Auf der Ostsee treibt ein gekentertes Boot. Vom Skipper fehlt jede Spur. Doch es ist kein Unfallgeschehen, sondern dahinter steckt ein irrer Plan. Ich bin Bernd Volland und das ist Spurensuche, der Podcast von Stern Crime. Willkommen bei Spurensuche. Heute begeben wir uns auf See. Es geht um einen Fall, der mit einem großen Mysterium beginnt. Es geht um einen Plan und es geht um eine Herausforderung, die wohl viele kennen. Gemeinsam ein Ziel zu verfolgen, ist als Paar nicht immer ganz einfach. Und Kommunikation ist es auch nicht. Wir sind dennoch heute kein Beziehungspodcast, sondern ein Crime-Podcast. Und ich rede über diesen Kriminalfall, um den es heute geht, mit einer Frau, die wahrscheinlich mehr Gerichtszähle gesehen hat als so mancher Anwalt in zehn Berufsjahren, behaupte ich zumindest mal. Das ist unsere Stern-Crime-Autorin Uta Eisenhardt. Hallo Uta, schön, dass du da bist. Hallo Bernd. Ja, ich habe neben deiner Hartnäckigkeit in der Recherche bei dir auch immer bewundert, dass du so einen Riecher für außergewöhnliche Kriminalfälle und Prozesse hast. Was macht einen starken Crime-Fall für dich aus? Ich merke, wenn mich ein Fall anfängt zu langweilen, dann habe ich keine Lust mitzuschreiben. Ja? Ja, also das habe ich mal irgendwann mich selbst beobachtet. Und ich habe es mal dann einer Richterin erzählt, dass ich an zwei Punkten keine Lust habe, richtig mitzuschreiben. Einmal eben, wenn es langweilig wird oder wenn jemand lügt. Dass ich das dann auch spüre und dass ich natürlich, klar, dann bin ich professionell. Ich muss ja auch wissen, wie hat er denn gelogen? Aber dass es mir dann auch ein bisschen schwerer fällt, wieder mitzuschreiben. Ja, das ist eine Baucharbeit im Gericht. Ich glaube, der Fall, über den wir heute sprechen, da hast du ordentlich mitgeschrieben, weil er ist wirklich, glaube ich, echt, einer unter den außergewöhnlichen Fällen, die du eben meistens ja bearbeitest, nochmal ein außergewöhnlicher. Lass uns mal mit dem 8. Oktober 2019 beginnen. Da macht ein Angler eine außergewöhnliche Beobachtung. Was sieht er? Am Schönberger Strand in der Nähe von Kiel ist dieser Angler aufgelöst. Und das ist ja die Ostsee, auf die er da guckt. Und da sieht er so einen Bug eines Schiffes, sieht er da so eine Spitze, so eine weiße Spitze sieht er da. Die Spitze zeigt nach oben, der Rest, das Heck befindet sich im Wasser. Das ist interessant, also dieses Schiff treibt also so mit dem Bug nach oben. Später wird sich herausstellen, dass es eine Luftblase ist. Deswegen ist das, wie so ein Korken auf dem Wasser. Also er sieht eigentlich ein gekentertes Schiff. Aber was macht er dann? Nur er sagt sich, okay, da werden sich schon die Behörden drum kümmern. Er unternimmt nichts. Erst später meldet er sich, ja. Ja, aber die Sache ist tatsächlich durchaus ernst. Und wie wird die Polizei darauf aufmerksam? Weil sich eine Frau bei Ihnen meldet, allerdings erst zwei Tage später. Es ist Dunja Albrecht und die vermisst ihren Ehemann, Alexander Albrecht. Am 7. Oktober ist er losgefahren mit seinem kleinen Schiff, mit der Santiano, so einer kleinen Nussschale. Und ist Richtung Dänemark gefahren. Und am 10. Oktober wollte er zurückkommen und da ist er nicht erschienen und sie kann ihn auch nicht erreichen. Und am 11. Oktober macht sie eine Anzeige, eine Vermisstenanzeige bei der Kieler Wasserschutzpolizei. Also er ist Segler mit seinem Segelboot und das sollte da so ein Zwei-Tages-Besinnungstrip ohne Frau sein. Er ist Segler, ja klar. Er hat vom Vater sehr früh das Segeln gelernt. Aber die Santiano ist ein kleines Motorboot, so ein knapp sechs Meter langes Motorboot, hat einen recht starken Motor, 135 PS und damit ist er übergesetzt. Wir müssen noch eins dazu sagen, die Namen der Tatbeteiligten sind geändert in dieser Geschichte. Wie war das Wetter dort? Also war das auch irgendwie ein bisschen schwieriges Wetter? Oktober, man denkt sich natürlich, ja, im Oktober mit so einem kleinen Boot, macht man jetzt eigentlich nicht unbedingt. Aber die See war ruhig. Es ist jetzt nicht so, dass es ein Selbstmordkommando ist, da loszufahren. Aber schon ein bisschen ungewöhnlich. Aber er hatte auch eine Rettungsweste und ein Schlauchboot an Bord. Das gibt jedenfalls seine Frau da zum Protokoll. Wie reagieren die Behörden nun? Die nehmen das ernst, wenn ihm wirklich was zugestoßen ist, dass er also gleich ins Wasser geraten ist und deswegen sich nicht melden kann, dann hat er keine Chance. Weil bei 14 Grad Wassertemperatur. Überlebt man nicht so lange, vielleicht maximal ein, zwei Stunden. Das ist krass. 14 Grad klingt eigentlich gar nicht so kalt, aber ich bin jetzt auch kein gebürtiger Küstenmensch, deswegen käme ich da nicht so aus. Das Unterkühlen ist wirklich eine ganz krasse Sache. Da schaltet der Körper ja auf Notbetrieb und versorgt dann nur noch die inneren Organe und das Gehirn mit Blut. Insofern ist das nicht zu unterschätzen. Aber man hat ja gedacht, naja, vielleicht treibt der aber mit seinem Schlauchboot da irgendwo herum. Und die Polizei kümmert sich darum, dass dann eben eine Rettungsaktion losgeht, eine recht riesige Rettungsaktion. Es waren 14 Schiffe insgesamt daran beteiligt und man hat auch aus der Luft gesucht. Man hat mit dem Flugzeug, die haben ja auch Kameras, die eben bei allen Wetterbedingungen recht gute Aufnahmen auch machen können. Richtig großer Alarm. Richtig großer Alarm und auch lange. Die haben 26 Stunden lang gesucht und... Am 11. Oktober dann, also finden die dieses Boot und es stellt sich raus, aha, okay, da steht der Schriftzug Santiano auf der Seite. Und der Mann ist nicht an Bord, also auch keine Leiche, nix. Und jetzt kommt dann eben die Polizei ins Spiel. Für die Polizei ist es ja in dem Falle noch ein Vermisstenfall. Und da ist da zehn Wochen ein neuer Kommissar dabei. Polizei, der heißt Torben Mordig und der bekommt jetzt diesen Fall als, ja, so kümmere dich mal darum, ist hier deins. Du bist hier jetzt Ermittlungsführer und jetzt mach mal. Und ja, klar, er ist 23, hochmotiviert und hat sich auch angeschaut, wie das Schiff geborgen wurde. Hat auch die Daten bekommen, was Dunja Albrecht schon mal bei der Kieler Wasserschutzpolizei gesagt hat. Ein bisschen wundert sich die Polizei schon auch, 16.30 Uhr Abfahrt, das ist eigentlich jetzt, wir haben ja Oktober, man würde jetzt nicht unbedingt um 16.30 Uhr losfahren, ein bisschen späte Abfahrt. Er fährt eigentlich in die Nacht rein, also so, dass er die Nacht auf See verbringt. Sie lassen erst mal dieses Boot untersuchen von einem Sachverständigen, der soll sich mal angucken, was kann da passiert sein. Vorher haben sie noch ausgeschlossen, dass es irgendwelche Kampfspuren an Bord gibt. Tom Mordik spricht eben auch mit Dunja Albrecht und lernt sie kennen. Dunja Albrecht ist Anfang 50, sie hat lange blondierte Haare, ist sehr schlank und spricht mit einem slawischen Akzent, ist aber schon lange in Deutschland. Sie erzählt ihm etwas über ihren Mann, dass der eben schon lange segelt und dass er Zahnarzt sei. Sie ist dem Kommissar auch sofort behilflich. Der