Heute wieder ein ganz bunter Strauß an Themen in der DocFleck Sprechstunde und es geht rund von Schlaf bis Rosazia. Mehr verrate ich jetzt noch nicht. Los geht's.
Dr. Anne Fleck, Gesundheit und Ernährung. Ja genau, viele E-Mails, viele verschiedene Themen heute wieder. Anne Sprechstunde hat geöffnet. Und wir, das bin ich, Dr. Anne Fleck, genannt DocFleck, Fachärztin für Innere Medizin, Rheumatologie und Ärztin für Präventiv- und Ernährungsmedizin. Und Kirsten Frenthroppe, Redakteurin und Co-Host dieses Podcasts. Wir starten direkt mit einer Hörerin, die anonym bleiben möchte. Ich wende mich mit großer Sorge an Sie und hoffe sehr auf Ihre fachliche Einschätzung. Ich schreibe Ihnen bezüglich meines Partners. Der ist Anfang 20 und leidet seit etwa einem Jahr unter massiven gesundheitlichen Problemen. Hintergrund, bei ihm wurde Morbus Meulengracht diagnostiziert. Sein Vater hat das auch. Er hat Schlafstörungen, Angstzustände, depressive Episoden sowie wiederkehrende Übelkeit, starke Erschöpfung und erhebliche Verdauungsprobleme. Letztere auch mit Fruktose- und Laktoseunverträglichkeit, sowie auf Paprika, Tomaten, Rote Beete etc. Außerdem hatte er im Jugendalter eine schlimme Neurodermitis mit vereinzelten Ausschlägen bis heute. Insgesamt verliert er zunehmend an Gewicht und wirkt körperlich wie psychisch immer labiler. Wir ernähren uns beide überwiegend vegan-vegetarisch, was ihm auch ethisch sehr wichtig ist. Allerdings verträgt er mittlerweile viele Lebensmittel nicht mehr, aber wir achten auf genügend Proteine und alle wichtigen Nährstoffe. Er wurde bereits mit Antidepressiva behandelt, diese hat er jedoch nicht gut vertragen.
Daher meine Fragen. Inwiefern können ernährungsmedizinische Ansätze bei einer solchen Symptomkonstellation sinnvoll sein? Gibt es Nährstoffe oder Präparate, die Sie bei Schmerzen, Erschöpfung, Verdauungsproblemen, Stimmungsschwankungen für unterstützend halten? Uns wurde immer wieder gesagt, es handele sich bei Morbus Meulengrach nicht um eine Krankheit, weswegen kein Arzt die Diagnose bisher ernst genommen hat. Das macht mich wirklich wütend. Würden Sie in einem solchen Fall eher zu einer Abkehr von vegan-vegetarisch raten? Oder gibt es auch innerhalb dieser Ernährungsweise therapeutisch sinnvolle Optionen? Sehr viele Fragen, Anne. Sehr viele Fragen und eigentlich müsste ich jetzt hier sagen, nicht Praxis Dr. Fleck, sondern Detektei Dr. Fleck. Ich versuche jetzt mal alles ein bisschen auch für die, die uns zuhören, zu ordnen. Der Partner ist also in einer klassischen, bisher nicht so anerkannten Situation von verschiedenen Symptomen.
Morbus Meulenkracht gilt so einzuordnen, das ist jetzt nicht, dass das eine hochdramatische Erkrankung ist. Man muss aber auch sagen, dass die medizinische Anerkennung von Morbus Mollenkracht wirklich mangelhaft ist. Das wird aus der Sicht der Hörerin berechtigt, so eingeschätzt. Das Syndrom, Wird jetzt, wie ich sagte, als nicht eine Krankheit im engeren Sinne eingeschätzt, weil die Leberfunktion, das geht alles in Richtung Leber und die Leber ist ja auch die Heldin der Verdauung des Stoffwechsels und der Entgiftung, nicht geschädigt ist.
Und da kann ich mir vorstellen, dass viele auch im Medizinberuf die einhergehenden Symptomatiken eher geringschätzen und dann vielleicht auch leicht so eine psychosomatische Sache unterstellen, was aber gar nicht ist. Ich glaube, dass es hier weitere Aspekte gibt, nämlich Sekundärfolgen im Darm. Wir hatten in einer unserer letzten Fragerunden den Fall eines kleinen Jungs, der sehr viele Probleme hatte mit wässrigen Durchfällen und so weiter, wo ich den Verdacht hatte, dass er eine Überwachsung der Dünndarmschleimhaut mit Bakterien hat, eine SIBO. Und daraus können auch psychische Symptome manifest werden. Sowas kann ich mir hier auch gut vorstellen. Und jetzt zu der Frage der Hörerin, die sich ja berechtigt Sorgen macht.
