Und welche Abgründe können in jedem von uns stecken? Im Sterncrime-Podcast Spurensuche erzählen Ermittler und Spezialisten über ihre spannendsten Fälle und die Herausforderungen ihres Berufes. Herzlich willkommen zu einer neuen Folge von Spurensuche. Heute geht es um Feuer. Es geht um Brände, die eine ganze Region über Jahre hinweg in Angst versetzten. Und um die Frage, was diese Brände mit einem Mordfall zu tun haben. Darüber spreche ich mit einem alten Bekannten aus Spurensuche, dem langjährigen Leiter der Kriminalpolizei des niedersächsischen Landkreises Gifhorn, mit Jürgen Schmidt. Hallo Herr Schmidt. Hallo Herr Vollein. Der Fall, über den wir heute reden, liegt schon einige Jahre zurück, aber er ist, wie Sie im Vorgespräch sagten, auf gewisse Weise einzigartig. Was macht ihn so besonders für Sie? Das ist zum einen die Vielzahl der Fälle gewesen, die sich über mehrere Jahre ereigneten. Darüber hinaus aber auch die große Beunruhigung in der Bevölkerung, die uns als Kripo natürlich immer wieder gefordert hat. Und letztlich auch die Überführung des Täters und insbesondere die Beweisführung. Das sind schon Momente gewesen, die nicht bei jedem Fall vorkommen und in diesem Fall auch ganz besonders nachgewirkt haben. Was ist denn generell so die große Herausforderung bei Brandstiftungen?

Brandstiftungen oder ich muss eigentlich noch ein bisschen vorher anfangen. Brandermittlungen sind somit das schwierigste Feld, was die Kriminalisten zu beackern haben. Weil bei einem Brand geht es zunächst mal darum festzustellen, wo nicht denn eigentlich die Brandursache. Haben wir es hier überhaupt mit einer Straftat zu tun oder ist vielleicht auch eine völlig natürliche Ursache für die Entstehung des Brandes entscheidend? Und man braucht hier eine hohe Fachexpertise, um überhaupt an einem Brandort feststellen zu können, wo ist denn die Brandausbruchstelle? Das ist das Entscheidende. Dort setzen wir mit unseren Ermittlungen in aller Regel an. Von daher schon ausgesprochen komplexes Vorgehen. Ich stelle mir das wahnsinnig knifflig vor.

Da liegt halt naturgemäß dann alles in Asche und alles ist schwarz. Da was zu finden, ist eine ganz große Herausforderung. Man muss sich vorstellen, entweder man hat ein Gebäude, was bis auf die Grundmauer niedergebrannt ist oder in diesem Fall, wir wollen ja über Waldbrände beispielsweise sprechen, da kommt man in einen Wald und da ist nichts mehr, alles ist schwarz und wo will man jetzt etwas finden? Wo will man vor allen Dingen etwas finden, A, um auf die Brandursache zu schließen und in der Folge, wenn es denn eine Brandstiftung ist, wie komme ich an den Täter und wie kann ich ihn überführen? Spuren im klassischen Sinne wie Fingerspuren, Schuhspuren oder auch DNA-Spuren haben wir bei Brandstiftungen eher weniger oder fast nie. Also von daher sind wir hier ganz anders gefordert. Es ist ein schwieriges Feld.

Wir reden nicht über eine kleine Brandstiftung heute, sondern über etwas mit sehr großen Ausmaßen. Nehmen Sie uns doch mal zurück in die Zeit damals. Wie begann das Ganze? Ja, wie wir etwas später festgestellt haben, ging das Ganze etwa 1995 los. Es fing an mit kleinen Böschungsbränden, kleinen Waldbränden. Nun muss ich Sie ein bisschen mitnehmen in den Landkreis Gifhorn. Der Landkreis Gifhorn liegt so im Bereich südliche Lüneburger Heide. Das heißt, wir haben gerade im nördlichen Landkreis auch sehr viele Kiefernwälder. Wir haben sehr viele landwirtschaftliche Flächen, die auch beispielsweise mit Getreide bestellt sind.

Bei entsprechender Trockenheit kann es hier sehr schnell auch zu Brandausbrüchen kommen. Das muss man sich so vorstellen. Wir haben also jetzt 1995 und es kommt immer wieder zu kleineren Böschungsbränden. Gar nicht mal groß ausgedehnt, aber immer wieder muss die Feuerwehr ausrücken, muss diese Brände löschen, damit sie eben nicht übergreifen auf die Wälder. Und zunächst mal hat man dem auch keine so große Bedeutung beigemessen, weil es war immer sporadisch, es waren kleinere Brände. Und das ruft nicht unbedingt immer gleich die Polizei auf die Spuren, insbesondere auch nicht die Kripo, sondern man hat das als natürliche Ursachen angesehen. Da hat jemand vielleicht achtlos die Zigarettenkippe weggeschmissen oder es war irgendwelche Glasreste, die dazu geführt haben, dass es sich entzündet hat. Aber es ballte sich schon in der Zeit, es brannte schon häufiger. Wie war da die Stimmung in der Bevölkerung? Die Bevölkerung im Landkreis Giffhorn war, was das anbelangt, ausgesprochen sensibel. Es gab 1975 die große Waldbrandkatastrophe, die auch im Landkreis Giffhorn im Bereich Zelle und in der weiteren Lüneburger Heide ins Wendland hinein, unter anderem sieben Tote gefordert hatte. Über den Zeitraum von 14 Tagen haben die Wälder gebrannt und konnten nicht gelöscht werden. Da waren teilweise bis zu 30.000, 35.000 Feuerwehrleute im Einsatz. Und insbesondere im Landkreis Gifhorn sind fünf ganz junge Feuerwehrleute von einem Feuer eingeschlossen worden und sind dabei auch ums Leben gekommen bei der Brandgekämpfung.

Da war natürlich eine Unruhe da. Das ist eine Geschichte, die noch da ist. Also Trauma ist ein Begriff, den gibt man immer schnell. Aber dramatisches Ereignis für die Region kann man das schon bezeichnen. Auf jeden Fall. Das ist nach wie vor da. Das ist in jedem Jahr da. Es gibt jedes Jahr Gedenkfeiern in Gifhorn allgegenwärtig. Und wenn da ein kleines Stück Wald brennt, hat jeder noch Erinnerungen an das damalige Geschehen. Wann werden denn Brandfälle überhaupt ein Thema für die Kripo, für die Polizei? Und grundsätzlich ist die Kripo immer dann gefordert, wenn es zu Personenschaden und wenn es zu Gebäudeschaden kommt. Das heißt, bei kleineren Böschungsbränden oder sowas sind wir nicht unbedingt dabei. Böschungsbrände, wie muss man sich das vorstellen?

Böschungsbrände, Fachbegriff, was bedeutet der? Das bedeutet rechts und links der Fahrbahn. An den Straßen sind natürlich, bevor es zu den Wäldern kommt, immer gewisse Böschungsbereiche. Da sind Gräben, da ist Gras, da ist so leichter bewuchs mit kleinen Sträuchern und die sind in aller Regel dann häufig zunächst mal angebrannt. Wie gesagt, da hat man immer sehr schnell die Vermutung, da ist eine brennende Zigarettenkippe beispielsweise aus dem Auto geschmissen worden und dadurch kommt es zu solchen Böschungsbränden. Aber die große Gefahr dieser Böschungsbrände ist eben, dass sie übergreifen auf den angrenzenden Wald oder aber auf landwirtschaftliche Flächenfelder, die dort sind. Und wann wurde es dann verdächtig und damit ein Fall für Sie bei der Polizei? Also für uns war es dann insbesondere 1999. Wir hatten diese kleineren Brände vorher zwar auch registriert, im Hinterkopf, aber uns auch nicht intensiv darum gekümmert.

