Und welche Abgründe können in jedem von uns stecken? Im Sterncrime-Podcast Spurensuche erzählen Ermittler und Spezialisten über ihre spannendsten Fälle und die Herausforderungen ihres Berufes. Sie suchte Schutz vor dem Krieg und fand in Deutschland den Tod. Zurück blieben ein fünf Wochen altes Mädchen und ein jahrelang unerfüllter Wunsch. Mein Name ist Isabel Zeyer. Ich bin Redakteurin im Recherche-Resort des Sterns und spreche in dieser Folge mit dem ersten Polizeihauptmeister der Polizei in Mannheim, Stefan Wilhelm. Für die heutige Podcast-Folge von Spurensuche bin ich nach Mannheim gereist. Ich sitze hier im Polizeipräsidium und mir gegenüber der erste Polizeihauptmeister Stefan Wilhelm. Schön, dass Sie sich die Zeit für uns genommen haben. Sehr gerne. Sie haben als Ermittler gearbeitet und aktuell arbeiten Sie als Pressesprecher. Was macht Ihnen denn mehr Spaß? Ich arbeite seit sechs Jahren als Pressesprecher hier im Polizeipräsidium Mannheim und die Erfahrungen, die ich hier sammeln durfte, die sind natürlich unbezahlbar. Was macht das für Sie aus, die Arbeit als Pressesprecher? Ich sage mal, man geht nicht zur Polizei, um in die Pressestelle zu gehen. Der Hintergrund, warum man zur Polizei geht, ist natürlich ein ganz anderer. Den brauche ich, glaube ich, auch nicht zu erklären.

Aber wenn man in diese Stelle reinrutscht als Pressesprecher, dann bekommt man natürlich einen Einblick in alle Bereiche der Polizei. Man bekommt einen tiefgründigen Einblick und man versteht auch gewisse Entscheidungen besser, wie wenn man diesen Einblick nicht hätte. Und deswegen ist es auch ganz nett, mal die Polizei von einer ganz anderen Seite zu sehen. Wir Journalisten, wenn irgendwo irgendwas passiert, dann wollen wir natürlich am liebsten alles wissen.

Wie entscheiden Sie denn, was man sagen darf und was besser nicht nach draußen gelangen sollte? Das ist natürlich extrem schwer. In erster Linie gilt für uns das Prinzip, weniger ist mehr. Das ist für die Öffentlichkeit und gerade auch für Sie als Pressevertreterin wahrscheinlich extrem schwierig, damit umzugehen, weil Sie, wie Sie sagen, alles wissen möchten. Aber wir haben natürlich erstmal unseren Fokus auf der Ermittlungsarbeit und das bedeutet, die Ermittlungserfolge nicht zu gefährden. Das bedeutet, wenn wir... Kleines Detail rausgeben, was vielleicht nicht hätte an die Öffentlichkeit geraten sollen, gerade in Richtung Täterwissen, dann kann das ein ganzes Ermittlungsverfahren gefährden. Und deswegen ist es sehr sensibel, was wir rausgehen. Viele verstehen das nicht. Auch die Bevölkerung möchte natürlich erstmal alles wissen. Wir bekommen auch oft Vorwürfe, dass wir Dinge verheimlichen würden, aber das hat alles seinen Sinn und das macht auch Spaß mit diesem Stress und mit diesem Druck umzugehen. Und so findet man tatsächlich auch immer einen Nenner mit den Pressevertreterinnen und Pressevertretern. Aber die davon erstmal zu überzeugen, dass wir nichts rausgeben, das ist schon schwierig. Das glaube ich. Sie meinten, mit dem Stress umzugehen, das macht auch Spaß. Wie ist das denn in so einer akuten Situation?

In einer akuten Situation, da ist es tatsächlich so, man funktioniert. Man hat gar keine Zeit, um sich die Gedanken zu machen, was einem jetzt einen Stress bereiten könnte. Man funktioniert tatsächlich einfach, man versucht das Gelernte abzurufen. Wir besuchen natürlich auch Statement-Trainings und so weiter. Aber viel Zeit, um sich Gedanken über etwas zu machen, das hat man nicht. Und das ist auch ganz gut so, muss ich sagen. Welche Ihrer Fälle hat denn bislang am meisten Aufmerksamkeit öffentlich bekommen? Wir haben jetzt von diesem Fall tatsächlich gerade Jahrestag gehabt. Das ist die Amokfahrt in den Mannheimer Planken. Das war ein Ereignis, das wirklich weltweit für Aufsehen gesorgt hat. Und auch dort in den Planken, als ich die Pressestatements vor Ort gegeben habe, hatte ich so viele Kameras auf mich gerichtet, wie ich es vorher noch nie erlebt hatte. Ich...

Habe in bestimmt 20 Kameraobjektive geschaut, mit dem Wissen, dass alles, was ich jetzt gerade sage, live um die Welt geht. Und man denkt, man gerät da ein bisschen unter Druck, aber ich habe danach auf meiner Smartwatch geschaut und mein höchster Puls lag tatsächlich bei 95 und das hat mich ein bisschen erstaunt, muss ich sagen. Aber wie vorhin schon erwähnt, man funktioniert in so einer Situation. Ich habe tatsächlich auch ein Video von Ihnen auf meinem Handy gehabt, auf meinem Geschäftshandy, weil ich da damals auch vor Ort war. Vielleicht können Sie noch mal ganz kurz für diejenigen, die jetzt nicht wissen, was das für ein Fall war, kurz anreißen, was das denn für ein Fall war. Ja, am Rosenmontag letztes Jahr, da ist ein Mann mit einem Auto, mit einem Kleinwagen in die Fußgängerzone der Mannheimer Innenstadt gefahren und hat leider zwei Menschen tödlich verletzt. Und eine Vielzahl an anderen Menschen, Fußgängern, schwer verletzt. Und dieser Fall ging tatsächlich um die Welt. Auch dieser Tag, an dem eigentlich alle feiern wollten, an dem überall die Faschingsumzüge waren, das hat die Menschen schon sehr berührt. Heute reden wir über einen ganz anderen Fall, der sich auch nicht in Mannheim abgespielt hat.

Und der fing an am Morgen des 7. März 2024. Da ging ein Notruf ein. Wer war denn am Telefon und was sagte die Person? Da hat ein Spaziergänger bei uns angerufen, der gerade am Rheindamm bei Hockenheim.

Seinen gewohnten Spaziergang erledigen wollte.

