Eine Brandenburger Familie macht sich auf eine Einkaufsfahrt. Was dann passiert, ist so furchtbar, dass sich keiner vorstellen kann, dass es von langer Hand geplant wurde. Ich bin Bernd Volland und das ist Spurensuche, der Podcast von Sterncrime. Herzlich Willkommen zu einer neuen Folge von Spurensuche. Heute geht es um eine besonders perfide Tat. Es geht um einen Dreifachmord. Und begangen wurde dieser Mord an einer Frau und ihren zwei Kindern. Und der Täter wäre beinahe unbehelligt davongekommen. Und zwar aus einem Grund. Weil seine Tat einfach zu bösartig und zu unbarmherzig war. Und deshalb konnte selbst die Polizei es sich anfangs nicht vorstellen, dass ein Mensch zu so etwas fähig ist. Vielen Dank. Über diesen Fall spreche ich mit Chantal Rau, die diese Geschichte für Sterncrime recherchiert und aufgeschrieben hat und dafür auch mit dem Mann gesprochen hat, der einer der wenigen war, die sich das Unvorstellbare doch vorstellen konnten. Und den Mörder deshalb überführte. Hallo Chantal. Hallo, schön hier zu sein. Das Ganze spielt im Jahr 1990 in der Wendezeit, wenige Tage vor der Wiedervereinigung. Da macht sich am 22. September eine vierköpfige Familie auf eine Autofahrt. Erzähl uns mal von dieser Fahrt. Genau, das ist das Ehepaar Alfred und Heidi S. Alfred ist Ende 40, Heidi Ende 30. Die beiden sind verheiratet. Hinten sitzen die Töchter Jana, elf Jahre alt, Anche, 15 Jahre alt. Und genau, die sitzen in einem Trabi auf dem Rückweg nach Hause. Die waren einkaufen in Polen. Das ist nah an der Grenze. Das haben damals viele gemacht auf der Ecke, weil es einfach günstiger war. eben da dran. Und die beiden Mädchen sind die Stieftöchter von Alfred S. Heidi hat sie aus früheren Ehen mitgebracht. Und genau, jetzt sind sie auf dem Rückweg an diesem Samstag. Alfred S. steuert den Wagen, neben ihn sitzt seine Frau. Und hinten sitzen auf dem mittleren Sitz die jüngere Tochter Jana und neben ihr ihre Schwester Anche. Und auf dem Rückweg am Nachmittag legen sie noch einen Zwischenstopp bei der Mutter von Alfred S. ein. Er installiert dann noch eine Antenne, bringt einen Anhänger am Trabi an und dort lädt er noch einen Stuhl auf, den er mitnehmen möchte. Und hinten im Kofferraum, der ist rappelvoll, da sind Äpfel, Eier, Schuhkartons und er quetscht da noch einen Benzinkanister rein, so einen 20-Liter-Kanister, das ist damals nicht ungewöhnlich, weil zu DDR-Zeiten war das, Tankstellennetz einfach auch noch stellenweise lückenhaft und das war einfach nicht unüblich, dass man einen Reservekanister einfach mit dabei hat. Und zwischen Fahrer und Rücksitz, also im Innenraum, klemmt da auch noch ein Metall-Eimer, da ist Verdünnungsmittel und ein Gurkenglas mit Farbe drin. Also poppenvoll und voll gequetscht, ne? Wir können auch noch dazu sagen, die Beladung wird für das, was bald passiert, noch eine größere Rolle spielen. Also auch eben der Benzinkanister im Kofferraum, und das Verdünnungsmittel, das da hinten im Eimer liegt. Genau und auf diesem Rückweg, auch als sie schon bei der Mutter von Alfred S. Gehalten haben, halten sie noch ein paar Mal an. Einmal, weil die Motorhaube nicht richtig zu ist. Ein weiteres Mal, weil da so eine Büchse ist mit den Farbresten und die riecht halt sehr stark. und Heidi S. will die einmal in den Kofferraum stellen. Die Familie hält auch ein drittes Mal noch an, weil Alfred S. Auffällt, dass der Blinker am Anhänger nicht richtig funktioniert. Deswegen steigt er einmal aus, rüttelt am Verbindungskabel und bei der Gelegenheit nimmt er sich auch einmal einen Apfel aus dem Kofferraum und steigt wieder ein und dann fahren sie weiter. Also eigentlich erst mal eine ganz normale Einkaufsfahrt im Osten, aber dann passiert eben was ganz Schlimmes. Was passiert dann? Es kommt zum Unglück in einer Linkskurve zwischen zwei kleinen Ortschaften, ungefähr 20 Kilometer von Cottbus, ist eine Stelle, wo es bergab geht. Da kommt der Trabi mit der Familie von der Straße ab und prallt gegen einen Baum. Der Trabi bleibt schräg im Graben liegen und fängt auch sofort Feuer. Und ein anderes Paar, das mit dem Auto vorbeifährt, bemerkt den Rauch und steigt auch sofort aus, um zu helfen. Und sie sehen Alfred S., wie er zusammenbricht und verletzt im Gras liegen bleibt. Und auch Heidi S. stürzt aus dem Wagen, ihre Beine, ihre Hose brennt. Und das Paar holt schnell eine Decke aus dem eigenen Auto. Also sie steht vollkommen in Flammen auch. Genau, genau. Und ist am Schreien. Und das Paar holt eine Decke und löscht die Flammen auf den Beinen der Frau. Und die Frau schreit, der hat mich umbringen wollen. Und sie sagt auch, im Auto sind noch Kinder, die verbrennen. Das hat sie auch wirklich wörtlich so gesagt. Und das Paar ist natürlich erstmal irritiert, guckt rüber zum Trabi. Und sie sehen aber nichts, weil der Lichterloh brennt. Furchtbare Szene, aber bevor wir da jetzt weitergehen, erzählen Sie erstmal ein bisschen was über die Menschen, die in diesem Auto saßen. Wer ist das? Wer ist Heidi S. erstmal? Heidi S. ist im Jahr 1990 38 Jahre alt und arbeitet im Bezirkskrankenhaus Cottbus als stellvertretende leitende Krankenschwester in der Rettungsstelle. Sie ist verantwortlich für ein Team von 14 Personen und wird von Kolleginnen und Kollegen als engagiert und zuverlässig und sehr klug beschrieben. Jetzt zum Beispiel auch ihre Ausbildung frühzeitig beendet, wegen ausgezeichneter Leistung und wird eben als sehr kompetent und kollegial beschrieben. So eine Frau, die auch fest im Leben steht. Genau, das kann man auf jeden Fall so sagen. Und beruflich scheint es ja auch von außen gut zu laufen. Privat sieht das ein bisschen anders aus. Nämlich? Heidi S. hat sehr jung geheiratet, schon mit 18 Jahren. Das ist die erste Ehe, die hielt nur wenige Monate. Sie hat dann ein zweites Mal geheiratet, da hat sie dann auch ihre erste Tochter geboren, Anche. Aber dieser Ehemann, der war immer viel unterwegs auf Montage und dann haben die sich getrennt. Und sie hat dann ein drittes Mal geheiratet. Aus dieser dritten Ehe stammt ihre jüngste Tochter Jana. Und in der Ehe lief auch alles gut, doch der Mann ist dann leider überraschend an Krebs verstorben. Das war 1980, da war Jana, also sein leibliches Kind, es konnte zu dem Zeitpunkt kaum laufen. Das heißt, Heidi S. war erst 28 Jahre alt, hatte bereits drei Ehen hinter sich und musste ihre Mädchen nun alleine großziehen. Also eine Frau und eigentlich auch eine Familie, die schon einiges mitgemacht hat. Und dann lernt sie Alfred S. kennen. Genau, Alfred S. ist gelernter Dachdecker, zehn Jahre älter als sie. Und als die beiden sich kennenlernen, ist er eigentlich gerade verheiratet, seit 22 Jahren, hat auch zwei Kinder. Und er lässt sich dann scheiden, um mit Heidi zusammen zu sein. Bei Alfred S. kann man sich vorstellen, das ist so ein Handwerker durch und durch. Er ist technisch sehr begabt. Er ging auch nur bis zur vierten Klasse in die Schule. Also ein bisschen