Volker Eckert konnte nur durch Zufall gefasst werden. Er ist ein Serienmörder. Und getötet hat er nur aus einem Grund. Weil er Haare liebte. Ich bin Bernd Volland und das ist Spurensuche. Der Podcast von Stern Crime. Herzlich willkommen zur ersten Folge des neuen Formats unseres Podcasts von Sterncrime von Spurensuche. Wir haben unser Konzept bei Spurensuche ein wenig überarbeitet. In Zukunft werde ich hier nicht mehr mit Ermittlern reden, sondern mit den Autorinnen und Autoren von Sterncrime. Sie werden mir ihre stärksten Geschichten mitbringen und das heißt Fälle, wegen derer sie selbst manchmal nachts wachgelegen sind, aber aus denen man auch immer etwas lernen kann. Zum Start geht es um einen Fall, der zwar sehr abgründig ist, aber zugleich im wahrsten Sinne des Wortes lehrreich. Er wird sogar in der psychiatrischen Fachliteratur behandelt. Es geht um einen der schlimmsten Sehermörder Deutschlands. Der Mann heißt Volker Eckert. Er hat mindestens sechs Frauen bzw. Mädchen umgebracht. Und was ihn so interessant gemacht hat, gerade auch für Psychiater, ist das Motiv seiner Taten. Und jetzt begrüße ich meinen ersten Gast, der diese Geschichte gemeinsam mit unserem Kollegen Johannes Röhrig für Sterncrime recherchiert und aufgeschrieben hat. Der Gast ist Dominik Stavski, vielen bestimmt bekannt auch als der Host des Podcasts Frauke Liebs. Hallo Dominik. Hi Bernd. Dominik, ich freue mich sehr, dass du da bist. Du hast uns auch intensiv unterstützt bei der Entwicklung dieses neuen Formats. Und ich freue mich auch darüber, dass du über einen Fall sprichst, von dem ich weiß, dass du eigentlich am Anfang so ein bisschen mit dir gehadert hast und dich gefragt hast, ob du dazu überhaupt recherchieren möchtest. Was hat dich da zögern lassen? Ja, die Brutalität des ganzen Falls. Wir als Crime Reporterinnen oder Reporter, klar, ist man immer Brutalität ausgesetzt, aber dieser Fall, über den wir heute sprechen. Der ist schon besonders hart und besonders brutal und abgründig. Und das war ein Fall, den ich mir nicht selber gesucht habe. Da kam ein Kollege auf mich zu und sagte, es gibt ja diesen Fall und wir haben da womöglich einen Zugang zu besonderen Informationen und Akten. Und dann habe ich da drauf geschaut und mein erster Impuls war eben zu sagen, nee, ich weiß gar nicht, was wir da erzählen sollen, außer dass er wahnsinnig brutal ist, wahnsinnig abgründig ist. Was haben wir denn davon? Also ich schrecke immer zurück, wenn man Fälle nur berichtet, weil sie eben nur brutal sind. Aber es gab dann doch Gründe, dass man sich diesen Fall doch vornehmen könnte. Und was waren die Gründe? Was hat dich dazu bewogen? Dass man anhand dieses Falls doch eine Menge lernen kann über Kriminalität. Wir haben ja mit verschiedensten Taten zu tun. Es gibt ja Taten, die eher so gelagert sind, dass jemand an Geld will. Der begeht einen Raub und weil er weiß, dass er vielleicht gefasst wird, tötet er jemanden. Da ist die Motivlage relativ klar. Das ist schnell zu verstehen. Das ist grausam. Und dann gibt es Fälle, und die sind dann viel, viel rätselhafter, bei denen jemand eine Tat begeht Und, Aus ganz, sag ich mal, tief in ihm liegenden Gründen. Und das ist für Menschen, die nicht so ticken, ganz schwer zu verstehen. Warum ist denn das passiert? Was hat ihnen angetrieben, diese Tat zu begehen? Und der Fall heute ist eine gute Gelegenheit, diese Frage mal tiefer zu ergründen und etwas zu lernen über die Psyche von Gewalttätern. Und wer hat dir geholfen, ihn zu verstehen? Du hast es ja dir nicht ganz alleine erarbeiten müssen. Natürlich nicht. Ich bin nur Journalist. Ich bin kein Psychiater, ich habe auch keine psychologische Ausbildung. Aber in diesem Fall war es so, dass der Täter... Nachdem man ihn gefasst hatte, begutachtet wurde von einem Psychiater. Und dieser Psychiater hat wirklich sehr systematisch, wie so ein Mediziner, Stück für Stück diesen Menschen untersucht und mit ihm auch seine Psyche untersucht. Das ist sehr detailliert abgelaufen. Und daraus kann ich heute sehr viel erzählen. Und davon können wir lernen. Was wir häufiger auch in Zukunft hier im Podcast machen werden, ist, dass die Leute nicht nur ihre Geschichten mitbringen, sondern auch teilweise Materialien mitbringen. Also auch Aufnahmen. Und du, Dominik, hast uns eine Aufnahme mitgebracht deines Gesprächs mit eben diesem Psychiater Norbert Nedopiel. Und wir spielen mal zum Eingang eine Passage aus diesem Gespräch ein, die deutet schon an, wie sich aus diesem Fall Volker Eckert generell viel über einen bestimmten Typus von Sexualstraftätern lernen ließ. Es ist sehr viel klarer geworden, wie sich die deviante Sexualität entwickelt. Da ist aus einem Fetischismus über nachvollziehbare Stufen ein sadistisches Skript entstanden und dieses sadistische Skript ist zunehmend ausgeweitet worden. Wenn man dieses Schema oder diese Entwicklung auf andere dann ganz abstrakt überträgt, dann kann man feststellen, ja, es beginnt häufig mit Dingen, die eigentlich harmlos erscheinen und die dann sich zunehmend gravierender entpuppen. Ja, das ist interessant, wie Nedopil hier im Grunde mal diesen ganzen Fall zusammenfasst, nämlich direkt darauf eingeht, dass sich hier ein Mensch immer weiter gesteigert hat im Laufe seines Lebens. Und ich will das jetzt auch mal deutlich sagen, ja, es ist ein sehr lehrreicher Fall, aber wir kommen nicht drum rum, jetzt auch an manchen Stellen doch explizit darüber zu sprechen, was Volker Eckert getan hat. Und das mag für den einen oder anderen, der hier zuhört, auch verstörend sein und deswegen will ich darauf hinweisen, genau, das ist mir wichtig. Und was wir vorab auch sagen müssen, wir werden in dieser Folge auch versuchen, uns in die Lage dieses Täters zu versetzen. Einfach um zu verstehen, was in seiner Psyche vorging. Denn darum ging es ja auch dem Psychiater. Ich sage das nur vorab, weil es vielleicht für manche irritierend klingen könnte, wenn wir versuchen zu verstehen, wie dieser Mensch dachte und fühlte. Genau. Und damit auch Nedopil diesen Mann verstehen konnte und diesen Volker Eckert begutachten und explorieren konnte, musste Eckert natürlich erstmal festgenommen werden. Dominik, erzähl uns mal, wie kam es dazu, dass er festgenommen wurde? Reiner Zufall. Es war im November 2006, da ist Folgendes passiert. Da ist eine Spaziergängerin in Nordspanien, in Katalonien, durch ein Gewerbegebiet gelaufen. Die hatte einen kleinen Hund dabei, dem sie Gassi ging und ist durch dieses Gewerbegebiet gelaufen. Eine sehr seelenlose Gegend, laut der Industriehallen. Hinter so einem Sandhaufen hat ihr Hund angeschlagen, hat was gefunden. Die Frau ist dorthin gerannt und was sie dann gesehen hat, war... Eine Frauenleiche. Eine junge Frau konnte man schnell erkennen. Was sie auch schnell erkennen konnte, war, dass die Frau Würgemahle hatte am Hals und sie konnte erkennen, so Reste von abgeschnittenem Haar, die hingen so an der Schulter, glaube ich. Wie hingeworfen lag diese Tote dort? Ja, die Spaziererin hat gesagt, sie lag da wie Müll, als hätte jemand Müll auf den Boden geworfen. Naja, die Polizei kam und man hat dann recht schnell feststellen können, wer die junge Frau ist. Also sie war 20 Jahre alt, es war eine Prostituierte, die aus Bulgarien stammte, die man noch kurz zuvor in einem 70 Kilometer entlegenen Städtchen gesehen hatte. Und sie war Straßenprostituierte, also man kannte sie auch. Es gab andere Frauen, die sie kannten, die ebenfalls als Prostituierte arbeiteten und sie war da eben verschwunden. Also eine wahnsinnig gefährdete Gruppe auch. Na klar, also man muss leider natürlich sagen, dass immer wieder auch gerade Prostituierte ja Opfer von Gewaltverbrechen werden, weil die natürlich häufig sozial weniger, sag ich mal, eingebunden sind. Die haben nicht unbedingt immer ihre Familie um sich herum, die haben vielleicht auch selber keine Partner, keine Kinder. Gerade wenn das auch zugewanderte Frauen sind, dann sind die ja auch in Spanien gar nicht zu Hause. Und dann natürlich, ich meine alleine die Situation, die sich ergibt aus der Prostitution, nämlich dass man mit einem Mann im Grunde in einem Raum ist, alleine in einem Raum ist. Oder ein Auto steigt. Oder ein Auto steigt, ist natürlich schon mal die denkbar gefährlichste Situation, die man annehmen darf. Und dann gingen natürlich die Ermittlungen los. Das ist nicht einfach. Also gerade bei Prostituierten ist das nicht einfach. Man muss erst mal, wie gesagt, genau dieses soziale Umfeld erst mal ermitteln und das ist eben sehr, sehr löchrig oft. Und dann passierte aber ein riesiger Zufall. Verrückt, das so zu hören, aber es war so, dass an dem Tag, bevor die Spaziergängerin die junge Frau gefunden hatte, in diesem Gewerbegebiet ein Sicherheitsmann an so einer Halle mehr oder weniger eine Kamera angebracht hatte. Also eine neue Überwachungskamera. Der installierte die also und versuchte die zu testen. Also der wollte wirklich gucken, ob die auch gut zoomt, ob die gut scharf stellt. Und dafür zoomte er sozusagen irgendwie in der Ferne auf Dinge. Und er suchte etwas, auf das er scharf stellen konnte. Und was er fand, war ein LKW. Also als die Polizei davon hörte, dass es diese Aufnahmen gab, waren die natürlich sehr neugierig. Also schaute sich die Polizei diese Aufnahmen an und sie konnten dann am Anhänger des LKWs dann auch ein Firmenemblem sehen. Und das führte zu einer Spedition in Deutschland. Man wusste ja gar nicht, ob der LKW jetzt mit der Sache was zu tun hat, aber es war zumindest ein Ansatz da und dann ging das nach Deutschland und es dauerte dann ein paar Tage, aber zwei Wochen, ungefähr zwei Wochen, nachdem man die Frau gefunden hatte, war es so, dass Ermittler in Deutschland in der Nähe von Köln. Auf ein Gelände einer Waschanlage gingen und diesen LKW wiedergefunden haben. An diesem LKW trafen sie auf einen Mann mittleren Alters, Mitte, Ende 40. Da wussten sie auch schon, das ist der Fahrer, der zu der Zeit in Spanien auch mit diesem LKW unterwegs ist. Genau. Die wechseln