Und damit willkommen zur neuen Folge von Brichter und Bell. Schön, dass ihr bei uns seid. Heute schon am Dienstag, aber das hat Gründe, denn es ist der 31. März. Und warum nehmen wir uns dieses Datum, Raimund? Weil bei Polymarket, der Plattform, wo man unter anderem auf den Iran-Krieg wetten kann, wird dieser Tag als eines der Stichtaten genannt für den möglichen Angriff von Trump. Darauf kann man wetten oder man nimmt den nächsten Stichtag Ende April. Also das zeigt, in welcher Welt wir aktuell leben, dass man quasi mit dem Kriegsverlauf schon Geld verdienen kann. Die Leute wetten dann darauf, ob Trump sozusagen bis heute Abend dann auch angreift oder nicht. Wie dem auch sei, das können wir nicht beeinflussen, wollen wir auch gar nicht. Und wir können nur darüber reden, was das bisher gemacht hat. Einen Monat Krieg haben wir jetzt quasi hinter uns. Und lass uns mal auf die bisherigen Reaktionen in dieser Woche schauen. Wo stehen wir, wenn du dir so die Kurse anguckst?

Welche Signale liest du daraus? Ja, hallo ihr da draußen. Also wir müssen der Vollständigkeit halber aber auch erwähnen, wer denn da jetzt überhaupt auf einen Angriff der Bodentruppen wettet, noch bis am 31. März. Das ist 2% Wahrscheinlichkeit wird da im Moment gehandelt auf Polymarket und das ist Dienstagmittag am 31. März, wo wir aufzeichnen. Also eine größere Wahrscheinlichkeit wird schon zugrunde gelegt am 30. April, da wird die Wahrscheinlichkeit mit 64% bewertet und sogar für den 31. Dezember, also weit noch vorne im Jahr, wird die Wahrscheinlichkeit auf 75% gelegt. Also das heißt natürlich, man kann verdienen mit dem Krieg auf Polymarket, man kann aber auch verlieren und möglicherweise, wenn es zu gar keinem Angriff, Die verlieren diejenigen, die da gewettet haben, auf jeden Fall.

Ja, absolut. Und es ist ja auch spannend, weil das entwickelt sich ja dynamisch. Also vor ein paar Tagen, gestern oder vorgestern, war das fast noch bei 50-50. Also entsprechend sehen wir, wie diese Börsenwetten sich an das aktuelle Geschehen anpassen. Aber die Signale, die Trump im Moment aus dem Weißen Haus sendet, wir verhandeln, gleichzeitig werden Truppen da eingezogen oder dahingeschickt, sind ja auch komplett gegensätzlich.

Wie geht der Markt damit um, Raimund? Was macht man damit? Weil diese Unsicherheit, die ist ja immer noch da. Ja natürlich, aber der Markt, der weiß schon, denke ich, zu unterscheiden zwischen dem, was Trump sagt und dem, was dahinter steckt und dahinter stecken könnte. Am Markt geht momentan, das ist zumindest mein Eindruck aus den Börsenreaktionen, niemand davon aus, dass er, wie er es ja angedroht hat, tatsächlich alle Ölanlagen des Iran auslöschen wird. Das ist das typische Trump-Gehabe, das Thron, das dient ja möglicherweise auch der Einschüchterung des Gegners. Die Iraner machen ja nichts anderes, sie tun das auch.

Im Moment zumindest wird an den Märkten, und das ist eben Stand Dienstagmittag, tatsächlich der andere Teil des Trump-Posts größer gehandelt, dass er nämlich gesagt hat, dort in diesem Post, ja, wir sind in ernsthaften Gesprächen mit dem Iran, auf welchem Weg auch immer, über Pakistan, über Dritte, über Bande oder direkt, das ist ja dann auch egal, nicht so wichtig. Und er hat vor allen Dingen, und das ist ja aus seiner Sicht ein großes Lob, das muss man schon mal sehen. Er hat ja gesagt, wir verhandeln derzeit mit einem neuen iranischen Regime, das, so wie er wörtlich es genannt hat, vernünftiger sei als das alte. Also daraus kann man doch erkennen, da gibt es eine gewisse Änderung in seinem Verhalten. Auch wenn er gleichzeitig das mit einem... Mit einer Drohung verbindet. Warten wir es ab. Was die Märkte im Moment spielen, denke ich, ist schon eher eine Entspannung. Und dem käme tatsächlich auch die Markttechnik entgegen. Du weißt, ich gucke immer auf das, was am Markt vonstatten geht.

