Auf einem abgelegenen Hof leben zwei Männer. Ihre Freundschaft ist mehr als nur toxisch. Sie ist tödlich. Ich bin Bernd Volland und das ist Spurensuche, der Podcast von SternCrime. Liebe Hörerinnen und Hörer, willkommen zu einer neuen Folge unseres Podcasts. Es geht heute um einen Fall, der, wie man so schön sagt, auf dem flachen Land spielt. In den USA würde man fast an den alten, wilden Westen denken. Es geht um zwei Männer und ihre toxische Beziehung zueinander. Und es geht um mehr als nur einen Mord. Und darüber spreche ich mit dem Autor, der diesen Fall für Sterncrime recherchiert hat und vielen auch als Host unseres sehr erfolgreichen Podcasts Luchterhand bekannt ist. Mittlerweile ist er Blattmacher unseres Heftes. Es ist Matthias Bollsinger. Hallo Matthias. Hi Bernd. Matthias, kann man sagen, dass dieser Fall einer der heftigeren war, mit denen du dich bislang beschäftigt hast? Und mittlerweile sind es ja schon einige, die du hattest. Ja, das kann man schon sagen. Ich habe mich ja für diese Aufnahme noch mal intensiver damit beschäftigt und da ist mir auch noch mal aufgefallen, mit welcher Kaltblütigkeit wir hier zu tun haben. Und ja, das war mit Sicherheit eine der härtesten Geschichten, die ich recherchiert habe für Stein Crime. Es gibt eine Szene aus deiner Geschichte, die ich besonders perfide fand und die eben auch diese Kaltblütigkeit besonders stark rüberbringt. Da sitzen zwei Männer mit einem dritten Mann zusammen, ein paar Leute sitzen glaube ich noch daneben, spielen aber jetzt für die Geschichte gar nicht die Rolle. Und diese beiden Männer schreiben sich SMS. Beschreib mal den Moment. Also wir befinden uns in dieser Szene an einem Sommerabend. Wir haben den 26. August 2017 und wir befinden uns auf einem abgelegenen, bisschen in die Jahre gekommenen Hof in Hille. Das liegt in Ostwestfalen in der Nähe von Minden. Auf diesem Hof, wie du gesagt hast, sitzen ein paar Leute zusammen vor so einer Gartenhütte. Das ist ein schöner Abend. Es wird getrunken, es wird gelacht. Die drei Männer, die uns hier interessieren, sind zum einen Karl Pannhorst. Das ist ein Mann Anfang 50, zwei Meter Hühne, der Hausherr sozusagen, dem der Hof gehört. Der zweite Mann ist der Patensohn von deiner Frau. Der heißt Tim Niemeyer, so ein junger Typ, bisschen kräftig mit einem jungenhaften Gesicht. Diese beiden Namen haben wir geändert. Und der dritte Mann, der dort sitzt, ist Jochen Kleine. Das ist ein Mann, der 64 war damals, der auf dem Hof arbeitet, so ein gemütlicher Typ mit Bart. Wie gesagt, die sitzen dort, trinken, haben einen netten Abend. Aber während die diesen netten Abend haben, schreiben sich dieser Karl Pannhorst, der Hausherr, und dieser junge Tim Niemeyer SMS. Ich konnte diese SMS einsehen und lese einfach mal kurz vor. Da schreibt also Karl Pannhorst um 20.17 Uhr, müssen noch etwas warten. In derselben Minute antwortet Tim Niemeyer, warum? Wir machen das schon. Also man merkt schon, die haben was vor. Ja und ein paar Tage später schreiben sie sich wieder SMS, die schon ein bisschen vielsagender sind. Genau, einige Tage später schreiben sie sich wieder SMS und da schreibt der eine, morgen buddeln, Smiley. Und der andere antwortet, klar, Smiley. Die Polizei wird später dann herausfinden, was sie da wirklich verbuddelt haben. Ja, wir wollen noch nicht zu sehr vorgereifen, aber die Polizei wird echt ein übles Setting entdecken. Also nicht nur, was sie dort verbuddelt haben, mit lustigen Smilies geschrieben, sondern sie werden vor Ort ein vor Blut triefendes Messer in einem Balken finden, das da wie so eine Trophäe reingerammt wurde. Also es ist echt heftig. Aber lass uns mal an den Anfang gehen. Du hast schon gesagt, ein Hof in Hille. Erzähl mal ein bisschen mehr zu diesem Hof. Wo ist das? Wie schaut es dort aus? Die Region ist Ostwestfalen. Das ist eine relativ flache Gegend. Der Ort, wo wir sind, das liegt auch außerhalb von Hille. Ein Teil davon ist nur so eine Handvoll Häuser und dieser Hof. Die ganze Gegend, muss man sich so ein bisschen vorstellen, ist eher landwirtschaftlich geprägt von ganz vielen weiten Feldern, unterbrochen nur von so ein paar Wäldchen. Ganz in der Nähe gibt es auch noch so ein Moor. Also wenn man dort ist, da geht der Blick so richtig in die Weite. Dieser Hof, man muss sich das so vorstellen, der liegt direkt an so einer Landstraße. Und eigentlich, wenn man da diese Landstraße entlangfährt, fährt man da einfach vorbei. Mit Tempo 70, wie so ein kleines verborgenes Reich, so ein bisschen hinter so Hecken, hinter Bäumen. Und an diesem Ort, da spielt diese Geschichte, die wir da heute erzählen. Lass uns als erstes mal über die beiden Männer reden, die sich da SMS geschrieben haben. Und du hast vorgeschlagen, dass wir uns einen Song anhören, der so ein bisschen einen Schlüssel zu dem Fall oder zumindest auch zu einem dieser beiden Männer liefert. Und den spiele ich mal ein. Was ist das für ein Lied, das wir da gerade gehört haben? Also dieser Song, der nennt sich The Ballad of the Green Beret. Die Ballade der Green Beret. Die Green Beret, das ist so eine Spezialeinheit, eine alte Spezialeinheit der amerikanischen Armee. Dieser Song ist deshalb für diese Geschichte, glaube ich, so ein Schlüssel, weil es ein Song war, der einem der Männer, nämlich Karl Pannhorst, diesem Hausherrn auf dem Hof, besonders gut gefallen hat. Den hat er immer wieder gesungen, wenn er mal getrunken hat, dann hat er geschmettert. Ich finde ihn deshalb besonders interessant, weil es so einen kleinen Einblick gibt in diese Gedankenwelt und Wertewelt, die in dieser Geschichte noch wichtig wird. Kameradschaft, Loyalität, Härte, Männlichkeit. Also in diesem Song geht es ja um Soldaten, die aus der Luft springen, furchtlose Männer, die in den Tod gehen, Männer, die einfach sagen, was sie denken. Das ist so ein Mann, ein Wort, Kameradschaft. Die tun, was sie sagen. Ja, also das ist so eine ganz bestimmte Form von soldatischer Männlichkeit, die da zum Vorschein kommt. Wir werden im Laufe dieses Podcast glaube ich noch merken, warum dieser Song so viel über diesen Fall auch erzählt. Erzähl uns mal mehr über diesen Karl Pannhorst. Wer ist er? Was ich über diesen Karl Pannhorst rausfinden konnte, war, dass er ursprünglich aus dem Ruhrpott kommt, der kommt aus Duisburg, ist da wohl auch in finanziell relativ stabilen Verhältnissen aufgewachsen. Die Mutter ist allerdings früh gestorben, er hat die Hauptschule absolviert, eine Lehre gemacht, Grundwehrdienst, war auch zwischenzeitlich Soldat und ist da aber ausgeschieden und war dann auch wohl bei der Fremdenlegion. Hat sich danach so ein bisschen von Job zu Job gehangelt, es wirkte so ein bisschen wie so ein instabiles Leben. Er war Hilfsarbeiter, Fahrradverkäufer. Also so eine Mischung aus Krieger und Lebenskünstler. So kann man so sagen, war mein Eindruck, ja. Und er hat dann eine Frau kennengelernt, die wir Gerda nennen, die hatte eine besondere Leidenschaft, nämlich Pferde. Die haben dann gemeinsam auf einem Reiterhof bei Duisburg gewohnt, den sie auch gepachtet hatten. Und der große Traum der beiden war ein eigener Hof. Und sie haben halt nach Höfen gesucht, die sie halt kaufen konnten und kamen dann auf