Vor einer Kirche wird der Kopf einer jungen Frau gefunden. Die Polizei hat schnell einen ersten Tatverdächtigen und muss ihn genauso schnell als Mörder wieder ausschließen. Doch dann geschieht etwas, mit dem wirklich keiner gerechnet hat. Ich bin Bernd Volland und das ist Spurensuche, der Podcast von Sterncrime. Willkommen bei Spurensuche. Heute gehen wir in die Extreme. Es geht um einen schrecklichen Fund und um die Binsenweisheit, dass man in Menschen einfach nicht hineinschauen kann. An der ist, wie wir alle wissen, durchaus einiges dran, auch wenn es eine Binse ist. Und man kann unglaubliche, schreckliche Überraschungen erleben. Selbst für erfahrene Kriminalbeamte gilt das. Unser heutiger Fall beginnt am 25. Januar 1994 im Berliner Stadtteil Schöneberg. Es ist eine nasskalte Winternacht. Es ist zwar fast Vollmond, aber der Mond scheint durch die dichte Wolkendecke nicht hindurch. Gegen 20.30 Uhr überquert ein junger Mann den Grazer Platz. Er nimmt die Abkürzung über die unbeleuchtete Wiese direkt vor der Nathanaelkirche. Mitten im feuchten Gras bleibt er plötzlich stehen. Er hat etwas am Boden entdeckt. Zuerst erkennt er nur ein Handtuch, aber direkt daneben liegt noch etwas anderes. Er beugt sich hinab, greift in seine Tasche, holt sein Feuerzeug heraus und zündet es an. Und dann im flackernden gelben Schein der kleinen Flamme wird ihm schlagartig klar, worauf er blickt. Es ist der abgetrennte Kopf einer Frau. Zur selben Zeit sitzt Kriminaloberkommissar Christian Schulz im Landeskriminalamt in Charlottenburg, Keitstraße 30, dritte Mordkommission. Schulz hat an diesem Abend Rufbereitschaft. Einige Zeit später schrillt bei ihm das Telefon. Er soll an den Grazer Platz kommen. Ein Passant habe etwas gefunden. Schulz fährt hin. Und wir hören jetzt mal Christian Schulz über das Bild sprechen, das ich ihm vor Ort bot. Dann sieht man von Weitem schon, Sie können sich vorstellen, was da los war, überall Blaulicht, Absperrungen, das was man im amerikanischen Fernsehen immer sieht, Do Not Crush, Crime Scene. Also das war ja nachts, es war dunkel und da wurde auch professionelle Beleuchtung hingestellt, also der Tat oder Fundort in diesem Sinne ist dann wirklich taghell erleuchtet. Und als ich kam, war der Kopf schon dann auch im Begriff von einer Rechtsmedizinerin, begutachtet zu werden. Die Rechtsmedizinerin vermerkt im Fundort-Bericht, es handelt sich um einen frischen Kopf. Sie hat noch, wie sie schreibt, eine gewisse Restwärme ertasten können. So beginnt dieser Fall und er war nicht nur für die Berliner Mordermittler einzigartig, sondern auch für den Mann, der mir heute gegenüber sitzt. Felice Gritti hat den Fall für Sterncrime recherchiert und auch mit dem Kommissar Schulz gesprochen. und deshalb können wir auch diese O-Töne hier hören. Hallo Philis, schön, dass du da bist. Hallo Bernd, ich freue mich hier zu sein. Philis, ich mag deine Texte sehr gerne, weil du ein sehr empathischer Schreiber bist, also jemand, der sich auch mit Feingefühl in die Fälle und auch in die Beteiligten hineinversetzen kann. Jetzt haben wir aber hier einen Fall, der einem überdurchschnittlich viel abverlangt. Nicht nur, was die Schrecklichkeit des Fundes anbelangt. Recht schwer tatsächlich. Also was mich an Kriminalfällen schon auch mit am meisten fasziniert ist, tatsächlich sind die psychischen Voraussetzungen, die dazu führen, dass Menschen Verbrechen verüben. Das hier war nun wirklich ein sehr grausames Verbrechen. Irgendwie eine große Brutalität, eine große Verrohrung, die sich da gezeigt hat. Oder eine große Rohheit. Und das macht es, finde ich, per se schon mal schwer, sich da rein zu versetzen. Es liegt sehr fern. Dennoch stößt man halt als Kriminalreporter schon auch immer wieder auf Fälle, in denen man den Beweggrund oder die Beweggründe eines Täters nachvollziehen kann, ohne dabei seine Tat zu rechtfertigen natürlich. Aber das fand ich in diesem Fall tatsächlich sehr schwer und schwerer als in anderen Fällen. Vielen Dank. Ja, außergewöhnlich und ich glaube auch einer der schwereren Fälle war es ja auch für den leitenden Ermittler, mit dem du eben gesprochen hast, der Kommissar Schulz, den wir eben hören durften. Mordermittler sind hart gesotten, aber wie hat Schulz den Anblick dieses Kopfes beschrieben? Hat ihn das dann doch ein bisschen mitgenommen? Also es hat sich ihm schon eingebrannt, also sowohl diese Situation auf diesem Platz, auf dieser Wiese mit diesem abgetrennten Kopf, also das ist ja auch schon, das wirkte auch so, wie er das beschrieben hat und wie es auch aus den Akten ersichtlich war, das wirkte sehr inszeniert irgendwie und gruselig natürlich, also komplett grauenhaft und wirklich unheimlich. Und dieser ganze Fall hat sich ihm aber nicht nur deswegen eingebrannt, sondern eben auch, weil er, das war mein Einmal, das hat er auch gesagt, dass er eben auf eine bestimmte Weise heute noch beeindruckt ist. In einer Hinsicht auch von dem Täter und darüber werden wir noch sprechen, aber das ist bei ihm nicht spurlos vorübergegangen und er ist aufgestiegen, heute ist er der Leiter der operativen Falleanalyse in Berlin. Also man kann sagen, er ist der oberste Profiler des Landes Berlin. Und der hat schon wirklich einiges gesehen und in einige Abgründe geschaut. Aber dieser Fall nimmt trotz allem noch eine Sonderstellung ein. Ja, lass uns mal reingehen in die Ermittlungen. Du hast schon gesagt, ja, der Kopf auch, dass es so ein bisschen inszeniert wirkte. Also auch das, was du als gruselig bezeichnet hast, dass das womöglicherweise auch von dem Menschen, wer auch immer diesen Kopf dort abgelegt hat, auch gewollt war. Die wichtigste Frage natürlich für die Mittler, wer ist dieses Opfer? Wie findet die Kripo und Schulz, wie finden die das raus? Also die finden das. Die kommen so ein bisschen zu dieser Erkenntnis ohne viel eigenes Zutun, muss man sagen. Also der Fund des Kopfes ereignet sich ja am Abend oder in der Nacht und am Tag darauf, das ist so am Vormittag irgendwann, ich glaube gegen 10 Uhr, in einer Zehlendorfer Kindertagesstätte, Zehlendorf, Stadtteil von Berlin, dort fehlt eine Erzieherin, die eigentlich zur Arbeit hätte kommen sollen. Die gilt bei ihrer Chefin als sehr zuverlässig und die Chefin beginnt langsam sich Sorgen zu machen. Dann versucht sie bei der Frau zu Hause anzurufen, erreicht sie niemanden, ruft bei der Schwester an von der Frau. Die sagt, dass die schon am Abend zuvor nicht mehr am Telefon irgendwie zu erreichen gewesen sei. Und dann kommt das der Kita-Leiterin alles wirklich sehr, sehr merkwürdig vor. Und gegen 12 Uhr fährt sie los. Also um die Mittagszeit fährt sie los zu der Adresse ihrer Kollegin. Da öffnet auch niemand. Dann klingelt sie bei der Nachbarin. Und die sagt, dass die Frau auch am Vorabend schon nicht auf das Klingeln reagiert habe. Die Nachbarin hat allerdings einen Zweitschlüssel. Dann gehen die beiden Frauen rein in die Wohnung, um einfach mal nachzuschauen, ob da irgendwas passiert ist. Sehen offenbar, so geht das dann aus den Zeugenaussagen hervor, dass sie im Flur erstmal so das aus der Steckdose gerissene Telefonkabel sehen. Das liegt ja so quer über dem Boden. Und dann sehen sie im Flur wieder so zwei leblose Beine hereinragen aus irgendeinem Seitenzimmer. Ja, und dann weiter gehen sie auch nicht mehr rein, weichen zurück, liegt der Leiterin, ruft die Polizei. Das ist dann ja in den Ermittlungsakten auch immer wörtlich protokolliert, diese Notrufe. Das wurde hier protokolliert mit den Worten, meine Arbeitskollegin liegt, glaube ich, tot in der Wohnung. Kommen Sie mal ganz schnell vorbei. Okay, und welches Bild bietet sich dann den Beamten, als sie dann wirklich dann richtig reingehen in die Wohnung? Und die sieht