Der Pessimismus und die Panik war relativ hoch in den letzten Tagen.

Sie war nicht auf Tiefpunkten, wie zum Beispiel im April des letzten Jahres, aber sie war nah dran. Man kann den Tiefpunkt nie im Vorhinein einschätzen, aber... Ich halte es für durchaus möglich, ich will nicht sagen, dass es so kommt, ich habe auch keine Glaskugel, ich halte es für durchaus möglich, dass von diesem Punkt aus es nicht mehr weiter nach unten geht an den Märkten. Beim DAX zum Beispiel haben wir gesehen, dass er den Tiefpunkt von Anfang letzter Woche, nämlich unter 22.000, nicht einmal mehr erreicht hat. Man erkennt also auch hier eine gewisse Müdigkeit, und zwar eine Müdigkeit der Abwärtsbewegungen, dass die dann eben nicht mehr auf immer neue Tiefs gehen. Klar, ein kleiner Unterschied zu den USA, da hat es am Freitag in der laufenden Abwärtsbewegung nochmal einen neuen Tiefpunkt gegeben. Aber auch hier das Positive, ich höre sehr viel mich um in amerikanischen Investorenkreisen und da habe ich tatsächlich von Vermögensverwaltern in den USA am Wochenende gehört, dass die tatsächlich schon schielen auf günstige Einstiegsmöglichkeiten. Warum? Mit dem Argument, die Gewinnschätzungen in den USA, die seien seit Jahresanfang gestiegen. Das heißt, tatsächlich werden jetzt höhere Gewinne für die US-Unternehmen, die im S&P 500 versammelt sind, im aus meiner Sicht wichtigsten Börsenindex der Welt.

Da werden jetzt höhere Gewinne erwartet von Analysten gleichzeitig. Aber was ist passiert? Die Kurse sind seit Jahresanfang gefallen. Was heißt das im Umkehrschluss? Die Bewertung amerikanischer Aktien ist günstiger geworden und für viele ist die Bewertung eigentlich ein wichtiger Faktor. Und wenn ich das jetzt selbst ausgerechnet hätte, dann könnte man sagen, okay, so what. Aber wenn es tatsächlich amerikanische Vermögensverwalter und die auch gewisse Summen bewegen, wenn die das sagen, dann hat das aus meiner Sicht schon eine andere Qualität. Also gucken wir mal, es könnte sein, dass hier so eine Art Boden jetzt gefunden ist und dass es von dort an nach oben geht. Ein wichtiger Indikator wird auf jeden Fall sein, die 200-Tage-Linie im S&P 500. Wir haben darüber jetzt öfter schon gesprochen. Also der Durchschnittskurs der letzten 200 Tage, das Herrchen für den Hund S&P 500. Ihr kennt die Analogie da draußen. Es ist... So gewesen in der Vergangenheit, dass wenn der Index, also der Hund.

