Das war ein Patient Anfang, Mitte 50, der seit ungefähr zwei, drei Wochen schon sehr geplagt war wegen Rückenschmerzen. Wir waren auch sehr schnell mit unseren Medikamenten, auch bei Morphin, bei sehr starken Schmerzmitteln angelangt und auch die haben irgendwie nicht so richtig geholfen.

Dann wurden Rheumafaktoren abgenommen, es war alles negativ, weil die Schmerzen immer im Bereich der Flanke waren, haben wir dann unsere Urologen hinzugezogen, auch die fanden nichts. Wir haben Ultraschall vom Bauch gemacht, weil wir dann an die Leber dachten, auch da war nichts. Und als ich im Bereich Brustwirbelsäule, Lendenwirbelsäule, in diesem Bereich die Irritationspunkte überprüft habe, habe ich sofort einen ausstrahlenden Schmerz ausgelöst, der eben bis in die Leiste ging. Und dann ging alles ganz schnell. Ärztinnen und Ärzte sollen Leben retten. Sie sollen Krankheiten erkennen und Leiden heilen. Aber was ist, wenn sich eine Krankheit nicht so leicht erkennen lässt? Was, wenn rätselhafte Beschwerden es den Medizinerinnen und Medizinern schwer machen, die Ursache einer Erkrankung zu finden? Dann kann man nur hoffen, dass man Expertinnen und Experten an seiner Seite hat, die dranbleiben. Die nicht nachlassen, bis sie sie endlich gefunden haben. Die Diagnose. Der Stern-Podcast.

Ich bin Annika Geißler, Ärztin und Redakteurin und beim Stern für die Rubrik Die Diagnose verantwortlich. Hier erzählen Medizinerinnen und Mediziner von ihren ungewöhnlichsten Fällen. Ich spreche heute mit Frau Dr. Petra Büchin, Fachärztin für Orthopädie und Unfallchirurgie. Seit fast zehn Jahren ist sie Chefärztin für Wirbelsäulenchirurgie und Rückentherapie am Karl-Olga-Krankenhaus in Stuttgart. Als großer Pferde-Fan wollte sie zuerst Tiermedizin studieren, Aber ein Krankheitsfall im Freundeskreis weckte ihr Interesse für Humanmedizin. Nach einer allgemeinchirurgischen Ausbildung an der Uniklinik Aachen wechselte sie schließlich in die Orthopädie und Wirbelsäulenchirurgie. Wir sprechen heute über einen sportlichen Patienten Anfang Mitte 50, der trotz sehr gut trainierter Muskulatur unter äußerst starken Rückenschmerzen litt. Zahlreiche Tests und Untersuchungen brachten keine Klarheit. Dann untersuchte Petra Büchin den Mann nochmal in ihrem Sprechzimmer. Beim Abtasten fand sie einen ganz speziellen, auffälligen Punkt und konnte das Rätsel endlich lösen.

Das war ein Patient, Anfang, Mitte 50, der seit ungefähr zwei, drei Wochen schon sehr geplagt war wegen Rückenschmerzen. War auch schon deswegen in einem anderen Krankenhaus. Da hat man auch schon Diagnostik gemacht, MRT, der Lendenwirbelsäule und man fand aber nichts. Und er war eigentlich nur kurz zu Hause und hat es von Schmerzen nicht mehr ausgehalten und hat dann unser Krankenhaus aufgesucht, in der Hoffnung, dass wir ihm helfen konnten. Und wir haben schon auch in der Notaufnahme direkt bemerkt, dass da irgendwas nicht richtig läuft und haben den Patienten auch aufgenommen.