dann natürlich erstmal das Gleiche, was die beiden Frauen gesehen haben. Und ich finde, im Startort-Bericht gibt es diesen einen sehr, sehr bemerkenswerten Satz, der sich mir zumindest irgendwie eingebrannt hat. Der lautet, es ist deutlich zu sehen, dass der Kopf der Leiche fehlt. Und ab da ist natürlich nahezu sicher, dass dieser Körper ohne Kopf zu dem Kopf ohne Körper gehört, der am Abend zuvor vor der Kirche gefunden wurde. Und ja, das Opfer ist die 30-jährige Erzieherin namens Stefanie Südo. Sie haben jetzt also das Opfer, den Namen des Opfers. Wir müssen auch noch dazu sagen, Namen von Opfer, Zeugen und Täter sind natürlich jetzt geändert hier im Text. Aber der Herr Schulz ist wirklich der Herr Schulz. Genau, der Schulz kommt selbst dann auch recht bald. Ja, und der findet da eine Wohnung vor, zwei Zimmer, Balkon. Die liegt im Stadtteil Wilmersdorf, liegt so an der Stadtautobahn in Berlin, wer sich da so ein bisschen auskennt, so Hohenzollern da um die Ecke. Es ist sehr sauber, es ist sehr aufgeräumt, es ist sehr gepflegt alles. Im Wohnzimmer steht eine weiße Ledercouch und ein Klavier. Und das Einzige, was irgendwie so ein bisschen aus dem Bild fällt, ist eben dieses Telefonkabel, das aus der Steckdose gerissen ist. Ansonsten herrscht nach wie vor Ordnung in dieser Wohnung. Und was wichtig ist, dass der Kommissar Schulz eben keine Einbruchsspuren findet. Daraus schließt er, dass sie ihren Mörder vermutlich kannte, auf jeden Fall freiwillig hineingelassen hat. Was die Hypothese stützt, die, glaube ich, sowieso viele Mordermittler erstmal haben, dass der Täter aus dem Umfeld des Opfers stammt. Sie kannte den Täter. Sie kannte den Täter. Das ist anzunehmen. Erzähl uns mal ein bisschen mehr über diese Frau. Also wer war Stefanie Südow, so wenn sie morgens dann ihre Wohnung in Wilmersdorf verließ? Wie gesagt, sie wurde 30 Jahre alt, hat bis zu ihrem Tod acht Jahre als Erzieherin gearbeitet, war da sehr beliebt im Kollegium und auch bei den Kindern. Hat das Private aber so ein bisschen vom Beruflichen getrennt und im Privaten galt sie als sehr großzügig, als sehr warmherzig, gleichzeitig aber durchaus auch als sehr vorsichtig. Und bedacht in der Auswahl ihrer Bekanntschaften, in der Auswahl ihrer Freunde. Sie ist jetzt auch nicht irgendwie abends mitten in der Nacht noch alleine irgendwie vor die Tür gegangen, hat immer von innen die Tür abgeschlossen, ihre Wohnungstür abgeschlossen. Also hatte schon irgendwie ein relativ waches Sensorium auch für mögliche Gefahren, und hatte eben auch eine große musikalische Leidenschaft. Also hat gerne an ihrem eigenen Klavier im Wohnzimmer gespielt, ist dann aber auch immer runtergegangen zu den Nachbarn, hat gefragt, ob es vielleicht zu laut sei. Genau. Und so hat sie ihr Leben gelebt in ihrer Zwei-Zimmer-Wohnung. Wie sah ihr Liebes- und ihr Beziehungsleben aus? War das auch so straight, wie das klingt, dieser ordentlichen Wohnung und diesem, bedachten, kontrollierten Lebenswandel? Also sie war Single zuletzt auf jeden Fall. Sie lebte alleine in Billmersdorf und sie hatte offenbar relativ hohe Ansprüche an die Menschen, mit denen sie irgendwie ihr Leben teilte oder denen sie sich irgendwie näherte wirklich. Ein paar Monate vor der Tat war eine Beziehung zerbrochen und bis kurz vor der Tat, bis einige Wochen vor der Tat auf jeden Fall, hatte sie eine Affäre. Mit wem? Mit ihrem Klavierlehrer. Das war ein 33-jähriger Mann namens Günther Busdorf. Den hatte sie über eine Zeitungsannonce gefunden im September 93. Also nochmal zur Erinnerung, ermordet wurde sie Ende Januar 94. September 93 hatte sie ihn gefunden und nahm bei dem einmal pro Woche Klavierunterricht. Und dabei kam sie sich irgendwie so ein bisschen näher und der Lehrer verliebte sich wohl in sie und sie offenbar auch so ein bisschen in ihn. Irgendwann haben sie sich regelmäßig auch privat besucht. Er hat ihr mal so ein Lederarmband geschenkt. Sie schliefen miteinander. Das ging dann aber alles zu Ende, als sie erfuhr, dass seine Ehefrau erneut schwanger war. Das wollte sie nicht. Da wollte sie sich dann von entfernen. Sie hat klare Verhältnisse verlangt, hat die Affäre beendet und ihm gesagt, er soll sich um seine Familie kümmern. Genau, also so zumindest erfahren die Ermittler das von den Freunden, mit denen sie dann nach dem Tod von Stefanie brechen und mit denen sie zuvor halt offenbar auch schon einiges geteilt hat bezüglich dieser Affäre. Also wir haben keine Einbruchsspuren. Sie kannte den Täter und sie hat eine erst vor ein paar Wochen beendete Affäre. Da ist der Klavierlehrer Bustoff natürlich die erste Adresse für die Ermittler und Schulz und ein Kollege klingeln am nächsten Tag an der Tür und werden freundlich und unaufgeregt empfangen. Wir spielen hier mal wieder einen O-Ton vom Ermittler Schulz ein, der sich an den Moment erinnert, als er eben diesem Klavierlehrer gegenüberstand. Er war freundlich, zugewandt und konnte das alles auch völlig nachvollziehen und einsehen, dass wir ihn natürlich jetzt benötigen als Auskunftsperson, weil er der jetzt Getöteten, der Verstorbenen ja sehr nah stand. Und es gab da auch keine Komplikationen, auch von der Frau gab es da keine großen Nachfragen oder so. Also es war eine ganz ruhige, entspannte Atmosphäre. Er zog sich seinen Mantel an und begleitete uns dann zur Dienststelle. Bußdorf fährt also mit zur Wache und auch dort ist der Klavierlehrer sehr kooperativ. Er blieb ruhig, er antwortete auf die Fragen, war bereitwillig, über alles Auskunft zu geben. Man hatte den Eindruck, er hat Verständnis eben für unsere Ermittlungen, für unser Vorgehen. Ja, er machte wirklich einen coolen, gelassenen Eindruck, keine Nervosität zu spüren, bereitwillig, auskunftgebend. Erzähl mal ein bisschen, wer ist Bussdorf für Leute, die ihn jetzt damals nur oberflächlich kannten? Ich glaube, also aus dem, was ich habe einsehen können in den Akten, in den Zeugenaussagen, ist das ein relativ unscheinbarer Typ. Also der ist 33 Jahre alt, ist verheiratet, hat zwei Kinder, lebt mit seiner Ehefrau und diesen beiden Söhnen. Die beide noch klein sind, in einer Altbauwohnung in Schöneberg an so einer vierspurigen Straße. Großzügiger Berliner Altbau, 132 Quadratmeter Ofenheizung und gibt halt Klavierunterricht, in Klassik, Jazz, Pop und seine Schüler und Bekannten schildern ihn eigentlich alle als höflich, eher leise, nett, engagiert auch in seinem Unterricht als aufgeschlossen. Aus den Akten geht auch hervor, dass er wohl ein IQ von 120 hat, also das ist schon weit überdurchschnittlich. Und ist insgesamt ein ganz angenehmer Zeitgenosse. Also auch sein Erscheinungsbild, der trägt Jeans und Pullover und fügt sich so ein. So ein bisschen für mich als jemanden, der mit der klassischen Musik nicht so vertraut, das ist so ein bisschen auch so ein Pianisten-Nerd. Ja, also ich bin selbst nicht besonders vertraut mit der Materie klassische Musik, Aber ich glaube, so wie er aus dem Aktenmaterial zumindest einem entgegentritt, das stimmt schon überein mit dem Klischee, was ich habe von einem Klavierlehrer. Phyllis, was genau sagt Bussdorf jetzt aus bei der Vernehmung? Erstmal über sein Verhältnis zu Stefanie, von der ja Freunde gesagt haben, dass es da eine Affäre gegeben hätte, die sie beendet hätte. Genau, darum geht es natürlich vor allem und das interessiert auch den Schulz vor allem. Der Busdorf sagt über diese letzte Klavierstunde am 6. Dezember, also am Nikolaustag, darüber sprachen wir ja schon. Darüber sagt er eigentlich nur, dass er ihr geraten habe, zu einem anderen Lehrer zu wechseln, weil sie sich kaum verbessert habe. Also ohne jede Verstrickung emotionaler Art, es sei da einfach nur um den Unterricht gegangen, um den Lernfortschritt und man