die, glaube ich, gar nicht so, oder? Nee, die leben ja oft da drin. Also das ist für Leute, die wirklich so richtig Fernfahrer sind, ist das ja so ein bisschen der zweite Wohnsinn. Und in dem Fall war das auch so. Sie wussten, dass es ein Mann namens Volker Eckert ist. Sie wussten nicht so richtig, ob der jetzt irgendwie mit der Tat zu tun hat. Oder ob der vielleicht auch für sie erstmal nur ein Zeuge ist, ein wichtiger. Weil er nun mal vielleicht zu der Zeit eben da was beobachtet haben könnte. Also gingen sie auf ihn zu. Und es muss dann aber sehr, sehr schnell klar geworden sein, dass es doch genau der Mann ist, den sie suchen. Wie wurde das deutlich? Naja, weil dieser Volker Eckhant auf die Polizei sehr eindrucksvoll reagierte. Nämlich nicht mit irgendwie einer Gegenwehr. Oder das wäre auch interessant gewesen. Oder was wollen sie überhaupt von mir? Was wollen sie überhaupt oder irgendwie sich verschlossen hatte, sondern der sagte den Satz und den hatten die Beamten dann noch gut im Kopf. Ich bin froh, dass es endlich vorbei ist. Okay. Und das war natürlich schon mal ein ganz klarer Hinweis darauf, okay, vielleicht ist da noch viel, viel mehr passiert. War der dann geständig gleich? Der war sehr, sehr schnell geständig. Also es ist ja dann auch so, dann geht ja auch direkt die Spulensuche los. Also man hat dann ja auch den LKW vor der Nase, dann geht man in dieses Führerhaus. Und das Führerhaus, das hatte ich ja gerade schon erwähnt, ist eben wie so ein zweiter Wohnsitz. Eine kleine Wohnung ist ja auch gar nicht so ganz klein, da passt auch was rein. Und ja, und da fand man Dinge. Und die waren dann doch sehr besorgniserregend, sage ich mal. Also es waren zum Beispiel Dinge da, wie Haarbüschel in kleinen Tüten. Das, was man der jungen Frau in Spanien abgeschnitten hatte. Man fand einen Strick und man fand vor allem auch, und das war dann sehr, sehr eindeutig, Polaroid-Fotos, die Volker Eckert offenbar angefertigt hat. Und auf diesen Polaroid-Bildern waren offenbar getötete Frauen zu sehen. Manche von den Frauen hingen an einem Strick in diesem Führerhaus, auch das war schnell klar. Das heißt, die Polizei bekam sehr schnell den Eindruck, dass hier ein Mann vor ihnen ist, der womöglich nicht nur eine Frau getötet hat. Von Miglena, so hieß diese junge bulgarische Frau, Miglena R., von ihr fand man auch ein Foto. Und man fand sogar auch Kommentare von Volker Eckert auf diesen Bildern. Diese Polaroids haben ja dann immer diesen weißen Bereich und da hatte er teilweise mit Kuli noch was draufgeschrieben. Ich glaube, bei Miglena R. hatte er den Satz geschrieben, ich musste sie einfach würgen. Okay. Und was sie auch fanden, war eine Chronik, einen langen Text, den Volker Eckart selber formuliert hatte, wie so eine Art Tagebuch. In diesem Tagebuch, in dieser Chronik beschrieb Eckart seine Taten in absoluter abscheulichen Brutalität. Er ging tatsächlich teilweise darauf ein, also ja, wie er diese Frauen getötet hat, aber auch ging er darauf ein, wie der Todeskampf verlief und ähnliches. Also es war wirklich abscheulich. Man muss wohl sagen, das hat man nachher dann gelernt, dass das für ihn auch eine richtige Funktion hatte. Um es zugespitzt zu sagen, war das so etwas wie... Sein eigenes Pornoheft. Und jetzt spüren wir schon sehr, sehr schnell, mit wem wir es da zu tun haben. Also mit einem Menschen, der eben offenbar ganz, ganz anders tickt, als wir uns das eigentlich vorstellen können. Man muss sich auch den Moment vorstellen für die Polizisten, die da zu der Befragung reingehen und dann schauen sie da und das ist ja wirklich auf, ich meine, ist ja ein kleiner Raum, so eine LKW-Kabine, da ist dann, tauchst du einen wirklich in den Horror. Also er schwärmte auch von dieser Zitat geilen Macht über Leben und Tod. Also wirklich ein Abgrund. Wir reden hier nicht über Verdeckungstaten, wir reden hier nicht über jemanden, der irgendwie an Geld wollte, der in Eifersucht irgendwas begangen hat, sondern jemanden, der offenbar aus einem tiefen Trieb heraus Frauen umgebracht hat. Zu leugnen gab es natürlich eh nichts. Aber er hat dann auch sehr offen gesprochen, hast du gesagt. Ja, er hat gestanden. Er hat sehr, sehr schnell den Beamten erzählt, dass er sechs Morde begangen hat an fünf Prostituierten in Europa. Er war eben Fernfahrer. Er war immer so auf Auslandsfahrten unterwegs, also wirklich in ganz Europa unterwegs. Und noch einen weiteren Mord an einer sehr jungen Frau. Und dieser Mord lag sehr viele Jahre zurück. Wenn man dann rechnete, und das hat die Polizei getan, dann wurde ihnen klar, dass zu diesem allerersten Mord, von dem er sprach, da war er erst 14 Jahre alt. Mit 14? Mit 14. Und das Opfer war? War offenbar eine Mitschülerin von ihm. Mit 14 war er noch Schüler. Also dieser Opfer war auch 14 dann so. Ja, war eine Tat unter Jugendlichen, unter Kindern. Zu dem allerersten mord kommen wir dann noch aber erst mal wie wirkt er dir auf die beamten also ich meine das was man da hört ist wirklich absoluter horrorfilm was was du hier schilderst und und was dieser mann schildert aufgeschrieben getan hat fotografiert hat aber wie wirkte dieser mensch dann auf die auf die beamten Der wirkte total harmlos und eigentlich auch umgänglich im Sinne von, also der wusste sich auszudrücken. Irgendwann sagt einer der Ermittler später, das wäre sogar jemand gewesen, mit dem würde man eigentlich auch ein Bier trinken gehen. Also der muss auch so ganz freundlich gewesen sein. Der sah ganz hager aus, also eher klein und eher schmal. Ein total unauffälliger Mensch. Wie konnte er die Prostituierten überwältigen, wenn er so hager und schmächtig war? Er hatte da tatsächlich offenbar über die Zeit eine Masche entwickelt, eine Falle gestellt. Also er hat die angesprochen, ob sie bereit wären, mit ihm zu gehen gegen Geld. Und er hat dann immer noch eine Sache dazu gefragt, nämlich ob sie auch bereit wären, sich fesseln zu lassen. Das war wirklich eine abscheuliche Falle, die grausamer nicht sein konnte. Also perfider geht es nicht. Klingt so, als hätte er da so eine Routine fast. Absolut. Er wusste genau, wie er das machen muss. Also er sagte auch irgendwann mal, ich werde ja auch älter. Also der wusste, dass er auch körperlich im Grunde vielleicht irgendwann an seine Grenzen kommt, was irgendwie, also du musst ja die Frauen dann in deine Gewalt bekommen, in Anführungszeichen. Und da wusste er, dass er das im Zweifel nur unter so pragmatischen Gesichtspunkten hinkriegt. Und dieser pragmatische Gesichtspunkt war halt, ich gehe auf eine Prostituierte zu. Ich frage um ihre Dienste und ich biete ihr ein wenig extra Geld, damit sie sich fesseln lässt. Und das war dann die Falle. Und die hat immer funktioniert. Man darf ja nicht allen Männern, die Rostituierte ansprechen, jetzt alles mögliche unterstellen. Aber sich fesseln lassen ist offenbar das Gefährlichste, was man machen kann. Weil dann ist man halt wehrlos. Und ja, das hat er ausgenutzt. Ja, das ging mir auch so, als ich das las. Man kriegt so einen Eindruck, wie ausgeliefert. und wie, man muss in einer großen Notsituation sein, um das überhaupt, diese Gefahr auszusetzen, selbst wenn das in Anführungszeichen ungefährlich läuft bei einem normalen Freier. Und da bin ich auch ganz ehrlich, das ist das, was mich auch wirklich fertig gemacht hat. Also ich habe ja dann diese Fotos gesehen, das waren alles junge Frauen. Ich meine, ein Stück weit sind ja viele dieser jungen Frauen, die überhaupt, sich prostituieren, schon verzweifelt und gewissermaßen wehrlos und angewiesen auf irgendwie das Geld oder was auch immer, was sie da brauchen. Also das ist ja schon mal dann da. Und dann begeben die sich schon in so gefährliche Situationen rein und dann im Grunde im guten Glauben, dass das gut gehen kann. Und ich meine, die gehen da rein und denken, es läuft jetzt so und das ist schon schlimm genug wie immer und dann ist das ein Monster. Aber das bin ich gewohnt, lasse ich über mich ja gehen, aber dann... Und dann ist es ein Monster. Was in wenigen Sekunden, Minuten. Einfach komplett eine perverse Macht über mich nimmt. Und das ist schon, also das hat mich damals schon sehr belastet auch. Ich glaube, was man auch dazu sagen muss, ist wohl, dass Prostituierte ja nicht nur gefährdet sind, weil man sie leicht aufgreifen kann, sondern in manchen Fällen spielt es ja auch eine Rolle, dass die Öffentlichkeit und auch die Polizei sich nicht so wahnsinnig für diese Frauen interessiert. Ist das in diesem Fall auch so gewesen? Ja, also ich meine, es hat ja viele Jahre gedauert, bis man ihn da kriegen konnte. Das lag natürlich auch daran, dass es einfach vom Modus operandi auch schwierig war für die Ermittler. Aber ja, das waren alles, das waren junge Zuwandererinnen auch. Ob es da auch Menschen gab, die um die getrauert haben, ob es Angehörige gab, die sozusagen auch Druck auf Behörden ausgeübt haben, diesen Ermittlungen nachzugehen. Das ist doch da alles relativ fraglich. Also solche Umstände, dass die überhaupt so denkbar sind, das macht einen dann schon fertig. Es half ihm ja dann wahrscheinlich auch eben fünf Frauen zu töten. In welchem Zeitraum fanden diese fünf Morde statt, diese fünf Prostituiertenmorde? Die fanden zwischen 2001 und eben Ende 2006 statt, also innerhalb von fünf, sechs Jahren. Das ist natürlich auch echt ein kurzer Zeitraum für so viele Taten. Und man muss dazu sagen, und da kommen wir auch noch zu zu sprechen, es ist noch gar nicht so richtig klar, ob das wirklich alle Taten waren. Aber klar ist, wir reden von einem der schlimmsten Serientäter Europas. Dann lass uns mal zu dem Mann gehen, der dir ja auch sehr geholfen hat, das zu verstehen, zu Norbert Nedopiel. Klären wir einmal kurz, wieso kam dieser Volker Eckert dann zu Nedopiel? Das ist also ja sehr häufig der Fall. Die Polizei legt mit ihren Ermittlungen los. In diesem Fall muss man ja auch sagen, sehr schnell große Erfolge in den Ermittlungen, weil er eben geständig ist. Man weiß, also sehr schnell dem Mann wird man