Die Ernährungsmedizin und auch nährstofftherapeutische solide Ansätze sind hier nicht nur irgendwie sinnvoll. Die sind existenziell und essentiell. Und jetzt muss man natürlich sagen, ich kann jetzt nicht sagen, Morbus Meulenkracht verwächst sich schon, der geht jetzt morgen weg. Das ist nicht möglich, das wächst sich nicht raus. Aber was sich im Alter verändern kann, das sind ja jetzt auch noch nicht sehr ältere Menschen, ist auch die Umgangsart mit den Symptomen und dass man da auch wieder rauskommt. Was ich ganz wichtig finde, sind die Symptome Schlafstörungen, Angstzustände, Depression, Übelkeit, Gewichtsverlust. Das ist nicht am Mollenkracht festzumachen.
Das ist nicht klassisch Morbus Mollenkracht. Und deswegen liegt hier eher so eine Kaskadenreaktion vor, die vielleicht durch Genetik grundgetriggert ist, aber ich glaube, durch eine sekundäre Verdauungsstörung und Nährstoffmängel auch wahrscheinlich durch die Ernährung verschärft wird. Ich sehe auch leider oft Menschen, die sich sehr, sehr einseitig ernähren. Das ist jetzt nicht nur bei Veganismus oder bei Mischköstlern der Fall. Ich sehe oft manchmal Probleme, die sich daraus ergeben, dass zu eng immer dasselbe gegessen wird. Und da muss man sich halt schon drüber Gedanken machen. Ich will noch mal weiter einsteigen. Es gibt bei dem Morbus Mollenkracht auch wirklich was ganz Spannendes.
Wir kennen ja die Darm-Gehirn-Achse. Also der Darm spricht mit dem Gehirn. Das heißt, wir wissen, dass unsere Gefühle auch aus dem Darm entstehen. Wir wissen aber, dass es auch eine Bilirubin-Gehirn-Achse gibt. Und Bilirubin wird ja in der Leber gebildet. Das heißt, der Umstand, das bei Morbus Meulen kracht, erhöht Bilirubin, im Blut korreliert, ist wissenschaftlich nachgewiesen, dass er auch diese depressiven Symptome und Schlafstörungen bedingt. Und das ist ganz interessant, weil damit haben wir auch eine Wirkung auf Neurotransmitter. Und wir wissen, dass es auch zu Schlafstörungen deswegen kommen kann. Und ich glaube, dass wir hier verschiedene Sachen haben, den Meulenkracht mit seiner Wirkung, auch auf die Psyche, aber eben nicht nur.
Ich vermute ganz fest, dass der Partner eine SIBO hat, eine Überwucherung des Darms. Auch das kann natürlich auch diese Symptome erklären. Laktose-Unverträglichkeit, Fructose-Unverträglichkeit, Paprika und Tomaten sind dann auch oft problematisch, weil sie noch Solizylate enthalten hatten. Wir hatten neulich auch in unserem Podcast. Dann könnte ich mir vorstellen, dass er auch einen Leaky Gut hat. Also einen durchlässigen Darm und Nährstoffmangel. Und es gibt viele Menschen, die haben zum Beispiel mit Hülsenfrüchten ein Problem und der Darmschlamm haut. Dann ist das jemand, wenn er sich jetzt rein vegan ernährt und Viehhülsenfrüchte, ist unter Umständen für ihn nicht hilfreich.
Und was ich jetzt ihm empfehlen kann oder ihr als Rat für den Partner, ohne ihn gesehen zu haben, wo wir aber auch gewisse Evidenzen im Hintergrund haben, er sollte auf gar keinen Fall fasten, auf gar keinen Fall längere Fastenphasen haben. Das führt nämlich innerhalb von 24 Stunden zu einem sehr hohen Bilirubinanstieg. Das kann seine ganzen Symptome verstärken. Er hat dann mehr Schlafstörungen, mehr Übelkeiten, mehr psychische Symptome. Also wenn der jetzt irgendwo im Internet ein Video guckt, hey, Intervallfasten, super, und der macht es nach, geht es ihm schlechter. Das ist ja das Schlimme.