habe sich dann da eben, nachdem er das vorgeschlagen habe, auf die Beendigung dieses Verhältnisses, dieses ganz professionellen Verhältnisses geeinigt. Und dieses Verhältnis stellt er halt auch so dar, als habe er da ganz genau auf die Einhaltung der professionellen Distanz geachtet. Also ich kann das mal zitieren, was er sagt. Unter anderem sagte er, mir ist das einfach zu nah. Ich kann unter diesen Umständen keinen Unterricht machen. Ich vertrete die Auffassung, dass zwischen mir und dem Schüler immer eine gewisse Distanz vorhanden sein muss. Also es klingt erstmal nach einer großen Professionalität, auch dass er auch sagt, du, ich kann dir irgendwie, bei mir gelingt es nicht so, dir viel beizubringen, dann lasse ich dich los. Widerspricht ja ziemlich viel. Der Geschichte von der Affäre, hat er da irgendwas zu diesem, woher das kommen könnte, die Geschichte, hat er da irgendwas gesagt? Ja, das hat der Schulz dann natürlich auch thematisiert. Der hat ja ganz andere Dinge gehört von den Freunden. Und darauf angesprochen, sagt der Bussdorf, dann wörtlich zitiere ich jetzt nochmal, Ja, ich merkte schon, dass Stefanie bereit war zu flirten. Ich merkte das so an ihrem Lächeln, dass sie gerne flirtete. Aber das war für mich kein Problem, dies auf Distanz zu halten. Entscheidend ist der Klavierunterricht. Hat er da irgendwie eine Erklärung, wie die Geschichte dann in die Welt kommt? Eigentlich, dass sie sich das ausgedacht hat, Ausgeltungssucht. Also er sagt wörtlich auf die Frage, ob es da eine intime oder sexuelle Beziehung gab, hundertprozentig nein, ich hatte mit ihr keine intime Beziehung. Und warum sie das dann denn sage, will der Schulz von ihr wissen. Und dann sagt er, ich kann mir das nur aus einer Geltungssucht erklären, vielleicht wollte sie sich damit wichtig machen. Okay. Und das ist sozusagen, was er zu einem möglichen Motiv sagt. Und wo war er am Tatabend? Er sagt in dieser Vernehmung, dass er am Tatabend eine Klavierstunde gegeben hat. Er kann überhaupt diesen ganzen Tagesablauf sehr genau rekonstruieren und kann da auch sowohl Zeugen als auch Zeiten mehr oder weniger lückenlos aufzählen. Also vormittags war er zu Hause bei Frau und Söhnen, dann hat er mehrere Klavierstunden gegeben, dann war er einkaufen bei Hertie bis 1845 und um, 1845 sei dann seine Schülerin Clara Westfalen zu ihm gekommen, die heißt eigentlich auch anders, diesen Namen haben wir ihr gegeben. Mit ihr habe er dann Unterricht gemacht bis 19.30 Uhr und danach seien sie dann beide gemeinsam zu ihrer Wohnung in die Müllerstraße gefahren. Um dort über einen Vertrag zu sprechen. Man muss dazu wissen, in der Zwischenzeit hat die Gerichtsmedizin den Todeszeitpunkt von Stefanie Südow eingegrenzt auf das Zeitfenster zwischen 18 und 20.30 Uhr am Dienstag. Das ist also ein ziemlich gutes Alibi, was er hat. Mit einer Zeugin, die er dann angibt. Mit einer Zeugin, die er angibt, genau. Wenn es denn zutrifft. Und das denkt natürlich der Schulz auch in der Vernehmung. Er hat mir schon aber auch geschildert, dass er, also der erste Gedanke war, ja gut, wir müssen das jetzt überprüfen, aber das wird schon stimmen, weil das ist so leicht zu überprüfen. Wenn das nicht stimmt, dann ist er wirklich dumm und dumm wirkt er nicht. Wenn er nicht komplett bebirnt ist, dann denkt er sich sowas nicht aus. Genau. Und was war sein Eindruck von diesem Bustorf? Also der Schulz hat den als absolut glaubwürdig wahrgenommen eigentlich. Also natürlich konnte er nicht ganz vergessen, was er auch von den Freunden wusste mit dieser Affäre, aber er sagte, dass der wirklich, also der ist nicht in Schlingern geraten, der war total ruhig, der hat total schlüssig gesprochen und hat dann halt noch dieses Alibi irgendwie hervorgezaubert. Was sich dann auch noch als zutreffend herausstellte, denn am nächsten Morgen kam die Schülerin auf die Dienststelle, hat sich vernehmen lassen und, hat das alles inklusive aller Details genauso bestätigt wie der Bustoff, das dem Schulz am Abend zuvor gesagt hatte in der Vernehmung. Und damit war er ausgeschieden als möglicher Täter. Ja, die. Erste scheinbar heiße Spur ist also ganz schnell erkaltet, aber was Schulz da noch nicht weiß, gleich um die Ecke ist schon wieder etwas Furchtbares passiert. Nur zweieinhalb Kilometer vom LKA entfernt liegt eine zweite Leiche in einer Schöneberger Mietshauswohnung. Die Wohnung wäre schon unter normalen Umständen ein Ort, den man nicht unbedingt gerne betritt. Auf dem Tisch liegt eine aufgeschlagene Ausgabe der Fernsehwoche, daneben ein Aschenbecher aus dem Zigarettenkippenquillen. Unter dem alten Sessel schimmelt der Teppichboden. Im Mülleimer liegen acht leere Dosen, Schultenbräu, Edelpilz. Im Kühlschrank lagern nochmal acht volle Dosen. Auf dem Kühlschrank ein Teller mit zwei Buletten. Aber jetzt ist der Ort richtig verstörend. Auf dem Boden liegt nämlich der Leichnam des Mieters. Das Gesicht des Toten ist zertrümmert. Der Unterkiefer ist beidseitig gebrochen, das Nasenbein zerschmettert, Blutaustritte an Augen, Nase und Mund. Jemand hat so lange auf den liegenden Mann eingetreten, bis er auch der gesamte Brustkorb nachgab. Das Brustbein ist gebrochen, die Rippen sind gesplittert, am Hals sieht man Spuren von Hieben mit einer stumpfen Axt. 8,5 Zentimeter tief, exakt mittig über der Nase, steckt ein gelber Schraubenzieher in der Stirn des Toten und in den Rachen des Mannes, hat jemand ein Plastikfeuerzeug. Geschoben. Die Polizei wird später in diesem Schraubenzieher und dem Feuerzeug den Hinweis auf einen Ritualmord vermuten. Phyllis, wer ist dieser Mann, der da in seiner Wohnung liegt? Wir haben ihm den Namen Stefan Offenbauer gegeben. Der ist 40 Jahre alt, arbeitslos und ziemlich alkoholkrank. Also der hat zum Todeszeitpunkt zwei Promille Blutalkohol im Blut. Der Todeszeitpunkt lag, das werden die Untersuchungen dann später zeigen, gegen 8 Uhr am Donnerstagmorgen. Also kann man sich vielleicht vorstellen, wie viel Promille er am Abend zuvor hatte. Der ist in seinem Haus relativ unbeliebt. Es gibt Beschwerden gegen ihn wegen lauter Musik, wegen Gebrüll bei offenem Fenster, wegen ausländerfeindlichen Parolen und weil er angeblich mit einer Gaspistole aus dem Fenster geschossen haben soll. Also insgesamt, das wirkt so ein bisschen nach verkrachter Existenz, die er da verlebt hat in seiner Wohnung. Besonders glücklich wird er wohl nicht gewesen sein, ohne ihm da zu nahe treten zu wollen und wie erfährt jetzt die Polizei und Kommissar Schulz von diesem nächsten Toten, der dort in der Wohnung liegt? Also wir sind inzwischen am Freitagvormittag nochmal zur Erinnerung, Dienstagabend wurde der Kopf gefunden, Mittwoch wurde die Leiche gefunden wir sind jetzt am Freitagvormittag, es ist ungefähr 11.15, Uhr da kommt ein Mann in eine arabische Pizzeria im Erdgeschoss des Hauses, in dem Stefan Aufenbauer lebte. Dieser Mann verlangt den Besitzer zu sprechen und erklärt, dass er ganz dringend reden müsse. Der Besitzer kommt und der Mann gesteht, ihm zwei Menschen getötet zu haben. Einer dieser beiden Menschen, sagt der Mann, sei Stefan Aufenbauer, der ein paar Stockwerke weiter oben in seiner Wohnung liege, ermordet von ihm. Der Pizzabäcker wählt natürlich sofort den Notruf. Die Polizei kommt, nimmt den Mann fest. Der wehrt sich auch nicht bei seiner Festnahme, aber er sagt etwas. Und zwar verlangt er ausdrücklich von Christian Schulz vernommen zu werden. Warum? Weil das Günter Busthoff ist, der Klavierlehrer von Stefanie Südo, der übrigens im selben Haus wohnt, also auch in dem selben Haus von Stefan Offenbauer. Das heißt, Günter Busthoff war ein Nachbar von Stefan Offenbauer und wurde zu seinem Mörder. Ermittler Schulz hat also nicht nur zwei brutale Morde, die