben, den Nawab. Genau, das war der Nawab Shirat Uddaula und der war in der britischen Sicht natürlich der absolute Bösewicht.
Bose aber, der erklärt ihn zu einem antikolonialen Kämpfer und ja, man kann sagen, er hat damit durchaus Erfolg. Also heute wird der Nawab in Indien durchaus als eine Art Nationalheld gesehen. Also Institutionen wie Schulen beispielsweise tragen in Indien seinen Namen.
Und Boos, der hat sich damals auch sogar für die Einführung eines Shirat Udaula Nationalfeiertages eingesetzt. Am Jahrestag von dessen Ermordung. Der hat sich in Indien, so viel ich weiß, aber nicht durchgesetzt. Ja, und das ist die perfekte Überleitung zu unserer Geschichte, denn mit genau dieser Ermordung geht sie los. Katrin Meike, vielen Dank, dass du da warst. Jetzt hören wir also die Geschichte, die du darüber geschrieben hast. Verrat in Bengalen. Es liest Peter Kämpfe.
Moshidabad, Indien, 2. Juli 1757. Mittlerweile haben sich seine Augen an das Dunkel gewöhnt. Seit einigen Stunden schon ist er eingesperrt, in einem engen, düsteren Raum. Als Gefangener im eigenen Palast. Nicht viel erinnert noch an seinen hohen Stand. Statt wie früher Gewänder aus feingewebtem Seidenstoff und Musselin trägt Sirachodolla, Nawab von Bengalen, nun einfache Kleidung. Schmutz und Dreck haften daran, Angst steht ihm im Gesicht. Unruhig läuft er in seinem Verlies umher, bangt um sein Leben, dann hört er plötzlich Schritte, knarrend öffnet sich die Tür. Der Nawab sieht eine Klinge im Gegenlicht aufblitzen, fleht um Gnade, Doch der Angreifer sticht sofort erbarmungslos zu. Der einst mächtigste Mann Bengalens bricht zusammen und stirbt. So schildert zumindest ein Zeitgenosse dessen letzte Momente.
Mit dem Tod des Nawab geht nicht nur eine Dynastie unter, auch die Unabhängigkeit Bengalens endet. Fortan werden andere über die Geschicke des mehr als 200.000 Quadratkilometer großen Territoriums im Nordosten des Subkontinents bestimmen. Keine einheimischen Muslime, Hindus oder Buddhisten, sondern eine fremde Großmacht, die schon länger danach trachtet, sich der Reichtümer Indiens zu bemächtigen, Großbritannien. Die Briten treibt dabei etwas viel Größeres an als das Geschäft mit wertvollen Gütern. Sie wollen noch mehr politischen Einfluss, mehr Macht, mehr Territorien, um ihre Unternehmungen auszudehnen, den höchsten Profit herauszuschlagen, aber auch, um die Franzosen zu verdrängen, ihren größten Handelsrivalen im Süden Asiens. Denn jetzt, Mitte der 1750er Jahre, wird die seit Jahrzehnten schwelende Konkurrenz der Europäer in Indien durch einen globalen Konflikt befeuert. Im Siebenjährigen Krieg stehen sich Großbritannien und Frankreich weltweit auf dem Schlachtfeld gegenüber, auch auf dem Subkontinent. Dort entspinnt sich ein verwirrendes Ränkespiel, in dem sich die europäischen Königreiche nicht nur gegenseitig bekämpfen, sondern auch wechselnde Allianzen mit einheimischen Würdenträgern eingehen.
Letztlich wird Großbritannien die Oberhand in diesem Ringen gewinnen mit weitreichenden Folgen, denn der Triumph der Briten in Bengalen ist nur der erste Schritt hin zur Unterwerfung ganz Indiens. Wenige Jahrzehnte nach dem Ende des Siebenjährigen Krieges werden sie fast den gesamten Subkontinent beherrschen und die Macht rund anderthalb Jahrhunderte lang nicht mehr aus der Hand geben.
1756 ist Sirachodolla der letzte muslimische Herrscher Bengalens, der sich ihnen entschlossen in den Weg stellt, bis man ihn verrät.