Haben mehrfach die MRT-Bilder von extern auch immer wieder durchgeschaut, haben geguckt, ob da irgendeine Pathologie zu sehen war. Der Patient hat aber auch von der Symptomatik, er war sehr schmerzgeplagt, hat aber auch immer über einen Flankenschmerz geklagt rechts und auch über einen Schmerz, der den Oberschenkel ausstrahlte. Aber es war alles nicht so richtig typisch. Wir sprechen immer von Dermatomen, von so bestimmten Hautarealen, wo vielleicht auch Taubheit auftritt bei einem Bandschelbenvorfall. Das hat alles irgendwie nicht gepasst. Darf ich da einmal einhaken? Sie haben ja gesagt, er war schon im anderen Krankenhaus, da war es nicht so richtig klar. Er ist nochmal nach Hause gegangen, sehr schmerzgeplagt. Das kann ja von Biss heißen. Also viele halten das ja lange Zeit aus und Rückenschmerzen kennt jeder irgendwie und sagt, oh hier zieht es mir rein oder Hexenschuss oder da ist so ein dumpfer Druck. Können Sie das noch ein bisschen bemerken?

Also wie doll war das mit den Schmerzen? Also er konnte noch so wenige Schritte immer stark vornübergebeugt, konnte er gehen. Er konnte sich also so von Liege zur Röntgenliege schleppen. Und auch ins Zimmer kam er schon noch, ins Badezimmer. Aber mehr konnte er nicht mehr. Wir waren auch sehr schnell mit unseren Medikamenten auch bei Morphin, bei sehr starken Schmerzmitteln angelangt. Und auch die haben irgendwie nicht so richtig geholfen. Was war das denn für ein Patient? Ich sage jetzt mal vom Aussehen. Es gibt ja Menschen, die sehr sportlich, sehr schlank, sehr bewegungsaktiv sind. Es gibt Menschen, die sind eher daheim, haben Übergewicht. Vielleicht äußern sich die Schmerzen bei dem einen so, bei dem anderen anders. Manche beißen mehr die Zähne zusammen, andere sind vielleicht eher beim Arzt. Was hatten Sie da für einen Eindruck, was das für ein Typ von Mensch ist? Ja, das war auch nochmal so ein bisschen außergewöhnlich. Er war eigentlich ein Amateursportler, der das auf sehr hohem Niveau, hat er Tennis gespielt.

Hat eigentlich täglich Tennis gespielt, hat zum Teil Training gegeben, hat da noch selbst auf Wettkämpfen teilgenommen und er konnte also schon beißen. Das hat man auch bemerkt. Und sehr außergewöhnlich war auch seine, in der Diagnostik im MRT, seine Rückenmuskulatur. Also bei vielen, heutzutage sieht man so eine Verfettung der Rückenmuskulatur. Die Rückenmuskulatur war perfekt bei ihm.

Jetzt haben Sie schon angedeutet, da gab es ausstrahlende Schmerzen, auch in die Flanken. Sie haben von diesen Dermatomen gesprochen, also Hautarealen, die man bestimmten Nervenhöhen zuordnen kann. Aber so richtig passte das nicht. Was haben Sie denn auf den Röntgen oder anderen Bildern aus dem anderen Krankenhaus gesehen? Wahrscheinlich haben Sie auch noch selber welche gemacht. Was ist denn da aufgefallen erstmal? Also wir haben selbst die Diagnostik auch nochmal wiederholt.

Haben aber letztendlich das gleiche Ergebnis erzielt. Unsere Radiologen haben auch noch mal diese Querschichten, die man in der Kernspintomographie legt, auch noch mal über die obere Lendenwirbelsäule gelegt. Wir haben sehr feinschichtig auch noch dieses Segment zwischen dem dritten und vierten Lendenwirbelkörper uns angeschaut, weil wir das immer gerne diesem Segment zugeordnet hätten. Da war aber nichts. Da war weder im Spinalkanal, wo häufig diese Bandscheibenvorfälle liegen, was zu sehen. Und auch in den Bereichen, wo wir unsere Vermutung hatten, haben wir auch nichts im Nervenaustrittsloch sehen können. Und so kam noch hinzu, dass der Patient uns in der Anamnese plötzlich auch noch geschildert hat. Wir haben natürlich alles angefangen abzufragen. Und er schilderte uns dann, dass er vor drei, vier Wochen eine Augenentzündung hatte und einen Harnwegsinfekt. Und dann kamen wir sehr schnell auch auf die Idee, es könnte was Rheumatisches sein. Dann wurden Rheumafaktoren abgenommen, es war alles negativ. Weil die Schmerzen immer im Bereich der Flanke waren, haben wir dann unsere Urologen hinzugezogen. Auch die fanden nichts. Wir haben Ultraschall vom Bauch gemacht, weil wir dann an die Leber dachten. Auch da war nichts. Und...

