Wasser hat eine unglaubliche Heilkraft, der wir uns nicht entziehen sollten.

Dr. Anne Fleck Gesundheit und Ernährung, Unsere Reihe über Naturheilverfahren geht heute weiter mit Kneipp und den Kneipp-Anwendungen. Die kann jeder eigentlich ganz leicht zu Hause machen und sie können richtig gute Auswirkungen auf unser Wohlbefinden haben. Aus diesem Grund gehört dieses Thema zur Reihe DocFlex, kleine Hebel, große Wirkung. Und hier, das bin ich, Dr. Anne Fleck, genannt DocFlex, Fachärztin für Innere Medizin, Rheumatologie und Ärztin für Präventiv- und Ernährungsmedizin. Und Kirsten Frintrop, das bin ich, Redakteurin und Co-Host dieses Podcasts. Ja, die Kneipp-Anwendungen sind super alt, knapp 200 Jahre schon und die werden heute immer noch gemacht. Der Name, ich werde jetzt mal einmal kurz ein bisschen in die Geschichte gehen, geht auf Sebastian Kneipp zurück. Der bekam Anfang des 19. Jahrhunderts als junger Mann ein Buch in die Hände über die Kraft und die Wirkung von Wasser. Und weil er selbst Tuberkulose hatte, probierte er das einfach mal aus. Er stieg also mitten im Winter in die eiskalte Donau und dann ging er ins warme Bett und er wurde tatsächlich gesund. So die Kurzversion der Geschichte, das hat ihn so beeindruckt, dass er das Wissen darüber unbedingt an andere weitergeben wollte. Daher auch sein Spitzname oder Beiname Wasserdoktor. Sebastian Kneipp probierte auch Güsse und Bäder aus. Ja und so war das Kneippen als ganzheitliche Gesundheitsmethode geschaffen.

Ja, ich bin, wer mich so ein bisschen kennt, ja ein unglaublicher Fan von Sebastian Kneipp. Das liegt ja bei uns in der Familie, weil mein Urgroßvater Karl ihn persönlich kennenlernte. Die schätzten sich. Kneipp hat ihn wirklich zur Gesundheit gebracht. Und daraus entstand eine tiefe Verbindung. Und mein Urgroßvater hat dann bei mir zu Hause im Saarland quasi auch mit die Kneipp-Kneipp, Bewegung auf die Beine gestellt, hat seinen Keller ausgeräumt und da Kneipp etabliert und seine Tochter, meine Oma Anna, von der ich auch meinen Namen habe.

Die war wirklich eine begeisterte Kneippianerin und das Witzige war, mein Kinderzimmer war über ihrem Zimmer im Haus und die hat wirklich jeden Morgen um 5 Uhr ging unten, der Wasserhahn rauschte und die hat sich dann erstmal, ne, typisch Kneipp, Oben, Oberkörper kalt abgeduscht, kann man jetzt nicht sagen, um die Lymphe zu aktivieren. Und ich habe die Oma Anna nie mit einer Erkältung erlebt. Die wurde auch biblisch alt bei einer guten Gesundheit. Und ich finde, was er entwickelt hat... Das ist wirklich ein zeitloses, ganzheitliches Gesundheitskonzept, was eigentlich alle bisher irgendwo nur nachahmen. Und das ist auch gut so, wenn man Kneipp schätzt und nachahmt. Er hat nicht nur die Wassertherapie, die Hythotherapie etabliert. Er hat gesagt, Bewegung ist wichtig, Bewegungstherapie. Er hat gesagt.

Besser essen ist wichtig, Ernährungstherapie. Er hat die Phytotherapie etabliert, die Heilpflanzenkunde. Und was ich auch sehr wichtig finde, die Ordnungstherapie. Also so nach dem Motto, du musst auch Ordnung in dein Leben bringen, in deinen Geist bringen, nur dann kannst du gesund sein. Und auch, wen er alles behandelt hat. Er hat ja im Laufe seines Lebens so eine Bannbreite an Menschen geholfen. Und soziale Unterschiede waren ihm komplett pupsegal. Also ob da der König, der Papst oder der Bettler gesessen hätte, das war ihm auch aufgrund seines christlichen Weltbildes komplett egal. Er hat auch sehr viele Armen- und Waisenkinder geholfen und legte auch immer darauf Wert, diese mittellosen Menschen zu behandeln. Er hat die auch kostenlos behandelt und hat ja Stiftungen gegründet. Und das ist einfach beeindruckend. Sein prominentester Patient war ja in der Tat wirklich ein Papst, Papst Leo XIII. Den hat er damals in Rom behandelt und.

