Hallo und herzlich willkommen zu Schneller Schlau, eurem Wissenspodcast von PM. Ich bin Andreas Albes und heute geht es um ein Thema, das in so manchem Schlafzimmer für Sprengstoff sorgt. Mal klingt es so oder so oder gar so. Es geht ums Schnarchen. Bei mir ist PM-Autor Thomas Wagner, der sich für uns sehr genau mit dem Thema beschäftigt hat. Hallo Thomas. Hi Andreas. Thomas, ich habe einen Freund, einen Fotograf, mit dem ich oft auf Reportage-Reise war und der hatte immer Oropax dabei. Nicht für sich, sondern für mich. Nämlich für den Fall, dass wir uns mal ein Zimmer teilen mussten. Und ich schwöre, wenn das mal passierte, hat selbst Oropax nicht geholfen. Aber jetzt sag, wie ist das bei dir? Hast du auch immer Oropax für potenzielle Zimmergenossen dabei?

Weniger für die Zimmergenossen, eher für mich selbst, denn ich habe auch einige Freunde, mit denen ich mir nur abgeschottet ein Zimmer teilen kann, weil ich sonst nachts kein Auge zudrücke. Okay. Nun ist Schnarchen nicht nur für die unfreiwilligen Zuhörer nervig. Viel, viel schlimmer ist es ja für die Betroffenen selbst. Und da kann es ja richtig gefährlich werden. Allerdings gibt es neue Methoden, die helfen. Ja, genau. Schlafapnoe ist wirklich gefährlich und es gibt neue Medikamente, die dagegen helfen können. Aber bevor wir da eintauchen, erklär doch erstmal, Thomas, was ist Schnarchen eigentlich? Ja, Schnarchen entsteht, wenn die Muskulatur im Rachenraum während des Schlafs erschlafft. Der Luftstrom verengt sich dadurch und bringt die weichen Teile wie den Gaumen oder das Gaumenzäpfchen zum Vibrieren. Das erzeugt dann dieses typische Sägewellengeräusch. Also mechanisch gesehen eigentlich ein Luftproblem, ne?

Genau und in den meisten Fällen auch harmlos tatsächlich. Aber wenn es zu regelmäßigen Atemaussetzern kommt, sprechen wir von obstruktiver Schlafapnoe, kurz USA. Und da wird es ernst. Okay. Was passiert denn da im Körper? Die oberen Atemwege kollabieren teilweise oder ganz. Die Atmung wird flacher oder setzt zeitweise komplett aus. Der Körper bekommt zu wenig Sauerstoff und gleichzeitig steigt die CO2-Konzentration an. Dieser Anstieg von Kohlendioxid löst ein Alarmsignal aus, das den Körper aus dem Tiefschlaf holt und den Atemreiz erzwingt. Betroffene schnappen dann typischerweise heftig nach Luft und wachen dabei kurz auf, meist unbewusst. Aber diese Weckreaktionen und der, man kann sagen, konstante Kampf gegen das Ersticken stören den Tiefschlaf natürlich massiv. Okay, das klingt wirklich brutal. Und das bekommt man im Schlaf dann wirklich gar nicht mit? Meistens nicht. Viele merken nur, dass sie morgens wie gerädert sind, obwohl sie ja scheinbar genug geschlafen haben.

Tagesmüdigkeit, Konzentrationsstörungen, sogar Depressionen können die Folge sein. Und langfristig wird es nicht besser. Bluthochdruck, Herzprobleme, Schlaganfallrisiko. Also ein echter Teufelskreis, der eigentlich beginnt, wenn man sich erholen sollte. Okay, das klingt wirklich schlimm. Sag mal, kann man denn sagen, ob es Menschen gibt, die ganz besonders betroffen sind? Prinzipiell kann USA jeden treffen, aber statistisch besonders gefährdet sind Männer über 40, Frauen nach den Wechseljahren und allgemein Menschen mit Übergewicht oder mit Verengungen in den oberen Atemwegen, zum Beispiel durch Polypen oder eine Fehlstellung des Kiefers. Jetzt habe ich vor dieser Folge auch mal ein paar Zahlen recherchiert und die zeigen, dass wir es tatsächlich mit einem größeren Problem zu tun haben. Schätzungen gehen davon aus, dass weltweit etwa eine Milliarde Menschen von Schlafapnoe betroffen sind, einer von fünf mit einer milden Form und etwa einer von 15 mit einer schweren Ausprägung, also das, was du gerade so bildhaft geschildert hast. Für mich klingt das eher nach einer Volkskrankheit als nach einem Nischenproblem.

