Bevor es losgeht, ein wichtiger Hinweis. Dieser Podcast ist keine Anlageberatung oder Empfehlung. Alle Angaben sind ohne Gewehr. Diese stellen keinen Ersatz für eine professionelle und individuelle Beratung dar. Werteentwicklungen der Vergangenheit sind kein Indikator für zukünftige Wertentwicklung.
Hallo und herzlich willkommen. Was soll ich sagen? Es fällt schwer, im Moment einen anderen Schauplatz zu betrachten als die Entwicklung im Nahen Osten und natürlich die Entwicklung der Ölpreise. Selbst die sonst so präsenten Themen wie KI und Technologie stehen komplett hinten an und jeder schaut nur auf die Entwicklung von Inflation und Wirtschaft. Und wir tun das heute auch und haben drei Unternehmen heute ausgesucht, die ebenfalls von diesen Auswirkungen beeinträchtigt sind oder gegebenenfalls werden. Und vielleicht auch profitieren, denn du hast es gesagt, der Ölpreis erklimmt täglich neue Höchststände. Irgendwo las ich letzte Woche die Schätzung, dass der Ölpreis je Barrel auf bis zu 180 Dollar steigen könnte.
Da sind wir noch nicht, aber übers Wochenende ging es noch weiter hoch, aktuell so bei um die 110. Und da haben wir gedacht, okay, es liegt natürlich nahe, in dieser Situation an Ölaktien zu denken. Und wir wollen heute einmal darüber sprechen, am Beispiel von BP, was davon zu halten ist. Und wir haben nochmals Vonovia im Podcast. Zwar will das Unternehmen nicht mehr als reiner Vermietungsriese wahrgenommen werden, doch die anderen Geschäftsfelder laufen eher mau. Zugleich kämpft Vonovir mit einer sehr hohen Verschuldung und nun drohen auch wieder höhere Zinsen. Und aus Erfahrung wissen wir, dass es schon bei Ausbruch des Ukraine-Krieges zum Einbruch der Aktie kam. Und zu guter Letzt haben wir eine Tech-Aktie aus den USA, die sich anders als viele andere Branchenwerte sehr, sehr, sehr, sehr wacker schlägt im Moment. Was wiederum die Frage auslöst, warum ist das so? Und wir sprechen über Lumentum Holdings. Und wer zu einem dieser drei Unternehmen direkt springen möchte, kann das tun und orientiere sich wie immer an den Shownotes.
Petra, du hast es gerade im Einstieg ja nur ganz leicht angedeutet. Ich habe den Eindruck, wir sprechen an diesem Montagmittag, ein bisschen später als sonst. Und dein Nervenkostüm ist heute Morgen schon reichlich strapaziert worden. Darüber wollen wir kurz mal sprechen. Was ist los an den Märkten? Donald Trump hatte am Wochenende dem Iran ein Ultimatum von 48 Stunden gesetzt. Ansonsten werde er anfangen, die Energieinfrastruktur des Landes in Schutt und Asche zu verwandeln. Der Iran hat darauf reagiert und gesagt, ja mach doch, dann machen wir das mit dem Rest der Region auch. Und das Ganze hat natürlich Folgen an den Märkten. Der Ölpreis ist über Nacht in die Höhe geschossen. Der DAX heute Morgen unter 22.000 Punkten in den Handel gestartet. Minus zwei, 2,2 Prozent. Und dann heute Mittag plötzlich die Kehrtwende. Donald Trump hat es sich wieder alles anders überlegt und er verkündet, es laufe eigentlich super mit dem Iran, man habe viel zu bereden und man werde die kommenden fünf Tage komplett auf Angriffe auf die Energieinfrastruktur verzichten. Daraufhin hat der DAX heute Mittag einen Sprung gemacht um 1000 Punkte.
Und steht aktuell so bei 22.600, 22.700 Punkten. Der Handel des DAX, das kommt ja auch nicht so oft vor, wurde sogar kurzzeitig ausgesetzt. Und Petra, ja, du bist ein bisschen fertig mit den Nerven jetzt heute Morgen. Ja, was heißt fertig mit den Nerven? Ich habe das heute Morgen gesehen, die Eröffnung minus zwei Prozent. Konnte das natürlich auch gut nachvollziehen. Und da habe mich so ein bisschen gefreut, weil wer den Podcast hört, weiß, Ich habe hohe Liquidität und möchte halt mal so einen richtigen Ausverkauf erleben und dachte, Mensch, der fängt ja heute am Montagmorgen an und war eben in einem Videocall und wurde dann während dieses Calls darauf aufmerksam gemacht, was da gerade im DAX passiert und guckte nach und habe diese 1000-Punkte-Sprung dann plötzlich gesehen von irgendwie von 21.000 Punkten im DAX plötzlich kurz über die 23.000 Punkte. Und Timo, was soll ich sagen? Ich bleibe dabei. Trump handelt halt einfach nicht wie ein Politiker und daran müssen wir uns gewöhnen, daran werden wir uns nicht gewöhnen, aber trotzdem, er ist ein Mann der Wall Street, der Kapitalmärkte und er wird alles tun für seine Bürger, dass die Aktien entsprechend oben bleiben.