auch anklagen müssen. Und dann stellt sich oft die Frage, okay, erstens, ist der Mann eigentlich schuldfähig? Das ist eine Frage, die oft vor Gerichter eine Rolle spielt. Also, was wissen wir über seine Psyche? Wie war er gesteuert, während er diese Taten begangen? Also, war er komplett schuldfähig? War er vielleicht vermindert schuldfähig oder war er irgendwie so schuldunfähig, weil bei ihm irgendwie Dinge eine Rolle spielten, dass er im Grunde gar nicht Kontrolle hatte über sich selber? Also dass er nicht wissen konnte, das ist so die klassische Erklärung. Er konnte gar nicht wissen, dass das, was er tat, verboten war. Oder er konnte nicht an sich halten, er konnte nicht anders halten. Genau. Und die zweite Frage, die sich natürlich stellt, ist, was ist denn die Prognose für ihn? Ist das jemand, von dem wir ausgehen müssen, dass er immer wieder Taten dieser Art begeht? Oder hat er eine Chance, irgendwann vielleicht nach einem Urteil, nach einer Haft wieder in die Gesellschaft hineinzufinden? Und dafür gibt es Fachleute, nämlich Gerichtspsychiater, die werden dann beauftragt. Und einer der absolut renommiertesten Psychiater in Deutschland zu dieser Zeit war eben Norbert Nedopil, Professor an der Münchner Uni. Aber es ist trotzdem kein Fall wahrscheinlich, der für einen wie Nedopil Alltag ist. Es ist schon ein besonderer Fall für ihn gewesen. Ja, er hatte zwar schon viele Sadisten und auch Mörder vor sich sitzen, aber ihm auch Norbert Nedopil, der kriegt dann ja irgendwann einfach die Akten zugeschickt. Und dann liest er sich ein und der hat schnell gespürt, das wird jetzt tatsächlich für ihn auch ein besonderes Gutachten, was er da schreiben muss. Und vor allem, und das war für ihn dann auch, glaube ich, der entscheidende Punkt, warum er sich, das ist ein komisches Wort jetzt, aber der hat sich ein bisschen auch darauf gefreut, auf diesen Fall Norbert Nedopil, weil er erwarten konnte, dass jemand zu ihm kommt, der sich öffnet. Der hatte sich ja bei der Polizei geständig gezeigt, der hat eben nicht alles abgestritten, der hat diesen Satz gesagt, ich bin froh, dass es endlich vorbei ist. Das heißt, Nedopil hatte allen Grund anzunehmen, mit diesem Täter kann er wirklich ins Gespräch kommen. Es gibt ja ganz andere Ausgangssituationen für Gerichtspsychiater oft, wo Leute sich verschließen. Aber es klingt eben auch nach einem Fall, der jetzt nicht nur in Bezug auf die Aufgabe, die dem Gerichtspsychiater gestellt ist, nämlich zu begutachten Gefährlichkeit und Schuldfähigkeit, sondern auch insgesamt den Wissenschaftler wahrscheinlich schon. Erstmal hochschrecken lässt, okay, das wird jetzt spannend. Na klar, also weil er wusste, da sind Dinge im Führerhaus gefunden, wie diese Haare. Da stellt sich direkt die Frage, welche Rolle haben denn diese Haare? Also erster Ansatzpunkt ist natürlich, spielt dann Fetisch eine Rolle? Fetisch bedeutet ja sozusagen eine Leidenschaft für, was oft für einen leblosen Gegenstand, der mit der Sexualität verknüpft wird. Wir alle kennen sozusagen die Geschichten über Männer, die einen Schuhfetisch haben. Überhaupt mit Füßen. Das wird ja oft irgendwie geschildert, dass Männer irgendwie einen Fetisch entwickeln mit Füßen. Hat denn Eckart zuvor schon bei der Polizei was ausgesagt über die Bedeutung der Haare, warum er die abgeschnitten hat, was er damit gemacht hat? Ja, das hat er. Eckart hat auch sich da nicht verschlossen. Er hat gesagt, dass er die Haare teilweise offenbar gekämmt hat. Er hat sie immer wieder angefasst. Also nach dem Töten. Ja, ja, nach dem Tüten. Er hat auch die Haare teilweise an Puppen drapiert und das hat er dem Beamten mitgeteilt. Das heißt, auch da hatte Nedopil allen Grund anzunehmen, dass die Haare hier eine ganz große Rolle spielen. Ja, und es zeigt, dass der da etwas tat, was ihn ganz tief in seinem Innern wirklich beschäftigt hat und eine Leidenschaft war. Also ich als Laie finde, wenn du das so erzählst, spürt man richtig die Perversion dahinter. Also so im Wortsinne, das was verschoben, verquer, verdreht. Da will er so etwas eigentlich Sanftes wie schöne Haare berühren und verbindet es mit absoluter Brutalität und Vernichtung und Hass. Man spürt richtig, finde ich, wie in diesem Menschen alles aus den Fugen geraten ist und nicht mehr zusammenpasst. Aber natürlich, was waren für den Experten, für Nedopil die Fragen, die ihn vor allem als Psychiater beschäftigt haben? Also im Grunde die Frage nach dem Warum. Also wo kommt das her? Das ist schon die aller, aller, allergrößte Frage. Wo kommt das her, dass ein Mensch so funktioniert, so anders funktioniert als die aller, aller, allermeisten Menschen? Und dann fragt er natürlich auch, also Nelopiel, wirklich sehr wissenschaftlich, gibt es Dinge in der Entwicklung dieses Menschen, vielleicht auch teilweise in der Kindheit, die da eine Rolle spielten? Haben sich im weiteren Lebensverlauf Dinge eingespielt, die das immer wieder verstärkt haben? Ja, und am Ende muss er natürlich auch in seinem Gutachten eben diese Fragen beantworten, die das Gericht ihm stellt. Nämlich, wird er weiter töten? Also wird er weiter töten? Am Ende muss der das benennen können und zwar eine Prozentzahl nennen. Ja und jetzt spricht er diesen Mann zum ersten Mal. Was hat dir Nedo Piel erzählt? Wie war dieser Moment, als er dem Eckert dann zum ersten Mal gegenüber saß? Also ich habe Nedo Piel damals auch in seinem Büro interviewt, also in München, wo er arbeitet und der hatte so ein Büro mit so riesigen, riesig hohen Decken. Aber ansonsten ist das auch so ein ganz normales Arztzimmer. Da ist ein Schreibtisch drin, ein Stuhl auf dem Nedo Piel sitzt und halt die Stühle für die Patienten. In diesem Büro ist es dann einfach so gewesen, dass eines Morgens dann zwei Beamte Volker Eckert hineingeführt haben. Und ich habe auch Nelopir gefragt, was war das für eine Situation? Und na klar, Nelopir war super neugierig. Wer kommt da jetzt rein? Jetzt hat er all die Akten gehabt, aber jetzt kommt der Mensch rein. Und er hat das auch sehr genau in seinem Gutachten beschrieben. Der geht da sehr detailliert vor. Der ist fast pedantisch, was der da alles reinschreibt. Und er beschrieb halt diese Szene, wie die Tür aufgeht, die zwei Beamten. Dann kommt dieser Volker Eckert rein, Klein, Hager, schreibt auch, dass der irgendwie traurig wirkte, blass. Nedopil schickt dann auch die zwei Beamten eigentlich gleich raus, was ich interessant finde, weil ich mich da so frage, wie ist das für ihn mit der Sicherheit? Er hat ja eigentlich Angst von den Leuten, die da reinkommen, aber Nedopil. Hatte das dann offenbar nicht, wobei ja schon immer so, eine Sache da ist er immer, da passt er auf, also er stellt immer, also die Leute setzen sich ja dann ihm gegenüber und er stellt dann immer noch, einen Stuhl, einen leeren Stuhl zwischen sich und demjenigen, den er befragt, weil er so denkt, naja, wenn was passiert, dann kann ich noch den Stuhl ein bisschen bremsen. Ja, aber ich glaube, Nedopiel hat im Falle Volker Eckert eigentlich schnell die Gewissheit entwickelt, nee, das wird jetzt für mich nicht gefährlich. Der wird ihm nicht gefährlich. Also er meinte, das ist wie so ein Würstchen gewesen, das da reinkam. Sehr harmlos alles und Volker Eckert hatte dann aber ihm auch sehr schnell signalisiert, dass das jetzt für ihn auch völlig in Ordnung ist, über die Dinge zu reden. Das war sehr interessant, weil da muss man sich mal in die Rolle von Norbert Nedopiel versetzen. Der geht ja anders ran als ein Ermittler. Nedo Piel hat nicht die Aufgabe, Beweise zu finden, den zu knacken im Sinne von, finde ich jetzt hier noch eine weitere Tat oder so. Nedo Piel sagt ja zudem auch nicht Angeklagter oder das war in dem Fall wahrscheinlich noch gar nicht, sondern er sagt auch nicht Täter, sondern für den ist das ein Proband. Er hört auch nicht Werten zu wahrscheinlich. Seine Aufgabe oder seine Haltung als Wissenschaftler, der hat schon alles gehört. Das wäre geradezu schädlich. Also wenn er anfangen würde, zum Beispiel seine Abscheu zu zeigen, dann würde das ja womöglich dazu führen, dass dieser Mensch sich verschließt wieder. Also Nelopir versucht, maximales Vertrauen und maximale Offenheit herzustellen. Also er hat das mir so zitiert. Er sagte dann so, Herr Eckert, lassen Sie uns bitte keinen Eiertanz machen. Sie sind ein Profi in Ihrem Fach und ich bin ein Profi in meinem Fach. Und er hat ihm an manchen Stellen auch mal geschildert, Herr Eckert, ich weiß ja, dass Sie mir vielleicht nicht alles erzählen. Und das ist auch in Ordnung. Auch das hat er gemacht, um so Vertrauen herzustellen. Und hat es gewirkt? Ist der Eckert ihm sehr offen dann begegnet? Total. Volker Eckert hat sehr schnell gespürt, dass das jetzt das erste Mal jemand ist, der sich wirklich für ihn so richtig interessiert. Und der nicht die Frage stellt, wo waren sie dann und wo waren sie da und so weiter, sondern wer sind sie denn? Wie denken sie denn? Wie ticken sie denn? Warum? Und das sind andere Fragen. Vielleicht Fragen, die er sich selber auch noch gar nicht beantwortet hatte. Genau. Fragen, über die er wahrscheinlich bis dahin mit niemandem reden konnte. Es waren jetzt auch andere Bedingungen. Ich meine, er war in Haft. Und er wusste, er wird nicht so schnell aus der Haft rauskommen. Die Dinge hatten sich erledigt. Er hat eh nichts zu verlieren. Er hat vielleicht nichts mehr zu verlieren. Und jetzt kommt er und stößt auf einen Mann, der auch noch Ahnung hat. Vielleicht auch Ahnung hat von dem, was bei ihm nicht stimmt. Er weiß, er hat auch immer wieder gesagt, in ihm sozusagen in ihm brodelt der Teufel. Er weiß das, was mit ihm nicht in Ordnung ist. Also er hat da auch mit sich gerungen. Total. Also weil, was du so geschildert hast, da ist ja sehr genussvoll auf eine ganz brutale. Üble Art, aber gleichzeitig hat er auch dann gespürt, das ist nicht okay und ich will eigentlich gar nicht so sein. Also so hat er es zumindest dargestellt. Ja, der stand im Leben. Das war ja nicht jetzt irgendwie ein