Ja, so waren wir dann nahezu auch schon bald wieder dabei, den Patienten zu entlassen und ihnen doch auch nochmal den Ratschlag zu geben über den Hausarzt, zeitnah bei einem Rheumatologen, der nochmal weitere Diagnostik machen könnte, dass er da vorstellig war. Jetzt muss ich nachfragen, Sie haben von der Augenentzündung erzählt und dann von den Rheumatologen. Wie kriegt man das zusammen? Wie kommt man von den Augen zum eventuellen Rheuma? Also es gibt eine Erkrankung, wenn da eine Entzündung am Auge oder in den Harnwegen auftritt, dann entstehen bei manchen Menschen Antikörper, die sich dann auch gegen körpereigenes Gewebe richten könnten. Und das können Gelenke sein. Etwas ungewöhnlich wäre es jetzt hier die Wirbelsäule, aber an der Wirbelsäule gibt es die kleinen Wirbelgelenke. Auch das wäre halt irgendwie vorstellbar gewesen, dass er dann keine radikuläre, also keinem Nerv entsprechende Ausstrahlung hat, sondern wir sprechen dann von einer pseudoradikulären Ausstrahlung, also Ausstrahlung ins Bein. Aber wir können es nicht so richtig einer Nervenwurzel zuordnen. Wir haben auch Infektionserkrankungen untersucht. Wir haben ihn auf Borreliose, diese von Zecken übertragene Krankheit, untersucht. Das war negativ.

Anamnestisch hat er auch keine Anzeichen für Gürtelrose gehabt. Auch das könnte mal sein, dass das so eine Symptomatik auslöst. All das haben wir ausgeschlossen. Und ich habe dann in der Chefvisite diesen Patienten noch mal selbst im Bett liegen sehen und dachte, das gibt es doch gar nicht, den können wir so nicht heimschicken. Der war in der Zwischenzeit nicht mehr richtig geduscht, weil er gar nicht mehr ins Bad konnte.

Der hat mit uns auch nicht mehr kommuniziert, er hat schon richtig resigniert, und dann dachte ich, ich habe auch eine manualmedizinische Ausbildung gemacht Jetzt muss ich ihn mir nochmal in meinem Sprechstundenzimmer auf so einer speziellen Liege anschauen, damit ich ihn gegebenenfalls auch behandeln könnte. Lassen Sie mich da nochmal nachfragen, weil das jetzt so ein Reigen war, was Sie alles gemacht haben. Also wir haben ja gesagt, die rheumatologischen Sachen waren eigentlich in Ordnung, Gürtelrose haben Sie ausgeschlossen und, und, und, die Internisten haben im Ultraschall geguckt, Ist da irgendwas? Die Urologen. Also eine riesige Palette und sie haben nichts Auffälliges gefunden.