Da einfach auch seine Spuren hinterlassen. Es ist hoch, hoch spannend. Man kann da auch nur staunen über dieses Lebenswerk. Und deswegen habe ich ja auch Kneipp und die Kneipp Medizin als festen Teil meiner Methode reingeholt. Weil ich finde, wenn du dich ganzheitlich ärztlich arbeitend verstehst, dann gehört auch so etwas mit rein. Und die Kneipp Medizin verbindet das alles. Und deswegen finde ich, hat sie ihren Platz absolut verdient.

Ja, das Grundprinzip von Kneipp ist ja, die Selbstheilungskräfte im Körper zu stimulieren, indem wir so ein bisschen aus der Komfortzone rausgehen. Wir werden jetzt gleich nochmal weiter auf die einzelnen Kneippschen Methoden eingehen. Wir haben ja zuerst mal die nassen Anwendungen im Kopf, aber es gibt ja auch die trockenen Kneipp-Anwendungen. Da wird die Haut gebürstet und zu beiden gehören dann noch die pflanzlichen Wirkstoffe, die Bewegung und die Ernährung. Du hast es gerade schon einmal kurz gesagt. Ich würde sagen, Anne, wir starten mit den nassen Anwendungen, den Kneippgüssen und dem Wassertreten. Wofür sind die gut und was können wir damit vorbeugen? Eins noch vorweg, also auch bei uns zu Hause im Saarland gab es früher sehr, sehr viele Kneippbecken überall. Du konntest also im Wald dir einfach mal Schuhe und Socken ausziehen und eine Runde gehen. Ich bedauere, dass es doch immer mal wieder Ecken gibt, wo du dachtest, da war doch mal ein Kneippbecken und die werden dann zu irgendwas umgebaut. In Bayern sind noch ganz viele. Ja, also liebe Bayern, kämpft für eure Kneippbecken. Es wäre einfach dumm, das aufzugeben.

Und jetzt zur nassen Anwendung der Knieguss. Den mache ich zum Beispiel dann zu Hause nicht im Kneippbecken, sondern banal unter der Dusche. Was macht man da? Also sehr kaltes Wasser von außen, vom Fuß, rechts am besten, also nicht der Herzseite, bis über das Knie führen. Dann nach unten gegenseite wieder zurück und so etwa von der Dauer 30 bis 60 Sekunden pro Bein. Das kann man täglich machen oder so drei bis fünf Mal pro Woche. Was fördert das? Die gesamte Durchblutung und die Stärkung der Venen. Ähnlich toll sind auch die Nassanwendung der Armbäder. Also einfach die Unterarme in kaltes oder wechselwarmes Wasser tunken, so 30 Sekunden bis eine Minute. Wenn man Wechselbäder machen will, so etwa fünf Minuten. Das kann man auch täglich machen oder bei Bedarf. Das regt den Kreislauf an und belebt bei Müdigkeit. Also was ich sagen will, man muss hier nicht eine Eistonne gleich sich organisieren und die Vorstellung löst jetzt auch nicht bei jedem Begeisterung aus. Ich bin da nicht so, ich bin ja so ein kleines Frostbäulchen, aber hier kann man gleich was machen und ab jetzt unter der Dusche.

Oder wenn man jetzt wirklich so ein Kleidbecken im Visier hat, dieser Storchengang, das Wassertreten, die Beine schön abwechselnd anheben wie so ein kleiner Storch, das auch mal so 30 Sekunden, eine Minute, zwei Minuten. Und wer die Chance hat, das mehrmals die Woche zu machen, der ist natürlich sehr gut bedient, das stärkt das Immunsystem, fördert die Durchblutung. Was ich aber auch empfehlen kann, ist so eine feuchte Anwendung als Wickel oder Packung. Also wir wissen ja, ein Leberwickel, ein Darmwickel, das bringt schon eine Menge. Man kann also nicht nur auch mit warmen Wickeln arbeiten, sondern auch mit feuchten, kühlen Tüchern, die man um zum Beispiel die Waden wickelt. Wenn man Fieber hat, ist das bekannt als Wadenwickel.