Mensch, den man auf der Straße ging und gesagt hat, was ist mit dem nicht in Ordnung, sondern der war im Grundsatz gepflegt, der hatte einen Beruf, die Nachbarn, die damals von der Polizei befragt wurden, sagten, das war ein richtig netter Kerl. In seiner Wohnung war ein Messie-Wohnung oder so. Der hatte Ordnung, der stand im Leben und der wusste natürlich, dass ein normales Leben, dass das nicht zusammen geht mit Serienmorden. Also er wusste, dass das nicht in Ordnung ist, was er da tat. Und er hatte jetzt vielleicht das erste Mal das Gefühl, er findet da ein Stück weit auch eine Antwort auf die Frage, warum er eigentlich der ist, der er ist. Bevor wir da reingehen, was für Mittel hat ein Psychiater? Also logischerweise, hast du jetzt auch schon gesagt, er sitzt dort und spricht mit dem Probanden. Aber was gibt es da sonst noch an Diagnosemitteln? Norbert Nelopil ist ja ein Arzt. Also das heißt, der hat das, was ein normaler Arzt auch hat. Der fragt dann auch so Sachen, der erkundet sich nach einem Blutdruck. Da wird dann sowas wie ein EEG geschrieben. Also die Hirnströme werden gemessen. Es wird auch irgendwann mal ein MRT gemacht, also ein Hirnscan. Also der wird richtig durchgecheckt. Und er wendet natürlich schon auch sozusagen die Methoden von Psychologen an. Also versucht zu ergründen, wie die Denkmuster dieses Menschen sind. Man hat zum Beispiel auch einen Intelligenztest gemacht. Das war interessant, weil den Wert, den Volker Eckart erreichte, lag bei 109. Das ist im oberen Durchschnitt. Ein Test, den man gemacht hat, ist, man hat Eckart ein Bild vorgelegt, die Kopie eines Gemäldes und ich hole das jetzt hier auch mal raus. Das ist das Bild, was man ihm vorgelegt hat. Das ist ein Gemälde, das ist keine Fotografie. Und was man dort sieht, ist ein Mann, der in der Mitte des Bildes steht und der den Arm vor seine Augen hält. Irgendwie. Ja, der bedeckt seine Augen. Bedeckt er die Augen, wischt er sich oder so. Genau. Und im Hintergrund sieht man ein, ja, ich würde sagen, dass es ein Bett ist und auf diesem Bett liegt eine Frau. Und diese Frau, das wirkt doch sehr eindeutig, ist nicht bei Bewusstsein. Ihr rechter Arm hängt so ein bisschen auch aus dem Bett heraus. Ja, genau, würde ich es auch deuten. Und dieses Bild hat man ihm vorgelegt und hat ihn dann gebeten, es zu deuten, zu erklären, was hier passiert sein könnte. Und ich weiß nicht, was du denkst, Bernd, aber als ich das Bild das erste Mal sah, dachte ich schon, es ist schon irgendwie eine dramatische Situation. Ja, es wirkt so, es ist nicht nur Schlafende und einer steht davor, sondern es wirkt schon irgendwie ein bisschen düster, ein bisschen nach Unglück riecht das schon. Ja, es ist irgendwas, stimmt nicht. Man könnte schon annehmen, dass vielleicht die Frau auch nicht mehr lebt. Und man könnte vielleicht auch annehmen, dass der Mann, der sich ja von ihr so abgewendet hat, also er steht mit dem Rücken zur Frau und hält eben die Arme da vor seine Augen. Entweder, habe ich gerade gedacht, vielleicht weint er und verdeckt sozusagen seine Tränen mit dem Arm, weil er vielleicht gerade wirklich trauert um seine Frau, die gestorben ist. Das dachte ich so ein bisschen, das könnte eine Möglichkeit sein. Aber es könnte auch was anderes sein. Volker Eckert hat dem Psychologen dann seine Geschichte erzählt, die er dort sieht. Was er sah, war der Moment nach einem Mord. Er hat das auch wirklich, also das ist auch ein Zitat im Untersuchungsbericht, er hat das dann auch sehr genau beschrieben. Er sagte, der Täter wollte keinen Lärm machen, also konnte er nicht schießen. Er setzte sich auf ihren Oberkörper und legte seine Hände um ihren Hals. Dann drückte er zu. »Nach wenigen Minuten war alles vorbei.«, Er schwitzte und freute sich auf ein kaltes Bier. Schon sehr detailliert. Sehr detailliert. Er hat sich direkt in die Rolle des Mannes versetzt. Also er sagt, wenige Minuten dauerte das Wirken. Er hat selber immer gewirkt. Das wusste man ja von den Polaroid-Bildern. Er hat ja die Frauen oft stranguliert und offenbar auch gewirkt. Ich meine, er hat ja gesagt, er ist ein kleiner, schmächtiger Mann. Das hört sich ganz grausam an, aber es kostet Kraft. Und das hat er da direkt auch rein interpretiert und dann eben auch dieses, er schwitzte und freute sich auf ein kaltes Bier, also wirklich als ein im Grunde Moment der Erleichterung und Freude, die da dieser Mann nach der Tat spürt. Also ich finde, auch wenn man das Bild sieht, noch dazu, man sitzt, Mordvorwurf sitzt beim forensischen Psychiater, dass man da Assoziationen, Deassoziationen hat, es könnte um einen Mord gehen, ist jetzt glaube ich noch nicht krass auffällig, aber bei diesem Bild aus diesem Mann Freude herauszulesen, das finde ich außergewöhnlich. Ja und das fanden auch die Psychologen, die waren wohl dann doch relativ schockiert über diese so explizite Interpretationen und dann eben schon auch die Ableitung dieses offenbar bei Volker Eckert diese starke Fixierung dann doch auf Gewalttaten und Gewaltfantasien und das haben auch die Tests ergeben, er hatte eine klare Tendenz zu Aggressionen, im Gespräch mit Norbert Nedopil gab es dann irgendwann Situationen, in denen er offenbar doch sich ein bisschen so in Rage redete, in Erregung redete. Und dann wurden eben Frauen plötzlich nicht mehr Frauen genannt, sondern er sprach dann von Nutten, also auch sehr bußhaft, sehr abgebildet. Sehr boshaft, sehr angewidert von Frauen. Und überhaupt gab es in dieser Untersuchung immer wieder Phasen, wo einfach Volker Eckert, der ja dann doch eigentlich immer so harmlos wirkte, doch irgendwie in Erregung geriet. Und das war auch verrückt, weil Eckert an einer Stelle zu Nelopil sagt, dass es einen Moment jetzt gab, rund um diese Untersuchung, die für ihn schon auch ihn beschäftigt hätte, nämlich die EEG-Untersuchung. Die EEG-Untersuchung ist eben gesagt die Messung der Hirnströme und die wird eben häufig in der Neurologie durchgeführt. Da gibt es dann Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die das dann einfach durchführen. Die sind dann dafür da, diese kleinen Auflagen auf den Kopf zu kleben, die dann die Messungen machen. Und in dem Fall war das wohl eine eher jüngere Frau mit langem Haar. Eckart sagt der Nelopil, dass alleine das Zusammensein mit dieser Frau in einem Raum, die Anwesenheit dieser Frau mit ihren Haaren, langen Haaren, ihn sehr, sehr erregt hätte. Und als er das erzählt, dann musste er wirklich, hat auch Nedopil notiert, also der hatte dann auch wirklich, der bekam so eine Art, ja, so einen trockenen Mund. Nedopil achtet dann auch sehr darauf, auf diese physiologischen Reaktionen, wird der unruhig, vielleicht kriegt der irgendwie mehr Farbe ins Gesicht, Anfangszeichen. Also was passiert bei dem körperlich gerade und das war sehr eindeutig für Nedopil, dass da was passiert. Okay, also der sieht da eine Krankenschwester, Frau, vielleicht ist sie auch attraktiv, aber mit langen Haaren und diese langen Haare sind so ein Reiz, da fährt der Pegel sofort hoch bei diesen Menschen. Und einmal mehr der Hinweis für Nedopiel, wow, ich habe hier jemanden in seiner Klarheit, was sozusagen den Fetisch angeht, was das Erregungspotenzial angeht, jemanden vor mir, bei dem das sonst, also das kannte auch Nedopiel nicht. Deswegen hat er auch gesagt, das ist vielleicht ein Stück weit auch der wichtigste Fall seiner Laufbahn, weil der einfach so klar ist, an der Stelle klar ist. Nedopiel sagte zu mir selber, dass er gar nicht so viele Fälle hat, über die er wirklich Aufsätze publiziert hat. Und über diesen Fall hat er Aufsätze publiziert, das ist auch eingegangen in seine Lehre an der Münchner Uni, weil er mit diesem Fall Volker Eckert einfach eine Gelegenheit hatte, das Thema Sadismus seinen Studierenden im Grunde zu erklären. Gibt es da so ein paar Stellen, wo er sagt, okay, das sind für mich immer die wichtigsten Punkte, bei denen ich ganz genau hinschaue? Naja, es ist natürlich schon oft dann irgendwie der Verdacht da, ist denn irgendwas ganz Schlimmes passiert in der Kindheit? Ist Volker Eckert vielleicht selber schwer missbraucht worden? Gab es irgendwelche Gewalterfahrungen, die ihn geprägt haben und die vielleicht ein Stück weit auch der Grund dafür sein können, dass er sich sehr falsch entwickelt hat? Aber also mindestens das, was so in der Akte stand und das, was sich dann auch in einem Gespräch dann entwickelt hat, deutet auf so etwas nicht hin. Die Kindheit, die war vielleicht jetzt auch nicht völlig frei von Erschütterungen. Also er ist ja aufgewachsen in Ostdeutschland, in Oelsnitz, also im Vogtland. Seine Mutter war Krankenschwester. Zu DDR-Zeiten. Zu DDR-Zeiten, genau. Seine Mutter war Krankenschwester, sein Vater war Malermeister. Er hatte zwei Geschwister, eine Schwester und einen Bruder. Und er wuchs im Grundsatz in sicheren Verhältnissen auf. In so einer Erbbauwohnung, in so einem Mehrfamilienhaus war wohl alles eher dunkel. Ja, es war keine von Liebe geprägte Kindheit, aber zum Beispiel sagte er, dass er schon, wenn er als kleiner Junge irgendwie schlecht geträumt hatte, dann hat er sich auch ins Elternbett verzogen, hat sich also zu Mutter und Vater hineingekuschelt, um da Geborgenheit zu finden. Das gab es wohl auch. Vom Grundsatz her aber doch eher vielleicht etwas kühlere Kindheit in Bezug zu den Eltern. Also gerade der Vater war ihm noch wichtiger. Zudem hatte er doch ein etwas besseres Verhältnis. Der muss wohl auch sehr gerne bei den Hausaufgaben geholfen haben zum Beispiel. Die Mutter da, das war wohl ein sehr abgekühltes, distanziertes Verhältnis. War wohl auch strenger. Also die hat wohl dann auch mal den Teppichklopfer verwendet, um die Kinder zu züchtigen. Da merkte man, dass das kein besonders gutes Verhältnis war. Es war ja dann so, als er festgenommen wurde oder ergriffen wurde von der Polizei, kam ja auch ein Anwalt. Und dieser Anwalt bat ihn dann mal darum, seine Lebensgeschichte aufzuschreiben, weil ihm das vielleicht nützen könnte, auch für die Verteidigung. Und