Im Moment habe ich aber das Gefühl, wir können darauf halt überhaupt nicht spekulieren oder handeln, weil ich habe das Gefühl, hier macht sich nur einer wirklich die Taschen voll. Und das ist er selbst, weil er im Vorfeld entsprechend Call- und Put-Optionen handeln kann. Das ist so uneinsichtig. Und wir können einfach nicht beurteilen, was er tut, was er macht und welche Absichten er hat. Das Einzige, was wir sagen können, er stellt seine Bürger nur dann zufrieden. Das sind halt alles Aktionäre, wenn die Kapitalmärkte oben bleiben. Ja, ja, das stimmt. Aber da wollte ich gerade einhaken, also das Gegenteil ist doch der Fall. Also die US-Aktienmärkte laufen jetzt nicht bombastisch und das schon seit einer ganzen Weile. Also ja, sie haben sich seit dem 2. April und dem heftigen Absturz vor einem Jahr wieder erholt, das stimmt, aber sie laufen jetzt eher so seitwärts oder sogar leicht rückläufig.
Ich habe jetzt nicht das Gefühl, dass Donald Trump eine Politik macht, die vor allen Dingen daran denkt, die Aktionärsinteressen oder die Interessen von Unternehmen und ihren Eigentümern zu befriedigen. Partikular, ja, da hast du recht. Einzelne Brancheninteressen, ja. Aber ansonsten kommt mir das alles sehr, sehr wild und erratisch vor und führt ja eher dazu, dass es eine enorme Verunsicherung gibt. Und wie du sagst, wer soll denn heute noch, man kann vielleicht langfristig daran denken, dass man weiter in Aktien investiert ist, aber zu überlegen, welche Geschäftsmodelle haben in diesem Umfeld, in diesem, sage ich mal, geostrategisch-geopolitischen Umfeld gerade noch eine ordentliche Zukunft, ist wahnsinnig schwer geworden. Und damit tut er, glaube ich, auch seinen eigenen Wählern keinen Gefallen. Das stimmt. Also grundsätzlich, er versucht die Börsen hochzuhalten, aber du sagst, es ist temporär. Auch hier gerät er ganz einfach an seine Grenzen heran.
Aber ich glaube, da ist jeder Casino-Besuch hat mehr Trend als das, was er tut, danach zu handeln. Und man kann einfach nur wirklich sich momentan raushalten, am Seiten ausstehen, das betrachten, den Kopf schütteln, Liquidität vorhalten und gucken, was sich irgendwann mal wirklich planbar tut. Im Moment ist das jedenfalls so planlos und wir haben auch keine Ahnung, wie das mit dem Nahen Osten weitergeht, was er vorhat, wann die Straße von Ormus geöffnet wird. Und du hast es eben selbst gesagt, wenn ich an solche Ölpreise denke, wie gerade spekuliert und aufgerufen wird, wird einem schwindelig und das kriegen wir alle zu spüren. Lass uns Stichwort, wir kriegen es alle zu spüren, über die Inflationserwartungen und den Ausblick auf die Zinsentwicklung sprechen, weil das ist ja auch relevant für uns. Die EZB und die amerikanische Notenbank Federal Reserve haben in der vergangenen Woche die Zinsen erstmal auf ihrem aktuellen Niveau belassen, haben aber gesagt, sie sind sehr nervös oder beziehungsweise beobachtend und gucken sich die Lage genau an. Die EZB hat auch neue Inflationserwartungen publiziert. Ich glaube, sie erwarten jetzt in den nächsten Monaten einen deutlichen Anstieg der Inflationsrate auf derzeit noch unter 2 Prozent, auf deutlich über 2 Prozent, 2,5, 2,6, vielleicht sogar Richtung 3 Prozent.
Was bedeutet das deiner Ansicht nach jetzt für die Zinsschritte in den kommenden Wochen und Monaten? Da werden ja wahrscheinlich Zinserhöhungen kommen, oder?