anders als Heidi S., die ja ihre Ausbildung gemacht hat, die frühzeitig abgeschlossen hat. War eher so ein Tüftler dann als ein Denker. Genau, kann man so sagen. Wie verlief dann die Beziehung zwischen den beiden? Die Beziehung zwischen Heidi und Alfred lief erst ganz gut. Die hatten einen Kleingarten gemietet, haben viele Ausflüge gemacht als Familie. Die beiden Kinder von Heidi S. Lebten dann natürlich. Bei den beiden. Es ging aber relativ schnell los, dass es doch zu kriseln begann. Was waren da die Probleme? Es war erst ein Jahr nach der Hochzeit, als es dann schon mit den Problemen losging. Alfred S. war ziemlich oft auf Montage in Berlin, also noch nicht immer zu Hause. Und wenn er dann am Wochenende aber zu Hause war, dann verbrachte er entweder ganz gerne Zeit mit seiner Mutter wiederum und wollte, dass sie einfach Zeit mit seiner Familie verbringen. Oder er war der Auffassung, dass jetzt, wo er dann halt mal nicht arbeiten muss am Wochenende, dass sich alles um ihn sich drehen soll, dass es um seine Befindlichkeiten geht. Zum Beispiel, dass er dann auch wollte, dass Heidi S. nichts mit ihren Freunden macht, sondern auch wirklich zu Hause bleibt, wenn er da ist. Heidi S. hat das erst mitgemacht, aber hat dann auch gemerkt, dass ihr Freundeskreis immer kleiner und kleiner wurde. Dann ging es auch mit anderen Themen weiter. Eifersucht war ein Thema. Zum Beispiel wollte er nicht, dass Heidi S. mit anderen Männern viel Kontakt hat und sie ist dann zum Beispiel auch gar nicht mehr zu Betriebsfeiern gegangen. Und wie machte sich das intellektuelle Gefälle zwischen den beiden bemerkbar? Zum Beispiel hatte Alfred S. eine katastrophale Rechtschreibung und sie hat ihm dann ein Buch geschenkt, um ihn irgendwie ans Herz zu legen, da ein bisschen dran zu arbeiten, aber das fand er nicht so toll, hat er weggelegt. Alfred S. hat sich einen Zweitwagen noch gekauft. Sie hatten ja schnell einen Trabi, hat sich dann einen BMW gekauft. Das war dann wirklich sein ganzer Stolz. Der war aber natürlich ziemlich teuer und er hat sich dafür auch einen ordentlichen Batzen Geld von seiner Mutter geliehen. 10.000 DM damals. Und Heidi S. war gar nicht begeistert, weil es hatten sie zwar Autos, aber auch reichlich Schulden. Zusammenfassend kann man wirklich schon sagen, dass nach ein paar Jahren Ehe sich schon diverse Probleme angehäuft haben. Ja, es klingt auch so nach so einem Typen, der selber so klassisch der Boss zu Hause sein möchte. Aber eigentlich eine Partnerin hat, die selber super tough ist und wahrscheinlich auch ein bisschen mehr gebacken kriegt als er. Also es kriselt nicht nur ein bisschen in dieser Beziehung. Nee, es kommt auch wirklich zu krassen Situationen zwischen den beiden. Also es gibt zum Beispiel eine Situation, wo Heidi S. eine Freundin trifft und sie zeigt ihr, dass sie blaue Flecken am Körper hat und sagt auch zu ihrer Freundin, wenn der sich in die Ecke gedrängt fühlt, also Alfred S., geht er über Leichen. Ja, wenn die beiden sich streiten, dann kennt Alfred S. Auch wirklich keine Gnade. Da ist er nicht nur handgreiflich geworden, sondern hat Heidi S. Auch wirklich bedroht. Weil zum Beispiel die ältere Tochter Anche weiß nicht, dass sie aus der zweiten Ehe der Mutter stammt. Es gab ja noch diesen dritten Ehemann, mit dem es sehr gut lief, der leider verstorben ist. Der leibliche Vater von Jana. Und Anche ist der Auffassung, das ist auch ihr leiblicher Vater. Weil der hat sie auch adoptiert. Das war so ihr Papa einfach. Davon ging sie aus, weil das ihre große Bezugsperson dann war. Genau. Und Alfred S. wusste, dass es nicht ihr leiblicher Vater ist, sondern dass es noch eine Ehe davor gab. Und hat dann, wenn es zu Streit kam, Heidi S. auch bedroht, das der älteren Tochter zu offenbaren. Wie war das Ganze denn für die Kinder? Über die Kinder haben wir ja noch nicht gesprochen. Also diese Beziehung, wenn du da schon sagst, dass er droht, die Adoption auffliegen zu lassen. Das ist ja für das Kind vor allem am fiesesten. Also diese Erpressung. Wie fühlten sich die Kinder in dieser Beziehung? Und wie wurden die auch generell beschrieben, die beiden? Es ist auch nicht sehr viel bekannt über die Kinder, aber man kann schon sagen, dass Antje, die Ältere, die war eine sehr ehrgeizige Schülerin, die wirkte, also Menschen haben es ja auch als etwas verschlossen beschrieben, aber sie wirkte wohl sehr recht reif und erwachsen, von ihrer Art her, für ihre 15 Jahre. Und Jana, die Elfjährige, die war ein bisschen aufgeweckter, lebhafter, ein sehr fröhliches Kind. Aber als es jetzt zwischen Heidi und Alfred S. schlecht lief, die viel Streitereien hatten, ging es den Kindern natürlich auch nicht gut damit. Und waren dann auch immer eher auf der Seite ihrer Mutter und hatten dann auch teilweise Angst, mit Alfred S. alleine zu Hause zu bleiben. Sie hatten richtig Angst vor ihm. Ja, die Kinder hatten Angst vor Alfred S. Und genau die beiden Kinder sitzen jetzt hinten im brennenden Trabi. Kann man noch was machen? Kann man sie noch retten? Zu dem Zeitpunkt, als die Feuerwehr eintrifft, nicht. Erst als der Brand gelöscht ist, werden die toten Kinder entdeckt. Und die sind wirklich bis zur Unkenntlichkeit verbrannt. Also wirklich ein grausames Bild, das sich den Feuerwehrbeamten dort bietet. Eines der Kinder sitzt auf der Rückbank, wo es auch gesessen hat. Das andere liegt verkrümmt im Fußraum und sind wirklich bis zur Unkenntlichkeit verbrannt. Und die beiden Erwachsenen? Genau, die beiden Erwachsenen werden ins Krankenhaus gebracht, aber in unterschiedliche. Alfred S. wird ins nahegedingste Krankenhaus gebracht. Dort wird festgestellt, dass 18 Prozent seines Körpers verbrannt sind. Vor allem seine Hände und Beine sind betroffen. Und Heidi S. wird in ein anderes Krankenhaus gebracht, nach Cottbus, weil darauf besteht sie. Das ist nämlich das Krankenhaus, in dem sie auch arbeitet. Ah, okay. Und die Fahrt dauert ungefähr 15 Minuten. Und auch während dieser Fahrt wiederholt sie die Vorwürfe, die sie auch schon den Ersthelfern gegenüber geäußert hat. Also immer wieder, ihr Mann habe sie umbringen wollen. Er habe sie mit einer Flüssigkeit übergossen und sie angezündet mit einem Feuerzeug. Und sie habe gekämpft und sich gewehrt, aber er hat sie auch am Aussteigen behindert. Und sie konnte ihren Gurt nicht lösen, weil sie hat gesagt, er hätte sie irgendwie falsch angegurtet. Und sie wiederholt einfach immer wieder diesen Vorwurf, dass Alfred S. Sie habe umbringen wollen. Also er hat sie mit übergossen und angezündet. Okay. Als sie in der Klinik ankommt, möchte sie auch sofort mit ihrem Chefarzt sprechen und wörtlich sagt sie zu ihm, bitte helfen Sie, Herr Chefarzt, das ist ein bewusst herbeigeführter Unfall. Ich muss wieder gesund werden, dass ich für die Bestrafung sorgen kann. Wenn ich diese Verletzung nicht überlebe, bitte sorgen Sie dafür, dass die Dinge richtig dargestellt werden und zur Sprache