Aber 1999 kam es dann zu Fällen, dass drei, vier, fünf Brände innerhalb von einer Stunde gemeldet wurden. Und das in einem Umkreis, sag ich mal, von etwa zehn bis 15 Kilometern. Und da wollten wir natürlich hellhörig sagen, das kann nicht sein, dass das hier alles natürliche Ursachen hat. Hier muss irgendjemand dahinter stecken. Der diese Brände legt. Das klang nicht mehr nach rausgeschmissener Zigarettenkippe und vagabondierender Kettenraucher. Nein, absolut nicht mehr. Das war innerhalb relativ kurzer Zeit an auch weiter auseinanderliegenden Stellen. Aber auf der anderen Seite nicht so weit auseinanderliegen, dass man sagen konnte, das ist Zufall, weil es eben 30, 40 Kilometer waren. Sondern in so einem Umkreis, wenn man einen Kreis von etwa 10 Kilometern schlägt, hatten wir plötzlich an einem Nachmittag 5 Brandstellen. Jeweils in der Nähe von Wäldern, im Böschungsbereich, auch schon teilweise übergegangen auf den Wald. Dann beispielsweise ist mal ein Kornfeld komplett abgebrannt, das kurz vor der Ernte stand. Und das war natürlich so ein Punkt, wo wir gesagt haben, hoppala, das müssen wir uns jetzt genauer angucken. Bevor hier noch mehr und noch Schlimmeres passiert, müssen wir das untersuchen, müssen feststellen, was ist hier eigentlich Sache. Und was haben Sie unternommen? Noch wussten Sie ja nicht, ob es Brandstiftung überhaupt war. Tatsächlich haben wir jetzt erst mal geguckt, warum hat es denn da eigentlich gebrannt? Da muss man sich aber auch wieder vorstellen, Landkreis Giffhorn, landwirtschaftliche Flächen, viel Waldflächen. Jetzt kommt man also an solch einem Brandort, alles ist schwarz.

Wo fange ich denn jetzt an? Jetzt muss ich also erst mal gucken, wo ist denn eigentlich der Brand tatsächlich ausgebrochen? Also ich muss Windrichtung beispielsweise beachten. Ich muss Zeugenaussagen suchen, die sagen können, ich habe das Feuer zuerst an der Stelle gesehen und dann hat es sich in die Richtung ausgebrannt. Sodass man zumindest den Ort der Brandentstehung möglichst eingrenzen konnte, um dann dort gezielt Ermittlungen einzusetzen. Um da zu schauen, Wie wurde es entzündet? Das ist quasi eine Tatortarbeit, wie bei anderen Delikten auch. Man denkt dann natürlich zuerst mal an Benzin oder irgendeinen anderen Brandbeschleuniger. Den kann man aber allerdings, wir hatten damals auch schon Fotoindividuationsgeräte, das kann man vor Ort ganz gut feststellen. Was für Geräte, Entschuldigung? Ja, wir haben sie Schnüffler genannt. Das sind spezielle Gasdetektoren, mit denen man eben auch Brandbeschleuniger und insbesondere die Gase dieser Brandbeschleuniger auch noch Tagen nach einer Brandlegung feststellen kann. Man hört ja heute sehr häufig, dass Hunde dort zum Einsatz kommen, ganz speziell ausgebildete Brandspürhunde. Die gab es damals noch nicht, denn heute werden die eigentlich bei jedem Brand relativ schnell eingesetzt. Damals haben wir mit diesen Gastetekturen gearbeitet, um eben Brandbeschleuniger an Brandorten festzustellen.

Wir haben aber an diesen Bränden damals absolut nichts gefunden. Wir haben auch sonst keine Hinweise gefunden. Wir haben beispielsweise nach Glas gesucht an diesen Brandorten. Ob vielleicht durch Sonneneinwirkung, durch Strahlung da dann irgendetwas passiert sein könnte. Wir haben auch gesucht nach beispielsweise einfachen Zündhäusern oder vielleicht auch nach einfach Stroh, was da vielleicht lag, mit dem man die Wälder angezündet hat, die Wälder angezündet hat. Wir haben nichts gefunden, was auf irgendeine Brandursache hindeutete. Wir haben spaßeshalber dann teilweise auch die Glaskugel rausgeholt und haben gesagt, Mensch, was kann das eigentlich sein hier? Arbeitet hier irgendeiner mit Laserstrahlen oder mit irgendwelchen Strahlen, was weiß ich, wo die herkommen, um diese Brände zu nehmen? Weil wir fanden nichts, wodurch diese Brände verursacht worden sein konnten. Wir haben dann auch Versuche angestellt. Wir haben beispielsweise aus dem Auto Zigarettenkippen rausgeschmissen oder auch einfach nur Zigarettenkippen angeraucht, kräftig geraucht und in die Wäschung geworfen. Kein Brand. Wir haben beispielsweise Grillanzünder genommen, diese Paraffin-Grillanzünder, die man kennt, haben die genommen und haben sie weggeschmissen und nichts ist passiert. Wenn man die fallen ließ aus einer normalen Höhe, dann haben die auch nicht zu einem Brand geführt.

Also da wir auch so eine zeitliche Abfolge hatten, die relativ schnell hintereinander waren, wir waren recht sicher, dass unser Täter, unsere Täterin mit einem Fahrzeug unterwegs sein musste. Wir waren nicht sicher, ob es ein Auto ist, es konnte ein Motorrad sein, es konnte auch ein Moped oder sowas sein. Aber wir waren sicher, in dieser zeitlichen schnellen Abfolge konnte man nicht zu Fuß von einem Ort zum anderen kommen oder auch nicht mit dem Fahrrad. Also irgendein Fahrzeug musste da eine Rolle spielen. Das bedeutete aber auch, einfach irgendwo was schnell anhalten, um dann den Brand zu legen und wieder ins Fahrzeug zurück. Da hätten wir schon mal irgendwo Zeugen haben können, die vielleicht irgendetwas belegen. Es hat aber niemand etwas im Zusammenhang mit den Bränden bemerkt, was uns bei den Ermittlungen weiterbrachte. Sodass wir wirklich da vor einem Rätsel standen, wie schafft es jemand, diese Brände zu legen, ohne dass wir irgendetwas gefunden haben, was wir als Ursache annehmen konnten. Aber Sie waren zumindest schon so weit, dass Sie sagten, okay, der muss das irgendwie auch aus dem Auto rausgeworfen haben, oder? Wenn ich es richtig verstanden habe. Der muss schnell in Bewegung gewesen sein, um all diese Orte zu erreichen.

Und da nie beobachtet wurde, ist es unwahrscheinlich, dass der angehalten hat. Weil da wird es ja wahrscheinlich, sag ich jetzt mal, als weder Brandermittler noch Brandstifter, wäre es ja wahrscheinlich mit einem Grillanzünder durchaus möglich dann, wenn man den da abstellt. Richtig, so wäre es sicherlich möglich gewesen. Das haben wir ausgeschlossen. Wir haben es auch deshalb ausgeschlossen, weil wir konnten feststellen, dass man auch eine gewisse Fahrtrichtung feststellen konnte. Also ich habe Brandort A und dann Brandort B weiter in Richtung Norden, Brandort C weiter in Richtung Norden und das war immer rechts der Fahrbahn. Das sprach natürlich dafür, dass jemand am Fahrbahnrand vielleicht angehalten hat. Kurz den Brand gelegt hat, weitergefahren hat. Oder aber man hat eben etwas aus dem Fahrzeug durchs Beifahrerfenster rausgeworfen. Das war so unsere Annahme. Die Paraffinwürfel haben wir dann eben ausschließen können, weil das klappte nicht. Wenn man die nur einen Meter weit geschmissen hat, waren die schon aus. Das brannte nicht weiter. Dann muss man sie direkt abgelegt haben. Aber auch dafür haben wir keine Rückstände gefunden. Wie ging es denn mit dem Bränden weiter? Brannt es weiter überdurchschnittlich häufig? Ja, es hat dann im Grunde genommen mehr noch gebrannt als in den Jahren vorher. Wir hatten dann allerdings auch lang ausgedehnte Trockenperioden, gerade in 1999 und auch in den Folgejahren. Es hörte überhaupt nicht auf und wir haben uns dann natürlich auch noch andere Dinge überlegt, wie wir da vielleicht einem Täter habhaft werden konnten.