Wer ist der Absender einer Information? Kann er das überhaupt einschätzen, was das für eine Wirkung hat? Weil manchmal geben Menschen Tipps, die nie Menschen ärztlich behandeln. Das ist das große Problem. Also ein intermitierendes Fasten, egal welcher Art, 16 zu 8 oder 5 Tage Normalessen, 2 Tage Fasten, ist kontrainduziert. Ich würde ihm auch nie empfehlen, länger nächtlich zu fasten als über 12 Stunden. Und auch keine Kalorienrestriktionen machen. Und was auch für ihn schlecht ist, wenn er sich fettarm ernährt. Weil fettarme Ernährung führt auch zu mehr Bilirubin und das kann das Problem verstärken. Dann Alkohol und Nikotin fordern auch, dass ich die Dramatik verschlechtern kann. Und was würde ich ihm jetzt empfehlen, ohne dass ich jetzt sage, die Harvard University macht gerade wunderbare Studien, so nach dem Motto, dass Carnivore Ernährung, sehr viel Fleisch und tierische Produkte essen, gerade für Menschen auch mit solchen Problemen hilfreich sein kann.
Das ist ja dann, jeder muss so seinen Weg finden. Aber da entstehen gerade sehr interessante Studienergebnisse, die man jetzt auch nicht leugnen kann. Er sollte sich konzentrieren auf regelmäßig ausreichend Essen und auch ausreichend Kalorien. Und auch Untergewicht sollte er dringend vermeiden. Also er braucht mindestens zweieinhalbtausend Kilokalorien pro Tag. Und auch die abendliche Mahlzeit ist wichtig bei ihm, um nächtliche Fastenpausen kurz zu halten. Also das ist auch so wieder was. Viele machen Dinner-Canceling, sagen, ja, mache ich Autophagie gut. Bei ihm wäre das genau kontraproduziert. Und ich hoffe, dass er mit diesen Tipps schon viel machen kann.
Ich würde aber den Blick auf die Ernährung noch mal ein bisschen öffnen. Und was auch ganz, ganz wichtig ist, Top-Omiga-3-Produkte, hochwertige Algenöle, frisch gepresst, Nüsse, Kerne, Samen, Hanfsamen oder auch mal eine Avocado, wenn er mag. Weil Fett ist wichtig für die Gehirnfunktion, für die Neurotransmitterfunktion, für die Hormonproduktion und die Gallensekretion. Also wenn er vegan und fettarm ist und sehr einseitig ist, haben wir da schon eine Quelle für Probleme. Und was halt das Problem verstärken kann, ist, wenn er seine liebe Partnerin sagt zwar, dass sie schon gucken, dass sie genügend Protein zuführen, aber die Frage ist, ist es wirklich genug? Denn er braucht mindestens, denke ich, 50, 60 Gramm am Tag. Da muss man dann schon schauen, wie kann man das seriös mit der jetzigen vegetarisch-veganen Ernährung umsetzen. Das geht mit den Hülsenfrüchten, zum Beispiel in Kombination mit Reis. Es geht auch mit Nüssen, Kern, Samen und auch mit Vollkorngetreide, Quinoa, Amaranth, Hafer, auch mit Sojaprodukten und natürlich mit viel, viel Gemüse.
Aber man sollte einfach noch mal ganz nüchtern drauf gucken, wie ist die Proteinversorgung und hat man nicht doch mit Hülsenfrüchten ein Problem, weil die werden ja dann auch sehr gerne gegessen. Und was ich ganz wichtig finde, ist das Stressmanagement. Viel Schlaf ist wichtig, denn das ist das A und O. Und genauso wichtig ist die Nährstoffsupplementierung. Es braucht eine konsequent gute Nährstoffsupplementierung. Wenn ich nämlich jetzt als Detektivin die These habe, er hat den Morbus Mollenkracht, ich glaube, er hat ein Problem mit dem Darm, er hat Nahrungsmittelunverträglichkeiten und er ernährt sich ausschließlich vegan, dann hat er auch ein hohes, nicht nur Nährstoffmangelrisiko, vermute ich, sondern auch ein hohes Malabsorptionsrisiko, das heißt, Es ist eh schwer, Nährstoffe in den Körper zu bringen. Da wäre ich sogar dabei, dass man ihm Vitamin B12 auch mal spritzt. Das geht ja einfach intermuskulär, zum Beispiel einmal die Woche.
Ich würde es nicht oral machen, weil ich glaube, dass sein Darm das gar nicht gut aufnimmt. Und er braucht auch Folsäure, B6, Magnesium, Zink, Eisen, Vitamin D, K2 und ich würde auch mit Probiotika arbeiten. Also lange Rede, langer Sinn, das ist nicht einfach, aber ich glaube, dass er mit den jetzigen Tipps besser, besser hinkommt und was ich ihm noch empfehlen würde, dass er, wenn er jetzt eine SIBO vielleicht hat, Würde ich meiden, jetzt frisches Obst mit hohem Fruktosegehalt zu essen. Also vor allen Dingen Äpfel, Mango, Trauben, Birnen. Die wären vielleicht im Moment kritisch.