kommen. Das hat sie wörtlich so zu ihrem Chefarzt gesagt. Und sie war aber auch relativ klar, also bei Bewusstsein. Ja, da gehen natürlich die Meinungen auseinander, ob sie jetzt irgendwie ganz klar bei Verstand war oder nicht. Also sie hat sich klar geäußert, aber sie war natürlich auch in einem absoluten Ausnahmezustand. Ihre Kinder sind gerade vor ihren eigenen Augen verbrannt. Aber sie wiederholt zumindest immer dieselben Anschuldigungen von den Ersthelfern, im Rettungswagen, nochmal vor ihrem Chef in der Klinik. In der Klinik möchte auch jemand als Ursache Verkehrsunfall eintragen und da widerspricht sie auch vehement. Und sagt halt nochmal, das war kein Unfall. Also, aber auch wir kommen ja immer wieder auf dieses Thema der Vorstellbarkeit zurück. Das ist schon krass, was Sie da schildern. Wenn ich es richtig verstanden habe, ihr habt. Den Gurt irgendwie manipuliert, dass sie gar nicht raus kann aus dem Auto? Das muss sie ja vorher schon gemacht haben. Wie hat er das dann gemacht? Heidi S. hatte ausgesagt, dass Alfred ihren Sicherheitsgurt in die falsche Schnalle gesteckt hat. Also gar nicht bei ihr, sie war auf der Beifahrerseite, sondern auf seiner Fahrerseite. Dass sie quasi so verkehrt herum eingesteckt waren und sie den deswegen gar nicht lösen konnte. Dass er das so geklemmt hat. Sie musste zu ihm rübergreifen und da war der Winkel aber doof. Und dadurch hat der Gurt geklemmt und sie konnte nicht aus dem brennenden Auto raus. Genau, wie im Detail sie das jetzt gehindert hat, kann ich nicht genau sagen. Aber man hat auch später festgestellt, sie ist erst aus dem Auto gekommen, als dieser Gurt wirklich durchgeschmort war. Also sie hat ihn auch gar nicht lösen können. Sie hat sogar gesagt, dass sie auch den Mund zugehalten hätte, weil sie schreien wollte. Und dass erst als sie sich totgestellt hat und diese Ersthelfer dann gleichzeitig langsam auftauchten, erst dann habe er wirklich von ihr ablassen können. Und dass sie dann erst das Fahrzeug verlassen konnte und nichts mehr für ihre Kinder tun konnte, sie nur noch hat Schreien hören. Und man muss dazu wissen, der Trabi, der in die Familie gefahren ist, hatte hinten keine Türen. Also die Kinder hatten wirklich keine Chance zu entkommen. Unglaublich furchtbare Geschichte. Und jetzt gibt es aber nur zwei Menschen, die wissen, was wirklich geschah. Was sagt denn Alfred S. dazu? Wurde der dann befragt? Heidi S., die ist wirklich zwei Tage später in der Früh verstorben, aber konnte auch in der Zwischenzeit nichts mehr dazu sagen, weil sie ist einfach, es wurde ja Narkose gelegt, sie ist nie wieder aufgewacht. Das heißt, es gab quasi nur diese Fahrt zum Krankenhaus, die Aussage vor den Erstheltern und noch von ihrem Chefarzt. Das war quasi alles, was man von ihr hatte. Alfred S., der lag hier in einem anderen Krankenhaus und der hat sich selber bei der Polizei gemeldet, um eine Aussage zu machen. Und zwei Polizeibeamte fahren ins Krankenhaus, um mit ihm zu sprechen. Mit einem der beiden habe ich auch gesprochen, das war der damalige Dienststellenleiter der zuständigen Wache. Und der hat Alfred S. so beschrieben, dass der halt in seinem Bett lag, mit bandagierten Händen und Armen. Und der hat diese Aussage von ihm mit aufgenommen. Die sind auch gar nicht zu ihm gekommen, wenn ich das jetzt richtig gelesen habe in deiner Geschichte. Er hat sie angerufen, kommt doch mal zu mir, ich will euch was erzählen. Genau, das fand der damalige Dienststellenleiter auch ein bisschen seltsam. Also so bewertet er es heute, sage ich mal. Aber es kam natürlich auch nicht oft vor, dass jemand irgendwie aus dem Krankenhaus anruft, der gerade seine gesamte Familie verloren hat, um zu sagen, ich möchte jetzt auch noch mal was dazu sagen. Und was schildert er Ihnen jetzt? Und Alfred S. gibt einmal die ganze Chronologie des Unfalls wieder. Nämlich sind sie ja auf dieser Fahrt, hat die Familie ein paar Mal angehalten. Und bei diesem letzten Stopp war er auch einmal im Kofferraum, um sich einen Apfel zu nehmen. Und dabei sei ihnen etwas aufgefallen. Nämlich, er hatte ja einen Benzinkanister aufrecht hingestellt. Dieser 20 Liter Benzinkanister. Und den hatte er mit einer Schnur fixiert. Und seine Frau hat Einkaufstüten und einen Korb an diese Schnur auch angebracht, damit die auch fixiert sind, vielleicht nicht umkippen. Und das sei ihm an dieser Stelle aber einfach aufgefallen. Er steigt dann wieder ein, die fahren weiter und dann geraten aber Heidi und er in Streit wegen irgendeiner Lappalie und er sagte, Heidi sei dann sofort durchgedreht, habe ihm ins Lenkrad gegriffen und daraufhin ist er in den Graben gefahren. Also sie wollte ihn auch zum Anhalten zwingen. Wahrscheinlich wollte sie jetzt keinen Unfall provozieren, aber so ist es auf jeden Fall dazu gekommen, dass er gegen den Baum gekracht ist. Und die Theorie, die Alfred S. jetzt den Beamten mitteilt, ist, dass dieser Benzinkanister im Kofferraum umgekippt sei, weil seine Frau ja diese Einkäufe damit an diese Schnur gehängt haben. Und es dadurch einfach wirklich in Sekundenschnelle gebrannt habe. Weil der Kanister ausgelaufen ist und dann Dämpfe ausgetreten seien. Genau, der Kanister ist ausgelaufen, es sind Dämpfe ausgetreten. Im Motorraum ist irgendwie ein Kabel durchgeschmort, wie auch immer, was bei einem Unfall halt passiert. Und es ist auf jeden Fall aber durch diese Kombination einfach sofort zu so einer Art Feuerball gekommen. Aber hat der Kanister keinen Deckel? Nein, der Kanister hat schon einen Deckel, aber der ist einfach vielleicht durch den Aufprall in irgendeiner Form beschädigt worden, weil es ja schon gegen einen Baum gekracht. Und er ist auf jeden Fall auch sofort ausgelaufen. Okay. Und die Türen hätten geklemmt, aber Alfred S. Seys dann gelungen, sich aus dem Fahrerfenster zu retten. Und er hat dann mit Mühen auch noch seine Frau befreien können, nachdem ihre Tür eben auch erstmal geklemmt hat. Und nur für die Kinder konnte er nichts mehr tun, weil der Trabi hinten keine Türen hat. Klingt erstmal nach einer plausiblen Geschichte. Wäre da nicht der sehr detaillierte Vorwurf seiner Frau? Was hat er dazu gesagt? Dazu sagt er jetzt, das sei einfach total typisch für Heidi S., sie sei einfach so ein total hysterischer Typ und immer wenn irgendwas Doofes passiert, dann schiebt sie ihm sofort die Schuld in die Schuhe, wie auch in diesem Fall. Okay, also es war eigentlich so eine Deliriumsidee von ihr, so stellt ihr das dar. Genau. Und wie haben die Beamten das wahrgenommen? Wie haben sie erstmal ihn erlebt? Die haben ihn ja in diesem Krankenhaus vorgefunden und der war ja auch wirklich verletzt, hatte bandagierte Hände und Arme und die haben das erstmal einfach alles so hingenommen, protokolliert und ich habe den damaligen Dienststellenleiter auch gefragt, also ob er eben das denn geglaubt hat. Und der hat mir wörtlich gesagt, dass. Naja, das, was er behauptet hat, die Frau ist geschockt, die