Länger als vier Wochen unter dieser 200-Tage-Linie bleibt, dann hat es größere und längerfristige Korrekturen gegeben. Wenn der Index, also der Hund, innerhalb von vier Wochen wieder über diese 200-Tage-Linie gestiegen ist, dann war es wirklich nur ein kurzfristiger Abtaucher. Und das müssen wir jetzt noch abwarten. Es sind jetzt anderthalb Wochen her. So lange notiert der S&P 500 unter der 200-Tage-Linie. Wir haben also noch, na, roundabout zweieinhalb Wochen Zeit, um das zu beobachten. Aber guckt darauf, guckt auf die 200-Tage-Linie. Wenn der S&P darüber steigt, ist das Schlimmste wahrscheinlich überstanden. Ja, und es ist der 31. März, wir haben es eingangs gesagt. Also, wenn jetzt dieser Krieg doch noch weiter eskalieren sollte, Reimund, wir haben ja oft drüber geredet, politische Börsen haben kurze Beine, aber auch kaufen, wenn die Kanonen donnern. So, jetzt ist ja dieser Krieg da und im DAX sehen wir schon wieder Tag 2 mit Erholungsversuchen. Wir sind knapp 1300 Punkte unterhalb der 24.000, also Gold bei 4500 Dollar circa, Bitcoin dümpelt weiter vor sich hin. Es hat sich also gar nicht so viel Krasses getan, um es mal überspitzt oder auch salopp zu formulieren. Sollte dieser Krieg weiter eskalieren, ich weiß, deine Glaskugel, die gibt es einfach irgendwie gefühlt immer noch nicht.

Kann das dann noch zu einer größeren Korrektur führen? Wahrscheinlich nur, wenn die Energiereserven dann ins Wanken kommen, also wenn die Energieanlagen Ziel werden, diese Angriffe, oder? Genau, das muss man alles abwarten, da wage ich jetzt wirklich keine Prognose. Ist auch Blödsinn jetzt zu sagen, wenn dann, ja. Wenn es ganz schlimm kommt, kommt es ganz schlimm, das ist völlig klar. Wenn der Weltkrieg ausbricht aufgrund dieser Situation, dann haben wir mehr als ein Problem, das ist völlig logisch. Ich wollte noch auf einen anderen Belastungsfaktor hinweisen, der gerade in der letzten Woche ja die Kurse an den Aktienmärkten gedrückt hat und das waren die Marktzinsen. Nicht der Notenbanken, darauf kommen wir vielleicht gleich noch zu sprechen, wenn wir über Inflation reden, aber die Marktzinsen, die sich tatsächlich am Markt bilden, am Anleihemarkt und die sind ja nach oben geschossen in der Anleiherendite in Deutschland, die Bundesanleihe über drei Prozent, klar, aber noch stärker war der Anstieg bei den amerikanischen Staatsanleihen. Im Hintergrund wurde dann zwar erst mal immer gedacht, naja, das ist die Inflationsangst, es ist aber auch noch was anderes, nämlich die Angst vor zusätzlichen Ausgaben des Staates. Und da wurde ja in den letzten Wochen auch über ein zusätzliches Ausgabenprogramm in den USA diskutiert, 200 Milliarden Dollar für den Irankrieg.

Der Verteidigungsminister, der sich ja Kriegsminister nennt, der hat glaube ich gesagt, ja, wenn man so böse Wichte macht, töten will. Es kostet halt Geld, es sei nicht billig. So als Begründung, daran sieht man auch, wie sowas begründet wird. Okay, aufgrund dessen sind jedenfalls die Renditen nach oben geschnellt, aber die sind jetzt zum Wochenbeginn wieder deutlich gefallen. Im zehnjährigen Bereich, während wir hier aufzeichen, sind es tatsächlich 4,3 Prozent. Also sie sind wieder, die waren schon weit über 4,4 Prozent. Das ist eine relativ starke Entwicklung. sind etwas zurückgekommen und das hat die Märkte entlastet. Ich würde euch also auch allen raten, ich tue es jedenfalls auch, guckt auf die Entwicklung, gerade der US-Rendite, die gibt oft den Takt auch vor. Und wenn die zurückkommen, zeigt das auch eine Art Entspannung. Dazu kommt ja auch noch was. Die Händauer haben wir auch schon geredet. Es könnte ja eine neue Krise schon wieder im Anmarsch sein. Das ist ja die Kreditkrise, die bekannte. Wir haben über die Blaue Eule, die Blue Oil geredet.