in kurzer Zeit geschehen sind, sondern er steht nur zum zweiten Mal diesem feinsinnigen Klavierlehrer gegenüber, der ihm noch kurz zuvor im Mordfall Stefanie Südow ein Alibi dargelegt hat und dabei sehr souverän, freundlich und glaubhaft gewirkt hat. Und an dieser Stelle lassen wir nochmal den Kommissar selbst zu Wort kommen, weil diese zweite Begegnung ist ihm sehr eindringlich im Gedächtnis geblieben. Das war schon ein völlig komplett anderer Eindruck. Der rannte da wie so ein Tiger im Käfig herum, hat irgendwas Unverständliches gefasert, hatte eine Verletzung an der Stirn. Also ein komplett anderer Eindruck, sagt Schulz hier. Was hat er dir darüber erzählt, über diesen anderen Eindruck? Also sein Eindruck war der eines völlig anderen Menschen eigentlich, muss man sagen. Am Tag zuvor hatte Bustow sich ja als sehr kontrolliert präsentiert, als aufgeräumt, als empathisch. Und jetzt war er ganz sprudelnd, war redselig. Das brach alles aus ihm heraus. Und was eben auch aus ihm herausbrach, war das Geständnis, dass er es gewesen war, der Stefanie Südo umgebracht hatte. Also er hat zwei Morde gestanden. Er hat zwei Morde gestanden in dieser Vernehmung. Einmal den Mord an Aufenbauer, an seinem Nachbarn und den Mord an Stefanie Südo, den er am Tag zuvor bereits wortreich und sehr glaubwürdig abgestritten hatte. Das war jetzt alles vergessen. Er zeigte wirklich ein anderes Gesicht und das ist dem Schulz noch heute sehr lebhaft in Erinnerung tatsächlich. Also was er immer wieder sagte, woran er offenbar immer noch denkt, ist diese Detailtiefe, die der hatte in der Schilderung. Also der schilderte dann tatsächlich, also bei dem Aufenbauer hat er nicht gesagt, ich bin dann halt nach unten oder nach oben gegangen und habe ihn besucht, sondern er sagte, ich ging an die Tür, hob meinen Arm, klopfte gegen die Tür, also wirklich wie ein Film, der sich da irgendwie vor seinem geistigen Auge abspielt und den er dann irgendwie in Echtzeit in Worte fasst. Also auch so ein Sprudeln, das so aus ihm rausbricht, so klingt das. Komplett. Also das wirkte wohl so, als ob da irgendetwas in ihm drin war, was er davor bei sich behalten hatte, was jetzt wirklich aus ihm herausbrach. Man kann es sprudelnd nennen, man kann es unkontrolliert nennen, was in scharfem Kontrast dazu steht, wie der Schulz ihn am Tag zuvor wahrgenommen hat als den sehr aufgeräumten Mann. Und ich glaube, man kann es auch einfach wahnsinnig nennen. Okay. Und was erzählt er ihm nun? Also zu dem Mord an dem Aufenbauer, an seinem Nachbarn sagt er, dass er am Donnerstagmorgen gegen 8 Uhr viermal. Nicht dreimal, nicht fünfmal, sondern viermal an der Tür geklopft habe für seines Nachbarn. Dann habe er die Wohnung betreten, habe über Religion gesprochen, aber unter anderem gesagt, dass Allah ihm helfen werde. Er spricht auch über den Allmächtigen Gott, dann seien sie in Streit geraten über eine Zigarette. Also der Nachbar wollte sich wohl eine Zigarette anzünden, in seiner eigenen Wohnung wohlgemerkt. Und Bustov sagt Schulz, dass er ihn gebeten habe, aufzuhören, da ungläubige Menschen nicht mit Giften umgehen könnten. Als Aufenbauer das dann ignoriert, sagt Bustov, habe er ihm die Zigarette aus der Hand geschlagen, sodass sie auf dem Boden landete, vor dem Ofen. So, der Aufenbauer ist daraufhin wohl irgendwie aufgebraust. Also der Bustov sagt das in seiner Vernehmung, schildert das mit den Worten, ich kann hier machen, was ich will, und bückt sich nach der Zigarette vor dem Ofen. So, und jetzt beginnt das, was man, glaube ich. Gar nicht anders nennen kann, als eine Gewaltorgie tatsächlich, ne? Also Busthoff trägt an dem Tag so knöchelhohe Winterschuhe. Und in der Vernehmung schildert er das so, dass er die Position eines Fußballverteidigers einnimmt. Also das hat er als Bild auch so dargestellt. Das hat er als Bild dargestellt, genau, dass er die Position eines Fußballverteidigers, eingenommen habe, der einen Ball aus der Luft schlägt, um ihn praktisch aus der Gefahren, aus der Gefahrensituation, aus dem Strafraum rauszuklopfen, einfach weg damit. So, ja und mit diesem Bild arbeitet er eben, um darzustellen, wie er auf dem Bauer dann mit voller Wucht wirklich mitten ins Gesicht getreten hat und ja, ab da wird es eigentlich nur noch schlimmer. Also dann hat er weiter auf den Brustkorb eingetreten, hat versucht ihm den Kopf abzuhacken mit dieser stumpfen Axt und hat dann eben am Ende diesen gelben Schraubenzieher 8,5 Zentimeter tief ins Gehirn gerammt. Nicht an irgendeiner Stelle, sondern an der Stelle, wo er das sogenannte dritte Auge vermutet hat. Das ist alles so magisch-religiös dann aufgeladen. Hat er erklärt, warum er das gemacht hat? Also dieser scheinbar so feinsinnige Musiker, warum er da mit solch einer Zerstörungswut auf diesen Menschen losgegangen ist? Also er hat versucht, es zu erklären. Er hat es bezeichnet als ein nur sehr schwer verständliches Erlösungswerk. Er hat gesagt, dass es sich nicht um bestialische Mordlust gehandelt habe, was ich insofern ganz interessant finde, als dass er natürlich komplett gefangen war in seinem Wahn. Aber er hatte schon noch das Reflexionsvermögen zu sagen, okay, andere Leute sehen darin vermutlich eine bestialische Mordtat. Also das hat er abgestritten. Er hat gesagt, er habe keinen Hass empfunden, sondern, Zitat, reine Liebe. Okay, und die Tat wurde dann von Gott gefordert? Ja, also es war wohl tatsächlich, du hörst mich ins Schlingern kommen, weil das natürlich jetzt, wir kommen da in so einen Bereich, wo schlüssige Erklärungen irgendwann an ihre Grenzen gelangen. Also das kann man einfach nicht mehr schlüssig erklären. Aber ja, es hat sich wohl für ihn so angefühlt, als erfülle er damit einen göttlichen Auftrag und als erlöse er. Eine Seele, die Seele seines Nachbarn, als müsse er die Seele seines Nachbarn aus diesem sündigen Körper befreien, der Dosenbier trinkt und Zigaretten raucht. Dieser Mann ist also in Wahrheit im Wortsinne verrückt. Er ist psychisch schwer krank und hat in diesem Zustand zwei Menschen getötet. Bevor wir zum Mord an Stefanie Süder kommen, wollen wir noch ein wenig über die Geschichte dieses Wahnsinns reden, der sehr ausgeprägt ist und zugleich ist er offenbar von außen gar nicht so leicht zu erkennen. Man muss sich da nochmal den zeitlichen Ablauf vor Augen führen. Bustow hat seinen Nachbarn am Donnerstagmorgen umgebracht. Und kurz danach hat er Besuch von Kripo-Ermittler Schulz bekommen, der ihn zu Stefanie Südo befragen wollte. Und wie Bustow diesen Moment bewältigt hat, ist Schulz bis heute ja ein Rätsel. Aber eins ist wirklich extrem gruselig. Im Nachhinein, das war auch damals so, dieser Mensch hat zwei Stunden zuvor jemanden getötet. Und zwar nicht Frau Süde, sondern einen weiteren Menschen. Und Sie müssen sich vorstellen, es klingelt bei ihm, es klopft bei ihm und bei ihm steht die Kriminalpolizei, die Mordkommission vor der Tür. Dafür war er sehr, sehr cool. Also das ist schon wirklich gruselig, erschreckend, fast beeindruckend, negativ beeindruckend, ja, aber das war schon irre. Also man hat ja wirklich dann das Gefühl, dass Schulz sich selber auch für eine gespaltene Persönlichkeit vielleicht halten könnte, weil er wirklich das Gefühl hat, er steht da zwei verschiedenen Menschen gegenüber. Hat er sich da nicht auch selbst so ein bisschen für verrückt gehalten in dem Moment und an sich gezweifelt, dass er diesen ganz offensichtlichen Wahn am Tag zuvor nicht bemerkt hat? Ja, ich glaube, da würde ich ihm jetzt zu nahe treten, wenn ich sagen würde, dass er sich da irgendwie, dass er da an sich selbst gezweifelt hat. Aber ich glaube, es beschäftigt ihn schon bis heute, weil das auch einfach ein Mann ist, der sich generell für die menschliche