Er hat dann in einem Gebüsch geschlafen einen verkohlten Gegenstand, will ich es mal nennen, bemerkt, der noch geraucht hat und ist dann auch zu diesem Gegenstand hin, hat das Ganze begutachtet und festgestellt, dass es sich dort möglicherweise um einen verbrannten Menschen handeln könnte. Er hat dann auch schnell den Notruf gewählt, hat uns darüber informiert und in so einem Fall fährt natürlich erstmal ein Streifenwagen vor Ort und nimmt sich der Situation an. Und es hat sich dann auch schnell herausgestellt, dass am Fundort, dass es sich wirklich um eine verbrannte Person handelt. Die war aber zuerst nicht identifizierbar. Die war bis zur Unkenntlichkeit verbrannt. Vielleicht können Sie uns noch einen kurzen Einblick geben, wo befinden wir uns denn überhaupt? Also wo ist die Polizei hingefahren, örtlich? Bei der Auffindeörtlichkeit handelt es sich um einen beliebten Parkplatz von Spaziergängern. Die nutzen den Parkplatz oft, um Gassi zu gehen mit den Hunden oder einfach am Rheindamm entlang zu spazieren. Der Parkplatz befindet sich zwischen dem Wasser.

Dort führt auch eine sogenannte NATO-Rampe ins Wasser und zwischen einer Landstraße. Die Örtlichkeit ist aber weit entfernt von nahegelegenen Ortschaften, sodass dort entweder Spaziergänger vorbeikommen, die lange Strecken auf sich nehmen oder eben gezielt von Hundebesitzern oder was auch immer aufgesucht wird.

Nur damit man so einen groben Einblick hat, was war denn die nächste Stadt oder das nächste Dorf, das man kannte? Die nächste bekannte Stadt ist die Stadt Hockenheim. Die Stadt Hockenheim ist bekannt für ihre Rennstrecke, den Hockenheimring. Dadurch dürfte sie auch jeder kennen. Sie haben gerade schon gesagt, es war ein Körper, der komplett bis zur Unkenntlichkeit verbrannt war. Ließ sich denn am Tatort selbst schon irgendwelche Rückschlüsse ziehen, was da passiert sein könnte, woran die Person verstorben war? Wir hatten natürlich jetzt den Fall, dass wir eine gänzlich verbrannte Person aufgefunden haben. Das Gesicht war erst nicht zu identifizieren. Die Person, die trug bei einer ersten Leichenschau einen Slip, der darauf hindeutete, dass es sich möglicherweise um eine Frau handelte.

Auch der Schmuck wies darauf hin. Wir haben einen Ring gefunden, ein Armkettchen. Die Person hatte auch ein Handy dabei, das aber auch leider nicht mehr auszuwerten war. War ja auch so verbrannt. Genau, das war auch durch die Flammen extrem in Mitleidenschaft gezogen. Und Verletzungsbild? Bei der ersten Leichenschau konnten wir feststellen, dass bei einem Fleck am Kopf, der nicht gänzlich verbrannt war, dass es dort Blutantragungen gab. Auch im Erdreich, wo der Leichnam lag, konnten wir Blutantragungen feststellen. In diesem Fall, da hat man natürlich erstmal eine verbrannte Person. Wir konnten anhand der Unterwäsche, Stücke von der Unterwäsche erkennen, dass es möglicherweise ein Frauenslip war, aber wirklich erkannt, dass es eine weibliche Person war. Das haben wir zu Beginn noch nicht. Es waren gewisse Teile von den Haaren noch nicht gänzlich verbrannt. Und wir haben dann auch schnell die Rechtsmedizin hinzugezogen, die dann vor Ort auch die erste Obduktion, die erste Leichenschau durchgeführt hat. Und man hat dann auch schnell eine Wunde am Kopf erkannt bei dieser Person.

Blutantragungen, sodass wir auch zeitnah von einem Tötungsdelikt ausgegangen sind. Was ergab dann später die Obduktion der Rechtsmedizin? Am Folgetag wurde der Leichnam dann obduziert und da hat man dann auch schnell festgestellt, dass es sich um einen weiblichen Leichnam handelt.

Wir haben dann entsprechend auch DNA-Proben über das LKA auswerten lassen, um mögliche Identifizierungsmaßnahmen durchführen zu können. Identifizierung ist ein gutes Stichwort, wenn eine Leiche tatsächlich so verbrannt ist. Wie geht man denn davor? Wir haben mehrere Möglichkeiten. Ich sage mal, in so einem Fall hat man ein Standardprogramm, das man auffährt, wie die Absuche nach Kameras. Wir versuchen, Anwohner zu befragen, ob sie irgendwas gesehen, gehört haben. Das ist natürlich ein großes Aufgebot, das wir auffahren müssen. Und deswegen haben wir auch zeitnah die Sonderkommission Rampe ins Leben gerufen. Wegen des Aufwänderortsrampe. Genau, richtig. Jetzt hat man diese ganzen Proben eingeschickt. Man hat das Umfeld oder Nachbarn, Passanten befragt, nach Kameras geguckt.

Was hat dann letztendlich zu der Identifizierung der Frau geführt? Es war dann so, dass im Polizeirevier Wiesloch ging eine E-Mail ein, bei der eine Dame aus der Ukraine eine Vermisstenmeldung zugeschickt hat. Und wir prüfen in so einem Fall natürlich auch sämtliche Vermisstenmeldungen.

Die ziehen wir heran, vergleichen, ob mögliche Personen auf den Leichnam zutreffen. Und so war es dann auch in dem Fall, dass wir durch diesen Hinweis konnten wir DNA-Proben aus einer Unterkunft, wo die, vermisst gemeldeten Personen wohnten, konnten wir DNA-Proben erheben und das hat dann auch zum Treffer geführt. Sie haben jetzt gerade von vermissten Personen gesprochen. Was stand denn in dieser E-Mail überhaupt drin, der Frau, der Hinweisgeberin? Die Dame aus der Ukraine, die hat in dieser Mail ihre Schwester, die frisch einen Säugling zur Welt gebracht hat und ihre Mutter als vermisst gemeldet. Die beiden waren wohl sehr zuverlässig, auch im Kontakt zu der Familie und da es seit mehreren Tagen keinen Kontakt mehr gab, hat sich diese Person natürlich Sorgen gemacht und die drei eben als vermisst gemeldet.