Auch da scheint sich im Moment die Lage etwas zu entspannen, dass die Angst zumindest, da spielen ja auch viele dann drauf mit, indem sie auf fallende Kurse wetten, dass da zumindest auch erstmal ein vorläufiger Boden erreicht ist. Die beteiligten Aktien, also gerade die in der Private Credit Branche aktiv sind, die steigen jedenfalls gerade wieder, erholen sich etwas von ihren Tiefständen. Auch da könnte es also erstmal eine Entspannung geben. Ich bin gespannt, wie lange sie hält. Weil du es kurz angesprochen hattest. Ich meine, vielleicht geben wir kurz mal den Hinweis, wie man eigentlich die Staatsanleihen sich genau anschaut. Also DAX, klar kann man gucken, wie entwickelt der sich und kann man sich die einzelnen Werte anklicken. Ich glaube, das kriegen viele von euch schon hin. Aber wie finde ich denn die Infos über die aktuellen Renditen bei den Staatsanleihen? Was muss ich da eingeben? Genau, ich will jetzt keine Werbung machen, aber ich muss es offenbar, wenn du mich so direkt fragst. Werbung für einen bekannten amerikanischen Business-TV-Channel, der nennt sich CNBC.

Und der hat eine Website, cnbc.com. Und der hat tatsächlich, normalerweise kriegt man ja oft Infos über die Kurse der Staatsanleihen, aber die bringen ja nicht so viel, wenn man ja, eigentlich will man ja wissen, was aus diesen Kursen sich für Renditen, sprich für Zinsen ergeben. Und das wird da eben auf einigen Seiten sehr schön umgerechnet. Ich habe da die Links dazu. Wen es interessiert, der kann uns gerne anschreiben.

Dann schicke ich ihm gerne diese Links, da kann er also quasi minütlich verfolgen, wie sich die Renditen der deutschen Staatsanleihen, aber auch der amerikanischen, der englischen, der britischen, der japanischen, wie auch immer, wie sich diese Renditen halt verhalten, ist aus meiner Sicht ein ganz guter Indikator. Private Post von Raimund, das geht nur bei Brichter und Bail, das ist doch schön, das Angebot steht, also schreibt uns gerne unsere E-Mail, kennt ihr, geben wir euch auch gleich am Ende nochmal. Jetzt kommen wir auf einen wichtigen Punkt, Raimund, der uns alle umtreibt. Seit Kriegsbeginn ist Sprit unfassbar teuer geworden und die Option, dass es teurer wird, steht ja auch noch im Raum. Und insgesamt, das Thema Teuerung ist jetzt natürlich diese Woche ganz aktuell. Inflationsdaten sind da, was sagen die aus? Die sagen das aus, was zu erwarten war, dass die Inflationsrate kräftig gestiegen ist, weil eben die Energiepreise einen hohen Anteil darin haben. Und in Deutschland ist die Inflation von 1,9 auf 2,7 Prozent, also die jährliche Inflationsrate, gestiegen. Das heißt, jetzt sind es 2,7 Prozent, im Februar waren es noch 1,9 Prozent. Das bedeutet, die Preise liegen jetzt im Durchschnitt 2,7 Prozent höher als vor einem Jahr. Im Februar lagen sie nur 1,9 Prozent höher. Das ist zunächst mal nur Rechenschieberei, der sich ergibt aus der Messung eben gerade auch der Benzin und anderer Energiepreise.

Das ist für mich auch noch keine Inflation, denn zur Inflation gehört mehr ein dauerhafter Preisanstieg. Bisher ist es ein, Ein Preisschub, ein Preisschock, so kann man es nennen, der verschiedene Auswirkungen hat. Ob sich daraus eine Inflation ergibt, das wage ich tatsächlich zu bezweifeln. Aus einem wichtigen Grund, denn dieser Schub sorgt natürlich für höhere Preise bei Verbrauchern und Verbraucherinnen, aber er sorgt auch für höhere Kosten bei den Unternehmen.

