In seinem Song Männer singt Herbert Krönemeyer, wie Männer so sind. Spielt mit Klischees über Intelligenz und Charakter. Wir wollen Sie heute mal genauer angucken, die Sache mit der Intelligenz. Wer ist eigentlich schlauer, Männer oder Frauen? Ich bin Anne Baum und ihr hört Schneller Schlau, den Wissens-Podcast von PM. Bei mir oder mir gegenüber sitzt der Psychologie-Experte Jochen Metzger. Hallo Jochen. Hallo Anne. Ja, Jochen, heute reden wir beide über ein Thema, das vermutlich polarisiert. Meinst du, ist das ein polarisierendes Thema? Ich bin mir da gar nicht so sicher. Ja, doch, ich glaube schon. Also jedenfalls hast du kürzlich ein Buch über allerlei Psychologie-Mythen geschrieben. Und in einem dieser oder in einem Kapitel erzählst du, dass deine Kinder dich erst auf diese Frage gebracht haben. Das stimmt, ja. Das ist schon eine Weile her. Da sind meine Kinder noch in die Grundschule gegangen und irgendwann haben die so ganz beiläufig erklärt, ja, Mädchen sind viel schlauer als Jungs und das ist eine ganz klare Sache. Und wie haben die das begründet? Also der Sohn hat damals behauptet, naja, die Mädchen, die melden sich häufiger im Unterricht und die wissen dann auch fast immer die richtige Antwort. Und ja, und meine Tochter meinte, genau so ist es. Und dann haben die einfach weitergespielt und das war also völlig klar und überhaupt nicht polarisierend für die beiden. Das klingt tatsächlich nach einer sehr übereinstimmend klaren Meinung. Voll. Und das Verrückte ist halt, dass das tatsächlich keine Einzelmeinung ist. Ich habe mir das dann nochmal angeguckt und es gibt wirklich Studien, wo man achtjährige Kinder befragt hat. Und zwar hat man das so gemacht, man hat ihnen halt erzählt, okay, da ist ein Kind, das ist ein bisschen bräsig, langsam im Kopf, steht da wörtlich drin in der Studie. Und dann hat man gefragt, was meinst du, ist das ein Mädchen oder ist das ein Junge? Und dann sagen sowohl die Mädchen als auch die Jungs, naja, wahrscheinlich ist das ein Junge. Spannend. Die meisten Kinder sehen das offenbar so, wie deine Kinder das in der Grundschulzeit gesehen haben. Denken wir als Erwachsene denn genauso? Da gibt es auch Studien zu Umfragen. Da sind die Ergebnisse nicht ganz so klar. Aber trotzdem gehen die genau in dieselbe Richtung, da kommt raus. Also wenn man grundsätzlich glaubt, dass Männer und Frauen unterschiedlich intelligent sind, dann sieht man dann häufig die Frauen im Vorteil. Das ist einfach so. Und man sieht auch einen Trend, also da gibt es nicht nur eine Studie, das hat man seit vielen Jahrzehnten immer wieder gemacht. Und zumindest hier bei uns in westlichen Industrieländern, seit dem Zweiten Weltkrieg verstärkt sich dieser Trend immer weiter. Und für mich heißt das, jawohl, viele Menschen sind tatsächlich überzeugt, Männer sind dümmer als Frauen. Gut, jetzt ist das ja eine Überzeugung. Aber gibt es denn auch Beweise dafür, dass Männer wirklich dümmer sind? Ja, lass mich noch eine Anekdote erzählen vorher. Ich erzähle dir gerne kleine Geschichten. Also ich habe früher für Frauenzeitschriften gearbeitet, mehrere Frauenzeitschriften. Und da waren natürlich viele Frauen, die da gearbeitet haben und die waren sich alle vollkommen sicher, dass Frauen sozusagen die Form von Mensch ist, die sich der liebe Gott eigentlich vorgestellt hat. Und Männer sind so Resterampeware, weißt du, schadhafte Montagsexemplare und sowas. Und eine Kollegin meinte damals, ja, du, Schatzilein, dass Männer doof sind, das ist doch vollkommen klar, guck dir nur mal den