Es war die überfällige Reaktion. Gold und Silber sind massiv abgerauscht und viele sagen, ey, das war doch klar, das liegt an der Nominierung von Kevin Walsh als neuen Chef der US-Notenbank. Andere sagen wiederum, das ist nur ein Grund, um diese ganze Korrektur zu erklären. Raimund, wir haben in der letzten Folge schon drüber gesprochen und du hattest da auch zu Recht angemerkt, der Abverkauf bei Gold, der ist ja schon vor der Ankündigung von Trump gestartet, Kevin Walsh zu nominieren, nämlich am Donnerstag. Lag es also alles gar nicht an Kevin Walsh? Gute Frage, aber ich möchte gerne doch noch was ergänzen. Also zunächst mal, aktuell gibt es natürlich wieder einen Rebound, Tennisball-Effekt nennen wir das. Also die Kurse von Gold und Silber steigen schon wieder. Aber was ist da passiert? Tatsächlich, am Donnerstag war es ja schon, dass die ersten Abverkäufe bei Gold zu beobachten waren. Und das war dann vor der Nominierung von Kevin Walsh. Und klar war, darüber haben wir auch berichtet und das wird Herr Vieth hier, unser heutiger Gast, auch gleich noch bestätigen, dass einfach die Märkte sowas von überhitzt waren, dass eine Korrektur fällig war. Also das war der zweite Grund, warum es korrigiert ist. Und der dritte, warum nicht Herr Worsch schuld sein kann, war eigentlich, sorry, das war keine Überraschung. Herr Worsch war seit Monaten einer der heiß gehandelten Kandidaten von Donald Trump. Und warum sollte jetzt seine Nominierung, Ernennung ist es ja noch gar nicht, warum sollte die jetzt für den Abverkauf gesorgt haben?

Ist zumindest fragwürdig. Aber, und jetzt kommt es zu, sowas waren wir ja auch schon bei der letzten Folge. Aber, jetzt kommt noch eine kleine Ergänzung. Inhaltlich haben natürlich diejenigen, die das Narrativ verbreitet haben, Walsh sei schuld an dem Einbruch, einen wichtigen Punkt. Sie sagen nämlich, okay, wie Donald Trump wird auch Kevin Walsh für sinkende Zinsen plädieren. Punkt. Okay, das wäre kein Grund gewesen. Aber trotz auf der einen Seite seines Einverständnisses für sinkende Zinsen hat er auf der anderen Seite in seinen bisherigen Veröffentlichungen immer sehr stark kritisiert, wie viel Geld die amerikanische Notenbank, die Geldmenge, diese Geldmenge hat ausgeweitet und nach oben gepunkt. Vor allen Dingen auch in den vergangenen Krisen, also das war die Finanzkrise 2008, 2009 und dann noch einmal kräftig nach der Corona-Krise. Das hat er kritisiert und deswegen wird gesagt, naja, bisher war ja eines der Narrative an den Märkten, naja, Gold und Silber steigen deshalb, weil die Geldmengen so stark zulegen. Und das könnte jetzt vielleicht unter Worsch anders werden.

Gut, da muss man aber erstmal abwarten, was Worsch dann tatsächlich macht, wenn er im Amt ist, ob er dann tatsächlich das auch so durchsetzt, dass er das Gelddrucken auf diese Art und Weise beendet, was ich nicht glaube. Zumal, und das ist ganz wichtig, wenn er das wirklich täte, hätten wir noch ganz andere Probleme. Denn alle Finanzmärkte, nicht nur der Gold- und Silbermarkt, alle Finanzmärkte, auch die Wall Street, ist ja sowas von abhängig von diesem Geldmachen der Notenbanken und insgesamt davon, dass die Geldmenge so stark steigen. Dann hätten wir echt ein Riesenproblem.

Und dann, wissen wir auch, dann würden die Börsen crashen. Und dann käme er wieder in Konflikt mit Herrn Trump. Und da schließt sich der Kreis, das würde Trump nicht zulassen. Wie auch immer. Also es bleibt spannend. Das ist nochmal die Ergänzung zu dem, was wir in der letzten Folge besprochen hatten. Denn da hatten wir auf diesen feinen inhaltlichen Unterschied noch nicht eingegangen. Wobei, jetzt habe ich auch mal eine Nachfrage, die sich mir jetzt hier anschließt an das, was du sagst. Wir hatten ja auch noch den Namen Rick Reader, der ja auch bei den Buchmachern eigentlich relativ lange weit vorne war. Jetzt sagst du Kevin Walsh, war doch klar, dass der kommt, aber wir haben ja auch darüber geredet, eigentlich war das so ein Hin und Her. Wäre denn, wenn es Rick Reader geworden wäre, aus deiner Sicht auch ein ähnlicher Abverkauf dann die Folge gewesen? Man hätte das wieder als Grund genommen, um zu verkaufen? Das kann ich jetzt nicht behaupten.