die ersten Worte dieser Lebensgeschichte, die kann ich mal zitieren. Da schrieb er nämlich, am 1. Juli 1959 morgens wurde ich auf eine Reise geschickt, die ich am liebsten rückgängig machen würde. Es war der Tag meiner Geburt. Mein Vater, ein Malermeister, der im Plauen arbeitete, und meine Mutter, Krankenschwester Oelsnitz, hatten ihr Wunschkind zur Welt gebracht. Christian und Christel hatten einen Teufel gezeugt. Also einmal kurz mal... Das Wunschkind wird zum Teufel. Ja, und einmal mehr die Klarheit, dass er weiß, dass mit ihm massiv etwas nicht stimmt. Und trotzdem skizziert er ja eigentlich in diesen wenigen Worten, Wunschkind, Malermeister, Krankenschwerte, eigentlich ja so die Rahmen einer normalen Kindheit. Aber da passiert was ganz mächtiges, Schlimmes. Gab es denn irgendwelche Konfliktthemen oder besondere Ereignisse, die Nedopil zumindest annähernd ins Auge stachten? Es gab ein Ereignis in der Familie, nämlich die Trennung der Eltern. Die hat Nilo Piel schon irgendwie ein bisschen beschäftigt, weil Eckart darüber sprach. Und da wurde eine Sache ein bisschen spürbar, nämlich, dass Eckart sich ganz klar mit dem Vater solidarisierte. Der Vater, von dem er sagte, der hat geschuftet, der hat das Geld hergebracht, der hat das hier abgeliefert zu Hause. Und dann trennen sich die Eltern und dann muss der Vater ausziehen. Der wird vor die Tür gesetzt. Und dann sagte er so recht wutentbrannt in der Untersuchung, das wird mir nicht passieren. Und er sagte, glaube ich, das wird auch der Grund sein, warum ich keine Frau haben werde. Also das heißt, da ganz klar, die Frau ist schuld, die Mutter ist schuld. Dieser Hass auf Frauen, der wurde an der Stelle verbunden mit dieser Trennung, der wurde da spürbar. Ja, das Isoliertsein war interessant, aber Nilo P. geht ja dann so ein bisschen, der rollt das von hinten nach vorne auf. Also der geht sozusagen Stück für Stück immer weiter in die Kindheit. Und natürlich hat er sich dann überlegt, was sind denn auch aus den Unterlagen heraus für mich jetzt die entscheidenden Phasen dieses Erwachsenwerdens. Und was ihn dann vor allem interessierte, war die Phase rund um die erste Tat. Das Bittere ist, dass wir damit eigentlich auch in der Kindheit bleiben, weil er diese Tat ja, wie du sagtest, als Kind begangen hat. Wir können uns mal anhören, dank der Aufnahme, die du uns mitgebracht hast, wie Norbert Nedopil schildert, wie sich diese Tat anbahnte. Also was mit Eckert in der Zeit vor seinem ersten Mord los war? Ein Mord, den er als 14-Jähriger eben an einer 14-Jährigen begangen hat. In der Klasse, da war er 14, hat er sich vorgestellt, bei welcher Frau er in den Haaren wühlen würde. Und das war nicht erst mit 14, das war schon mit 12 hat es angefangen. Er hat zwei Jahre lang diese Fantasien gehabt und hat sich dann vorgestellt, das lassen, die nicht freiwillig mit sich machen. Und wenn sie es nicht freiwillig machen lassen, wie komme ich denn dazu, dass ich es machen kann? und er war sich sozusagen bewusst, dass er die bewusstlos machen muss. Und er hat in seine Masturbationsfantasien schon eingebaut, wenn er sich diese Frauen vorgestellt hat, dann hat er sich vorgestellt, ich muss die jetzt würgen, damit sie sich in den Haaren lässt. Und er hat dieses Würgen mit dem Wühlen in den Haaren sozusagen in Verbindung gebracht. Und was schildert uns Nedopil hier in diesem kurzen Zitat? Offenbar schon so früh ist der Fetisch da. Also es ist völlig klar, dass diese Haare jetzt schon bei dem 40-jährigen Volker Eckert das zentrale Ziel sind, das zentrale Motiv. Die will er haben, die will er berühren. Wie wird es jetzt gefährlich? Ja, ich meine die sexuellen Fantasien, die viele andere haben, sind halt Fantasien, die man leichter erfüllen kann. Aber in seinem Fall halt etwas, was eben nicht so leicht erfüllbar ist. Weil es eben diese Haare sind. Und in Haaren zu wühlen ist vielleicht ein Wunsch, den man auch als 14-Jähriger so ungern ausspricht. Zumal, wenn man eh schon vielleicht Probleme hat, er war ja doch isoliert oder isolierter. Er war eben niemand, der jetzt irgendwie schon viel mit Mädchen irgendwie zusammenhing. Generell kontaktscheu. Er war eher kontaktscheu, genau. Und er hat dann offenbar lange damit gerungen und war sich bewusst, dass das eben so einfach nicht funktionieren wird. Er würde nicht die fragen können, darf ich mal in deinen Haaren wühlen? Und was macht Volker Eckert in seiner Fantasie? Er lebt das ja immer wieder aus, diese Vorstellung mit den Haaren. Und in seiner Fantasie entwickelt er dann im Grunde eine Geschichte, auch ein Stück weit vielleicht einen Film, wie das dann doch ablaufen könnte. Und ablaufen kann es dann eben für ihn, er macht es sich plausibel, kann es nur dann doch mit Gewalt und Zwang. Also er stellt sich Frauen mit langen Haaren vor und er stellt sich dann vor, wie er diese Frauen gefügig macht, indem er sie wirkt, bewusstlos macht und dann eben die Gelegenheit hat, in diesen Haaren zu wühlen und das stellt er sich immer wieder vor. Er hat jetzt die Dinge verbunden schon mal, die Haare mit der Vorstellung. Ich muss die Frau dafür würgen, damit sie wustlos ist und nicht die Haare haben kann. Und das ist jetzt in seinem Kopf, das stellt er sich immer wieder vor und er befriedigt sich mit dieser Vorstellung. Aus Neopils Sicht, der Orgasmus, das ist sozusagen der krasseste Verstärker, den der Mensch hat. Das ist natürlich ein euphorisierender Moment, bei dem ja ein Hormonspektakel im Kopf stattfindet. Und wenn das sozusagen immer wieder mit dieser Vorstellung verknüpft wird, dann wird das nur noch stärker. Irgendwann hat Neopil mir mal so ein Bild genannt von so einem, naja, wir haben vielleicht irgendwie im Kopf das erste Mal so eine Vorstellung. Es ist wie so ein Trampelfahrt, den man so ein paar Mal gegangen ist. Immer wieder werden Orgasmen erlebt und dann wird dieser Trampelfahrt immer weiter ausgetrampelt. Und irgendwann sagt der Nelopil, ist das wie so eine Autobahn, so ein Highway. Immer, wenn man sich befriedigt, denkt man daran. Und der Gedanke wurde so mächtig. Und das ist auch, weil der auch, er hatte auch, muss man schon sagen, eine sehr starke sexuelle Erregtheit und Neigung. Das heißt, der hat richtig gemerkt, in seinem Alltag, dass das immer wieder kommt und er sich immer wieder befriedigen muss, immer wieder befriedigen muss. Aber irgendwie reichte das dann irgendwann nicht mehr. Okay, also er muss dann seinen Film wahr werden lassen, seinen ganz persönlichen, seinen sexuellen, seinen schon lange aufgeladenen Film. Und in diesem Film geht es dann eben nicht mehr nur um Haare, sondern weil er sich immer vorgestellt hat, ich muss die Frau würgen, um überhaupt dann die Haare zu kommen, gehört es mittlerweile auch das Würgen zu diesem Film, wenn ich es richtig verstanden habe. Wie kam es dann zum ersten Mord? Ja, das ist total interessant, auch aus Nedopil's Sicht, weil der erste Mord ist für Nedopil eigentlich auch immer der wichtigste. Der erste Mord, da sagt Nedopil, der ist sowas wie das ungeschliffene Beispiel. Da hat ja ein Täter noch keine Masche entwickelt. Da muss er spontan handeln und eigentlich eher instinktgetrieben handeln. Später bei Wiederholungen und bei Serientätern ist es dann so, dass die anderen Taten, die folgen, die gehorchten dann auch anderen Zweckmäßigkeiten. Da muss man halt aufpassen. Da haben sie gelernt, wo sie irgendwie in Entdeckungsrisiko geraten sind. Da haben sie halt Maschen entwickelt, wie zum Beispiel eben jetzt bei den Prostituierten, die Sache mit den Fesselungen. Dann haben sie vielleicht auch Dinge entwickelt, ja, das muss ich so machen, damit ich nicht auffliege und so weiter. Aber der erste Mord mit 14, ich meine mit 14, da ist mal noch ein Kind, da laufen die Dinge halt im Zweifel noch nicht so durchdacht. Und wie ist das passiert? Wir haben eben schon gehört, es ist eine Mitschielerin gewesen, die ihm am nächsten saß. Silvia, die lange dunkle Haare hatte, die er immer auch schaut im Klassenzimmer. Er saß wohl immer eher hinten im Klassenraum und guckte eben auf diese langen Haare. Und dann hat er sich überlegt, wie könnte ich das machen, an Silvias Haare kommen. Und sein Plan war dann, an einem Nachmittag nach Schulschluss sie irgendwie zu überraschen, aufzulauern. Und er hat das so gemacht, also ich hatte ja eben schon mal erwähnt, er lebte in so einem Mehrfamilienhaus. Und das war so eine ganze Häusereihe und über den Dachboden waren diese Häuser verbunden. Der Volker Eckert rannte also nach der Schule, nach Schulschluss schnell nach Hause, ging in das Mehrfamilienhaus, ging über den Dachboden in Richtung Silvias Wohnung, also drei Türen weiter war das wohl mehr oder weniger, und wartete dort oben, schaute auf die Straße und wartete, wie Silvia nach Hause kam. im Treppenhaus. Dann beobachtete er sie offenbar von dort oben und sah, dass sie auch den Schlüssel benutzt, um in die Tür zu kommen. Daraus schloss er, dass sie alleine ist. So, dann ging er zu ihr an die Wohnung, klingelte, Und hat dann Vorwand sich überlegt, nämlich er wollte sie fragen nach so ein bisschen Hausaufgabenhilfe. Also es ging um irgendeine Chemieaufgabe, sagt er. Und hat dann gefragt, ob sie ihm da irgendwie mal helfen könnte, was das für Hausaufgaben waren. Und sie ging dann Richtung Wohnzimmer, um, glaube ich, ein Chemiebuch zu holen. Und er nahm dann den Schritt in die Wohnung, schloss auch die Tür hinter sich. Dann, das war auch sehr eindrucksvoll, sagte Nedo Piel, sagte Eckart von sich selbst, er zählte so innerlich bis drei. Und dann stürzte er sich im Grunde auf sie und wirkte Silvia mit aller Kraft und er war 14 und er war eh schon klein also er brauchte wirklich alle Kraft und wirkte sie wirkte sie auch so lange dass sie wirklich das Bewusstsein verloren, dann lag sie vor ihm und tatsächlich nahm er dann auch direkt die Gelegenheit wahr in die Haare zu fassen das heißt da ist seine Fantasie sein Film, bis dahin hat er ihn real gemacht das hat ihn auch direkt sehr erregt hat in den Haaren