Darwin Award an. Oh, aber ja, Jochen, schön, dass du da trotzdem gearbeitet hast. Den Darwin-Avart, den kenne ich natürlich. Das ist so eine Art Anti-Nobelpreis, eine Webseite, die Geschichten von kuriosen Todesfällen sammelt oder zumindest gesammelt hat. Ja, genau. Also da geht es um Menschen, die, Zitat, auf außerordentlich idiotische Weise ums Leben gekommen sind. Das klingt sehr makaber. Trotzdem, Jochen, kannst du uns ein Beispiel dafür geben? Also ich mag zum Beispiel die Geschichte von diesem Mann in den USA, war das glaube ich, also der fährt mit dem Boot auf den See, er kann nicht schwimmen, trägt eine Schwimmweste, natürlich nicht, dann gerät er in Seenot, wird gerettet, sein Boot ist immer noch draußen so und dann, was macht er, statt sich zu freuen, hey ich bin mit dem Leben davon gekommen, er besorgt sich halt nochmal ein Boot, um sein erstes Boot abzuschleppen da draußen und kann er inzwischen schwimmen, natürlich nicht, trägt er diesmal eine Schwimmweste, wieder nicht. Er geht beim Rettungsversuch seines Bootes über Bord und diesmal ertrinkt er wirklich. Oh Gott, das ist wirklich dämlich. Ich gestehe es. Ja, es ist sehr, sehr dämlich. Ich habe noch ein anderes Beispiel. Das ist dieser Typ, der eine Briefbombe verschicken will. So eine Art Terroranschlag muss das gewesen sein. Ja, dumm nur, dass er nicht genügend Briefmark auf das Päckchen geklebt hat. Dieses Paket kommt zu ihm zurück und er so... Ein Bettchen. Interessant. Mal gucken, was drin ist. Und dann so Boom, Explosion. Oh Gott. Ja, ich glaube, man versteht das Prinzip. Das sind lauter Menschen, die sich sehr dämlich anstellen und dabei ums Leben kommen. Meine Frage ist, ist das Zufall, dass deine Beispiele immer Männer waren? Nee, es ist kein Zufall. Also es gibt ja hunderte solcher Geschichten auf dieser Website. Und es gibt auch ein Forschungsteam, das sich mal die Mühe gemacht hat, diese Storys statistisch auszuwerten. Und die haben dann tatsächlich eine wissenschaftliche Studie dazu veröffentlicht. Und da steht 88,7 Prozent der Darwin-Preisgewinner sind Männer. Der Geschlechterunterschied ist, ich zitiere, hochgradig signifikant. Oha, das heißt, das kann kein Zufall sein. Ja genau, ist kein Zufall. Sieht erstmal ganz eindeutig aus. Und Männer machen deutlich häufiger extrem dämliche Sachen, das kann man so sagen. Jetzt gibt es ja auch noch die Geschichte mit den Schulnoten. Ich habe im Kopf, Jungs sind besser in Mathe und Physik, aber dafür bekommen Mädchen insgesamt bessere Noten. Ja, okay, das mit Mathe und Physik ist wirklich ein weites Feld. Man versucht ja in Deutschland und in vielen anderen Ländern schon lange, das zu ändern, mehr Mädchen, mehr Frauen in diese mathematischen Fächer und Berufe vor allem zu bringen. Aus allen Studien, die ich dazu lese, sehe ich, dass sich Mädchen und Frauen überall auf der Welt einfach nicht so doll für Mathe interessieren. Das ist einfach so. Also klar, es gibt Frauen und Mädchen, die tun das, aber im Durchschnitt als Gruppe ist da einfach weniger Interesse. Also die Formel in der Psychologie heißt, Frauen interessieren sich für Menschen und Männer für Sachen. Und Zahlen und Formeln, das ist mehr die Sachenwelt. Also könnten wir lange drüber reden. Noten insgesamt, ist genau wie du sagst. Man kann gucken, wer macht eigentlich Abi in Deutschland. So in den 60er Jahren, da waren es noch junge Männer, die da in der Überzahl waren, patriarchale Gesellschaft. Aber seither, das ändert sich und die Zahl geht immer weiter auseinander. Die Mädchen haben die Jungs