Können Sie, bevor Sie jetzt sozusagen auf diese Szene mit der Liege und wo er nochmal bei Ihnen war zurückkommen, erzählen, nur nochmal über die Anatomie der Wirbelsäule? Weil eigentlich, am Anfang waren wir ja, der hat Rückenschmerzen, die sind richtig schlimm, die strahlen aus. Da könnte man als Laie ja auch schon sagen, ja, der hat bestimmt einen Bandscheibenvorfall. Jetzt haben Sie gesagt, na, auf den Bildern war nichts zu sehen. Beschreiben Sie doch mal bitte, die Bandscheiben sind ja zwischen den Wirbelkörpern und sind ja so eine Galaiat-artige Masse, das weiß man inzwischen. Die können sich vorwölben, können irgendwo draufdrücken und wohin wölben die sich klassischerweise oder wohin geht ein Stück nach vorne? Also ein Vorfall, wo Sie halt immer geguckt haben, bloß dass man sich das anatomisch mal vorstellen kann, wie das ausschaut. Also so ein Bandscheibenvorfall wölbt sich allermeistens im hinteren Anteil direkt in den Spinalkanal. Und da drückt dann der Bandscheibenvorfall meist auf den Abgang der Nervenwurzeln direkt. Direkt, wenn die Nervenwurzel aus dem Spinalkanal, aus dem Rückenmarkskanal austritt, da drückt der Bandscheibenvorfall und führt dann zu den entsprechenden Symptomen.

Und natürlich gibt es manchmal auch, dass man dann sieht, dass dieser Vorfall bis in das Nervenloch hineinragt. Oder es gibt auch sehr selten Bandscheibenvorfälle, die ganz außerhalb der Wirbelsäule sind und da auf den Nerv drücken. Aber dass der isoliert nur... In diesem kleinen, kurzen Stück liegt, wo sich eigentlich nur die Nervenwurzel und etwas Fettgewebe befindet, das ist extrem selten. Also das ist eine Rarität. Das heißt, es gibt ganz klassische, ich sage mal ein ganz klassisches Aussehen oder natürlich viele verschiedene Varianten, aber Sie gucken hin, die Radiologen haben sich das ja nochmal ganz kleinteilig angeguckt, an den klassischen Orten auf der Höhe, wo Sie gesagt haben, na, das würde passen, von dem ausstrahlenden Schmerz, von dem unteren Rückenschmerz oder mittel- bis unteren Rückenschmerz, war nichts zu sehen. Gut, der Patient kam nicht mehr aus dem Bett, dem ging es wirklich schlecht. Sie haben ihn gesehen, dass er da gar nicht mehr richtig sprechen konnte, so schlimm waren die Schmerzen. Und haben gesagt, den muss ich nochmal anschauen. Wie ging es dann weiter, wie war diese Szene? Dann hat die Oberärztin ihn persönlich, weil wir waren alle irgendwie angefasst von dieser Situation, wir wollen ja helfen.

Hatte ihn mir persönlich im Rollstuhl in das Sprechstundenzimmer gebracht. Mithilfe kam er dann auf diese Liege. Ihn überhaupt in Bauchlage zu lagern, war schon extrem schwierig. Und in der manuellen Medizin prüft man immer so Irritationspunkte. Und als ich im Bereich Brustwirbelsäule, Lendenwirbelsäule, in diesem Bereich die Irritationspunkte überprüft habe, habe ich sofort einen ausstrahlenden Schmerz ausgelöst, der eben bis in die Leiste ging. Und da dachte ich, Das kann nicht nur ein alleiniger Irritationspunkt sein, wo ich vielleicht eine Blockierung lösen kann. Und habe sofort den Patienten verlassen, bin wieder an meinem Computer und habe mir nochmal das MRT angeschaut.

Und im MRT kann man in den seitlichen Schnitten, konnte man auch die untere Brustwirbelsäule sehen. Und ich habe mir dann dieses Nervenaustrittsloch in diesen seitlichen Schichten angeschaut und habe gesehen, da ist ein schwarzer Fleck und kein weißes Fettgewebe mehr drumherum. Und habe dann schon den Verdacht geäußert, dass dadurch ein kleiner Bandscheibenvorfall sein könnte.