Seit Jahrhunderten trachten die reichen und mächtigen Europas nach den Schätzen Asiens, derer sie jedoch nur über Zwischenhändler habhaft werden. Erst als die Portugiesen 1498 den Seeweg nach Indien entdecken, erhalten sie direkten Zugang zu den Märkten. In der Folge gründen nahezu alle seefahrenden Reiche Europas sogenannte Ostindien-Kompanien Handelsunternehmen, die bald Niederlassungen in dieser Region der Welt errichten. Um 1700 sind unter anderem die Niederländische Vereinigte Ostindien-Kompanie, VOC, und die Französische Compagnie des Sands Oriental hier aktiv. Den größten Einfluss aber haben die Kaufleute der britischen East India Company, EIC, einer seit 1600 operierenden Aktiengesellschaft. Obwohl die EIC ein privates Wirtschaftsunternehmen ist, genießt sie, wie auch die Firmen der Niederländer und Franzosen, besondere Privilegien. Sie darf etwa Geld prägen, Gericht halten über ihre Angestellten und sogar eigenmächtig Kriege führen. Außerdem besitzt die Company einen Freibrief der englischen Krone. Der sichert der EIC zu, dass nur sie Handel mit Indien, Ost- und Südostasien treiben darf.
In Indien haben die britischen Kaufleute mit einer Kombination aus Bestechung, Machtdemonstration und strategischem Geschick mehrere einheimische Herrscher für sich gewonnen. Anfang des 18. Jahrhunderts gehören ihnen bereits Faktoreien und Festungen an wichtigen Handelsrouten, etwa Bombay auf einer Insel im Westen, Kalkutta im Gangesdelta und Madras an der Koromandelküste im Südosten. Anfangs sind es kleine Siedlungen mit Lagerhallen, Kirchen und Unterkünften für die Angestellten Die Company tauscht dort Silber gegen Gewürze, Indigo und Salpeter Außerdem laden die Briten in Indien Opium, um damit in China Tee für den heimischen Markt zu erwerben.
Insbesondere aber verlangen Londons Händler nach hochwertigen Stoffen. Die Damen der europäischen Oberschicht tragen bevorzugt indische Seide und Kleider aus Musselin, einem zumeist aus indischer Baumwolle hergestellten zarten Stoff. In den Salons vornehmer Bürger stehen mit Chins bezogene Möbel. Die Nachfrage nach den Geweben ist so groß, dass sie bald mehr als die Hälfte der britischen Schiffstransporte aus der Weltgegend ausmachen.
Dennoch sind die europäischen Kaufleute in Indien zunächst nur wenige Akteure unter vielen. Neben einheimischen Anbietern machen auch arabische, persische, armenische und malaysische Händler gute Geschäfte. Und jeder Warenumschlag bringt Profit den beteiligten Händlern und der jeweiligen Region. Am reichsten ist Bengalen. Aus dem Himalaya im Norden kommend, winden sich die großen Ströme Ganges und Brahmaputra durch das Land, bis sie sich in eine Vielzahl von Wasserläufen auffächern, vorbei an Reisfeldern, Dörfern und dichten Mangrovenwäldern und schließlich im Golf von Bengalen in den Indischen Ozean fließen. Die Erde dort ist besonders fruchtbar. Bauernernten, Zuckerrohr, Betelnüsse, Tabak und Senfkörner, aus denen Öl gewonnen wird. Im Landesinneren pflanzen sie Baumwolle. In Webereien produzieren zehntausende Frauen mehr als 150 verschiedene Stoffsorten.
Formal gehört Bengalen in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts zum Reich der Mogul-Kaiser von Delhi, einem gewaltigen Territorium, das sich über nahezu den gesamten Subkontinent und Teile Afghanistans erstreckt. Doch ab 1706 zerfällt dieses muslimische Imperium. Zu groß ist die Zahl der Gegner, innen wie außen, Eindringlinge aus dem Iran, aufständische Provinzfürsten und Verräter aus der eigenen Familie.