Also da ist es auch eine klassische Anwendung, Fiebersenkung, so 10, 20 Minuten, je nachdem wie hoch man Fieber hat. Aber es wirkt auch beruhigend und entlastend. Also wenn man zum Beispiel beruflich den ganzen Tag steht, zum Beispiel hinter einem Einkaufsriesen und man denkt, die Beine sind aber heute ganz schön, dann finde ich ist auch so ein kleiner Wadenwickel eine Wohltat für die Beinchen. Also so gibt es da eine ganze Menge. Allein schon ohne Kneippbecken kann man viel machen. Und das hat ja auch kaum Nebenwirkungen. Ich glaube, das ist auch noch ein wichtiger Punkt. Richtig. Und das begeistert mich immer. Wir hatten ja auch in der letzten Dogflex-Sprechstunde in unseren Wundertüten auch Themen, wo man wirklich sieht, wie wertvoll es ist, wenn man doch noch einen nebenwirkungsfreien oder armen Joker in petto hat. Warum nicht auch das mit einbeziehen? Es macht doch einfach nur Sinn.

Anne, wie kalt sollte das Wasser sein? Naja, ich würde mich langsam runterdimmen. Jeder hat ja so ein bisschen eine individuelle Kältetoleranz. Offiziell sagt man so 8 bis 12 Grad. Ich bedauere, dass bei mir zu Hause das Wasser gar nicht so kalt wird manchmal, wie ich es mir wünschen würde. Also jetzt in dem Winter war es dann doch mal ein bisschen schön kalt. Aber manchmal denke ich, es könnte noch ein bisschen kälter werden. Das ist aber Gewohnheitssache. Die Wasseranwendung an sich ist schon mal sehr, sehr gut. Und auch wie es meine Oma Anna gemacht hat, das ist ja auch belegt, dass diese kalte Waschung vom Oberkörper, die die Lymphbahn berücksichtigt, was hilft. Ich war ganz begeistert, auch nach einer Folge vom Podcast. Es gibt eine sehr liebe Hörerin Julia, liebe Grüße an Julia, deren Kinder, die hat drei kleine Jungs mit ihrem lieben Mann, die gehen in eine Kneipp-Kita. Das finde ich ja niedlich. Dort haben die Kinder, also wo dieser Schnee hier in Norddeutschland war, vor ein paar Wochen mit Begeisterung sind die mit ihren Füßchen durch den Schnee gestapft.

Und das fände ich toll. Also ich habe mich total gefreut, dass es das gibt. Und ja, würde mir wünschen, dass das viel, viel mehr berücksichtigt wird. Weil dann bringt man den Kindern schon in der Kita, im Kindergarten bei, wie nebenbei Gesundheit entsteht. Und das ist ja auch, da sind wir jetzt bei den Punkten, wofür es noch überall gut ist. Es ist ja auch gut, um das Immunsystem zu stärken, die Abwehrkräfte. Und zu entspannen. Also das macht ja auch sehr, sehr Stressrelienz, weil es eben auch auf das Vegetativum wirkt. Das ist ja auch noch so nebenbei. Also ich glaube, dass sowieso dieses Fach Psychoneuroimmunologie, was alles darauf wirkt, Bewegung, Schlaf, Stressmodulation, Meditation, das Gebet, wenn es zu einem passt, aber auch Kälte, Reize uns da wahnsinnig helfen können. Das ist wirklich eine der Königsdisziplinen, die Kneipp sozusagen...