In den Veröffentlichungen von Rick Reader ist mir zumindest nichts bekannt, dass er auch solche Veröffentlichungen gemacht hätte, in der er diesen feinen Unterschied so klar macht zwischen sinkenden Zinsen auf der einen und der steigenden Geldmenge auf der anderen Seite. Jetzt würden viele ja sagen, wenn die Zinsen sinken, kann man auch nicht die Geldmenge gleichzeitig schrumpfen lassen. Das geht tatsächlich technisch. Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun. Man kann die Zinsen senken und trotzdem beim Gelddrucken auf die Bremse drücken. Und das ist es, was halt hier Herrn Worsch jetzt, ich sage mal in Anführungsstriche, angedichtet wird, in Abführungsstriche. Und das muss man eben sehen. Das ist ein Narrativ, ganz klar.

Genauso wie das andere, dass Gold und Silber steigt wegen der steigenden Geldmengen, auch ein Narrativ ist.

Das muss man schon mal sagen und das ist halt ein Narrativ, was wir hier mitverbreiten oder was ich mitverbreite, ganz einfach deshalb, nicht weil ich es nur so einfach verbreite, weil ich es teilweise sogar mit selbst in die Welt gesetzt habe. Also ich habe mich eben damit beschäftigt, wie die Geldmengen sich in den letzten Jahren und Jahrzehnten verhalten haben und warum sie sich so verhalten. Also ich kenne die Hintergründe. Und genau deswegen glaube ich, selbst wenn Herr Walsch es probieren würde, das Geldmengenwachstum einzudämmen, es würde ihm nicht gelingen, weil es dann zu ganz anderen Problemen führen würde. Und er müsste eine Kehrtwende einlegen. Aber das ist wieder ein Thema für eine weitere Folge, denke ich. Sehr gut. Futter haben wir immer genug. Und jetzt ist natürlich die Frage, wohin steuern wir denn? Am Dienstag, wir haben es gesagt, da ging es auf einmal wieder nach oben. Gold und Silber plötzlich wieder im Plus. und alle haben sich gedacht, was ist denn mit der Korrektur? So, wir haben uns heute einen Gast eingeladen, du hast es schon gesagt, einen Edelmetall-Experten, der die Kurse auch schon über ganz lange Zeit verfolgt und beobachtet und das natürlich alles sehr gut einschätzen kann, den Edelmetall-Experten Robert Fietje. Herr Fietje, Sie sind ja kein Neuer bei uns, Sie waren schon mal dabei und wir haben mit Ihnen schon mal über die Silberblase in den 80ern gesprochen. Das ist natürlich super, damals ging es ja um den Höchstkurs, 40 Dollar, der wurde jetzt Ende letzten Jahres einfach mal locker genommen, die Hürde, und dann ging es ja noch weiter nach oben, jetzt der Einbruch und jetzt schon wieder die Gegenbewegung. Erstmal schönen guten Tag an Sie und die Frage, hat Sie das alles überrascht, was da jetzt passiert?

Ja, erstmal schönen guten Tag auch von meiner Seite. Ich freue mich sehr, wieder dabei zu sein. Wir scheinen mit unseren Podcasts in der Tat ein spannendes Timing zu haben, denn unser letztes Gespräch datierte just einen Tag, bevor es dann zum historischen Silberpreis-Ausbruch kam, über die 50-Dollar-Marke seinerzeit. Jetzt sprechen wir über einen Kurs-Einbruch und möglicherweise werden wir in einigen Monaten zurückblicken und einen zyklischen Tiefstkurs konstatieren in unserer Analyse.

Kurze Antwort auf Ihre Frage, nein. Es hat mich nicht überrascht, dass es zu einer Kurskorrektur gekommen ist. Im Gegenteil, ich erachte diese auch als gesund und überfällig, denn wir haben vorher eine ganz klassische exponentielle Kursentwicklung gesehen. Wir haben letztes Jahr im Silber 170 Prozent zugelegt in US-Dollar. Wir haben im Januar bis zu dem 29., also bis kurz vor Ultimo, weitere 65 bis 70 Prozent vorne gelegen. Der Markt war einfach überhitzt und reif für eine Korrektur. Gleichwohl schließe ich mich auch dem Gesagten an, dass es sich hier keineswegs sozusagen um eine modokausale Erklärungs- oder Argumentationskette handelt, dass jetzt die Ernennung von Kevin Walsh da die Ursache gewesen ist. Häufig sucht man ja nach solchen modokausalen Mustern. Ich beobachte eigentlich eher dieses klassische Price Action Makes Market Commentary, dass man also nach der Preisentwicklung nachträglich eine Erklärung versucht anzufügen. Und wie immer an Märkten sind diese Erklärungsmodelle doch deutlich komplexer.