Ja, mit Sicherheit. Und zwar sowohl in den USA als auch in Europa. Und das sehen wir auch. Die Lage ist halt unsicher geworden. Und sowohl die FED als auch die EZB wird das berücksichtigen. Die EZB hat einmal den Fehler gemacht, bekanntermaßen, dass sie zu spät auf die steigende Inflation reagiert hat. Deswegen vermuten wir mal, dass das diesmal nicht passieren wird. Also in Amerika haben wir das, diese gewünschten zwei Zinssenkungen, die Trump mindestens gerne hätte, sind natürlich mit diesen ganzen Geschehnissen um den Nahen Osten und mit dem Ölpreis auch für die sonst so rohstoffunabhängigen Vereinigten Staaten entsprechend angestiegen. Deswegen Zinssenkungen sehen wir hier nicht. Und wer weiß, ob der neue Kandidat nach Jerome Powell auch dazu in der Lage ist. Du hast es eben gesagt, wir sind im Beobachtungsmodus. Und auch bei der EZB in Europa wird es höchstwahrscheinlich Zinserhöhungen geben. Man preist gerade circa 50 Basispunkte ein, also zwei Zinserhöhungen in diesem Jahr. Das bedeutet für uns natürlich, die Phase des günstigen Geldes ist vorbei. Die Kredite werden teurer, das hat Auswirkungen auf die Unternehmen und letztendlich natürlich auch auf uns Privatleute. Der Gürtel wird enger geschnallt werden, das heißt weniger Ausgaben, weniger Konsum.
Je länger dieses Szenario anhält, umso mehr Auswirkungen, und zwar negative Auswirkungen, wird das auf Unternehmen und auf die Börsen haben.
Jetzt haben wir in den vergangenen Monaten ganz oft übers Gold gesprochen. Der Goldpreis als sicherer Hafen und so weiter und so fort war ja über 5000 Dollar, die Feinunze. Und jetzt sehen wir aber seit Wochen bereits einen kontinuierlichen Preisverfall, der auch weitergeht in dieser Krise, was wiederum bei vielen Anlegern die Frage auslöst, Wie war das denn jetzt? Ist Gold der sichere Hafen jetzt oder nicht? Weil Krise haben wir ja und sogar noch mehr als vielleicht vor vier oder sechs Wochen. Trotzdem fällt das Gold. Petra, kannst du das aufklären? Also für mich ist Gold weiterhin der sichere Hafen, weil Gold einfach bei geopolitischen Risiken und Krisen und die haben wir wirklich en masse einfach eine wichtige Alternative ist. Was wir im Moment natürlich sehen, das ist eine Reaktion auf die steigenden Zinsen. Und Gold wird natürlich als Anlage unattraktiver, wenn die Zinsen steigen und damit natürlich Zinsen die Alternative werden. Was aber momentan auch sehr ausschlaggebend ist, Gold ist ein liquides Mittel. Und wir sehen gerade, dass viele Anleger gerade natürlich in Amerika Aktien auf Kredit gekauft haben. Die Kredite werden jetzt gerade teurer, weil die Zinsen steigen. Die Aktien im Gegenzug werden günstiger. Das heißt, die Besicherung fehlt mir etwas. Die Besicherung muss sich also mit Cash aufstocken. Also gehen viele Anleger momentan hin, verkaufen die einzige Cash-Position, die sie gerade wahrscheinlich im Gewinn verkaufen können. Das ist Gold.
Und dadurch haben wir natürlich nochmal einen entsprechenden Druck auf den Goldpreis, der fällt. Auf Monatssicht fast minus 20 Prozent. Aber darauf sollten wir schauen. Ich glaube, langfristig betrachtet sehen wir weitere Höchstkurse im Gold und vielleicht ist das jetzt die Möglichkeit, sich hier günstiger einzukaufen.
WDR mediagroup GmbH im Auftrag des WDR, Ja, wir sprechen über Öl. BP. BP gehört zu den ältesten Mineralölkonzernen der Welt. Aus einem ehemals britischen Staatsnamen Ölversorger wurde über die Jahrzehnte ein globales Energieunternehmen, das sich durch Zukäufe etwa in den USA zu einem der größten Ölkonzerne der Welt entwickelt hat. Diese Geschichte ist bis heute natürlich zweischneidig. Auf der einen Seite stehen enorme Cashflows aus Öl und Gas. Auf der anderen Seite aber Skandale und Umweltkatastrophen, die BP Milliarden gekostet haben und das Risikobewusstsein von den Investoren natürlich auch geschärft hat. Das Geschäftsmodell dabei ist recht simpel. BP fördert Öl, Gas und Flüssiggas, verarbeitet alles in den Raffinerien und verkauft dann Kraftstoffe, Schmierstoffe und Energieprodukte über Marken wie Aral und Kastrol an die Endkunden. Und das machen sie ziemlich profitabel. Natürlich, je mehr der Ölpreis steigt, umso profitabler.