diesen einen Hof in der Nähe von Hille. Und den haben sie gekauft und sind dort eines Tages mit zehn Pferden, fünf Katzen und drei Hunden eingezogen. Also erstmal eine romantische Geschichte. Genau, es war natürlich aber auch ein Geschäft, sie wollten damit sich auch ihr Leben finanzieren. Also die Idee war, dass man zum Beispiel mit Reitbeteiligung da Geld macht. Also Leute konnten sozusagen Geld dafür bezahlen, dass sie da auf Pferden reiten können zum Beispiel. Wahrscheinlich auch ein hartes Brot, ne? Mit Sicherheit. Das wird sich auch später noch zeigen, dass es dann doch möglicherweise härter war, als sie sich das vorgestellt hatten. Und ihr hattet also diese kriegerische Vergangenheit. Zwei Meter groß, so ein richtiger Hühner und schien auch so im Auftreten recht. Ja, es war ein zwei Meter großer Mann, grauen Bart, Glatze, war schon ein ziemlich kantiger Typ. Und nach allem, was ich so jetzt rausfinden konnte damals, war er auch jemand, den die Nachbarn schon immer so ein bisschen sonderbar fanden. Also im Dorf sollen wohl Gerüchte kursiert sein, dass er mit einem Revolver oder einem Messer unter dem Kissen schläft und nachts durch die Gegend patrouilliert. Man hat sich irgendwie erzählt, dass er da Überwachungskameras auf dem Hof montiert hat, angeblich, weil er immer wieder bestohlen worden sei. Aber er kam in gewisser Weise auch gut mit den Nachbarn aus. Und er galt so ein bisschen so als Macher und Malocher. Also er war schon auch leutselig. Mit Überwachungskamera, da kann man sich ja auch so einen schuldigen Typen vorstellen, der sich da einigelt und mit niemandem was zu tun haben will. Aber der war schon eigentlich leutselig. Ja, er hat ja auch Leuten offenbar bei handwerklichen Arbeiten geholfen. Hat irgendwie so denen den Beton auf ihren Baustellen angemischt, ihnen mal den Rasenmäher ausgeliehen. Also es war schon auch jemand, der sich irgendwie in gewisser Weise da integrieren konnte. in die Gemeinschaft. Dazu kam, dass er zum Beispiel halt auch irgendwie offenbar seine empathischen Seiten hatte, von außen betrachtet, weil er sich zum Beispiel um so einen einsamen, kranken Nachbar gekümmert hat, der in der Nähe gewohnt hat und er hat sich da offenbar sehr viel Zeit genommen für den. Und die Geschichte, dass er da ein Messer, was war es, ein Messer oder sein Colt unterm Kopfkissen hat, die kam aber auch nicht aus dem Nichts. Er war ja selber auch ein starker Geschichtenerzähler, hast du geschrieben. Was hat er da so für Storys erzählt? Ja, offenbar hat dieser Karl Pannhorst sehr häufig Leuten von seiner Zeit bei der Fremdenlegion erzählt, dass er sich zu seinen Kameraden hat durchschlagen müssen, Geschichten darüber, wie er irgendwo hinter feindlichen Linien abgesprungen sei, von einem Koffer voller Geheimkoordinaten, der versteckt im Wald war, Regierungsmissionen, Mordaufträgen. Er hat wohl erzählt, dass er bei der Fremdlegion gelernt habe zu töten und wie man Menschen verschwinden lässt. Und hat wohl auch so Sachen erzählt wie, wenn man mit einem Messer durch den Brustkorb bringen will, muss man ganz fest zustechen. Aber wenn man mit dem abends bei einem Bierchen zusammensaß, unter Jungs sozusagen, wurde einem wahrscheinlich nicht langweilig mit seinen Geschichten. Mit Sicherheit nicht. Ja, lass uns zum zweiten SMS-Schreiber gehen, dem Jüngeren, den du in deinem Text Tim Niemeyer nennst. Erstmal, was hat er mit Pannhorst zu tun? Ganz grundsätzlich ist dieser Tim Niemeyer auch in Duisburg aufgewachsen, auch in derselben Gegend wie Karl Pannhorst. Und die haben sich ja kennengelernt, weil sie halt über die Familien, die sich kannten, immer wieder auch auf dem gepachteten Hof bei Duisburg aufgehalten. Also die Eltern, seine Eltern waren ja mit dem Pannhorst befreundet. Genau, richtig, die kannten einander. Dieser Tim ist in Duisburg aufgewachsen, ist so ein junger Mann, der schon als Kind auch ein bisschen Schwierigkeiten im Kindergarten, in der Schule hatte. Das heißt, dass ADHS hatte, ein bisschen hebelig war, unruhig, hat seinen Realschulabschluss gemacht und hat auf mich so bei dem, was ich irgendwie über ihn rausfinden konnte, erstmal wie so ein ganz braver, behüteter Junge gewirkt. Also hatte relativ brave Hobbys, wie der hat eine katholische Jugendgruppe geleitet, da irgendwie eine Kinderdisco organisiert, Bibelspieltage im Kloster und der hatte halt auch eine ganz große Leidenschaft, nämlich Feuerwehr. Und dadurch ist er dann selber auch zur Feuerwehr gegangen, zu Freiwilligen und hat halt einfach die ganzen prägenden Erfahrungen da gemacht, die man glaube ich als Feuerwehrmann irgendwie machen kann. Also Leben retten, Menschen bei der Geburt sehen, Menschen sterben sehen. Das hat ihn wohl sehr geprägt. Also er war eigentlich aber auch dann sozial engagiert, aber so dieses Thema Heldentum schwirrt auch da schon rum bei ihm. Exakt, exakt. Also er wird auch später über sich sagen, ich mag es, wenn ich jemandem helfen kann. Dieses Motiv, ich werde gebraucht und ich kann helfen, das ist für ihn, glaube ich, schon in frühen Jahren sehr stark und sehr prägend. Sein Elternhaus ist eigentlich, wie gesagt, stabil gewesen. Es hat ihm an nichts gefehlt, so in gewisser Weise. Und doch war da irgendwie so eine Lücke, die er offenbar gespürt hat, nämlich er wollte eigentlich gern schon als Erwachsener gesehen werden. Das hat er offenbar nicht bei seinen Eltern bekommen, sondern auf diesem Hof bei Duisburg bei Karl Pannhorst. Den Eltern war das ja dann irgendwann Suspekt, hast du geschrieben. Später hieß es wohl, dass sie immer wieder auch gesagt haben, er soll nicht so viel bei denen rumhängen. Die scheinen schon so ein bisschen so ein ungutes Gefühl dabei zu haben. Aber das war diesem Tim, egal, der hat das offenbar geliebt bei diesem Karl Pannhorst und bei seiner Frau irgendwie abzuhängen. Der hat die auch später, als sie dann schon in Hille waren, immer wieder besucht. Und der war offenbar fasziniert von diesem Karl Parnhorst, von diesem Mann. Er durfte, wenn er dort war, halt auch rauchen. Es gibt die Story, die er wohl stolz später erzählte, dass er da seinen ersten Pernod getrunken hat, also einen Anisschnaps. Es war wie so ein Initiationsritus. Da ist er irgendwie so ein bisschen zum ersten Mal vielleicht als echter Mann, erwachsener Mann wahrgenommen worden. Und hat sich die Heldengeschichten wahrscheinlich auch angehört. Und hat sich diese Heldengeschichten angehört und ich kann mir sehr gut vorstellen, dass er extrem beeindruckt war von diesem Soldaten, der sich so für ihn interessiert hat, der mit ihm befreundet war, der mit ihm Zeit verbracht hat. Dieser Karl Pannhorst wurde für ihn auch sowas wie so ein Ziehvater. Möglicherweise hat das auch dazu beigetragen, wie er sein Berufsleben sozusagen weitergeführt hat. Mit 22 hat er sich bei der Bundeswehr verpflichtet, hat dann auf der Kaserne gewohnt, ist aber 2017 dann zu den Pannhorsts auf diesen Hof nach Hille gezogen. Das heißt, er hatte da auch sein Zimmer und kam dann an den Wochenenden immer wieder vorbei und es gibt die Erzählung, dass er immer wieder halt dann auch mit dem Bier gleich empfangen wurde und man hat getrunken auf dem Hof am Wochenende. Es war wohl so ein