Und lassen sich nicht mit einer einzigen Ursache entsprechend abhandeln. Ja, dann ist natürlich die Frage und da muss ich an der Stelle natürlich nochmal korrigieren. Ich sprach von 40 Dollar und es waren natürlich die 50 Dollar damals und dann auch entsprechend das neue Hoch. Aber wie lassen Sie sich denn erklären, wenn Sie sagen, das ist alles viel komplexer? Was ist aus Ihrer Sicht denn der wichtigste Punkt bei der ganzen Geschichte? Also der wichtigste Punkt ist sicherlich die extreme Überkauftheit, die hohe Risikonahme und damit auch die Anfälligkeit der Marktteilnehmer aufgrund ihrer hohen Exponierungen. Es ist ja so, dass die Edelmetallmärkte über gehebelte Positionen im Preis bestimmt werden. Das heißt, der dominante Handel findet an den Future-Märkten in den USA im Wesentlichen, an der COMEX statt.

Dort hatten wir es an dem Tag damit zu tun, dass gleichzeitig es sich um den sogenannten First Notice Day gehandelt hat. Das ist also der Tag, an dem der Lieferpreis festgelegt wird, der einmal monatlich sozusagen determiniert wird. Es ist nicht ganz unüblich, dass an einem solchen Tag eine höhere Marktvolatilität zu verzeichnen ist, wenn insbesondere voran solche explodierende Kursbewegungen stattgefunden haben. Und dann kam auch natürlich noch hinzu, dass neben dem Momentum, das nachgelassen hat auf der Käuferseite kurzfristig an den Future-Märkten wohlgemerkt, auch zusätzlich noch Margin-Erhöhungen verzeichnet und kolportiert worden sind durch die Börsenbetreiberin. Das hat also kurzfristig zusätzlichen Verkaufsdruck ausgelöst und in Märkten, in denen eben der algorithmische Handel einen Großteil der kurzfristig eingegangenen Positionen determiniert, ist es dann nicht ungewöhnlich, dass es dann kurzfristig zu einer Verkaufskaskade kommt.

Die natürlich im Moment für die Investoren, die vielleicht noch nicht ganz so erfahren sind an diesen Märkten, erst einmal atemberaubend daherkommt. Wir haben in der Spitze bei Silber jetzt 40 Prozent verloren. Nur muss man das, wie erwähnt, auch in den Kontext setzen der vorangegangenen Kursgewinne und auch historischer ähnlicher Bewegungen, die es am Silbermarkt häufiger schon gegeben hat, auch inmitten von laufenden mehrjährigen Bullenmärkten, mehrjährigen gesunden Hosse-Trends, die ich auch jetzt weiterhin analysiere und konstatiere. Ich bin ja ein Freund von Analogien, die das plastisch deutlich machen oder auch bildlich und ich nenne da tatsächlich gerne den Tennisball-Effekt. Ich möchte mal das, was Sie gerade uns gesagt haben, nochmal anhand dieses Effektes erklären. Wenn man einen Tennisball nach oben wirft, also Stein nach oben, dann wird man sehen, klar, der steigt, bis er dann oben umdreht und wieder fällt.

Und wenn er dann, wenn man das am Tisch macht, auf dem Tisch aufdotzt oder auch auf dem Boden, wenn man es macht, ohne vor einem Tisch zu stehen, passiert wieder das Gleiche. der dotzt auf den Boden auf und springt dann zurück. Und genau diese beiden Bewegungen sind das, die wir gesehen haben. Zuerst diesen steilen Anstieg nach oben, wie im Tennisball, dann oben die Wende, die Drehung, dann das runterfallen, Und wieder das Abprallen. Das ist für mich eigentlich so einfach erklärt und das ist ja nicht nur beim Gold- und Silberpreis so, das ist bei allen börsengehandelten Produkten so, die können wir auch beobachten, auch bei Aktien und anderen.