Wegen der ständigen Unruhen fehlt es den Großmogulen an Geld und Soldaten, um ihre Ansprüche durchzusetzen. Immer mehr ihre Nauabs, Gouverneure, verhalten sich daher wie unabhängige Fürsten, raffen Reichtümer zusammen, befehligen Armeen und kontrollieren den Handel in ihrem Machtbereich. Zwar erkennen sie die Oberherrschaft der Großmogulen weiterhin an, Abgaben schicken sie jedoch nur noch selten nach Delhi.
Und so entgleitet auch Bengalen die Provinz mit den höchsten Steuereinnahmen, in britische Währungen umgerechnet etwa 14 Millionen Pfund jährlich, dem Einfluss der Großmogulen. Hier haben die Briten 1690 mit Kalkutta ihre wichtigste Niederlassung gegründet. Um die 60 Prozent aller von der East India Company aus Asien importierten Waren kommen aus Bengalen.
Doch dann dringt eine neue europäische Handelsmacht in den Nordosten Indiens vor. Vor 1720 errichtet die Compagnie des Sands Oriental eine Faktorei in Chandonagat, nur 40 Kilometer nördlich von Kalkutta. Rasch steigen die Franzosen zu ernsthaften Handelsrivalen der Briten auf. Dennoch, zunächst setzen die Unternehmen auf friedliche Koexistenz. Auch aus Sparsamkeit ein großes Heer zu unterhalten, ist den Kaufleuten zu teuer. Ohnehin treibt sie nicht die Gier nach Macht, sondern vor allem nach Gewinn. Die Europäer betrachten Indien in erster Linie als Handelspartner, nicht als Beutel. Das ändert sich erst, als Konflikte vom europäischen Festland den Subkontinent erreichen. 1740 beginnt der österreichische Erbfolgekrieg, in dem England bald auf Seiten Österreichs unter anderem gegen Frankreich kämpft. Die Ostindien-Kompanien bleiben davon nicht unberührt. Aus Sorge, dass ihnen der jeweilige Rivale mit einem Angriff zuvor kommen könnte, rüsten beide Firmen auf. Die Direktoren in London und Paris schicken erstmals Truppen, mehrere tausend Soldaten und Kriegsschiffe Richtung Indischer Ozean. Dazu beginnen beide Seiten auch einheimische Söldner zu rekrutieren und nach europäischen Standards auszubilden.
1746 landet schließlich eine Flotte mit 2000 Kämpfern der französischen Kompanie in Madras und erobert die von den Briten gehaltene Stadt im Südosten des Subkontinents innerhalb weniger Tage. Zwei Jahre weht Frankreichs Flagge über der einst von der EIC erbauten Festung. Dann schließen London und Versailles Frieden. Madras wird wieder an die Briten übergeben. Die Franzosen erhalten dafür das zuvor von den Briten eingenommene Louisbourg im heutigen Kanada zurück.
Doch die Konkurrenz zwischen der East India Company und der Compagnie de Saint-Oriental dauert an. Beide Unternehmen haben erkannt, dass sich auch mit dem Verleih ihrer neuen Truppen Geld verdienen lässt, unterstützen etwa rivalisierende einheimische Thronanwärter. Mit dieser Strategie wollen die Firmen die hohen Unterhaltskosten für ihre Soldaten senken Zudem hoffen sie auf mehr wirtschaftliche Privilegien, Ihr Einfluss in Indien wächst Um seine Schulden bei den Europäern zu begleichen, überschreibt etwa ein verbündeter Nawab den Franzosen mehrere kleinere Dörfer entlang der Coromandelküste Von deren Bewohnern sie nun auch Steuern eintreiben dürfen, Direkt treffen die Truppen zwar nicht aufeinander, sie tragen ihre Rivalität weiter über Stellvertreter aus, die Lage aber bleibt angespannt. Und so verstärken die Europäer ihr Militär weiter, bauen ihre Festungen und Waffenarsenale aus.
Das ist die Situation, in der Mirza Muhammad Sirachadola 1756 den Thron in Bengalens Hauptstadt Morshidabad besteigt. Viele Legenden ranken sich um den jungen Herrscher. Aufbrausend, machthungrig, lüstern, so lautet die gängige Charakterisierung des damals 21-Jährigen. Tatsächlich ist diese Darstellung wohl überzogen, haben besonders die Briten zu seinem schlechten Ruf als orientalischer Despot beigetragen. Denn Siracho Dollar erweist sich neben den Franzosen als ihr größter Gegner in Bengalen.
