Wir können den Alderungsprozess ja nicht stoppen, aber wir können ihn deutlich verlangsamen und all das beginnt auch im Kopf und darum geht's heute.

Dr. Anne Fleck, Gesundheit und Ernährung. Longevity, ein Begriff, der gerade irgendwie überall aufploppt, bedeutet übersetzt Langlebigkeit oder lange gesund leben. Viele denken ja erstmal an Falten, Fitness oder Blutwerte, die zählen natürlich auch dazu und die besprechen wir in einer späteren Longevity-Folge, aber sie sind es nicht allein. Die eigentliche Basis für ein langes und gutes Leben ist ein klares, funktionierendes Oberstübchen. Das ist heute unser erstes Thema zur Longevity, die Gehirngesundheit. Und Anne sagt immer so schön, das ist ihr stärkster Muskel. Denn wenn unser Gehirn nicht gesund ist und lange gut funktioniert, dann hilft uns auch, finde ich, der gesündeste Körper und ein langes Leben nichts. Also reden wir drüber. Und hier, das bin ich, Dr. Anne Fleck, genannt DocFleck, Fachärztin für Innere Medizin und Rheumatologie. Und Kirsten Frindtrop, Redakteurin und Co-Host dieses Podcasts. Anne, zum Start habe ich mal eine etwas mehr interessante Frage an dich. Wenn du heute wüsstest, dass du mal 100 Jahre alt wirst, was würdest du dir vornehmen? Ich würde mir vornehmen, ja, schon jetzt daran zu denken, dass die Möglichkeit besteht, dass ich 100 Jahre alt werde und...

Versuchen natürlich die Gehirngesundheit zu stärken und auch die Zerbrechlichkeit aufzuhalten. Also ich möchte nur 100 Jahre alt sein, wenn man das auch in einer guten Lebensqualität genießen kann. Das habe ich mir auch gedacht. Also wenn ich wüsste, dass ich gesunde 100 Jahre alt werde, dann würde ich glaube ich viele Dinge heute gelassener angehen. Und ich habe mir überlegt, dann würde ich glaube ich sogar noch mal das Studieren anfangen und nachhaltige Stadtplanerin werden. Das habe ich mir so überlegt.

Das ist aber was ganz Tolles, was du da sagst. Ich glaube, wenn wir alle, die wir jetzt uns hier in dieser Gemeinschaft wiederfinden, uns auch der Endlichkeit des Lebens bewusst werden, wer den Tod ins Leben nimmt, weil irgendwann ist dann nicht nur mit 100, aber 102 dann vielleicht Schluss, der wird sein Leben, glaube ich, viel erfüllter und bewusster leben können. Insofern ist das ganz, ganz wichtig. Und auf der anderen Seite, wenn wir uns vorstellen könnten, dass wir ein gesundes, ausreichend langes Leben haben, dann wird auch, wie du so schön sagst, sehr vieles möglich. Dann kann man sich vorstellen, man ist ja nicht nur ein Mensch in dem Sinne. Ich bin ja nicht nur Ärztin oder Anne Fleck. Es gibt ja so viele Talente, zum Beispiel ich wäre auch gerne Kunstmalerin geworden oder auch das Thema Buchautorenschaft lebe ich ja auch. Und unter dieser Aussicht ein gesundes, langes Leben zu haben, kann man natürlich sagen, okay, einmal im Monat kann ich doch ein Bild malen oder das und das. Und so, glaube ich, könnte man diese Frage auch beantworten.

Was alles möglich ist. Ja, und ich fände es dann auch toll, wenn alle meine Freunde oder auch Teile meiner Familie genauso alt würden, denn sonst ist es ja irgendwann auch eine sehr einsame Geschichte. Ganz genau, darunter leiden ja auch viele Menschen, die älter werden, die sagen, um mich herum sind nicht mehr die Freunde da. Der Mensch ist einfach, wie die alten Griechen sagen, ein Zoon-Politikon, also ein Gemeinschaftswesen.

Und das ist vielleicht auch ein Tipp fürs Älterwerden, dass man auch immer wieder offen bleibt für neue Begegnungen. Um den sozialen Kreis zu erweitern. Also ich habe in meinem Freundeskreis außerhalb der Familie, ich unterscheide immer zwischen genetischer und nicht-genetischer Familie, habe ich auch sehr, sehr junge wie auch sehr, sehr alte Menschen. Also meine beiden ältesten Freundinnen sind beide 85 und 86. Die sind exzellent im Gehirn topfit und überhaupt nicht geprechlich und führen ihren Haushalt. Es ist ja auch bewundernswert. Und ein bisschen vielleicht auch eine Vorbildfunktion. Und außerdem sind die beiden auch schon überdurchschnittlich alt. Also ich habe nämlich mal ein paar Zahlen mitgebracht von 2022 und 2024. Die Lebenserwartung ist weltweit und in Deutschland nämlich gestiegen mit einer durchschnittlichen Lebenserwartung von 78,5 Jahren für Männer und 83,2 Jahren für Frauen in Deutschland.