möchte eben einen Rasierapparat haben und die Zahnbürste haben, um DNA von Alexander Albrecht, dass die in Erfahrung gebracht wird. Was macht sie für einen Eindruck? Also es ist ja, der Mann ist verschwunden, sie hat ihn als vermisst gemeldet und dann die Frage nach der Zahnbürste. Wir brauchen DNA. Die DNA brauchen sie, wenn eine nicht mehr zu identifizierende Wasserleiche gefunden wird. Also das ist ein sehr besorgniserregender Moment für eine Ehepartnerin. Für diese besorgniserregende Situation ist sie eigentlich recht cool. Sie erzählt sogar von einer Risiko-Lebensversicherung über 250.000 Euro, die ihr Mann zu ihren Gunsten abgeschlossen hat. Sie geht recht gefasst mit der Situation um. Und er ist immer noch nicht aufgetaucht, aber jetzt hat man sich das Boot angeschaut, hast du gesagt, ein Gutachten gemacht. Was wurde da entdeckt an diesem Boot? Das ist ein ganz erfahrener Bootsgutachter und der hat tatsächlich ganz, ganz viel an dem Schiff gefunden, was sehr merkwürdig ist. Und zwar hat er festgestellt, dass die Schellen am Kühlschlauch des Motors gelöst worden sind. Statt dass eben das Wasser zur Kühlung in den Motor läuft, ist das Wasser ins Bootsinnere gelenkt worden durch dieses Lösen der Schellen. Das ist schon mal das erste Wasserfeststellt. Die Dichtung am Antrieb, die fehlt. So ist eben auch nochmal Wasser über den Antriebspropeller eingetreten. Zum Dritten, als ob das nicht schon genug wäre, fehlt noch die Lenzschraube, die man ja eigentlich nur an Land löst. Also drei Dinge, wo Wasser eintreten können. Und sie fangen jetzt an zu überlegen, wem nutzt diese Manipulationen. Hat den jemand um die Ecke gebracht? Ja, auch das überlegen sie. Was könnte sich da abgespielt haben? Und einen Mord schließen sie auch nicht aus, ja. Schaut also ganz offensichtlich sehr schlecht aus für diesen Mann. Jetzt bewegen wir uns aber mal in einem anderen Bereich. Ich habe schon angedeutet, dass es in dieser Geschichte auch um die Herausforderung der Kommunikation geht, genauer der Fernkommunikation in der Paarbeziehung. Und darum haben wir auch einige Sprach- und Textnachrichten, die für diesen Fall sehr relevant sind, mittels KI vertonen lassen. Ich spiele jetzt mal eine ein. Es ist eine WhatsApp-Nachricht, die Dunja Albrecht, also die Frau des Vermissten, am Tag nach Alexanders Aufbruch morgens um 6.27 Uhr bekommen hat. Mission beendet. Lege mich schlafen. Uta, wer hat diese Nachricht an Dunja geschickt? Es wird sich später herausstellen, dass das Alexander Albrecht gewesen ist, der 14 Stunden nach seiner Abfahrt, seiner Frau diese Nachricht zukommen lassen hat. Das könnte bedeuten, wenn man von dieser Nachricht wüsste, dass er zumindest da noch gelebt hat. Das könnte aber auch bedeuten, dass er auch jetzt noch lebt. Und das ist ja der Fall. Er ist gar nicht ertrunken. Ja, das ist das Amüsante an diesem Fall. Er sitzt jetzt erstmal in seinem ersten Versteck. Dieses erste Versteck befindet sich in Hamburg bei einer gutgläubigen Freundin von Dunja, wo er eben jetzt einige Wochen lebt. Sie glaubt, dass Alexander Albrecht eine Fortbildung in Hamburg besucht, dass er nicht von Kiel aus diese Fortbildung wahrnehmen kann, weil Kiel ist 90 Kilometer von Hamburg entfernt und die Kieler Wohnung hätten sie untervermietet. Während da mit Riesenaufgebot mit Flugzeugen und Hubschraubern nach ihm gesucht wird, sitzt er dort und was ist wirklich passiert? Alexander hatte von vornherein einen Plan entwickelt. Er ist am 7. Oktober von Schwarmstedt gestartet. Dort wohnt seine Mutter und er hat das Auto seiner Mutter genommen und ist von Schwarmstedt Richtung Kiel gefahren. Dort hat er das Auto geparkt und ist dann mit der Santiano, mit seinem kleinen Motorboot, ist er Richtung Dänemark aufgebrochen. Er ist genau bis zur dänischen Seegrenze gefahren, damit sein Handy sich in, dieses dänische Funknetz einmal einwählt... Und dann griff seinen Plan, den er sich überlegt hatte. Nämlich er pumpt mit Hilfe eines Kompressors sein Schlauchboot auf, fährt dann zurück Richtung Kiel. Er ist nicht weit von der Küste entfernt, als er sein Boot, die Santiano, versenkt. Und dann fährt er mit dem Schlauchboot ans Ufer, zerstört sein Schlauchboot. Die Reste bringt er zu einem Molenkopf und dann steigt er in das Auto ein, was er zuvor dort geparkt hatte und fährt wieder zurück zu seiner Mutter nach Schwarmstedt, lässt dort das Auto stehen und fährt dann von Schwarmstedt mit dem Zug nach Hamburg. Wir kommen gleich dazu, warum er dieses ganze Spektakel veranstaltet hat, aber lass uns erstmal zu den Personen nochmal ein bisschen näher gehen. Wer ist dieser Alexander Albrecht, wegen dem die halbe Ostsee abgesucht wird und der in Wahrheit einen ganz sonderbaren Plan ausgetüftelt hat? Er kommt aus einer sehr, sehr reichen Familie, die in einer Kleinstadt in der Lüneburger Heide gelebt hat und immer noch lebt. Sein Urgroßvater war ein sehr angesehener und sehr geschäftstüchtiger Mann. Der war ein Handwerker und Unternehmer und hat da sehr viele Häuser auch gebaut. Also man kann jetzt irgendwie sagen, so halb Schwarmstedt hat ihm gehört. Aber das ist so ein alter Landgeldadel. Ja, und der Großvater, auch der, hat sich dann diesen Reichtum nicht durchgebracht, sondern hat eben so einen gut gehenden Kolonialwarnladen geführt. Und dann ging es in die Generation der Eltern von Alexander Albrecht. Seine Mutter ist noch diejenige gewesen, die so mit so einem goldenen Löffel im Mund geboren worden ist, Tochter aus reichem Hause. Wir sind ja 2019, aber 2018 war das auch schon klar, dass auf der Villa lasteten inzwischen 200.000 Euro Schulden. Die Ländereien waren alle verkauft. Es sah also finanziell schon gar nicht mehr so gut aus. Der Alexander Albrecht hatte aber trotzdem noch eine sehr behütete Kindheit gehabt. Der war der jüngere Sohn von seiner Mutter Wilma. Man war sehr stolz auf ihn und alles, was er machte, kriegte den Nimbus des Besonderen. Auf seinem Zimmer, an der Tür stand, Erfinderzimmer. Er hat gerne so ein bisschen rumgespielt und hat sich schon auch für Technik interessiert. Unter anderem hat er sich so ein Seilzug-Xylophon ausgedacht, dass man da also irgendwelche Seile nach oben zog und dann so die Töne erzeugte. Er war jetzt nicht wahnsinnig fleißig im Gymnasium. Seine Mutter hat sich da Gedanken gemacht für ihn und hat ihm in seine Jackentaschen eingenäht, damit man da eben so kleine Zettel verstecken kann, um in Arbeiten dann nochmal nachgucken zu können. Die Mutter hat ihm Spickzettelverstecke in die Jacke genäht. Ja, also sie hat quasi schon seine Betrügereien, sie hat es unterstützt. Die Mutter war als Kind schon seine Komplizin. Er hatte auch ein großes schauspielerisches Talent. Und zur Blüte gelangte dieses Talent, als er so in der Abi-Zeit, da haben die eben so ein Theaterstück aufgeführt. Und Alexander Albrecht hatte da die Hauptrolle des Spielleiters. Und die muss er so bravourös gegeben haben, dass A seine Patentante dann völlig begeistert an den Rand des Programmhefts schrieb, sollte Alexander nicht Schauspieler werden? Und diese Aufführung erreicht