Besonders misstrauisch verfolgt der Fürst die Baumaßnahmen der Briten an ihrem Fohr in Kalkutta, wo sie die Mauern erhöhen und mit Kanonen bewähren. Hatten seine Vorgänger das nicht verboten? Warum rüsten die Europäer auf? Wollen sie sich vielleicht, wie in Südindien, in dynastische Kämpfe einmischen? Gar einen für ihre Zwecke passenderen Kandidaten auf den Thron in Bengalen bringen? Der Naur befiehlt den Briten, die Festung zu schleifen, ohne Erfolg. Das aber will sich Siraccio Dollar nicht bieten lassen und zieht nur wenige Wochen nach seinem Amtsantritt mit einer Armee von angeblich 50.000 Mann und 500 Kriegselefanten gegen Kalkutta. Die Briten trifft der Angriff trotz all ihrer Vorbereitungen wohl überraschend. Nur etwa 500 Soldaten sind in dem Fuhr stationiert.
Die Situation scheint ausweglos. Die EIC-Angestellten evakuieren per Schiff Frauen und Kinder. Auch Männer fliehen, darunter der britische Gouverneur. Die Verbliebenen halten drei Tage der Belagerung stand. Dann ergeben sie sich. Es ist der 20. Juni 1756. Siraciu Dollar genießt seinen Triumph. Erst am nächsten Tag möchte er mit den verbliebenen Anführern der Briten verhandeln und zieht sich zurück. Damit jedoch überlässt er eine wichtige Entscheidung seinen Soldaten, wohin mit den Gefangenen während der Nacht. Im Dämmerlicht suchen die Männer in der eingenommenen Festung nach einem geeigneten Ort. Schließlich finden sie einen Raum, in dem die Company sonst angetrunkene Bedienstete zur Ausnüchterung sperrt. Mit vorgehaltenen Waffen zwingen die Soldaten die Gefangenen in das nur 25 Quadratmeter große Verlies, versperren die Tür.
Es ist der Beginn eines Martyriums. Black Hole. Schwarzes Loch. wird die Zelle auch genannt, in der die Männer und auch eine Frau nun ausharren müssen.
Wie viele Personen genau es sind, ist bis heute umstritten. Die wichtigste zeitgenössische Quelle, der Bericht eines hohen Angestellten der EIC, berichtet von 146 Menschen. Moderne Historiker halten jedoch eine Anzahl von etwa 60 für wahrscheinlicher. Die Umstände jedenfalls sind katastrophal. Die Temperaturen sinken in Kalkutta im Juni auch nachts kaum unter 30 Grad Celsius. Die Hitze ist in dem winzigen Raum unerträglich. Körper an Körper drängen sich die Menschen aneinander. Etliche klettern auf die Schultern ihrer Nachbarn, um besser atmen zu können. Andere versuchen, die zwei einzigen Fenster im Mauerwerk zu erreichen, reißen sich verzweifelt, die Kleidung vom Leib hoffen, so auf etwas Linderung rufen um Hilfe. Vergebens. Mit jeder Stunde werden ihre Schreie leiser. Etliche verstummen für immer.
Die Gefangenen sterben an Hitzschlag oder werden im Gemenge erdrückt. Als die Wärter am nächsten Morgen endlich die Türen öffnen, leben nur noch etwa 20 von ihnen, darunter die einzige Frau. Die britische Öffentlichkeit ist geschockt, als sie davon erfährt. Ganz London bestürzt, titeln die Zeitungen. Tatsächlich wird sich der Vorfall über Jahrhunderte in das Gedächtnis der Briten einbrennen. Bis heute erinnert in Kolkata, dem einstigen Kalkutta, ein 15 Meter hoher Obelisk an die Opfer der Schreckensnacht im Schwarzen Loch.