Operativ verdient BP weiterhin ordentlich Geld. 2025 lag der operative Gewinn bei rund 7,5 Milliarden US-Dollar, der operative Cashflow übrigens bei 24,5 Milliarden US-Dollar mit einer Kapitalrendite von knapp 14 Prozent. Das ist schon einiges, aber unterm Strich sieht der IFRS-Gewinn, also das sind die Erträge und die Aufwendungen, allerdings wesentlich schwächer aus, weil vor allem im Bereich Gas und Low Carbon Energy hohe Abschreibungen das Ergebnis belasten. Jetzt hat mich ja auf diese Aktie ein treuer Hörer gebracht, mit dem ich kürzlich gesprochen habe, mal wegen einer anderen Sache. Und wir kamen auf die Ölaktien und dass das ja jetzt naheliegend sei, über Ölaktien nachzudenken angesichts der Lage an den Märkten. Und er erzählte, er hätte jetzt ein Drittel seiner BP-Aktien verkauft.
Und da habe ich gedacht, oh, das ist aber sehr interessant und ich finde das auch naheliegend, dass er das getan hat, weil wenn man sich jetzt mal das Unternehmen BP und die Aktie so ein bisschen länger anschaut, dann stellt man fest, okay, die Aktie ist in den vergangenen Jahren schon deutlich schwächer gelaufen als auch andere Titel in der Branche. Das hatten wir hier an der einen oder anderen Stelle auch schon mal besprochen. Und wenn man sich jetzt aber anguckt, wo die Aktie aktuell steht, nämlich bei umgerechnet 6,50 Euro etwa, dann stellt man fest, die Aktie ist eigentlich in ihrer historischen Entwicklung ziemlich auf dem Peak. Also selbst wenn ich jetzt 20, 25 Jahre zurückgehe, ist die Aktie eigentlich nie viel teurer gewesen als genau das, wo sie jetzt gerade steht, Nämlich bei umgerechnet 6,50 Euro. Vielleicht war sie mal bei 7 Euro umgerechnet, aber das ist dann schon sehr lange her. Und er sagte eben, nö, also die Aktie ist jetzt gut gelaufen, ist ein guter Dividendenwert, aber für mich ist jetzt mal Zeit, ein bisschen zu reduzieren und Gewinne mitzunehmen. Fand ich eine sehr kluge Einschätzung. Ja, finde ich auch. Und wahrscheinlich doch eine, die für viele Ölaktien im Moment gilt, weil die Märkte die hohen Ölpreise und die zu erwartenden Gewinne, die daraus resultieren, schon längst eingepreist haben, oder?
Richtig, also ich finde die Entscheidung auch sehr nachvollziehbar und auch smart, weil wir sehen es an dem Chart, wir haben immer diese kurzfristigen Ausschläge und das ist genau diese Entwicklung von Ölpreisen, die wir sehen, die sind halt nicht einschätzbar. Aber jetzt gerade auf diesem Peak Gewinne zu realisieren kann nicht schaden, vor allen Dingen, weil durch diese Gemengelage, die wir bei den Ölpreisschock natürlich als Turbo gerade sehen, profitiert gerade das Upstream-Geschäft massiv von den höheren Ölpreisen und jede zusätzliche Dollarbewegung nach oben spült natürlich auch noch mehr Cash in die Kasse. Aber gleichzeitig leidet natürlich auch BP an den geopolitischen Risiken in dieser Region, weil grob ein Fünftel der Produktion halt genau dort erwirtschaftet wird. Also daher kurzfristig, ja, können wir Rückenwind sehen und das sehen wir auch schon. Aber wenn wir uns das Ganze langfristig fundamental betrachten, sehen wir es am Rossi 5,9 durchschnittlich auf die letzten fünf Jahre. Das ist nicht profitabel und das ist nicht überzeugend und da hilft uns auch nicht die Dividende von 4,6 Prozent. Und wenn wir uns jetzt nochmal kurz erinnern an die Zeit vor dem Iran-Krieg, dann waren wir ja konfrontiert mit einer Situation, wo der Ölpreis eigentlich seit Monaten im Verfall begriffen war. Also der Ölpreis ist runtergekommen von 75 bis 80 Dollar, es ging runter Richtung 60, 65 Dollar.
Da stand er auch unmittelbar vor dem Angriff auf den Iran. Und da hat man ja schon viel darüber diskutiert, was ist da los am Ölmarkt, warum fällt der Preis immer stärker, obwohl auch die OPEC-Staaten gesagt haben, sie reduzieren ihre Mengen. Und die Erklärung war dort von Analysten, aber auch von internationalen Energieagenturexperten, dass es einfach ein strukturelles Überangebot an Öl im Markt gibt, beziehungsweise eine strukturell sinkende Nachfrage nach Öl. Stichwort Elektromobilität, vielleicht nicht hier in Deutschland und auch nicht hier in Europa, aber zumindest in China in einem wirklich großen Maßstab. Und dieses Stichwort Peak Oil China ist für den Ölmarkt wahrscheinlich höchst relevant, weil die Frage eben ist, wann fällt irgendwann mal strukturell dauerhaft die Ölnachfrage aus China? Und alle Experten gehen davon aus, dass es 2026 oder 2027 der Fall sein wird. Und dann hat die ganze Ölindustrie erst recht wieder ein Problem. Das alles ist natürlich immer so eine Ceteris Paribus-Betrachtung. Die hat unterstellt, dass es nicht zu einer Schließung der Straße von Hormuz kommt. Das ändert jetzt natürlich alles wieder. Aber sollte die Straße irgendwann wieder öffnen, sollte sich das alles wieder normalisieren dort am Persischen Golf, dann wird natürlich die Frage.