Spanier und Franzosen und Italiener, die haben EU-weit noch die höchste Lebenserwartung. Ist auch ganz interessant. Das liegt ja auch ein bisschen auf der Hand. Mich wundert diese Statistik in dem Sinne gar nicht, weil eben Frankreich, Italien und Spanien ja auch für eine gute Kultur des Essens stehen. Ich habe ja in Italien und Frankreich studiert und deswegen, da geht man auch mit der Entscheidung, was esse ich, ja sehr bewusst da manchmal um oder auch die Vielfalt und die Tradition. Man geht auf den Wochenmarkt und kauft da frisch ein. Das ist ein richtiges Spektakel und klar haben wir auch tolle Wochenmärkte, das ist überhaupt nicht, aber das ist schon sehr, sehr essbewusst oder auch meine Kindheit habe ich ja im Saarland verbracht. Da sagt man ja auch gerne Hauptsache good guess.

Ich glaube eben, da hängt auch was mit dem gesund lange Leben zusammen. Und natürlich auch die Gemeinschaft. Mit wem sitze ich am Tisch? Mit wem verbringe ich meine Zeit? Alles Puzzlestücke für ein gesundes, langes Leben. So, Longevity. Das heißt ja übersetzt nicht nur lange leben, sondern wir haben es jetzt auch schon gesagt, lange gute Jahre haben. Wir sprechen also heute darüber, wie das Gehirn altert und was wir tun können, um es jung, flexibel und fit zu halten. Anne, erste Frage, warum ist die Gehirngesundheit der zentrale Longevity-Hebel? Das ist einfach dahingehend die wichtigste Steuerzentrale, die Schallzentrale für alles im Körper. Die Körperfunktionen werden über das Gehirn gesteuert, sei es jetzt Herzschlag, sei es die Atmung, die Bewegungen, die Körperreflexe, die Sinneswahrnehmung, die Gefühle. Alles hängt von diesem Oberstübchen ab. und deswegen ist das so wichtig. Und.

Nicht nur das, was wir so klassischerweise jetzt mit Bewegung und so weiter mit dem Gehirn verbinden, auch unser Gedächtnis, unsere Lernfähigkeit, unsere Entscheidungsfähigkeit, unsere Emotionen, all das hängt mit dem Gehirn zusammen. Und was ich bei dem Gehirn so faszinierend finde, das Gehirn verändert sich im Laufe des Lebens und zwar permanent durch das unglaubliche Talent des Gehirns, der Neuroplastizität. Also es bildet ständig neue Hirnzellen und das sollte uns alle motivieren. Es ist also nie ein Zeitpunkt zu sagen, es geht nur bergab, sondern wenn wir auch gut mit unserem Hirn umgehen, und dazu reden wir ja jetzt auch, dann wird sich das Gehirn immer aufgrund dieses Talents neuer entwickeln, plastisch werden, eine neue Dimension erreichen sozusagen. sagen.

Was passiert denn genau in unserem Gehirn, wenn wir älter werden? Also man kann sich das so vorstellen, bis zum Alter von 25 Jahren, dann reift das Gehirn noch, dann werden wir älter und zwischen 30 und 40 Jahren beginnt dann ehrlicherweise schon das Gehirn etwas zu schrumpfen. So früh. Und ab dem Alter von ungefähr 60 nimmt das Schrumpfungskommando dann etwas zu. Aber, und das muss man auch sagen, dass dieser Volumenverlust Gehirns jetzt nicht bei allen Menschen gleichmäßig abläuft. Und auch manche Bereiche, die schrumpelt etwas schneller als andere. Vor allen Dingen der präfrontale Kortex, das Kleinhirn, wo auch zum Beispiel die Balance sitzt oder der Hippocampus, die haben größere Verluste zu verzeichnen. Und die Großhirnrinde, das ist sozusagen diese faltige, walnussartige Außenschicht des Gehirns, die wird mit dem Alter immer, immer dünner. Und interessant ist, Aus der Tierwelt, die Schimpansen übrigens, die merken, dass sie älter werden. Ich finde das manchmal bei uns, also ich merke, Altern passiert, finde ich, so immer ein bisschen in Schüben. Auf einmal entdeckt man ein paar Falten mehr oder auf einmal ist das und das.