Sirachodala wusste vermutlich nichts von dem Vorgehen seiner Soldaten. Er hat die Überlebenden sogar am nächsten Tag umgehend in die Freiheit entlassen. Doch die EIC will nun ein Exempel statuieren. Auch die britische Regierung schickt erstmals Truppen nach Indien. Am 2. Januar 1757 nehmen die Vereinten Armeen die Festung in Kalkutta wieder ein. Die bengalischen Soldaten hatten sich bereits vorher zurückgezogen. Wohl auch, weil Siracho-Dollar langfristig eher an Frieden als an Krieg interessiert ist. Das aber reicht den Briten nicht. Die Macht des Nawab und der mit ihm kooperierenden Franzosen soll ein für allemal gebrochen werden. Nach dem Beginn des Siebenjährigen Krieges stehen auch in Bengalen die Zeichen auf Kampf. Im März 1757 ziehen EIC-Truppen und königliche Marine gemeinsam gegen die französische Festung in Chandanagar und erobern sie. Damit hat die Compagnie des Andes Oriental ihren wichtigsten Stützpunkt verloren. Schon holen die Briten zum nächsten Schlag aus. Am 23. Juni 1757 kommt es in einem Mango-Hain bei Palashi, einem englisch Plassey genannten Dorf zwischen Kalkutta und Moschidabad, zur Schlacht.
Sirachodollas Kontingente sind den Briten an Zahl weit überlegen. Im gewaltigen Heer des Nawab finden sich auch französische Soldaten, denn Versailles hofft, mit einem Sieg des Fürsten wieder einen Einfluss in der Region zu gewinnen. Die Briten können nur 3000 Kämpfe aufbieten. Kaum einen Kilometer misst ihre Linie.
Mehrfach ziehen sie sich vor der Übermacht des Nawab in das Dickicht der Bäume zurück, um den Kugeln zu entgehen. Eine scheinbar ausweglose Situation. Nur Zufall bringt die Wende. Ein schwerer Regensturm macht das Schießpulver der Inder unbrauchbar.
Die Briten hingegen haben ihre Munition unter Planen geschützt, feuern nun Salve um Salve in die dichten Linien des Gegners. Schlimmer noch für den Nauab, ein Bataillon, das ihm eigentlich zur Hilfe eilen sollte, wenn er in Bedrängnis gerät, rührt sich nicht von der Stelle. Es steht unter dem Kommando von Mir Jafar, seinem Onkel, einem Verräter. Schon Wochen zuvor haben die Briten den Adeligen bestochen, damit er, so die geheime Verabredung, bei der entscheidenden Schlacht stillhält. Im Gegenzug garantiert ihm London den bengalischen Thron sowie militärische Unterstützung. Der Plan geht auf. Demoralisiert vom Verrat ihrer Kameraden fliehen immer mehr indische Kämpfer vom Schlachtfeld, schließlich auch Siracho-Dollar. Auf einem Kamel rettet sich der Fürst nach Moshidabad und von dort mit seinen Frauen sowie einigen Gefolgsleuten ins Landesinnere. Doch ein Spitzel Mirjafars erkennt ihn, und so wird der Nawab nach einer Woche gefangen genommen und zurück in die bengalische Hauptstadt gebracht. Dort sperrt man ihn in ein dunkles Verlies, lässt ihn bangen und warten, bis sich die Tür in der kommenden Nacht öffnet und Sirachodola vom Messerstichen tödlich verwundet zusammenbricht, vermutlich ermordet von einem Sohn Mirjafars.
Nur etwas mehr als ein Jahr saß Sirachodolla auf dem Thron Bengalens. Nun besteigt ihn der Mann, der ihn verraten hat. Ein wirklicher Gewinner ist der neue Herrscher aber nicht, denn Mirjafar steht schwer in der Schuld der Briten. Für seinen Titel muss er, wie zuvor vertraglich festgelegt, der East India Company hohe Tributzahlungen leisten, insgesamt rund 2,5 Millionen Pfund. Außerdem überschreibt er den Briten einen großen Landstrich südlich von Kalkutta, spielt ihnen damit die reichhaltigen Steuereinnahmen dieses Gebietes zu. Immer mehr mischt sich die EIC nun in politische Entscheidungen ein, besetzt etwa wichtige Ämter mit einheimischen Verbündeten. Bald ist klar, in Wahrheit regiert sie jetzt in Bengalen, ist der neue Nawab nur mehr eine Marionette der Londoner Kaufleute.