Der Patient ging dann direkt nochmal ins MRT. Wir haben die Schichten dann auch in dieses Segment gelegt, die axialen, die queren Schichten. Und da konnten wir dann einen wirklich kleinen, sehr kleinen, gemeinen Bandscheibenvorfall sehen, der die Nervenwurzel komplett komprimiert hat. Also dieses schwarze kleine Teilchen, was wir in den seitlichen Schichten gesehen haben, war also nicht mehr die Nervenwurzel, die sieht nämlich so ähnlich aus, sondern war Bandscheibenvorfall. Ja, und dann ging alles ganz schnell.

Das heißt, es war auf einer anderen Höhe in der Wirbelsäule, als Sie eigentlich gedacht haben, nämlich was passt zu den Symptomen, wohin strahlt der Schmerz aus, wo genau, in welcher Region, im Bein und im Rücken überhaupt. Es war also weiter oben Richtung Brustmüttelsäule, was eher, glaube ich, eine untypische Stelle für Bandscheibenvorfälle ist. Und es war gar nicht dieser klassische A in den Spinalkanal drückt was Großes, sondern es war mini, mini klein an der Seite. Ja, drei Prozent der Bandscheibenvorfälle, die betreffen die Brustwirbelsäule, also sehr wenig. Und davon sind wieder viele Bandscheibenvorfälle eher direkt in den Spinalkanal ragen, zum Teil sogar verkalkt. Also das ist eine ganz andere Pathologie, die man da erwartet. Aber im Nachhinein muss man sagen, Tennisspieler, wenn man sich diese Mechanik bei Aufschlägen zum Beispiel sich überlegt, Da kommt sehr viel, dass man sich sehr stark zurückbeugt, sehr stark nach vorne beugen muss. Und da können natürlich auch gerade im Bereich des Übergangs Brustwirbelsäule, Lendenwirbelsäule, das ist dann ein sehr anfälliges Segment, doch auch mal im Bandscheibenvorfall auftreten.

Ja, und diesen Nerv, den kenne ich, weil ich früher als jüngere Assistentin in der Allgemeinschirurgie immer die Leistenherrnien musste, ich immer die lokale Betäubung spritzen, bis die Operatöre kamen. Und da haben wir genau diesen Nerv betäubt. Und von daher dachte ich, okay, wo ich das mit den Fingern ausgelöst habe, gemerkt habe, wo das ihm genau hinstrahlt, er hat uns das vorher auch so diffus geschildert. Und das muss man sich in der Wirbelsäulenschirurgie oder überhaupt, wenn man mit Patienten zu tun hat, die Bandscheibenvorfälle schildern die Symptome sehr diffus oft. Man muss mehrfach nachfragen, man muss eine sehr gute Anamnese erheben und die klinische Untersuchung, das muss eigentlich so parallel gehen und dann findet man auch solche Kolibris.

Auf welcher Höhe, wenn man jetzt selber das nachvollziehen wollte und mal hinten an den Rücken fasst, ist das da, wo die Rippen enden, ungefähr auf der Höhe, dass da dieser besondere Nerv austritt, den Sie dann so durch den Druck, durch diese manuelle Untersuchung so reizen konnten, dass es ihm wirklich nach vorne in die Leiste geschossen ist? Ist das ungefähr die Höhe, bis man das mal nachvollziehen kann? Ja, genau die Höhe. Und dann ging alles ganz schnell, haben Sie eben erzählt. Was ist dann passiert? Ja, wir haben dem Patient dann im MRT den Befund gezeigt. Es trat da schon bei ihm eine Erleichterung ein. Wir haben ihm dann natürlich zur Operation geraten, die am gleichen Tag durchgeführt. Eher ungewöhnlich, sowas macht man eigentlich nur, wenn jemand Paresen hat. Aber das war für uns alle eine Ausnahmesituation. Und wir wussten, wir mussten dieses Leid jetzt endlich beenden, haben dann die Operation unter Mikroskop, entfernt man ja den Bandscheibenvorfall, unter Mikroskop durchgeführt. Der Patient ist wach geworden, die Schmerzen waren weg. Er hat den schrecklichen Schmerz dann in einen kleinen Wundschmerz getauscht und war innerhalb von zwei Tagen entlassfähig, ohne Morphine. Das war ein sehr schöner Verlauf. dann wird ein glückliches Ende.