Ich würde auch die Nachtschattengewächse erstmal weglassen, also Tomate, Paprika, Aubergine. Die können nämlich bei SIBO die Entzündungsdynamik im Darm reizen, Weißmehlprodukte, Zucker meiden und schauen, wie gut kommt er mit den Hülsenfrüchten klar. Bei Kohlenhydraten mal Süßkartoffeln oder ein bisschen Reis, Quinoa, gutes Fett, Olivenöl, Kokosfett, Hanföl, Omega-3 und solche Gemüse, wie ich sie genannt hatte, Brokkoli, Blumenkohl, Spinat, nicht roh, besser gekocht oder ein bisschen Karotten, Zucchini, Kürbis. Also ja und die letzte Frage, sollte man jetzt wirklich diese Ernährungsform aufgeben? Da würde ich sagen, das muss jeder für sich selbst entscheiden. Ich bin da quasi das Stützrad, das hilft es abzuwägen. Ich denke nicht zwingend, aber mit folgenden Bedingungen. Man muss das managen können und es ist aber nicht trivial.
Deswegen man muss schauen, dass sich die Bioverfügbarkeit nicht durch die Ernährung verschärft, dass die Proteinqualität stimmt und dass die B12-Versorgung vielleicht auch erstmal wirklich durch Injektionen gewährleistet ist. Vielleicht könnte man einen kleinen Twist machen, dass man doch mal sagt, ich esse einmal die Woche Fisch oder ich esse doch mal ein bisschen Ei. Das muss jeder so für sich entscheiden. Und ich halte natürlich ganz, ganz doll die Daumen, dass er seinen Weg findet und dass er viel, viel Hilfe finden konnte mit den Puzzlestücken, die ich jetzt da rübergeworfen habe. Weil das Puzzle muss noch zusammengesetzt werden. Ich habe es jetzt erst mal nur die Puzzlestücke gestanzt. Alles Gute wünsche ich. Das ist ein schönes Bild.
Unsere Hörerin Iris hat uns geschrieben, Seit fünf Jahren habe ich die Diagnose SIBO und Fructose-Malabsorption. Du hattest die beiden Begriffe gerade schon einmal erwähnt, Anne. Das ist ja witzig, dass jetzt die Frage da genau hinterherkommt. Das war gar nicht beabsichtigt. Nach zwei Antibiotikatherapien und verschiedenen pflanzlichen Therapien mit Oregano etc., begleitet durch meine Ernährungsberaterin, lebe ich mit der Foodmap-Diät nicht schlecht. Durch ihr Buch Energy habe ich auf die antientzündliche Ernährung umgestellt und seit ich regelmäßig Flohsamenschalen und geschrotete Leinsamen nehme, hat sich mein Stuhlgang gut reguliert. Ich nehme ein gutes Multivitaminpräparat, Kurkuma-Kapseln mit Pfeffer und Omega-Kapseln sowie gelegentlich Bittertropfen. Seit zwei Jahren zeigt sich eine Rosazea, welche oft juckt, mein Trigger sind UV-Strahlen, Flaschs habe ich Gott sei Dank keine. Was mir momentan am meisten zu schaffen macht, sind meine Stimmungsschwankungen. Ich bin in den Wechseljahren aber hormonell gut versorgt. Die Stimmung kippt jeweils unerwartet. Das stört mich sehr, denn ich bin gerne fröhlich und finde es unglaublich einschränkend, nicht gut drauf zu sein. Ich habe eine Tageslichtlampe zu Hause, höre gute Musik, male, versuche mich oft in der Natur zu bewegen und fürs Oxytocin mit meinem Mann zu kuscheln. Ich hatte früher auch schon Stimmungsschwankungen, vor allem im Winter. Und mit guten Nahrungsmittelergänzungen habe ich das gut handhaben können. Was können Sie mir raten, was kann ich besser machen?
Also danke für diese Frage. Und da möchte ich antworten, das ist jetzt wieder eine komplexe, aber ich finde therapeutisch gesehen eine sehr aussichtsreiche Situation. Also nicht den Kopf in den Sand stecken.