Und dafür, dass es eine Inflation wird, dafür ist ja eins wichtig und das sagen ja alle Experten, das haben wir ja auch schon in der Uni gelernt, dass es die Lohnpreisspirale gibt, dass also im Anschluss an die gestiegenen Preise sich auch die Löhne erhöhen. Und jetzt, Etienne, versetzen wir uns doch mal in die Lage der Tarifpartner, zur nächsten Tarifverhandlung. So, dann heißt es, sagen die Arbeitnehmervertreter, die Gewerkschaften, wir wollen höhere Löhne, weil die Preise gestiegen sind. Dann sagen die Unternehmer, sorry, unsere Gewinne sind gefallen, die Kosten sind stark gestiegen, wir können im Moment nicht. Das heißt, aus dieser Gemengelage ergibt sich eher keine Lohnpreisspirale. Denn dann ist immer die Frage, was ist dann letztendlich durchsetzbar? Das war übrigens im Falle des Ukraine-Krieges anders. Da gab es vorher schon einen Inflationsschub, der sich angedeutet hatte, der hatte aber ganz andere Gründe, nämlich die Corona-Krise und die damals verteilten Staatshilfen. Da hatten viele, viele Leute, viele, viele Unternehmen Cash in the Tash und haben das eingesetzt, um Dinge zu kaufen, die dann plötzlich knapp wurden, weil sie auch nicht mehr so geliefert wurden. Also das war dann tatsächlich eine Preisspirale, die sich dann auch in Löhnen niederschlagen konnte, weil die Unternehmen auch mehr in der Tasche hatten.

Das ist aber jetzt anders und deswegen glaube ich an die Nachhaltigkeit dieser Inflation noch nicht. Okay, wann glaubst du dran, wie viele Daten brauchst du noch, ein, zwei Monate? Nee, logischerweise, wenn die Energiepreise in den nächsten zwei, drei Monaten nicht wieder auf die Niveaus vor der Krise sinken, also vor dem Krieg, werden die Inflationsraten, die messen sich ja immer im Vergleich zum Vorjahresmonat, werden die natürlich weiter hoch bleiben. Was heißt hoch? 2,7 bis 3 Prozent. Klar, aber das ist dann immer noch keine Inflation, nur weil die Inflationsrate. Das wird sich erst zeigen, im kommenden Jahr, wenn wir dann über März 2027 reden. Und dann schauen wir mal, ob dann die Energiepreise noch deutlich höher liegen als im März 2026. Und daraus ergibt sich dann eher eine nachhaltige Inflation. Vorher noch nicht. So, gut, dass wir nicht bei der EZB sitzen oder bei der Federal Reserve. Das heißt, wir müssen uns nicht damit beschäftigen, was wir jetzt mit den Zinsen machen. Also welche Folgen hat das, was wir jetzt erlebt haben im März für die Zinspolitik der Notenbanken? Ich hoffe, gar keine.

Es wäre, ich sage es mal so deutlich, aus meiner Sicht totaler Blödsinn, in dieser Situation Zinsen zu erhöhen. Zum einen, ich hatte ja schon gesagt, bedeutet das ja Belastungen für die Wirtschaft, dieser Energiepreisschock. Und die Wirtschaft kriegt damit einen zusätzlichen Dämpfer, wo wir ja ohnehin schon in einer gedämpften Wirtschaft sind. Bleiben wir mal hier in Deutschland. Die Konjunkturprognosen der Wirtschaftsforschungsinstitute, die, Klammer auf, aus meiner Sicht ohnehin, eher die Qualität eines rotierenden Wegweisers haben, Klammer zu, die werden ja schon wieder runtergesetzt. Also für dieses Jahr, also daran sieht man, die Wirtschaft braucht jetzt keine höheren Zinsen. Und das zweite wäre, was kann die EZB denn mit einem höheren Zins gegen die Inflation tun? Was könnte sie dagegen tun? Diese Frage möchte ich mal beantworten. Das war eine rhetorische Frage, weil ich weiß, du weigerst dich, die zu beantworten. Sie könnte ja nichts tun, weil sie gegen einen höheren Ölpreis nützen, auch keine höheren Zinsen.