also so eine Popularität, dass die tatsächlich vom Feuilleton in Hannover, also sie wurden verglichen mit dem Stadttheater, mit dem professionellen Stadttheater. Also ihr bringt Begabungen mit, die durchaus im Ingenieurswesen gut sein könnten, auch als Schauspieler gut sein könnten, aber die auch hervorragend für eine betrügerische Laufbahn geeignet sind, inklusive Unterstützung durch die Mama, die ihn für den Allertollsten hält. Eine gute Basis für die Zukunft. Ja, eine gute Basis. Was ist denn aus dem Erwachsenen geworden? Seine Mutter hat sich vorgestellt, dass er in die medizinische Richtung gehen sollte und fand Zahnarzt für ihn eigentlich ganz passend. Und er hat dann auch ein Zahnmedizinstudium aufgenommen. Ja, als Zahnarzt muss man ja handwerklich sehr geschickt sein. Und daran mangelte es ihm. Da hat er so ein Gipsmodell herstellen sollen. Und das gelang und gelang ihm nicht. Es ist ihm wohl auch dann zerbrochen und in seiner letzten Verzweiflung ist er dann zu so einem Labor gegangen und hat sich dort ein professionelles Modell, fertigen lassen und das ist an der Universität Göttingen nicht so gerne gesehen worden. Ist dann aufgeflogen? Das ist sofort aufgeflogen und dann musste er die Universität wegen eines Täuschungsversuchs verlassen. Er ist besser im Ideen haben, als im Ideen umsetzen. Auf jeden Fall. Er hat trotzdem weiter Zahnmedizin studiert. Ich glaube, er hat insgesamt sechs verschiedene Universitäten besucht, also immer wieder. Er lernte auch dann eine Frau kennen, die Amerikanerin war, ist mit ihr in die USA gegangen. In den USA war er dann jemand, der zahlungsunfähigen Schuldnern Kredite gegeben hat, aber diese Kredite hat er ihnen zu absoluten Wucherzinsen gegeben. Deswegen ist er dann später auch zu einer Schadensersatzzahlung verurteilt worden wegen unlauteren Wettbewerbs. Er sollte zwei Millionen Dollar Schadensersatz zahlen und weil es auch mit seiner Ehe nicht so gut lief und er sich dann 2004 von der Amerikanerin hat scheiden lassen, ist er, wieder nach Deutschland zurückgekommen, ohne irgendeine Zahlung zu leisten. Er hat weder diese zwei Millionen Dollar gezahlt, noch hat er jemals einen kleinen Cent bezahlt an Unterhalt für seinen Sohn. Und in Deutschland lernt er dann Dunja kennen, seine Frau. Wie lernt er die kennen? Dunja hat das schon in den USA kennengelernt über eine Agentur. Und sie haben auch in den USA noch geheiratet und sind dann zusammen nach Deutschland gegangen. Dunja ist eine ukrainische Staatsbürgerin. In der Ukraine war sie eine Sportdozentin. Ihr Sportstudium ist in Deutschland nicht anerkannt worden. Und sie hat dann einen Job als Küchenhilfe angenommen. In Freiburg haben sie dann gelebt, zwei Jahre. Und ihr Mann war Zahnarzt. Aber ja, sie haben eben sehr bescheiden in einer Einzimmerwohnung gelebt, also nicht so auf großem Fuß. Und jetzt zurück ins Jahr 2019. Also jetzt sitzt er da bei dieser Freundin von Dunja, angeblich bei einer Fortbildung. Wie sieht denn die Fortbildung in Wahrheit aus? Die Fortbildung sieht so aus, dass er morgens das Haus verlässt. Er sitzt dann in Bibliotheken und er beschreibt seine Schulhefte, hat er dafür. Da schreibt er seine Pläne rein und diese Schulhefte beschriftet er aber mit ganz tollen Wörtern. Er gibt ihnen so Titel wie Gehirn, aber auch ins Französische driftet er und schreibt da das französische Wort Servo auf den Umschlag. Und ganz besonders liebe ich The Brain Survival of the Fittest. Oh ja, das ist ja gut. Was heißt Servo auf Deutsch für Nicht-Franzosen? Servo bedeutet auch Gehirn. Also er hat es total mit dem Gehirn. Er mag sein Gehirn. In allen Sprachen. Wie seine Mutter sein Gehirn schon mochte, mag er es selber auch ganz doll. Wie muss man sich diese Planung mit vorstellen? Was tüftelt er da jetzt so aus? Er hat einen Plan, dem hat er auch so einen netten Namen gegeben. Er hat ja auch so einen netten Humor teilweise. Verschwindibus heißt dieser Plan. Nach diesem Plan muss dieses Schlauchboot noch besser versteckt werden. Also die Reste von diesem Schlauchboot, die er da an diesem Molenkopf versteckt hat. Jedenfalls startet er nochmal eine Aktion in der Nacht, in dem er mit seiner Mutter und seiner Frau aufbricht, nochmal an den Strand fährt, dort dann eben dieses zerschnittene Schlauchboot birgt, und Donja steht inzwischen schmieren und, schaut halt, dass niemand irgendwie nachts diese Aktion beobachtet. Jetzt mal zur Frage natürlich, warum veranstalten Sie das Spektakel? Alexander Albrecht ist auf die Idee gekommen, zwölf Lebensversicherungen und zwei Unfallversicherungen abzuschließen. Dunja und seine Mutter Wilma sollen insgesamt 4,1 Millionen Euro bekommen. Sie haben im August 2018 bis Mai 2019 diese 14 Versicherungen abgeschlossen. Okay, und die Geldprobleme werden gelöst, wenn Alexander tot ist, aber noch lebt. Das ist der Plan. Sie haben auch im Schweizer Girokonten eröffnet. Die Beiträge, die zahlen Sie teilweise von diesen Schweizer Konten. Nur eine Versicherung wird von einem deutschen Konto bedient. Da äußerte Alexander Albrecht dann mal dazu, so bleiben wir unter dem Radar. Betrug ist harte Arbeit, Beziehung ist Arbeit, Kommunikation eben erst recht. Und jetzt spielen wir mal einen Wortwechsel ein, der beides, glaube ich, schon mal ein bisschen veranschaulicht. Da hat Dunja jetzt einen Vorschlag, den sie an Alexander in seinem Versteck schickt. Der Regen wird auf das Auto regnen. Ich mache Ihnen alles sauber. Deine Mutter braucht nicht zur Waschanlage zu gehen. Alexander macht so ein bisschen, finde ich, so den Mansplain in Klassiker, dass er sie lobt und zustimmt, aber in Wahrheit belehrt er sie und sagt das Gegenteil. »Hallöchen, gute Idee. Zusätzlich noch in die Waschanlage fahren. Salzig ist ja vor allem von drinnen. Da habe ich alles reingeschmissen. Das wuppen wir, das kriegen wir hin.« Woher kennst du diese Nachrichten? Ich habe diese Nachrichten im Laufe des Prozesses gehört. Die wurden dort eingespielt. Das hatte schon eine ganz eigene Note. Also einmal ihr slawischer Akzent, aber eben auch so seine motivierende Art, eben immer so wie so ein Entertainer auch seine Nachrichten zu sprechen. Erzähl mal, um was geht es jetzt konkret in diesem Dialog? In den ersten Nachrichten geht es darum, dass eben das zur Tat benutzte Auto gereinigt werden soll, falls irgendjemand mal auf die Idee kommt, da nach Spuren zu suchen. Und sein Untertauchen sollte eben auch vertuscht werden. Also im ersten Blick läuft es ja noch ganz flockig zwischen den beiden. Aber wie hast du generell so die Kommunikation wahrgenommen zwischen denen? Das ist ganz interessant, wie sich das entwickelt. Also am Anfang war das natürlich alles sehr aufregend. Er ist untergetaucht und die Situation war auch neu. Man hat also auch gemerkt, okay, sie müssen sich da erstmal mit dieser Situation neu einrichten, dass er jetzt offiziell gar nicht mehr existiert und die ganze Außenkommunikation, dass sie die übernehmen soll. Das hat eben alles so ein bisschen seine Tücken und man muss dazu wissen, dass Alexander Albrecht auch ein wahnsinnig chaotischer