Und dann sind sie quasi, der Hinweis kam, sie sind in die, jetzt haben sie es ja gerade schon gesagt, in die Geflüchtetenunterkunft gefahren, haben da dann DNA festgestellt und dann gab es quasi diese Überschneidung. Genau, wir konnten dann anhand von Bildern auf Facebook, wir hatten ja dann einen Namen von den vermissten Personen, wir konnten anhand von Bildern einen Abgleich der aufgefundenen Schmuckstücke durchführen, genauso wie einen DNA-Abgleich und das hat beides zum Treffer geführt.

Die vermisste Schwester, die hieß Rita R., das war eine 27-jährige Ukrainerin, die erst seit vier Monaten in Deutschland gelebt hat. Was war denn über sie bekannt? Wir haben uns natürlich erstmal ein Bild verschaffen müssen und das Opfer, die Rita, wie sie sagten, die ist aus der Ukraine vor dem Krieg geflüchtet, ist zuerst in die Slowakei und hat dort versucht, Schutz zu suchen. Hier wurde sie auch schwanger. Über den Kindsvater haben wir aber bis dato keinerlei Informationen. Aus der Slowakei ist Rita dann nach Deutschland weitergezogen, um ihrem Kind, das bald auf die Welt kommen sollte, dann ein entsprechendes.

Bestmögliches Leben zu gewähren und so kam Rita hier nach Deutschland. Die Mutter von Rita ist dann nachgereist. Sie wollte sie dann bei dem Aufziehen des Kindes unterstützen und hat versucht, ihr so das Leben hier zu vereinfachen, was ja eigentlich auch sehr schön ist. Ja, absolut. Und die haben dann zu zweit in dieser geflüchteten Unterkunft gewohnt. Genau, die haben dort ein Zimmer bezogen und waren dort wohnhaft. Was waren denn Ihre ersten Ermittlerschritte, nachdem Sie wussten, dass die Leiche, die Sie gefunden hatten, Rita R. war? In so einem Fall, da bezieht man natürlich sämtliche Möglichkeiten ein. Also man muss erstmal das Umfeld beleuchten, mit wem hat sie Kontakt, wer sind mögliche Ansprechpartner von ihr und so weiter.

Was hat die Mutter für eine Rolle, die hatten wir ja zu dem Zeitpunkt noch nicht. Und Sie können sich vorstellen, man muss alle Möglichkeiten, alle Eventualitäten mit einbinden. Deswegen kommt auch in diesem frühen Ermittlungsstatus erstmal in Betracht, ob die Mutter der Rita nicht auch etwas mit dem Verschwinden des Kindes und dem Tod von der Rita zu tun hatte. Weil tatsächlich war das ja so, Sie meinten, Sie haben sie nicht aufgefunden, also sie war einfach, man wusste nicht, wo sie ist zu dem Zeitpunkt. Zu dem Ermittlungszeitpunkt hatten wir keinerlei Kenntnis, wo sich die Mutter und auch der Säugling befindet. Der Säugling war auch weg. Genau, der Säugling, von dem fehlte leider auch jede Spur. Die Mutter von Rita hätte wahrscheinlich am meisten zu ihrer Tochter sagen können. Wer wurde denn...

Ja, zu dem Zeitpunkt der Ermittlungen müssen wir natürlich das komplette Umfeld von dem Opfer beleuchten. Dazu gehört auch, dass wir die Wohnsituation beleuchten. Das war in dem Fall diese Geflüchtetenunterkunft. und dort haben wir sämtliche Anwohner befragt, aber auch mögliche Freunde von Rita und Familienangehörige wie die Schwester von ihr aus der Ukraine, aber auch die Bekanntschaft von ihr, die männliche Bekanntschaft. Der neue Partner. Genau, wenn Sie sagen neuer Partner, wir wissen es nicht genau, ob es eine feste Partnerschaft war.

Aber auch ihn haben wir befragt und haben uns erhofft, so mögliche Spuren auf das Geschehen zu erlangen. Was haben denn die Personen, die Schwester, hat ja vor allem wahrscheinlich viel erzählt, über die Rita ausgesagt? Was war die denn so für ein Mensch? Rita war laut ihrer Schwester, genauso wie die Mutter, eigentlich sehr zuverlässig, gerade was in Richtung des Kontaktes geht in die Heimat. Sie hat sich regelmäßig gemeldet und auch wenn man ihr geschrieben hatte, dann muss es nicht lange gedauert haben, bis eine Antwort zurückkam. Also zuverlässig und so vom Charakter, da war sie ein sehr offener Mensch, ein extrovertierter, eher zurückgezogen. Was war denn so über ihr Sozialverhalten letztendlich bekannt? Über das Sozialverhalten kann ich tatsächlich gar nicht so viel sagen. Sie lebte noch nicht lange in Deutschland. Wenn sie frisch in eine Region ziehen, wo sie gänzlich fremd sind, dann versuchen sie natürlich erstmal sich ein Umfeld aufzubauen und in diesen paar Monaten, wo sie hier war.

Hat sie das teilweise auch schon gemacht gehabt, hat auch Freundschaften gepflegt, aber Näheres dazu, da können wir gar nicht so genau sagen. Ja, und die Sprache sprach sie ja damals auch noch nicht, oder? Deutsch hat sie nicht gesprochen. Das war auch ein Grund, warum sie sich in ihrer, ich will mal sagen, Community etwas mehr aufgehalten hat, weil eben die Sprachbarriere doch da war. Am Anfang wahnsinnig viele Theorien. Vielleicht war es die Oma, vielleicht war es irgendjemand anders aus dem Umfeld. Dann kam es aber am 13. März zu einer Festnahme. Wer wurde denn festgenommen? Wir konnten dann ein Ehepaar festnehmen. Das Ehepaar geriet auch schnell in den Fokus unserer Ermittlungen. Da müssen wir aber dann ein bisschen weiter ausholen, weil das hat viel Ermittlungsarbeit nach sich gezogen, überhaupt auf dieses Ehepaar zu gelangen. Die waren uns vorerst unbekannt, bis wir Hinweise auf dieses Ehepaar eben erlangt haben, die wir dann nach intensiven Ermittlungen aufgespürt haben. Was waren denn das für Hinweise? Es gab in den Vernehmungen aus dem Umfeld von Rita, gab es Hinweise auf eine mögliche INA, mit der die Geschädigte Kontakt hatte und.