Man muss nämlich sagen, dass diese SIBO-Diagnose und dann diese erst vor kurzem hinzugekommene Rosazia und die zunehmenden Stimmungsschwankungen erklärbar sind. Also vielleicht denkt die Hörerin jetzt, ach jetzt habe ich das und dann kommt jetzt das noch dazu und grüne Neune, jetzt macht der Körper das noch. Nee, es gehört so viel mal wieder alles zusammen, weil alles hängt im Körper zusammen. Und zwar, das ist verbunden über die Darm-Gehirn-Hautachse. Und weil sie bisher das so gemanagt hat über Ernährung mit Einschränkung von bestimmten Kohlenhydratformen und anti-entzündlicher Ernährung, Das zeigt ja schon, dass sie wirklich eine sehr, sehr gute Einstellung hat und auch sehr strukturiert vorgeht und auch mit einem gewissen Draht zur Konsequenz. Also das muss auch so sein, finde ich, wenn man wirklich sagt, ich will was ändern. Das ist immer die Frage, will man es wirklich? Manche sagen, ja, ich will es unbedingt und dann, wenn es ans Machen geht. Das ist übrigens eine der großen Künste. Wie hilft man den Menschen wirklich ins Handeln zu kommen? Ich bin ja immer nur das Stützrad und ich hoffe ein Gutes. Jetzt ein paar Empfehlungen, wie sie jetzt von der Symptomkontrolle weiter sich zu den Ursachen bewegt und dass ich ihr noch mehr Tipps geben kann.
Diese Ernährung, die sie hat, mit diesem Einschränken der Kohlenhydrate, kontrollieren ihre Symptome, sie lösen aber nicht das zugrunde liegende Problem der SIBO. Das ist interessant. Das sollte sie sich merken. Warum ihr Glutamin geholfen hat, das ist eine semi-essentielle Aminosäure und das war eine ausgezeichnete Wahl, die sie getan hat. Das ist nämlich die primäre Energiequelle für die Darmzellen. 40 Prozent des gesamten Glutaminverbrauchs im Körper ist in unserem Darm. Das verstärkt die Darmbarriere und reduziert auch Leaky Gut-Beschwerden. Ich beschreibe ja auch im Buch Energy oder auch wenn ich darüber rede, immer gern Glutamin als den Mörtel, der so eine löchrige Wand abdichtet. Und ich denke, dass bestimmte Symptome, die sie beschreibt, wie Schwindel, einfach dieser Durchlässigkeit des Darms geschuldet sind. Und das wäre eine gute Erklärung. Und die Dosierung von Glutamin, vielleicht weil sich da jemand, der uns zuhört, gerade erkennt, sagt man so drei bis fünf Gramm zweimal täglich, die ist wissenschaftlich sehr gut unterstützt. Das heißt, ich würde in ihrem Fall Glutamin beibehalten, aber ich würde mich nicht nur auf Glutamin verlassen. Ich würde auch gucken, sie hat ja geschrieben Flohsamenschalen.
Die funktionieren durch eine hohe Wasserbindung. Allerdings gibt es einen kritischen Punkt bei ihr. Da sind wir wieder bei den Sachen. Ich habe gehört, Flohsamenschein sind so gut für die Verdauung. Ja, sind sie auch. Aber wenn jemand eine Small Intenational Bowel Overcruise hat, also ein Überwachstum von Bakterien im Darm, was wir da sehen, das passt, die können Symptomverschärfungen bekommen. Das heißt, das Gute ist bei ihr, sie ist damit zurechtgekommen, aber bei manchen muss das nicht so sein. Das heißt, sie ist ein guter Responder für die Sache, in ihrem Fall würde ich sagen, beibehalten. Aber das lernen ja auch die Menschen, die uns hier zuhören, wie wichtig die Differenzierung ist und nicht dieses pauschale, jetzt habe ich mal irgendwo gehört. Was für den einen gut ist, muss für den anderen nicht gut sein. Natürlich braucht sie eine gute Trinkmenge von mindestens zwei Liter Unterflohsamenschalen. Und das fehlende Stück in ihrer Therapie könnte ich mir vorstellen, dass bei ihr bestimmte Sachen gefehlt haben, die die Darmmotilität anregen. Das kann man überlegen. Das wäre dann eine Sache für die hausärztliche Sprechstunde.
Und was auch noch fehlt, ist eine sichere Therapie mit Probiotika. Und zwar mit Stämmen, die wirklich sicher sind. Denn das Problem ist, die handelsüblichen Probiotika enthalten Bifidobakterien, die physiologisch nur im Dickdarm da reingehören. Wenn Sie Bifidobakterien in den Dünndarm einführen, können Sie die SIBO verstärken. Das heißt, sie braucht nach aktuellem Stand der Forschung eine wirklich spezifische Therapie. Da gibt es zum Beispiel schon auch Bifidobakterien, die man nicht nehmen soll. Und auch irgendwelche wilden Probiotika, die für die meisten Fälle gut sind, sind bei ihr eher vielleicht nicht so hilfreich. Was bei ihr wahrscheinlich gut helfen könnte, sind solche Sachen wie Lactobacillus plantarum.