Bei Schimpansen ist das wohl sehr eindrucksvoll, dass sie das wirklich merken, weil sie nicht mehr so beweglich sind. Sie brauchen auch länger, um ihr Essen zu finden. Und was uns aber von den Schimpansen wiederum unterscheidet, das sind unsere Fähigkeiten, unsere Fähigkeiten zu sprechen oder komplizierte Entscheidungen zu fällen. Und das kann uns aber auch beim Älterwerden irgendwie zum Verhängnis werden, denn man konnte auch feststellen, dass bei Menschen genau die Bereiche die größten Alterungskaskaden aufweisen, die sich in der Evolution am meisten verändert haben. Und in einer Studie relativ neueren Ursprungs hat man auch die Alterung des Gehirns von Menschen und Schimpansen verglichen und die Erkenntnisse, die stützen dieses Prinzip last in first out, das heißt die Hirnareale, die sich als letztes entwickeln, bauen sich aber wieder als erstes ab. Dazu gehört die Region des präfrontalen Kortex, also das Appartement im Oberstübchen, wo wir Entscheidungen fällen, wo wir Probleme lösen. Das heißt, diese Zone ist dann beim Älterwerden als erstes ein bisschen betroffen.

Lass uns über die Punkte sprechen, die wir präventiv umsetzen können, um unser Oberstübchen lange fit zu halten. Also da sind zum einen die Ernährung und unser Lebensstil, dazu kommen wir gleich und starten möchte ich gerne mit der Bewegung, also der körperlichen, aber auch der geistigen Action. Ja, das ist ein ganz, ganz wichtiger Punkt, den du ansprichst. Unser Gehirn ist ein Bewegungsheld. Es ist überhaupt keine Couch-Pathete und es liebt Bewegung jeder Art. Es reagiert immer auf jede Art der Stimulation und das ist auch die wichtigste Erkenntnis, die ich heute mitbringe aus der neuen Hirnforschung. Die Formbarkeit, die nimmt zwar zugegeben etwas ab, aber sie geht niemals weg. Das heißt, wir sollten das Gehirn trainieren wie ein Muskel, wie ich das immer so gerne sage. Und am wichtigsten ist aber beides. Nicht nur die körperliche Bewegung, weil Muskeln sind ja Muskeln, die Entzündungsbotenstoffe produzieren und deswegen auch Krankheiten wie Depressionen und Demenz, die man nach neuestem Stand der Forschung ja auch den Entzündungen zuordnet, in den Griff zu bringen scheint oder deutlich lindern kann und vorbeugen kann. Wir brauchen auch die geistige Aktivität. Und ob das jetzt Seiltanzen ist, ob das Tanzen ist, ob das Joggen ist, ob das Rudern, Paddeln ist, Trampolinspringen, ganz egal.

Man sollte aber auch die geistige Aktivität nicht vergessen. Eine neue Sprache lernen, Chinesisch, Japanisch, Spanisch, Italienisch, alles ist möglich. Und auch ein Instrument oder auch klassische Gehirnjogging-Übungen, Sudokus, was auch immer. Und ich würde auch nicht das Denken dem Handy und der KI überlassen. Und ich kann nur... Wirklich empfehlen. Es ist natürlich sinnvoll, die Technik zu nutzen, aber wir dürfen uns das nicht alles aus der Hand nehmen lassen. Sonst würde ich sagen, müssen wir irgendwann mal eine Folge darüber machen, über Chancen und Risiken. Das Szenario ist ja dann doch ein bisschen Science-Fiction-mäßig. Ja, total. Und ich kann noch hinweisen auf eine Podcast-Folge von uns, von dir, vom 4.12.24 zu Digital Detox. Das ist auch ganz spannend zu dem Thema zu hören. Richtig. Und was wir sagen müssen, vor allem die körperliche Aktivität, die stimuliert die Wachstumsfaktoren im Gehirn und die fördert die Synapsenbildung sowie die Neurogenese, also das Entstehen neuer Nervenzellen. Vor allen Dingen ist aber wichtig, das nicht nur einmal zu machen, sondern regelmäßig und regelmäßig.

Man muss es so sagen, diese Aktivität ist wirklich die bestuntersuchteste und die veränderbarste Größe, um unser Gehirn fit zu halten. Und was man in dem Zusammenhang auch noch sagen muss, Menschen, die körperlich aktiv sind, die haben im Durchschnitt bis zu 28 Prozent ein geringeres Risiko, an Demenz zu erkranken im Vergleich zu Couch-Potatoes. Also los geht's, würde ich sagen. Macht was.