Psyche interessiert und natürlich auch dafür interessiert, wie Menschen einen manipulieren können, also von Berufs wegen. Und hat da die Ausprägung einer psychischen Erkrankung kennengelernt, die er, glaube ich, davor und danach in dieser Form, in dieser Drastik irgendwie auch nicht mehr gesehen hat. Also ich kann mir schon vorstellen, dass ihn das zum Nachdenken gebracht hat, auf jeden Fall. Aber er ist Profi genug, um das wegzustecken. Also wir haben einen Mann mit zwei Gesichtern, das zweite Gesicht ganz offensichtlich wahnhaft. Lass uns mal auf die Lebensgeschichte dieses Mannes blicken. Was wissen wir über seine Kindheit? Ja, durchaus einiges. Also der wurde im Oktober 1960 geboren in Köln. Er ist mit einer jüngeren Schwester aufgewachsen und hat wohl recht früh die Erfahrung gemacht, dass er bevorzugt wird in der Familie. Vor allem durch seinen Vater. Der Vater hatte Maurer gelernt, war aber eigentlich so ein ganz musischer Mann. Also hat eigentlich gemalt, hat Landschaften und Porträts gemalt. Die Mutter ist eher dafür zuständig, das Geld nach Hause zu bringen. Die hat einen Kiosk geführt da in Köln. Und die ist nicht nur dafür zuständig, das Geld nach Hause zu bringen, sondern auch dafür zuständig, offenbar streng zu sein zu den Kindern und Verbote durchzusetzen, Regeln durchzusetzen. oder, Und der Bussdorf selbst ist in der Schule eigentlich keine Problemgeschichte. Also der ist gut. In der Grundschule schreibt er eins und zwei. Und wie gesagt, 120er IQ zeigt sich damals schon, spielt im Fußballverein. Sonntags geht die Familie in die Messe. Gibt es denn da irgendwelche Wendepunkte in seiner Biografie, die man dann rückblickend ausmachen kann? Ja, ich würde sagen, es gibt einen großen Wendepunkt, ohne jetzt zu sehr psychologisieren zu wollen. Aber sein Vater starb, als er 14 Jahre alt war. Und zwar bei einer Auto-Explosion. Also es ist bis heute nicht klar, ob das jetzt ein Unfall oder Suizid war. Er ist jetzt aber nicht friedlich eingeschlafen. Insofern darf man, glaube ich, davon ausgehen, dass das bei dem Günther, der damals gerade noch 14 Jahre alt war, schon beträchtliche Spuren hinterlassen hat. Und man kann schon sagen, dass danach, Also so hat er das dann zumindest später geschildert, dass die Familie danach zerfiel. Also das Familienleben brach wohl komplett auseinander. Es gab keine gemeinsamen Mahlzeiten mehr. Und Günther Busdorf empfand das so, dass sich die Mutter und die Schwester gegen ihn verbündeten. Ich sagte ja eingangs, dass er recht früh die Erfahrung gemacht hat, bevorzugt zu werden in der Familie. Also solange sein Vater im Leben war, wurde er offenbar eher bevorzugt, dann war sein Vater tot. Was an und für sich natürlich schon schwer zu verdauen ist für einen Jungen in dem Alter. Und er wurde, so hat er es zumindest empfunden, offenbar in diesem Familiengefüge dann auch noch zurückgesetzt, weil er irgendwie seinen Fürsprecher verloren hatte. Also ist, wie gesagt, ohne allzu sehr psychologisieren zu wollen, Und ich glaube, dass da schon eine Kränkung entstand. Und wie reagierte er dann darauf? Wie ging er mit dieser dramatischen Situation dann um? Er hat sich zurückgezogen oder entzogen. Also erstmal würde ich sagen, hat er sich in die Musik zurückgezogen, hat sich vertieft in Werke von Bach, Beethoven, Chopin, gibt dann auch seine erste eigene Klavierstunde mit 16, entfernt sich eigentlich immer weiter von seiner Familie und das setzt sich dann fort in einem tatsächlichen Umzug oder Wegzug. Also im Jahr 77 zieht er dann allein nach West-Berlin. Das hat man damals auch gemacht, um dem Wehrdienst zu entgehen. Aber ich glaube, nach allem, was er dann später zu Protokoll gegeben hat, hatte das schon noch was, damit sich jetzt zu Hause nicht besonders wohl gefühlt hat. Und dort ist er dann bei der Familie seiner damaligen Freundin untergekommen, hat da dann auch die Schule zu Ende gemacht, hat ein Musikstudium angefangen, hat so eine 60 Quadratmeter Kellerwohnung bezogen und wollte Musiklehrer werden. Hat sich so durchgeschlagen als Straßenmusiker, hat Keyboard gespielt auf irgendwelchen Festen am Chamissoplatz in Kreuzberg zum Beispiel. Klingt eigentlich wie gemacht für ihn so ein Musikstudium, aber wie verläuft das dann? Nicht so gut. Also 1982, da ist er 22 Jahre alt, da geht er wohl zum ersten Mal in die Spielbank, da im Europa-Center. Und in der Folge, glaube ich, muss man sagen, hat er eine handfeste Spielsucht entwickelt, hat an manchen Tagen einen Automaten bis zu 400 Mark verspielt und ist in diesen Strudel komplett reingeraten, bricht dann recht bald sein Studium ab, wird zwangsexmatrikuliert und dann kommt zu dem ganzen Elend auch noch eine Drogensucht dazu. Also er flüchtet sich in wirklich exzessiven Drogenkonsum, Speed, Heroin, Kokain, LSD, Das heißt, er ist dann irgendwann Mitte 20 und steht eigentlich mit nichts da, außer mit Suchtproblemen. Mit einer Sucht und einem abgebrochenen Studium. Von einem tragischen Absturz. Wann kippt es dann in den Wahnsinn? Das ist natürlich jetzt nicht ganz genau einzugrenzen, aber es gibt ein Datum, was er später selbst schildert. Und das ist der 6. November 86. Zu dem Zeitpunkt hat er bereits geheiratet und hat den Klavierunterricht bereits eingestellt. wollte komponieren, hat einen Popsong angemeldet bei der GEMA. Das hat nicht geklappt, die Ehe kriselt. Also er ist immer noch am Straucheln durchs Leben, hat kein festes Einkommen. Und jetzt sitzt er am 6. November 86 in seiner Wohnung am Klavier. Es steht fest, dass er und seine Frau sich trennen werden. Und in diesem Moment, an diesem Datum am Klavier, so schildert er es später, fühlt er plötzlich eine Lähmung in Armen und Fingern und spürt eine ganz drängende, akute Todesangst und Atemnot. Und er schildert das in den folgenden Worten. Kurz bevor ich wie von selbst erstickt wäre, rief ich in meiner Note Gott. Ich konnte es gerade noch. Dann musste ich mich hinknien und meine Stirn auf die Erde legen und die beiden Hände seitlich neben dem Kopf. Dann hörte ich eine Stimme. Diese Stimme war voller Liebe und Gnade und diese Stimme fragte mich, willst du mein Diener sein? Dieses Erlebnis änderte mein Leben vollkommen. Ich wusste, dass ich ein solches Geschenk niemals ablehnen darf. Also da gibt er sich in die Hände des Herrn. Genau. Oder der Herr dringt direkt in seinen Kopf ein. Genau, das hatte für ihn, glaube ich, auch so ein, also es war für ihn so real. Dass er überhaupt nicht daran zweifelt, dass wirklich Gott zu ihm gesprochen hat. Gleichzeitig nimmt er weiterhin Amphetamine, manchmal schläft er fünf Nächte nicht, liest dann irgendwie die Bibel, verkauft dann alle seine Instrumente, vielleicht für Drogen, nur das Klavier behält er. Also man sieht schon, es hört nicht wirklich auf mit dem Strudel. Er heiratet aber dann ja nochmal. Wir wissen ja eben, dass er verheiratet ist, schon zwei Kinder hat, glaube ich, hattest du vorhin gesagt. Das dritte ist unterwegs. Wie zeigt sich da sein Geisteszustand in diesem Familienleben? Ja, er heiratet im Frühjahr 89 ein zweites Mal. Und irgendwie scheint er das hinzukriegen, das, was später auch der Schulz an ihm bemerkt, Diese zwei Gesichter, die scheint er auch in seinem Privatleben irgendwie aufrechterhalten zu können, beziehungsweise scheint er in der Lage zu sein, das eine Gesicht komplett zu verbergen oder nahezu komplett zu verbergen und nur das, aufgeräumte, kontrollierte, empathische Gesicht zu zeigen. Und deswegen funktioniert das auch erstmal, leidlich zumindest, mit dieser Ehe. Also das größere Problem in der Ehe ist, glaube ich, sein Drogenkonsum und weniger seine Wahnvorstellung, weil er die wohl irgendwie einigermaßen verbergen kann. Die Drogen anscheinend nur so halbgut. Aber