Nähere Informationen hatten wir zu dem Zeitpunkt, zu dieser möglichen INA aber nicht. Jetzt können Sie sich vorstellen, INA ist ein Name, der nicht gerade selten ist. Und daher schauen Sie nicht einfach ins Einwohnermelderegister nach einer INA, sondern das bedarf schon intensiver Maßnahmen.

Dort mögliche Tatverdächtige oder mögliche Personen, mit denen wir gerne Kontakt haben, hätten, weil sie eben ein freundschaftliches Verhältnis zu unserem Opfer gepflegt hatten, dass wir die ausfindig machen. Ina, haben Sie ja gerade gesagt, ein weit verbreiteter Name und es gab ja auch kein Handy, auf das man hätte gucken können, mit wem sie dann geschrieben hat, der Ina heißt.

Wie sind Sie da dann vorgegangen? Wir hatten dann durch die Zeugenvernehmungen, hatten wir schnell die Hinweise eben auf diese Ina. Man hat sich laut den Aussagen zu einer Geburtstagsfeier getroffen gehabt. Und das hat uns natürlich dann auch schon mal extrem weitergeholfen, um mögliche Personen zu identifizieren, die an einem entsprechenden Geburtstag irgendwo in der Region unterwegs waren. Wir wussten auch, wo dieses Geburtstagsessen stattgefunden hatte und dann haben wir mehrere Möglichkeiten, ich sag mal, Personen ausfindig zu machen. Das geht über die Funkzellenauswertung und so weiter. Und das ist aber aufwendige Arbeit, aufwendige Ermittlungsarbeit. Und die geht auch sehr tief ins Detail. Das heißt, man hatte den Namen Ina, dann hat man die Zeugenvernehmungen und die Vermisstenanzeige gehabt. Da kam schon vor, diese Ina, die war am Tag davor mit der verstorbenen Person mit der Rita Essen. Und dann hat man geguckt, wie man denn an diese Ina dann kommt. Genau, richtig.

Und ja, vielleicht können Sie sagen, also Sie haben sie dann ausfindig gemacht, diese INA.

Was führte denn letztendlich zur Festnahme?

Wir hatten dann auch das Umfeld von der INA beleuchtet, nachdem wir die Identität geklärt hatten. Und dort gab es dann auch mehrere Hinweise, dass mit dieser Person, ich will mal ganz gelinde zum jetzigen Zeitpunkt sagen, etwas nicht stimmt. Wir konnten schnell den Beschuldigtenstatus ausrufen, sodass uns eigentlich schon klar war, dass sie, genauso wie ihr Ehemann, etwas mit dem Verschwinden der Mutter von Rita und des Kindes, genauso wie mit dem Tod von Rita zu tun hatten. Und was waren das für Hinweise? Also was machte sie zu verdächtig, zu Beschuldigten? Also es gab mehrere Hinweise, unter anderem für uns sehr hilfreich war ein anonymer Hinweis, dass die Familie der Beschuldigten auf unerklärliche Art und Weise plötzlich zu einem neugeborenen Kind gelangt sind. Und so fließen natürlich viele Indizien aus der Zeugenvernehmung zusammen, wo wir die beiden Tatverdächtigen dann als Beschuldigte betiteln konnten. Bei der Festnahme wurde ja auch ein sehr junges Baby, ein Säugling gefunden, das dann in die Obhut des Jugendsamts kam, also bei dem Ehepaar. Hat das denn in irgendeiner Art eine Rolle gespielt? Ja, bei der Festnahme konnten wir die...

Täterin Ina mit einem Säugling feststellen und das Erste, was sie uns entgegnete, beziehungsweise den festnehmenden Kollegen entgegnete, war, dass es sich dabei um ihr Kind handelt und sie für das Kind auch eine Geburtsurkunde hat. Das ist natürlich erstmal ein sehr verwunderlicher Satz, den man eigentlich so nicht tätigt, wenn man von der Polizei angesprochen wird. Zu diesem Zeitpunkt, was war denn da der Tatvorwurf? Zu dem Zeitpunkt war schon klar, aufgrund der Obduktion und des Gewalteinwirkens auf den Körper von Rita, dass wir von einem Tötungsdelikt, von einem möglichen Mord ausgehen müssen.

Vielleicht können Sie uns ein paar Hintergrundsätze zu Ina O, so hieß Ina mit Nachname, und ihr Mann Marco O. Vielleicht können Sie uns da ein paar Sätze sagen, wer das denn für Menschen waren. Ina hatte drei Kinder, sie hatte drei Söhne und war gelernte Fußpflegerin von Beruf. Sie war uns auch polizeilich bekannt, allerdings nicht mit einschlägigen Gewalttaten, will ich es mal gelinde ausdrücken, sondern eher mit einfacher Kriminalität. Heißt? Das waren zum Beispiel durch Betrugsdelikte, durch Warenkreditbetrug, das sind Dinge, Sachen bestellen und nicht bezahlen und so weiter, das fällt unter den Warenkreditbetrug.

Und was war über den Ehemann Marco O. bekannt? Ja, wir wussten, dass sich die beiden 2014 kennengelernt hatten. Der Marco hat bei der Bundeswehr seinen Beruf als Koch erlernt und hatte bereits eine Tochter, in die Ehe mitgebracht und hat mit der Ina noch einen weiteren Sohn auf die Welt gebracht. Diese Tochter lebte aber nicht im Haushalt von? Nein, im Haushalt lebten drei Kinder. Das waren zwei Söhne von Ina und der gemeinsame Sohn der beiden. Und Marco O. war zum damaligen Zeitpunkt, glaube ich, ein bisschen jünger als Ina, 42 Jahre alt. Marco war 42 und Ina war zum damaligen Zeitpunkt 44. War Marco U dann auch schon polizeibekannt? Marco war auch polizeibekannt. Er hatte ähnliche Vortaten, gleichgelagert wie seine Frau. Was für eine Beziehung hatten die beiden denn zu Rita R.? Ja, Rita und Ina und Marco haben sich in einer Telegram-Gruppe kennengelernt.