Das Argument, das dann kommt von Expertinnen und Experten, ist dann, ja, eben, aber diese Zweitrundeneffekte könnten eben verhindern, dass in den Tarifverhandlungen dann, dass dann die höheren Löhne durchgesetzt werden. Denn warum eigentlich? Warum sollten höhere Zinsen dann den Tarifpartnern? Ja eben, vielleicht nur, weil sie den Unternehmen noch mehr Druck machen. Also einerseits Druck durch die gestiegenen Energiepreise, andererseits Druck durch die höheren Zinsen. Da können wir erst recht keine Lohnerhöhungen geben. Aber ich glaube, dieses zusätzlichen Drucks bedarf es nicht, wenn der Ölpreis, der Energiepreisschock so und so stark ist.

Also die Zinsen sind reines Aushängeschild, die EZB-Zinsen, die an der Inflationsrate überhaupt nichts machen. Wir haben darüber ja auch schon gesprochen, die vielleicht eher auch ein nachlaufender Indikator sind. Wichtiger, und jetzt komme ich wieder zurück zu den Anleiherenditen, wir haben ja gerade darüber gesprochen, die sind schon wichtiger. Denn das sind die Zinsen, die sich am Markt ausbilden und wenn die kräftig steigen, muss das aber nicht nur unbedingt im Zusammenhang mit einer höheren oder auch erwarteten Inflation stehen, sondern es kann auch im Zusammenhang damit stehen, und das war ja auch der Fall, dass mehr Schulden gemacht werden von den Staaten. Und wenn mehr Schulden gemacht wird, dann muss man als Staat auch mehr Zinsen bezahlen, um alle diese Anleihen, die man ja plant, auszugeben, um die unterzubringen. Also das ist eine weitere Komponente, weshalb diese Zinsen steigen könnten. Und auf die sollten wir auf jeden Fall achten. Auf die Marktzinsen für uns in Deutschland wäre das die Rendite der 30-jährigen Bundesanleihe, die übrigens ja für vieles verantwortlich ist. Ich höre auch immer wieder, dass wenn die EZB an der Zinsschraube dreht, hoch oder runter, dass dann gefragt wird, was bedeutet das für die Bauzinsen zum Beispiel. Für die Bauzinsen bedeutet das überhaupt nichts, denn die hängen einzig und allein von dieser besagten Beziehung.

Rendite für 10-jährige Staatsanleihen ab und die liegt zurzeit bei, ich gucke jetzt auf cnbc.com, 3,02 Prozent. Die ist schon mal kräftig gestiegen, auch nach Beginn des Irankrieges, aber da war sie auch schon höher. Ich sehe in der Spitze bis 3,10 Prozent, auch hier also schon die besagte Beruhigung ab.

Die ist aber auch in den letzten Monaten schon gestiegen, obwohl es da überhaupt keine Inflationsanzeichen gab. Und dafür war eben dann die höhere Kreditaufnahme des Staates verantwortlich. Die erwartete höhere Kreditaufnahme vor allen Dingen wegen der diversen Schuldenprogramme. Also ihr seht, wie das alles miteinander zusammenhängt. Es ist nicht immer so einfach. Ja, ja, höhere Inflation gleich höhere Zinsen. So, und weil du das Stichwort Staatsverschuldung genannt hast, das bringt uns noch wunderbar zur Hörerfrage. Wir könnten fast schon so eine Kategorie einführen. Hörerfrage der Woche, die kommt in dieser Woche von Peter. Der hat uns nämlich geschrieben, also mit Blick auf die Vorbereitung auf einen zu erwarteten Reset im Zuge der rapide anwachsenden Staatsverschuldung treibt ihn folgende Frage um. Als Pensionär bessere ich mein Einkommen mit einer Dividendenstrategie auf. Naturgemäß sind daher dividendenstarke Versicherungsunternehmen in meinem Portfolio übergewichtet Und diese Unternehmen halten in ihren Portfolios dem Vernehmen nach große Bestände an Staatsanleihen. So, da sind wir genau bei dem Thema. Welche Konsequenzen, fragt Peter, können im Fall eines Resets aus diesem Umstand für den Schutz des eigenen Vermögens erwachsen sind, für diese Unternehmen überdurchschnittliche Verluste im Vergleich zu anderen Branchen und Sektoren am Aktienmarkt zu erwarten? Auf die letzte Frage ein eindeutiges Ja.