gewühlt er sagte, es sei aber nicht so gewesen dass er dort dann irgendwie einen Orgasmus erlebt hätte, ja und dann irgendwann wurden die Gedanken vielleicht wieder ein bisschen klarer, ihm war klar in dem Moment, wo sie wieder aufwachen würde wo sie irgendjemand erzählen würde, dann würde es für ihn doch ganz, ganz schwere Konsequenzen haben, und da war er völlig Herr seiner Sinne und auch Herr seines Willens und entschied eine gardinenkordel zu nehmen sie um den hals zu legen und sie damit zu erdrosseln und dann ging er nach hause okay und das was jetzt auch wirklich krass ist er ging dann nach hause und er schilderte nilopiel was für ein. Unglaublich schöner Nachmittag-Moment das war. Er hatte vorher wohl durch dieses Verlangen, wir haben ja eben drüber gesprochen, der Highway, der Highway, der konnte gar nicht mehr richtig essen vorher. Er war so unter Strom. Er war gar nicht richtig unter Strom, ja. Danach ging er nach Hause und war wie befreit. Und er hatte richtigen Heißhunger entwickelt. Konnte seit langem wieder wohl richtig essen, so richtig viel essen. Und das zeigt doch, finde ich, auf so eine ganz düstere Weise, wie mächtig das in ihm sozusagen tobte. Ja, vor allem auch dass er danach auch wirklich ein gutes Gefühl hat. Wenn er da eine Erschütterung hätte, dann könnte er da vielleicht. Kann ich mir vorstellen, könnte das noch so ein Innehalten geben oder vielleicht eine Abwendung geben. Nein, das war... Er hat sich belohnt für seine Tat. Er hat sich belohnt gefühlt dafür. Er war richtig, er fühlte auch die Macht, hat der Nelopi gesagt, über Leben und Tod an dieser Stelle. Das hat ihn wohl auch sehr befriedigt. Er fühlte sich sehr belohnt und er hatte vorher auch sich eingeredet, dass er es vielleicht auch nur einmal tun muss. Dass er, wenn er es einmal auslebt, dass es dann irgendwie abnimmt und dass es dann so gestillt ist, dieser Durst. Wie wurde dann in Silvias Todesfall ermittelt? Das ist wirklich das, was einen auch leider bei diesem ganzen Fall echt ganz schön fassungslos macht, muss man sagen. Dass es doch immer wieder Gelegenheiten gab, wo vielleicht man Volkerkert hätte stoppen können. Auch später noch. Aber ja, das war ja nun mal nach dem ersten Mord die allergrößte Gelegenheit. Ja, es kam dann die Volkspolizei. Man muss wissen, die Eltern, also der Stiefvater von der Silvia war sogar selber Polizist. Die Volkspolizei ermittelte sehr, sehr schlampig. Und was die einfach am Ende sagten war, dass sich Silvia offenbar selbst das Leben genommen hatte. Dass sie nach einem Streit mit einer Freundin, so war, glaube ich, die Interpretation, sich dann das Leben genommen hatte. Also sie hätte sich dann erhängt. Stanguliert erhängt. Das weiß ich nicht genau, wie sie das zusammen gereimt haben sich. aber zumindest die Kordel, die da am Hals hängen, hätte sie sich selber angelegt. Ging dann auch natürlich wie ein Lauffeuer durch die Schule. Das war ein Riesenthema natürlich. Und da hat dann auch Volker Eckert offenbar auch so Mitgefühl geheuchelt. War dann ja auch Teilnummer dieser ganzen Gruppen und der Kinder, die darüber redeten. Und war wahrscheinlich auch ein Stück weit selbst erstaunt, wie gut das für ihn ausging. Aber das konnte er auch aushalten. Es war ja ein Mädchen aus seiner Klasse. Du sitzt da dort, ihr Stuhl ist leer, alle traurig, alle erschüttert. Also, offenbar konnte er das aushalten. Und das zeigt offenbar, dass er auch an manchen Stellen, was Empathie und Mitgefühl anging, das irgendwie nicht so stark verspürte. Wie ging es dann weiter mit ihm nach der Tat? Volker Eckert hat dann Nedo P. Sogar geschildert, dass er sogar eine feste Freundin bekommen hat, was mich auch sehr überraschte, wo ich so dachte, ach okay, trotz all dem war er offenbar auch wieder in der Lage, sozial so konform zu handeln, dass er dann in eine feste Partnerschaft ging. Es war ein junges Mädchen, Malis, mit der er dann zusammenkam und mit der erlebte er, also diese Malis war eigentlich diejenige, die im Grunde sozusagen das erste Mal normale Sexualität beibrachte. Also mit ihr hat er auch geschlafen, aber auch da sagte dann Volker Eckart, naja, wenn man ehrlich ist, hat ihn das nicht so sehr erregt. Und er musste sich dann doch während des Sex mit ihr eher vorstellen, dass er sie würgen würde. Klar war also Volker Eckart, nee, also so eine normale Partnerschaft mit der normalen Sexualität, das reicht für mich. Deutlich, es wird wieder passieren. Ja. Dann passierte es dann wieder? Ja, es passierte wieder und zwar, er war dann eher älter geworden, er ging dann auch aus in Diskurs und so weiter. Und da gab es dann einmal eine Tat, dass er einer jungen Frau nach einer Disco, nach einem Disco-Besuch aufgelauert hatte und die sozusagen überfiel, auch wirkte. Die hat aber überlebt und konnte ihn dann identifizieren. Und das ist jetzt so der nächste Punkt, an dem man denkt, meine Güte, es muss doch jetzt mal auffallen, dass hier was gravierend nicht stimmt mit diesen Menschen. Er wurde dann auch angeklagt, aber eben nicht wegen irgendwie versuchten Mordes oder ähnlichem, sondern wegen Nötigung und Missbrauch zu sexuellen Handlungen. Und er saß dann auch tatsächlich im Gefängnis für 18 Monate. Aber eben nur für 18 Monate. Wurde er begutachtet? Naja, man hat ihn sich so oberflächlich angeschaut, aber man hat da nicht das gemacht, was jetzt irgendwie Jahre später Norbert Nedopi gemacht hat. Also man wurde sich nicht klar darüber, dass da so noch viel mehr hinterschreibt. Das war so bagatellisiert, so ein Besoffener, der nach der Tanzveranstaltung halt ein bisschen zu dringlich war. Die Gefährlichkeit, die wurde den Leuten gar nicht bewusst. Und dann kam er frei und dann hatte er so richtig, muss man sagen, so ein Doppelleben etabliert zwischen Tag und Nacht. Er hat tagsüber oft irgendwie in Krankenhäusern gearbeitet, hat dort irgendwie als Putzkraft Geld verdient. Und nachts ist er dort in Plauen, in Parks, hat er jungen Frauen aufgelauert und hat dann aber auch da einen Modus Operandi gewählt, der ihn schützte, nämlich er hat sie immer von hinten überfallen, Und sie dann auch wirklich oft bewusstlos gewirkt und ist immer davon gekommen, ohne erkannt zu werden. Norbert Nelopir fragt ihn eigentlich, wie viele Frauen das waren. Und ich konnte das nicht fassen, aber er sagte, er glaube, es wären so um die 30 gewesen. In was für einem Zeitraum? So in 5, 6 Jahren. 5, 6 Jahren, 30. Unfassbare Vorstellung. Aber das muss doch dann vor Ort auch aufgefallen sein, dass es da eine Serie gibt. Ja, mit Sicherheit. Aber auch da muss man wohl mindestens annehmen, dass Schlampig vielleicht ermittelt wurde. auf jeden Fall kam man ihm nicht auf die Schliche. Es war dann eher doch ein absurder Zufall, der ihn dann doch nach diesen fünf, sechs Jahren irgendwann doch wieder ins Fadenkreuz der Ermittler brachte. Nämlich, es war dann schon Ende der 80er Jahre und Eckart wollte nach Westdeutschland ausreisen. Ah, er hatte einen Ausreiseantrag gestellt. Genau, brauchte dann aber Papiere. Und auf dem Amt, als er diese Papiere beantragt oder abholte, wurde er von einem Beamten erkannt. Was heißt erkannt? Naja, es gab bei einem der betroffenen Frauen, die hatte offenbar seine Kleidung beschrieben. Und genau mit dieser Kleidung geht er ins Amt. Und das erkannte dann der Ermittler wieder. Und das war Ansatz genug, um den sich vorzunehmen und dann konnte man das auch in dem Fall offenbar nachweisen. Dann wurde er wegen versuchten Mordes angeklagt und auch verurteilt, wurde dann zu zehn Jahren Haft verurteilt und geriet so ins Gefängnis. So, jetzt wissen wir ja, es war trotzdem nicht das Ende. Und das ist so das, was einen auch wirklich verzweifeln lässt, wie viele Gelegenheiten hier verstrichen sind, diesen Menschen zu stoppen. Er war in Haft, die DDR ging unter. Und 1994, nachdem er so sechs Jahre abgesessen hatte, hatte er wohl die Möglichkeit, auf Bewährung freizukommen. Und man hatte auch so die Sicht, naja, er ist schon noch ein Mensch, der Therapie braucht. Das hatte er dann auch offenbar versprochen. Er würde dann ein neues Leben beginnen, er würde sich einen Job suchen und er würde auch in Therapie gehen. Und so hat man ihn ziehen lassen damals. Unvorstellbar. Und er ging nicht in Therapie? Nein, hat er nicht gemacht. Er hat da denen was vorgegaukelt. Er ist dann umgezogen, also er ist nach Westdeutschland gezogen, nach Franken. Aber er hat sich keine Therapie gesucht, sondern er hat da dann ein neues Leben aufgebaut, sich. Ist dann auch LKW-Fahrer geworden. Und das ist jetzt eine Frage, die auch, glaube ich, ein Stück weit ein bisschen im Nebel verschwindet. Für die Ermittler, aber auch für Nedopil. Weil wir wissen ja jetzt, das ist 1994 gewesen. Und wir wissen auch vom Anfang unseres Gesprächs, dass diese folgenden Taten ab 2001 passierten. Das sind ja sieben Jahre. Und vorher hat er in allerhöchster Frequenz Frauen überfallen. Und ab 2001 ja nun mal auch wirklich dann eine ganze Serie an Taten hingelegt. Oder er hat geschildert, wie es in ihm gewaltet hat von Kindheit an. Was ist in diesen sieben Jahren passiert? Das ist die große Frage. Er hat darüber auch mit Nedopir gesprochen. Im Grunde hat er den Eindruck erzeugt, dass er sich so anders, in Anführungszeichen, über Wasser gehalten hat. Damals war Beate Use ganz groß in Deutschland. Das heißt, man hatte wirklich die Möglichkeit, irgendwie an Erotikartikel zu kommen. Er hat sich eine Puppe zugelegt. Lange Rede, kurzer Sinn. Er sagte, er hätte diese Zeit ohne... Kann man ihm glauben oder kann man ihm nicht glauben? Das ist die ganz große Frage. Nelo Piel sagt, er geht nicht davon aus, dass diese sechs Morde, von denen wir heute berichten und erzählen, alle gewesen sind. Auf alle Fälle kommt es dann 2001 zum Mord an einer Prostituierten. Wie erklärt er, dass es dazu kam? Es ist dann schon so, dass natürlich das Verlangen nicht verschwunden ist, sondern dass es im Grunde ihm vielleicht auch nach der Bestrafung klar war, er muss aufpassen, wie er das alles ermöglicht, sozusagen