Dass das regelmäßig passiert, wenn es solche extreme Ausmaße annimmt wie eben hier. Es muss steil nach oben gehen zuerst. Aber jetzt nochmal eine Frage an Sie wegen dieser Margin-Forderungen, die Sie genannt haben. Das hieße ja, wenn Sie das sagen, das war ein Mitauslöser, wieso hat denn die Börse, wir hatten glaube ich über so ein Thema auch gesprochen, als es darum ging, die Hand-Silber-Spekulation nochmal Revue passieren zu lassen. Da gab es ja was ähnliches, da hat die Börse durch solche erhöhte Margin-Forderungen, das heißt die Sicherheiten wurden erhöht für die Spekulanten, die sie einschießen mussten, hat quasi dann diesen Kurssturz ausgelöst. War das aus Ihrer Sicht diesmal wieder der Fall? Also es hat es zumindest unterstützt. Das lässt sich ja auf jeden Fall eindeutig durch die Korrelation und die zeitliche Nähe konstatieren. Ich will nicht unterstellen, dass das jetzt eine zwingende Absicht dieser Maßnahme gewesen ist. Ich kann es jedenfalls nicht beweisen. Es fällt auf, dass wir seit Anfang November in die stark steigende Kursbewegung beim Silber insgesamt sechs Margin-Erhöhungen gesehen haben. Drei davon durchaus in sehr fragwürdigen Zeiten, in sehr illiquide Phasen zwischen Weihnachten und Neujahr beispielsweise hinein. Auch das Timing jetzt der Ankündigung vergangenen Freitag mit kurzem Vorlauf.

Wirksam werden allerdings auf den gestrigen Montag, hat da sicherlich ihr Übriges beigetragen. Fakt ist auf jeden Fall, das lässt sich festhalten, die Edelmetallmärkte in ihrer kurzfristigen Preissetzung werden an den Future-Märkten Die Future-Märkte sind Teilreserve-Märkte, das heißt dort wird ein Vielfaches an Kontraktvolumen gehandelt gegenüber den tatsächlich physisch vorhandenen Reserven. Und deswegen ist auch aus meiner Sicht zwingend notwendig, dass man bei einer Edelmetallanlage seine Anlagemotivation zunächst einmal definiert. Und da stellen wir fest, dass in den letzten Monaten insgesamt weltweit ein Run auf physisches Silber, auch auf physisches Gold festzustellen ist in globaler Dimension. Von Notenbanken angefangen über institutionelle Käufe bis hin dann zu Privatinvestoren. Was auch dazu geführt hat, dass wir unterschiedliche Preisniveaus mittlerweile haben. Also eine sogenannte Dislocation findet statt, dass wir keinen einheitlichen Preis mehr zum selben Zeitpunkt an den unterschiedlichen weltweiten Handelstechniken.

Feststellen können, weil einfach durch die geopolitischen Entwicklungen, in denen wir uns mittlerweile befinden, die vormalige Arbitragemöglichkeit, das heißt die Ausgleichsmöglichkeit von Preisdifferenzen an unterschiedlichen Börsen nicht mehr ohne weiteres gegeben ist. Das heißt für mich ganz klar, der Trend nach physischer Nachfrage, der bleibt bestehen, der ist sogar bestärkt durch solche kurzfristigen Preisrückgänge und wie Sie es mit der Tennisballmetapher beschrieben haben, In der Tat, die ganz kurzfristige Bewegung, die kann niemand vorhersehen und deswegen mahne ich auch davor, sich mit allzu hohem Hebel zu engagieren, den man nicht finanziell beherrschen kann. Insofern sollte man nur Positionsgrößen einnehmen, in Einklang mit dem eigenen Anlagehorizont und auch in Einklang mit der eigenen Risikotragfähigkeit und Bereitschaft. Da hätte ich zwei Nachfragen dazu. Einmal, Sie reden von physischer Nachfrage, das widerspricht doch so ein bisschen dem, was wir beobachten, dass nämlich der Großteil eben an Terminmärkten passiert, dieser Preisbewegungen. Und dort anhängend ist es dort nicht sinnvoll, weil Sie haben von diesen Marginforderungen, also von den erhöhten Sicherheitsleistungen gesprochen.

Die sind ja sinnvoll, wenn die Preise so stark nach oben gehen, dass die Börse dann sagt, ja Moment mal, jetzt sind die Preise so stark gestiegen und das ist ja alles sehr riskant. Also bitte, wenn ihr da spekuliert weiterhin, dann müsst ihr auch mehr Sicherheiten hinterlegen. Das ist grundsätzlich korrekt, also dass es immer eine Anpassung gibt an die Positionsgröße. Im Silbermarkt ist es beispielsweise so, dass ein Future-Kontrakt in den USA an der COMEX 5000 Euro.