Und Rita hat natürlich kein Deutsch gesprochen, haben wir ja schon gesagt gehabt. Und sie hat auch jemanden gesucht, der für sie bei Amtsgängen unterstützt und übersetzt. Und hat da in der INA auch etwas Halt gefunden. Sie haben ein sehr enges Verhältnis miteinander gepflegt und haben sich auch mehrmals wöchentlich getroffen. Und sie war ja letztendlich auch bei der Geburt dabei von Rita R.'s Tochter. Ina durfte auch bei der Geburt dabei sein von Ritas Tochter, was eigentlich ein sehr intimer Moment ist. Aber daran sieht man auch, wie sehr Rita der Ina vertraut hatte. Ja, wirkten Sie aufgelöst, wirkten Sie selbstbewusst? Haben Sie überhaupt was gesagt? Wie war so dieses Auftreten zumindest? Die beiden haben tatsächlich während den Vernehmungen nichts gesagt. Sie haben von ihrem Aussage Verweigerungsrecht Gebrauch gemacht und haben sich erstmal in Schweigen gehüllt. Sie haben ja dann auch die Chatverläufe der beiden Beschuldigten ausgewertet und da ließ sich ja dann tatsächlich der Tatablauf sehr genau rekonstruieren, beziehungsweise erst mal, da war es ja sehr zementiert, dass die beiden was mit dem Tod von der Rita zu tun hatten.

Blieben dann die Angeklagten dabei, dass sie sich überhaupt nicht äußern wollen? Vorerst blieben sie dabei, trotz der erdrückenden Beweislage durch diese Chatverläufe. Wir hatten aber zu dem Zeitpunkt ja noch den Aufenthalt der Mutter von Rita nicht ausfindig gemacht. Und in so einem Fall, wenn noch eine Person vermisst wird, dann versucht man natürlich alles irgendwie den Aufenthaltsort herauszufinden. Das haben wir in dem Fall auch versucht. Die Staatsanwaltschaft hat da mit den Verteidigern der beiden engen Kontakt gepflegt und versucht darauf hinzuwirken, dass man einen Ablageort eines möglichen Leichnams oder mögliche Einlassungen eben, dass man sich auf Einlassungen einlässt.

Dass man dann quasi herausfindet, wo die Mutter denn abgeblieben sein könnte. Genau richtig, das war eigentlich Ziel von uns. Wir konnten dann auch durch intensive Suchmaßnahmen die Mutter auch auffinden und nahezu zeitgleich haben sich die beiden dann auch eingelassen und einen möglichen Ablageort bekannt gegeben. Der Fundort, der Ihnen mitgeteilt wurde. Was wurde denn da angegeben und was fanden Sie dann dort vor Ort vor? Wir haben über mehrere Tage in einem großen Gebiet, in dem wir den Ablageort vermutet hatten.

Intensiv gesucht mit Polizeihubschraubern, mit Polizeitauchern in Seen und so weiter. Und hatten dann den Hinweis eben auch durch die INA, dass wir in einem richtigen Gebiet unterwegs sind und haben dort alles auf den Kopf gestellt. Es haben dann Polizeitaucher in einem kleinen Anglersee, der heißt Krummes Loch, haben sie dann nach mehreren Tagen Suchen, haben sie letztlich den Leichnam der Mutter von Rita auch aufgefunden. Sie waren ja damals auch vor Ort. Vielleicht können Sie ganz kurz beschreiben, was war das für eine Szenerie? Was hat man denn da gesehen? Wo wurde der Körper der toten Mutter geborgen? Also der See ist ein sehr idyllisch gelegener See, muss ich sagen. Dort ist ein kleines Anglerhäuschen gewesen.

Und das lädt tatsächlich ein bisschen zum Flanieren ein. Dort zu angeln ist bestimmt wunderschön. Die Taucher sind in den See hineingestiegen und hatten aber keinerlei Sicht. Also das Wasser war so trüb, dass sie sich tatsächlich vortasten mussten und so Zentimeter für Zentimeter von dem See abgesucht hatten. Sie sind auch mehrere Male hinein und letztlich haben sie dann den Leichnam von Ritas Mutter im Uferbereich, im Gestrüpp schwimmend festgestellt. Am Ende Ihrer Ermittlungen, was glauben Sie denn, dass an diesem Tattag passiert? Wir konnten soweit rekonstruieren, dass Ina und Marco gemeinsam mit Rita, ihrem Säugling und auch der Mutter in ein China-Restaurant gefahren sind und dort wurden Rita und deren Mutter betäubt. Die Mutter von Rita hat dann über Unwohlsein geklagt, weshalb… So ein Herzschlagen war das, glaube ich. Genau, das war ein Herzschlagen, das sie nicht einordnen konnte und im Anschluss haben sie dann Rita und den Zäugling wieder in die Flüchtlingsunterkunft gebracht und haben angegeben, dass sie in ein Krankenhaus fahren würden, um eben diese medizinischen Sorgen abklären zu lassen.

Der Plan war aber dann tatsächlich so, dass Ritas Mutter erschlagen wird. Marco hat das Ganze dann übernommen, hat sie mit einem Hammer, mit einem Gummihammer auf den Kopf geschlagen. Sie sind dort an diesem See, den wir schon erwähnt hatten, an dieses krumme Loch gefahren, wo sie dann letztlich erschlagen wurde. Und im Nachgang der leblose Körper, ob sie schon tot war oder nicht, das hat sich nicht abschließend klären lassen. Aber der leblose Körper wurde dann in diesen See gelassen. Und wie ging es dann weiter nach diesem? Also man hat die Mutter ins Wasser gezogen und wie ging es dann weiter?

Ina und Marco sind dann von der Örtlichkeit wieder weggefahren. Sie sind dann erstmal nach Hause gefahren und mussten sich nach so einer Tat natürlich erstmal sammeln. Das ist jetzt nichts, was man jeden Tag macht. Da befindet man sich auch als, ich sag mal, skrupelloser Täter in einer Ausnahmesituation. Nachdem sich die beiden neu gesammelt haben, sind sie unter einem Vorwand wieder zu Rita gefahren, aber schon mit dem Wissen, dass auch sie das nächste Opfer wird. Also man hat dann quasi zu ihr gesagt, deine Mutter haben wir ins Krankenhaus gefahren. Wir bringen dich jetzt zu ihr. So war die Aussage, dass es ihrer Mutter nicht gut gehe und dass man Rita eben in das Krankenhaus bringt und...

Darauf hat sie sich leider eingelassen. Man hat sie ja dann nicht ins Krankenhaus gebracht. Wohin sind die beiden mit ihr gefahren? Die Mutter, die haben Herzschlagen gemeint, war jetzt nicht mehr so ganz klar bei Bewusstsein. Wie war das denn bei Rita? Wir konnten dann im Nachgang auch durch Zeugenaussagen feststellen, dass Rita nicht ganz bei Bewusstsein war. Sie hätte eine verwaschene Aussprache gehabt. Man hat gemerkt, dass sie nicht ganz, ich will jetzt Marke-Linde sagen, nicht ganz bei Sinnen war. Also sie hatte ein komisches Verhalten an den Tag gelegt, was ihre Freunde festgestellt hatten. Und da ist davon auszugehen, dass auch sie vorher sediert bzw.