Kinder hat sie verloren, sie hat einen wahnsinnig hohen Adrenalinspiegel. Da kann das schon sein. Da gibt man einfach vieles von sich, woran man sich später vielleicht noch nicht einmal erinnert und es sah ja auch alles nach einem Unfall aus. Also Sie haben es ihm erstmal geglaubt und die Frau konnte jetzt keine weiteren Vorwürfe mehr erheben, weil sie tot war. Es gab auch noch einen weiteren Punkt, der das glaubwürdig gemacht hat. Und zwar einfach die Tatsache, dass ein Trabi bei einem Frontalaufprall Feuer fängt, ist etwas, was die Beamten schon sich vorstellen konnten, was einfach auch mal vorkommt. Und die Feuerwehr hatte diesen Benzinkanister, von dem Alfred S. Erzählt hatte, auch schon entdeckt. Also der war im Kofferraum, den hat man dort gesehen, der schien irgendwie beschädigt zu sein und ausgelaufen zu sein. Und das sind einfach, also die Version, die Alfred Esther geliefert hat, schien auch einfach wahrscheinlicher. Aber was wäre denn die Alternative? Die Alternative wäre ja ein kaltblütig geplanter Dreifachmord. Auf diese Art und Weise. Auf diese Art und Weise. Wirklich anzünden, die Kinder verbrennen lassen. Das ist, ja, kommen wir immer wieder auf dieses, Wort zurück. Vorstellbar, unvorstellbar auf diese beiden Worte. Ich lese mal ein Zitat aus deinem Text vor. Da sagt jemand, damals hat bei vielen der Verstand nicht mitgemacht. Wer hat das gesagt? Von wem stammt dieses Zitat? Das Zitat stammt von Horst Helbig. Das war damals der Bezirksstaatsanwalt. Ein eher, ich sag mal optisch jetzt gesehen, eher unscheinbarer Typ, der jetzt einfach nicht sonderlich auffällt. Aber für seine Arbeitsweise war der doch relativ bekannt, weil er einfach als unglaublich hartnäckig galt. Und man kann ihn sich so vorstellen, dass es einfach keiner war, der sich hinterm Schreibtisch versteckt, bis ihn jetzt irgendjemand so eine Akte fertiger Ergebnisse hinwirft, sondern jemand, der seine Rolle als Leiter der Ermittlung wirklich wörtlich nimmt. Du hast ihn ja auch dann persönlich gesprochen. Genau, ich habe mit ihm gesprochen. Da war er schon pensioniert zu dem Zeitpunkt und auch gesundheitlich nicht mehr ganz fit. Aber muss man wirklich sagen, in seiner Erinnerung und in seiner Art zu erzielen, wirklich absolut klar und präzise. Dieser Fall hat ihn auch wirklich nicht losgelassen, weil er da wirklich extrem viel Arbeit reingesteckt hat. Ja, wir müssen auch dazu sagen, wir haben sonst häufiger ja auch mal O-Töne von Beteiligten, von Ermittlern drin. Das war in dem Fall eben leider nicht möglich, weil Herr Helbig mittlerweile verstorben ist. Er ist tatsächlich auch verstorben, kurz bevor der Artikel letztlich erschienen ist. Also. Gilt so ein bisschen als so ein, im Fußball würde man sagen, so ein Wadenbeißer. Einer, der sich wirklich fest beißt. Und der wäre jetzt eigentlich ja gar nicht direkt für den Fall zuständig gewesen. Wie kam er dann doch noch dazu? Helbig hätte als Bezirksstaatsanwalt fast von der Sache gar nichts mitbekommen, weil die ganze Angelegenheit wurde schon erstmals Unfall eingestuft. Und er hat dann aber einen Anruf bekommen und zwar von der Kreisstaatsanwältin. Die Verantwortlichkeit lag bei ihr und die hat sie sehr spät am Abend angerufen, weil sie ihn ganz vorsichtshalber von diesem Mordvorwurf von Heidi S. informieren wollte. Aber sie hat im gleichen Zuge auch schon gesagt am Telefon, es sieht halt alles nach einem Unfall aus. Die Frau war psychisch völlig am Ende und sie wollte aber einfach diesen Mordvorwurf jetzt ihrem Chef nicht vorenthalten. Das war so ein bisschen so ein Cover-My-Ass-Anruf. Ich finde, das ist nichts, aber sicherheitshalber sage ich es mal. Damit es mir nicht doch um die Ohren fliegt. Aber sie hat es nicht geglaubt, dass da was dran war an dem, was die Frau gesagt hatte. Genau. Was hat er dann gemacht? Direkt am nächsten Morgen hat er sich erstmal diesen ausgebrannten Trabi angeschaut. Mit einem Beamten der Mord- und Untersuchungskommission zusammen. Der war auch nicht so super begeistert, stand so ein bisschen genervt daneben. Was soll man jetzt hier, das war doch irgendwie ein Unfall. Zu zweit haben die sich dann den Kofferraum angeschaut. Da herrscht natürlich allerhand Chaos. Verkohlte Äpfel, Taschen, Schuhe, Dosen, Flaschen, Farbbehälter allerhand. Und alles natürlich irgendwie getrievt von diesem Löschschaum. Der Kommissar daneben Helbig stand, der griff auch einfach da in den Kofferraum hinein und sagte so, was soll man hier noch finden? Und Helbig war total entsetzt. Er hat den auch dann, diesen Kommissar, direkt am Arm gepackt und gesagt, hallo, also hier darf nichts angefasst werden. Du krabst mir gerade in die ganzen Spuren rein. Genau, ja. Sondern ich muss erst mal ein Kriminaltechniker her, der sich das alles genau anschaut. Du hast im Text ja auch geschrieben, dass es aber auch gerade, weil es in der Wendezeit auch spielt und zwar direkt in der Wendezeit spielt, dass es auch... Bisschen schwierige Situation bei der Polizei dort war, so hat Helbig das geschildert, oder? Genau, also Beamte mit Stasi-Nähe wurden entlassen, Behörden wurden umstrukturiert und auch sehr viele gut ausgebildete Kriminalisten sind halt einfach weggezogen an den Westen. Und Helbig wusste halt auch schon, dass so manche freigewordene Stelle so mit Kollegen nachbesetzt worden sind, die eigentlich dafür vielleicht noch ein bisschen zu unerfahren waren. Und das war natürlich an dem Punkt dann auch die Sorge, dass diese Ermittlung jetzt irgendwie in dieser Zeit der Wende einfach untergeht. Wenn man so mit Ostermittlern oder eben alten Ostermittlern spricht, da hört man die öfters diese Geschichten, dass das so ein richtiger Braindrain war. Auch mit der Stasi-Zusammenarbeit hatte ich mir mal erzählen lassen von einer, Kommissarin, dass das Problem ja war, dass du bei Delikten, die gemeinschaftsgefährdend sind, hatte immer die Stasi absolutes Zugriffsrecht. Und wenn ein Mord geschah, dann war das so besorgniserregend, dass man Angst hatte um die Volksruhe und da hatte eigentlich immer die Stasi die Finger drin. Und das wiederum hatte den Effekt. Dass die ganzen Mordermittler, was ja eigentlich dann in der Regel auch mit die besten Kriminalisten sind, natürlich zwangsläufig irgendwie mit der Stasi was zu tun hatten und da nach der Wende eben besonders dann viele verloren gegangen sind, aussortiert wurden. Also ja, klingt, was du sagst, dass es auch in diesem Fall dann so ein bisschen eine Rolle gespielt hat. Was fällt Helbig jetzt da am Auto auf, wenn er dort steht und sich das anschaut? Helbig lässt erst einmal einen Kriminaltechniker kommen, der dann die Spuren sichert und zwei Sachen fallen eigentlich sofort auf. Erstens der Benzinkanister, der lag im Kofferraum wirklich flach auf dem Kofferraumboden. Also es ist scheinbar auch nicht explodiert oder irgendwas, sondern liegt halt intakt auf dem Boden und ist anscheinend ausgelaufen. Und unter diesem Kanister