Alle über seine Art der Therapiestränge beeinflusst hat. Und wie ist es bei Bluthochdruck? Hilft es da auch? Absolut. Also wir wissen, dass Bluthochdruck sehr, sehr gut durch Kneipp-Medizin beeinflusst werden kann. Also Kneipp-Medizin, Akupunktur, Ernährungsintervention, dann tolle Omega-3-Fitzsäuren mit DHA, EPA, Magnesium, Kalium. Da kann man zuschauen, wie man langsam den Blutdruck in den Griff bekommt. Und natürlich gehört auch Schlaf und so weiter dazu. Und das hilft, Medikamente einzusparen, bei dem einen oder anderen sie sogar komplett zu verabschieden. Das kann man jetzt nicht für jeden rausempfehlen. Oder das sollte immer ärztlich kontrolliert und abgestimmt sein. Aber das ist so toll, das zu sehen, was alles möglich ist. Mit kleinen Hebeln und der großen Wirkung. Deswegen bin ich ja so ein Riesen-Fan. Weil das war auch ganz schön, dass ein Freund von mir mal gesagt hat...

Ja, Anne, du stehst für mich mit deiner Medizin oder deinen Empfehlungen auch für kleiner Hebel große Wirkung. Mach das Komplizierte einfach. Und deswegen war es uns ja auch ein Anliegen, diese kleine Reihe hier im Podcast zu starten. Die Menschen zu befähigen, in die optimale Kraft zu kommen, sich nicht abhängig zu machen von tausend anderen Sachen, sondern das kannst du, das können sie wirklich machen. In der Recherche für diesen Podcast, für diese Podcast-Folge, habe ich auch immer wieder gelesen, dass wir auch die Beschwerden der Wechseljahre mit Kneipp-Anwendung, naja, ich sag mal lindern können. Was sagst du dazu? Wir hatten ja eben schon so ein paar Sachen wie die Durchblutung fördern, das Wohlbefinden fördern. Absolut. Also das ist ja das, dass man quasi wie mit so einem Fächer alles aufklappt. Und ich kann nur jedem empfehlen, der auch mit Wechseljahren Probleme hat, einige Strategien von Kneipp zu übernehmen. Ich meine allein, man kann ja auch mit einer trockenen Anwendung von einer Bürste die Lymphdrainage stärken. Man kann durch die Bewegung auch so viel für den Grundumsatz tun, für die Durchblutung. Tun, die die Formel, ob das jetzt ein Spaziergang ist, ob das mehr ein Schwimmen ist, ob das mehr in Gymnastik ist, ob das Barfußlaufen ist, Wassertreten ist.

Es wirkt enorm. Es gibt auch einen Stoffwechselboost, es aktiviert die Verdauung, es fördert den Energieumsatz, es unterstützt auch die Stabilität des Gewichts, die Stabilität der Durchblutung, es senkt das Risiko für Herz-Kreislauf-Beschwerden, Es baut den Stress ab, es fördert unsere Entspannung, macht besseren Schlaf. Ich kann mir gar nichts Besseres vorstellen, als diese ganzen Elemente von Sebastian Kneipp ausdrücken.

Einzubauen. Schade, ich würde immer gerne Zeitreise machen zurück in die Vergangenheit und hätte das so gern miterlebt, wenn der Uropa mit dem Kneipp da in einem Raum sitzt. Ich glaube wirklich, dass das mit Sicherheit diese Historie in meinem Familienleben auch doch sehr stark auf mich gewirkt hat, weil ich einfach gesehen habe, durch das Leben meiner Oma, aber auch durch das Vorbild oder auch meine Eltern Und dann auch meine Mutter, die sehr naturheilkundlich inspiriert war. Erstmal gab es da mal das vielleicht zum Gurgeln. Und das hat mich so geprägt. Das wird mir jetzt erst auch durch diese Folge so klar. Ja, schön. Dann kommen wir jetzt zu den trockenen Kneipp-Anwendungen. Da steht, glaube ich, das Bürsten im Vordergrund. Wofür ist das gut? Genau, also Kneipp ist nicht nur kalt und ins Wasser springen oder sich abwaschen oder wickeln, sondern dieses Bürsten, vor allem der trockenen Haut. Und zwar mit einer Naturbürste in Richtung Herz. Und das hilft, wie ich eben schon angedeutet habe, auch gut vorbeugend lindern bei Wechseljahrproblemen.