Männerbubble, in der sich beide irgendwie extrem wohl gefühlt haben. Ich hatte auch bei der Recherche noch weitere SMS-Nachrichten zwischen den beiden lesen können. Ich kann dir mal irgendwie vorlesen, was die beiden sich so geschrieben haben. Auch aus dem Jahr 2017, wo sie zueinander gezogen sind, beziehungsweise wo Tim Niemeyer auf den Hof gezogen ist. Da schreibt dann der Karl, Prost aus Hille, dein Papa. Und der Tim schreibt zurück, Gruß von deinem Sohn zurück, La Familia. Und der Karl schreibt, auf ewig, einer für alle. Und dann kommt die Antwort, und alle für einen. Jawohl, auf ewig, bis in den Tod. Also es gibt schon so einen Einblick in diese verschworene Männerfreundschaft, die die beiden da stehen. Aber da sind sie auch einmal durch alle Männerstereotype durchmarschiert, von der Mafia über die Musketiere bis zum Heldentod. Ja, aber ich glaube, da gab es keine ironische Brechung. Ich glaube, das war für die beiden wirklich so diese Welt, die sich beide aufgebaut haben. Ich würde, glaube ich, gerne nochmal eine Stelle aus dem Gerichtsurteil vorlesen, wo es genau darum geht, wo die Kammer bete auf die psychiatrischen Begutachtungen von Tim Niemeyer und Karl Pannhorst eingeht. Dadurch, dass gerade der Angeklagte Niemeyer für die beschriebene Pose, die der Angeklagte Panhorst Zeit seines Lebens eingenommen hatte, sehr empfänglich war und versuchte sie nachzuahmen. Kam eine Dynamik in Gang, der zumindest bei Niemeyer mit reichlich Alkohol nachgeholfen wurde. Zwei Schwache bestärken sich gegenseitig in der Pose des starken, gefährlichen Machers, der zu allem in der Lage und zur Lösung seiner Probleme zu allem fähig ist. So lange, bis sie tatsächlich zur Lösung geringerer Probleme bereit und fähig wurden, über Leichen zu gehen. Also ganz vereinfacht gesagt, da ist so ein älterer Mann, der irgendwie großspurig auftritt und nach Anerkennung sucht. Und auf der anderen Seite ist da so ein junger Mann, der Sehnsucht hat nach einer Männerfreundschaft, in der es um Loyalität geht, in der man zueinander steht, egal was passiert. Und diese beiden Männer haben sich auf diesem abgelegenen Hof da so eine gemeinsame Bubble erschaffen, in der sie sich fühlen wie so zwei verschworene Soldaten im Krieg gegen den Rest der Welt. Die sich auf so eine Art gegenseitig zujubeln, bis sie selber glauben, dass sie sind, wer sie gerne wären. Ganz offenbar. Ja, wir sind mit drei Leuten eingestiegen in dieser gemütlichen Szene vor dem Gartenhaus. Wer ist der Dritte, der mit diesem unheilvollen Paar am Tisch sitzt, das sich heimlich SMS schreibt? Wer ist Jochen Kleine? Das Name übrigens der richtige Name ist, das müssen wir auch noch dazu sagen. Genau, dieser dritte Mann heißt Jochen Kleine, der damals vor dieser Hütte sitzt in diesem Abend im August 2017. 17 und das ist ein Mann, der ja kurz gesagt seit ungefähr drei Jahren auf dem Hof lebt und dort arbeitet. Du hast ja seine Schwester gesprochen. Die hat dir, glaube ich, sehr geholfen, ihm auch so ein bisschen näher zu kommen. Erzähl mal ein bisschen davon. Ich konnte für diese Recherche mit Jochen Kleines Schwester Renate Kleine sprechen. Ich durfte sie besuchen bei ihr zu Hause und sie hat bereit mir so ein bisschen was über ihren Bruder zu erzählen. Das war total wertvoll für mich, um ihn als Menschen mal so ein bisschen näher kennenzulernen. Sie hat mir den Jochen als ziemlich in sich gekehrten, sensiblen Mann beschrieben, der, ja, wenn man so will, nicht viel gebraucht hat, um glücklich zu sein. Also in der Natur sein, Ruhe, eine Zigarette rauchen, ein Bierchen trinken. Das war für ihn so die Dinge, die ihn im Leben glücklich gemacht haben. Sie hat mir auch gesagt, ich erinnere mich noch dran, der konnte sich auch einfach mal in den Wald setzen und entspannen. Das hat ihn glücklich gemacht. Sie hat mir auch Bilder von ihm gezeigt, ich habe mit ihr alte Fotos von ihm angeschaut und naja, also wenn man so ihn auf den Fotos gesehen hat, hat man so gemerkt, das ist so ein vielleicht ein bisschen schüchterner, in sich gekehrter, ruhiger Mann gewesen, kein extrovertierter Typ, eine Leidenschaft für Motorräder gehabt, da gerne dran rumgewerkelt, ist damit über die Landstraßen gebrettert. Ich meine, wenn man Motorrad fährt, da weiß man. Du bist Motorradfahrer, ne? Genau, ich habe auch einen Motorrad und ich meine, jeder andere, der Motorrad fährt, der weiß es ja auch, wenn man so irgendwie durchs Land fährt und so ein bisschen in dem Sommer die Felder riecht und das Vibrieren das Motorrad spürt. Das sind so kleine Dinge, da ist man so richtig im Moment, da ist man happy drin und ich glaube, so ging das irgendwie diesem Jochen Kleine auch damals. Das ist ein richtiges Landkind, oder? So habe ich das verstanden. Auf dem Bauernhof sind die auch aufgewachsen, so ganz einfach, auch in der Gegend, glaube ich, oder? Ungefähr in der Gegend, genau. Er ist mit seiner Schwester auf einem Hof aufgewachsen. Da gab es Kühe, Schweine, Hühner. Da hat man Kartoffeln angebaut. Die mussten auf den Feldern helfen. Und dieser Jochen Klein ist auch immer in dieser Welt mehr oder weniger geblieben. Der war zwar mal kurz bei der Marine, aber ist dann wieder zurückgekommen und hat dann in der Landwirtschaft gearbeitet. Hat da zum Beispiel die landwirtschaftlichen Geräte gewartet. So ein Schrauber war der. Genau, genau. Er war aber auch so ein bisschen, war mein Gefühl, bei dem, was ich über ihn gehört habe, so ein bisschen auch so ein einsamer, verlorener Mensch im Leben. Also seine Schwester Renate und er, also das war jetzt nicht die allerengste innige Geschwisterbeziehung, glaube ich, aber sie war trotzdem für ihn so eine Art Anker im Leben. Der konnte immer wieder zu ihr kommen auf einen Kaffee. Sie konnte miteinander reden. Sie hat sich um ihn gekümmert. Ich glaube, sie war schon eine sehr wichtige Person für ihn im Leben. Also er ist da so ein bisschen durchgetrieben durch die Welt. Ja. Und was hat ihn dann nach Hille getrieben? Also der hat ja auch eine Weile lang in einem Wohnwagen erstmal nur gelebt, ging dann von dort aus zur Arbeit und irgendwann konnte er aber nicht mehr in diesem Wohnwagen leben. Der hatte wohl eine schwere Entzündung an seiner rechten Hand, im kleinen Finger und die war wohl so... Dass dieser Finger amputiert werden musste. Und die Ärzte haben wohl zu ihm gesagt, Herr Kleiner, Sie brauchen eine richtige Wohnung. Sie können nicht in diesem Wohnwagen weiterleben. Er hat dann auch ein Zimmer gefunden, nämlich als Untermieter bei einem Mann außerhalb von Hille. Das war so ein bisschen einsamer, ebenfalls einsamer Mann. Der hat in so einem Klinkerhaus gelebt mit so einer Scheune. Der war alleinstehend zu der Zeit. Da war also Platz. Da hat er ein Zimmer bekommen. Und als Jochen Kleiner da gelebt hat, war daneben dran auch so ein Pferdehof. Und dieser Pferdehof, der hat Karl Pannhorst gehört. Und dort im Haus des einsamen Mannes sitzt jetzt Jochen Kleiner und versucht zu gesunden. Wie er dann auf den Nachbarhof kam, hat dir seine Schwester auch erzählt. Und du hast uns die Aufnahmen von damals mitgebracht. Renate Kleine hat uns erlaubt, daraus Stellen zu veröffentlichen. Die Aufnahme hast du damals mit dem Handy gemacht. Darum