ist das Linoleum unversehrt. Also der ganze Kofferraum, muss man sich vorstellen, der war ja völlig verkohlt. Aber wenn man diesen Benzinkanister angehoben hat, war das eine völlig unversehrte Stelle. Das bedeutet, an dieser Stelle ist auch kein Sauerstoff gekommen. Und das passt aber wiederum nicht zu der Aussage von Alfred S. Weil der hat ja gesagt, dass dieser Kanister vielleicht in irgendeiner Form umgekippt ist. Weil da waren ja diese Einkäufe in diese Schnur gebunden, die auch den Kanister mit fixiert hatten. Und wenn der Kanister, so wie Alfred S. sagt, durch den Aufprall einfach irgendwie durch die Gegend geschleudert worden wäre, dann müsste er irgendwie schräg auf diesem ganzen Chaos liegen, auf diesen ganzen Einkäufen. Aber der lag wirklich absolut flach auf dem Boden und er musste auch schon während des Brandes gelegen haben, weil die Stelle drunter ja unverbrannt ist. Es sah halt einfach drapiert aus, das war der Punkt. Die Details in diesem Fall, die sind ziemlich spannend, aber für den Podcast auch teilweise sehr komplex. Darum werden wir jetzt hier nur versuchen, sie dosiert wiederzugeben. Aber in der Geschichte von Chantal bei Stern Plus, den Link dazu findet ihr in den Shownotes, da werdet ihr es nochmal in Ruhe nachlesen können auch. Gab es denn sonst noch was, was Helbig Stutzig gemacht hat? Hat er sich die Akten schon mal angeschaut, die Vernehmungsprotokolle? Helbig hatte sich die Aussage von Alfred S. durchgelesen und dabei ist ihm aufgefallen, wie detailreich und nüchtern einfach diese Erzählung von Alfred S. ist. Weil der Mann hat ja schon gerade seine gesamte Familie verloren. Und da erzählt er halt völlig nüchtern einfach die Chronologie dieses Unfalls ohne halt irgendeine emotionale Regung. Er ist ja nicht nur verloren, sondern er hat es ja verbrennend sehen, muss man sagen. Jetzt kann man sagen... Es ist auffällig, wenn einer für alles eine Erklärung hat, sogar für das, was er noch gar nicht gefragt wurde. Aber man kann auch sagen, dann ist seine Aussage auch wirklich schwer zu widerlegen. Was hat Helbig nun gemacht, um das zu versuchen? Helbig hatte diverse Versuche, verandert. Die fanden zu dem Zeitpunkt alle in Sachsen statt. Weil es standen ja zwei Aussagen gegeneinander. Also Heidi S. Hat ja behauptet, ihr Mann habe sie mit einer Flüssigkeit übergossen und sie angezündet. Alfred S. wiederum hat ausgesagt, dass ja das Benzin im Kofferraum ausgelaufen ist. Es kam dann im Motorraum zu einem Kurzschluss und erst diese Kombi hat dafür gesorgt, dass es zu so einer Art Feuer beigekommen ist. Also alles hat in Sekundenschnelle gebrannt. Und jetzt ist es halt an Helbig beziehungsweise an die Gutachter, die er beauftragt hat, den Unfall einfach zu rekonstruieren. Und zu schauen, ob das so schnell funktionieren kann. Genau. Oder ob es so schnell zu so einem Feuer kommt, ohne dass man nachhilft. Genau. Und dafür haben sie halt diesen Unfall rekonstruiert, dafür haben sie auch wirklich etliche Trabis abgebrannt und viele Versuche gemacht und sie haben verschiedene Zündquellen ausprobiert und dabei mit Messgeräten immer diese Benzin-Luftgemische, gemessen, um eben nachvollziehen zu können, wann brennt es. Also ist ein Brand in Sekundenschnelle, so wie von Alfred S. Behauptet, wirklich plausibel. Und der kürzeste Zeitraum, in dem es den Gutachtern gelang, dass der Trabi komplett wirklich in Brand stand, lag halt bei ungefähr drei Minuten. Also sogar ein bisschen über drei Minuten. Egal was sie versucht haben, sie haben keine Variante gefunden, wo sich mit dem Benzin und mit irgendeiner Fehlschaltung oder Kurzschluss vorne im Motorraum, eine Situation ergibt, dass das Auto so schnell in Flammen steht, dass die Leute nicht mindestens drei Minuten Zeit haben, um da rauszukommen. Genau, ja. Wie war es eigentlich für dich, dich in diese ganzen Details reinzufuchsen damals? Ja, es war schon komplex, sich da durchzuarbeiten. Aber ich habe mir auch viel von diesem Videomaterial angeguckt. Das war auch schon trotzdem eindrücklich zu sehen. Also was für ein großer Aufwand dahinter steckte, wie viele Trabis sie da wirklich in Brand gesetzt haben, um das einfach belegen zu können. Es ist auch noch ein interessantes Detail, weil tatsächlich hatte Helbig mir erzählt, dass es jetzt aber nicht so schwer war, an all die Trabis zu kommen. Ja, wollte ich gerade fragen. Genau, weil nach der Wende einfach viele denen auch einfach, ich sag mal, hinterlassen haben. Also da hatten sie zum Glück Trabis zuhauf, die sie abfackeln konnten, aber trotzdem. Also wirklich ein eindrücklicher Aufwand. Ja, aber es ist sehr viel Arbeit, sich da reinzufuchsen. Wobei mir hat es manchmal in diesen Sachen auch irgendwie Spaß gemacht, wenn man dann da so diesen ... Diesen Jagdtrieb entwickeln und versucht das selber auch zu verstehen. Und man kommt halt sonst auch als Journalist oder Journalistin dann in die Situation, dass man sagt, ja gut, wenn die Staatsanwaltschaften der Gutachter das sagen, dann wird es schon stimmen. Was natürlich ja auch nicht irgendwie ganz im Sinne unserer Arbeit ist. Genau, ja. Ja, lass uns mal weitergehen im Fall. Die Gutachten bestätigen Helbig in seinem Misstrauen gegenüber Alfred S. Hat er sich denn Alfred S. dann auch mal selber vorgeknüpft? Es war im Januar 91, also so einige Monate nach dem Unfall, kam es dazu, dass Helbig das erste Mal Alfred S. gegenüberstand. Und zwar haben die sich getroffen, damit Alfred S. einmal zeigen kann, wie er sich aus dem Auto befreit hat. Weil Alfred S. hatte ja behauptet, er hätte sich aus dem Fahrerfenster gerettet. Und Alfred S. hat sich dann durch das Fenster eines vorbereiteten Trabbis gezwängt. Und dabei ist aber eigentlich sofort aufgefallen, wie schwer ihm das fiel. Weil Alfred S. war ein kräftiger Mann, das Fenster eines Trabbis relativ klein. Also der musste sich da wirklich mit Mühen durchziehen. Für Helwig ging das einfach nicht so richtig zusammen. Einerseits hat Alfred S. davon gesprochen, da war so ein ganzer Feuerball, alles war in Sekundenschnelle gebrannt. Der konnte sich knapp retten. Andererseits guckt er jetzt Alfred S. dabei zu, wie sich dieser kräftige Mann durch dieses kleine Fenster zwängt. Und das dauert halt einfach auch schon einen Moment. Und dann ist halt die Frage, wie kann es sein, dass er einfach so wenige Verletzungen einfach hatte? Das ist ja, wenn man diesen Vorwurf, den die Frau gemacht hat und den Helbig ja ernst nimmt, wenn man den so im Hinterkopf hat, hat man ja vielleicht auch so gewisse Erwartungen an so einen Menschen, der offenbar so eine kaltblütige Tat begangen hat. Aber wie hat er auf ihn gewirkt, auf Helbig? Ja, Alfred S., ich meine, hat er eben vor ein paar Monaten seine ganze Familie ja verloren, aber wirkte jetzt bei diesem Termin relativ gelassen. Also gelassen und ruhig und war auch total bereitwillig zu zeigen, wie das alles abgelaufen sein soll. Wann hat Helbig dann ernst