sein Sohn wird geboren im Sommer 89, später kommt dann das zweite Kind. Ja, aber parallel geht es halt echt bergab mit ihm, muss man sagen. Also er fängt an, so Wunder zu sehen im Alltag. Also er betet ganz heftig, dann geht ein Ventilator aus. Das wird gedeutet als irgendein göttliches Zeichen. Denn Computerprobleme sind keine Computerprobleme mehr, sondern Manifestationen von irgendwas Überirdischem. Einmal fährt er im Taxi nach Köln, das habe ich gefunden in den Akten, man weiß nicht so ganz warum, in Magdeburg hört er auf, nach Köln zu fahren, bricht diese Fahrt ab, kniet sich auf die Straße und schreit Vater, Vater. Also es ist wirklich komplett merkwürdiges Verhalten, was er zeigt. Und das zeigt sich dann auch so langsam in der Familie. Also er hält seinem kleinen Sohn wiederholt so ein brennendes Feuerzeug vor das Gesicht und er will damit ihm wohl irgendwelche Dämonen austreiben. Also das war seine Vorstellung. Das elektrische Licht, das kommt vom Teufel und das Feuer, das kommt von Gott und man muss die Dämonen mit dem Feuer austreiben. Ja, es gipfelt am Ende daran, dass er seine hochschwangere Frau nochmal täglich angreift. Auch aus dem Wahn heraus. Ja, das ist nicht so ganz klar, aber er wird danach auf jeden Fall zwangseingewiesen. Wie verläuft dann diese erste Behandlung seiner Krankheit? Nicht erfolgreich. Also erstmal zeigt sich da erneut sein Wahn. Also er identifiziert sich den Ärzten gegenüber als Löwe von Judah. Das sei gleichbedeutend mit Christus. Er hört da Dämonenstimmen. Auch da wieder blickt er in Kerzenflammen, weil das elektrische Licht ja vom Teufel sei. Er hält das Trinkwasser für vergiftet. Er erwartet die Apokalypse. Später in der Vernehmung mit Schulz bezeichnet er den behandelnden Arzt als, Zitat, absolutes Oberschwein. Und das möge die Protokollantin bitte auch in Großbuchstaben festhalten. Also er scheint diese Behandlung überhaupt nicht annehmen zu können, diese psychiatrische Behandlung. Und er bricht sie dann tatsächlich auch irgendwann ab. Sucht sich dann allerdings einen Psychiater auf eigene Faust draußen und der diagnostiziert eine paranoid-halluzinatorische Schizophrenie. Aber auch diese Behandlung bricht er nach vier Sitzungen ab. Und kehrt dann wieder zurück zu seiner Familie und lernt dann jetzt irgendwann Stefanie kennen. Wie entwickelt sich das? Genau, also die Jahre, bis Herr Stefanie kennenlernt, die gleichen eigentlich. Einer Irrfahrt von Weltanschauung zu Weltanschauung. Also Ende 1991 konvertiert er zum Islam. Ein Jahr später will er in die USA auswandern, zu den Hopi-Indigenen. Das scheitert dann am Geld. Er wendet sich den Anhängern von irgendeinem schwedischen Theosophen zu, dann vertieft er sich in die Schriften eines österreichischen Mystikers, landet dann wieder bei einer Freikirche, bei der er früher schon mal war und so... Trudelt er irgendwie durchs Leben und auf seinen Abgrund zu. Und gleichzeitig wirkt er dann doch ja eben stabil genug. Dann lernt er Stefanie kennen und die hat ja auch, wurde ja jetzt auch aus den Aussagen der Freundin nicht deutlich, dass sie jetzt wahrgenommen hätte, dass dieser Mann wirklich ja ernsthaft psychiatrisch erkrankt ist. Nee, genau, das ist wirklich irre, muss man sagen. Also im März 91 war ja auch sein zweiter Sohn geboren worden. Das heißt, er hat zwei kleine Kinder zu Hause. Ich glaube, die haben schon Eheprobleme, er und seine Frau. Es läuft jetzt nicht alles super, aber sie hat nicht den Eindruck, einen wahnsinnigen Mann zu Hause zu haben. Sie hat, glaube ich, vieles an ihm auszusetzen, aber... Auch sein durchaus dann doch hier und da merkwürdiges Verhalten, das führt sie nicht zurück auf seine Erkrankung, sondern auf zu viel Stress oder auf Druck, den er irgendwie verspürt. Und sie, ich meine, sie hat ihn mal zwangseinweisen lassen, also sie müsste eigentlich ja wissen, dass da irgendwas lauert, so, aber er scheint da irgendwie das so hinzubekommen, das so zu unterdrücken, das so abzuspalten, dass Menschen um ihn herum das wirklich nicht merken. Und auch Stephanie Südo scheint es nicht zu merken, weil sie ja sich tatsächlich, also sie lässt sich ein auf diese Affäre mit ihm, diese Affäre entsteht irgendwie. Sie beendet sie dann am Ende. Aber sie beendet sie nicht, weil sie das Gefühl hat, er ist wahnsinnig, sondern sie beendet sie, weil seine Frau zum dritten Mal schwanger ist. Und wie erklärt er jetzt nun, dass es eben zum Mord an Stefanie kam? Also der Tatabend ist ja der Dienstag, der 25. Januar 94 und Bustorf schildert Schulz, dass er dann eben an diesem Abend mit dem Taxi zu Stefanie Südo gefahren sei nach Wilmersdorf. Dort Dort, sie haben ihn eingelassen, dort haben sie sich dann ins Wohnzimmer gesetzt, wir erinnern uns, weiße Couch, Klavier, sie saß auf dem Klavierstuhl, er auf der weißen Couch, so hat er es geschildert. Und er sagte Schulz, dass sie dann eben 45 Minuten lang erklärt habe, weshalb sie diese Beziehung beendet habe und bei ihm kam wohl vor allem an, dass sie gesagt habe, sie sei zu schwach zum Kämpfen und das bedeutet alles zu viel Stress für sie. Er schildert Schulz auch, dass er während dieser 45-minütigen Erklärung von Stefanie ununterbrochen stumm gebetet habe. Er hat es wohl so wahrgenommen in seinem Wahn, zumindest hat er das dann eben, so dargestellt, dass aus Stefanie der Satan selbst spreche. Also das hat er so gesagt, der Satan selbst. Und dass sie nichts als Lügen äußerte. Und das ist praktisch ein weiterer wahnhafter Gedankenschritt, dass diese Lügen seiner Familie die Lebenskraft rauben und seinen Sohn krank machen. Dazu muss man wissen, dass sein Sohn am Morgen dieses Tages einen Pseudokropp-Anfall hatte, also einen ganz schweren Hustenanfall. Seine Frau blieb da wohl relativ cool, aber er hat komplett aufgeregt reagiert, hat irgendwie den Notruf gerufen und er hatte wohl wirklich irgendwie Angst um seinen Sohn. Und das hat sich dann alles in seinem Kopf offenbar irgendwie verlischt. Das hing alles zusammen mit Gott und dem Teufel und Stephanies Lügen oder Stephanies Trennung und die Krankheit des Sohnes. Genau, alles hing mit allem zusammen. Und er hat alles in dieses Wahngebäude irgendwie so eingebaut, dass es Sinn macht und dass es dieses Wahngebäude stützt. Alles wurde einsortiert, für alles gab es eine Erklärung, alles hat Sinn ergeben auf einmal. Und am Ende dieser wahnhaften Gedankenkette glaubte er dann wohl nach eigener Aussage, dass er jetzt handeln müsse. Und für ihn bedeutete Handeln Stefanie Umbring. Er hat das dann Schulz gegenüber so dargestellt, dass sein eigentliches Motiv eben war, die Seele der, Zitat, kleinen Stefanie vor dem Teufel zu retten und seine Familie vor dem Tod zu bewahren. Ja, wir haben es vorher schon gesagt, dass es natürlich total schwierig ist, dass das den Fall natürlich auch so außergewöhnlich macht und interessant macht, aber dass es auch natürlich wahnsinnig schwierig ist, da so, die Logik hinter diesem Denken zu erkennen oder vielleicht auch, ob es sinnvoll ist, sie zu suchen. Aber tatsächlich ist eben dann, dass sein Ergebnis all dieser Zusammenhänge ist, er muss sie töten. Wie macht er das denn? Er wirkt sie? Genau, er wirkt sie. Also eigentlich, sie waren schon aufgestanden, standen in der Diele. Und er bewegte dann nach eigener Aussage seine Hand in Richtung ihres Halses. Er nennt das eine Zärtlichkeitsvortäuschung in der Vernehmung, was irgendwie auch schon ein abgründiges Wort ist. Und sie habe überhaupt nichts geahnt. So, dann hat er sie gepackt, hat sie gewürgt. Er sagt, er habe sie 15 Minuten lang gewürgt. Im Gebet, sagte er. Im Gebet. Jetzt gab es ja dieses Alibi durch die Klavierschülerin. Wie kam es dazu, dass sie ihm dieses Alibi gegeben hat? Also eigentlich auf