Mit entsprechenden Mitteln betäubt wurde. Man hat sie also quasi in einem betäubten Zustand, sedierten Zustand, ins Auto gesetzt mit ihrer Tochter und ist dann mit ihr losgefahren. Wohin ist man denn dann gefahren? Der Plan war, so glaubte Rita, in das Krankenhaus zu fahren. Allerdings sind die vier Rita ihr Säugling und die Ina und der Marco dann eben da Richtung Hockenheim gefahren. an den Rhein, an diesen Parkplatz. Dort hat man auch Rita erschlagen und anschließend... Der Marco hat Rita erschlagen. Marco, genau. Marco hat Rita erschlagen und anschließend, so war auch der Plan, hat man sie mit einem Brandbeschleuniger übergossen und angezündet. Und ist dann quasi mit dem Kind weggefahren und die Brandeleiche hat man dann dort hinterlassen. Genau, das war dann der Leichnam, von dem wir zu Beginn gesprochen hatten. Ich habe gerade schon die Chat-Verläufe angesprochen, die ausgewertet wurden, die ja wirklich zeigen, wie akribisch und langfristig diese Tat und dieser Tag geplant wurden. Zum Beispiel ein Chat vom 22. Februar 2024, also genau zwei Wochen vor der Tat.

Ich rezitiere einfach mal. Man müsse dafür sorgen, hat Marco seiner Frau geschrieben, dass sie im Auto bleibt und die Kleine stillt und die Alte paar Meter alleine mit uns läuft und wir alle zusammenlaufen und gucken, dass ihr Abstand zwei bis drei Meter ist. Dann klappt es. Die INAO hat dann geantwortet. Und dann? Dann erledigen und anzünden. Wie willst du die andere im Auto erledigen? Da müssen wir uns noch was einfallen lassen. Erledigen und anzünden. Also diese Nachricht fand ich wahnsinnig brutal und ist mir deswegen im Kopf geblieben. Gibt es denn noch weitere Chatverläufe, die die Tatplanung so ein bisschen belegen? Das wurde viel über den Alltag kommuniziert, aber dann aus dem Nichts heraus plötzlich wieder über mögliche Tatbegehungen gesprochen. Also vom Abendessen und dann wechselt man auf einmal. Genau richtig. Also das war schon sehr intensiv geplant. Ich kann Ihnen gerne auch nochmal einen Chatverlauf vorlesen, wo die Ina schreibt, ihre Mutter hat am 25.02. Geburtstag. Marco antwortet dann, erlebt sie nicht.

Und da sieht man, wie lange das schon geplant war. Ja, zwei Menschen wurden ja wirklich, also die beiden wurden wirklich brutal getötet. Was brachte denn das Ehepaar dazu, zu morden? Das Tatmotiv ist eigentlich recht simpel. Die beiden hatten einen Kinderwunsch nach einem Mädchen. Sie hatten in deren Wohnung drei Kinder, drei Jungs wohnhaft. Das war das eine gemeinsame Kind, der eine Junge, den sie gemeinsam auf die Welt gebracht haben. Und die beiden Jungs, die Ina mit in die Ehe brachte. Es gibt ja viele Möglichkeiten, auf rationalem Weg ein Kind zu bekommen.

Was haben die denn, also ich bin mal der Meinung, dass sie nicht als erstes gedacht haben, wir bringen zwei Menschen um, um ein Kind zu bekommen, sondern dass es da auch noch andere Schritte davor gab. Die beiden haben tatsächlich über fast alle möglichen legalen Wege versucht, ein weiteres Kind zu bekommen. Sie haben versucht, ein Mädchen zu adoptieren, haben den Versuch einer Samenspende einfließen lassen. Sie, Ina, war tatsächlich auch schwanger und hat aber im Frühjahr 2023 dieses Kind verloren, sodass es da auch zu einem emotionalen Ausnahmezustand kam. Und aufgrund dieses Kinderwunsches, dass beide noch ein Mädchen wollten oder explizit Ina noch ein Mädchen wollte, hat man dann einen Ehestreit bekommen. Man hat die Beziehung infrage gestellt, eben viele Dinge, die Menschen belasten. Und so kam man leider Gottes im Endeffekt zu diesem grausamen Tatentschluss. Also der Wunsch hat sich dann quasi verselbstständigt und zwar in Richtung Kriminalität. Was gab es denn da für Pläne? Es gab ja mehr Pläne als jetzt diesen einen, der dann letztendlich geworden ist.

Ja, die beiden haben tatsächlich mehrere Möglichkeiten in Betracht gezogen, um an ein Kind zu gelangen, explizit um an ein Mädchen zu gelangen. Die Tat war nicht die erste Wahl der Dinge. Sie haben über Jahre hinweg einen Plan geschmiedet, mehrere Möglichkeiten in Betracht gezogen. Darunter war auch ein Krankenhaus, das sie ausspioniert hatten. Sie sind an Adressen gefahren, da in der Schweiz die Namen von Geborenen veröffentlicht werden. Da haben sie sich auch in der Schweiz umgeschaut nach möglichen Kindern, die sie eben klauen können. Anders kann man es nicht sagen, entführen können. Und da gab es dann auch Chatverläufe, die wir gelesen haben, dass sie einer Spaziergängerin mit Hund aufgelauert haben, sie observiert haben und dann der Hund entsprechend alleine nach Hause laufen muss und so weiter. Also die Tatplanungsphase, die hat sich extrem lang hingezogen. Ja, es ist wirklich krass, den verschiedenen Kliniken abgefahren, die Namen rauszusuchen, die Anschriften zu den Namen rauszusuchen, dorthin zu fahren. Also es zeigt ja wirklich, wie fix diese Idee war. Ich habe auch einen Chatverlauf zu dieser Klinik-Sache.