Stichwort Demenz. Zu dem Thema gibt es auch eine eigene Folge hier im Podcast. Also wir sehen, wir haben da schon viel zu gemacht. Und zwar ist die veröffentlicht worden im November 23. Deswegen gehen wir hier jetzt nicht noch tiefer darauf ein. Aber jetzt gerade hört man immer wieder von Lithium, das gegen Alzheimer helfen soll. Also eigentlich ist das ja nur bekannt als selten vorkommendes Metall und als Baustein für Akkus. die wir jeden Tag so brauchen. Was kann Lithium aus deiner Sicht hier im menschlichen Körper bewirken? Lithium war das erste erfolgreiche Medikament, was man wirklich zur Therapie, psychiatrische Erkrankungen wie Depressionen eingesetzt hat. Und es wird zurzeit erforscht, ob es bei Alzheimer hilfreich sein könnte. Und was ist das überhaupt? Lithium ist ein seltenes Leichtmetall, das vor allen Dingen in der Natur vorkommt und man ist sich noch ein bisschen uneinig, ob es jetzt ein essentielles Spurenelement ist. Aber die Studien zeigen, dass selbst Mikrodosen physiologische und auch psychische Effekte haben. Und in hohen Dosen wird es seit langem in der Psychiatrie, zum Beispiel wie ich sagte, bei Depressionen, aber auch bei bipolaren Störungen eingesetzt. Man weiß inzwischen, es hat eine schützende Funktion. Es scheint auch so, dass das Fortschreiten von nicht nur Alzheimer, sondern auch Parkinson verlangsamen werden kann. Aber ich möchte hier nochmal ein kleines Warnrauchzeichen schicken.

Ich erlebe immer öfter, dass Menschen auch durch die unglaubliche Vielfalt der Möglichkeiten der Information sich selbst mit Präparaten wie Lithium behandeln. Man braucht dafür zwar ein Rezept meines Wissens, auch ärztlich, aber manche kommen da auch im Internet dran und Lithium hat eine sehr enge therapeutische Breite. Es muss kontrolliert sein.

Also man darf und sollte das nicht ohne ärztliche, solide und auch fachärztliche Kompetenz inflationär einsetzen. Also ich will das jetzt gar nicht kleinreden, in dem Effekt, wenn wir den Kampf gegen Alzheimer endlich mal gewinnen wollen, daran liegt mir sehr viel. Aber ich warne davor, ein Präparat wie Lithium einfach mal so einzuwerfen, ohne dass da jemand die Kontrolle hat und die Erfahrung hat. Das ist ganz wichtig. Könntest du aus dem Stegreif sagen, was passiert, wenn man Lithium nimmt, ohne dass man es benötigt? Ja, erstens mal, es ist sehr leicht überdosierbar und es kann zum Beispiel Nebenwirkungen haben wie Tremor, also solche Zittersymptomatiken. Und deswegen, man sollte auch so einen Lithiumspiegel dann kontrolliert wissen. Es gibt natürlich auch Möglichkeiten, wenn man sehr niedrig dosiert jetzt nicht gleich Angst haben muss, aber ich würde das niemals auf eigene Faust unkontrolliert einnehmen. Und dann kann man aber auch wirklich sagen, was ich mir natürlich wünschen würde, dass man viel mehr breitere Studienlagen schafft, um dann auch noch mehr darüber zu wissen und um auch dann eine breitere Empfehlung aussprechen zu können.

Das wäre auch eine schöne Entwicklung. Das würde ich mir übrigens nicht nur für Lithium wünschen, wo es ja jetzt zum Glück schon Forschung gibt, sondern das würde ich mir genauso wünschen für all die Kraft der präventiven Medizin, dass man auch noch viel mehr die Nährstoffkompetenz beforscht, um eben auch jungen Menschen oder auch jungen Medizinern, dieses Wissen an die Hand zu geben. Das darf man einfach, finde ich, auch den jungen Menschen Menschen nicht verwehren, im Studium bereits zu lernen. Warum gibt es das so wenig? Wir wissen ja auch, wie Nährstoffe elementar wichtig sind zum Erhalt der Gehirngesundheit. Und das gehört einfach heutzutage in die moderne Medizinkompetenz dazu.