ist die Qualität nicht perfekt, aber man bekommt einfach echt ein gutes Gespür für diese Frau und irgendwie auch für ihren Bruder. Und jetzt erzählt sie uns mal, wie es sich eben ergab, dass ihr Bruder zu Karl Pannhorst zog. Hat er mich abgeholt, da habe ich ihm immer noch die Haare geschnitten und da hat er noch einen Kaffel gemacht. Und dann stand er da und hat da immer rüber geguckt. Und dann sagt er, da will ich hin. Ich sage, wie kommst du da drauf? Ja, da ist wirklich Leben, da sind Tiere, da sind Kinder, da ist immer was los. Wann zog er dorthin? Das war ungefähr im Jahr 2014. Wie war dann seine Rolle dort auf dem Hof? Seine Rolle war, dass er dort Stelle ausgemistet hat, dass er so eine kleine Schlosserei hatte, in der er so ein bisschen rumwerkeln konnte. Er hat von den Panhorsts ein Zimmer bekommen und Essen. Offenbar kein Geld, das hat er jedenfalls vom Staat bekommen, so ungefähr 600 Euro monatlich. Ja, was er so halt an Geld zurücklegen konnte, hat er sich dann auf seinem Zimmer in so eine kleine blaue Geldkassette gelegt. Der hatte nämlich einen Traum, auf den er gespart hat. Er war ja Motorrad-Fan und er wollte unbedingt so ein Oldtimer-Motorrad von Yamaha. Wahnsinnig eigenes Leben, das die dort führen. Das fand ich auch, macht einen Aspekt dieser Geschichte. Neben der Bösartigkeit, zu der wir jetzt bald kommen, die sie ja schon andeutet, dieses eigenständige Leben, der kommt da mit ganz wenig aus, diesem Landleben, diese Freiheit. Aber wir kommen jetzt auch zur Schattenseite des Ganzen. Der Richter sprach von über Leichengehen. Das hatte keine ironische Brechung, das war wörtlich gemeint. Wie es nun anfing mit den Leichen und das ist plural. Wer ist der Erste? Der erste Mensch, der in der Nachbarschaft verschwindet, den nennen wir hier Heinrich Nollte. Der heißt eigentlich anders. Und dieser Heinrich Nollte ist genau dieser einsame Mann, bei dem Jochen Kleine eine Zeit lang vorher zur Untermiete gelebt hat. Zur Erinnerung, dieses Klinkerhaus mit der Scheune. Dieser Nollte ist so ein alter, gebrechlicher Mann, Anfang 70. Man muss sich das vorstellen, dem geht es wirklich ganz schlecht. Er hat wohl einen Blasenkatheter zu der Zeit getragen, kam kaum vom Fleck, war ziemlich alkoholkrank offenbar nach allem, was man weiß. Also, das findet sich auch im Gerichtsurteil, dass er wohl seine Frau im Suff fortgejagt haben soll. Dieses Trinken hat ihn offenbar auch in dieser Nachbarschaft verletzt. Zu einem Außenseiter gemacht. Da wollte wohl niemand mehr wirklich mit ihm was zu tun haben. Niemand außer dieser Karl Pannhorst, dieser Nachbar vom Pferdehof, der sich um diesen Heinrich Nollte gekümmert hat. Die hatten sich wohl über die Jahre angefreundet. Und dieser Heinrich Nollte ist manchmal dann zum Kaffeetrinken auf den Hof gekommen. Der Pannhorst kam manchmal bei ihm in diesem Klinkehaus vorbei, hat ihm Essen gebracht, hat die Katzen gefüttert, hat ihn mal ins Krankenhaus gebracht, wenn er da hin musste. Und angeblich, es gibt so zwei Geschichten, Die eine Geschichte geht so, dass er den Heinrich Nollte gefunden haben soll, als der sich mit Tabletten umbringen wollte. Und ein anderes Mal soll dieser Karl Pannhorst den Nollte im Haus aufgefunden haben, als der Nollte das Gas dort aufgedreht hatte. Ob das jetzt alles so stimmt, weiß ich nicht. Aber sicher ist jedenfalls, dass dieser alte, kranke Mann Karl Pannhorst sehr dankbar war und ihm nicht nur eine Kontovollmacht gegeben hat, sondern ihn sogar als Erbe für sein Haus eingesetzt hat. Weil er auch der Einzige war noch in seinem Leben dann offenbar. Irgendwann im Jahr 2017, da wundern sich die Leute so ein bisschen, warum man diesen Heinrich Nollte irgendwie so gar nicht mehr sieht. Und die fragen dann natürlich den Karl Pannhorst, weil das ja die Bezugsperson ist, was denn da los ist. Ja, der Pannhorst sagt einfach, ja, der ist auf Entzugskur und danach geht er ins Altersheim. Und was ist wirklich passiert? Also dazu muss man sagen, es ist nicht zu 100% klar. Und dazu gibt es natürlich auch später dann unterschiedliche Aussagen. Wir halten uns jetzt hier an das, was das Gericht später anhand von Aussagen und anderen Indizien in der Beweisaufnahme festgestellt hat. An einem Abend Anfang August, da besuchen... Karl Pannhorst und Tim Niemeyer offenbar diesen alten Mann Heinrich Nollte. Der Nollte macht die Tür auf, die Männer gehen ins Haus, erst in die Küche, dann in den Flur. Als Heinrich Nollte am Absatz der Kellertreppe oben steht, da stößt ihn Pannhorst auf einmal runter. Nollte fällt die Treppen runter, liegt unten auf dem Boden. Pannhorst geht ihm hinterher und nimmt sich dort einen roten Ziegelstein, der da liegt. Und mit dem trischt er ihn offenbar drei bis vier Mal ins Gesicht. Dann schlägt er ihn, tritt ihn auf den Brustkorb. Offenbar wirkt er ihn mehrere Minuten. Laut Gerichtsurteil dauert es 10 bis 20 Minuten, bis der neunte Tod war. Da steht auch, Zitat, der Tod trat quälend langsam ein. Und die Männer haben diesen Heinrich Nolten erstmal einfach im Keller liegen gelassen. Also unfassbar brutal auch Ermorde. Das muss man ja erstmal aushalten können, dann 20 Minuten den Menschen dort liegen zu haben, ihn so lange zu würgen. Warum hat er das gemacht? Was war das Motiv dahinter? Das Gericht wird später annehmen, dass es zum einen an den Geldproblemen lag, die Karl Pannhorst offenbar hatte. Dazu muss man wissen, der Hof hat offenbar nicht genügend Geld abgeworfen. Pannhorst hatte offenbar Schulden bei diversen Leuten. Der hat einem Nachbar zum Beispiel über 4000 Euro geschuldet, seine Kreditkarte war gesperrt. Und dann war da natürlich so eine Art Ausweg daraus, nämlich dadurch, dass er sich um diesen Heinrich Nollte gekümmert hatte, hatte er die Konto vollmacht. Er hatte ja auch schon Bankgänge für Nollte erledigt, wusste also, wie man da irgendwie an dessen Geld kommt. Ja und eben die Tatsache, dass Heinrich Nold ihn als Erben für dieses Haus eingesetzt hatte und könnte das irgendwie ein Grund gewesen sein zu sagen, das ist mein einfacher Ausweg aus meiner Geldnot und ich muss da sozusagen über eine Leiche gehen, um das zu lösen, um dieses Problem zu lösen. Und dafür spricht, für dieses Motiv, dass Karl Pannhorst in den Wochen nach diesem Mord zum Beispiel knapp 9000 Euro von Noltes Konto abgehoben hat. Relativ kurz danach beginnt er auch mit Tim Niemeyer zusammen, das Haus von Nolte zu renovieren. Was war denn Niemeyers Rolle bei der Tat? Du sagtest, sie gingen beide rein, aber gestoßen hat Pannhorst? Ja, wenn man dem Gericht glaubt. Dann ist Tim Niemeyer damals mehr oder weniger noch unbeteiligt daneben gestanden. Als Panhorst den Mord begangen hat. Zumindest konnte man Tim Niemeyer jetzt keine Beteiligung daran nachweisen. Aber natürlich hat er auch unmittelbar davon profitiert. Er hat es nicht angezeigt, er ist nicht dazwischen gegangen, nix. Das auf jeden Fall. Und er hat abgesehen davon auch unmittelbar profitiert. Er sollte nämlich dann danach in Neuters Haus einziehen. Zumindest war das der Plan. Und das soll ihm Panhorst wohl so versprochen haben. Das geht aus mehreren Nachrichten auch hervor, die sich geschrieben haben, beziehungsweise die auch Tim Niemeyer und andere