Das kann man wohl so sagen. Und besonders bei Frauen gibt es eine riesige Diagnoselücke, denn bis zu 90 Prozent der Frauen mit OSA bleiben unbehandelt. Eine Studie aus dem Jahr 2019 mit knapp 2000 Teilnehmern hat gezeigt, dass Frauen stark dazu neigen, ihr eigenes Schnarchen entweder gar nicht zu bemerken oder aber zu unterschätzen oder herunterzuspielen. Ich denke mal, dabei könnten auch Geschlechterklischees eine Rolle spielen. Also die Sorge, dass Schnarchen als etwas Unfeminimes wahrgenommen wird. Das vermuten auch die Forscher, ja. Denn sie stellten eine drastische Diskrepanz fest zwischen dem, was Frauen bei Befragungen zu ihrem Schnarchen angaben und den tatsächlichen Messwerten. In der Studie zeigte sich, dass Frauen im Schnitt genauso laut schnarchen wie Männer, sich dessen aber oft nicht bewusst sind. Rund ein Drittel der Frauen, die sich selbst als Nicht-Schnarcherinnen einstuften, schnarchten laut Messungen sogar sehr stark. Männer nahmen ihr eigenes Schnarchen, dagegen deutlich realistischer war. Aber immer wichtig zu betonen, nicht jedes Schnarchen ist automatisch eine Atemstörung. Okay, aber wie findet man denn jetzt heraus, ob man nur laut schnarcht oder ob das Ganze schon apnöverdächtig ist?

Da man selbst kaum eine Chance hat während des Schlafs, geht der erste Impuls oft von geplagten Angehörigen aus. Die Diagnose ist auch recht komplex und führt meistens über ein Schlaflabor. Dort werden über Nacht Parameter wie Atemfluss, Sauerstoffsättigung, Hirnströme und Herzfrequenz aufgezeichnet. Aus den Daten ergibt sich dann der sogenannte Apnoe-Hypopnoe-Index, kurz AHI.

AHI. Und was sagt dieser Index jetzt genau aus? Wie oft es pro Stunde zu Atemstörungen kommt. Ein AHI über 5 ist auffällig, über 15 behandlungsbedürftig. Ja, und bei 30 Atemaussetzern pro Stunde liegt eine schwere Form der Schlafapnoe vor. Und dann, was was hilft?

Goldstandard ist die sogenannte CPAP-Therapie. Dabei trägt man nachts eine Maske, die durch einen kontinuierlichen Luftstrom mit leichtem Überdruck die Atemwege offen hält. Das funktioniert super und hat auch kaum Nebenwirkungen, ist aber für viele unbequem. Etwa 30 Prozent der Betroffenen lehnen die Therapie frühzeitig ab und langfristig nutzt sie nur noch etwa die Hälfte der Patienten dauerhaft. Neben den körperlichen Einschränkungen kommt bei vielen Betroffenen da auch eine psychische Barriere ins Spiel, weil sie schlicht nicht mit dem Gedanken klarkommen, nachts an einem Beatmungsgerät angeschlossen zu sein. Ja, das kann ich verstehen. Ich habe einen Bekannten, der hat so ein Ding und der versteckt es immer vor seiner Freundin, einfach weil es ihm peinlich ist. Aber jetzt habe ich noch ein paar allgemeine Fragen zum Schnarchen. Sag mal, stimmt es, dass Alkohol das Schnarchen verstärkt? Ohne Zweifel ja. Alkohol wirkt muskelentspannt und eben auch auf den Rachen. Dadurch wird Schnarchen wahrscheinlicher, besonders fatal. Der Atemantrieb wird zusätzlich gedämpft. Also trinken vorm Schlafen ist echt keine gute Idee. Und wie sieht es mit der Theorie aus? Rückenlage macht es schlimmer? Stimmt es auch? Auch das stimmt tatsächlich. in Rückenlage fällt die Zunge nämlich leichter nach hinten und blockiert so die Atemwege. Seitenschläfer schnarchen oft deutlich weniger. Dann habe ich noch etwas gelesen, das hat mich wirklich total überrascht. Wenn jemand nachts oft aufs Klo muss, dann kann das auch an einer Schnarchstörung liegen.