Sehr schön. Können Sie uns noch kurz erklären, wie sowas aussieht? Sie haben gesagt, unter dem Mikroskop operiert.

Bandscheibenvorfall stelle ich mir jetzt mal klassischerweise irgendwie ganz schön groß normalerweise vor. Wir haben gesagt, das sah irgendwie anders und seitlich aus. Was holen Sie da raus? Wie schaut das aus? Oder wird das fixiert? Was machen Sie damit eigentlich? Also wir machen einen Schnitt, der ist vielleicht so zwei, drei Zentimeter, kommt immer darauf an, wie viel Fettgewebe wir am Rücken vorfinden. Der Patient war schlank, da konnte man einen kleinen Schnitt machen, müssen dann so etwas die Muskulatur zur Seite schieben und gehen dann zwischen den Wirbelbögen, in den Spinalkanal hinein, entfernen da etwas, da ist so ein Band dazwischen, das müssen wir an einem kleinen Stück, müssen wir auch das entfernen.

Und stellen uns dann so einen abgehenden Nerv dar und präparieren uns dann nach oben Richtung Bandscheibe. Und bei ihm dann unter dem Operationsmikroskop konnten wir dann, das schenkt man dann ein, dass man auch in dieses Nervenaustrittsloch sehen kann. Und da konnten wir mit so einer kleinen Zange dann einen kleinen, vielleicht ein Zentimeter langen und vielleicht höchstens 0,5 Zentimeter dicken Bandscheibenvorfall aus diesem Nervenaustrittsloch rausziehen am Stück. Und man tastet dann immer mit so Haken und Häkchen nochmal nach. Da war nichts mehr. Wir konnten auch keine Öffnung mehr zur Bandscheibe finden, sodass wir an der Bandscheibe auch gar nichts machen mussten. Also eigentlich nur dieses herausgepresste oder herausgerutschte Stück entfernen.

Das ist ja wirklich ein Happy End, diese Geschichte nach einer schlimmen Leidenszeit. Nun glaube ich, können sich viele Hörerinnen und Hörer damit identifizieren. Vielleicht nicht mit dieser schlimmen Art der Rückenschmerzen, aber mit Rückenschmerzen. Und Sie haben ja tagtäglich damit zu tun als Wirbelsäulenchirurgin.

Wann operiert man denn? Weil manche sagen, ich kriege den Schmerz nicht los. Und ich glaube, 90 Prozent der Leute haben so degenerative Veränderungen. Sie sagten vorhin zu wenig Rückenmuskeln oder die sind verfettet. Da kann man operativ nichts machen. Wann sagen Sie, jetzt müssen wir operieren? Paresen, haben Sie vorhin gesagt, das sind ja Lähmungen, wenn man den Fuß nicht mehr richtig heben kann oder das Bein nicht mehr richtig bewegen kann. Wann sagen Sie, jetzt müssen wir was machen, mal abgesehen von diesem Patienten? Bei Schmerzen kommt es immer so darauf an, wie der Patient wirklich diesen Schmerz toleriert und wie weit die Schmerztherapie zuvor ambulant schon erfolgt war. Wenn jetzt ein Patient kommt und auch vom Hausarzt schon Morphine erhalten hat und zwei Wochen lang starke Schmerzen hat und einer Operation zustimmt, dann würde ich bei so einem Patienten auch sagen, man kann ihm den längeren Leidensweg, den er dann, wenn er das konservativ gehen will, kann man ihm ersparen. Normalerweise sagt man aber leitliniengerecht, wenn ein Schmerz sechs bis acht Wochen besteht, dann sollte man auch einen Bandscheibenvorfall operieren, sollten die Schmerzen das Leben des Patienten doch deutlich beeinträchtigen.