Mensch ist. Der wirkt so sortiert, der notiert alles so in seine Hefte da und entwirft Pläne, aber er ist ganz unordentlich mit Papierkram. Er hat ihr das nicht irgendwie geordnet übergeben, das merkt man dann eben, die haben nicht zusammen das alles mehrmals durchgegangen, ist alles klar, ja, ist alles klar. Nee, sondern das wurde so wirklich ganz oberflächlich, wurde da irgendwas besprochen. Ich glaube, Dunja war total beschäftigt damit, sich vorzustellen, wie sie das Geld in teure Markenklamotten umsetzen kann und hat überhaupt nicht überlegt, was da auf sie zukommt. Der beste Plan hilft nichts, wenn man ihn nicht findet. Ja, und auch nicht kennt und nicht richtig zugehört hat und dann noch so eine große Sprachschwierigkeiten hat. Denn klar, sie kann sich gut verständigen, aber. Sobald es dann eben so ein bisschen schwierigeres Deutsch, also technischeres Deutsch wird und da geht es ja dann auch darum bei den Versicherungen, da ist sie ausgestiegen. Genau, da kommen wir nämlich gleich dazu, weil es geht letztlich eben darum, jetzt diese Versicherung natürlich auch zum Zahlen zu bewegen. Aber erstmal spielen wir nochmal einen Wortwechsel eben aus den folgenden Tagen ein, der ganz gut veranstaulicht, wie die Kommunikation und die Stimmung zwischen den beiden sich so langsam entwickelt. Dunja spricht Alexander da auf die Mailbox erstmal und man hört schon, sie ist überfordert und sauer. Hättest mir früher alles erzählen sollen. Was soll ich dieser Werft sagen? Und was soll ich diesem Justizamt sagen? Brauche ich Kopie von diesem Versicherungsschein machen oder nicht? Sag mir bitte, was ich machen soll. Dann, Dunja ist immer noch ratlos. Ich verstehe nur Bahnhof. Bleib bitte am Telefon. Ich weiß etwas nix. Entweder hilfst du oder ich lasse frei. Also entweder hilfst du oder ich lasse frei. Was soll das heißen? Ich schmeiße hin. Sie hat große Probleme, ihn überhaupt zu erreichen. Er meldet sich teilweise auch nicht. Sie fühlt sich oft alleingelassen mit dem ganzen Kram. Es ist ja auch, wenn man sich überlegt, 14 Versicherungen. Alle wollen irgendwelche Informationen haben. Jeder formuliert es anders. Ja, ja. Aber Alexander hat alles im Griff und schreibt ihr »Hallöchen, Hallöchen, Zaubermausi. Sieht gut aus. Und wo er dann am Ende versunken ist, wissen nur die Götter. Man sagt auch, das Meer gibt ihn nicht wieder her. Es wäre optimal, wenn die Kripo das demnächst schriebe. Du stehst kurz davor, in wenigen Wochen zur Millionärin zu werden.«, Er sitzt da so ein bisschen an der Steuerung. Und sie schiebt Panik. Er macht nichts. Und sie schiebt Panik. Sie schiebt Panik, genau. Und das Irre ist, sie hört irgendwie, sie hat Stimmen hinter ihren Wänden. Also sie hat wirklich, wirklich richtig Paranoia. Was bewirktet sie da? Dunja hat Angst, dass die Polizei ihre Wohnung verwandt hat. Und deswegen geht sie zum Telefonieren immer nach draußen. Interessant fand ich auch noch eine Geschichte. Und da hat sie ihm vorgeworfen, ich war eine Stunde draußen, du konntest nicht mit mir sprechen. Also sie wollte ja in dieser Zeit, wo sie draußen ist, dass sie dann mit Alexander spricht. Und dann beschwert sie sich, ich komme nach Hause und du rufst mich an. Also dass selbst noch nicht mal das klappt. Szenen einer Ehe im Betrugsfall. Das Ding ist halt, die ist halt normal moralisch sozialisiert, würde ich sagen. Während bei ihm das so ist, der ist in diese reiche Familie reingeboren worden und hat so ein Anspruchsdenken und so. Und der hat überhaupt kein schlechtes Gewissen. Und bei ihr ist aber dieses schlechte Gewissen, das schlägt da schon ganz schön zu. Ja gut, und das tut natürlich eine größere Rausbildung. Bei ihm ja klar, ich meine, ich muss immer an diese Stelle, wo Mutti Taschen für die Spickzettel eingenäht hat. Das ist so, dass... Das ist selbstverständlich. Das ist doch ganz normal. Gibt dann für so ein Unternehmen so eine gewisse Gelassenheit. Ja, und sie quält sich da mit ihren Vorahnungen und Ängsten. Eine dieser Vorahnungen teilt sie ihm eben auch mit. Das ist eine, mit der sie tatsächlich bald Recht behalten wird. Ich glaube, etwas ist nicht gut. Die Kriminalpolizei arbeitet. Ja, und Alexander ärgert sich wiederum eben über ihre Panik. Das schreibt er in sein Heft. Panikattacken meiner Frau, weil sie schlichtweg nie interessiert war. Also hätte sie mal besser zugehört. Vielen Dank. Und was ist jetzt die nächste Aufgabe, die er für sie hat, gemäß seinem schlauen Plan? Für Dunja und für Alexander ist das jetzt total wichtig, dass sie die Polizei dazu bekommen, dass die bestätigen, dass er tot ist. Damit sie dann losgehen können zu den Versicherungen und das Geld holen können. Deswegen soll Dunja mit der Polizei Kontakt halten, soll eben auch erzählen, wie schwer das jetzt gerade für sie ist, dass sie Schlafstörungen hat, dass sie sich um die, Schwiegermutter kümmern muss, weil die eben schon so alt ist und nicht alleine sein kann und dass sie auch gerade kein Geld hat, weil sie nur ehrenamtlich arbeiten kann, weil sie sich ja um die Schwiegermutter kümmern muss. Und dass sie eben auch angewiesen ist, mal bald diese Risikolebensversicherung ausgezahlt zu bekommen. Aber der Torben Mordig sagt ihr, naja, dafür sind wir nicht zuständig, jetzt hier Bestätigungen auszuschreiben. Da müssen sie sich dann an das Standesamt wenden. Ja, und offenbar sorgt sie, wenn ich deinen Text richtig verstanden habe, dann genau dadurch dafür, dass die Polizei das tut, was sie in der einen Nachricht befürchtet hat. Sie wird aufmerksam. Die Polizei ist ja schon mal misstrauisch geworden, als sie diese Manipulationen an dem Boot festgestellt haben durch den Bootsgutachter. Dann fallen ihnen aber auch noch so ein paar andere Sachen auf. Also einmal fällt Torben mordig auf, dass Dunja davon berichtet, dass ihr Mann mit Essen und Trinken an Bord losgefahren ist, aber gar keine Klamotten weiter mit an Bord hatte. Was ihn auch ein bisschen befremdet, ist, dass die Dunja, Dass sie also gar nicht mit irgendeiner Trauer beschäftigt ist, sondern dass sie da regelrecht drängt darauf, dass die Polizei den Tod feststellt, wo sich doch eigentlich jeder Angehörige immer an die Hoffnung klammert und eigentlich immer hören will, naja klar, der könnte noch da sein und hier sein. Auf jeden Fall, was sein Misstrauen dann doch nochmal ganz stark befeuert ist, als er sie bittet, ein aktuelles Foto von Alexander zu bekommen. Und da fragt sie nach, wieso brauchen sie denn das? Und ja, wenn der da im Wasser liegt, dann kann man doch sowieso nicht mehr sein Gesicht erkennen. Naheliegend wäre doch, na klar, ich tue alles, was ich tun kann. Wir stellen fest, zumindest im Kopf des zuständigen Kommissars bei der Kripo fängt es an zu arbeiten. Was unternimmt dann Mastermind Alexander als nächstes? Alexander Albrecht ist inzwischen von Hamburg nach Schwarmstädt gezogen und dort hat er sich auf dem Dachboden der Villa versteckt. Man muss sich vorstellen, das ist so eine riesige Klinkerbau-Villa auf einem verwilderten Grundstück und da ist so ein Dachboden, der ist nicht ausgebaut. Also