Auch den Handel reißen die Briten nun vollends an sich und verdrängen die anderen Nationen. Nach nur wenigen Jahren ist das Kräfteverhältnis unumkehrbar verschoben, ist die East India Company an ihrem Ziel. Sie ist die wichtigste wirtschaftliche und politische Macht in der Region.
Das Ringen mit Frankreich und es geht weiter. Vor allem im Süden Indiens kämpfen die europäischen Kontrahenten gegeneinander, bis die Briten die Franzosen zweieinhalb Jahre nach der Schlacht von Placay bei einem Ort südwestlich von Madras vernichtend schlagen. Die Niederlage setzt dem französischen Einfluss auf dem Subkontinent weitestgehend ein Ende. Ab 1763, nach dem Frieden von Paris, dem Schlusspunkt des Siebenjährigen Krieges in Übersee, bleiben den Franzosen nur noch wenige Handelsposten, z.B. Pondichéry an der Kourmandelküste. Die East India Company hingegen setzt ihren Siegeszug weiter fort. Von Bengalen aus bringt sie in den Jahrzehnten nach ihrem Triumph bei Plessy immer größere Gebiete Indiens unter ihre Kontrolle. Gleichzeitig aber breiten sich innerhalb der Firma Korruption und Misswirtschaft aus. Und so löst die britische Krone die Gesellschaft 1857 auf und macht deren Besitz zur Kronkolonie Britisch-Indien dem kostbarsten Juwel des Empire.
Indien erlangt seine Unabhängigkeit erst nach dem Zweiten Weltkrieg. Die britischen Kolonialherren verlassen schließlich 1947 das Land. Die Franzosen, die von den Briten im Siebenjährigen Krieg als Machtfaktor auf dem Subkontinent ausgeschaltet wurden, bleiben sogar noch sieben Jahre länger. Erst 1954 zieht sich Frankreich aus seinen letzten Gebieten dort zurück. Zu jener Zeit wird in Indien und in Ostpakistan, dem heutigen Bangladesch, das einen großen Teil Bengalens obfasst, schon lange wieder das Andenken Sirachodollars in Ehren gehalten. Seit Beginn des 20. Jahrhunderts rühmen Vertreter der jungen indischen Nationalbewegung, den unter britischem Einfluss lange verfehmten als Kämpfer gegen die Kolonialherren. Heute sind zahlreiche Schulen nach dem Nahuab benannt, künden Romane und Verfilmungen von dem Mut jenes Fürsten, der sich den Briten entgegenstellte, um ein unabhängiges Bengalen zu bewahren.
Das war Peter Kämpfe mit einer Geschichte aus der Geo-Epoche-Ausgabe Der siebenjährige Krieg. Die Ausgabe könnt ihr bequem digital nachlesen oder auch nur die Geschichte auf unserem Digitalangebot Geo-Epoche Plus. In den Shownotes ist der Weg dorthin verlinkt und es findet sich dort auch ein Schnupperangebot. Ansonsten freuen wir uns, wie immer, wenn ihr uns schreibt. Feedback, Kritik, Fragen per Mail an verbrechendervergangenheit.geo.de, wenn ihr Geo Epoche auf Instagram folgt. Und natürlich freuen wir uns ganz besonders, wenn ihr uns in euren Podcast-Apps abonniert und freundlich bewertet. Das tun auch schon sehr viele. Darüber freuen wir uns sehr. Vielen Dank für jede und jede freundliche Rückmeldung. Wir geben uns jetzt Mühe, die nächsten spannenden Folgen vorzubereiten. Auf die müsst ihr etwas warten, denn Verbrechen der Vergangenheit legt jetzt eine kurze Pause ein. In rund einem Monat sind wir dann aber wieder da und würden uns freuen, wenn ihr es dann auch seid. Macht's gut bis dahin. Tschüss.