Eventuell sogar nicht mehr berufsfähig sein können. Dann würde man eigentlich, vorausgesetzt die gesamte konservative Therapie war ausgeschöpft, würde man doch auch zur Operation raten. Die Chronifizierung darf man auch nicht so unterschätzen, wenn man nicht operiert. Und die Patienten sind einfach wieder schneller im Leben zurück, wenn sie...

Also ich bin jetzt sicherlich nicht diejenige, die Operationen forciert, aber man muss es individuell mit dem Patienten besprechen und es ist auch wirklich nicht so, dass man sagt, ein sehr großer Bandscheibenvorfall muss jetzt unbedingt operiert werden und der Kleine geht von allein weg. Da gehört schon auch sehr viel Erfahrung dazu, diese Bandscheibenvorfälle einschätzen zu können und dem Patienten dann auch die entsprechende, den Rat zu geben und sagen, ich glaube, bei ihm wird das nichts konservativ oder auch wenn der Bandscheibenvorfall groß ist, die Beschwerden vielleicht sogar, wenn er bei uns in die Sprechstunde kommt, schon wieder etwas rückläufig sind, dann würde ich erstmal nicht operieren. Ich würde nie in eine Besserung hinein operieren, sondern dann würde ich ihnen Zeit geben, gucken, dass wir vielleicht zeitnah eine Reha anmelden können. Und da sind die Therapeuten durchaus sehr gut geschult, zumindest hier bei uns im Umkreis. Die schicken uns die Patienten dann schon auch und sagen, nee, da haben wir keine Chance mehr operiert und schickt sie uns dann wieder.

Was haben Sie denn aus diesem speziellen Fall für sich nochmal gelernt oder was ziehen Sie da für ein Fazit draus? Dass man seltene Diagnosen immer wieder auf dem Schirm haben muss, dass ich die komplette Diagnostik, die mir zur Verfügung gestellt wird, und wir hatten diese seitlichen Schichten, schon auch in der Klinik zuvor gab es diese Schichten, diese untere Brustwirbelsäule war abgebildet, dass ich auch diese Fächer angucke, wenn ich keine querenden Schnitte habe.

Und ja, dass man, immer wieder in Dialog mit dem Patienten gehen muss. Ich glaube, hätten wir nicht so ausführlich immer wieder mit ihm gesprochen. Wir haben die Ehefrau befragt, wären wir, glaube ich, dem Ganzen nicht auf die Spur gekommen. Und man muss ja auch sagen, Sie haben ja die manuelle Therapie erwähnt, wo Sie mit Ihren Fingern, mit Ihren Händen den Patienten nochmal angefasst haben. Also nicht nur befragt, nicht nur Röntgenbilder, nicht nur MRT, CT angeguckt, sondern Sie haben ihn ja angefasst und da diesen Schmerz ausgelöst. Das kann ja auch nicht jeder. Ja, genau. Also eine körperliche Untersuchung gehört bei einer Behandlung eines Patienten für mich zwingend dazu. Und da muss ich leider sagen, wir sehen in unserer Sprechstunde sehr häufig Patienten, die sehr erstaunt sind, wenn ich sage, ziehen Sie mal Ihren Pulli aus, ziehen Sie die Hose aus und wenn ich einfach Zeit für die Patienten habe. Und bei uns geht es ja schon auch um OP, ja oder nein. Und ich kann keine Operationsindikation stellen, wenn ich den Patienten nicht persönlich untersucht habe. Vielen, vielen Dank. Ich glaube, jetzt haben wir alle Seiten und alle Facetten dieser Geschichte beleuchtet. Ganz herzlichen Dank. Das war sehr spannend. Und vielen Dank, dass Sie bei uns waren. Vielen Dank, dass ich teilnehmen durfte. Es war mir eine Freude.

Das war die Diagnose. Ich bin Annika Geißler. Bleiben Sie gesund. Bis zum nächsten Mal. Die Diagnose. Der Stern-Podcast.