über seinem alten Kinderzimmer, da hockt er. Er hat sich sein Versteck da eingerichtet. Er hat Pappe vor die Fenster gepackt. Er hat einen Seilzug, mit dem er die Bodenklappe vom Dachboden aus öffnen kann. Und er hat ein Babyfon, um mitzubekommen, was unten im Haus passiert. Und so sitzt er da oben mit seiner Kaffeemaschine, mit seinen Büchern, mit seinem Schachcomputer, mit seiner Luftbatratze. Er hat sich da wirklich viele Gedanken gemacht, wie man sich so ein Versteck, wie man es sich nett machen kann. Und da kann er dann jetzt sitzen und planen und Dunja sagen, was sie jetzt gefälligst zu tun hat. Also sie bittet ihn immer, irgendwie einen Plan zu entwerfen. Und er schickt dann immer irgendwelche Formulierungen, die sie dann eben weiterleiten soll. Und da haben sie sich ja auch nochmal was ganz Tolles ausgedacht, nämlich dass er ihr was vorformuliert, und sie soll das Ganze dann ins Russische übersetzen und vom Russischen wieder ins Deutsche, damit man also auch wirklich merkt, das ist von ihr. Also sie stellen sich vor, dass die Polizei eben erklärt, ja, wir finden den nicht und wir haben auch überhaupt keine Hoffnung mehr und der muss tot sein. Und Mordik wird jetzt quasi dann ein bisschen zugeballert von ihr mit Mails. Reagiert er da auch drauf? Eine von diesen Mails, die da also Dunja hin und her übersetzt hat, die lautet da eben, ich habe sie richtig verstanden. Sie denken, mein Mann sei ertrunken. Richtig ist der Fall damit geschlossen. Tatsächlich ist es auch so, dass die Antwort auch dann so ausfällt am 9. Dezember 2019 und das wird ordentlich gefeiert im Lager der Betrüger. Dunja geht jetzt los und hat für 14 verschiedene Versicherungen jetzt den gleichen Text. Seit gestern haben wir die traurige Gewissheit, dass mein Mann und bei einigen Versicherungen, dass mein Sohn verstorben ist. Das Boot fand man versunken in der Bucht. Mein Sohn wurde leider nicht geborgen. Die Kripo teilte mir gestern per Mail mit, dass die Suche ergebnislos verlaufen sei und man ihn für ertrunken halte. Somit die Suche inzwischen eingestellt wurde. Alles Warten und Hoffen waren vergebens. Aber wir erfahren und jetzt können wir auch wieder Nachrichten einspielen, dass es natürlich bei Versicherungen keineswegs mit einer so einer weitergeleiteten Mail und so einem Schreiben gelöst ist, sondern dass... Für Dunja jetzt mal richtig Arbeit kommt. Sie ringt mit der deutschen Bürokratie. Wo soll ich diese Adresse schreiben? Rechts, links, sag mir alles genau. Wir wissen nicht genau, ob er ihr da weiterhelfen konnte, aber wir wissen, dass es nicht leichter wurde. Da ist noch ein Zettel. Soll ich das unterschreiben? Denk mal bitte und sag mir Bescheid. Och, wenn beendet ist diese Scheiße. Es fällt ihr ja offensichtlich schon schwer, zu wissen, wo die Adresse notiert wird und wo der Absender notiert wird. Also wenn sie schon daran scheitert, dann weiß man auch, wie schwer ihr alles andere fällt. Aber Gott sei Dank hat sie einen sehr stabilen Mann. Jetzt ist die Phase der Geduld angesagt. Mit der Post von Montag, Dienstag erhalten die Versicherungen ihre Versicherungsscheine. Ich schätze, Ende der Woche werden sie antworten. Ja, aber die Polizei wird jetzt noch aufmerksamer. Was passiert an der Ostsee oben? Am 9. Dezember 2019 hat Kommissar Mordig geschrieben, wir halten ihn für ertrunken. Und danach hört er nie wieder was von Dunja. Das ist natürlich, das wird immer merkwürdiger alles. Das ist Kommissar Mordig und Tanja Schmidt, seine Zimmerkollegin, erfahrenere Zimmerkollegin. Die haben jetzt gesagt, jetzt holen wir uns mal eine Finanzermittlerin dazu. Und da kommt die Sonja Almonait dazu. Die ist Anfang 40 und hat schon ein bisschen Erfahrung. Wir müssen auch sagen, du hast die alle drei auch gesprochen, ne, länger? Ja, und... Ja, sie haben sich dann den Alexander Albrecht und seine Konten angeguckt, insoweit, wie sie da rankamen. Es war ja noch kein Ermittlungsverfahren gegen ihn eröffnet. Das hatte die Staatsanwaltschaft noch nicht getan. Deswegen waren die Möglichkeiten gering. Aber Sonja Almonait hat bei ersten Nachforschungen festgestellt, Alexander Albrecht hat ein Pfändungsschutzkonto, ein sogenanntes P-Konto. So etwas richten nur sich Leute ein, die von Fendung bedroht sind oder schon eine Fendung laufen haben. Und sie stellt fest, dass es nicht nur eine Lebensversicherung gegeben hat, sondern sie entdeckt auch noch eine weitere Lebensversicherung. Es sind schon mal zwei Lebensversicherungen. Zwei Lebensversicherungen, schon eine halbe Mio dann insgesamt schon. Also sie ahnen, dass was faul ist. Aber die Staatsanwaltschaft lässt sie immer noch nicht von der Leine. Die Staatsanwaltschaft ist tatsächlich in dem Fall nicht so rührig erstmal. Die sagen sich, naja, reicht uns irgendwie noch nicht. Das bedeutet eben, dass die Sonja Almuneit nicht an die Daten, also es gilt ein Datenschutz für Bankdaten. Und sie können zum Beispiel auch nicht proaktiv bei den Versicherungen anfragen und sagen, sagen Sie uns mal, ob der bei Ihnen eine Versicherung braucht. Ach so, ja, man könnte die großen Lebensversicherungen, dann könnte man schauen, wie viele haben sie denn so. Und unser Pärchen kriegt... Sein Geld ist noch lange nicht ausbezahlt. In dieser Mail von Torben Mordig, da hat er ihnen geschrieben, dass erst nach zehn Jahren jemand für tot erklärt wird, wenn der vermisst wird. Das war eine Auskunft, die eigentlich falsch war, weil bei Seefällen ist das nämlich eine andere Geschichte. Aber Alexander Albrecht, er erfährt jetzt eben von der Hannoverischen Versicherung, von diesem Verschollenheitsgesetz, erfährt schon nach sechs Monaten verschollen auf See, kann man für tot erklärt werden. Er sagt sich, super, zwei Monate haben wir ja jetzt schon hinter uns, da müssen wir jetzt nur noch vier Monate abwarten, dann werde ich für tot erklärt, wunderbar, dann sollte doch alles laufen. Wovon gehen denn die Ermittler aus? Sie sind ja misstrauisch, das haben wir jetzt schon gemerkt. Ahnen die schon, dass der noch lebt? Die Kieler Ermittler gehen davon aus, dass sie es hier mit einem Betrugsfall zu tun haben. Aber sie müssen halt noch die Staatsanwaltschaft überzeugen. Das ist ja auch immer so eine Sache. Also wir reden jetzt hier aus der Rücksicht, also aus der Retrospektive. Für uns ist das klar, wir wissen jetzt, wie der Alexander Albrecht tickt. Wir sehen die ganze Zeit schon auf dem Dachboden sitzen. Ja, ja. Und für die Ermittler ist das natürlich so, sie haben jetzt ein paar Anhaltspunkte, aber man will ja auch nicht, sie unterstellen ja jetzt auch nicht allen Menschen jetzt immer gleich was Schlechtes, ja, nur weil einer sich komisch verhält. Aber trotzdem, sie denken schon eher nochmal darüber nachher, Mensch, wo können wir dann jetzt hier nochmal was nachlegen, damit die Staatsanwaltschaft unsere Meinung teilt. Wie schaffen Sie es dann, die Staatsanwaltschaft zu überzeugen? Es ist so, Versicherungen prüfen erstmal Wege, nicht zahlen zu müssen. Das ist ja das, worüber man sich auch oft so ärgert, dass die Versicherungen erstmal damit kommen, nö, wir