Leute geschrieben hat. Und er hat dich gehalten dann? Er hat dich gehalten. Er hat, ja, das muss man sagen, er hat sich da zum ersten Mal in einer sehr extremen Situation, eine wahnsinnig extreme Situation, als loyal gezeigt. Wir erinnern uns wieder an die Motive von Anfang der Folge. Männer, die zusammenhalten, Männer, die gemeinsam krasse Sachen durchstehen. Also daneben zu stehen und dicht zu halten, sowas auszuhalten und für seinen Ziehvater zu schweigen, das ist schon krass. Und es ist auch nicht ausgeschlossen, dass er vielleicht ja doch vorher auch schon sogar eingeweiht gewesen war. Es ist zumindest nicht nachzuweisen. Ja klar, es ist spekulativ, aber gleichzeitig geht er mit ihm da gemeinsam rüber und kommt spontan auf die Idee, ihn die Treppe runterzustoßen oder ist das nicht so ein bisschen geplant dann schon? Und die Legende vom Umzug ins Heim, die glaubt jeder. Also ich glaube, es hat niemanden wirklich so, Tief beschäftigt. Also wenn es so gewesen wäre, dass die Leute sich extrem damit beschäftigt hätten und diesen Heinrich Nollte sehr vermisst hätten, wenn man mal ehrlich sein, dann wäre das ja auch irgendwann aufgeführt. Wo kann ich ihn anrufen? Kann ich ihm meinen Brief schreiben? Das wäre dann passiert. Das ist ja in gewisser Weise auch irgendwie so ein Trauergesteteil in dieser Geschichte, weil diese Verbrechen, die wir jetzt auch noch schildern werden, die jetzt noch kommen, die auch deswegen passieren konnten, weil dieses erste Opfer in dieser Geschichte lange gar nicht vermisst wurde. Und das ist, finde ich, schon auch so, das hat mich auch sehr bedrückt an dieser Geschichte, muss ich sagen. Wir sind jetzt im Sommer 2017. Der erste Mord ist geschehen und Jochen Kleine ahnt nicht nur nichts, sondern der ist richtig happy auf diesem Hof. Das hat dir nämlich seine Schwester auch erzählt und das spüren wir jetzt ein. Das kenne ich gar nicht mal so. Die haben ihn wohl daher richtig schmackhaft gemacht oder so. Da war ja immer Geldnot. Und er kriegte dann ja auch Rente. Dann hat er für das Zimmer bezahlt und Essen und Trinken da, hat er dann auch mitgeholfen. Er war ja auch nicht blöd, konnte ja auch irgendwie alles. Aber ich glaube, die haben den auch richtig ausgenutzt. Aber er war immer gut gestellt, wenn er hier ankam. Ich habe nie bemerkt, dass er irgendwie bedrückt oder betriebt war. Irgendwie war der in sich angekommen. Der war da richtig gut zufrieden. Wirklich, kann man wirklich nicht sagen. Da kommst du ja nicht drauf, dass der da umgebracht wird. Wann hat sie ihn dann zum letzten Mal gesehen? Wie sah ihr letzter Besuch bei ihm aus? Im Juli 2017, da ruft Renate Kleine auf dem Hof bei Hille an und sagt der Frau von Karl Pannhorst, man möge ihrem Bruder doch was ausrichten. Es geht um einen Notartermin in ein paar Wochen, nämlich Anfang August. Der Hintergrund für diesen Termin, den sie da haben, ist, sie haben ein kleines Waldgrundstück geerbt und wollten das für ein paar tausend Euro verkaufen. Den Notartermin sollten sie dann auch gemeinsam wahrnehmen. Ja, das war dann auch der Termin, wo sie einander wohl zum letzten Mal gesehen haben. Die Abmachung war dann, dass sie sich irgendwann mal wiedersehen in ein paar Monaten. Das kam schon öfter mal vor, dass sie sich auch länger nicht gesehen haben. Die Abmachung war auch, dass sich die Panhorsts melden sollten, falls irgendwas sein sollte. Und bei ihm war jetzt wieder ein bisschen Geld reingeflossen in seine Schatulle, die er da oben hatte. Richtig. Jetzt sind wir dann auch bald bei unserer Anfangsszene. Wie wir jetzt wissen. Nachbar Nolte seit drei Wochen angeblich auf Entziehungskur, liegt in Wahrheit erschlagen in seinem Keller. Und Jochen Kleine sitzt jetzt an diesem Abend, 26. August 2017, mit Karl Pannhorst und Tim Niemeyer vom Gartenhäuschen und trinkt gemütlichen Bier und die beiden schreiben sich diese SMS. Da müssen noch etwas warten. Warum? Wir machen das schon. Herr Matthias, was passiert jetzt? Auch das hat das Gericht aus den verschiedenen Aussagen und Beweismitteln versucht zu rekonstruieren. Diese Nachricht müssen noch etwas warten. Die hat ja so einen gewissen Hintergrund. Und die waren ja nämlich nicht nur zu dritt da vor dieser Hütte, sondern da waren auch noch andere Leute. Da war zum Beispiel so ein Paar aus der Nachbarschaft, die waren da, um den Schlüssel abzugeben, weil sie dann verreist sind. Da war noch ein junges Mädchen, eine Pflegetochter, die die Panorster auf dem Hof hatten. Sitzen da sozusagen alle zusammen, trinken Bier, die Gerda, die Frau ist verreist, die Nachbarn gehen, es wird dunkel und als sie dann nur noch zu dritt sind, nimmt einer der beiden, also entweder Niemeyer oder Pannhorst, das konnte man am Ende nicht wirklich klären, wieder einen roten Backstein aus so einer Beeteinfassung, die da wohl in der Nähe war. Entweder Niemai oder Panhorst prügelt zweimal, dreimal unvermittelt auf die rechte Schläfe von Jochen Kleine ein. Dann wird auch Jochen Kleine getreten und geschlagen auf Brust und Rücken. Man wird später Rippenfraktoren feststellen bei ihm. Das ist ein Wahnsinn, wie aus dem Nichts. Er sitzt dort auf seinem gemütlichen Hof und ein Bierchen und vertraut und auf einmal bricht's los. Und als er da so liegt, blutend, wird er dann von den Männern zwischen die Gartenhütte und so einen Holzverschlag gezogen und dann offenbar danach nimmt jemand, dieses Kampfmesser, von dem du vorhin gesprochen hast. Das ist insgesamt 26 Zentimeter lang. Das ist ein richtig krasses Messer. Und damit wird diesem Jochen Kleinen brutal viermal in den Rücken gestochen. Auch hier stellt das Gericht fest, dass Jochen Kleinen noch circa 10 bis 20 Minuten gelebt haben soll, bis er dann am Ende an einem Schädel-Hirntrauma verstirbt. Dann, was danach passiert, hat das Gericht auch versucht zu rekonstruieren. Also Tim Niemeyer hat offenbar so einen Verbandskasten geholt, um die Blutung zu stoppen an dem Kopf. Weil er ihn retten wollte, nachdem er den Stein auf den Schiff... Um Spuren zu vermeiden. Die Männer haben den toten Mann in eine Schubgar gepackt und haben den in so einen Sickerschacht geworfen. Und darin erstmal verwahrt. Offenbar sind sie unmittelbar danach in Joches kleines Zimmer eingedrungen auf dem Hof und haben die Geldkassette aufgebrochen, wo er sein Erspartes hatte und haben da 3.500 Euro, die Kleine da schon für seine Yamaha zurückgelegt hatte, an sich genommen. Danach gehen entweder beide oder einer irgendwann hoch auf diesen Dachboden und rammen das blutige Messer in diesen Balken, wie so eine Trophäe. Wahnsinnig schäbig auch. Auch dann gleich hochgehen und die Kassette knacken und ausräumen. Also wahnsinnig schäbig. Es ist von einer Kaltblütigkeit, die ich, und ich habe jetzt schon zu einigen Kriminalfanen recherchiert, die ich irgendwie so in der Form, glaube ich, noch nie erlebt habe. Dieses aus dem Nichts jemanden brutals töten, direkt danach sich die Gegenstände aneignen, das Geld aneignen, die Leiche wie Abfall in so einen Sickerschach zu werfen, das finde ich schon wahnsinnig erschütternd. Ja, man kennt das, wenn da irgendwie ein Hass im Spiel ist, in der Beziehung zwischen Opfer und Täter, aber das ist ja alles, da spielt da