Wir befürchteten wirklich, dass es vielleicht zu einer nächsten größeren Waldbrandkatastrophe kommen könnte. Und deshalb haben wir natürlich auch einiges unternommen, um das zu verhindern. Was wurde denn unternommen? Also erstmal um das Schlimmste zu verhindern? Das ist natürlich nicht nur polizeiliche Aufgabe gewesen, sondern wir haben uns beispielsweise mit dem Landkreis zusammengesetzt. Es gab zu diesem Zeitpunkt allerdings auch schon sogenannte Feuerwachtürme. Das heißt, Brandgefahr in Wäldern wird ja in bestimmte Stufen eingestellt. Und wenn es zu längerer Trockenheit kam, gibt es eine Weltbrandgefahrstufe 1, 2, 3, 4, 5. 5 ist die höchste. Dann beispielsweise führt das zum Teil dazu, dass verboten wird, Wälder überhaupt zu betreten.

Damals wurden Wachtürme besetzt. Es wurde sogar aus der Luft eine Überwachung gemacht, um mögliche Rauchsäulen sehr früh erkennen zu können und dann eben die Feuerwehr sofort an diese Orte zu bringen, damit dort auch gelöscht wird. Die ganze Region... In Aufruhr, wenn man sich das so vorstellt, dann die Flugzeuge kreisen, die Feuerwehr, die Zeitungen sind voll. Da ist schon Druck. Da war jede Menge Druck da. Der war auch bei uns. Den hatten wir natürlich auch ganz persönlich, diesen Druck. Weil wir sind gefahrener, wir leben dort in dem Landkreis und wir wollen natürlich verhindern, dass es wieder zu einer solchen Katastrophe wie 1975 kommt. Sind denn Menschen bis dahin zu Schaden gekommen oder direkt in Gefahr geraten?

Nein, wir hatten keine direkten Personenschäden. Allerdings muss man sagen, Landkreis geht vorne. Ich habe schon mal gesagt, landwirtschaftlich strukturiert, es gibt natürlich keine Berufsfeuerwehr. Es ist eine freiwillige Feuerwehr. Es dauert immer eine bestimmte Zeit, bis die Kräfte dann auch an den Einsatzort kommen. Es hat schon mal größere Brände gegeben. Es hat auch schon mal der Wald gebrannt. Nur Gott sei Dank ist es immer relativ schnell bekannt geworden, dass es brennt. Und dadurch auch relativ schnell konnte gelöscht werden. Aber es ist auch nur eine Frage der Zeit, bis jemand da in Gefahr gerät. Aber erst mal stehen Sie, wie Sie es vorhin formuliert haben, nur mit der Glaskugel da. Was haben Sie gemacht, um den Täter oder die Täterinnen oder die mehreren Täter zu fassen? Wir haben uns natürlich alle Brände ganz genau angeguckt. In welchem Gebiet spielt sich das ab? Welche Straßen muss der Täter benutzt haben? Wo muss er sich bewegt haben? Und haben an den neuralgischen Punkten aufgeteilt.

Uns aufgestellt, zum Teil verdeckt aufgestellt, zum Teil aber auch festgelegt, dass wir an bestimmten Punkten nach Bekanntwerden eines Brandes Kontrollstellen einrichten. Wie sah das aus, diese Kontrollstellen? Es waren unterschiedliche Kontrollstellen. Wir haben zum einen im verdeckten Bereich, das heißt wir haben zivile Fahrzeuge eingesetzt, die sind beispielsweise die Straßen hoch und runter gefahren und haben Kennzeichen notiert von Fahrzeugen, die dort langgekommen sind. Wir haben aber auch Kollegen, ja ich will jetzt in dieser Phase noch nicht so unbedingt sagen, dass wir uns da eingegraben haben, aber wir haben schon verdeckt auch Positionen bezogen, um Kennzeichen zu notieren, um festzustellen, wer bewegt sich in einem bestimmten Bereich. Und wir haben natürlich ein Gebiet gehabt, in dem sich der Täter bewegt hat. Und wir haben dann an vier, fünf Kontrollstellen vorbereitet für den Fall, dass es brennt. Dann haben wir die Straßen dort dicht gemacht und haben die Fahrzeuge, die dann kamen, kontrolliert, nachdem eine Brandmeldung war. Und haben die Insassen festgestellt, haben vor allen Dingen auch Kennzeichen festgestellt.

Vielleicht haben wir dabei auch unseren Täter, wenn wir ihn zwei, dreimal an irgendeiner Kontrollstelle haben oder auch das Kennzeichen zwei, dreimal notiert haben. Dass wir dadurch vielleicht zu einem Täter kommen. Es klingt aber auch ein bisschen nach einem Na-dann-viel-Glück-Konzept, wenn Sie sagen, diese weitläufige Gegend, Sie wissen ja nicht, wann es brennt, logischerweise. Wir haben es natürlich beschränkt auf die Tage, an denen bedingt durch eine vorangegangene längere Trockenheit die Gefahr relativ groß war, dass der Täter wieder tätig wird. Also Sie hatten auch den Eindruck, dass der dann selber auch wartet.

Wenn es trocken ist, dann liegt er wieder los. Er weiß schon, wann er ein Spektakel verursachen kann. Richtig, also die Brände waren immer während langanhaltender Trockenperiode. Also nach drei, vier Wochen Trockenheit wusste man jetzt, passiert wieder irgendwas. Und dann waren wir auf der Straße und haben versucht eben natürlich auch auf den Kommissar Zufall, beziehungsweise ich sage immer auf den gesteuerten Zufall zu setzen, dass wir eben genau am richtigen Zeitpunkt, zur richtigen Zeit, an der richtigen Stelle waren. Das ist uns aber leider Gottes in den ersten Jahren nicht gelungen. Was ist denn der gesteuerte Zufall? Ja, man spricht ja sehr häufig vom Kommissarzufall. Ich sehe das nicht als Kommissarzufall an. Wenn wir beispielsweise auf diese Art und Weise zu einem Täter gekommen wären, dann wäre das kein Zufall gewesen, sondern wir haben den gesteuert, diesen Zufall, dass genau dieser Zufall eintritt, wenn wir nämlich unterwegs sind. Sie haben eine Wahrscheinlichkeit berechnet. Wäre es kein Zufall als solches gewesen. Natürlich wäre viel Glück dabei gewesen, aber es wäre eben ein gesteuerter Zufall gewesen. Aber Sie hatten dieses Glück auch nicht. Wir reden hier jetzt im Podcast ja in einer Minutengeschwindigkeit, aber wir sprechen über Jahre.

1999 war das Jahr ja irgendwann im Herbst vorbei, sodass es keine Brände mehr gab. Dann war auch wieder Ruhe bis zum nächsten Jahr. Aber in den Jahren 2000, 2002, 2003, es ging immer weiter. Es hörte nicht auf. Es hörte nicht auf und wir wussten immer noch nicht, wie geht der Täter eigentlich vor? Wie legt er diese Brände? Und was brachte dann die Wende für Sie? 2002 kam einer unserer Brandermittler an eine sehr frische, relativ kleine Brandstelle auch zu einem Böschungsbrand und fand in dieser Brandstelle eine Eine abgebrannte Wunderkerze. Eine Wunderkerze. Eine Wunderkerze, wie man sie aus der Weihnachtszeit eigentlich kennt. Wir sind aber jetzt im Hochsommer. Ja, im Hochsommer und eine kleine, auch keine etwa lange große, sondern so eine kleine Wunderkerze. Und vor allen Dingen war sie am unteren Ende auch noch gebogen, zu einem Haken gebogen.