Über Nährstoffe sprechen wir auch gleich, aber vorher habe ich noch einen Punkt, wo ich nämlich sehr gestaunt habe, beziehungsweise was ich fast schon irre finde, dass sich unser Gehirn nach Erschütterungen, nach Unfällen, Krankheiten wie einem Schlaganfall wieder ein Stück weit sogar selbst regenerieren kann. Ja, das ist in der Tat so. Man sollte aber, das wäre auch ein dringender Appell an alle da draußen, die uns zuhören und danke für all die Wertschätzung an dieser Stelle, man sollte das Oberstübchen schützen. Also jetzt nicht im Schwimmbad, ist mir auch schon passiert, irgendwie schwimmen und dann klonk, ach die Bahn ist schon zu Ende.

Oder auch in der Bahn, wo stellen manche ihren Koffer ab, dann denke ich immer schon, denkt bitte an den Menschen, der unten drunter sitzt mit dem Kopf, also Schädel-Hirntraumen, ob das jetzt so ein Koffer auf dem Kopf ist, eine Schranke auf dem Kopf ist, ob das ein anderes Trauma ist, sollte man verhindern, deswegen auch beim Fahrradfahren mit dem Helm anziehen und es wirklich ernst nehmen, Unfälle vermeiden ist immer besser als auszubahnen. Aber das ist wirklich toll. Das heißt, das Gehirn hat so ein Nervennetzwerk, dass es sich ganz toll direkt austauschen kann. Und man kann das Gehirn schon nicht auf Knopfdruck, aber in einer bestimmten Zeit auf Umwegen regenerieren. Ich würde es aber jetzt nicht drauf ankommen lassen. Auch das Gehirn kommt an seine Grenzen, weil es kann sich ja auch nicht so problemlos immer ausdehnen. Es steckt ja auch in dieser Kapsel in unserem Schädelknochen drin.

Dann kommen wir jetzt zum nächsten Punkt, die Ernährung und die Nährstoffe. Stichwort, was man dazu ja auch überall findet, ist wirklich Brain Food. Und dass wir unsere Schallzentrale lange fit und gesund halten. Mit welchen Ernährungstipps, mit welchen Nährstoffen, Anne? Also als allererstes muss man sagen, nichts ist so wichtig erstmal wie auch Wasser. Bevor man über Essen redet, das Gehirn braucht natürlich Nährstoffe, extrem viel sogar. Aber ausreichend viel trinken ist extrem wichtig, weil sonst schrumpfen die Gehirnzellen und das Gehirn kann einfach nicht mehr denken. Das heißt, man sagt ja 30 bis 40 Milliliter pro Kilogramm Körpergewicht beziehungsweise berücksichtigen sollte man natürlich, ob man eine Nieren- oder Herzinsuffizienz hat, aber mit zwei Litern am Tag, die sollte man wirklich schaffen, wenn nichts dagegen spricht, um optimal zu funktionieren. Und grundsätzlich gilt ungesunde Lebensmittel, also mit hohem Zucker, mit starken Blutzuckerreizen, alles was den Gefäßen nicht gut tut, so rumgesagt.

Ist auch nicht für das Gehirn gut, weil wir altern auch in dem Sinne, wie gesund unsere Gefäße sind und so altert auch das Gehirn.

Und was ich auch ganz wichtig finde in dem Zusammenhang, ist die Darm-Hirn-Achse. Wir wissen ja, dass nicht nur der Darm zu den verschiedensten Organen, Darm-Auge, Darm-Gelenk, Darm-Haut-Achse, Das sind übrigens auch Themen, die ich in meinem neuen Buch ansprechen möchte, wo ich immer noch dran arbeite, seit vier Jahren übrigens. Aber wir wissen, je gesünder der Darm, umso gesünder das Gehirn, weil bidirektional da eine ständige Autobahn ist und es wird sich ausgetauscht. Das heißt, je besser man isst im Sinne von Essen, umso besser wird es auch mit der Gehirngesundheit laufen. Was man jetzt konkret nennen kann, ist ein hoher Ballaststoffanteil, ein hoher Pflanzenkostanteil, möglichst wenig Zucker. Und auch die Süßstoffe würde ich ja eindeutig nicht ins Boot holen wollen. Aber auch solche sekundären Pflanzenstoffe, vor allem die Flavonoide in Äpfel, in Beeren, in Kakao, in grünem Tee, unterstützen ausdrücklich die Gehirnfunktion. Und es gibt nämlich wirklich sogar Studien, die zeigen, dass diese Effekte der sekundären Pflanzenstoffe hervorragend wirken, sogar bei älteren Menschen. Das heißt, es ist schön zu sehen, dass die Qualität der Ernährung, egal welchen Alters, einen riesigen Einfluss auf die Gehirngesundheit hat.