lange, lange überholt, weit überholt. Das heißt, heute machen viel mehr Frauen Abitur als Männer. Absolut. Und das Studienfach Psychologie, darüber schreibe ich ja die meiste Zeit, da früher Männerdomäne, heute über 75 Prozent Frauen, die das anfangen. Weil die Männer keine Lust haben, Psychologie zu studieren? Haben wir ja gerade gesagt, Frauen interessieren sich für Menschen, Männer für Sachen. Nicht nur. Die Jungs scheitern am Numerus Clausus. Die Abinoten sind zu schlecht, die die kriegen. Deshalb kommen die da gar nicht mehr rein. Okay. Ja, Jochen, die Indizienkette scheint hier wirklich darauf hinzudeuten, dass was dran ist an der These von den klugen Frauen und den dummen Männern. Wir haben die Alltagsmeinungen von Kindern und Erwachsenen gehört. Wir haben die Schulnoten, die Zugänge zur höheren Bildung und den Darwin-Award angeguckt. Alles geht ja in dieselbe Richtung. Ja, genau. So, jetzt habe ich mich natürlich gefragt, Darwin-Award. Lass uns da nochmal genauer drauf gucken. Liegt das an der Intelligenz? Oder ist da vielleicht noch was anderes im Spiel? Und da habe ich eine Frage an dich, Anne. Du hast doch bestimmt auch schon mal was Bescheuertes oder Riskantes gemacht in deinem Leben, oder? Oh, da müsste ich eine Weile drüber nachdenken. Vielleicht so irgendwie Nachrichten betrunken geschickt, wenn das durchgeht. Ja, ja. Okay, ich sehe schon, du willst keine Details erzählen. Nee, bitte nicht. Das haben wir ja alle schon mal oder viele von uns schon mal erlebt, dass man was rausschickt und denkt, oh Gott, warum habe ich das gemacht? Oder vielleicht an den falschen Verteiler geschickt und so. Und genau, das ist ein wichtiger Punkt, Alkohol. Und der spielt auch bei den Darwin Awards eine große Rolle. Und jetzt kann man sich natürlich fragen, trinken die Männer denn mehr als die Frauen? Ich habe mir dazu eine Statistik auch angeguckt und da kommt raus, jawohl, Männer saufen mehr. Das ist einfach so, dafür gibt es sogar eine Kategorie, die nennt sich episodisches Rauschtrinken. Es ist sehr genau definiert, ab wann das losgeht. Und das kommt bei Männern ungefähr doppelt so häufig vor wie bei den Frauen. Das heißt, der Darwin-Avart sagt vielleicht viel mehr über den Alkoholkonsum aus als über die Intelligenz am Ende. Könnte man so sagen. Und es gibt noch einen zweiten Punkt. Männer sind im Durchschnitt auch viel risikobereiter als Frauen. Das zeigen sehr viele Studien, egal wo man das untersucht und aus welchem Jahrgang die Teilnehmenden stammen. Immer die gleichen Effekte. Warum? Auch wieder ein weites Feld. Männer machen halt gerne einen auf dicke Hose. Das ist auch so. Vielleicht liegt das auch daran, dass es gesellschaftliche Erwartungen gibt, die sowas von Ihnen fordern. Wir Männer müssen mutig sein. Spielt alles eine Rolle. Die Biologie kann auch eine Rolle spielen, da bin ich mir auch ziemlich sicher. Da bin ich mir auch sehr sicher. Das heißt, die Darwin-Avart-Dominanz der Männer liegt an Alkohol- und Risikobereitschaft und nicht unbedingt an fehlender Intelligenz. Ja genau, meine Formel ist, es liegt an Schnaps, Bier und Testosteron. Aber könnte es nicht trotzdem sein, dass Frauen im Durchschnitt schlauer sind? Es gibt ja noch ganz andere Kriterien als vermeidbare Todesfälle. Genau, wir müssen uns natürlich die Intelligenzforschung angucken, also den Zweig der Psychologie, der unsere auf schlau, sagt man, kognitiven Fähigkeiten misst. Und was sagt sie, diese Intelligenzforschung? Ja, da weiß man, dass Frauen zum Beispiel Vorteile haben, wenn es um Sprache