das Verlangen auszuleben. Er wusste, dass die Polizei seine DNA hat, das ging in den 90ern richtig durch die Decke. Die Polizei hat plötzlich Möglichkeiten gehabt, mit DNA-Spuren wirklich Täter zu finden und ihm war klar, da muss er aufpassen. Er hatte den Beruf des Lkw-Fahrers gewählt und das war natürlich die ideale Chance. Er wusste, das sind eher nationale Ermittlungen, dass das im europäischen Ausmaß noch nicht diesen Austausch gab, was Spuren angeht, noch nicht so intensiv. Und deswegen sagte er sich, ja, also wenn ich jetzt wieder zu dem Punkt kommen will, das ausleben zu können, dann sollte ich das wohl besser nicht in Deutschland machen. Und so verknüpfte er sein neues Leben als Lkw-Fahrer. Mit seiner Leidenschaft. Wir müssen rückblickend sagen, dass er leider Recht hatte. Zumindest viermal hatte er Recht. Beim fünften Mal, dann ist er durch Zufall gefasst worden. Das Tatmuster blieb das gleich im Vergleich zu dem Muster, das er jetzt schon als 14-Jähriger gezeigt hatte? Naja, er hatte es ja angepasst. Er hatte sich eben überlegt, wie überwältige ich die Frauen auf kluge Weise. Das Fesseln spielte plötzlich eine Rolle. und was eben eine Rolle spielte und das war auch so im Grunde sozusagen so eine Art Steigern. Ja, er schaffte sich diese Erinnerungen und eben nicht nur in seinem Kopf. Jetzt fing er halt an, das zu dokumentieren. Indem er darüber schrieb danach, indem er die Fotos machte, indem er die Haare sammelte. Ja, so hatte er sozusagen irgendwann seine eigene Sammlung an Dingen, die er verwenden konnte. Und wahrscheinlich hat er auch ganz oft damit im Grunde seinen Durst, Anführungszeichen, stillen können, aber eben nicht immer. Oder vielleicht sogar verstärken, man weiß es nicht. Man sagt ja auch immer bei Serientätern, dass sie sich steigern. Ja, Nedo Piel sagt, gerade bei Sadisten ist das ein ganz, ganz verbreitetes Phänomen. Sadisten müssen sich steigern. Also das wird immer, er hat das sogar, er hat es irgendwann sogar recht verzweifelt geklungen von Nedo Piel. Nedo Piel fragt ihn ja, wie lange hätte es denn gedauert, bis sie die nächste Tat begangen hätten? Und da sagt er, oh ja, das wäre schneller gegangen und es wäre auch noch schlimmer ausgegangen. Also er hätte sich noch übler an den Frauen irgendwie ausgelassen. Er sagte irgendwie auch, verzweifelt ja, er weiß gar nicht, ob er irgendwie dann überhaupt noch Wege gefunden hätte, sich zu steigern. Und Edipier sagte aber, naja, er hat so viel, in Anführungszeichen, Kreativität bewiesen, dass der wohl Wege gefunden hätte. Und eine Sache, die nochmal so richtig klar macht, wie stark dieser Trieb und dieses Verlangen war, dass Eckart immer wieder spürte, finde ich, ist das eher, das auch mal beschrieb, als eine Art, Aura. Und Aura ist ein Begriff, den Epileptiker kennen. Das ist die Phase, bevor ein Epileptiker merkt, dass sich was anschleicht, dass er jetzt Kontrolle. Also man spürt das und dämmern dann. Genau. Und manche legen sich dann auch schon hin, weil sie wissen, jetzt gleich beginnt der Anfall. Ich lege mich besser schon mal zu Boden. Die wissen, es kommt jetzt. Wie so ein Aura und es lässt sich nicht verhindern. Und das hat er als eine Metapher verwendet für das, was er fühlte, wenn er an die Haare und an das Wühlen und an die Frauen und das Würgen dachte. Es dämmert langsam und ich kann, es wird immer mehr und bald geht's los. Genau und da sieht man, wie groß dieses sexuelle Verlangen war, was er hatte. Zwei große Fragen sind immer noch so ein bisschen unbeantwortet, finde ich, nämlich, warum kam er überhaupt auf diesen Fetisch, auf die Haare? Und wie kam es, dass der dazu imstande war, ohne Mitgefühl solche brutalen Taten zu begehen? Aber lass uns erstmal zu den Haaren gehen. Warum kam er auf Haare? Da gibt es die Interpretation von Nedo Peel. Also ich will einmal mal reinwerfen, das ist ja am Ende keine Mathematik. Es ist ja auch nicht aus A folgt B, folgt C, folgt D. Am Ende sind es auch viele Faktoren, die eine Rolle spielen. Aber Nedo Peel hat in seinem Gutachten doch einige Dinge sehr klar benannt. Was bei Volker Eckert eine große Rolle spielte in Sachen Sexualität war, dass er sehr früh reif geworden war. Nämlich so mit neun, spätestens zehn Jahren. Ja, mit neun Jahren. Das ist so die Erinnerung von Volker Eckert. Das ist natürlich wirklich sehr früh für einen Jungen. Jetzt ist natürlich sozusagen das erste Mal Sexualität zu erleben eh etwas, was für jedes Kind etwas ist, was erstmal fremd ist. Also der erste Samenagust, wie geht man damit um? Da kommt es ja stark drauf an auch, wie offen ist die Atmosphäre in der Familie? Ist man aufgeklärt, all das? Ich habe selbst Kinder, das ist natürlich ein Thema. Da muss man sagen, dass mit Sicherheit in seiner Familie, in Eckerts Familie eben nicht die Offenheit herrschte, das zu thematisieren. man vielleicht auch noch nicht damit gerechnet hat, dass es schon Thema ist. Und Elopi sagt auch tatsächlich, dass gerade Kinder, die sehr, sehr früh, sehr reif sind, dass das nicht immer ohne Probleme abläuft. Natürlich jetzt nicht in dem Ausmaß, wie jetzt auch vorgeäckert, aber es beschäftigt die Kinder dann sehr und sie sind dann halt ja alleine, weil sie eben so früh dran sind. Sie sind ja nun mal sonst mit Altersgenossen irgendwie unterwegs in der Gruppe und können sich austauschen. Aber wenn es halt dann so früh ist, dann haben die anderen diese Erlebnisse nicht, haben nicht diese Erfahrung und es gibt halt keinen Austausch darüber. Und das führt halt zu diesem Alleinsein. Okay, welche Rolle spielten da die Haare? Ja, da gab es wahrscheinlich auch ein Stück weit ein Zufall. Also ich hatte ja schon erwähnt, dass er zu seiner Schwester ein sehr, eigentlich ein gutes Verhältnis hatte. Also seine Schwester hatte immer. Auch bewundert und er fand sie schon toll. Er hat auch mal zu Nelopi gesagt, die bewege sich wie eine Katze. Fand sie schon anziehend auch. Hatte die auch so lange Haare? Ja, die hatte so lange dunkle Haare. Er hat schon an anderer Stelle gesagt, seiner Schwester hat ja nie was getan, aber er fand sie auch reizvoll, anziehend. Seine Schwester hatte eben, das ist jetzt auch irgendwie verrückt, das so zu hören, aber die hatte eine Puppe. Eine sehr, sehr große Puppe, so einen Meter lang, bewegliche Arme, bewegliche Beine. und die hatte eigentlich ziemlich die gleichen Haare. Lange, dunkle Haare. Die ähnelten den Haaren seiner Schwester und auch seiner Mutter sehr. Und diese Puppe war bei ihm. Die lag da im Zimmer rum und auf dem Bett rum. Und das fiel zusammen in diese Zeit des sexuellen Reif. Und es muss einen Moment gegeben haben, von dem berichtete er auch, Nedo Peel, dass er an seinem Bett war. Die Puppe lag bäuchlings auf seinem Bett. Und er war so an der Bettkante. Er war erregt und legte sich sozusagen vor diese Puppe. Und im Endeffekt war das auch dann ein Orgasmus, den er da hatte. Sein erster Orgasmus. Der wusste wahrscheinlich gar nicht, wie ihm geschah. Nein, er wusste das gar nicht. Und er hat auch da übrigens gar keinen Austausch gesucht mit den Eltern oder mit der Mutter oder so. Er fand es auch ganz schön. Also er fand das ganz schön. Irgendwie hat ihm Spaß gemacht mit der Puppe. Und das hat er wiederholt. Und mit dieser Wiederholung auch immer in den Haaren gewühlt. Also immer Beuchlings. Er hat das immer beschrieben, die Puppe war immer auf dem Bauch. Also er hat ihr nicht ins Gesicht geschaut, sondern Beuchlings. Und er hat dabei immer in den Haaren gewühlt. Und das wurde auch ein Stück weit. So eine Wiederholung, so ein Skript. Und still für sich, er redet mit niemandem. Und wenn die anderen Jungs anfangen zu prahlen, dann kann er sich nicht austauschen darüber. Und da ist sein Blick rein auf diesen Haaren. Ja, er hat das für sich genossen, in aller Einsamkeit immer wieder erfüllt. Und dann kam noch ein anderer Umstand dazu, den zumindest Nedo Peel auffällig fand, deswegen hat er ihn auch erwähnt. Das war so ein Haarteil der Mutter. Dieses Haarteil der Mutter fand Eckart irgendwie auf dem Dachboden. Das hatte sich die Mutter offenbar abgeschnitten, als er noch kleiner war. Und er kann das auch noch erinnern. Er fand das ganz schlimm, dass seine Mutter diese Haare abschnitt. Da wäre so ein Stück Mutter verloren gegangen. Und dieses Haarteil fand der kleine Volker dann wieder auf dem Dachboden und auch damit befriedigte er sich. So kamen die Gelegenheiten der Haare in sein Leben und in seine Sexualität. Der Blick verengt sich immer mehr, weil das so sein Thema wird. So, genau. Versucht zumindest Nelopiel das zu deuten, er ist vollkommen zu Recht gesagt, das ist kein Mathe, würde Nelopiel auch nicht sagen, dass man es jetzt eindeutig so weiß, aber dass das plausibel ist, erscheint als Erklärung. Genau, und Eckart hat es halt auch so stark betont, dass es so prägend für ihn war. Also deswegen traute sich auch Nelopiel, da gewisse Ableitungen rauszuziehen. Also das heißt, es war wirklich so, dass diese Haare, die Puppe, für ihn eben die entscheidenden Gegenstände waren, während er andere Dinge... Gar nicht interessant fand. Ich habe auch eben gesagt, er wendete die Puppe immer ab, Gesicht war auf dem Bett. Also, was ihn gar nicht interessierte, waren so die normalen anderen Berührungen, die man hatte. Das war sogar eher abstoßend. Gut, wir kennen alle das Gefühl, wenn man irgendwie klein ist und da kommt dann so eine Tante zu Besuch und die gibt einem so einen dicken, feuchten Schmatzer aufs Gesicht, dann ist das jetzt auch vielleicht die Freude nicht riesig. Aber bei ihm war das ein bisschen was anderes. Der ging dann wirklich direkt ins Badezimmer und wusch sich das Gesicht. Das heißt, der war geradezu, der hatte so eine Abscheu gegenüber normalen Körper... Diese normale körperliche Berührung. Genau. Auch bei seiner Freundin, ich hatte ja eben diese Malis erwähnt, auch da, da wollte der gar nicht küssen und so, das mochte er alles gar nicht. Es hatte sich ganz verlagert bei ihm, extrem verlagert auf diese Haare und lange hat es ja auch