Da erlebst du ja bestimmt auch bei dir in der Praxis sehr viel, oder?

Ja, und da erlebe ich nicht wenig. Es gibt da auch zum Beispiel einen Fall, an den ich mich gerade erinnere. Das war eine Frau, die war noch gar nicht so alt, Mitte 60 und sagte, ich kann mich auf einmal nicht mehr gut konzentrieren. Sie war kurz vor der Rente, auch Schuldirektorin und hat auch schon zwei Enkelkinder. Sie sagt, ich komme mir manchmal vor, als weiß ich nicht mal mehr, was vor mir steht. Also sie hatte wirklich Angst, dass sie in eine Demenz kommt. Und was ich so spooky finde, dann habe ich, was ich eigentlich jedem empfehle, nicht nur wenn man jetzt Anfang 60 ist oder so, einfach mal Nährstoffe solide im Blut kontrolliert. Und zwar auch bioaktive B-Vitamine, nicht nur den normalen B-Status. Und sie hatte einen massiven Vitamin-B-Mangel. Und kaum haben wir diese Vitamindefizite substituiert, anfangs auch zum Beispiel über Infusionstherapien, waren die Beschwerden rückläufig. Toll. Und sie hatte noch einen leichten Eisenmangel, der auch bedingt sein kann durch die verschiedensten Ursachen, oft entzündlich bedingt. Und Eisen ist verantwortlich für die Schilddrüsenarbeit.

Auch die Schilddrüse war von den Werten am unteren Level bezahlt. Und so hing alles zusammen, ihre Konzentrationsschwäche, ihre Merkfähigkeitsschwäche, das auch so ein bisschen Leidliche, all das war ein Nährstoffproblem. Und deswegen ist es auch so wichtig, diese Nährstoffe, zum Beispiel auch B-Vitamine, die sehr wichtig sind für die Hirngesundheit, über die Ernährung zuzuführen. Und weil auch B-Vitamine so wichtig sind, um diese ganzen Isolierschichten um den Nerv, die Myelinscheide optimal zu stärken, genauso wichtig wie Omega-3-Fettsäuren. Also wenn wir wissen, dass auch so viel Hirnmasse aus Fett besteht, ist die Qualität der Omega-3-Fettsäuren und die Menge der Omega-3-Fettsäuren entscheidend. Und hier kann ich immer nur wiederholen, Es braucht frisch gepresste Omega-3-Fettsäuren aus einer Omega-Safe-patentierten Qualität. Also ein Öl, was nicht schon ein halbes Jahr haltbar ist, das macht einen aus Erfahrung sehr, sehr guten anti-entzündlichen Effekt. Und wenn wir schon sehen, das Gehirn sieht ja schon aus wie eine Walnuss.

Walnuss ist auch gut fürs Gehirn, aber das Gehirn liebt natürlich vor allem die langkettigen Fettsäuren DHA und EPA. Und das wäre mein allerwichtigster Tipp für das Gehirn mit dem B-Vitamin, mit Magnesium, mit Zink. Und auch mit Eiweiß. Also Zink wird zum Beispiel auch oft vergessen zu nennen, weil wir wissen, wenn Zink fehlt, kommt man häufiger zu einer sogenannten Neuroinflammation.

Das ist eigentlich der Prozess, der diese ganzen neurodegenerativen Erkrankungen bedingt. Also Alzheimer und Demenz. Das heißt, Zink ist auch wichtig für das Gehirn. Genauso wie Eisen, Eisenmangel, auch bedingt eine Neurodegeneration. Und was ganz oft auch nicht bedacht wird, ist die Kraft von Selen. Selen unterstützt die Mitochondrin, unterstützt die Entgiftung und ist auch nach Studien signifikant mit einem geringeren Demenzrisiko verknüpft. Übrigens gibt es auch gute Empfehlungen für Taurin, eine Substanz, die gerade sehr intensiv in der Anti-Aging-Forschung getestet wird. Und wir wissen, dass niedrige Plasma-Taurin-Spiegel assoziiert sind mit einem höheren Demenzrisiko. Insofern wissen wir, da geht eine Menge. Und last but not least, zum Schluss möchte ich auch noch nennen, auch Jod. Wir wissen, wie wichtig Jod ist für die Gehirnentwicklung bei Kindern und auch für die Schilddrüsenentwicklung.