erstaunlich simple Art und Weise. Nach der Tat fährt er nach Hause, duscht, verbrennt seine Kleidung da im hauseigenen Kachelofen, hilft seiner Frau noch ein bisschen im Haushalt und geht dann gegen 21 Uhr, so hat er das zumindest geschildert und so hat sie das dann auch bestätigt, zu dieser Schülerin, Clara Westfalen. Also diese Zeit, diese Stunde um 18.45 Uhr, die hatten sie tatsächlich, die war vereinbart, die hat er ausfallen lassen. Ja, dann ist er da hingegangen und hat sie einfach um dieses Alibi gebeten. Vermutlich, ich weiß nicht, ob er ihr gesagt hat, ich habe hier gerade jemanden umgebracht, das glaube ich nicht, aber er wird wahrscheinlich gesagt haben, falls die Polizei fragt und so weiter und so fort. Ja und sie hat sich darauf eingelassen, sie sagte später einfach aus einem falsch verstandenem Verantwortungsgefühl für seine Familie. Also keine Ahnung, welches Szenario er da aufgemacht hat. Wenn ich weg bin, dann ich habe zwei kleine Kinder zu Hause und meine Frau ist dann allein mit denen und ich weiß nicht was. Also er kann eine Frau auf diese bestialische Art und Weise umbringen, kann ja den Kopf abschneiden, kann den Kopf irgendwo hinlegen, also komplett wahnsinnig unterwegs sein und dann nach Hause fahren. In direkter zeitlicher Abfolge. Ohne Pause nach Hause fahren, seiner Frau im Haushalt helfen, kurz Zeit mit den Kindern verbringen und dann, die Manipulationsfähigkeit an den Tag legen, sich ein falsches Alibi zu erschleichen. Also das ist schon ziemlich abgründig und verrückt. Unglaublich. Wie verbringt er dann die nächsten Tage? Also er verbringt die nächsten Tage erstmal, finde ich, erstaunlich kaltblütig. Also in seiner Vernehmung sagte er wörtlich, der Mittwoch war ja nun ein völlig normaler Tag. Also der Tag, nachdem er einer Frau das Leben genommen hat. Er gibt einer Neunjährigen eine Klavierstunde, findet er alles wunderschön und später am Nachmittag raucht er dann eine Zigarette am Fenster. So schildert er das alles. Blickt in den Himmel und als er da so in den Himmel blickt, sieht er zwei Wolken. Und ich zitiere ihn noch einmal, wie er das schildert. Die beiden großen Wolken sahen aus wie zwei Tiere. Das obere Tier sah aus wie ein Schwein. Das untere Tier sah aus wie ein Dackel, also ein Hund. Auf den Menschen übertragen bedeutet dies, ein Schwein ist, der mit Gefühlen spielt. Ein Hund ist, was ich aber erst jetzt weiß, wer sich nach einer Zigarette beugt, wie ein Hund nach seinem Fressen, und der dann anfängt zu beißen, wenn er an sein Futter will. Stefanie, das weiß ich erst jetzt, war in ihrem seelischen Zustand leider ein Schwein. Stefan Aufenbauer war in seinem seelischen Zustand leider ein Hund. Es fehlte also noch der Hund, was ich aber auch erst jetzt weiß. In einem Buch zu finden in der Staatsbibliothek gegenüber der Nationalgalerie steht geschrieben, er wird den Hund und das Schwein töten. Es ist dies eine Prophezeiung aus dem sogenannten Islam. Das Schwein war schon tot. Der Hund war für ihn Stefan Aufenbauer. Der war noch nicht tot. Er war natürlich kein praktizierender Muslim, sondern hat sich halt einfach, irgendwas zusammengekramt, aus irgendwelchen weltanschaulichen Versatzstücken. Deswegen hat er das alles eingebaut in sein wahren Gebäude. Und das illustriert in all seinem Wahnsinn, glaube ich, ziemlich gut. In welchen Abgrund er da reingerutscht ist. Und so kam es dann zur zweiten Leiche, zum zweiten Mordfall, mit dem Schulz sich jetzt befassen musste. Und jetzt hat er also das bekommen, was man ein vollumfassendes Geständnis nennt, allerdings eben in einer wilden Mischung aus Detailtreue und Wahn. Schulz hat ja auch selbst noch von einem Moment aus der Vernehmung erzählt, den wir hier mal einspielen. Als wir dann so im Gespräch vertiefst waren, man baut ja auch so eine Beziehung zueinander auf. Also ich merkte, er hatte offensichtlich Vertrauen zu mir und er bat mich dann mal so ganz, ganz dicht zu ihm heranzukommen, weil er mir was ins Ohr flüstern wollte. Wo man natürlich dann auch überlegt, beißt er dir jetzt ins Ohr oder macht er sonst was? Aber ich hatte da ein ganz gutes Gefühl und da sagte er, bring sie um, bring sie um. Und ich dachte, wen meint ihr? Und er hat da so gedeutet auf unsere Schreibdame. Also bei jeder Vernehmung ist ja eine Angestellte bei uns, die eben alles, was gesagt wird, tippt. Ich bin da gar nicht mehr drauf eingegangen, fast natürlich auch sehr gruselig, wie er plötzlich darauf kommt, mir zu befehlen, dass ich die umbringen soll. Also das war auch völlig irrational, völlig aus dem Zusammenhang gerissen, nicht nachvollziehbar, aber natürlich in Erinnerung haften geblieben. Wie ging es dann vor Gericht weiter? Er wurde natürlich erstmal psychiatrisch exploriert und begutachtet, hat sich auch explorieren lassen von dem Sachverständigen Dr. Werner Platz. Und der hat dann eine paranoide Schizophrenie diagnostiziert, die durch diesen jahrelangen Drogenkonsum vor allem massiv verstärkt wurde. Und es zu dem Schluss gelangt, dass die, das sind aber die beiden Schlüsselbegriffe, die Steuerungs- und die Hemmungsfähigkeit bei beiden Taten komplett aufgehoben war. Was ihn am Ende in den Augen des Gerichtes schuldunfähig machte, aber natürlich nicht ungefährlich, weshalb er dauerhaft in einem psychiatrischen Krankenhaus untergebracht wurde. War es ja bei aller Tragik, also man muss ja auch aufpassen, weil, das Irre dieses Falles natürlich einen auch so auf den Täter fokussiert, aber bei aller Tragik für die Opfer, auch für, Aufendorfer, der jetzt vielleicht nicht das schönste Leben hatte und nicht der sympathischste Mann war und auch für Stefanie Südo, die ja wie aus dem Nichts aus dem Leben gerissen wurde von einem Mann, mit dem sie nur eine Affäre hatte und. Mit so einem Irrsinn offensichtlich gar nicht rechnete, also bei aller Empathie dafür, muss man auch sagen, dass es ja eigentlich eine Chance für ihn sein könnte, jetzt wirklich in der Psychiatrie zu sein und nicht mehr raus zu können und wirklich behandelt zu werden, auch medikamentös behandelt zu werden. Wie ging das dann mit ihm weiter? Er hat da vier Jahre verbracht in dieser geschlossenen Anstalt. Also ich weiß nicht, ich kann über die letzten vier Jahre seines Lebens nicht viel sagen. Es waren aber die letzten vier Jahre seines Lebens, weil er sich nämlich dann am 26. Dezember 1998 erhängt. Ich kam mir jetzt selber auch schon immer wieder mal unter bei psychotischen Straftätern, dass es da zum Suizid kommt. Ich hatte mir mal erklären lassen, auch von einer Psychiaterin, dass eben ja die Herausforderung ist, dass dann, wenn die Medikamente greifen und du auf einmal klar bei Verstand bist, dass dann natürlich die große Herausforderung ist, dich mit den Taten dann auseinanderzusetzen. Und dieses Schuldgefühl natürlich nicht existent ist, wenn du im Wahn diese Tat begehst und dich ja als Diener Gottes fühlst, aber es dann eben auftaucht, wenn du sozusagen gesundet bist. Das stelle ich mir auch bei allem Mitgefühl für die Opfer, auch für diese kranken Täter, als einen sehr, sehr bitteren Moment vor, wenn die Heilung dann gleichzeitig mit so einer Schuld belastet ist. Natürlich, also ich glaube, wenn man sich jetzt, man sieht ja, wie man selbst auf solche Taten reagiert, auf die Schilderung solcher Taten reagiert und wenn man sich dann vorstellt, dass jemand das irgendwie erst langsam, die ganze Tragweite von so einer Tat erst langsam versteht, die aber selbst begangen hat und das im Nachhinein. Zu verstehen und zu erspüren, welche Schuld man da auf sich geladen hat, das ist bestimmt ziemlich hart. Das ist jetzt Spekulation. Ich weiß nicht, weshalb er sich am Ende das Leben genommen hat, aber ich fände es jetzt nicht unplausibel davon