Es hilft aber jedem, ob es jetzt ein junger Mensch ist oder ein alter Mensch. Es fördert nämlich die Lymphdrainage. Und je besser die Lymphdrainage, umso besser auch die Entgiftung, umso besser die Krebsabwehr. Die Durchblutung wird nebenbei gefördert, weil Lymphgefäße auch wie so Geschwister neben den Blutgefäßen laufen. Und dieser mechanische Reiz durch diese Trockenbürste ist enorm. Und nebenbei entfernt die Bürste auch abgestorbene Hautzellen. Das macht also eine viel glattere, durchblutete Haut. Es stärkt auch die Abwehrkräfte. Diese regelmäßigen Reize über die Haut stimulieren auch unser Immunsystem. Und was auch interessant ist, es gibt wirklich studienbelegte Wirkungen, man hat einen besseren Schlaf und der Stress wird reguliert. Also man kann sich doch einfach auch mal eine Trockenwürste neben das Bett legen, auf den Nachttisch belegen. Und dann morgens oder abends, bevor man sich dann vom Tag verabschiedet oder in den Tag startet, einfach mal vielleicht die Arme oder die Beine mit dieser kleinen Bürste wach küssen. Wäre zum Beispiel eine Möglichkeit, weil man sich ja dann immer fragt, wann soll ich denn das machen. Genau, gibt es eine gute Uhrzeit oder gibt es eine bessere Uhrzeit, das zu machen morgens oder abends? Nee, ich finde Hauptsache es ist gemacht.

Wie oft sollte ich es denn machen? Also einmal am Tag ist doch schon mal was. Ich glaube, allein wenn man schon mal jetzt anfängt, morgens oder abends ein, zwei Minuten mit so einer Trockenbürste in den Beinen und Armen zu arbeiten, ist schon so viel gewonnen. Wie mache ich das genau, Anne? Wie muss ich mir das vorstellen? Also streiche ich gerade oder gehe ich in kreisenden Bewegungen über den Körper? Eigentlich gerade. Man streicht das so aus von quasi von dem Bein in Richtung Herz nach oben oder von dem Handgelenk in Richtung Herz nach oben. So wie wenn man sich jetzt mit einer Hand so langsam vom Handrücken oben Richtung Herz fährt. Das kann man dann vom Oberarm Außenseite, Oberarm Innenseite machen. Und ja, ich sage euch, die Lymphe, die wird sich freuen, die wird jubeln. Und wenn wir uns da vorstellen, was alles im Lymphsystem passiert, die Lymphknoten, da wird quasi die ganze geheimen Kommandozentrale der Abwehr gesteuert. Also da passiert eine ganze Menge. Und auch natürlich beim Thema Kneipen, dein Spezialgebiet wieder, die Ernährung. Die spielt natürlich auch eine Rolle. Ich dachte, du sagst jetzt Bewegung. Die Bewegung.

Können wir auch erst drüber sprechen. Dann nehmen wir erst die Bewegung mit rein. Nein, aber nein, wir machen erst mal die Ernährung. Okay. Ja, also die Ernährung, das fand ich ja auch so toll, dass Kneip die schon so früh mit ins Boot geholt hat. Es ist ein wichtiger Hebel. Er hat auch damals schon zeitlos empfohlen, die Leute sollen vollwertig essen, vielfältig essen, vorwiegend pflanzlich essen, regional, saisonal, wenig verarbeitet und sein Leidsatz war. Im Maße liegt die Ordnung. Und wissenschaftlich ist ja belegt, dass genau diese Ernährungsempfehlungen anti-entzündlich wirken, das Mikrobiom stärken und auch eine tolle Kontrolle des Gewichtsbahnen. Umsetzung einer besseren Ernährung im Alltag, also was heißt das, doch mehr Gemüse und Obst im Alltag integrieren, mindestens fünf Portionen, hochwertige Öle ausreichend trinken und die Genussmittel jetzt nicht so in den Vordergrund stellen. Damit haben wir schon eine unglaubliche Rezeptur, die sich so banal anhört, die eigentlich auch sehr einfach ist, aber die bringt es. Ich würde gerne noch auf das Thema Heilpflanzen zu sprechen kommen.