Im Hochsommer mitten in der Prärie. Genau. Kann einem verdächtig erscheinen. Kann einem nicht nur verdächtig erscheinen, sondern ist dem Kollegen auch verdächtig erschienen. Und der kam mit dem Ding zur Dienststelle an und dann war für uns, kann man mit solch einer Wunderkerze vielleicht einen Böschungsbrand oder auch einen kleinen Weltbrand verursachen? Also was machst du? Gehst du wieder los und machst wieder Versuche. So wie wir das mit vielen anderen Dingen auch gemacht hatten und haben dann zunächst mal nur die Wunderkerze einfach angezündet und in einen Böschungsbereich geworfen. Und siehe da, zwei, drei, vier Minuten später hat es tatsächlich angefangen zu brennen.

Ich gehe mal davon aus, dass Sie auch Unterstützung von Brandermittlern hinzugezogen haben. Wie haben die das erklärt? Also in diesem Fall haben wir es jetzt als Kripo ganz alleine gemacht. Wir haben keine Sachverständigen oder sonst was dazu gemacht, sondern das ist relativ klar, weil man hat da ja eine recht große Hitzeentwicklung. Man sieht das auch an der Blaufärbung der Flamme, dass es eine recht hohe Temperatur ist, die das ist. Und das brennt ja auch eine gewisse Zeit, so eine Wunderkerze. Und die schafft es dann tatsächlich, trockenes Gras, trockenes Stroh, auch trockenes Gehölz, kleineres Gehölz zu entzünden und zu einem Brand. Und sie geht nicht schnell aus, wenn ein Luftzug kommt. Genau, sie geht eben nicht aus beim Luftzug. Im Gegenteil, selbst bei heftigem Wind brennt diese Wunderkerze weiter. Wir haben, wie gesagt, das durch Eigenversuche festgestellt. Unsere nächste Überlegung war ja dann auch immer, da die Brände ja weit auseinander lagen, teilweise kilometerweit auseinander lagen, Mensch, werden sie vielleicht doch irgendwo aus dem Auto geschmissen. Geht das vielleicht? Also...

Versuchen. Wir haben uns zu zweit zunächst ins Auto gesetzt und jemand hat im Fahrzeug die Wunderkerzen entzündet und sie dann aus dem fahrenden Fahrzeug, aus der Beifahrerseite rausgeschmissen. Und siehe da, auch das funktioniert, die Kerze brannte weiter und verursachte tatsächlich auch Brände. Wie muss man sich das vorstellen? Sie düsen dann zu zweit durch die Landschaft, einer schmeißt die Wunderkerze raus und mit dem Feuerlöscher stehen sie daneben und warten ein paar Minuten, ob es brennt? Tatsächlich, wir waren nicht nur mit einem Fahrzeug da, sondern wir waren mit zwei, drei Fahrzeugen unterwegs. Ein Fahrzeug hat quasi das Täterfahrzeug gespielt, hat das Ding rausgeschmissen während der Fahrt bei etwas geringerer Geschwindigkeit, nicht gerade bei 80, aber runtergebremst so auf 20 Stundenkilometer, dann aus dem Fenster geworfen, weitergefahren.

Das nächste Fahrzeug hielt dann natürlich sofort an der möglichen Brandstelle an und hat die weitere Entwicklung abgewartet. Hat übrigens auch die Stoppuhr dabei gedrückt, um zu sehen, wie lange dauert es eigentlich, dass es hier brennt. Es hat auch nicht in jedem Fall gebrannt, das muss man auch sagen. Es hat nicht immer funktioniert, aber es hat in 80 Prozent der Fälle tatsächlich funktioniert, dass dann ein Brand entstand, allerdings auch mit Minuten Verzögerung, mit drei, vier, fünf Minuten Verzögerung teilweise, bis der Brand sich so entwickelte, dass man ihn auch sehen konnte, dass auch ein bisschen Rauch ausstieg. Das hatte für uns zweifache Bedeutung. Zum einen, okay, auf diese Art und Weise können unsere Brände gelegt worden sein. Und zweitens, tatsächlich werden sie entdeckt erst drei, vier, fünf, sechs, sieben Minuten nach dem, Diese Wunderkerze aus dem Fahrzeug, also der Täter ist, bis es tatsächlich brennt, ist er schon wieder kilometerweit weg, ist an unserer Kontrollstelle lange vorbei, wenn der Brand entdeckt wird, weil eben die große Verzögerung da ist.

Haben Sie sich dann die alten Brandstellen nochmal angeschaut? Die Kollegen sind alle Brandstellen, obwohl es mittlerweile schon wieder zugewachsen war. 95 die Anfänge, wir sind im Jahr 2002. Obwohl alles auch zum Teil wieder bewachsen war, sind alle Stellen nochmal wieder abgesucht worden. Und wir haben an sage und schreibe 180 Brandstellen Wunderkerzen gefunden.

Wunderkerzen, die auf die gleiche Art und Weise unten gebogen waren. Das waren alle die kleine Wunderkerzen, wie man sie eben insbesondere aus der Weihnachtszeit auch kennt.

Warum haben Sie die vorher nicht gefunden? Ja, da müsste man jetzt mal ein Bild vor Augen haben. Wenn Sie so eine schwarze Brandstelle sehen und sehen jetzt so einen kleinen schwarzen Draht, mehr ist es ja wirklich nicht, den man da noch sehen kann von einer abgebrannten Wunderkerze, dann übersieht man sowas sehr schnell. Und wir haben diese Wunderkerzen erst dann gefunden, als wir die neuen oder die Brandstellen, nachdem wir das wussten, mit sogenannten Metallsuchgeräten abgescannt haben. Das war auch sehr aufwendig. Das war nicht immer so, dass man jetzt nur noch einen Meter schnell abscannen konnte, sondern sehr aufwendig. Teilweise sind wir 100 Meter hoch und runter gegangen, um diese Wunderkerzen zu finden. Aber wie gesagt, an 180 Brandstellen haben wir diese Wunderkerzen gefunden. Und die Brandermittler hingen nicht davon aus, dass es irgendwas Metallisches ist, was das auslässt? Genau, da ist eigentlich keiner von ausgegangen, weil wir kennen das zwar auch bei technischen Brandursachen, dass man zum Beispiel nach den Elektroleitungen oder sowas guckt und dann auch Metalllitzen oder sowas hat, die Hinweise geben können auf eine Brandermittlung. Aber auf Wiese und Wald hat man normalerweise solche Leitungen nicht und von daher hat keiner an Metall gedacht. Jetzt hatten Sie zumindest eine Idee, wie er vorgegangen ist. Aber...

Wie finden Sie jetzt den Täter? Das Problem bleibt ja das Gleiche. Da düst einer durch die Gegend. Sie können ahnen, in welchem Zeitraum es passiert, aber Sie wissen nicht wann und wo. Und er hat ein geringes Risiko, ertappt zu werden, weil er kaum an einer Stelle bleibt.

Allerdings ist es schon eine andere Situation, wenn man weiß, wie jemand vorgeht. Das heißt, ich hatte jetzt schon mal einen Punkt. Wenn wir an den Kontrollständen jemanden haben, der verdächtig ist, dann weiß ich, wonach ich gucken muss. Das hatten wir vorher nicht. Und wir konnten jetzt auch rekonstruieren, wie der Täter vorgegangen ist. Wobei wir waren uns anfangs nicht sicher, ein Täter oder möglicherweise zwei Täter. Da hat möglicherweise der zweite Täter aus dem Beifahrerfenster immer die Dinge. Also das war uns nicht so klar, wobei wir sind schon mehr von einem Einzeltäter ausgegangen. Bei Brandstiftungen werden üblicherweise in Serien nicht von zwei Leuten begangen, sondern Serien-Brandstifter sind Einzeltäter. Das haben Sie auch getestet. Das haben wir auch getestet. Nicht, dass man keinen Beifahrer braucht, um es da rechts in die Böschung zu werfen. Das ist beispielsweise auch so ein Punkt gewesen, der nachher noch eine Rolle spielte. Wir haben die Wunderkerze angehängt am Armaturenbrett, haben sie dann während der Fahrt angezündet und haben dann das Fenster mit dem elektrischen Fensterheber runtergefahren und haben dann rausgeschmissen und tatsächlich es funktionierte. Ach, das erklärt natürlich diesen Knick, den Sie sagt.