Und natürlich sind 5000 Unzen bei 100 Dollar ein anderer Gegenwert sozusagen, was die Positionsgröße angeht im Vergleich zu dem, wo wir letztes Jahr zum gleichen Zeitpunkt noch standen, um die 35 oder 40 Dollar. Insofern ist prinzipiell erst einmal korrekt und nachvollziehbar, dass man diese Margin an sich erhöht und nachzieht. Ob die Höhe, die Frequenz und das Timing dieser Erhöhungen tatsächlich jetzt in sozusagen adäquater Relation steht zu den kurzfristigen Preisbewegungen, das vermag ich nicht näher zu kommentieren. Ich nehme es zur Kenntnis und beobachte das. Ich kann nur zur physischen Seite sagen, weil wir ja als Edelmetallhandelsunternehmen das entsprechende Verhalten von weiten Teilen von Investoren.

Berücksichtigen und sehen und auch sehen können, welche Nachfrage und Angebotsentwicklung das auf der physischen Seite ist. Dann ist auf jeden Fall zu beobachten, dass ein solcher Rückgang sprunghaft die Nachfrage erhöhen lässt und in der gesamten Branche einen immensen Run nochmals bestärkt hat, zum einen. Und zum anderen eben auch die Produktverfügbarkeit zu diesen preislich denominierten Papierpreisen so in kurzer Frist nicht ohne substanzielle Spreads möglich ist. Das heißt tatsächlich, die Verfügbarkeitsprämien nehmen zu und entsprechend gibt es eine gewisse kurzfristige Entkoppelung der Preisniveaus bei dem physischen Markt in Relation zu dem Future-Handelsmarkt, über den wir hier sprechen. Die große Frage, die sich natürlich alle stellen, die uns jetzt zuhören, wo stehen wir gerade? Ist jetzt der Abverkauf quasi beendet? Kann ich wieder einsteigen? Wenn ich noch habe, sollte ich verkaufen. Wo sehen Sie den Goldpreis, den Silberpreis in den nächsten Wochen, in den nächsten Monaten? Ja, die Gegenfrage würde ja lauten, hat sich irgendetwas an den grundlegenden Rahmenbedingungen und an der Motivation für eine Anlageentscheidung in Edelmetall, insbesondere in physischer Form, geändert? Und da bin ich ein großer Anhänger wirklich und auch ein Fan einer nüchternen Analyse und auch eines Herauszoomens aus dem Intraday und auch aus dem Tagesrauschen und dem Kursfall.

Sich nerven aus aufreibendem Hin und Her an den Märkten und eine saubere Verortung. Und eine saubere analytische Verortung, die lässt erst einmal erkennen, dass wir in einer Rekordverschuldungsumgebung uns weiterhin bewegen. Das wird übrigens auch die Handlungsräume, die Spielräume auch von Herrn Walsch massiv einschränken. Das heißt, er wird ja als Falke angekündigt.

Maximal wird er als kostümierte Taube wirken können, weil einfach die normative Kraft des Faktischen, dieser immensen Überschuldung, die USA als Herausgeber der Weltleitwährung haben einen aktuellen Schuldenstand von 38,5 Billionen US-Dollar Staatsschulden. In diesem Umfeld ist zwingend notwendig, dass die Zinsen herunterkommen und das wird sicherlich auch ein Herr Walsh leisten müssen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass diese Absprache nicht vorher vor der ernannten Nominierung getroffen worden ist. So die geopolitischen Spannungen, in denen wir uns befinden, sozusagen das Überleiten von einer unipolaren Welt, von einer rein von den USA dominierten oder wesentlich von den USA dominierten Weltordnung hinsichtlich zu einer Struktur, die noch nicht ganz klar absehbar ist, aber die sich doch in eher mehrere Pole oder mehrere Blöcke neu sortieren wird. All das sind ja die fundamentalen Faktoren, weshalb überhaupt die Relevanz von Edelmetallen in den letzten Jahren und auch in den letzten Dekaden in dieser Weise zugenommen haben. Und all diese Faktoren sind für mich weiterhin mehr denn je virulent und insofern sehe ich da keinerlei Abweichen von der Argumentationskette. Und das Verhalten der Investoren, das stützt diese These, dass weiterhin der Bedarf nach der Sicherheitsfunktion von Edelmetallen mehr denn je gegeben ist.

Stichwort kostümierter Taube würde ich gerne noch mal einhaken.