Ja, der Zusammenhang war mir auch neu. Bei Atemaussetzern schüttet der Körper vermehrt ein Hormon namens ANP aus. Das wiederum regt die Nieren an, mehr Urin zu produzieren. Gleichzeitig wachen die Leute öfter auf und bemerken so den Harmdrang überhaupt erst. Gerade bei Männern wird dann oft alles auf die Prostata geschoben, obwohl es sich eigentlich um ein Atemproblem handelt. Ein fatales Missverständnis. Jetzt hast du eingangs davon gesprochen, dass es seit kurzem Medikamente gibt. Die helfen. Genau, der Wirkstoff heißt Sultiam und der kommt ursprünglich aus einer anderen Ecke, nämlich aus der Epilepsie-Therapie, hilft hier aber, weil er ein bestimmtes Enzym namens Carboanhydrase ausbremst.

Carboanhydrase, was macht denn dieses Enzym? Ganz simpel gesagt, es hilft dem Körper, CO2 in eine Art Säuresignal umzuwandeln und dieses Signal nutzt der Körper, um zu entscheiden, ich muss atmen. Also bemerkt der Körper quasi zu viel CO2 über eine Art Umweg? Exakt. Mehr CO2 macht das Blut und auch die Hirnflüssigkeit minimal saurer. Das registrieren Sensoren im Körper und dann steigt auch der Atemantrieb. Was für Betroffene bedeutet, im Schlaf gerät die Atemsteuerung durcheinander, wie du es beschrieben hast. Mal wird zu wenig geatmet, mal wird hektisch nachgeregelt. Es kommt zu Atempausen und dann zu den stressigen Aufwachreaktionen. Ja, und genau da setzt dieses Sultiam an. Es bremst das Enzym, macht das System ruhiger und verlässlicher. Der Körper reagiert nicht mehr so sprunghaft auf CO2. Dadurch wird die Atmung im Schlaf gleichmäßiger. Und wie erfolgreich ist das? Gibt es dazu schon Studien? Die gibt es und sie haben gezeigt, dass der Apnoindex um fast 50 Prozent sank. Das Medikament könnte also künftig denjenigen helfen, die nicht mit Atemmasken schlafen können oder eben wollen. Jetzt lass uns gegen Ende der Folge nochmal über Schnarchprävention reden. Was kann man tun, damit es gar nicht erst so weit kommt, dass man so ein Medikament braucht?

Ja, Gewicht reduzieren klingt hart, aber das ist ganz häufig die Stellschraube, die man am ehesten aktiv selbst beeinflussen kann. Studien haben gezeigt, dass schon 10% weniger Körperfett die Apnole-Frequenz halbieren können. Ansonsten... Kein Alkohol vor dem Schlafen und die Schlaflage ändern, also lieber seitlich schlafen. Und bei Verdacht dann doch ab ins Schlaflabor. Unbedingt, vor allem wenn man sich morgens nie erholt fühlt oder die Partnerin oder der Partner Atemaussetzer bemerkt. Aber so eine schlafmedizinische Untersuchung mit Kabeln und Sensoren am ganzen Körper, das ist tatsächlich auch kein großer Spaß.

Nee, aber da habe ich noch eine gute Nachricht. Vielleicht müssen Betroffene bald nicht mehr ihre Nächte in Schlaflaboren verbringen. Denn Forscher aus Cambridge haben Pyjamas mit Sensoren entwickelt, die spezifische Bewegungsmuster der Haut, etwa am Hals, während des Schlafs aufzeichnen. Die erkennen fast 100% genau Schnarchen, Atemaussetzer und sogar andere Probleme wie etwa Zähneknirschen. Also ein Hightech-Pyjama als Gamechanger in der Schlafmedizin. Ich finde, das ist eine gute Nachricht zum Schluss dieser Folge. Auf jeden Fall können wir festhalten, ob mit oder ohne Schnarchen. Wir schlafen heute auf jeden Fall mit mehr Wissen ein. Danke, dass du da warst, Thomas. Sehr gerne, Andreas. Damit verabschieden wir uns für heute. Wenn euch die Folge gefallen hat, vielleicht abonniert ihr uns. Und natürlich freuen wir uns immer über ein paar Sternchen und anregende Kommentare. Ich sage Tschüss, bis zur nächsten Folge. Bleibt neugierig und achtet darauf, ob eine Schnarchnase neben euch liegt.

Schneller schlau. Der kurze Wissens-Podcast von PM.