Also die Heilpflanzen, die Phytotherapie ist für Sebastian Kneipp die Apotheke der Natur. Die quasi uns geschenkt wurde, damit wir damit arbeiten, um die Körperfunktion sanft zu regulieren und auch Beschwerden zu verhindern und frühzeitig zu lindern. Und er sieht sie ganz klar wie die anderen Säulen in einer Band. Also die gehören alle zusammen und die ergänzen sich gegenseitig. Also Wasser, Bewegung, Ernährung, Lebensordnung. Heilpflanzen sind ja auch in der rationalen Phytotherapie wissenschaftlich geprüft. Und was ganz wichtig ist, man unterschätzt immer die Kraft der Heilpflanzen. Also die sind teilweise sehr, sehr machtvoll. Was ich toll finde, die meisten Tipps lassen sich gut in den Alltag integrieren. Denke ich jetzt nur mal an den Tipp, Giersch aus dem Garten nicht ärgern, sondern genießen.

Brennnessel aus dem Garten, das sind ja unglaubliche Gesundmacher. Spülung der Niere, Brennnessellieferziel, Siliziumstärkung des Bindegewebes.

Der übrigens auch elektrischen Abläufe im Körper. Und die Anwendungsformen, die hat uns auch Kneipp damals schon auch so in schöner Ordnung beigebracht. Wie kann man denn die Pflanzenheilkunde anwenden, ob das jetzt in Form innerlich ist als Tee, als Extrakt aus Blüten, aus Blättern, aus Wurzeln, also zum Beispiel ein heiß aufgegossener Lindenblütentee.

Ist sowas. Oder äußerlich die Salden, die Umschläge, die Wickel, der Badezusatz oder der Heusack oder ein Kamillewickel bei Entzündung, ein Heublumenbad zur Entspannung und natürlich auch Phytotherapie direkt als Ernährung. Also Gewürze sind ja Phytotherapeutika. Wer Brennnesselsamen in sein Risotto macht oder in Salat. Ich liebe ja Brennnesselrisotto über alles. Oder Petersilie als Verdauungsförderer. All das sind Möglichkeiten. Und so kann man eigentlich eine Summe an Tipps jetzt noch extra in der Folge aufführen, was da alles geht. Ob das jetzt der Löwenzahntee ist, der die Lebergallentätigkeit anregt und das Darmmikryom fördert. Ob das Anika bei Brellungen ist, ob das Baldrian-Hopfen-Tee ist, also bei nervlicher Überreiztheit oder Schlafproblemen. Oder auch ein Lavendelöl ins Fußbad für mehr innere Ruhe. Es ist immens. Und was ich so toll finde, wie funktionieren die eigentlich?

Die Heilpflanzen funktionieren vor allen Dingen, dass sie den Körper in die gesunde Regulation bringen. Ich würde auch meine Sichtweise der Medizin und der modernen Medizin nicht nur auf Prävention ausrichten wollen, sondern dass die Menschen funktionell besser in die Regulation kommen, dass sie sich selber wieder besser selbst heilen können. Und das funktioniert über die Kraft auch dieser Phytotherapeutika.

Man muss aber sagen, dass Heilpflanzen ja eher als sanfte Reizmittel verstanden werden und die dazu dienen, gestörte Regelkreise zu harmonieren. Aber es ist auch hier immer zu achten, was man einsetzt. Also ich denke jetzt nur mal an Kurkuma als Gewürz. Das ist ein absolut machtvolles pflanzliches Heilmittel, was toll wirkt, anti-entzündlich, liefert Anti-Entzündungskraft bei Leber, Galle, Beschwerden und so weiter und so fort. Problematisch wird es aber, wenn Leute unreflektiert wegen irgendeinem Hölzchen, über das man auf Social Media gesprungen ist, dann noch voller Stolz erzählen. Und ich mache jetzt jeden Morgen meinen Kurkuma-Shot und stattdessen aber Medikamente einnehme und es überhaupt den Menschen nicht erzählt wird, dass Kurkuma sehr wohl Leberenzyme massiv beeinflusst und damit auch die Wirkung der Medikamente. Deswegen ist es auch immer so wichtig, wer ist der wirkliche Absender der Information?