auszugehen, dass das irgendwie was damit zu tun hat. Und nichtsdestotrotz hast du vollkommen recht, dass man glaube ich beim Nachdenken darüber nie vergessen darf, dass da einfach zwei Menschen ihr Leben verloren haben. Und ja, das ist schon wirklich empörend und tragisch. Hätte jemand diesen Mord verhindern können, indem er ihn... Zwangseingewiesen hätte? Das ist natürlich immer die große Frage und im Rückblick ist die immer viel leichter zu beantworten, als aus der gegenwärtigen Perspektive. Also ich weiß jetzt nicht, wem ich da jetzt ernsthaft die Verantwortung für geben wollen würde. Bei einer Sache hatten wir noch nicht gesprochen, er hatte kurz vor der Tat, hat er eine Krisenberatung in Anspruch genommen in Schöneberg und hat da auch mit einer Psychologin gesprochen. Also ihm war klar, dass er irgendwie auf dem Weg nach unten ist. Und die hat schon erkannt, dass der in einer ganz akuten Krise ist, in einer akuten Ehekrise auch, hat aber dieses wahnhafte Denken nicht erkannt. Hat aber bei ihr so als geschulter Fachkraft schon auch ein gewisses Misstrauen erweckt. Also sie hat dann später festgehalten, dass sie vermutete, dass er eine aggressive Seite habe, die er vollkommen abgespalten habe. Die er so komplett weggepackt hat. Genau. Aber den Wahn, also wirklich die... Hat sie nicht erkannt. So, ähm... Will man das jetzt dieser Frau zum Vorwurf machen? Ich glaube nicht. Die sitzt da in der Beratungsstelle, da kommt einer an und sagt. Ich kann es mir nicht vorstellen. Aus gutem Grund packt man auch nicht jeden gleich weg. Das wollte ich gerade sagen. Selbst wenn sie da jetzt irgendwie gesagt hätte, okay, ich will versuchen, den Zwangseinweisen zu lassen, weil ich glaube, der führt irgendwas Böses im Schilde. Da muss man ja immer die Eigen- oder die Fremdgefährdung irgendwie nachweisen. Es gibt natürlich auch einen richterlichen Vorbehalt. Das kann nicht einfach irgendjemand machen. Das muss von einem Richter dann auch zumindest bei einer längerfristigen Unterbringung irgendwie bestätigt werden. Und das ist ja auch aus guten Gründen so. Also sonst kann man ja jeden Menschen irgendwie mal eben schnell wegsperren, weil man denkt, ich habe kein gutes Gefühl bei dem. Ich glaube, der ist nicht ganz sauber. Den müssen wir mal lieber wegsperren. Das kann ja auch nicht die Lösung sein. In der Realität ist es so, dass der weit, weit, weit, weit, weit überwiegende Anteil aller Schizophrenen niemals gewalttätig wird. Die, die gewalttätig werden, also das ist jetzt ein eigenes Thema, aber da spielen dann auch noch andere Faktoren eine Rolle. Sucht, Drogen, solche Dinge. Also das will ich hier auch nochmal unterstreichen, weil da glaube ich, ich glaube viele Leute leiden darunter. Die sind schon geschlagen mit dieser Krankheit. Und mit diesen Stereotypen dann nochmal doppelt so. Eine Frage, die mich natürlich irgendwie nicht loslässt, ist das, was du jetzt auf mehreren Ebenen geschildert hast. Also selbst der Kommissar und selbst eine psychologische Fachkraft, der gegenüber, konnte er sich so präsentieren, dass man diesen Wahn nicht bemerkte. Wie erklärt sich das psychiatrisch? Tja, das ist die Frage, die man sich stellt. Ich habe die Frage auch dem Dr. Werner Platz gestellt, der den begutachtet hat, der psychiatrische Sachverständige. Und der hatte so mehrere Erklärungen dafür. Also bei der Frau, das ist so ein bisschen so dieses, das ist wie wenn man, keine Ahnung, man sieht ein Kind aufwachsen und merkt gar nicht, wie es wächst. Also du lebst mit, also so hat er es nicht gesagt, das sind jetzt meine Worte. Aber wenn man ganz nah dran ist, wenn man jemanden jeden Tag sieht, dann, merkt man einfach vielleicht manche Merkwürdigkeiten, dann merkt man sie nicht mehr so deutlich und so schnell, wie man das vielleicht täte, wenn man jemanden nur alle acht Wochen mal sieht. So, das ist das eine. Was ich interessant finde, ist, dass er sagte. Dass es wohl Schizophrenien gibt, wo die Symptomatik abnimmt, je höher die Belastung für den Menschen ist. Aha. Also, das würde erklären, weshalb er praktisch in dieser ersten Vernehmung, wo die Belastung, der Druck von außen natürlich immens war, dass da praktisch die Symptomatik irgendwie komplett in den Hintergrund getreten ist. Die Stresssituation macht ihn klar. Genau. Also der Werner Platz hat mir damals erklärt, dass es Fälle gab, wo Schizophrenen sich das Bein gebrochen haben und dann waren die Symptome erstmal weg. Und wenn man sich sein Leben vergegenwärtigt, das war ja schon durchsetzt von vielen Belastungen. Also seine unglückliche Ehe, zwei kleine Kinder, finanzielle Situation schwierig und so. Man wird natürlich erstmal denken, das sind alles Dinge, die... Die eine Symptomatik eher verstärken. Also Sucht gehört auch dazu, Drogen gehören dazu, das verstärkt das auf jeden Fall. Aber es kann wohl schon so sein, dass ein höheres Level an Belastung praktisch das Aufblühen dieser Symptomatik zumindest temporär verhindert und irgendwie sie zurückdringt, und sie dann eher in der Entspannung sich ausbreitet. Ja, interessant. Und ich will natürlich beileibe jetzt nicht dem Psychiater widersprechen oder ihn in Frage stellen, aber ich stelle mir selber da die Frage, wenn das abflaut, wenn die Symptomatik abflaut, dann müsste er ja dann doch auch da den Irrsinn seiner Tat erkennen. Und er hat ja darüber hinweg getäuscht. Er hat ja wirklich den Kommissar getäuscht, wie es womöglich wenige der Mörder, den Schulz gegenüber gesessen ist, tun konnten. Ja, ich glaube, also erstmal noch ein Gedanke zu dem ersten Punkt, den du sagtest, das Abflauen der Symptomatik, ich habe den Platz nicht so verstanden, er ist leider inzwischen verstorben, deswegen können wir ihn nicht mehr fragen, aber ich habe den Platz nicht so verstanden, dass man sich ein Bein bricht und dann ist man psychisch wieder gesund. Das ist nicht gemeint mit dem Abflauen der Symptomatik, sondern dass praktisch der Grad, zu dem die Symptomatik, die Kontrolle über einen Menschen ist. Der Kontrollverlust nimmt ab sozusagen, wenn die Belastung, oder kann abnehmen, wenn die Belastung höher ist. So, ja und natürlich konnte er täuschen. Er hatte ja auch noch ganz viele gesunde Anteile. Er konnte sich um seine Kinder einigermaßen kümmern, er konnte einigermaßen Geld verdienen, er hat eine Ehe geführt. Und ich glaube schon, dass ihm durchaus klar war, dass er, also das glaube ich nicht, sondern das ist ja vollkommen evident, der ist nach Hause gegangen, hat seine Sachen verbrannt. Er hat Spuren vernichtet. Genau, er dachte, dass er das Richtige getan hat und wusste, dass alle anderen es für das Falsche halten, und wusste schon, dass er Dinge verbergen muss, um da irgendwie mit davon zu kommen, was ihm Gott sei Dank nicht gelungen ist. Und er war nach wie vor ein sehr intelligenter Mensch. Also der 120er IQ, der war jetzt nicht auf einmal aus der Welt und der hatte halt gesunde Anteile. Und ja, das ist, glaube ich, im Rückblick, muss man sagen, eine ganz schön verheerende Mischung gewesen. Vielen Dank, dass du uns das hier erzählt hast. Wir müssen immer höllisch aufpassen. Wir wollen ja auch immer und ich glaube, die Zuhörerinnen und Zuhörer finden das auch immer interessant, das Seelenleben auch von Tätern zu ergründen. Aber hier stoßt man ja vielleicht auch an seine Grenzen. Aber vielen Dank, dass du dich mit mir hier so weit gewagt hast und uns diese Geschichte erzählt hast. Ich habe zu danken, Bernd. Danke für die Einladung. Und liebe Zuhörerinnen und Zuhörer, wie immer einen Link zu Feliz Geschichte, im Crime-Bereich bei Stern.de findet ihr unten in den Shownotes und dort findet ihr auch viele andere ganz starke Geschichten und ich hoffe, ihr seid beim nächsten Mal wieder dabei. Tschüss.