gemacht? Nach diesem Treffen zwischen Alfred S. Und Helbig ist eigentlich ziemlich schnell klar, also da kann jetzt wirklich was nicht stimmen. Und das ist jetzt auch der Punkt, wo Alfred S. erstmals in Untersuchungshaft kommt. Was auch ein gravierender Schritt ist. Wie haben denn eigentlich seine Kollegen und die Ermittler auf Helbigs Vorstöße geblickt? geblickt. Naja, erstmal hat sich ja gezeigt, Helbig ist, wie es man von ihm kennt und erwartet, sehr hartnäckig. Aber die U-Haft von Alfred Essie zieht sich jetzt. Der wird da im Januar verhaftet, und die Versuche von Helbig, die gehen jetzt Monat für Monat voran. Und es dauert einfach. Und so langsam, so im Sommer, ungefähr nach einem halben Jahr, da beginnen schon auch die ersten Kollegen so davor gehaltener Hand zu flüstern. Oh, der Helbig verrennt sich hier vielleicht. Er sammelt und sammelt. Genau. Und nach acht Monaten U-Haft, also im August 91, kommt es dann auch zur Haftprüfung. Und da haben sich wirklich eindrückliche Szenen abgespielt, wie mir Helbig geschildert hat. Und zwar hat der sächsische Gutachter, der diese ganzen Versuche geleitet hatte, sich wirklich abgemüht, seine bisherigen Befunde zu erklären. Und es wurde immer wieder nachgefragt und man hat dann einfach gemerkt, dass es dem Gutachter nicht gelingt, seine Befunde so darzustellen, dass sie verstanden werden. Weil es waren ja wirklich allerhand technische Details, die man wirklich verständlich rüberbringen musste. Und Helbig hat das total schon gemerkt, diese ganze Stimmung, die konnte der schon richtig greifen und kam richtig ins Schwitzen. Weil er konnte richtig dabei zusehen, wie seine ganzen Bemühungen einfach in sich zusammenfallen. Ja, das ist die Rolle von Gutachtern. Man kennt sie oft dann von psychiatrischen Gutachtern, aber man hat natürlich auch bei vielen wissenschaftlichen oder so Ingenieursthemen sind die Richter auch auf Gutachter angewiesen. Und man unterschätzt oft, wie wichtig das auch ist, wie so ein Gutachter das darbieten kann. Wenn der Richter es nicht kapiert, sagt der Richter im Zweifel für den Angeklagten. Genau, Alfred S. wurde dann aus der U-Haft entlassen. Und von außen sieht das natürlich danach aus, hier wurde jemand total falsch beschuldigt. Hier ist überhaupt kein Täter, sondern einfach wahrscheinlich ein Opfer, der obendrein auch noch seine Frauen und Kinder verloren hat. Also so eine ganz besondere Tragik sogar. Ein trauernder Witwer, der von einem irregeleiteten Staatsanwalt verfolgt wird. Genau, das ist das Bild, das damals entstanden ist. Aber Helbig gibt nicht auf, wie wir wissen. Was hat ihn da so zäh an diesem Fall gehalten? Also ja, er ist grundsätzlich so ein hartnäckiger Typ, aber. Alle sagen dir, ey, du kämpfst hier gegen Windmühlen, lass es mal besser bleiben und er hört trotzdem nicht auf. Hat er dir erklärt, warum er da so an diesem Fall blieb? Helbig hatte einfach diese ganzen Details vor seinen Augen, die er einfach noch nicht untersucht hat. Und dann als zweites, was Helbig sehr wichtig war, er hatte vor seinem geistigen Auge auch wirklich immer diese letzten Worte von Heidi S. Heidi S. hat ja wirklich gesagt, mein Mann wollte mich umbringen und wenn sie eben nicht überlebe, dann müssen diese Dinge richtig gestellt werden. Das sind genau die Worte, die Heidi S. verwendet hat und das sah er als Vermächtnis dieser Frau an. Das war für ihn so ein persönlicher Auftrag dann für ihn. Genau, das war wirklich das Vermächtnis, das diese Frau hinterlassen hat. Und die hat Helbig als seinen Auftrag angesehen. Also er hat jetzt schon einen ganzen Schwung Trabis geschrottet, um herauszubekommen, wie das Feuer sich wohl vorbereitet haben kann. Wo kann er denn jetzt dann noch ansetzen? Es gibt einfach noch besonders zwei Beweisstücke, die sich Helbig im Detail angucken möchte und verschiedene Versuche durchführen lassen möchte. Und das ist einmal die Kleidung von Alfred S., weil an der muss man ja seine Flucht aus dem Auto in irgendeiner Form nachvollziehen können. Und auf der anderen Seite haben wir auch noch diesen Benzinkanister aus dem Kofferraum. Okay, und wo ließ er die jetzt untersuchen? Helbig ändert jetzt seine Strategie. Statt nur mit altbekannten ostdeutschen Experten zu arbeiten, nutzt er jetzt die Vorteile des Vereinten Deutschlands und beauftragt landesweit Gutachter. Das heißt, Testungen finden jetzt zum Beispiel in der Lüneburger Heide statt, als auch in NRW. Also wirklich, jetzt nutzt er quasi alle Mittel, die ihm zur Verfügung stellen, um so schnell wie möglich beweisen zu können, wie kann es zu diesem vermeintlichen Unfall gekommen sein. Okay, dann lass uns mal diese Beweisstücke durchgehen. Erstmal der Kanister. Ich fasse vielleicht nochmal zusammen, was Alfred S. gesagt hat. Er hat den Kanister aufrecht und verschlossen hinten reingestellt, aber Heidi hat dann da irgendwie an der Schnur einen Sack dran gebunden und deswegen ist der Kanister dann auch beim Aufprall umgekippt und dann ist auch noch üblerweise der Verschluss aufgegangen. Da ist das Benzin ausgelaufen und die Gase des Benzins haben dann dafür gesorgt, dass das Auto sofort in Flammen stand und Helbig wiederum ist stutzig geworden, weil der Kanister ja nach dem Unfall absolut flach auf dem Kofferraumboden gelegen ist. Und das hält Helbig eben für unmöglich, weil da ja so viele Sachen waren, dass der Kanister irgendwie schräg auf irgendeiner Tüte oder einem Apfel zum Liegen gekommen sein müsste, wenn er einfach nur umgekippt wäre, der hätte nicht so flach hinfallen können. Aber wie klären Helbig und seine Gutachter das nun? Erstmal die Frage, ist der Kanister wirklich beim Crash umgefallen? Helbig hat in NRW etliche Versuche zum Kanister durchführen lassen. Dort stapelten sich wirklich mehr als 500 baugleiche Modelle. Und die Gutachter haben etliche Trabis gegen Wände krachen lassen mit diesem drapierten Kanister im Kofferraum. Und wirklich kein einziges Mal lag ein Kanister durch den Aufprall flach auf dem Boden. Also wirklich jedes Mal lag der entweder schreck auf den Einkäufen oder ist zurück in aufrechte Position gesprungen. Und das war letztlich wirklich ein klarer Beleg dafür. Dieser Kanister wurde von Menschenhand hingelegt. Und das erklärt ja auch die unverbrannte Stelle darunter. Okay, und die haben dann das Auto, auch den Kofferraum dann auch vollgepackt mit lauter so Zeugs, wie es damals auch im Auto war, mit Äpfeln und so weiter. Genau, also sie haben quasi wirklich den Unfall, wie er war, simuliert. Der ganze Kofferraum war voll und sie haben dann einfach etliche Treibes gegen Wände krachen lassen, um zu gucken, was passiert mit dem Kanister. Und haben damit dann letztlich das bestätigt, was Helbig ja schon beim ersten Blick ins Auto dachte. Der landet nicht flach. Wie haben Sie dann das Auslaufen erklärt? Alfred S. sagt, der Verschluss ist durch den Zusammenstoß aufgegangen und deshalb ist was ausgelaufen. Was haben die Untersuchungen