Also wir haben ja einen Wildwuchs an Informationen. Der Dschungel draußen ist ja ein Dickicht geworden. Und da, so groß ich eine Verfechterin der Pflanzenheilkunde bin, so weiß ich auch um ihre Macht, natürlich auch um ihre eigentliche Nebenwirkungsarmut, aber auch hier gibt es die Grenzen. Das sehe ich bei Kurkuma. Also das sollte immer hinterfragt werden. Vor allen Dingen, jetzt nicht Angst vor Kurkuma haben, aber wer viele Medikamente, klassische Medikamente einnimmt, ich rede jetzt nicht von Nahrungsergänzungen, das sind ja keine Medikamente, da muss eine Kurkuma-Zufuhr hochdosiert und regelmäßig sein. Kontrolliert und indiziert sein. Vielleicht mal noch einen Tipp am Rande. Und wir klären hier im Podcast immer ein bisschen weiter noch auf. Genau, wir laufen die Extrameile. Ja, genau. Wir kommen noch mal zurück auf die fünf Säulen. Jetzt hatten wir das Wasser und das Bürsten. Wir hatten die Heilpflanzen und auch die Ernährung. Jetzt geht es zur Bewegung. Ich meine, ohne kräftige Muskeln, ohne eine gewisse Kondition geht es ja sowieso nicht im Leben. Was empfiehlst du da im Rahmen von Kneipp? Kneipp kommt mir da sehr zu Pass. Bei mir ist ja das Gehirn der stärkste Muskel noch.

Und bei Kneipp ging es nicht um jetzt hier schneller, höher, weiter Leistungssport. Er vertrat ganz klar die These, regelmäßig ist wichtig und natürliche Aktivität im Alltag. Also das Ziel ist, den Körper in seinem gesunden Funktionieren anzuregen, ohne ihn krass zu überfordern. Also gestern hatte ich einen jungen Manager als Patienten, der macht Spinning, aber der macht Spinning so krass, dass er nachts nicht mehr schlafen kann oder dass auch die Mytochondrien vermutlich, so wie es sich anhört, schon nicht mehr gut in Shape sind. Also finde ich den Kneipschen Gedanken da gar nicht schlecht. Moderates Ausdauertraining, sanfte gleichmäßige Bewegung. Also zum Beispiel Kneipp wäre dann Fan heute zu sagen, geht doch mal spazieren an der frischen Luft, 60 Minuten, 30 Minuten, mehrmals die Woche rein in den Wald. Schwimmen als gelenkschonendes Ganzkörpertraining, auch mal so einmal die Woche 20, 30 Minuten. Also so ein ruhiges Bahnen schwimmen, Wäre eher Sebastian Kneipps Art gewesen. Und natürlich auch jede Form von Gymnastik oder Yoga, Dehnübungen, Pilates. Barfußlaufen ist ja wirklich was ganz Tolles, was die Kneipp Medizin groß gemacht hat. Das kann man auch mehrfach die Woche machen. Und natürlich auch das Bewegen im Wasser, das Wassertreten.

Jetzt hatten wir gerade schon ganz viele Punkte aus der fünften Säule von Kneipp, nämlich die Balance im Leben. Du hast es gerade schon gesagt, Yoga, autogenes Training gehört auch noch dazu, dass wir den Geist und den Körper in Einklang bringen und auch mit der Natur. Also sprich viel nach draußen gehen, sich viel im Wald aufhalten, wenn man die Möglichkeit hat. Und er sagt, wer innere Ordnung hat, der ist dann mit sich im Gleichgewicht und insgesamt aufgeräumter. Würdest du das auch unterschreiben? Absolut. Absolut. Also das merke ich auch bei uns in der Praxisarbeit. Viele Menschen sind sehr, das liegt aber auch an der heutigen Zeit, sehr verwirrt, still confused on a higher level. Es gibt viele mehr Ängste oder auch nur kleine Sorgen. Ich glaube, wenn man sich dann versucht, wirklich Zeit zu nehmen, sich ein bisschen zu ordnen, Luft zu holen und sich darauf zu besinnen, worum geht es eigentlich im Leben, warum bin ich hier, also diese wirklichen Fragen sich zu stellen.