Klar, wenn er eine unpräparierte Wunderkerze hat, dann muss er anhalten, die Hände vom Lenkrad nehmen und anzünden. Richtig. Und so konnte er es ans Lenkrad hängen. Da hat aber jemand viel getüftelt. Also nicht, dass es jetzt ein wahnsinniges technisches Wunderwerk wäre, eine Wunderkerze zu verbiegen, aber auf die Idee und die Abläufe, das muss jemand schon eingeübt haben und ein bisschen gelernt haben, so klingt das. Ja, also ich bin noch nicht auf den Gedanken gekommen, in meinem Fahrzeug eine Wunderkerze auf diese Art und Weise anzuzünden oder irgendwo hinzuhenden. Was bedeutete das für die Fahndung? Für die Fahndung war es jetzt nach wie vor für uns klar, wir müssen sehen, dass wir möglichst viele Kennzeichen notieren können, die an den neuralgischen Punkten vorbeikommen. Man muss auch dazu sagen oder in Erinnerung rufen, wir reden von einer Zeit von vor über 20 Jahren. Da waren natürlich die technischen Möglichkeiten, die digitalen Möglichkeiten nicht so gegeben wie heute. Das ist richtig. Wir hatten keine Kameras, die da irgendwo in der Gegend rumschwirren und auch sonst nichts. Keine Drohnen. Ja, Drohnen wären noch eine Möglichkeit gewesen damals, aber das gab es alles noch nicht. Aber auch wir sind dann auf die Idee gekommen, vielleicht kann uns die Technik hier ja auch helfen. Denn ich kann nicht ständig über einen Zeitraum von vier Wochen, 50 Leute, da sich in die Pläne vergreifen lassen. Und so lange Trockenperioden hatten wir dann. Und wir reden von Jahren, in denen es immer wiederkehrt. Es wurde ja dann irgendwann auch bekannt, die Polizei jagt einen Brandstifter.

Und findet ihn seit Jahren nicht? Wie war die Stimmung in der Bevölkerung und die Berichterstattung danach? Es wurde darüber berichtet, dadurch war die Beunruhigung in der Bevölkerung natürlich auch vorhanden. Wir sind 2002 in die Offensive gegangen und haben auch eine etwas größere Pressekonferenz abgehalten, haben das Vorgehen des Brandstifters dabei geschildert, allerdings ohne die Wunderkerzen zu erwähnen. Warum nicht? Im Gegenteil, das wollten wir ganz bewusst geheim halten. Wir wollten, dass er auf diese Art und Weise weitermacht und dass wir vor allen Dingen, wenn wir ihn dann irgendwann kriegen könnten, auch Beweismittel hätten, dass wir Wunderkerzen bei ihm fanden beziehungsweise auch Spuren von Wunderkerzen bei ihm fanden. Ich werde das nachher noch ein bisschen... Gezündelt hätte er sowieso weiter, aber dann vielleicht mit etwas, was weniger auffällig ist. Das war Ihr Gedanke, wenn ich das richtig verstehe. Genau, das war die Überlegung. Wir haben parallel beispielsweise verdeckt, auch bei Verkaufsstellen.

Wo eben Wunderkerzen verkauft werden, Ermittlungen angestellt. Ob jemand auffällig viele gekauft hat, ob da irgendjemand aufgefallen ist. Auch diese Dinge sind natürlich parallel gelaufen. Genauso wie, auch das muss man sehen, parallel natürlich auch an den Kontrollstellen ab und an mal Doppel- und Dreifachpreffer waren. Dass da Leute, die sind natürlich auch überprüft worden, die sind alibimäßig mit den Bränden überprüft worden. Da haben sich schon auch mal Verdachtsmomente ergeben. Also da ist eine ganze Menge passiert, aber wir haben insbesondere die Wunderkerzen absolut geheim gehalten. Das haben wir selbst in unseren Polizeikreisen weitestgehend geheim gehalten, damit das ja nicht an die Öffentlichkeit gerät. Und Doppelt- und Dreifachtreffer heißt es? Jemand war bei zwei, drei Bränden genau da in der Kontrolle. Das war bei mehreren Personen der Fall, aber das hatte dann auch in aller Regel eine natürliche Erklärung, weil die Leute wohnten dort in dem Bereich, hatten ihre Arbeitsstellen dort, hatten dort vielleicht auch Felder, zu denen sie gefahren sind beispielsweise. Das Vorgehen ist ja irre. Ich meine, Brandstiftung generell ist klar, man kann es aus ökonomischen Gründen machen, weil man die Versicherung betrügen will oder einem Feind irgendwie schaden will.

Aber das, was er da macht, einfach ein Feld anzünden und der fährt ja anscheinend vorbei, der bleibt ja nicht da stehen und hat dann irgendwie diesen Lustgewinn, von dem man ja häufiger hört bei sogenannten Feuerteufeln, sondern er zündet einfach nur Wiesen an, eine nach der anderen über Jahre hinweg. Hatten Sie eine Vorstellung, was das für eine Person sein könnte, was so einen Menschen antreibt? Diese Vorstellung hat sich mit den Jahren eigentlich erst entwickelt. Anfangs sind wir natürlich auch eher davon ausgegangen, dass man mit einer gewissen Pyramanie zu tun hatte, dass der tatsächlich irgendwo seine Macht über Polizei, über Feuerwehr ausspielen wollte, dass er vielleicht auch eine sexuelle Befriedigung findet. Aber wie Sie eben schon gesagt haben, dann hätte er die Brände beobachten müssen. Dann hätten wir ihn in der Nähe der Brände schon mal irgendwo vorher feststellen müssen. Das war nicht der Fall.

Rache spielt eine Rolle bei vielen Brandstiftern, dass sie sich rächen wollen für irgendeine Ungerechtigkeit, für ein mögliches Fehlverhalten. Was vor allen Dingen eine Überlegung war, war beispielsweise, will er sich in irgendeiner Form an Feuerwehr vor allen Dingen oder auch Polizei rächen? Ist er vielleicht bei der Feuerwehr mal nicht angenommen worden, weil er da hat gehandelt und wollte jetzt, euch werde ich es zeigen. Jetzt kommt mal hinterher. Jetzt kommt mal ständig was zu tun und seht mal, und ihr kriegt mich nicht. Oder hat er mit der Polizei irgendwelchen Ärger gehabt, dass er mit der Polizei quasi Katz und Maus spielen wollte? Das waren schon so Überlegungen, die wir hatten, wo ein mögliches Motiv liegen könnte. Hat er seine Vorgehensweise irgendwie geändert, seine Ziele geändert? In Bezug auf die Brandlegung an Böschen und Wäldern, nein. Es ging in den nächsten Jahren weiter. Aber es rückte ein Fall mit in unsere Ermittlungen. Und zwar ging es dabei um einen Carportbrand. Carport, unmittelbar in einem Wohnhaus, war in Flammen aufgegangen. Und der Eigentümer des Gebäudes schilderte uns einen möglichen Tatverdacht. Er hatte nämlich kurz zuvor einen Arbeitnehmer entlassen und war auch in Streit mit diesem Arbeitnehmer geraten.

Er hat uns natürlich auch die Personalien genannt und beim Abgleich dieser Personalie mit den Listen unserer Kontrollstellen haben wir festgestellt, dass dieser Mann auch schon mal im Zusammenhang mit einem Brand an einer Kontrollstelle kontrolliert worden war. Somit hatten wir im Hinterkopf, Menschenskinders könnte der vielleicht nicht nur den Carport brennen, sondern eventuell auch ... Unsere Brände gelegt haben. Allerdings konnten wir ihm den Carportbrand auch nicht nachweisen. Er hat ihn auch bestritten. Er ist natürlich angesprochen worden, er ist überprüft worden. Er ist damit auch im weitesten Sinne überprüft worden im Hinblick auf die Serienbrandstiftung. Aber er selbst hat sämtliche Aussagen dazu auch verweigert und wir haben ihn nicht in die Nähe weiterer Brandstellen bringen können. Wir hatten ihn damit zwar im Hinterkopf, aber wir konnten ihm nichts nachweisen zu diesem Zeitpunkt. Und die Brandstiftungen gingen weiter und weiter?