gar keine Rolle. Nein, ich meine, Kaltblütigkeit ist ja immer so ein komisches Klischee-Wort, aber es ist in diesem Fall, glaube ich, absolut angemessen, weil es einfach von so einer Empathielosigkeit erzählt, wie man einfach so ein Menschenleben so missachten kann. Über diese Empathielosigkeit erzählen ja auch dann die nächsten SMS einiges. Was haben sie da gemacht dann? Einige Tage später, genau gesagt am 8. September, gegen so Hams um viertel vor elf, schreiben sich die beiden wieder Nachrichten. Also Tim Niemeyer schreibt, morgen buddeln, Smiley. Und Karl Panos schreibt ihm zurück, klar, Smiley. Zu dieser Zeit kommt dann Tim Niemeyer wieder aus seiner Casano zurück und laut seiner Aussage, die er später tätigen wird, Hätten sie da ordentlich Bier getankt. An so einem Samstagmorgen beginnen er und Karl Pannhorst auf dem Gelände des Hofs in der Nähe von so einem Wäldchen zu graben. Das ist ein warmer Tag, der Boden ist irgendwie hart. Dokumentiert ist das Ganze durch ziemlich krasse Fotos, die später auch in der Presse veröffentlicht wurden. Da posieren die beiden abwechselnd nacheinander in dieser Grube, die sie da ausheben. Also beide stehen da, beide haben so Gummistiefel an, beide haben so einen Spaten in der Hand, beide lachen da, als wäre es irgendwie ein lustiges Abenteuer, was sie da gerade erleben, haben stolzes Grinsen im Gesicht. Das ist eines der bizarrsten Dokumente aus diesem Fall, muss ich sagen. Das ist irre, ne? So Werk vollbracht, Bierchen getrunken, Feierabend, so ein stolzes Bild und es ist wirklich unvorstellbar. Offenbar holen sie dann die Leiche von Heinrich Nollte aus dem Keller, sie holen den Leichnam von Jochen Klein aus dieser Sickergrube mit so einem Haken, die wickeln die beide in eine Folie und heben die beide dann in diese Grube und schütten sie zu. Genau, so hat es die Gerichte, es rekonstruiert. Und es hat sich natürlich auch gefragt, wieso. Ums Geld kann es eigentlich Tim Niemeyer dabei nicht gegangen sein. Also er hat offenbar als Tatbeute 200 Euro bekommen. Das ist auch schon absurd. Also wahrscheinlicher ist, dass er Karl Pannhorst einfach helfen wollte, würde ich sagen. Dass er eben derjenige sein wollte, der seinem Ziehvater, seinem Männerfreund, ohne wenn nun aber zur Seite steht. Aber scheint ihm ja auch irgendwie Freude bereitet zu haben. Also zumindest, wenn man diese Bilder sieht und das beschreibt. Also ich weiß nicht, ob es Blutdurst ist und Lust am Töten, I don't know, aber zumindest hat er ja auch Stolz dann vor diesem Grab posiert. Das war ja nichts, was er Zähneknirschen dann offenbar so mitgemacht hat. Die psychiatrische Gutachterin wird auch über so einen gewissen Thrill sprechen, die dieser Tim nie mehr gefühlt haben könnte. Dieses gemeinsame Durchleben von Extremsituationen, die einen dann auch zusammenschweißen. Ich erinnere an so einen Song, den wir am Anfang gespielt haben. Soldaten, die gemeinsam irgendwie krasse Erlebnisse durchstehen. Da wird getötet. Das schweißt sich zusammen. Und das in dieser absurden kleinen Männerbubble auf diesem Hof, das durchleben die da im Kleinen auch durch. Ja, das finde ich so schwer einherzukriegen, wenn du die Jugendgeschichte von dem Niemeyer betrachtest, dass er da bei der Freiwilligen Feuerwehr geholfen hat und sehr sozial engagiert war. Und jetzt diese Wendung, aber es schien ihm nur irgendwie... Um das Erlebnis zu gehen anscheinend. Und um das Gefallen. Ja, und möglicherweise auch im Kern um sich selbst. Es gibt ja verschiedene Motive, warum man Leuten helfen kann. Will man Leuten wirklich helfen, weil es einem um den anderen geht? Oder will man Leuten helfen, weil man sich selbst in der Rolle gefällt, das Helfenden? Das eine ist ja dann zu töten aus Habgier, aber das andere ist es ja auch in dieser Heftigkeit zu tun, in dieser Brutalität. Wie erklärt sich die? Ja, es ist eine sehr schwierige Frage. Also die psychiatrische Gutachterin, die Karl Panos später begutachtet hat, die hat bei ihm ganz klar dissoziale Züge festgestellt. Ganz verkürzt gesagt, dem Mann fehlt es einfach an Empathie. Bei Tim Niemann ist es ein bisschen schwieriger zu erklären, scheint mir. Also möglicherweise wollte er diesem Ziehvater einfach zeigen, wie unerschrocken er ist, dass er genauso hart sein kann wie er. Und diese Extremsituationen, die sie miteinander geteilt haben, die haben diese dunkle Bindung, von der der Richter gesprochen hat, zwischen ihnen nur noch stärker gemacht. Was erzählen Sie jetzt den Nachbarn, dass nun auch Jochen Kleine weg ist? Den Nachbarn soll Karl Pannhorst angeblich erzählt haben, dass er mit Jochen Kleine und seiner Arbeit unzufrieden gewesen sei und dass er ihn deshalb fortgejagt habe. Und was wurde kleine Schwester Renate erzählt? Nichts. Die Abmachung war eigentlich, als sie das letzte Mal gesehen hatten, dass die Panhorst sich schon melden, wenn irgendwas sein sollte. Es war auch klar, dass sie sich jetzt mal eine Weile lang nicht sehen, ein paar Monate. Es ist auch nicht unüblich gewesen, offenbar bei den beiden, dass es auch mal länger nicht zu einem Kontakt kam. Sie hat sich erst mal nicht gewundert, dass nichts von ihm kam. Wie Renate Kleine Monate später dann doch erfuhr, dass ihrem Bruder etwas passiert ist, das hören wir uns jetzt auch mal an. Wenn du sowas vereinbarst und kriegst keinen Anruf, dann glaubst du doch, dass die Welt in Ordnung ist. Nach einem halben Jahr, bis gerade mit allen durch, willst du der Abendbrot machen, klingelt, steht die Polizei vor der Tür. Und sagt, Frau Kleiner, ihr Bruder wird vermisst und sie möchten bitte bei der Mordkommission in Bielefeld anrufen. Dann weißt du aber wirklich nicht, was dich überkommt. Und da habe ich gesagt, das mache ich nicht. Mein Bruder klaut nicht, der lügt nicht und der bringt auch keinen um. Das habe ich denen gesagt. Ja, die kommen am anderen Morgen bei ihnen vorbei. Waren sie auch hier, der Herr von der Mordkommission? Haben wir auch nichts gesagt. Da hatten sie ihn ja noch nicht gefunden. Und dann sollte ich erzählen, was er für Mensch war und was er so beruflich und was tatatatat. Habe ich auch gemacht. Und dann fröhnen die weg. Und dann kreisten hier schon Hubschrauber. In Radio liefen Suchmeldungen. Im Fernsehen abends lief es über diesen Weltticker, das Zwei-Rennen-Aus-Hilde vermisste. Ich habe gedacht, was ist hier los? Was ist passiert? Sie ging also zuerst davon aus, dass ihr Bruder verdächtigt wird. Richtig, ja. Sie hat erstmal geglaubt, dass er gesucht wird, weil er irgendwas getan haben müsste. Dann kam wohl jemand von der Mordkommission vorbei. Später hat er wohl auch nicht viel Näheres gesagt. Da wurde ja auch Jochen Kleiner noch nicht gefunden. Renate Kleiner sollte irgendwie so ein bisschen erzählen, was er für ein Mensch war, was er so beruflich gemacht hat. Ja, aber sie erzählt dann auch, dass irgendwann zu dieser Zeit dann irgendwann schon Hubschrauber in der Gegend gekreist seien. Da war es erstmal ganz ratlos. Und wann wurde ihr dann wirklich final klar, dass ihr Bruder ermordet wurde? Sie hat mir erzählt, dass sie eines Tages dann den Fernseher angeschaltet hat. Da hat sie dann plötzlich den Hof gesehen in Hille, wo ihr Bruder gelebt hat. Sie hat auch