gereicht mit diesen eben leblosen Gegenständen, aber dann eben nicht immer. Es ist auch viel, so klingt das eine Möglichkeit, um diese Nähe, nach der er sich doch sehnt, auch sexuell sehnt, zu bekommen, aber eigentlich auf Distanz zu bleiben. Genau. Erklärt aber ja noch nicht diese heftige Brutalität. Das ist ja auch noch eine Frage, die sich stellte. Also wir hatten das schon, es wird Teil des Skripts, das Würgen, es ist irgendwie in seiner Logik notwendig, um überhaupt Zugriff auf die Haare zu bekommen. Aber dass es so exzessiv wird, dass er da auch keine Hemmschwelle hat, fand Nido Pil da noch eine Erklärung dafür? Nee, das hat ihn sehr beschäftigt, also weil im Grunde, ja, er hat eine Fehlschaltung, was sozusagen diesen Fetischismus angeht, er hat diesen Sadismus entwickelt, aber damit das alles passieren konnte, was eben passiert war... Musste ja im Grunde gewissermaßen die Bremse im Kopf auch noch ausgefallen sein. Also das, was alle gesunden Menschen haben, irgendwann auch aus Empathie gegenüber anderen Menschen, das eben nicht zu tun. Und das muss ja bei ihm auch komplett ausgefallen sein. Das war ja wirklich, das hat Nelopil auch diese völlige Ungehemmtheit. Völlige Ungehemmtheit hat ihn sehr beschäftigt. Naja, und eine Sache, die Nelopil schon auch in Auftrag gegeben hat, war ein sogenannter Hirnscan. MRT-Röhre, man wird da einmal die Röhre geschoben. Das kriegt man manchmal nicht so auf Knopfdruck fertig. Das heißt, das dauerte ein paar Tage, bis man dann Volker Eckert in so eine Röhre schieben konnte. Es dauerte auch ein paar Tage, bis dann die Befunde da waren. Was kam da raus? Man hatte im vorderen Bereich des Gehirns, im präfrontalen Kortex, das ist gemeinhin wohl der Bereich, in dem wir so Impulskontrolle haben, also verortet ist, da hatte man doch Gewebeveränderungen erkannt. Der ja neurologisch schrieb von vernarbtem Gewebe, was man dort erkennen konnte. Und das hat Nelopil aufhorchen lassen. Weil wenn jetzt ausgerechnet in der Hirnregion, in dem wir im Grunde unsere Impulse auch steuern, Veränderung da ist, dann stellt sich direkt die Frage, was ist denn da passiert? Und man hat auch den Eckart befragt, hatte er denn zum Beispiel eine Hirnhautentzündung als Kind oder gab es andere schwere Erkrankungen, ist er auch vielleicht mal krass auf den Kopf gestürzt oder so. Konnte sich an nichts erinnern, aber es gibt tatsächlich auch so entzündliche Reaktionen im Kopf, die ihnen dann vielleicht gar nicht so bewusst geworden sind. Und tatsächlich hat dann Nelopil die Frage in den Raum geworfen, ob das nicht am Ende auch ein entscheidender Faktor gewesen ist, der erklärt, warum all das möglich war. Und das ist ja eine super spannende Frage. Auch jetzt für das ganze Rechtssystem, auch ein Stück weit für die Rechtsphilosophie, kann es wirklich... Körperliche Vorbedingungen geben, die einen Menschen zum Täter werden lassen. Das war auch übrigens eine Frage, die der Verteidiger dann echt aufnahm. Also der wollte das unbedingt im Verfahren zum Thema machen. Er wollte im Grunde zeigen, ja seht doch mal hin, da konnte mein Mandant gar nicht anders. Da war halt die Bremse nicht mehr da, weil wirklich da die Strukturen im Gehirn nicht mehr ganz funktionieren. Ja, das ist natürlich eine ganz große philosophische Frage. War es der Mörder oder war es das Gehirn des Mörders, das für die Tat verantwortlich ist und was kann dafür dieses Gehirn, wenn eine Entzündung dazu geführt hat, das? Aber man hat natürlich nie die letzten Gewissheiten. Was ist Biologie? Was ist Biografie? Was hat ihn geformt? Ja, das ist also auch für Nelopil, muss man sagen, wenn Nelopil eines mit Bitterkeit sieht, dann ist es, dass im Grunde das Verfahren nie abgeschlossen wurde. Also es gab zwar das klare Vorhaben, diese Frage ins Gericht zu tragen, aber Volker Eckert, hat dann für sich entschieden, nicht vor Gericht landen zu wollen. Nämlich im Sommer 2007, kurz bevor das Verfahren hätte eröffnet werden sollen, da hatte Eckart Geburtstag am 1. Juli. Es war im Grunde auch der Tag, der für ihn wahrscheinlich einmal mehr doch auch traurig war, weil seine Schwester auch nicht aufgetaucht war im Geburtstag. Und das war nun mal seine für ihn wichtigste Person. Seine Schwester hatte sich dann schon nach der Festnahme, nach dem, was dann rauskam, von ihm losgesagt, hat dann auch mit ihm keinen Kontakt mehr gehabt. Und das muss wohl für ihn alles am Ende sozusagen die Aussicht gewesen sein, von der er sagte, das brauche ich jetzt nicht. Und dann hat er in Haft, muss man jetzt so sagen, seinen letzten Strick gebunden und hat sich selbst in Haft erhängt. Und das ist jetzt tatsächlich, jetzt wirklich Perspektive Nedopil, irgendwie eine verpasste Gelegenheit und Chance. Nedopil hätte schon noch Fragen gehabt, er hätte gerne noch weitere Dinge unternommen. Es ging sogar so weit, klingt auch absurd, aber so ist es gewesen. Also Nedopil hat dann irgendwann sehr verspätet erfahren, dass der, also ging wohl einige Tage und Wochen dann ins Lande, bis dann Nedopil erfuhr, dass der sich getötet hatte. Und dann hat Nedopil verzweifelt noch versucht, tatsächlich das Gehirn von Volker Eckert irgendwie sicherzustellen. Also er wollte wirklich einfach dafür sorgen, dass man das Gehirn irgendwie aufbewahrt und im Zweifel der Rechtsmedizin zur Verfügung stellt, weil man dann im Zweifel auch noch eben genau diese Hirnstrukturen irgendwie zum Thema machen kann. Das war aber zu spät. Er war dann auf üblichem Wege wahrscheinlich beerdigt worden und er kam dann nicht mehr ran. Also es kam gar nicht zum Prozess, aber zu welchem Ergebnis wäre Nedopil gekommen bezüglich der Schuldfähigkeit und auch der Gefährlichkeit, ob da eine Chance besteht, dass dieser Mensch jemals wieder freigelassen werden hätte können? Wenn er sich nicht umgebracht hat. Ja, also da war Nedopiel sehr klar. Der hatte auch dann, er musste ja wirklich eine Prozentzahl sagen. Er hat gesagt, 70 bis 80 Prozent Rückfallwahrscheinlichkeit. Das ist schon ein sehr hoher Wert. Da hätte sich wohl ein Gericht auch nicht drüber hinwegsetzen können. Also es war Volker Eckert klar, er wird nicht mehr freikommen. Er wird in die Psychiatrie gehen müssen. Er wird immer eingesperrt bleiben. Das war auch interessant, als die beiden sich trennten, Eckart und Nedopiel, das waren ja anstrengende Tage, die die beiden miteinander erlebt haben, aber auch gute Tage, also für beide Seiten ja, also für Nedopiel super interessant für Eckart eben auch. Erkenntnisreich und am Ende gab man sich noch so die Hand und da hat dann Nedopiel ihm noch die Empfehlung mit auf den Weg gegeben weil ihm klar war, er würde nie befreit werden von diesen, Gedanken, von diesem Trieb dass wenn er sich ein bisschen helfen will, dann sollte er sich chirurgisch kastrieren lassen das wäre womöglich ein instrument sich ein bisschen erleichterung zu schaffen aber klar war nedo pil wird kein gutachten schreiben was ihnen irgendwie noch mal freiheit, Und so war vielleicht auch das ein Grund dafür, für Volker Eckert eben für sich zu entscheiden, dann sich das Leben zu nehmen. Dominik, wir haben jetzt dank deiner Erzählung einiges erfahren, auch was zu lernen war aus diesem Fall für die Wissenschaft. Nachdem du ja, wie du gesagt hast, selber so gehadert hast, ob du dich mit dem Thema auseinandersetzen solltest, hat es sich gelohnt für dich? Was hast du für dich gelernt aus dieser Recherche? Doch, es hat sich dann für mich gelohnt, weil ich wirklich was gelernt habe über, also erstmal habe ich gelernt, wie das scheinbar monströse, böse, was wir immer als etwas bezeichnen, also auch im Grunde als etwas Unerklärliches bezeichnen, doch eben erklärbar wird. Und ja, ich habe schon auch eine Menge gelernt über die Reife, was Sexualität angeht und welche Dinge da eine Rolle spielen, welche vielleicht auch manchmal Zufälle eine Rolle spielen und Und ja, warum es auch wichtig ist, dass wenn die eigenen Kinder älter werden, dass sie nicht alleine bleiben dabei, dass man sie aufklärt. Jetzt bei Volker Eckert waren viele Dinge, die zusammenkamen. Also es wäre jetzt wahrscheinlich ein bisschen zu vereinfacht zu sagen. Man kann sich auf, die Frühe wurde halt nicht aufgeklärt, reduzieren, klar. Aber trotzdem weiß man, wie sensibel diese Phase ist, was da geprägt wird. Und das war mir vorher nicht so bewusst. Ich bin ja immer kein Psychologe. Das habe ich jetzt wirklich durch Nelopil stark gelernt. Und das ist mir sehr hängen geblieben. Also welche nachhaltigen, also man muss ja nicht gleich in einen solchen Fetisch und Sadismus ausarten, aber welche nachhaltigen Schwierigkeiten da entstehen können, wenn man in dieser verletzlichen Phase so ganz auf sich gestellt ist. Das ist wahrscheinlich die verletzlichste Phase, die wir alle durchmachen und die prägendste Phase und wie wichtig das ist, dass man in der Phase nicht alleine ist, weil man sonst auch ganz andere Probleme davon tragen kann. Wir sind am Ende angelangt. Liebe Hörerinnen und Hörer, wenn ihr neugierig seid und vielleicht lesen möchtet, wie Dominik diesen bitteren, aber eben auch lehrreichen Fall aufgeschrieben hat, ihr findet den Link zu seiner Geschichte in der Folgenbeschreibung. Auf dieser Seite könnt ihr dann unter anderem auch das Bild sehen, das Volker Eckert bei Nedopil zu deuten hatte und schauen, was euch vielleicht dazu einfällt. Unter stern.de slash crime findet ihr übrigens dann auch nicht nur diese Geschichte, sondern hunderte andere Stern-Crime-Texte, exklusive Podcast-Folgen, spannende Experteninterviews, also Geschichten, die unter die Haut gehen, nachdenklich machen. Ich kann euch wirklich empfehlen, das mal anzuschauen und zu testen. Und jetzt sage ich Tschüss und hoffe, dass ihr beim nächsten Mal in zwei Wochen wieder dabei seid, wenn es um einen Fall geht, der nicht ganz so heftig ist wie dieser, aber hoffentlich nicht minder berühren. Ja, und vor allem sage ich jetzt zum Abschluss, vielen, vielen Dank, Dominik, dass du beim ersten Mal hier Gast warst. Danke, Dominik. Danke dir.