Und auch hier ist bekannt, eine Schilddrüsenfehlfunktion, eine Unterfunktion, die einfach oft durch einen Jod- und Selenmangel oder Eiweißmangel bedingt ist, auch die ist mit einem höheren Demenzrisiko verknüpft. Das heißt, wer schon Mitte 30, Mitte 40 sich darum kümmert und auch die Nährstoffe beachtet und die Bewegung, der kann extrem viel für seine Gehirngesundheit und Langlebigkeit tun. Das sind gute Nachrichten. Anne, was ist Taurin? Du hast es gerade erwähnt, das sagt mir gar nichts. Taurin ist eine Substanz, die vielerlei Wirkung hat. Taurin ist. Wird auch in der Entgiftung bevorzugt eingesetzt. Es ist ein Antioxidant und es hat belegte Wirkung auf die Mitochondrien. Es wirkt stimulierend auf die Wachstumsfaktoren im Gehirn. Und es ist auch eine Substanz, die zum Beispiel bei Menschen mit Müdigkeit erfolgreich eingesetzt wird. Und wo finden wir Taurin? Wo drin ist das? Oder müssen wir es supplementieren?

Eigentlich ist es etwas, was am ehesten supplementiert wird. Okay. Aber es ist noch völlig unterschätzt und es ist nicht ohne Grund auch in Energy-Getränken drin. Gerade Menschen, die unter starker Müdigkeit leiden, profitieren enorm davon. Und man vermutet, es kommt auch durch die Wirkung auf die kleinen Mitochondrien zustande. Und was ich so aus meiner Erfahrung in der Praxis sagen kann, vor allem die Kombination Magnesium und Taurin hilft vielen, vielen Menschen, um auf ein besseres Leistungsniveau zu kommen. Und das hängt mit genau diesen Wirkungen zusammen. Auch tiefgreifende Wirkungen auf die Mitochondrien und Entzündungshemmung. Also wir kommen immer wieder an den Punkt, wenn man anti-entzündlich lebt, sei es nun durch Bewegung, durch besser schlafen, durch besser essen, durch Ergänzungen, dann hat man diesen kleinen Hebel mit einer ganz, ganz großen Wirkung. Mhm.

Dann sind wir wieder beim Thema Longevity, gesund, lange Leben. Aber kommen wir jetzt zum Thema Lebensstil. Wie wichtig sind denn Erholung, Stress, Kortisolregulation, psychische Gesundheit, damit wir ein gutes, lange funktionierendes Oberstübchen haben? Also ganz, ganz wichtig. Diese Themen Schlaf, Regeneration, Regulation, Entspannung sind Teil der modernen Medizin und sie sind gleichwertig. Und im Schlaf erholt sich unser Gehirn, da geht die große Waschmaschine los, das glymphatische System, die große Waschtrommel im Gehirn legt los. Und deswegen ist es so wichtig, den Schlaf als Hüter der Gehirngesundheit zu sehen, genauso wie Bewegung. Und was man auch weiß, dass es so wichtig ist, vom Lebensstil in die Entspannung zu kommen. Wir brauchen alle mal einen schönen Cortisolstoß, wenn ich hier sitze, Podcast mache oder wir sind auch mal, ja, wir wollen ja was tun und was leisten. Aber wenn jemand in einer chronischen Stressachse ist.

Anhalten, vor allen Dingen über mehrere Monate, ohne dass auch mal die sogenannte Cortisol-Stressachse sich ein bisschen erholen kann, sage ich mal, dann geht das mit einer geringeren kognitiven Flexibilität einher. Das heißt, es kommt oft zu Gedächtnisproblemen und auch die Gehirnstrukturen altern. Also vielleicht weiß das der ein oder andere auch.

Also wenn man jetzt sehr viel Stress hat oder manche haben dann noch die Wechseljahre als Sahnehäubchen obendrauf und dann denkt man, oh Gott, mir fällt was nichts mehr ein. Wäre auch nochmal ein Tipp zu hinterfragen, wie esse ich, wie schlafe ich, wie supplementiere ich und wie entspanne ich. Übrigens bei Supplementation fällt mir auch noch was ein, was ich noch ergänzen möchte. Vitamin D ist für mich ja schon fast selbstverständlich, dass man danach gar nicht mehr fragt. Ist auch elementar wichtig zur Vorbeugung von Demenz. Und da gibt es auch ganz klare Daten zu, wie das alles zusammenhängt. Übrigens gibt es auch noch andere Stoffe, die ich auch noch nennen kann, wie zum Beispiel Carotenoide, Ceaxantin oder auch Kreatin steigert die Mitochontin-Leistung im Gehirn und aber auch die Ballaststoffe aus dem Essen. Und um nochmal zurückzukommen, jetzt zu dem Sprung wieder in die psychische Gesundheit. Wenn wir wissen, dass die Ballaststoffe auch unsere Emotionen im Gehirn beträufeln.