Es ging tatsächlich jetzt in der Argumentation, wenn man diese etwas tiefer verfolgt, ja nicht darum, dass er nicht die Zinsen senken wird, das haben auch diejenigen gesagt, die dieses Narrativ gestreut haben, sondern, ich wollte jetzt nicht so technisch werden, als ich vorhin sagte, er hat sich gegen ein weiteres kräftiges Ansteigen der Geldmengen ausgesprochen, da geht es tatsächlich konkret um das Volumen der US-Notenbank-Bilanz, die ja wegen der vielen Krisen und nach den vielen Krisen eben aufgebläht worden ist. Ich behaupte und ich sage, das lässt sich nicht mehr zurückführen. Es gab ja Versuche, das zu tun und die sind ja auch zum Teil schon gestartet worden. Dann hat die Notenbank diese Bilanz ein bisschen geschrumpft, hat jetzt der Vorgänger von Herrn Walsch, Herr Paul, schon gestoppt und sogar wieder ins Gegenteil verkehrt. So ein bisschen hat er schon wieder diese Notenbankbilanz, zumindest mit Anleihekäufen, befeuert.

So, und jetzt rein theoretisch wäre es ja möglich, Herr Borsch sagt, ja, wir senken die Zinsen, aber wir schrumpfen weiter diese Notenbankbilanz. Das heißt, wir müssen jetzt keine Anleihen verkaufen, aber alle, die jetzt fällig werden, da kaufen wir eigentlich nichts zu. Und dann schrumpft die Notenbankbilanz. Und damit, und das ist ja mein Punkt, wird dem System Geld entzogen. Und das ist ja das, wovor dann die Leute Angst haben. Und das ist ja auch das, was die Wall Street braucht, was alle brauchen. Die brauchen Geld, was im Fachjargon oft Liquidität genannt wird, aber nichts anderes ist. Sie brauchen Geld, um eben diese Geschäfte zu machen und um alle Kurse weiter steigen zu lassen, inklusive der von Gold und Silber. Und da könnte Herr Worsch doch tatsächlich zumindest vorübergehend für Irritation sorgen, oder?

Also zunächst einmal, wenn wir jetzt Geld mit Liquidität frei sozusagen gleichsetzen, dann sollten wir es auch begrifflich korrekt als Kredit bezeichnen, denn schlussendlich, wir leben in einem Kreditsystem, in dem jegliche Form von Geld, das in Umlauf gerät, in Form von Kredit in die Märkte gerät. Und da haben wir zwei Ebenen. Das eine ist die Bilanzsumme der Notenbank, die dann sozusagen das Notenbankengeld dem Geschäftsbankenwesen zur Verfügung stellt. Da stimme ich Ihnen zu, dass grundsätzlich kurzfristig möglicherweise auch zumindest an der Oberfläche gewisse Maßnahmen ergriffen werden könnten, die die Bilanzsumme schrumpfen lässt. Das muss aber nicht zwingend zu einer generell sinkenden oder sozusagen trendumkehrenden Geldmengenrichtung führen. Die Geldmenge setzt sich nämlich zusätzlich noch zusammen aus der Girald-Geldschöpfung, also derjenigen Kreditmenge, die aus dem gewerblichen Bankensektor als Kredite geschöpft.

Und spätestens durch ein Stimulieren der Wirtschaft und durch niedrige Zinsen werden genügend Anreize gesetzt, um auch dort das Kreditwachstum, die Kreditexpansion zu unterstützen. Und darüber hinaus gibt es mannigfältige Möglichkeiten, auch für eine Notenbank in Tandem mit der US Treasury, mit der aktuellen Regierung, da auch Maßnahmen zu ergreifen, auch politische und fiskalische Maßnahmen, um dafür Sorge zu tragen, dass die Kreditexpansion insgesamt weitergeht. Und meine These ist, dass die Kreditexpansion insgesamt weitergehen wird, weil ansonsten würden wir einer deflationären Spirale entgegensehen, die vergleichbar ist zu der Wirtschaftskrise Ende der 20er Jahre, 1929 fortfolgende.

Dieses System ist mathematisch auf steigende Geldmengen angewiesen. Das heißt aber nicht, dass in jedem Zeitfenster auch die Notenbanken von der Bilanzsumme her steigen müssen, sondern nur, dass die Gesamtgeldmengen insgesamt steigen müssen. Und über welchen Kanal das dann schlussendlich erfolgen wird, das wird sicherlich dann noch sauber zu analysieren und zu beobachten sein. Aber Fakt ist ja auch, dass dieses Jahr allein die USA knapp 10 Billionen der eben angesprochenen 38,5 Billionen Schulden neu refinanzieren müssen. Das heißt, auch da muss ja dafür Sorge getragen werden, dass das Zinsniveau niedrig ist und dass reichlich Kredit-Liquidität in den Märkten vorhanden ist. Und diese Nachfrage muss dann auch noch weitergehen.