Das hat der Marco Ohn im Freund geschrieben. Ich habe hier in der Uniklinik, Frauenklinik die Lage gecheckt, ob das hier überhaupt möglich ist und ehrlich, Pforte unbesetzt gewesen, eine Pflegerin und eine Ärztin hier und die an der Pforte 120 Kilo, also die Frauen an der Pforte 120 Kilo kommen mir nicht hinterher in dem Sinn und komplett keine Kameras und Leute gesehen, Baby liegen 20 Meter von mir entfernt und Notausgang direkt daneben. Das ist natürlich erschreckend, wenn man sowas liest und an solchen Chatverläufen merkt man auch, wie akribisch die Planungsphase ablief. Man ist in Krankenhäuser gegangen, man hat versucht, alles auszuchecken, wie er schreibt, hat versucht, Risiken zu minimieren. Und ich glaube, das spiegelt ganz gut wider, was wir da gerade gehört haben, wie skrupellos die beiden auch vorgegangen sind. Die Pläne haben sie ja dann letztendlich nie umgesetzt. Also es ist bei dieser Tatplanung geblieben. Ab spätestens Januar 2024 hatten sie ja dann einen neuen Plan. Und das war dann der Plan, der letztendlich zum Tod von Rita geführt hat. Vielleicht können Sie einfliegen, was war denn hinter der Freundschaft? Ja, wie wir vorher schon gesagt haben, haben sich Ina und Rita in einer Telegram-Gruppe kennengelernt. einfach um Rita entsprechend Amtsgänge zu erleichtern und so weiter.

Die Freundschaft, die war tatsächlich sehr einseitig. Rita hat eine Freundschaft ihrer Meinung gepflegt. Von Ina war das Ganze von langer Hand herbeigeführt und auch bewusst intensiver Kontakt gepflegt. Sie hat zwar ihre Hilfe angeboten, hat auch oft sich um das Baby in Anführungsstrichen gekümmert, aber alles mit einem Hintergedanken. Die ganze Freundschaft quasi zielte darauf ab, irgendwann an dieses Kind zu kommen. So war zu Beginn der Freundschaft, zu Beginn der Kontaktaufnahme schon der Tatplan gefasst. Sie ist dieser Gruppe bewusst beigetreten, hat da schon gemeinsam mit Marco den Tatplan gefasst gehabt, um Hilfesuchenden, die mögliche Sprachbarrieren haben und so weiter, um mit diesen in Kontakt zu kommen, um eben an einen weiblichen Säugling zu gelangen. Also quasi die zwei Ukrainerinnen, die nach Deutschland gekommen sind, um sich vor dem Krieg zu schützen, um das Leben des Kindes auch zu schützen, wurden dann letztendlich in Deutschland, in dem eigentlich sicheren Deutschland, dann umgebracht, weil man an das Kind wollte. Ja, so grotesk as klingt, die beiden haben leider hier ihren Tod gefunden.

Was ich mich gefragt habe, als ich das das erste Mal gehört habe, war, man kann ja nicht einfach ein Kind stehlen. Deutschland auch viel zu bürokratisch, man braucht doch eine Geburtsurkunde und das Kind muss Mutterpass, eine Meldebescheinigung.

Wie ging das denn? Das war tatsächlich alles Teil des Plans.

Ina hat sich Rita Säugling ausgeliehen, hat vorgetäuscht, einen Banktermin wahrnehmen zu wollen, um dort entsprechend bessere Konditionen zu erhalten. Das wäre mit einem Kind möglich in Deutschland und Rita hat das geglaubt.

Ina ist aber nie zu einer Bank, sondern ist zum Standesamt und hat das Kind dort vorgestellt und wollte eine Geburtsurkunde beantragen. Das Standesamt hat aber einen Nachweis über die Geburt verlangt. Dadurch, dass es eine Hausgeburt war, hat sie auch etwas von einem Frauenarzt benötigt. Es war für sie tatsächlich nichts einfacher, als ein Dokument zu fälschen. Sie ist zum Frauenarzt von Rita gegangen, hat dort vorgetäuscht, dass Rita eine Hausgeburt hatte und einen Attest benötigt hierüber. Somit hatte sie schon mal eine Vorlage von einem Attest, wie so ein Dokument überhaupt aussieht. Und anhand dieser Vorlage haben Ina und Marco einen eigenen Nachweis erstellt über eine Hausgeburt, haben diese fehlenden Dokumente dann eben beim Standesamt nachgereicht und auch eine Geburtsurkunde erhalten. Da ist wirklich viel kriminelle Energie dabei gewesen. Das kann man so sagen, ja. Also ein Kinderwunsch, der kann ja wirklich riesig sein und auch belastend. Aber in dem Fall, das Paar hatte ja schon drei Söhne und er sogar eine Tochter, zu der er jetzt nicht wirklich Kontakt hatte.

Das macht das Ganze für mich irgendwie noch absurder und noch dramatischer. Gab es denn bei Ihren Ermittlungen irgendeine Erklärung dafür, die das irgendwie nachvollziehbarer macht? Ja, wie wir schon gesagt haben, es kam auch zum Ehestreit zwischen den beiden. Es wurde über Scheidung gesprochen und so weiter. Es war tatsächlich einer der letzten Versuche, um auch die Ehe zu retten, weil Inas Wunsch nach einer Tochter war entsprechend so groß, dass man, man kann es nicht anders sagen, dass man über Leichen ging. Im Prozess gestanden die beiden, ja, auch Ina O., aber auf mich, ich war damals vor Ort, wirkt es so, als würde sie ihre Schuld versuchen abzuschwächen. Sie hat ja nur im Auto, sie hat das Auto ja nur gefahren, sie hat ja niemanden erschlagen und es sei ein großer Fehler gewesen, dass sie ihren Mann nicht gestoppt habe und sie hätte sich mehr durchsetzen müssen, sei überhaupt gar nicht mehr überzeugt gewesen von der Idee, weil die Rita ja ihre Freundin gewesen sei. Und der Einzige Teil, das mir auch noch im Kopf geblieben ist, war, ich bereue es sehr, nicht lauter geschrien zu haben, bitte nicht. Was halten Sie denn von dieser Darstellung, von Ihrer Erzählung vor Gericht? Ich muss da tatsächlich etwas schmunzeln. Wenn man etwas über Jahre hinweg plant.

Dann halte ich so eine Aussage für unglaubwürdig. Das steht mir aber nicht zu, sowas zu beurteilen. Das ist aber, wie gesagt, nur mein persönlicher Eindruck. Wie würden Sie denn die Paardynamik der beiden beschreiben?