Selbstverständlich, wenn Unternehmen wie eben Versicherungen einen hohen Bestand an Staatsanleihen haben und Staatsanleihen im Zuge eines möglichen Resets entwertet würden, dann würden auch diese Unternehmen überdurchschnittlich leiden. Punkt. Aber. Jetzt sage ich mal aber, du hast ja geschrieben, dass du Pensionär bist. Das heißt, dein Anlagehorizont, wenn ich es mal vorsichtig ausdrücken darf, ist eben jetzt nicht mehr ganz, ganz lange, zumindest nicht so lange wie bei einem, der vielleicht in den 20ern oder 30ern ist oder in den 40ern. Das heißt, die Wahrscheinlichkeit, dass dieser Reset, im Zuge der nächsten 10, 15 Jahre kommt, die musst du selbst einschätzen. Ich kann es nicht, ich kann nur sagen, dass für mich ein Reset wahrscheinlich ist, aber ob er tatsächlich schon in dieser Zeit kommt, kann ich auch nicht beurteilen.

Solange er nicht kommt, bist du natürlich mit dividendenstarken Versicherungsunternehmen gut bedient. Wenn er kommen sollte, dann nicht. und ich nehme mal ein Beispiel von Warren Buffett, der ja sehr stark in gewissen Versicherungsaktien investiert ist. Für seinen Anlagehorizont mag das ja sicherlich auch vernünftig sein, weil er ist jetzt über 90. Ich glaube nicht, dass zu seiner Lebzeit noch dieser Reset kommt. Allerdings, wenn es dann um sein Unternehmen geht, nämlich Berkshire Hathaway, mit dem er ja in diesen Versicherungsunternehmen auch investiert ist, dann schon er. So ein Unternehmen ist ja ganz langfristig ausgerichtet und in der Lebensdauer dieses Unternehmens halte ich einen Reset schon für wahrscheinlich. Also um es mal lange Rede, kurzer Sinn, Warren Buffett ist sicherlich ein ganz, ganz toller Anleger, völlig klar. Ich glaube nicht, dass er das Szenario eines Resets in seine Überlegungen einbezogen hat, zumindest nicht in die langfristigen Überlegungen seines Unternehmens.

Klar, weil es viele auch nicht erkennen und nicht so sehen. Wir sind ja vielleicht noch eine Minderheit, auch gerade mit diesem Podcast, die diesen Reset in Zukunft irgendwann mal für wahrscheinlich halten. Aber das tun noch viele und wie gesagt auch große Player nicht und Warren Buffett gehört sicherlich zu den großen Playern. Also da ist auch spannend, einfach die weitere Entwicklung abzuwarten. Lieber Peter, für dich, ich würde jetzt nicht alle dividendenstarken Versicherungsunternehmen aus deinem Portfolio rausschmeißen, zumal du ja auch als Pensionär sicherlich auf die Dividenden Wert legst, also die regelmäßigen Einnahmen, die du dann zur Aufbesserung deiner Pension nutzen kannst. Behalte das mal, aber rechne durchaus damit, dass wenn es zum Reset kommt, du mit diesen Unternehmen dann besonders hohe Verluste erleiden wirst. Brichter und bellet ntv.de oder gmail.com. Das ist euer Draht zu uns oder zu Raimunds persönlichen Links mit Blick auf die Renditen der Staatsanleihen. Das war es für heute. Wir wünschen euch eine gute Woche und vor allem frohe Ostern und dann hören wir uns in der kommenden wieder. Ja, lasst euch schön beschenken. Ciao, ciao.