US-Treasuries auf die Staatsanleihen gemünzt und gelenkt werden. Insofern, es wird sicherlich spannend werden. Es wird auch volatil bleiben und werden. Aber alles in allem werden wir keine Trendumkehr sehen, was die Geldmengenexpansionsentwicklung insgesamt angeht. Da würde ich gerne auch nochmal einhaken. Vollkommen richtig. Es gibt die privaten Geldschöpfer und die Notenbankgeldschöpfer. Aber tatsächlich seit Beginn der Finanzkrise 2008 hat sich da ja was getan. Das heißt, die Privatwirtschaft war dann nur noch bereit, Geld zu schöpfen, wenn sie auch möglichst durch Liquidität aus der Notenbank unterstützt wurde. Und genau deswegen mussten ja diese Notenbankbilanzen aufgebläht werden. Und genau deswegen hat ja sogar Herr Paul jetzt zum Schluss gesagt.

Ja wir kaufen wieder US-Staatsanleihen, weil es ging da tatsächlich um die Liquiditätsversorgung der Banken, die ja wichtig ist und wichtig bleiben muss und in der jetzigen Situation offenbar nach Analyse der US-Notenbank, aber es nötig erscheinen lässt, dass sie da wieder auf die Tube drückt. Das heißt für mich, wenn Herr Walsch jetzt tatsächlich hier das Gegenteil machen würde und eben die Notenbankbilanz weiter schrumpfen lassen würde, Hätten wir es früher oder später mit argen Liquiditätsengpässen in der Privatwirtschaft zu tun und dann käme es richtigerweise zu den von Ihnen postulierten Crash wahrscheinlich. Und genau das ist aber die Gefahr, die offenbar aus Sicht derjenigen, die dieses Narrativ, Worsch ist hier der Falke und nicht die kostümierte Taube, die dieses Narrativ eben hier gebracht haben. Also wir sind uns vielleicht einig, dass Herr Worsch früher oder später zum Umkehren, wenn er das machen würde, gezwungen würde. Das zu 100 Prozent, dem stimme ich zu. Direktional ohnehin völlig richtig, was Sie gesagt haben.

Auch, dass es kurzfristig Korrekturen in der Bilanzentwicklung, in der Größe der Bilanzsumme gibt, mag der Gesamtthese, der Grundthese auch nicht widersprechen. Ich will Ihnen noch ein weiteres Beispiel geben. Zu den Zeiten, als eben die Staatsschulden massiv aufgekauft worden sind, um natürlich auch das Zinsniveau niedrig zu halten, gab es auch ein Nachfrageproblem insgesamt nach gewerblichen Krediten aufgrund eben stagnierender und rezessiver konjunktureller Tendenzen. Das ist ein Faktor. Aber das Zweite ist auch, dass sich ja gerade die Trump-Regierung auch massiv auch durch fiskalische Stimuli hervortut und es werden in verschiedensten Branchen Direktinvestments oder eben auch durch staatliche Fonds und Vehikel strategische Investitionen getätigt. Das heißt, es gibt ja auch noch die Möglichkeit. Zusätzlich dazu, dass die Bilanzsumme sicherlich langfristig auch weiter steigen wird, selbst wenn es zu diesen kosmetischen Korrekturen kommen sollte, wird es aber trotzdem noch weitere Kanäle geben, auf die insgesamt eine Expansivität der Geldmengenentwicklung einzahlen wird und wo diese auch entsprechend fiskalisch unterstützt werden. Jetzt muss ich an der Stelle nochmal nachfragen. Wir haben zu Beginn dieses Podcasts gesagt, das hat eigentlich alles gar nicht unbedingt was mit Kevin Walsh zu tun. Jetzt sind Sie beide hier intensiv am Diskutieren und der Name fällt immer wieder. Also jetzt doch oder haben wir das alle falsch verstanden?

Also ich glaube, wir haben einen Aspekt jetzt vertieft, der in diesem Narrativ-Setting von Freitag eine Rolle gespielt hat. Aber ich bleibe bei meiner Aussage, dass dieses Narrativ nicht die alleinige Kausalität des Kursrückgangs ausgelöst hat, sondern dass wir es einfach mit mehreren kurzfristigen Faktoren zu tun haben. Aber nichtsdestotrotz für die generelle weitere geopolitische und auch für die Entwicklung der Kapitalmärkte ist natürlich die Personalie Kevin Walsh und dann der eingeschlagene Kurs, der in den nächsten zwölf Monaten, wenn er dann auch erst einmal vom Senat bestätigt ist und sein Amt angetreten haben wird, sicherlich von einer zentralen Bedeutung. Das lässt sich auf jeden Fall konzertieren. Genau, da sind wir uns auch vollkommen einig. Das Narrativ wurde gestreut. Ich habe halt darauf hingewiesen, dass es ein Punkt gibt, der nicht ganz so an den Haaren herbeigezogen war, wie Walsch als Falke, hätte man ja auch denken können, der wird für steigende Zinsen sein, das ist er natürlich nicht, aber eben dieser andere Aspekt und den fand ich eben spannend.