Wie viel Öl wird dauerhaft noch eigentlich auf der Welt benötigt und nachgefragt, wieder eine schlagende werden. Und auch das muss man, glaube ich, bei diesen Ölaktien immer berücksichtigen. Und das werden wir auch als erstes im Kurs dann sehen. Also es hat keiner weltweit Interesse an einer dauerhaften oder längeren Schließung der Straße von Hormuz. Und sobald das passiert, sobald hier nur im Geringsten eine Entspannung eintreten wird und das Interesse ist nun mal da, wird es sofort den Ölpreis treffen. Leider Gottes nicht für uns an den Tankstellen, anderes Thema. Und es wird auch sofort natürlich einen drastischen Verfall bei den Aktien von Ölkonzernen geben. Und daher jetzt auf diesem Peak, den wir hier im Aktienkurs sehen, Gewinne zu realisieren, meinen Glückwunsch dazu. Vom Ölpreisschock ist es ja gar nicht so weit zu unserem nächsten Unternehmen, obwohl das gar nichts mit Öl und Gas zu tun hat. Aber die steigenden Energiepreise werden, wir haben es vorhin schon im Einstieg gesagt, eine Kettenreaktion in der Wirtschaft auslösen. Und an deren Ende werden alle Preise mutmaßlich anziehen, ähnlich wie wir es 2022 nach dem Angriff Russlands auf die Ukraine gesehen haben. Und dies hat bereits bei den Notenbanken zu einem Umdenken, zu einem Kurswechsel geführt.
Statt die Zinsen weiter zu senken, werden sie die Zinsen wahrscheinlich in diesem Jahr anheben. Und damit sind wir bei unserem nächsten Unternehmen. Denn Vonovia, einer der größten Wohnungskonzerne Europas mit über 530.000 Wohnungen im Bestand, die man vermietet, ist abhängig vom Zinssatz. Und das ganze Geschäftsmodell basiert im Grunde genommen darauf, über Anleihen Geld aufzunehmen, möglichst günstig, um das in Immobilien zu investieren, die man dann vermieten kann. Dieses Geschäft hat in den vergangenen 15 Jahren so leidlich funktioniert. Es hat sehr gut funktioniert in der Niedrigzinsphase bis 2019. Da ist sowohl das Unternehmen stark gewachsen als auch der Aktienkurs stark gewachsen.
Aber seit 2020, 2021, 2022 erst recht mit der scharfen Zinswende ist dieses Geschäft unter Druck geraten. Man hatte ursprünglich gedacht, okay, jetzt könnte es sich wieder mit sinkenden Zinsen normalisieren. Aber da stehen wir jetzt nicht mehr, oder Petra? Ja, also es gab natürlich eine leichte Erholung, das haben wir auch im Kurs gesehen. Was natürlich, was wir schon vor drei Jahren im Podcast hatten, ist einfach, dass wir gesagt haben, um die Bilanz weiterhin aufrecht zu erhalten oder um die Liquidität zu haben, muss man sich von Wohnungs- oder Immobilienpaketen trennen. Also man verkauft im Grunde genommen das, wovon man sonst als Grundrauschen profitiert, von den Vermietungen. Aber anscheinend hat man das nicht schlecht gemacht. Letzten Donnerstag stellte der neue CEO Luca Mukic die Geschäftszahlen für das vergangene Jahr vor. Und siehe da, Europas größter Wohnungskonzern erwirtschaftet erstmals wieder seit 2021 einen positiven Ertrag vor Steuern von 2,53 Milliarden Euro.
Dabei konnte das Vermietungsgeschäft mit Mietsteigerungen entsprechend profitieren. Auch das Portfolio, also das Immobilienportfolio, wurde scheinbar verbessert, da mit einem geringeren Wohnungsbestand höhere Mieteinnahmen erwirtschaftet werden konnten. Aber was haben wir gesehen, Timo? Nachdem wir dann auch eine leichte Erholung im Vorfeld die vergangenen Jahre so ein bisschen in der Aktie gesehen haben, stürzte die Aktie um 12 Prozent letzte Woche ab und auf Monatssicht sogar um 20 Prozent. Weil doch jetzt tatsächlich die Verschuldung des Konzerns wieder in den Blickpunkt gerät und man sagt, okay, was ist denn mit diesem Unternehmen, wenn jetzt die Zinsen steigen, zum Beispiel Richtung 2,5 Prozent für die Leitzinsen, die Unternehmensanleihen mutmaßlich deutlich höher sind.