Wir konnten ja anhand der Chat-Verläufe einen Einblick in die Beziehung auch der beiden erlangen. Ja, eine Paardynamik, wer zusammen einen Plan pflegt, zwei Menschen umzubringen. Da muss man schon sehr eng aneinander gewachsen sein und auch ein gutes Vertrauen integrieren. Den jeweiligen Partner haben, denn man weiß genau, was man tut. Und hier geht es nicht darum, einen Kaugummi zu klauen, sondern da geht es um Menschenleben, um Familien zu zerstören und so weiter. Also das Verhältnis der beiden war meiner Meinung intensiv, aber in die Menschen kann man nicht hineinschauen. Wenn man sowas hört, dann denkt man, waren die psychisch gesund, die beiden? Gab es da irgendwelche Anzeichen? Laut dem Gutachten, das vorliegt, waren beide tatsächlich voll schuldfähig und somit müssen sie auch beide gänzlich gerade stehen für das, was sie getan haben. Am 10. Februar 2025 wurde dann das Urteil verkündet.

Wie lautete das Urteil? Die beiden wurden zu einer lebenslänglichen Freiheitsstrafe verurteilt und das Gericht hat tatsächlich auch die Schwere der Schuld festgestellt, was eine vorzeitige Entlassung ausschließt. Also nach 15 Jahren ist es sehr unwahrscheinlich, dass sie rauskommen, sondern es muss später dann nochmal geprüft werden, ob man sie entlassen kann. Genau, das ist ein langer Prozess.

Das entscheiden die Gerichte dann, aber das lässt sich zum jetzigen Zeitpunkt tatsächlich noch nicht sagen. Ina O. Wurde ja wie auch Marco O. wegen Mordes verurteilt, obwohl sie ja nie selber Hand angelegt hat. Haben Sie so eine Verurteilung in Ihren Fällen schon mal gehabt? Tatsächlich hatte ich einen Fall, bei dem...

Ähnliches stattgefunden hat, bei dem eine Person ums Leben kam, aber auch nur eine Person, die Gewalt verübt hatte. Aber das ist schon selten der Fall, wenn man von Mord spricht, dann denkt man ja erstmal, okay, es hat jemand durch Gewalten andere Menschen umgebracht. Aber das gibt es tatsächlich hin und wieder, dass auch wenn man selbst, wie Sie so schön sagen, keine Hand anlegt, zum Mörder wird. Was unterscheidet denn diesen Fall von anderen Fällen in Ihrer Karriere? Ich sage mal, jeder Fall, bei dem ein Mensch zu Tode kommt, ist grausam auf seine Art und Weise und da lässt sich auch nichts miteinander vergleichen. Dieser Fall hier, der ist natürlich besonders tragisch, da es sich auch um ein Kind handelte, das hier involviert war. Gott sei Dank war das Kind so klein, dass es noch nichts mitbekommt. Es war nur fünf Wochen alt, das haben wir glaube ich gar nicht erwähnt. Ja, ein frisch geborener Säugling.

Da kann man für das Kind von Glück reden, dass es das Ganze noch nicht realisiert, was da passiert ist. Aber vergleichen kann man diesen Fall mit gar nichts anderem. Wir haben es ja gehört, die Skrupellosigkeit der beiden Täter, das gesamte Konstrukt, wie der Fall aufgebaut war, wie man sich vorbereitet hatte und so weiter, wie lange vor allem man entsprechend einen Mord geplant hat, das lässt sich mit nichts zu vergleichen.

Ihre Arbeit als Polizei wurde während meiner Recherche zu dem Fall auch immer wieder sehr hervorgehoben. Nicht nur wegen der Ermittlerarbeit, sondern auch, weil die Beamten sehr feinfühlig und gegenüber der hinterbliebenen Schwester gewesen sein sollen. Es soll sogar einen Trauergottesdienst gegeben haben, den Beamtinnen organisiert haben. Das habe ich zuvor noch nie gehört. Wie kam es denn dazu? Das soll im kleinen Kreise stattgefunden haben. Ich war persönlich nicht dabei. Aber es zeigt auch, wie beeindruckt und wie berührt die Kolleginnen und Kollegen von diesem Fall waren. Wir haben extra zwei Kolleginnen und Kollegen abgestellt, die sich nur um die Schwester von Rita gekümmert hatten. Sie ist nach Deutschland gereist mit dem Hintergrund, das Kind von Rita zu adoptieren. Und Sie können sich vorstellen, das ist nicht einfach, ein Kind bei uns in Deutschland einfach so mal schnell zu adoptieren. Aus der Ukraine hier rüber zu fliegen oder zu fahren und ein Kind mit zurücknehmen, Das ist ein Prozess, der dauert Monate bis Jahre.

Unsere Kolleginnen und Kollegen, die haben da wirklich ganz viel möglich gemacht, haben bei den Amtsgängen unterstützt, haben sich um das Kindswohl gekümmert. Und das ist wirklich was, was auch ins Herzen geht, wenn man sieht, was auch Opferschutz bewirken kann. Und so kam es dann eben zu dieser kleinen Trauerfeier dann letztendlich mit den zwei Beamtinnen. Genau richtig, so hat man auch diese Trauerfeier organisiert. Die Kleine von Rita, die hat ja an einem Tag Mutter und auch Oma verloren. Ist denn diese Adoption dann auch geglückt? Also ist die Kleine von Rita jetzt die Adoptivtochter von der Schwester? Das Schöne ist, dass diese Adoption sehr schnell geglückt ist und Ritas Tochter auch sehr schnell mit ihrer Schwester in die Ukraine fahren konnte. Man denkt erstmal, okay, Kriegsgebiet, aber das war wirklich das, wo alle Beteiligten dachten, dass für das Kind das Allerbeste sei. Und somit wir auch alle voll hinter dieser Entscheidung standen. Auch die beiden Verurteilten hatten ja Kinder. Was ist denn mit den Kindern passiert?

Ja, man kann sagen, dass auch sie ihre Eltern verloren haben. Zwar nicht gänzlich, denn sie sind eingeschränkt besuchbar, aber wer Kinder hat, weiß, wie sehr die Kinder auch die Eltern benötigen. Die Kinder. Kinder waren teilweise noch minderjährig. Ein Sohn hat das 18. Lebensjahr schon vollendet. Er kann nun selbst entscheiden, was er macht und was nicht. Aber die zwei Minderjährigen, denen hat sich auch das Jugendamt angenommen. Und die wurden dann quasi in Obhut genommen. Genau, auch die beiden wurden in Obhut durch das Jugendamt genommen. Lieber Herr Wilhelm, es war ein sehr, sehr interessantes Gespräch. Vielen Dank Ihnen. Sehr gerne.