Das verstehe ich auch unter einer Ordnung, wie sie Kneipp empfunden hat. Es geht jetzt nicht darum, dass du die Unterwäsche bügelst oder wie du die in deinen Schrank einräumst. Es geht vor allen Dingen, die Ordnung im Kopf zu haben. Ich glaube, eine Socke hätte auch mal bei Kneipp vielleicht rumliegen können. Aber es geht so um Struktur. Also ich merke auch, dass Struktur Mangel Menschen krank macht. Also die Struktur, morgens doch was Sinnvolles zu machen, aufzustehen, das macht gesund. Also ich merke auch, wenn Leute manchmal, jetzt hatte ich auch einen Patientenroutine.

Der sich extra, es war auch ein vielbeschäftigter Managertyp, der gesagt hat, ich mache jetzt mal eine Auszeit von zwei Monaten, in der Zeit ging es ihm total schlecht. Also der hat mehr Symptome entwickelt als mehr denn je. Das heißt, das ist genau das. Der Mensch braucht Struktur, der braucht Rituale, der braucht einen sozialen Kontext, der braucht eine erfüllende Arbeit, der braucht eine Ordnung. Was tut meinem Körper gut? Was tut meiner Seele gut? Und da möchte ich mit dieser Folge uns alle motivieren, ein bisschen auf die Suche zu gehen. Weil das ist die Säule, finde ich, die gerade, das ist so die ganz große in der Mitte des Raums, an die sich die anderen so ein bisschen anlehnen. Weil Ordnung ist ja wichtig für, wie gestalte ich meine Ernährung. Ordnung schaffe ich in dem Gedanken, welche Bewegung tut mir gut. Das würde ich mal nach der Folge ein bisschen durchspielen die Woche. Das wäre sehr spannend fürs Leben, glaube ich. Ich habe noch ein paar interessante Fakten zum Kneipen gefunden. Das Kneipen ist 2015 in das bundesweite Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes der UNESCO aufgenommen worden. Das hast du doch bestimmt gefeiert. Ist schon ein bisschen her, aber... Ich kann mal jetzt noch mal eine Feier machen. Können wir jetzt noch einen Tee drauf trinken.

1953, 2021, zum 200. Geburtstag von Kneipp und zu seinem 100. Todestag bekam Sebastian Kneipp jeweils eine eigene Briefmarke. Finde ich auch toll. Schade. Die hätte ich gerne. Das ist toll. 2021 ist ja noch nicht ganz so lange her zu seinem 200. Geburtstag. Gucken wir mal.

Und in Deutschland gibt es über 600 Kneipp-Vereine und die Bücher von Sebastian Kneipp werden auch heute immer noch verlegt. Unter anderem ein Buch, das heißt So sollt ihr leben. Das steht doch garantiert auch bei dir im Schrank. Das steht bei mir im Schrank in zweierlei Fassung in altem Süderlin, was ich noch lesen kann. Ich habe aber noch diese ganz alten Bücher und ich habe es mir aber auch noch mal gerade erst vor zwei Jahren oder so neu gekauft, um es noch mal in einer normalen Bindung zu haben. Ist das Sütterlin-Buch von deiner Oma? Ja. Eine schöne Vorstellung, so ein Buch im Schrank zu haben. Herrlich. Genau. Danke, Anne. Das war wieder sehr bereichernd und sehr erhellend in vielen Punkten. Das hoffe ich sehr. Und ich hoffe, dass alle, die uns hier in diesem Podcast begleiten, und wir dürfen ja alle da draußen begleiten, empfehlen Sie. Empfehlt bitte unsere wichtige Arbeit weiter. Gebt uns Sterne, sprecht darüber. Denn es lohnt sich nicht, auf ein anderes Gesundheitssystem zu warten. Wir müssen selber in Schwung kommen. Und deswegen machen wir diese Arbeit hier so gerne. Alles Liebe und vielen Dank. Und in der nächsten Folge geht es dann wieder um eure Themen und Fragen. Wir machen eine weitere Dogflex-Sprechstunde auf. Die Post geht per Mail an uns raus an podcast.dogflex.com. Bis nächsten Mittwoch. Bis dann und macht was draus.

Dr. Anne Fleck – Gesundheit und Ernährung.