2003, 2004, 2005 gab es weiter in jedem Jahr zwischen 30 bis 50 Brandstiftungen. Wir hatten mal eine Spitze, da gab es an einem Tag 15 solcher Brandlegungen an einem Nachmittag innerhalb eines Zeitraumes von anderthalb Stunden. Also die Beunruhigung in der Bevölkerung wurde immer größer. Der Druck auf uns als Polizei wurde auch immer größer, sodass wir uns was anderes einfallen lassen mussten. Was haben Sie sich einfallen lassen? Ja, wir haben dann auf Technik zurückgegriffen. Wir haben sogenannte Kennzeichen-Lesegeräte eingesetzt. Wir haben verdeckt an den Straßen im Tatortgebiet diese Lesegeräte einbauen lassen. Das heißt, vorbeifahrende Fahrzeuge wurden nicht in Gänze dabei festgehalten, sondern lediglich die Kennzeichen wurden automatisiert, abgelesen und gespeichert, sodass wir im Nachhinein dann, wenn es zu Bränden gekommen war, den entsprechenden Zeitraum herausfiltern konnten und feststellen konnten, wer hat bestimmte Stellen durchfahren zu dem kritischen Zeitpunkt.

Diese Geräte gab es bei der Polizei nicht. Wir mussten sie uns leihen. Das war auch nicht billig. Deshalb haben wir da auch nicht unbeschränkt viele von zur Verfügung gehabt. Sondern es waren insgesamt zwei, die wir dann an wirklich neuralgischen Punkten aufgestellt haben und über einen längeren Zeitraum auch laufen lassen, um wirklich eine Menge an Datenmaterial zur Verfügung zu haben, um daraus vielleicht Rückschlüsse ziehen zu können. Und konnten Sie das? Haben wir es raus dabei? Ja, wir haben tatsächlich einige Fahrzeuge gehabt, die doppelt aufgefallen sind, dreifach aufgefallen sind im Zusammenhang mit bestimmten Brandstellen. Aber es gab insbesondere ein Fahrzeug, was mehrfach aufgefallen war und dieses Fahrzeug war zugelassen auf jemanden, den wir als Polizei schon mal im Blick hatten. Tatsächlich war das derjenige, der auch in Verbindung mit dem Carportband gebracht wurde. Und er war einigen unserer Kollegen aus einer früheren Ermittlung wegen Mordes bekannt. Wegen einer Mordermittlung, also das ist gegen ihn ermittelt worden. Genau, gegen den war Ende der 80er in einem Mordfall ermittelt worden. Eine Frau war in ihrem Wohnhaus mit mehreren Messerstichen getötet worden.

Der Täter hat anschließend versucht, einen Brand zu legen. Der Brand ist aber von selbst erloschen, aber es war alles verrußt zumindest, war eine Brandlegung erkennbar. Als Tatverdächtiger ist ein Mann aus der Nachbarschaft ermittelt worden, der auch letztlich angeklagt wurde. Er wurde in dem Verfahren allerdings wegen Mangels an Beweisen freigesprochen. Und dieser Mann war derjenige, der wiederum im Zusammenhang mit dem Carboard brandgebracht wurde, der aber auch jetzt bei uns mehrfach in der Überwachung, festgestellt worden war. Das heißt nicht, er war festgestellt worden, sondern das auf ihn zugelassene Fahrzeug war festgestellt worden. Und einmal war er auch selbst in eine Kontrollstelle geraten, sodass sich daraus aus der Gesamtschau der Dinge für uns der Verdacht ergab, dass es sich bei ihm und dem Serienbrand steigern könnte. Er rückt ganz nach oben in der Rangliste nun. Was hat ihn damals wegen des Mordes verdächtig gemacht? Da waren mehrere Gründe. Es gab eine Nähe von ihm zu dem Opfer und es gab vor allen Dingen damals falsche Angaben anfangs zu seinem Alibi.

Vor Gericht ist das wieder im Zusammenhang mit einem Todeszeitpunktgutachten etwas ins Wanken geraten, sodass das Gericht letztlich zur Überzeugung gelangte, dass die vorgelegten Beweismittel nicht ausreichten, um ihn zu verurteilen und er freigesprochen wurde. Für einen Freispruch aus Mangel an Beweisen. Also man muss natürlich sagen, freigesprochen ist freigesprochen, er gilt als unschuldig, aber in dem, was Sie schildern, ist natürlich jetzt in der Gemengelage mit dem Carport, mit den Auffälligkeiten bei den Bränden, ist er natürlich ein sehr dringender Verdächtiger, das kann ich schon nachvollziehen. Ja, für uns war er in diesem Moment jetzt dringend tatverdächtig, weil wir ihn auch über die technischen Aufzeichnungen nicht nur in die Nähe eines Brandortes brachten.

Sondern er ist bei zwei, drei Bränden jeweils vorher auch in engem zeitlichen Zusammenhang aufgefallen und ist durch diese Kontrollstellen gefahren. Also von daher, das traf auch niemanden anderen zu, sodass dieser Tatverdacht sich auch daraus eindeutig herleiten ließ. Und da ist uns auch die Staatsanwaltschaft gefolgt, weil wir dann in der Folge uns natürlich auch klar waren, wir müssen hier eindeutige Beweise vorlegen und können nicht darauf hoffen, dass dieser Mensch ein Geständnis ablegt und wir auf diese Art und Weise Beweise haben. Also Sie haben ihn nicht gleich konfrontiert? Nein, wir haben ihn jetzt ganz bewusst nicht sofort mit unserem Verdacht konfrontiert. Er war ja schon mal angesprochen worden im Zusammenhang mit dem Carportbrand, auch da hatte er alles bestritten. Und uns war auch aus der Erkenntnis seiner Persönlichkeit und insbesondere auch aus dem Mordverfahren heraus völlig klar, wir konnten hier nicht darauf hoffen, ein Geständnis von ihm zu bekommen, sondern wir mussten eindeutige Beweise vorlegen. Weil es war klar, der mauert. Der würde auf keinen Fall irgendetwas zugeben. Wahrscheinlich, das war uns auch klar, der wird mit uns gar nicht sprechen, sondern der wird von Anfang an jegliche Aussagen zur Sache verweigern.

Sodass wir, was ja auch in Ordnung ist, ihm eben jede einzelne Tat haarklein beweisen müssten. Und ihn in Flagranti zu erwischen dann. Das Ziel war tatsächlich, ihn möglichst auf frischer Tat festzunehmen. Wie lief das? Sie haben ja schon gesagt... Wir sind in der schönen Heide-Region, weitläufige Prärie. Ja, das ist ein Problem.

Observationen sieht im Krimi immer so einfach aus, einfach hinterherfahren oder sowas. Das konnte man in diesem Bereich überhaupt nicht machen. Zudem konnten wir davon ausgehen, wenn der Täter aus dem Fahrzeug irgendwelche Wunderkerzen rausschmeißt, hat er sich mit Sicherheit vergewissert, dass niemand hinter ihm ist und eben sieht, dass er da irgendetwas Brennendes aus dem Fahrzeug wirft. Also war es nicht so einfach, ihn einfach durch Hinterherfahren zu observieren, sondern wir mussten technische Mittel einsetzen, um eben festzustellen, wo befindet er sich und ihn quasi so an der langen Leine laufen lassen. Wir haben für derartige polizeiliche Aufgaben auch Spezialkräfte. In Niedersachsen sind das die mobilen Einsatzkommandos, die solche Observationen fahren und sich dabei natürlich auch bestimmter Hilfsmittel, ich sage nur mal Peilsender, das weiß heute jeder, dass über GPS vieles möglich ist, bedienen und insofern auch beobachten können, wo sich jemand auffällt, dann aber auch relativ dicht dranbleiben, um im Fälle, dass es eben brennt, auch sofort die nötigen Schritte einleiten zu können, damit sich diese Brände nicht ausdehnen. Auf der anderen Seite aber auch die nötigen Schritte einleiten können, um den Täter festzunehmen. Was brachte die Observation bei Ihnen?