fühlen uns nicht zuständig, das ist nicht das, was sie versichert haben. Da gibt es eben intern bei den Versicherungen auch eine Truppe, die so eine Art so kleine Mini-Kriminalpolizei ist Und die lässt sich dann gerne dann auch erstmal die Akten von den Ermittlern kommen und fragt mal bei der Polizei nach, was wisst ihr denn über diesen Fall? Und da melden sich jetzt drei Versicherungen bei den Kieler Ermittlern. Drei weitere Versicherungen. Und dann denken die, huch, jetzt haben wir aber schon fünf. So, und dann wird die Sache jetzt richtig spannend. Vor allen Dingen, weil die Staatsanwaltschaft dann auch weiß, es laufen schon bereits zwei Ermittlungsverfahren gegen ihn. Einmal hat er sich einen 40.000-Euro-Kredit erschlichen. Also er hat vorgegeben, dass er ein Mitarbeiter der Deutschen Krebshilfe sei. Und er hat sich die Genehmigung für die Durchführung einer Soziallotterie erschlichen, und hat sich als angeblicher Geschäftsführer der Deutschen Leukämiehilfe ausgegeben, indem er einen Kontoauszug manipuliert hatte. Die Einnahmen aus diesem Losverkauf, die hat er für sich verbraten und hat keinerlei Prämien ausgeschüttet. Es führt dann dazu, dass die Staatsanwaltschaft endlich ein Ermittlungsverfahren eröffnet. Für die Finanzermittlerin Sonja Almonait ist es dann ein leichtes festzustellen, dass er insgesamt 14 Policen abgeschlossen hat über die Summe von 4,1 Millionen Euro. Also der Startschuss für Mordik und seine beiden Kolleginnen. Jetzt dürfen sie loslegen. Jetzt passiert das, was Dunja befürchtet hat die ganze Zeit. Nämlich jetzt wird eine Telekommunikationsüberwachung geschaltet. Und ich stelle mir da also immer noch vor, was die Ermittler damals für einen Spaß gehabt haben müssen, als sie diese Gespräche abgehört haben. Bei der Mutter von Alexander Albrecht, bei der Wilma Albrecht, Dort, wo sich Alexander verkrochen hat im Dachboden, da hören sie bei der Telekommunikationsüberwachung im Hintergrund eine Männerstimme. Die Mutter wohnt ja da eigentlich seit Jahren, seit dem Tod ihres Mannes allein. Und wie kommt da diese Männerstimme in die Leitung? Es fällt ihnen auch auf, dass wenn Wilma von ihren Bekannten und Verwandten gefragt wird, wie geht es denn Alexander? Da antwortet sie immer so ganz lapidar, ja gut. Weiter nächstes Thema. Und es gibt dann auch noch ganz merkwürdige Telefonate. Da spricht ein Mann mit verstellter Stimme und Dunja redet ihn immer mit Mama an. Also mit so einer hohen Fistelstimme? Ja, mit so einer hohen Kopfstimme, sagt man dazu. Der telefoniert mit dem Anschluss von Dunja und Dunja redet diesen Mann immer mit Mama an. Also das ist völlig, völlig schräg. Also es könnte durchaus sein, dass es sich um Alexander Albrecht dabei handelt. Worüber wir ja noch gar nicht gesprochen haben, ist ja das Verhältnis zwischen Dunja und ihrer Schwiegermutter. Die Schwiegermutter ist ja auch Mitkomplizin. Dunja hat die Hauptlast, die Schwiegermutter hat den Sohn zu Hause. Wie ist denn das Verhältnis zwischen den beiden? Es ist eine herzliche Feindschaft, die die beiden verbindet. Aber das ist ja auch ganz klar. Also Wilma hat ihren Sohn immer bevorzugt. Die hat ja noch eine Tochter. Die ist sechs Jahre älter als der Alexander. Und sie hat aber immer ihren Sohn. Ihr Sohn war total wichtig. Und jede Frau, die in dieses Verhältnis zwischen Mutter und Sohn irgendwie eingedrungen ist, die hat Wilma eigentlich immer gehasst. Genauso ist es auch bei Dunja. und sie hat große Probleme, mit Wilma irgendwas absprechen zu können. Wilma hält sich auch sowieso an gar keinen Plan und an gar keine Vereinbarung. Da beschwert sich Dunja auch oft bei Alexander. Ich will jetzt nicht sagen, dass sie mir leid tut, weil es ist ja auch ein ordentlicher Betrug, bei dem sie jetzt auch mitmischt, aber sie ist schon in einer sehr, sehr schwierigen Situation, da muss man sagen. Ja, sie muss beide irgendwo bändigen. Sie muss Wilma bändigen und Wilma macht ihr eigenes Ding. Und redet vor allen Dingen nicht mit Dunja. Okay, aber die Polizei ist jetzt richtig. Sie hat den starken Eindruck, da wohnt ein Mann im Haus der Schwiegermutter. Was passiert? Am 28. April schlagen sie zu, indem sie zwei Hausdurchsuchungen durchführen. Einmal in Kiel bei Dunja und dann in Schwarmstedt bei Wilma. Bei Dunja haben sie ein relativ leichtes Spiel. Also sie protestiert da ganz leicht und sagt irgendwie, wen suchen sie denn? Was suchen sie denn? Na, wir suchen ihren Mann. Aber der ist doch ertrunken. Mehrfach wird sie gefragt, nun sagen sie uns doch aber mal wirklich, wo der ist. Wir haben Anhaltspunkte, dass der noch lebt. Und da bricht sie auch ganz schnell zusammen und sagt, dass er in Schwarmstädt anzufinden ist bei seiner Mutter. Und da schlagen sie ja dann auch auf. Da sind sie auch schon am Suchen und das ist auf jeden Fall die amüsantere Hausdurchsuchung auf jeden Fall, weil da kommt also Wilmas Charakter durch, sie... Sie wird da also morgens überrascht, ist noch im Nachthemd, verweigert jegliche, Kooperation. Sie öffnet zwar die Haustür, aber. Sie sagt nicht, wo ihr Sohn ist. Sie findet angeblich nicht ihre Lesebrille. Sie soll ja diesen Durchsuchungsbeschluss, den soll sie ja selber lesen dürfen. Also die halten ja den Durchsuchungsbeschluss hin und sie sagt, kann ich nicht lesen. Und dann sagen die, ziehen Sie doch eine Brille auf. Sie tragen alle Brillen zusammen, die sie im Haus finden. Und nein, da ist natürlich nicht die Lesebrille darunter, die zu Wilma gehört. Und dann haben die Ermittler aber natürlich auch so ein bisschen Respekt. Das ist ja eine alte Dame. Es ist eine Dame mit einem ziemlich, die ist immer sehr als Wohlhabende, als Tochter aus Höherem Hause behandelt worden. Die weiß, wer sie ist. Das macht sie auch gegenüber den Ermittlern klar. Und die haben zumindest insofern Respekt, dass sie sich sagen, ja Mensch, die Frau ist aber echt hier, die ist Ende 80. Und ja, sie klagt dann eben schon, dass ihr kalt ist, aber sie möchte sich auch nichts anziehen. Also sie weigert sich überhaupt irgendwie eine Kooperation zu zeigen. Und dann kommt Tanja Schmidt und sagt, okay, hier ist eine Decke, die legt sie ihr energisch um die Schultern. Und sie haben noch nicht so einen richtigen Zugang. Können wir das jetzt so riskieren? Sie haben ja eine Verantwortung auch. Und dann Sonja Almoneit, da sagt die einfach mal so aus dem Bauch heraus, wissen Sie, meine kleine dreijährige Tochter, die ist nicht so bockig, wie Sie hier sind. Und dann empört sich Wilma über, dass man ihr Bockigkeit unterstellt. Und sie zeigt also wirklich Blankestes und Energischstes. Also sie ist hochgradig empört. Und dann ist Aufatmen bei den Ermittlern, weil die sich sagen, oh ja, wer so viel Kraft hat, sich zu empören, super, der ist gesund, ihm geht's gut. Der ist kein Fall für die Notaufnahme. Und zum Schluss ist es ja auch so, dass ihr nicht einfällt, wo der Tresorschlüssel sein könnte. Es gibt einen Tresor im Haus, der ist natürlich sehr interessant. Ja, und dann kennt die Staatsmacht natürlich dann auch keinen Erbarmen. Dann wird das Ding einfach aufgeflext und