Lactobacillus Rhamnosus, Lactobacillus Acidophilis und so weiter. Also wir sehen, das ist nicht so einfach. Aber was jetzt nochmal zu Ihrer Eingangsfrage mit der Rosazia und der Darm-Gehirn-Hautachse. Da sehen wir wirklich die Zusammenhänge, dass das vom Darm kommt. Ich denke, die Leber ist da auch noch mit im Spiel, weil Leber wirkt ja auf den Darm. Also eigentlich könnte man sagen, Leber, Darm, Gehirn, Hautachse. Und ihr Trigger, dass sie nach UV-Strahlung die Symptome verstärkt empfindet, ist klassisch durch eine untergründige Entzündung, die sich durch die Darmdysbiose verstärkt. Und jetzt kommt die gute Nachricht. Wenn sie den Darm verbessert, also mit den jetzt hier ein bisschen clever reingereichten neueren Infos, Kann sie auch die Rosazia verbessern. Ich würde auch Bitterstoffe trinken, empfehlen, alkoholfrei. Und ich würde empfehlen, neben ihrer aktuellen FUTMAP-Ernährung, hochwertiges Omega-3.
Auch mal polyphenolreiche Lebensmittel, viel dunkles Blattgemüse, grüner Tee ist auch was, Beeren ist was. Und es gibt wirklich auch durch den Einsatz von Kurkuma Gute belegte Empfehlungen als Teil einer anti-entzündlichen Ernährung und die Bitterstoffe. Und bei der Kurkuma-Dosis würde ich natürlich schauen, gibt es da Interaktionen mit Medikamenten. Aber wenn es da keine Probleme gibt, könnte man das auch kontrolliert umsetzen. Ich wäre mal sehr gespannt, was sich dann ergibt. Und gerade für die Stimmung, wir sind jetzt wieder bei der Nährstoffbilanz, braucht sie natürlich Vitamin D, sie braucht Top-Magnesium, sie braucht ein Top-B-Komplex, dass dann auch diese ganzen Beschwerden, die seelische Komponente besser in den Griff zu bekommen ist. Ja, aber ich denke, da geht eine ganze Menge. Also noch eins, da wollte ich auch noch was sagen. Sie hat ja auch geschrieben... Dass sie schon ein bisschen gebastelt hat. Sie hat zum Beispiel Krepfutkernsupplemente. Der mäßige Erfolg bei ihr, den kann ich ihr erklären, der ist einfach dadurch zu erklären, dass manchmal pflanzliche Monotherapie nicht ausreicht. Das heißt, sie war richtig, das zu beenden.
Und das ist einfach auch eine wichtige Nachricht. Und was ich toll fand, wie sie sich da sonst im Leben aufstellt, Ihre Yoga, ihr Musik, ihr Kuscheln mit dem Partner, das sind fantastische Säulen der mentalen Gesundheit, die bitte, bitte nicht abreißen lassen. Aber sie brauchen natürlich noch mehr, nämlich die richtige Intervention, dass der Darm saniert wird und auch die Nährstoffe, vor allen Dingen Magnesium, ausgeglichen werden. Und was sie ihre Ernährungsberatung sagte, dass die depressiven Verstimmungen normal sind bei SIBO, das stimmt absolut. Aber das heißt nicht, dass man das akzeptieren muss. Es heißt, es ist so, aber wir können es adressieren, indem wir nämlich die Darmgehirnachse optimieren. Und dann wird auch die Haut besser. Also es ist ein Problem.
Etwas Komplexeres, auf den ersten Blick Komplizierteres, aber dann doch wiederum sehr einfaches Problem und es ist ein sehr lösbares Problem und dafür spricht auch die Evidenz. Das heißt, die gute Nachricht, mach was draus, wird besser. Wir drücken die Daumen. Ein kurzer Hinweis noch an dieser Stelle, wer sich jetzt wundert, dass Anne doch recht viele Dinge genannt hat in der Beantwortung der Frage unserer Hörerin, die in der Frage, die ich vorgelesen habe, gar nicht vorgekommen sind. Und wir haben die E-Mail etwas eingekürzt im Vortragen, aber Anne liegen natürlich immer alle Informationen vor und die gesammelten Befunde auch dazu, die mitgeschickt werden. Nur, dass sich jetzt niemand wundert, dass da doch Bezug genommen wurde auf Dinge, die wir in der E-Mail gar nicht vorgelesen haben. Genau, sonst hätten wir eine Stunde E-Mail vorgelesen, aber ich wollte, dass die Hörerin durch meine Antwort umfassend eine Antwort bekommt. Aber ich hoffe, es war wieder viel genug dabei, um dazu zu lernen. Das denke ich. Aber nochmal, das war eine gute Anmerkung, Kirsten, zum Verständnis. Ja.