Und Vonovia hat einen riesigen Refinanzierungsbedarf jedes Jahr. Ich glaube, für dieses Jahr alleine ist es sowas um die fünf bis sechs Milliarden Euro, was der Konzern refinanzieren muss, zu dann höheren Zinssätzen, als man das vor einigen Jahren getan hat. Und das... Belastet natürlich im Grunde genommen das gesamte Geschäft. Genau, weil die Mieten können kurzfristig nicht angepasst werden, um das auszugleichen. Hingegen steigen aber natürlich die Finanzierungskosten und der Fremdkapitalhebel sinkt da natürlich für. Also daher, wir drehen uns hier weiterhin im Kreise.
Im Kreise vor allen Dingen deshalb, weil man ja schon 2022 versucht hat, unter dem alten CEO Rolf Buch die Verschuldung deutlich zu senken. Indem man sich von Wohnungen trennt, hoffentlich zu einem guten Preis. Das war ja dann auch in einem schwierigen Marktumfeld nicht immer gesichert. Ich glaube, das hat man ganz gut hinbekommen trotzdem. Aber die Frage stellt sich natürlich jetzt erst recht wieder und du hast den neuen CEO angesprochen. Er hat angekündigt, sich jetzt von weiteren Immobilien trennen zu wollen, von weiteren Wohnungen und die Verschuldung schneller zu senken, als das noch unter der alten Konzernleitung der Fall war. Ja, also bis zu diesen neuen Eskalationen, die wir sehen, die natürlich jetzt auch wiederum auf die Zinsen sich negativ auswirken, indem die Zinsen steigen, ist natürlich das, was Mukic vorhat, war schon okay. Das wäre also jetzt langfristig auch ein guter Weg gewesen, nämlich einen neuen Weg zu gehen.
In dem man halt sich breiter aufstellt, nicht nur der reine Vermieter ist, sondern neue Geschäftsfelder wie neue Wohnräume schaffen, Dienstleistungen rund um das Wohnen anbieten wie Hausverwaltung.
Das war schon alles okay, aber jetzt hat er natürlich wieder dieses Liquiditätsproblem. Die Zinsen steigen, das macht sich bei diesem enorm hohen Schuldenbestand bemerkbar. Und das wird unglaublich schwierig sein. Und dafür straft ihn natürlich auch sofort die Börse ab. Und man sieht es dann am Aktienkurs, weil hier jetzt wirklich die Fantasie fehlt, dass er aus dieser wiederkehrenden Misere wirklich herauskommt. Jetzt muss man aber auf der anderen Seite sagen, die Aktie kostet aktuell um die 21 Euro. KGV liegt für das abgelaufene Geschäftsjahr bei 7,4, für das laufende Geschäftsjahr 2026 bei 6,6. Die zahlen sogar eine ganz ordentliche Dividende für das abgelaufene Geschäftsjahr 1,25 Euro.
Für das laufende Geschäftsjahr wird eine Dividende von 1,28, 1,29, 1,30 erwartet. Das macht eine Rendite beim aktuellen Kurs von knapp 6%. Das ist einer der attraktivsten Dividendentitel wahrscheinlich im deutschen DAX. Würdest du nicht trotzdem irgendwie sagen, naja, so als Beimischung könnte das vielleicht eine ganz interessante, ich meine, vielleicht kriegt er ja die Kurve, vielleicht reduziert er ja seine Verschuldung und konsolidiert dieses Unternehmen, dann ist das doch möglicherweise jetzt eine ganz günstige Einstiegsgelegenheit. Ja, ich sehe aber fundamental hier keinen vom Fleck kommen. Und Mukic ist halt ein absoluter Zahlenmensch, das hat er ja unter Beweis gestellt. Und er hat auch bei den Zahlen, sage ich mal, einen kleinen Trick angewandt. Also das dargestellte Minus im Cashflow liegt momentan bei 2,9 Prozent.
Aber was hat er gemacht? Vonovia schreibt sich nämlich seit 2025 ein Mittelzufluss gut, weil man mit internen Handwerkerleistungen weniger ausgibt. Also im Grunde genommen ein fiktiver, geringerer Geldabfluss.