gesehen, wie da zwei blaue Leichensäcke weggetragen wurden. Und da hat sie mir gesagt, da sei dann klar geworden, dass ihr Bruder Jochen tot ist. Das bedeutet, sie haben die beiden Leichen gefunden und die Morde sind aufgeflogen. Wie sind die Morde aufgeflogen? Das Krasse an der Geschichte ist, dass diese beiden Morde erst durch einen dritten Mord aufgeflogen sind. Die Geschichte dahinter ist, dass, da sind wir jetzt Anfang 2018, Karl Pannhorst offenbar immer noch Geld braucht. Über eBay-Kleinanzeigen kommt er in Kontakt mit einem Maurer, der irgendwie 30 Jahre alt damals war, oder Familienvater, den nennen wir hier Issam Bamawi. Pannhorst gaukelt diesem Mann vor, dass sie doch gemeinsam Geschäfte machen könnten. Die Idee grob sei, gemeinsam Immobilien sanieren und dann für teuer Geld verkaufen. Pannhorst knöpft sich von diesem Bamawi 5000 Euro ab, angeblich für die gemeinsame Firma, die sie gründen wollen. Aber dann passiert wochenlang erstmal gar nichts. Und dieser Maurer wundert sich dann langsam und wird ungeduldigt, meldet sich bei Karl Pannhorst und wird dann Anfang März nach Hille bestellt. Zu dem Haus von Heinrich Nollte, dieses Klinkehaus mit der Scheune. Sie wollen ihn helfen lassen, das Haus des Ermordeten Nollte wieder frisch zu machen. Ungefähr war die Botschaft wohl, es gibt irgendwas zu tun, es gibt Arbeit, komm mal her. An diesem Tag dann im März, Anfang März, kommt der Mauer bei Mavi dann zu diesem Haus der Scheune. Da warten dann schon Karl Panhorst und Tim Niemeyer auf ihn. Die Männer rauchen zusammen eine Zigarette und dann gehen sie in diese Scheune rein. Was dann in dieser Scheune passiert ist, das hat das Gericht dann später wieder versucht zu rekonstruieren. Diese drei Männer sind also in diese Scheune reingegangen und plötzlich schlägt Karl Pannhorst Bamawi mit einem Maurerhammer von hinten nieder. Niemeyer und Pannhorst nehmen den Mann und tragen den zu einem Bretterverschlag und dann nimmt Niemeyer einen anderen Hammer und schlägt damit auf den Kopf von Bamawi ein. Danach ziehen sie ihm den Sack über den Kopf und kurze Zeit später stirbt Bamawi im Urteil zufolge an seinen Verletzungen. das ist jetzt das dritte Opfer innerhalb weniger Monate warum er? Offenbar deshalb, weil. Es für Panhorst, der Weg war wieder ein Problem zu beseitigen. Nämlich, er hatte ja das Problem, dass er sich 5000 Euro angeeignet hatte und letztendlich einen jungen Mann da betrogen hatte. Und anstatt einen reinen Tisch zu machen oder das Risiko zu laufen, dass er angezeigt wird, wählt er den Weg, ich muss den Mann beseitigen. Also er hat auch dann offenbar bei dem Betrug vorher schon gar nicht weiter gedacht. Der sagt, der gibt mir 5000 Euro, die habe ich dann als Einlage für ein gemeinsames Unternehmen und dann sackelt er die 5000 Euro ein und denkt erstmal nicht weiter, der könnte ja vielleicht auch irgendwann mal kommen und sagen, gib mir mal das Geld zurück oder was ist mit unserem Unternehmen. Ich frage mich bis heute, wie sich Karl Pannos das wirklich gedacht hat. Es ist wirklich abstrus tatsächlich, es ist wirklich abstrus. Aber diesmal haben sie eigentlich keine Chance damit durchzukommen. Bei diesem dritten Mord, da gibt es einen entscheidenden Unterschied zu den zwei vorhergehenden Morden. Diesmal wird das Opfer relativ schnell vermisst. Also schon am selben Abend ruft die Frau von dem Maurer auf dem Hof in Hille an und fragt, was mit dem Ehemann ist. Da wird sie aber abgewiesen bei den Anrufen. Und sie meldet dann relativ schnell ihren Mann bei der Polizei als vermisst. Während dann Tim Niemeyer schon zurück bei seiner Bundeswehrkaserne ist, da setzt sich Karl Panhorst in sein Auto und flüchtet, weil er merkt, okay, jetzt wird es gerade richtig heiß. Und was macht die Polizei? Die Polizei hört sich natürlich da in der Gegend erstmal um und merkt dann relativ schnell, dass in dieser Gegend um diesen Hof, dass da nicht nur ein Mann verschwunden ist, dass dieser Nachbar, Henrich Nollte, schon lange nicht mehr gesehen wurde. Die gehen dann zu ihm rüber, zu diesem Klinkehaus mit der Scheune, klingen an der Tür, niemand macht auf. Sie gehen dann zu dieser Scheune rüber, schauen dann durch so einen Spalt in diese Scheune rein und dann sehen sie das Auto zurück. Von Issam Bamabi, von diesem Maurer, einen weißen Audi. Und als sie dann in diese Scheune reingehen, da sehen sie verdeckt unter Holzpaletten eine Leiche. Das ist die Leiche von Bamabi. Und jetzt ist Großalarm, dann kommen sie mit dem großen Aufgebot hin. Richtig, natürlich wird jetzt auch Panhorst gesucht. Es gibt auch ein ziemlich bizarres Fahndungsfoto aus dieser Zeit. Da steht Karl Panos mit so einem Fließpulli neben seinem Auto, hat noch so ein Bier in der Hand und in der anderen so eine, wahrscheinlich eine Schreckschussknarre oder Spielzeugknarre. Er hat so ein Cabby auf, eine Blink-Bling-Kette und eine Kippe im Mundwinkel. Über seinen Augen hat er so eine Scherzbrille, wo auf der einen Seite steht Rotze und auf der anderen Voll. Also wirklich ein sehr bizarres Fahndungsfoto, mit dem die Polizei damals irgendwie rausging. Das war auch damals in der Geschichte, hatten wir das gezeigt. Das ist wirklich auch kindisch auf eine Art. Absolut, absolut. Und nach einigen Tagen nehmen die ihn auch tatsächlich fest in Bayern, in Reit im Winkel, um genau zu sein. Bei der Festnahme hat er die EC-Karten von Heinrich Nollte und Jochen Kleine bei sich. Und jetzt schauen sie sich natürlich auch den Hof genauer an. Ermittler kommen mit Sonden, stechen da durch den Boden und in einem Wäldchen schlagen Leichenspielhunde auf einmal an. Und die Polizei beginnt zu graben und findet dort die beiden Leichen von Heinrich Nollte. Und Jochen Kleiner. Karl Pannhorst gesteht in den Vernehmungen zunächst die Tötung von Issam Bamawi, dem Maurer. Dann bestuldigt er aber später seinen Ziehsohn Tim, dass der alle drei Taten aus Mordlust begangen habe. Niemeyer wiederum, der dann nach einer gewissen Zeit ziemlich schwer durch Blutspuren und diesen Nachrichten, die die Männer ausgetauscht haben, belastet wurde, gibt an, bei den Tötungen dabei gewesen sein. Aber sagt, er habe selbst nie gemordet. Und so schaukeln sie sich dann gegenseitig hoch in ihren Aussagen. Auch dieser Männerfreund hat das auf einmal nichts mehr übrig. Das ist ein richtiger Fight geworden. Wie urteilt ihr dann später das Gericht? Das Gericht wird Tim Niemeyer später wegen Mordes an Jochen Kleine und Isan Bamawi zu einer lebenslangen Hafte urteilen. Die Beteiligung an dem Mord an Heinrich Nollte ist ihm damals nicht nachzuweisen. Also dem alten Mann. Richtig. Karl Pannhaus wiederum bekommt wegen aller drei Morde lebenslange Haft und auch zusätzlich noch eine Sicherungsverwahrung. Das heißt, man erachtet ihn für so gefährlich, dass er auch nach Absätzen dieser Haftstrafe ein hohes Risiko darstellt. Dass es für sehr wahrscheinlich erachtet wird, dass er wieder ein schweres Verbrechen begehen wird. Also im Gericht ist auch von einer, ich zitiere mal, durch Übung erworbene intensive Neigung zu Rechtsbrüchen die Rede. Also das Gericht sieht in Karl Pannhorst den Initiator, den Urheber der Taten und dass er halt binnen weniger Monate eine Neigung zum