Wir machen weiter mit unserer Hörerin Sabine, sie ist 58. Häufiger ist in ihrem Podcast die Rede von ausreichend Schlaf, der unterstützend wirken kann bei diversen Bereichen der Gesundheit. Was aber ist, wenn man trotz aller Versuche nicht schlafen kann? Wenn von Entspannung nach Jakobsen, Magnesium bis Aufstehen in der Nacht schlussendlich nur Schlafmittel helfen. Und selbst das nur wenige Tage und dann auch nicht mehr. Ich habe eine familiäre Hypercholesterin-Anämie. Und obwohl ich im Sommer dachte, herausgefunden zu haben, dass meine Schlafstörungen von dem jahrzehntelang eingenommenen Statinen herrühren, nehme ich derzeit keine und schlafe dennoch wieder schlecht. Ich kann relativ gut einschlafen, wache aber nach maximal vier Stunden auf und liege dann zwei bis drei Stunden wach. Wenn ich aufstehe und etwas anderes mache, bin ich erst recht wach. Unser Schlafzimmer ist kühl, das Licht vor dem Einschlafen gedimmt und ich habe auch keine Mobilgeräte am Bett. Auch ausreichend Bewegung mit beispielsweise Gartenarbeit und oder 10.000 Schritten täglich bringt keine Veränderung. Ich bin ziemlich verzweifelt und frustriert. Haben Sie irgendeine Idee, was ich tun könnte? Ich habe das Gefühl, dass ich über die Jahrzehnte schon alles versucht habe. Also erstens mal, was ich ganz wichtig finde, wenn jemand etwas sehr, sehr lange hat, so eine richtige chronische Geschichte.
Dann ist es auch schwer, manchmal sich vorzustellen, da rauszukommen und trotzdem, das gilt jetzt für alle, ist es wichtig, sich vorzustellen, dass es möglich ist. Wenn man nämlich das dann so verfestigt, ich kann ja nie das, bei mir funktioniert das nie, nie, nie, dann wird das auch nichts.
Und ich kann ermutigen, dass auch bei schwersten Symptomen dieser Art ein Ausweg möglich ist. Der verlangt aber auch ein bisschen Geduld, ein bisschen Konsequenz. Und jetzt möchte ich auch mal ein bisschen Licht ins Dunkel bringen, woran das hier liegen kann. Die Situation, die unsere Hörerin beschreibt, ist so ein klassisches Schlaf-Maintainance-Problem. Also der Schlaf kann nicht gut gehalten werden. Das ist also ein richtiger Unterschied zum reinen Einschlaf-Problem.
Da ist ja das Muster, dass man einschläft und dann nach vier Stunden aufwacht und dann wieder wach rumliegt. Und das kann auf eine Problematik in der Schlafarchitektur hinweisen und zwar auf eine Störung dieser ganzen Hypothalamus-Achsen. Hypothalamus-Hypophysen-Achse-Stresshormone. Deswegen wäre ich interessiert, wenn sie jetzt als Patientin in der Praxis wäre, genau das zu messen. Wie ist sie vegetativ drauf? Wie ist ihr wirklicher Ausgleich? Und es gibt auch bei ihr ein Muster dieses Wiederaufwachens nach vier Stunden. Das entspricht einem klassischen Early-Morning-Awakening-Syndrom und das ist genau bewiesen, dass es bei dieser Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenachse etwas nicht so richtig rund läuft. Und beim gesunden Schlaf sind nämlich die meisten Cortisolausschüttungen um die morgendliche Aufwachphase herum konzentriert. Und bei einigen Personen mit Schlafstörungen zeigt sich dieser vorzeitige Cortisolanstieg. Also das vermute ich bei ihr. Da geht das auf einmal dann hoch und deswegen ist sie auch dann wach.
Und das Schlafhormon, das Melatonin, das wird suprimiert und deswegen ist er wieder einschlafend erschwert.
Interessanterweise sind auch da alterungsspezifische Veränderungen wohl relevant. Das heißt, mit zunehmendem Alter verschiebt sich ein zirkadianer Rhythmus natürlicherweise auch zu früheren Zeiten. Also die Älteren, die wachen auch schon mal früher auf. Also das ist auch Teil wegen der Transmitterverschiebungen, der Neurotransmitterverschiebungen und das erhöht diese Anfälligkeit für dieses Wachwerden. Ich glaube, das wäre eine sehr gut erklärbare Sache, warum sie das hat.