Und den preist er als positive Entwicklung rein. Würden wir den also so berücksichtigen, wie er auch zu berücksichtigen wäre in einer Bilanz, hätten wir einen negativen Cashflow von minus 5,1 Prozent. Und das ist einiges. Und dann müssen wir noch mal berücksichtigen, dass diese Verschuldung deswegen ein großes Problem ist, weil Vonovia mit bestimmten Kennzahlen einhalten muss. Weil die Banken haben das Recht, wenn diese Kennzahlen nicht hinterlegt werden, Kredite sofort fällig werden zu lassen. Das heißt also, bei Venover darf die Nettoverschuldung, also die Finanzschulden minus liquide Mittel, nicht höher sein als ein bestimmtes Vielfaches des EBTA. Das heißt also, hier muss immer wieder neue Liquidität nachgelegt werden und er melkt im Grunde genommen nicht die Kuh, sondern er verkauft gerade Teile der Kuh, die im Grunde genommen ihm die Mieten bringen. Und das wird schwierig. Es wird schwierig, dieses Grundmodell aufrechtzuerhalten. Und da hängt er jetzt völlig in diesen Zinsen drin. Also wir müssen jetzt erstmal gucken, was passiert wirklich mit der Inflation. Werden die Zinsen angehoben und jede Zinsanhebung, die wir sehen, wir hatten es im Intro mit den 50 Basispunkten, die alleine in 2026 von der EZB erwartet werden, wird richtig teuer und unattraktiv und unprofitabel für Vonovia werden. Klein, aber oho.
Ja, wir haben eine kleine Perle gefunden. Lumentum ist kein klassisches Silicon Valley Startup aus der Garage, sondern es ist ein Spin-Off. 2015 wurde der Bereich für Kommunikation und optische Produkte aus JDS Uniface herausgelöst und als Lumentum Holdings an die Börse gebracht. Lumentum ist ein Spezialist für optische und sogenannte photonische Produkte. Vereinfacht gesagt, sind das Bauteile, die Licht statt Elektronen verwenden, um Daten zu übertragen oder Materialien zu bearbeiten. Das Unternehmen gliedert sich dabei in zwei Segmente auf. Das ist einmal die optische Kommunikation. Hier liefert Momentum kritische Komponenten für Glasfaserinfrastruktur, etwa wie Laser, Transceiver und Schalter für die Hyperscaler und Netzbetreiber.
Konkret geht es um Cloud-Rechensysteme und Zentren, Telekom-Netzwerke und Hochgeschwindigkeitsverbindungen. Also im Grunde genommen das, was die KI heute zur Trage braucht und extrem wichtig ist. Und die zweite Branche ist der kommerzielle Laser. Im Lasergeschäft werden Hochleistungslaser für Industrie und teilweise auch die medizinischen Anwendungen angeboten.
Momentum ist damit also kein klassischer Endkunden-Tech-Wert, sondern ein Infrastrukturlieferant im Hintergrund, quasi der Zulieferer für das Rückgrat unserer KI-Rechenzentren oder der zukünftigen KI-Rechenzentren. Und das macht das Unternehmen natürlich so im Moment sehr wertvoll und vielleicht auch in Zukunft weiterhin attraktiv. Ja, du hast das Unternehmen vorgeschlagen. Mir sagte es gar nichts. Ich habe das dann einmal gegoogelt und gesagt, das ist aber doch schon spannend, weil es ist ja ein relativ kleines Unternehmen, noch nie von gehört. Hochtechnisch ist ja eher so eine Art Anlagenbauer, Industrieunternehmen. Im Grunde genommen hat es mich ein bisschen erinnert an zum Beispiel das schwäbische mittelständische Unternehmen Trumpf aus Deutschland. Die bauen ja auch so Hochleistungslaser. Auch genau in dieser Branche sehr, sehr relevant. Leider nicht an der Börse würde man sich jetzt echt wünschen, wenn man diesen Aktienkurs hier sieht und die Entwicklung. Denn ich habe den Chart gesehen und gedacht, ach du meine Güte, was ist denn hier los? plus 740 Prozent innerhalb von fünf Jahren. Die Aktie steht bei etwa 700 Dollar im Moment.
Börsenwert um die 50 Milliarden US-Dollar für ein Unternehmen, was etwa 1,6, 1,7 Milliarden Umsatz macht und im letzten Geschäftsjahr damit gerade mal 25, 26 Millionen nach Steuergewinn erwirtschaftet hat. Das geht da irgendwie ganz schön hoch und runter, kann man sich vorstellen.