von Helwigs Gutachtern da ergeben? Die Gutachter haben sich auch den Deckel eingehend angeschaut und haben wirklich sehr viele Kanister aus verschiedenen Höhen fallen lassen, um zu gucken. Also öffnet sich dieser Kanister einfach durch einen Aufprall? Und tatsächlich, ja, der Deckel kann beschädigt werden und dann ist der Kanister auch geöffnet und Benzin läuft aus. Aber die Beschädigung am Kanister sieht dann einfach völlig anders aus. In diesen Fällen war der Auslaufstutzen wirklich immer komplett eingedrückt. Wenn man sich aber den Originalkanister von dem Unfall selber angeschaut hat, war dieses Blech ganz oben, der den Kanister verschließt, ganz leicht verformt und nicht richtig eingerastet. Und das konnten sie in ihren etlichen Simulationen kein einziges Mal sehen. So wiederholen. Durch einen Zusammenstoß. Also das muss jemand vorher gemacht haben. Der Kanister ist vorher manipuliert worden. Genau, jemand hat mit Gewalt diesen Deckel verbogen. Außerdem haben die Gutachter auch die Ergebnisse aus Sachsen noch einmal bestätigt. Also es muss eine offene Flamme im Innenraum gegeben haben, die ein vorhandenes Benzinluft gemischt entzündet haben. Also eigentlich genauso, wie Heidi S. gesagt hat. Also er hat sie wahrscheinlich mit einer Flüssigkeit übergossen und sie mit einem Feuerzeug angezündet. Das lässt sich durch einen Kurzschluss oder einen kleinen Kabelbrand vorne nach einem Unfall nicht erklären. Zumindest nicht in dieser Sekundenschnelle, wie Alfred S. es ja behauptet hatte. Ja, je weiter man reingeht, desto unklausibel erscheint es auch. Es ist ein bisschen wie so ein Kinomoment, wo die dann immer, sobald die einen Unfall haben, explodiert gleich das ganze Auto und so weiter. Aber das ist im Leben auch selbst beim Trabi nicht so. Du sagtest schon, Helbig hat auch die Kleidung untersuchen lassen. Was hatte er da und warum war das für ihn so relevant? Na, Alfred S. hatte ja gesagt, dass die Türen angeblich geklemmt haben und er sich durchs Fenster gerettet hat. Aber Helbig vermutet eigentlich genau das Gegenteil, nämlich dass er ganz normal durch die Tür das Auto verlassen hat. Denn es gibt einen Abdruck auf seiner Jacke. Und zwar an der Schulter rechts befand sich geschmolzenes Plexiglas und das passte perfekt zum Windabweiser, der sich am Fenster auf der Fahrerseite befand. Allerdings, damit der Abdruck genauso passt, muss der Ablauf wie folgt gewesen sein. Alfred S. hat ganz normal die Tür aufgemacht, ist rückwärts ausgestiegen und weil das Auto hier etwas schräg stand, ist ihm die Fahrertür Innenseite in den Rücken gefallen. Und nur dieser Ablauf erklärt, dass genau an der Stelle der Abdruck gewesen ist. Ah, okay. Weil wenn er rausgeklettert wäre, dann wäre er in einer anderen Position rausgekommen und dann wäre der Abdruck einfach an einer anderen Stelle, Schulter links oder was weiß ich, gewesen. Genau, es wäre einfach auf der anderen Seite an der Schulter gewesen, aber es war genau verkehrt herum. Was im Übrigen auch dafür spricht, also er hat dann ja auch beim Aussteigen ganz regulär durch die Tür auch noch ins Fahrzeug geguckt. Also warum hat er dann seiner Frau oder die Kinder nicht aus dem Wagen geholfen? Also er hätte sie sofort hinten rausziehen können. Eben, ja. Und was haben wir noch an Kleidungsstücken? Die Gutachter haben sich auch die Schuhe von Alfred S. angeschaut und haben festgestellt, dass ein kleines Haarbüschel in der Sohle eingeschmolzen war. Und bei diesem Haarbüschel handelte es sich um Haare von Heidi S. Und das waren laut Gutachten so 30, 40 Haare ungefähr, die eingeschmolzen mit der Sohle waren. Und dieser Beweis spricht einfach dafür, dass Alfred S. seine Frau auf Bar getreten hatte. Also sie wirklich am Aussteigen brutal gehindert hat, genau wie Heidi S. es ausgesagt hatte. mit der schmelzenden Sohle gegen den Kopf getreten hat. Ja. Wie lange haben die daran gearbeitet jetzt? Zwei Jahre? Oder wie viel Zeit hat Helbig jetzt reingesteckt? Die ganzen Versuche liefen etwa zwei Jahre und haben auch wirklich eine sechsstellige Summe verschlungen. Also da steckte wirklich sehr viel Aufwand hinter. Okay, um einmal jetzt die wahre Geschichte herauszubringen. Wie war die jetzt? Wie stellt sie sich jetzt auf Basis der Gutachten und von Helbigs Ermittlungen dar? Was ist jetzt wirklich passiert an diesem Fall? Tag im September 1990. Die Familie befindet sich auf dem Rückweg vom Einkaufen und bei diesem dritten Zwischenstopp holt Alfred S. Nicht nur einen Apfel aus dem Kofferraum, wie er vorgibt, sondern legt auch den Benzinkanister flach hin, damit dieser langsam ausläuft. Als er dann wieder losfährt, bemerkt Heidi S. den Geruch und Alfred S. Lenkt den Wagen sofort in den Graben. Das Verdünnungsmittel hat er ja direkt hinter seinem Sitz bereitgestellt, weil es hätte ja auch in den Anhänger hinten gepasst, muss man ja dazu sagen. Und damit überschüttet er nun seine Frau und zündet sie an und es kommt auch sofort zur Verpuffung. Er steigt ganz normal aus dem Auto aus und dann hindert er seine Frau am Aussteigen mit Tritten und Schlägen und erst als sie sich totstellt und ihr Gurt durchgeschmort ist und die Ersthelfer kommen, erst dann lässt er von ihr ab. Okay, damit ist jetzt hier das Unvorstellbare doch bewiesen. Ja, obwohl es gibt auch so ein, zwei Punkte, die man tatsächlich nicht belegen konnte. Weil zum Beispiel hatte Heidi S. auch gesagt, dass er dem Mann ihr den Mund zugehalten habe. Dieser ganze Kampf, der im Insassenraum stattgefunden haben soll, das konnte man jetzt alles nicht feststellen. Aber ehrlich gesagt, das brauchte man auch eigentlich gar nicht mehr. Ja, die Frage wird sich ja dann zeigen im Prozess. Wie lief der ab? Wie trat Alfred S. dann auf? Es kam im Februar 1994 zum Prozess und Alfred S. machte wirklich eine ordentliche Szene und beschimpfte Helbig als Fanatiker. Fanatiker und sagte auch, das sei alles eine große Ungerechtigkeit und hat ihm aber letztlich auch nicht geholfen, weil auch vor Gericht musste Alfred S. Auch noch einmal vorführen, wie er da angeblich aus dem Fenster entkommen sein will. Diese ganze Vorführung, die gelang ihm halt auch überhaupt nicht. Wie sprach er denn eigentlich da auch über seine Familie und über die Ehe? Alfred S. hat ja so getan, als wenn in der Ehe eigentlich irgendwie alles gut lief und Heidi S. eher so eine Frau war, die manchmal so ein bisschen Ausraster hatte und so psychische Aussetzer. Und das konnte man aber auch letztlich widerlegen. Nämlich? Wie war die Situation tatsächlich? Die Scheidung stand eigentlich kurz bevor. Das war eigentlich der Knackpunkt. Ungefähr acht Wochen vor dem vermeintlichen Unfall hat Heidi S. Ihren Mann auch damit konfrontiert, dass sie sich trennen möchte. Ich meine, Gründe dafür hatte sie ja wirklich genug. Und daraufhin war Alfred S. erst mal verwandelt und ganz freundlich zu ihr und hat noch versucht, sie umzustimmen. Immer wenn sie was angesprochen hat, ist