Und fundamentales Problem ist aber in vielen Schlafstudien, die ich dazu auch mir angeschaut habe, dass beide Phänomene, die ich gerade beschrieben habe, dass das oft manchmal so vermengt wird. Und wenn man sich jetzt anschaut, was könnte man denn tun, um das zu verbessern? Magnesium wird hier oft empfohlen. Das zeigt auch eine moderate Reduktion, vor allen Dingen der Einschlafdauer bei Älteren. Aber dass es einen jetzt besser langfristig schlafen lässt, also das Durchschlafen ist dadurch nicht unbedingt sehr viel besser. Aber ein bestimmtes Magnesium, nämlich Magnesium bis Glycinat, das zeigt kleine Effekte auf die Schwere dieser Schlafstörung. Und ähnlich ist es zum Beispiel mit GABA. GABA ist ja auch ein beruhigender Neurotransmitter, der uns entspannen hilft und schlafen hilft. Der hilft beim Schlafeinleiten, aber nicht für die Schlafdauer. Also Sie können jetzt mit Mangelisum bis Glycinat ein bisschen was versuchen. GABA kann man versuchen, ist aber eher wahrscheinlich nicht so zielführend.
Es gibt natürlich auch noch die Möglichkeit, mit zum Beispiel so prolongierten Melatonin zu arbeiten. Das heißt Studien gerade bei älteren Erwachsenen mit Problemen des Schlafes zeigen, dass ein Melatonin, was so verzögert in den Blutkreislauf abgegeben wird, etwas bringen kann. Aber das Timing ist hier kritisch zu bedenken. Auch hier ist nicht klar, ob das in Ihrem Fall so spezifisch hilft.
Was ich aber spannend finde, ist, es gibt noch einen Aspekt, der sehr leicht übersehen wird. Das ist nämlich diese Form des gestörten Schlafs. Und die Ernährung. Und zwar, jetzt komme ich zur Tryptophan-Hypothese. Die funktioniert nämlich in realistischen Mahlzeiten anders, als es in den Lehrbüchern erzählt wird. Die klassische Empfehlung, die da lautet, Kohlenhydrate zu essen, um die Tryptophan-Verfügbarkeit zu steigern, die erfordert ein sehr spezifisches Zeitfenster. Das ist wichtig. Das Timing ist wichtig. Die Kohlenhydrate vier Stunden vor dem Schlafengehen sind wirksamer, als wenn man sie direkt vor dem Zubettgehen isst. Das würde ich probieren. Und auch das Makronährstoffverhältnis auf dem Teller, also eine realistische Mahlzeit mit Protein, kann den relativen Tryptophan-Gehalt tatsächlich reduzieren oder blockieren, wenn sie zu viel Protein enthält.
Also der Tipp wäre, abends Kohlenhydrate zu verzehren ohne zu viel Eiweiß und auch nicht gerade erst vorm Schlafen gehen, sondern drei, vier Stunden vorher.
Und das wäre mal interessant, dass es eine Veränderung geben kann. Den Rest des Tages sollte sich natürlich längerfristig niedrig glykämisch ernähren. Aber um den Anteil des Tiefschlafs zu verbessern, könnte sie sich so mit den Kohlenhydraten ein bisschen ausbalancieren. Also zum Beispiel, wenn sie abends was mit Haferflocken isst oder mit Süßkartoffeln isst und ein bisschen Fisch dazu, vier Stunden vorm Schlafen gehen, wäre mal ganz interessant. Und ich würde ihr trotzdem empfehlen, auch auf die medizinische Differenzialdiagnostik zu pochen, abklären lassen, habe ich ein Problem mit der Schilddrüse, Denn auch das, eine Unterfunktion der Schilddrüse, kann zu diesem Early-Morning-Awakening führen. Oder hat sie einen nicht erkannten Reflux, der wird ja oft in der zweiten Hälfte der Nacht schlimmer. Auch das kann das Aufwachen verursachen. Oder hat sie vielleicht ein West-Is-Leg-Syndrom, hat sie einen Mangel an Eisen, an Folsäure und wird einfach auch noch wach, weil das Bein ruckelt. Das ist für mich eine wichtige Sache und was ich hier auch noch empfehlen würde, wäre auch sehr, sehr stark das Vegetativum zu beeinflussen. Da ist sie ja schon auf einem guten Weg.
Und versuchen, durch diese Tipps es in den Griff zu kriegen. Wenn Medikamente nötig sind, dann sollte man das ärztlich feinstofflich abstimmen. Die sind aber nur begrenzt einzusetzen. Und da würde man auch wirklich ein bisschen zurückhaltend sein, um einfach eine Abhängigkeit zu verhindern. Deswegen hoffe ich sehr, dass hier was dabei ist, was ihr hilft. Vielen Dank, Anne. In der nächsten Folge geht es um das Thema Wetterfühligkeit und wie wir besser mit Temperaturschwankungen umgehen können und was da so alles in unserem Körper passiert. Bis nächsten Mittwoch. Bis nächsten Mittwoch und macht was draus.