Wir haben ihn über mehrere Tage observieren lassen. Vor allen Dingen haben wir dann natürlich wieder geguckt, wo haben wir solche Trockenphasen, wo könnte es zu möglichen Taten kommen und haben ihn an diesen Tagen observieren lassen. Wir haben zunächst ihn zweimal bei dieser Observation dicht an Brandstellen gehabt, allerdings nicht so, dass es für eine Zugriffsmaßnahme reicht. Aber es passierte dann im Juni 2006, dass es wiederum an einem Nachmittag zu drei Brandlegungen kam. Und er war jedes Mal entgegen, Unter Dampf, wie wir das so sagen. Was heißt unter Dampf? Unter Dampf von den Observationskräften. Das heißt, sie waren relativ dicht an ihm dran, ohne dass er sie sehen konnte. Aber er war jeweils kurz bevor die Brände dann bemerkt wurden, tatsächlich auch an den Brandstellen vorbeigefahren. Und auf dem Weg dann zu seiner Wohnung, nachdem es zu drei solcher Brände gekommen waren, haben wir ihn dann unmittelbar vor seiner Wohnung festnehmen lassen. Also es brennt an A, dann brennt es bei B, dann brennt es bei C und jedes Mal fährt dieser Mann genau mit seinem Wagen dort vorbei.

Und wie hat er reagiert auf diese Festnahme? Was hat er gesagt? Er ist sofort, natürlich muss aufgeklärt werden, warum er festgenommen ist. Er hat gesagt, er hat mit dem Brennen nichts zu tun und hat Kollegen auch sofort beschimpft. Beschimpft jetzt nicht gerade, dass er sie verbal beleidigt hat, aber hat sofort von sich gegeben, dass er das ja alles schon mal mitgemacht hat und dass er wieder zu Unrecht beschuldigt wurde, irgendwas gemacht zu werden wie damals in dem Mordfall. Und hat ansonsten aber auch im späteren Verlauf dann jegliche Aussage zur Sache verweigert. Welchen Eindruck hatten Sie von diesem Mordfall damals, als Sie sich jetzt da nochmal mit denen auseinandergesetzt haben? Das war ja nicht Ihre Ermittlung gewesen, wenn ich das richtig verstanden habe, dieser Mordvorwurf. Richtig, ich war zu dem Zeitpunkt noch nicht in Giffenhorn. Ich habe allerdings die Akte schon zu diesem Zeitpunkt auch mal gelesen gehabt und.

Für mich waren starke Verdachtsgründe da, dass eher der Täter auch zu dem Mordverfahren sein konnte. Allerdings waren die Beweismittel tatsächlich auch aus meiner Sicht etwas dünner zum damaligen Zeitpunkt. Und ich konnte den Freispruch durchaus nachvollziehen, wenngleich für mich aber nach wie vor auch ein dringender Tatverdacht gegeben war. Also von daher war das auch so ein Punkt, um im Zusammenhang eben mit diesen Brandstiftungen auch das Mordverfahren nochmal wieder aufzunehmen und auch dort nochmal in die Ermittlungen einzusteigen. Welchen Eindruck hatten Sie von der Person? Sie haben es vorhin schon mal kurz angerissen, dass man sich dadurch schon ein bisschen Bild machen konnte aufgrund dieser dann ja viel aufwendigeren Ermittlungen in Bezug auf seine Person zu dem Mordfall. Naja, ich hatte schon den Eindruck, er war so ein querulanten Typ insgesamt in seiner Art. Das ging auch aus anderen Dingen hervor, die in dem Mordverfahren schon durch Vernehmung von Bekannten, von Nachbarn und sonst was damals waren, dass er häufig mit Leuten in Streit geriet.

Dass er aber eigentlich, war er nicht wegen irgendwelcher Gewalttaten bekannt bis zu diesem Zeitpunkt, aber schon so eine Persönlichkeit, der sich ständig von irgendjemandem zu Unrecht behandelt, zu Unrecht beschuldigt führte. Das war übrigens auch im Zusammenhang mit der Entlassung bei seinem Arbeitgeber, wo dann der K-Bord brannte. Auch da fühlte er sich völlig unschuldig und völlig zu Unrecht entlassen, obwohl uns der damalige Geschädigte schon versichert hat, dass es alles seine Berechtigung hatte. Und was er schilderte, schien auch plausibel zu sein. Also das war schon so eine, er gab immer allen anderen die Schuld. Aber auch ein Mensch, der zornig sein kann auf die Welt. Aber er spricht nicht mit Ihnen. Wie konnten Sie ihm dann die Taten nachweisen? Ja, jetzt ging nochmal unsere kriminalistische Arbeit los. Das heißt, wir hatten ja auf der einen Seite zunächst mal ihn und haben Spuren an seinem Körper, an seiner Bekleidung gesucht. Wenn ich in einem Fahrzeug eine Wunderkerze entzünde, dann sprüht das durch die Gegend das Weißene. Es gibt sogenannte Anschmelzspuren, sowohl an der Bekleidung als auch an den Händen. Und tatsächlich haben wir also zunächst mal ihn uns genauer angeguckt und in der Oberbekleidung gab es solche Anschmelzspuren, die daraufhin deuteten. Haben Sie auch noch eine große Box Wunderkerzen bei Ihnen gefunden? Ja, im Fahrzeug gab es auch Wunderkerzen. Nicht gerade eine große Box, aber es waren einige Wunderkerzen vorhanden. Waren die schon geknickt?

Die waren auch geknickt. Da waren auch solche entsprechenden Ösen quasi dran zum Anhängen. Das war auf jeden Fall auch da. Aber auch das ist ihm sofort vorgehalten worden. Das hat aber nicht dazu geführt, dass er irgendetwas dazu gesagt hat. Auch als wir ihm gesagt haben, wir wissen aber, dass die Bränden mit eben solchen Wunderkerzen verursacht worden sind und dass wir auch viele gefunden haben, die genau auf diese Art und Weise gebogen sind. Was fanden Sie sonst noch an ihm oder dem Auto? Das Auto ist dann natürlich ganz akribisch nach weiteren Spuren untersucht worden. Wir sind davon ausgegangen, wenn jemand im Fahrzeug eine Wunderkerze entzündet, dann sprüht dieses Feuer ja diese Hitze durch die Gegend. Und es gibt sogenannte Einschmelzspuren und auch Einsprenglungen an dem Bereich, wo die Wunderkerze sich befindet. Wir haben sowohl am Armaturenbrett, an den Sitzen, selbst in den Fußmatten solche kleinen Einsprenglungen und Verbrennungen gefunden. Und haben die auch herausgeschnitten, um sich chemisch analysieren zu lassen.

Das war in dem Fahrzeug, in dem er festgenommen wurde, der Fall. Es gab in der Familie ein zweites Fahrzeug, das wir genau auf die gleiche Art und Weise auch spurentechnisch untersucht haben. Auch hier gab es sowohl am Armaturenbrett, am Sitz und auch an den Fußmatten solche Anschmelzspuren, wie wir sie nennen. Und es gab ein drittes Fahrzeug, was mittlerweile bereits verkauft worden war, das aber vorher auch mehrere Jahre in der Familie war. Auch in diesem Fahrzeug haben wir genau solche Spuren überall gefunden. Wir haben es dann beim Landeskriminalamt chemisch untersuchen lassen. Und tatsächlich ist in den Gutachten festgestellt worden, dass überall dort Einsprenglungen vorhanden waren. Die sich chemisch genauso zusammensetzten wie eben diese Wunderkerzen, die wir auch bei ihm gefunden haben. Jetzt haben Sie also Ihren Mann. Sind Sie zumindest überzeugt davon? Wie ging es dann weiter vor Gericht? Hat das Gericht Ihnen gefolgt? Wir waren überzeugt davon, dass wir ihn hatten. Und vor Gericht haben wir dann eine große Überraschung.