dann stellt sich raus, in dem Tresor war einfach nur wertloser Schund drin. Es hat sich überhaupt nicht gelohnt, da so einen großen Aufstand zu machen. Aber dann völlig ungesichert finden die Ermittler die Aufzeichnungen von Alexander. Und zwar auch vor allen Dingen jenen Brief, den er im Juni 2018 hatte, nämlich schon diesen Plan entworfen gehabt, wo er der Mutter unterbreitet hat, also unsere finanzielle Lage ist desaströs. Es hilft nur noch ein nicht auszudenkender Plan. Er entwirft dann eben schon mal so grob, was er sich da so vorstellt und möchte das Ende des Zeitalter Hiobs erreichen, indem er nämlich untertaucht. Das skizziert er alles schon in diesem Brief. Und schön ist auch, wie er dann so schreibt, keiner wird mich vermissen, mich umgeben keine Freunde, sondern alle wollen von mir nur Geld haben. Oh Gott, oh Gott, oh Gott. Und dann haben Sie diese ganzen Hälfte mit, wie hieß es, The Brain Survival of the Fittest. Das ist jetzt leider der Polizei in die Hand gefallen. Aber die große Frage ist, finden Sie auch ihn auf dem Dachboden? Ja, das ist das große Phänomen, dass Sie acht Stunden lang suchen und ihn trotzdem nicht finden. Also diese Villa, muss man sich vorstellen, die ist wirklich, also das ist so eine richtig, war mal eben richtig, richtig hochherrschaftlich. Jetzt ist sie schon sehr runtergekommen, also man merkt, dass da also ein Sanierungsstau ist. Es ist auch ein bisschen, dadurch, dass so Anbauten sind, ist es auch alles ein bisschen verschachtelt. Auf jeden Fall, sie brechen dann erstmal nach acht Stunden die Suche ab. Aber sie kommen wieder. Diesmal klingeln sie nicht, sondern kommen sie gleich mit dem mobilen Einsatzkommando und dann geht es zack ab übers Fenster. Und dann eine warme Decke für die Mutter mitgebracht. Sie kennen natürlich jetzt auch schon mal so ein bisschen den Grundriss und haben sich überlegt, ja, Dachboden, also das hatten sie schon so im Gespür. Und dann war das also auch wieder eine ganz filmreife Szene. Das ist so ein, wie gesagt, nicht ausgebauter Dachboden, wo so eben nur so Balken sind, wo so auch viele Kartons mit all dem ganzen Geraffel, was sich da über die Jahrzehnte angesammelt hatte. Und hinter diesen Kartons hat sich Alexander Albrecht versteckt. Ein Polizist leuchtet dann den Dachboden aus mit seiner Taschenlampe und das Aufblinken des Eherings, das verrät Alexander. Ausgerechnet das Siegel seiner Liebe verrät ihn. Dunja hat eh gestanden. Also die Schuldfrage im Prozess, der dann bald oder ein paar Monate darauf folgt, der sollte eigentlich ja einfach zu beantworten gewesen sein. Naja, es ist insofern ein bisschen trickreich, die ganze Geschichte und beschäftigt dann doch länger die Justiz als ursprünglich angenommen, weil 14-facher versuchter Betrug ist angeklagt. Weil noch kein Geld geflossen ist. Und weil der Plan gescheitert ist, die Justiz, also ja, die unterscheidet ja so in so ganz feinen Nuancierungen die Rechtsanwälte, die in der Verteidigungsrolle sind. Allen voran der Rechtsanwalt von Alexander, der ist sehr gut und der stellt sich auf den Standpunkt und sagt, ja klar, es ist schon versucht worden, da was Geld zu bekommen. Aber er war noch meilenweit von der Realisierung entfernt. Es hätte noch mehrerer Zwischenschritte bedurft, um diesen Plan wirklich umzusetzen. Und leider, leider, leider hat die Polizei doch viel zu früh eingegriffen. Die waren eigentlich der Meinung, ja klar, wir haben schon mal alle Fährten, ausgelegt, aber wir brauchen ja noch ganz, ganz viel. Wir müssen ja noch einiges tun, um wirklich Geld ausgezahlt zu bekommen. Und um diese innere Vorstellung der Täter, darum ging es also vor allen Dingen. Also quasi die Frage, haben die beiden das schon versucht zu betrügen oder haben sie erst geplant zu versuchen zu betrügen quasi? Da muss man so den Grenzpunkt finden. Noch kürzer gesagt, die Justiz sagt, der Punkt ist, wenn der Täter denkt, jetzt geht es los. War dieser Punkt überschritten oder waren sie noch ganz weit von diesem Punkt entfernt? Wie hat das Gericht dann geurteilt? Der erste Prozess, der endete mit sehr milden Urteilen. Ja, also das Gericht hat gesagt, sie waren eigentlich nur bei einer Versicherung wirklich der Meinung, dass die jetzt zahlen würde und dass sie nichts mehr tun müssten. Und bei den anderen 13 Versicherungen, da sei es noch gar nicht an diesen Punkt gekommen. Und deswegen haben sie gesagt, okay, einmal versuchter Betrug. Deswegen sollte er 21 Monate Haft bekommen ausgesetzter Bewährung. Für die restlichen 13 Versicherungen gab es Freisprüche. Und Dunja sollte mit einem Jahr auf Bewährung davon kommen. Und da hat die Staatsanwaltschaft gesagt, nö, also wir haben hier vier Jahre gefordert für 14-fachen versuchten Betrug. Das ziehen wir ja auch durch. Die sind in Revision dann gegangen. Ja, im zweiten Anlauf gab es dann härtere Strafen. Da wurde tatsächlich 14-facher versuchter Betrug erkannt. Für Alexander Albrecht gab es dann drei Jahre und zwei Monate, die dann nicht mehr zur Bewährung ausgesetzt werden können. Und für Dunja Albrecht gab es zwei Jahre zur Bewährung. Wilma Albrecht, das war das Kuriose, dass 2020 sollte der Prozess beginnen gegen alle drei ursprünglich. Das war ja die Hochzeit von Corona und die Amtsärzte waren heillos eingebunden in die Corona-Pandemie. Niemand hatte Zeit, sich anzugucken, wie fit ist diese Mutter. Und man hat dann eigentlich, ich würde sagen, man hat pauschal gesagt, okay, die Frau ist 87, zack, die ist nicht verhandlungsfähig. Die hat ja noch vier Jahre gelebt und die war schon auch relativ fit. Eigentlich wäre es richtig gewesen, sie auf die Anklagebank zu setzen, weil das hätte man ihr schon nochmal ruhig spiegeln können, was sie da unterstützt hat und was sie für einen Sohn hat. Das ist ja auch so eine fortgeführte, ich will nicht sagen Lebenslüge, aber so eine Lebenshaltung oder eine Haltung dem Sohn gegenüber, so klingt das, dass man immer... Ihn bei seinen Betrügen unterstützt. Also sie spielt einfach schon eine Rolle dabei. Mehr als nur der Helferin jetzt bei diesem Betrugsfall. Natürlich, sie hat diesen Sohn geformt. Die Schwester ist ja ganz anders geworden. Die hast du auch kennengelernt. Die habe ich im Prozess kennengelernt. Die Schwester war eben das ungeliebte Kind. Sie musste sich alles erkämpfen. Und sie hat immer im Schatten dieser Familie eigentlich auch gestanden. Und hat auch irgendwann den Kontakt zu der Familie abgebrochen und sie war dann während der Prozesse anwesend. Das war für sie wie so eine Aufarbeitung ihrer Familiengeschichte. Und dass ein Gericht festgestellt hat, dass die Familie, zu der sie nie gehören durfte, dass die kriminell sind und dass sie eben auf der anderen Seite sitzt. Ja, wenn du dann da so aufwächst, dann... Dann bist du ja immer die Falsche und du hast die Tricksten und Lügen und du bist die Falsche. Und klar, es ist nachvollziehbar, dass das dann mal ein ganz großer Moment ist. Jetzt steht das alles wirklich vor einem Gericht und jetzt wird gesagt, wer hier falsch ist und wer zu Unrecht auf dem Hohenrost sitzt. Ja, das