Dann ist der Sprung von Ernährung zu Gehirngesundheit ganz, ganz, ganz klein. Und umso mehr wir also mit der Ernährung unsere Emotionen stärken und dann gleichzeitig für Entspannung und guten Schlaf sorgen, umso besser ist unsere Lernfähigkeit, umso besser ist unser kreatives Potenzial und wir können uns auch schneller an Herausforderungen anpassen. Also ich merke zum Beispiel auch, wie wichtig der Schlaf für mich ist. Ja, früher, also das war ja Wahnsinn. Ich habe ja viele Jahrzehnte ohne Klinik gearbeitet. Mein Rekord waren zwölf Nachtdienste im Monat und sechs von sieben Wochen in hintereinander. Ich war immer jemand, der tagsüber nicht gut schlafen kann. Also wenn irgendwie die Sonne nur so einen kleinen Ritz da am Fenster durchzwinkert, dann schlafe ich nicht. Insofern war das für mich eine ganz schön harte Zeit. Die liegt ja noch gar nicht so lange zurück. Ich bin aber für jeden Nachtdienst meines Lebens dankbar, weil ich da unglaublich viel gelernt habe. Deswegen Grüße an alle Weißkittel da draußen. Ich weiß auch, das möchte ich auch noch loswerden. Es gibt so viele ganz sympathische Menschen, die mir geschrieben haben, handgeschriebene Briefe, E-Mails von Menschen im Arztberuf. Es tut mir leid, ich kam noch nicht zum Antworten, weil es im Moment so, so viel ist. Man kann mich auch gerne.

Über unseren Podcast anschreiben. Ich möchte einfach, dass niemand verloren geht.

Und noch mal zurück, nicht die Nachtdienste verteufeln, sondern für alles dankbar sein, was man auch da lernt. Weil man lernt auch, Entscheidungen zu fällen und schnell zu denken und zu managen. Und deswegen, ich möchte das alles nicht missen. Ich bin ja nicht aus dieser Ernährungsmedizin gekommen, sondern umgekehrt in diese funktionelle Ursachenmedizin habe ich mich ja erst reinbewegt, als ich mit der klassischen Medizin auch an Grenzen gestoßen bin. Und wir sind ja hier die Brückenbauer. Es geht hierher nicht entweder oder, sondern wir versuchen das alles aus allen Blickwinkeln zu sehen. Und die Gehirngesundheit ist da eigentlich ein ganz tolles Thema, Weil man muss sich der Gehirngesundheit jetzt auch auf dem Level der Lebensstilmedizin nähern, weil wir anders das ganze Thema nicht in den Griff bekommen. Und ich habe gerade zum Thema Demenz ja auch lange geforscht an der Uniklinik und kann dann nur sagen, wie wichtig es ist, die Gehirngesundheit in den Fokus zu nehmen. Auch selbst, weil wir dürfen einfach nicht auf ein besseres Gesundheitssystem warten. Das ist richtig. Das kommt nicht so schnell. Das müssen wir uns selbst erschaffen. Wenn wir jetzt nochmal zusammenfassen, es waren jetzt wahnsinnig viele Punkte in dieser Folge. Was sind die größten Feinde unserer Gehirngesundheit? Die größten Feinde der Gehirngesundheit sind.

Schlechte Ernährung, fehlende Bewegung, fehlende Entspannung, schlechter Schlaf und Mangel an Nährstoffen und Mangel an sozialer Interaktion. Der Mensch braucht einfach auch den Menschen und er braucht die Neugier, er braucht das Miteinander und immer wieder sich herausfordern. Nie anfangen aufzuhören, nie aufhören anzufangen. Das wäre, glaube ich, das Motto des Gehirns. Damit es der stärkste Muskel aller Zeiten wird und bleibt. Wird und bleibt, genau. Ja, das war ein schönes Schlusswort, Anne. Prima, vielen Dank. In der nächsten Folge gibt es dann wieder eine Sprechstunde für euch mit euren Fragen. Bis dahin abonniert uns gerne auf RTL Plus und wo auch immer ihr uns hört. Bis nächsten Mittwoch. Bis nächsten Mittwoch. Und ich lade alle ein, es gibt einen neuen Newsletter von mir. Da können sich alle Menschen, die uns hier treu als Hörerschaft folgen, gerne andocken. Den packen wir auch nochmal in die Shownotes. Super.