Nämlich? Oder sagen Sie mal zuerst, bevor wir zu der Überraschung kommen, wie viele Taten wurden ihm dann vorgeworfen? Weil es hat ja die ganze Zeit gebrannt und man muss ja dann ihm doch, glaube ich, jeden einzelnen Brand danachweisen, dass es seiner war. Ja, das ist richtig. Aus prozessökonomischen Gründen, wie es dann immer so schön heißt, werden dann nicht. Wir hatten insgesamt so um die 300, 350 solcher Brandlegungen bis zu diesem Zeitpunkt. Es sind nicht alle Taten angeklagt worden. Ich kann die genauen Zahlen heute gar nicht mehr sagen. Ich weiß es jetzt gar nicht genau. Es sind so um die 120 Taten angeklagt worden, wo es eine bestimmte Nähe von ihm zu den Tatorten auch gab. Wahrscheinlich auch die gefundenen Wunderkerzen. Die Wunderkerzen, die sind fast alle angeklagt worden. Die genaue Anzahl, wie gesagt, ich weiß es heute nicht mehr genau, wie viele es waren, aber es waren so um die 100, die damals angeklagt wurden. Und dann kam es zu der großen Überraschung. Er hat vor Gericht ein umfassendes Geständnis abgeleuchtet. Er hat alle ihm mit der Anklage vorgeworfenen Taten zugegeben und dadurch den Prozess ganz erheblich abgekürzt. Wie kam es dazu? Also nach dem, was wir wissen, hat seine Anwältin ihm nahegelegt, ein Geständnis abzulegen, weil die Beweissituation einfach so war, dass er aus dieser Geschichte nicht herauskam und er so auf diese Art und Weise seine Situation nur verbessern konnte. Und was gab er als Motiv an dafür? Für diese Tat, die ja wirklich so.

Sinnlos erscheint. Er hat ja eben, wie Sie sagten, er steht nicht daneben und genießt irgendwie was Perverses, aber irgendwie noch so, nachvollziehbar ist, dass es ein Bedürfnis befriedigt, wenn er da steht und sich das anschaut, das Spektakel, sondern er zündet einfach, fährt weiter. Er hat angegeben, er sei nach wie vor verärgert darüber, dass man ihm damals einen Mord anhängen wollte und er wollte sich an Polizei sei insbesondere an Polizei rächen und wollte immer wieder darstellen, ich kann mit euch so ungefähr machen, was ich will. Ich bin das damals nicht gewesen und ihr kriegt mich diesmal auch nicht. Also er hat immer wieder gesagt, es sei aus Verärgerung gewesen, dass er damals zu Unrecht angeklagt wurde. Er wollte sich rächen, wie Sie vorhin schon angedeutet haben. Ja, so deutlich hat er es nie gesagt. Aber das ist schon aus seinen Äußerungen deutlich geworden, dass er es eben getan hat, weil er nach wie vor sich zu Unrechte behandelt fühlte im Zusammenhang mit dem Mordverfahren. Und wie urteilt er das Gericht? Das Gericht hat ihn zu einer fünfjährigen Freiheitsstrafe verurteilt, eben wegen vorsätzlicher Brandstiftung. Hat er irgendwas dazu gesagt, dass er die Feuer genossen hat, dass er da Freude daran hatte?

Ich war bei dem Gerichtsverfahren selbst nicht dabei, kenne also seine Aussage im Detail nicht. Ich weiß allerdings, dass er abgestritten hat, dass er irgendwo aus pyromanischen Gründen gehandelt hat, also dass er Freude daran gehabt hätte und, und, und. Also das hat er bestritten. Ob ich ihm das glauben soll, das lasse ich mal dahingestellt. Wir haben hier natürlich auch einen Fall, wo dieser Mann mit einem Mord in Verbindung gebracht wurde. Und wir müssen es nochmal betonen, er ist freigesprochen, das heißt, er ist nicht schuldig vor Gericht befunden worden.

Ist in diesem Fall dann nochmal weiter ermittelt worden? Hat man da nochmal nachgeschaut? Der Mordfall als solcher ist natürlich wie fast alle Cold-Case-Fälle auch nochmal wieder aufgegriffen worden. Es sind die Spuren von damals, wie gesagt, wir sprechen hier von Ende der 80er, im Jahr 2005, 2006 auch nochmal wieder untersucht worden, insbesondere mit Blick auf DNA-Spuren. Und es hat Spuren gegeben, die nach wie vor den damals Verdächtigen und unseren Brandstifter auch in einen ganz engen Zusammenhang mit diesem Mordfall bringen. Es gibt kein eindeutiges DNA-Profil, was ihn als Täter überführt hätte, aber es gibt DNA-Spuren. Man muss da unterscheiden, es gibt Mischspuren, die eben nicht so hundertprozentig sind. Und es gibt sogenannte Spuren, die aus der väterlichen Linie oder die aus der mütterlichen Linie kommen, die nicht die gleiche Beweiskraft haben wie ein vollständiges DNA-Profil. Aber hier gibt es sehr wohl am Tatort Spuren, die auch auf unseren damals Verdächtigen und mittlerweile verurteilten Brandstoff dahindeuten. Was man nochmal sagen muss, was ihn vielleicht verdächtiger macht, aber nicht beweist, dass er jetzt ein Mörder ist. Da gibt es noch ein weiteres Problem. Der Beweis, dass er der Mörder ist, würde ja erst durch ein Gerichtsurteil feststehen.

Die Wiederaufnahme bei einem erfolgten Freispruch ist nur im Fall möglich, wenn der Täter wieder ein Geständnis ablegt oder damals falsche Gutachten zu einem solchen Urteil geführt hätten. Das ist nicht der Fall, deshalb gibt es auch kein Wiederaufnahmeverfahren, deshalb gibt es auch kein offizielles Ermittlungsverfahren gegen den damals Freigesprochenen. Also von daher ist das eine rechtlich sehr schwierige Situation und Grauzone. Er ist nach wie vor freigesprochen vom Mordvorwurf und er ist auch nicht neuer Beschuldigter des Mordes. Es gibt ja auch gute Gründe, warum Gerichte sagen, wer einmal freigesprochen ist. Den muss die Polizei in Ruhe lassen, weil wenn man ihn über Jahre immer wieder gegen jemanden ermittelt, dann ist die Ermittlung halt auch eine Strafe. Das ist, glaube ich, die Argumentation dahinter. Das ist meines Erachtens auch völlig in Ordnung.

Ich denke, wir haben die Gewaltenteilung und es ist okay, dass auch polizeiliche Arbeit insofern von der Justiz wieder überprüft wird. Und wenn die Beweise nicht ausreichen, dann reichen sie eben nicht aus. Und ständig dann wieder vielleicht jetzt auch aus polizeilicher Sicht nachzukarten, jetzt habe ich hier noch was und habe ich da noch was und habe ich da noch was, halte ich unter rechtsstaatlichen Gründen auch nicht für richtig. Und das müsste aber wiederum das Gericht beurteilen, ob das eindeutig ist. Wir sprechen hier über einen Brandstifter, wir können nicht sagen, dass wir über einen Mörder sprechen und auch über keinen Verurteilten. Nein, keinesfalls. Wir können hier verurteilter Brandstifter, keine Frage. Und ich sage auch, damaliges Mordverfahren, die Beweislage war dünner, er ist freigesprochen worden und er gilt nach wie vor für diesen Fall als unschuldig. Herr Schmidt, ganz herzlichen Dank, dass Sie sich die Zeit genommen haben und uns über diese außergewöhnliche kriminalistische Ermittlung erzählt haben. Vielen Dank. Gerne.