Viele Investitionen, das zieht dann auch mal ordentlich runter. Klar, also im Aktienkurs spiegelt sich jetzt dieser ganze KI-Hype, den wir bei anderen Unternehmen in den letzten zwei Jahren schon gesehen haben, die jetzt seit sechs, acht, zwölf Monaten deutlich seitwärts oder rückläufig sind, haben wir hier an dieser Stelle auch schon häufig besprochen. Bei Lumentum sehe ich das bislang überhaupt nicht. Als Hardware-Lieferant gilt man offensichtlich da als relativ immun. Und das, was man macht, ist offensichtlich so speziell und durch einen Burgraben gesichert, dass es da auch nicht so wahnsinnig viele Alternativen zu geben scheint. Das ist natürlich total attraktiv. Aber mal ernsthaft, bei einem KGV von 185, Petra, da kann ich mir nicht vorstellen, dass du sagst, ja, da bin ich dabei. Hey, günstig eingekauft. Ja, bin ich auch nicht. Aber ich finde es aus zweierlei Gründen äußerst spannend. Erstens, also die Kapitaldaten stimmen. Lassen wir jetzt mal das KGV weg. Ansonsten steht Lumentum finanziell äußerst solide da. Es gibt eine starke Liquiditätsposition mit einer wirklich komfortablen kurzfristigen Zahlungsfähigkeit. Das macht das Unternehmen schon mal sehr, sehr spannend.
Was es weiterhin spannend macht, wenn wir uns jetzt nur mal das Ganze aus Kapitalmarktsicht angucken, die Aktie steht kurz vor der Aufnahme in einen größeren Index. Und es gibt Berichte über umfangreiche strategische Partnerschaften mit führenden KI-Chip-Herstellern. Mit Nvidia zum Beispiel. Ja, natürlich. Also einschließlich einer Milliardeninvestition. Also ich könnte mir vorstellen, dass hier vielleicht nicht nur investiert wird oder eine Partnerschaft angedacht wird. Vielleicht gibt es auch große Konzerne, die sagen, Diese alternative Herstellung über diese Lichtenergie kaufen wir uns direkt ein. Und das finde ich sehr, sehr wichtig. Es ist klar, wenn wir auf das KGV gucken und uns den Chart angucken, haben wir einen Laternenpfahl und das ist irre.
Aber die Börse hat ja auch klar einfach diese Trendwende honoriert. Und ich glaube, das ist natürlich keine Position, die ich hier im Depot aufnehme mit 10 Prozent.
Aber es ist eine Spekulation darauf, dass dieses Unternehmen weiterhin sehr gefragt sein wird. Und bei aller Wohler, die wir hier erleben, langfristig vielleicht mal eine kleine spekulative Position im Depot aufnehmen. Werden könnte. Das wollte ich jetzt gerade nochmal nachfragen. Also da würdest du jetzt dann schon so eine Ausnahme machen und sagen, naja, also so mit 1.000, 2.000 Dollar kann man da jetzt mal sich so zwei bis drei Aktien vielleicht ins Depot legen. Das darf nicht zu viel sein, aber da achten wir jetzt mal nicht so aufs KGV, sondern hoffen darauf, dass sich die ganze Hoffnung, die in diesem Kurs steckt, auch tatsächlich materialisiert. Ja, natürlich. Also wie gesagt, das ist eine reine spekulative Position. Auf die Nachfrage, die wir hier sehen werden.
Was mich gerade wirklich wundert, ist, dass dieses Unternehmen, mal abgesehen von allen Amazon, Nvidia und sonstigen Hyperscalern, die wir da draußen haben, wirklich überhaupt nicht zurückkommt. Also sehr, sehr stabil ist in der Kursentwicklung. Ich würde mich natürlich wohler fühlen, wenn wir hier auch mal einen kurzen Einbruch sehen würden. Zeigt aber scheinbar nur, wie sicher das Unternehmen oder auch wie begehrt es ist. Und ist natürlich klar, wenn wir hier ein S&P oder Sonstiges aufgenommen werden sollten, haben wir natürlich auch die großen Investoren, die in dieses Unternehmen investieren können und das in ETFs oder Fonds aufnehmen. Damit haben wir nochmal einen Hebel. Also eine kleine spekulative Position, davon wäre ich nicht abgeneigt. Ich habe es auf jeden Fall auf der Watchlist erstmal liegen. Das ist doch schön. Mit dieser kleinen netten Aussicht verabschieden wir uns schon wieder. Das war mal wieder Aktien fürs Leben, der Vermögenspodcast von Capital.
Wir hoffen, dass Sie gut durch diese wahrscheinlich weiter turbulente Woche kommen werden. Behalten Sie die Nerven und bleiben Sie uns gewogen. Vielen Dank. Ja, danke, lieber Timo. Ich hoffe, ich werde die Nerven behalten. Eine wunderschöne Woche auch von mir. Bis nächste Woche. Du auch bitte, Petra. Ja, ich bin's gewohnt, richtig. Tschüss. Bis dann, tschüss. Aktien fürs Leben. Der Vermögenspodcast von Capital. Mit Petra Ahrens und Timo Pache.