Diesen hier mal zu diskutieren und deswegen freue ich mich, dass es hier mal die Gelegenheit gab, mit Ihnen, Herr Fittje, sich darüber auszutauschen. Ja, hat mir auch große Freude gemacht und selbstverständlich wird dieses Jahr geprägt sein von den geldpolitischen Maßnahmen, aber eben auch, wir leben im Zeitalter fiskalischer dominanz natürlich auch weiterhin von der positionierung der staaten von den defiziten von der schuldenentwicklung, Und auch von der geopolitischen Disruption, über die wir eben gesprochen haben. Das sind für mich sozusagen die Leitmotive, die Leitplanken innerhalb derer auch die Relevanz gerade monetärer Edelmetalle sich immer wieder auch bewahrheitet. Und immer wieder auch dann sozusagen auch die Notwendigkeit einer Portfolioallokation, sei es in institutionellen Portfolien, bei Zentralbanken oder eben auch bei Privatinvestoren.

Die sich eben anhand dieser Argumente letztlich ihre Anlageentscheidung pro Edelmetall dann auch ableiten. Herr Fietje, kurze Nachfrage noch. Stichwort digitales Gold, Bitcoin, auch da ging es jetzt nochmal runter. Hat eine andere Entwicklung genommen im Vergleich zu Gold und Silber. Wie bewerten Sie das? Sehen das damit zusammen oder ist das ein ganz anderes Thema? Ich bin jetzt natürlich nicht der ganz große Bitcoin-Experte, sehe gleichwohl unter dem Aspekt des Währungswettbewerbs und unter dem Dezentralitätsaspekt Bitcoin als eine hochspannende Entwicklung, auch technologischer Art.

Kurzfristig die Preisentwicklung bei Bitcoin vermag ich immer nur mit einer gewissen Distanz zu kommentieren, weil ich ausweislich meines Berufs sozusagen in den Edelmetallen nicht verschrieben habe. Aber natürlich ist zu beobachten, dass es im Bitcoin speziell auch eine gewisse Zyklizität gibt, die unter Bitcoin-Befürworter ja auch stark besprochen und diskutiert wird. Da sind wir ja meines Wissens nach jetzt im vierten Jahr, das also häufig in diesen Zyklen korrektiver Natur ist. Und auch da hat sicherlich dieses Narrativ, dass der Freitag gesetzt worden ist, nochmal kurzfristig auch einen kleinen Rückgang ausgelöst. Aber der hat sich ja nun im Vergleich zu den Edelmetallen als sehr geringfügig dargestellt. Insofern ist dort vielleicht ja noch viel weniger diese Monokausalität dann tatsächlich anzuwenden als auch bei den Edelmetallen. Narrative an den Märkten, wohin man auch blickt, das ist eine spannende Zeit und deswegen sind wir gerade richtig mit unseren Podcast-Folgen in dieser Zeit. Ich freue mich, dass es wieder geklappt hat, Herr Fittje, und wir werden sicherlich im Laufe des Jahres einen nächsten Termin mit Ihnen vereinbaren. Ich denke, bei Gold und Silber wird sich noch einiges tun. Ganz herzlichen Dank einmal und an euch da draußen schon mal ein kleiner Spoiler.

In der kommenden Woche sind wir mit einem Vorstand der Deutschen Bundesbank verabredet und werden ihn zu ähnlichen Themen befragen, beziehungsweise auch zur Stabilität, zur generellen Stabilität unserer Finanzmärkte. Da hat die Bundesbank vor einiger Zeit ja für ein bisschen Aufsehen gesorgt, weil sie da so einen Bericht rausgebracht hat, der große Zweifel an der Finanzmarktstabilität.

Geschürt hat. Und darum geht es also nächste Woche im Gespräch mit einem Bundesbankvorstand. Ja, von meiner Seite auch, Herr Fittier. Schönen Dank. Und ich sage auch auf bald. Ich gehe auch davon aus, dass wir in 226 nochmal miteinander sprechen werden. Schöne Grüße an Sie. Herzlichen Dank auch. Es bleibt sicherlich weiter spannend und ich freue mich auf das nächste Gespräch mit Ihnen. Ja, und wenn ihr Fragen habt, wie immer, schreibt uns brichterundbell.gmail.com oder die E-Mail-Adresse von NTV geht natürlich auch noch. Also, wir hören uns nächste Woche wieder. Bis dann.