sie ausgewichen. Aber dann kam so ein Punkt, wo er gemerkt hat, sie lässt sich nicht umstimmen. Und tatsächlich hatte Heidi S. auch auf der Arbeit einen neuen Mann kennengelernt. Also hatte dann noch mehr Gründe, um zu gehen. Aber für Alfred S. kam einfach eine weitere Scheidung nicht in Frage. Er hat sogar einmal zu Heidi S. wörtlich gesagt, nie im Leben lass ich mich noch einmal scheiden. Das hat sie später ihrer Mutter erzählt. Weil er hat in seiner letzten Ehe ein Grundstück einbüßen müssen. Also finanzielle Aspekte spielten offenbar auch eine Rolle. Jetzt ist für Helbig der Höhepunkt seines Kampfes angekommen. Glaubt ihm das Gericht das? Und vertraut es diesmal in seine Gutachten? Und versteht es diesmal seine Gutachten? Ja, also Helbigs Ermittlungen haben sich gelohnt, denn das Landgericht Cottbus verurteilte Alfred S. zu lebenslanger Haft. Und im Urteil wird sogar die Brutalität wirklich noch einmal hervorgehoben. Ich kann ja immer aus dem Urteil vorlesen. Der Angeklagte fügte, diese Todesart wählend, gefühllos und unbarmherzig den Opfern, seinen Familienmitgliedern, körperliche Schmerzen und seelische Qualen zu, die in ihrer besonderen Stärke und Dauer das für die Tötung eines Menschen erforderlichen normale Maß übertreffen. Manchmal finde ich, ist das Juristendeutsch besonders gut geeignet, eine Grausamkeit zu transportieren und das, finde ich, gilt in dem Fall natürlich auf alle Fälle. Das normale Maß ist da weit überstiegen. Eine große Frage ist ja auch, wie kann ein Mensch sowas machen? Das haben wir natürlich immer, aber in diesem Fall, auch aus diesen Gründen, finde ich, da springt es einen umso mehr an. Was ergab denn das psychiatrische Gutachten? Ja, leider erfährt man aus dem Gutachten nicht wirklich viel zu der Persönlichkeit von Alfred S., aber was wirklich klar ist, er ist voll schuldfähig. Wie hat sich Helbig denn erklärt, dass Alfred S. eine solch brutale Todesart gewählt hat und dass er auch die beiden Kinder umbrachte? Also dieses Jahr, er will keine Scheidung, die Schmach der Scheidung oder das kostet ihn viel Geld. Kann man jetzt als Motiv nachvollziehen, aber auf diese Art und Weise und auch die Kinder dann mit umbringen. Wie erklärte sich Helbig das, dass dieser Mann so weit gegangen ist? Ja, einerseits war es einfach wirklich so eine Eliminierungstat. Er hat alle seine Probleme auf einem Schlag einfach ausgelöscht. Und auf der anderen Seite, diese Tatsache, dass er auch die Kinder ermordet hat, die spielten so eine gewisse Alibi-Rolle. Das sollte einfach alles noch viel glaubhafter erscheinen lassen. Und genau das ist ihm ja perfiderweise auch fast gelungen. Also wirklich, dass er eine Tat so brutal gemacht hat, dass gar keiner glaubt, dass das wirklich ein Mensch über sich bringen kann. Genau, es war eine Tat, die war wirklich unvorstellbar. Also obwohl Heidi S. Die Wahrheit eigentlich bis zum letzten Moment ihres Lebens rausgeschrien hat, war das für Menschen unvorstellbar. Was hat dich besonders an dem Fall beschäftigt? Also abseits dieser Brutalität. Mich hat auf jeden Fall Helbig noch sehr beschäftigt, weil es ist wirklich ihm zu verdanken, dass er sich diesem Vermächtnis von Heidi S. Wirklich angenommen hat und diese Tat bewiesen hat, weil die wäre einfach untergegangen, gerade zu dieser ganzen Zeit, die damals einfach herrschte und das ist nur Helbigs Hartnäckigkeit zu verdanken, dass Alfred S. für diese Tat bestraft worden ist. Wie war er denn im Gespräch mit dir? War er da sehr stolz darauf? Ja, stolz würde ich jetzt nicht unbedingt sagen, aber er hat das eher so klingen lassen, dass er einfach bis heute, er war ja auch schon wirklich im hohen Alter, aber dass er bis heute über diesen Fall öffentlich spricht, weil er es wirklich als seine Pflicht sieht. Also weil Heidi S. Einfach bis zu ihren letzten Atemzügen die Wahrheit ans Licht bringen wollte, und er einfach bis heute auch möchte, dass Menschen von ihr erfahren und das wissen, was diese Frau geleistet hat. Kann ja auch eine Lektion für manchen Ermittler und manchen Staatsanwaltskollegen von Helbig sein. Der Fall wäre ja einfach als Unfall durchgegangen. Es gibt ja immer diese Statistiken, Tötungsdelikte, Aufklärungsquote über 90%. Bloß da fallen natürlich nicht die Fälle von Tötungsdelikten rein, von denen man gar nicht weiß, dass sie ein solches sind. So hätte es in dem Fall natürlich auch sehr schnell enden können. Ja, absolut. Also der Fall war dafür prädestiniert, dass dann jemand von erfährt. Dass es einfach als tragischer Unfall zu den Akten gelegt wird. Ich meine, in seiner Unverfrorenheit und Brutalität ist dieser Fall ja einzigartig. Aber könnte man auch sagen, dass er irgendwie auch der Inbegriff des Themas Femizid ist, wenn man auch so diese Beziehungsbiografie betrachtet? Wie siehst du das, wie du dich ja intensiv mit dem Fall befasst hast und als Frau vielleicht auch nochmal oder mit Sicherheit nochmal einen ganz anderen Blick darauf hast als ich als Mann? Ja, Femizid ist natürlich da der richtige Stichpunkt, weil natürlich einerseits ist der Fall irgendwie, ich sag mal, besonders durch seine Grausamkeit, durch diese Brutalität, aber andererseits ist es halt auch einfach das Typischste, was passiert. Also ein Mann tötet eine Frau, weil er einfach diese Kränkung nicht aushalten kann, dass sie sich trennen möchte, weil er sie als Besitz wahrnimmt. Und das ist ja einfach Ausdruck von unseren patriarchalischen Strukturen, damals wie heute. Und das macht den Fall dann wieder irgendwie traurigerweise so wieder etwas ganz Typischem. Vielleicht auch ein bisschen der Vorlauf, was du von dieser Beziehung erzählt hast. Er. Fühlt sich irgendwie dann doch klein ihr gegenüber. Sie ist ja schlauer als er und dann zwängt er sie ein und umso stärker wird es aufgeladen. Genau und ich meine letztlich hat HDS ja auch zu einer Freundin gesagt, wenn der sich in die Ecke gedrängt fühlt, geht er über Leichen. Und er hat da diesen Satz auch wirklich wahr gemacht auf ganz tragische Weise. Ja, wir sind am Ende angelangt. Den Link zu Chantals Geschichte aus Sterncrime findet ihr wie immer in den Shownotes. Dort könnt ihr auch Bilder eben von der Unfallstelle und vom Kanister sehen und euch ein bisschen besser noch in die Details vielleicht auch einlesen, wenn es euch interessiert. Und wie immer lege ich euch wärmstens unseren Stern-Crime-Bereich auf der Stern-Homepage nahe, auch dort gibt es einen Link und besonders stark für Podcast-Fans, sind die exklusiven Folgen unseres Podcasts Wahre Verbrechen, in denen der Schauspieler Christian Redel unsere Geschichten vorträgt. Das ist echt Gänsehaut. Hört da mal rein, lohnt sich. Den Link findet ihr auch in den Shownotes. Und jetzt sage ich vor allem dir, Chantal, Ganz herzlichen Dank, dass du dir die Zeit genommen hast und dich auch nochmal in diese Geschichte reingefuchst hast, um uns das zu erzählen. Vielen Dank, Chantal. Vielen Dank für die Einladung.