stimmt. Und das ganze Geld der Familie wurde ja durchgebracht von Wilma und von Alexander vor allen Dingen. Wie hast du eigentlich die beiden vor Gericht erlebt, das Paar? Es ist ja so ein Klassiker, dass wenn man ganz lange bei so einem Verbrechen zusammenhält als Team, auch als Paar, auch als Liebespaar oder Ehepaar, dass es dann oft vor Gericht ja dann so richtig scheppert. Wie war es bei den beiden? Ja, das wird begünstigt durch die Strafprozessordnung, dass natürlich jeder stirbt für sich allein Und natürlich jeder kämpft vor Gericht dafür, dass seine Person milder bestraft wird als der andere. Aber das hatten wir jetzt hier eigentlich nicht. Interessant fand ich bei der Beobachtung dieses Paares, also ich fand erst mal irre, dass dieser Mann, der da 2020, da war der 53, dachte, boah, der sieht ja irgendwie, der wäre auch noch für 30 durchgegangen. Also irre jung sieht der aus, wo man sich dann auch fragt, hält betrügen so jung? Ja, das war unglaublich. Also es war auch immer so, dass man irgendwie sich schwer vorstellen konnte, Dunja und ihn, sie wirkte immer wie seine Mutter. Also sie ist gleich alt. Sie trug halt Magenklamotten und war eben. So eine schlanke, sportliche, blondierte. Eher auch sehr schlank, aber kein so ein sportlicher Schlanker, sondern eben so einer, an den eben kein Gramm Fett so rankommt. So ein Asket. Ja, und er saß da immer mit Mundschutz und mit Schutzbrille auch noch. Ich glaube sogar mit Handschuhen, bin mir jetzt gerade nicht ganz sicher. Also ich hatte aber eher so das Gefühl, er versteckt sich dahinter, dass es nicht um eine Angst vor dem Virus geht oder er versucht sich so ein bisschen abzugrenzen. Ich bin was anderes, was Besonderes. Also es wirkte auch komisch. Was eben interessant war, war, dass Dunja im Gerichtssaal erst erfahren hat, dass er überhaupt gar kein fertiger Zahnarzt ist. So zum Anfang des Prozesses werden ja die Personalien festgestellt und dann wird ja auch nach dem Beruf gefragt. Und dann hat er tatsächlich angegeben, dass er Student der Zahnmedizin ist, also dass er nicht fertig studiert hat. Sie hat die ganze Zeit ja geglaubt, er ist Zahnarzt. Sie hat geglaubt, sie hat eigentlich einen zumindest von der Ausbildung gutgestellten Mann gehabt und die ganze Zeit geglaubt, er geht jeden Morgen raus zum Job. Ja, und als er das dann erklärt hat und aufgelöst hat, dass er gar kein Zahnarzt ist und dass er sich das nie getraut hat, ihr zu sagen. Und dann so eine blumige Erklärung dafür abgeliefert hat, ich kann Frauen nicht abgeben wie ein Kleidungsstück an der Garderobe und dass er Angst gehabt hatte, deswegen von ihr verlassen zu werden. Ihr zuliebe hat er sie belogen. Er wollte den Schmerz ersparen, dass er... Nicht so ein Held ist, wie sie glaubt. Ja, also da hat sie eben auch nochmal so ihr Wachen gehabt. Wie hat sie darauf reagiert? Sie hat schon geweint. So ist die Frage natürlich, ob es auch diese ganze Situation vor Gericht war. Ja, und dass man hier natürlich auch auf dem Pranger steht. Das stresst ja alles. Ja, klar. Aber eben auch dann so eine Lebensliege zu hören. Wir hatten ja im Vorgespräch auch schon, dass es immer auch, wenn man ihm dann hilft beim Betrügen, dass man glaubt, Der würde eigentlich selber auch betrügen, wenn der steht dabei und merkt, wie der jeden anlügt, aber einen selber nicht. Ja, man möchte ja die besondere Frau sein, die, die ja nicht anlügt. Nee, also das hatte wirklich schon viele menschliche Momente. Auch natürlich dieser Niedergang dieser Dynastie. Man hatte ja wirklich so diese, Buddenbrooks vor Augen. Also eine reiche Familie, die da systematisch sich runterwirtschaftet. Und am Ende kriegt auch Wilma noch die Quittung. Bevor Alexander in Haft geht, verkauft er das Haus. Sie darf noch drin wohnen bleiben, aber sie muss eigentlich eine Miete zahlen. Doch da gibt es gar kein Geld mehr dafür, denn das Geld ging drauf für die Tilgung des Darlehens, das auf dem Haus gelastet hatte und das restliche Geld verjubelt Alexander für sich und für Reisen mit Dunja. Und er lässt dann, als er Anfang 2025 in Haft geht, lässt er dann Wilma allein zurück, ohne Geld. Und es ist nicht die Miete fürs Haus bezahlt, es ist kein Pflegedienst bezahlt, es ist kein Heizöl bezahlt. Es ist ja im Winter. Also Wilma ist schon sehr stark pflegebedürftig. Sie liegt am Ende des Lebens, liegt sie quasi ab. So bitter wie das ist und so derb, wie man es formulieren muss, sie liegt in ihrer eigenen Scheiße von ihrem Sohn völlig verlassen und wenn sich nicht ihre Tochter noch in letzter Sekunde noch um sie gekümmert hätte und dann noch geschafft hätte, sie in den letzten Wochen ihres Lebens dann in ein, menschenwürdiges Pflegeheim dann zu bringen, dann wäre sie auch so gestorben und sie stirbt im Juni 2025. Alexander Albrecht, er wird in Handschellen an dieser Beerdigung teilnehmen. Zwei Justizwachtmeister werden ihn dann nicht aus den Augen lassen. Und da steht er nun am Ende von Wilmers Leben, ihr heißgeliebter Sohn am offenen Grab. Die Handschellen presst er also an seinen Körper mit der linken Hand. Die Justizwachtmeister waren so nett und haben ihm die gelöst. Und mit der rechten Hand streut er dann die Erde auf das Grab. Und er kann noch nicht mal bezahlen, dass der Grabstein da wieder aufgerichtet wird. Also das Grab ist blanker Sand, der da ist. Das Grab wird nie wieder hergerichtet. Alles verscherbelt, oje. Dunja und Alexander? Dunja und Alexander sind interessanterweise noch immer zusammen. Ja, also ich habe keine gegenteiligen Nachrichten. Vielleicht hofft sie auch auf Besserung bei ihm. Also offensichtlich glaubt sie immer noch an ihn. Die drei Jahre und zwei Monate, die er absitzen muss, also sie sind glaube ich nächstes Jahr, sind sie dann vorbei. Dann kommt es darauf an, es läuft ja ein neues Strafverfahren gegen ihn, weil er ja das Geld der Mutter veruntreut hat. Also das Geld, was er aus dem Hausverkauf gewonnen hatte, das läuft. Also der Aufenthalt kann sich noch verlängern. Der Aufenthalt kann sich noch verlängern. Also davon können Staatsanwälte auch ein Lied singen. Das Betrügen bei richtig eingeschliffenen Betrügern, die können das nicht lassen, die brauchen das. Die brauchen das auch als Bestätigung, weil sie sich ja auch für schlauer halten als andere. Ja, wobei wir können es natürlich nicht sagen, dass es so kommen wird. Du schilderst allgemein das aus deiner Erfahrung vor Gericht. Natürlich, das ist mal, ja. Gerade bei Betrügern ist es oft eine Fortsetzungsgeschichte auch vor dem Richter. Vielen Dank auf alle Fälle, Uta, dass du uns diesen außergewöhnlichen und schrägen Fall, erzählt hast, wo man auch merkt, so, Mensch, ja. Das ist das pralle Leben. Auch andere haben die Herausforderung im Beziehungsleben. Stimmt. Vielen Dank dafür. Und zum Abschluss, liebe Hörerinnen und Hörer, verweise ich wie immer darauf, dass Utas Geschichte bei Stern Plus zu finden ist. Den Link findet ihr unten in den Shownotes. Und dort findet ihr auch einen Link zum Stern Crime Bereich bei Stern.de. Schaut da wirklich mal rein. Und ich danke euch sehr fürs Zuhören. Tschüss.