Töten entwickelt hat. Und die Richter vermuten, dass Pannhorst auch in Zukunft, wenn er möglicherweise finanzielle Probleme hat, diese wieder mit Morden in Anführungsstrichen lösen würde. Das Gericht fand ja da auch die dritte Tat besonders aufschlussreich. Warum das? Also die letzte Tat an dem Maurer Bamawi. In der Bewertung von Karl Pannhaus hat die dritte Tat schon auch nochmal eine besondere Rolle gespielt, weil das irgendwie ein Mensch war, der in der Mitte seines Lebens stand, der ganz viele soziale Kontakte hatte. Familie einfach hatte, den vermissen würden. Der Familie hatte, es ist zumal auch ein unbekanntes Opfer gewesen, also jemand, den er eigentlich gerade erst kennengelernt hatte, eine Tat, bei der er relativ schnell zu einem Mord gegriffen hat, die keine wirkliche Planung überhaupt mehr zeigt. Es gab ein Problem, er hat irgendwie irgendwas nicht durchdacht und die Lösung dafür ist, er muss diesen Mann jetzt... Das macht ihn so gefährlich, das ist ein Typ, der mordet, ohne nachzudenken. Dass es da binnen kurzer Zeit sozusagen ein eingeübtes Muster bei Karl Pannhorst war, wenn er Probleme hat, dass er die mit Töten löst. Was einen ja auch anspringt, ist diese bisschen schräge Formulierung, aber so ist es ja auch oft bei juristischen Texten. Durch Übung erworbene intensive Neigung zu Rechtsbrüchen in Bezug auf Pannhorst. Ich meine, der hat doch die ganze Zeit erzählt, was für ein Killer er war, wie er bei der Fremdenlegion ausgebildet wurde. Und in Wahrheit hat er sich das jetzt erst beigebracht. Er hat ja auch erzählt, wie man mit einem Messer zusticht, aber tatsächlich nimmt er einen Pflasterstein und wirkt. Ja, das ist nochmal ein ganz grotesker Aspekt in diesem Fall, weil sich durch diese Aufarbeitung dieser Morde herausstellt, dass dieses ganze Bild, was Karl Panos da von sich entworfen hat, eigentlich eine komplette Lüge war. Die Wahrheit ist, er war zwar bei der Fremdenlegion, hat da auch irgendwie für ein paar Jahre unterschrieben, aber er wurde relativ schnell wieder entlassen, nämlich nach nicht mal drei Monaten, weil er sich eine Knöchelverletzung zugezogen hatte nach einem Motorradunfall. Und er hatte nicht mal irgendeine Nahkampfausbildung oder irgendeinen Kampfeinsatz. Das wurde tatsächlich auch vor Gericht der Ausbilder von ihm vernommen, den er damals hatte. Und dieser Ausbilder sagte, ja, dieser Panos, der sei in seinen Augen ein Weichei gewesen. Gefragt, diese ganzen Geschichten, die Panos da erzählt hat, da meinte der Ausbilder, ja, er könne sich vorstellen, dass er das mal aus einem Buch gelesen hat, das er ihm damals gegeben hat. Und das war so ein Buch über die Fremdenlegion of Korsika. Bedeutet, diese ganzen Geschichten, die Panos da erzählt hat, das war alles eine Lüge. Tim Niemeyer ist auch so einer Heldenlüge in einem Aufgesessenen und dadurch selbst zum Mörder geworden. Richtig. Wir haben schon viel über die Männer gesprochen, aber wenig über die Frauen. Zum Beispiel auch über die Rolle von Panhorsts Frau Gerda. Die war ja eigentlich die ganze Zeit auf dem Hof. Hat die was mitbekommen? Wie hat die sich verhalten zu diesen Taten? Also es ist sehr wahrscheinlich, dass Gerda Panhorst da was mitbekommen hat. Zum einen war sie halt immer da. Zum anderen habe ich auch bei der Recherche Handynachrichten gelesen, aus der Zeit nach den Morden an Heinrich Nollte und Jochen Klein, die nahelegen, dass Gerda Pannhorst über diese Morde Bescheid wusste. Da schreibt zum Beispiel Karl Pannhorst an Tim Niemeyer, Gerda weiß jetzt Bescheid, alles bestens. Tim fragt, worüber? Und Karl schreibt, über die Kaputten. Smiley, smiley, smiley. Ja, das war auch eine Sache, die die Ermittler extrem schockiert hat in der Vernehmung von Tim Niemeyer, wie er auch über diese Taten gesprochen hat. Der hat da nicht von Töten gesprochen, der hat irgendwie von Wegklatschen und so weiter gesprochen. Okay, aber es ist auch ein starkes Indiz dafür, dass Gerda informiert war. Absolut. Rein rechtlich betrachtet, musst du als Ehefrau deinen Ehemann auch nicht belasten. Ihr konnte zu keiner Zeit irgendeine Form von Beteiligung, Planung, gar aktive Handlung irgendwie nachgewiesen worden. Nein. Natürlich war da wahrscheinlich eine Frau, die von Dingen Bescheid wusste, die auf diesem Hof passiert sind. Aber ganz klar war auch, es waren die beiden Männer, die aktiv daran beteiligt waren, dass da drei Menschen gestorben sind. Lass uns zum Schluss nochmal zu einer anderen Frau gehen, zu Renate Kleine. Wie es ihr im ersten Moment ging, als sie begriffen hatte, dass ihr Bruder ermordet wurde, das hat sie dir auch erzählt und das hören wir jetzt an. Verstehen kann ich es bis heute nicht. Darum ich, ich kann auch nicht mehr heulen. Ich bin da irgendwie so richtig bitter drüber. Und ärgerlich und sauer. Du bist wütend, du hast alle möglichen Gedankengänge. Ich hatte richtig eine Lehre. Ich konnte nicht mal mehr eine Basis zu meinem Bruder aufbauen. Ich habe nichts mehr gefühlt. Das ist erst praktisch gekommen, wo ich dann einen Teil von ihm wieder hatte. Und jetzt ist das alles wieder gegenwärtig. wie das Einzige, was ich von ihm als Toten wiederbekommen habe, ist seine Armandu. Da habe ich dann wieder Kontakt zu ihm aufbauen können. Da war das wieder da. Aber in dem Moment ich habe die Welt nicht mehr verstanden. Du hast sie ja dann Jahre später getroffen. Wie wirkte sie da dann auf dich? Hat sie das irgendwie verarbeiten können? Also ich habe auch Jahre später immer noch auf eine völlig ratlose, fassungslose, wütende, wirklich empörte Frau getroffen. Was ich schön fand an der Begegnung mit ihr war, dass sie offenbar so ein bisschen Trost gefunden hat darin, sich Dinge zurückzuholen, die ihrem Bruder gehört haben. Zum Beispiel so ein Moppet, so ein Zündabmoppet. Das hatte Karl Panhorst nach dem Mord an Jochen Kleine zum Beispiel verscherbelt. Und Renate Kleine hat viele Anstrengungen unternommen, um diese Dinge auch wieder sich zurückzuholen. Und wir konnten dann für diese Geschichte, die wir dann bei Stern Crime veröffentlicht haben, auch dieses schöne Motorrad auch wieder fotografieren. Und ja, sie hat mir erzählt, wie sie dieses Motorradgang wieder herrichten möchte, wie sie damit fahren möchte, wie ihr Bruder. Und das war so ein kleiner Trost, den sie sich da, glaube ich, irgendwie zurückholen konnte. Ja, wir sind am Ende der Geschichte angekommen und wie immer, liebe Hörerinnen und Hörer, findet ihr den Link zu Matthias' Text in der Folgenbeschreibung. Da findet ihr auch dann auf der Seite Bilder, zum Beispiel auch das Fahndungsfoto von Karl Pannhorst, von dem Matthias erzählt hat. Und wie immer lege ich euch auch den Stern-Crime-Bereich bei Stern Plus ans Herz, weil ihr dort wirklich wahnsinnig starke, berührende Geschichten findet. Und für die Podcast-Fans gibt es dort was ganz Besonderes, nämlich alle Folgen unseres Podcasts Wahre Verbrechen. In dem der Schauspieler Christian Redel mit seiner wirklich starken Stimme unsere Geschichten nochmal erzählt. Auch dazu findet ihr einen Link in den Shownotes. Und jetzt sage ich ganz, ganz herzlichen Dank, Matthias, dafür, dass du uns diese Geschichte erzählt hast. Danke, Bernd, dass ich das sein durfte. Musik.