geht. Also ich erzähle da immer die Geschichte von Stefan und Stefanie, bei denen ist alles gleich, alle psychologischen Parameter sind gleich, nur das Geschlecht ist unterschiedlich und da sieht man, ah okay, Stefanie hat einen größeren Wortschatz als Stefan. Das ist auch wieder einfacher. Da kann man wenig dran drehen. Bei Spielen wie Tabu oder Codenames gewinnt das Frauenteam deshalb häufiger als das Männerteam. Wo gewinnen die Männer? Ja, Männer haben auch Vorteile, zum Beispiel beim räumlichen Denken, dreidimensionales Denken, Orientierung, da schneiden die Männer besser ab. Also jedes Geschlecht hat seine Vorteile bei bestimmten Aufgaben, höre ich daraus. Wie ist es denn mit der allgemeinen Intelligenz? Ja, also wenn man viele Frauen und viele Männer so einen allgemeinen Intelligenztest machen lässt, da findet man im Durchschnitt keine Unterschiede zwischen den Geschlechtern. Im Durchschnitt sind Männer nicht klüger und nicht dümmer als Frauen. Das heißt, der Satz, Frauen sind schlauer als Männer, ist kompletter Bullshit? Könnte man denken, stimmt aber doch nicht ganz. Es gibt nämlich einen interessanten Kniff in diesen Intelligenzdaten. Ja, hau raus. Also die Durchschnittswerte sind gleich, das haben wir gesehen. Aber wenn man sich anschaut, wie diese Durchschnittswerte zusammenkommen, dann sieht man was ganz Spannendes. Diese beiden Kurven, die Männerkurve und die Frauenkurve, die gehen am unteren Ende der Verteilung deutlich auseinander. Das heißt unterhalb von etwa 80 IQ-Punkten findet man fast nur noch... Männer, ganz viele Männer und ganz, ganz wenige Frauen. Um jetzt was Schlaues einzuwenden. Das heißt, es gibt sehr viel mehr sehr dumme Männer als sehr dumme Frauen. Ja, genau. So ist das. Es gibt sehr viel mehr sehr dumme Männer als sehr dumme Frauen. Und am anderen Ende der Skala, also bei den extrem, extrem super hyperintelligenten. Ist genau das Gleiche wieder. Da sieht man auch mehr Männer als Frauen. Also da meine ich jetzt nicht Leute wie dich und mich, sondern so Hardcore-Big-Bang-Theory-Nerds. Mehr Männer als Frauen. Jedenfalls spricht man in der Wissenschaft von der Greater Male Variability Hypothesis. Also Männer unterscheiden sich untereinander viel extremer in ganz vielem, als Frauen das tun. Also in den extremen Ecken der Verteilung sind Männer überrepräsentiert. Ganz allgemein. Findet man das auch woanders? Also sind Männer auch woanders extremer als Frauen? Ja, genau. Also alle möglichen anderen Faktoren in der Psychologie zum Beispiel nehmen wir Persönlichkeit. Wenn ich die extrem Ängstlichen nehme, die extrem Coolen, die extrem Neugierigen, die extrem Wissensscheuen, in all diesen Gruppen findest du mehr Männer als Frauen. Sogar beim Gehör, also Menschen mit extrem gutem Gehör und mit extrem schlechten Ohren, wieder in beiden Gruppen deutlich mehr Männer als Frauen. Sogar bei den Tieren gibt es, also habe ich mir auch angeguckt, da gibt es auch Studien zu, diese Variabilitätshypothese wird dort ganz oft bestätigt. Zum Beispiel habe ich eine Studie gelesen von einem Jahr ungefähr, da hat man das für den Faktor räumliche Intelligenz bei der amerikanischen Gebirgsmeise nachgewiesen. Es gibt wirklich Leute, die das untersuchen. Und auch da dasselbe Muster bei den ganz dämlichen Vögeln, fast nur Männermeisen. Und bei den extrem cleveren auch fast nur Männermeisen. Die Studie der amerikanischen Gebirgsmeise. Ich finde, das klingt sehr witzig. Ich würde sie gerne mal irgendwann nachlesen. Okay, ich fasse mal zusammen an der Stelle. Im Durchschnitt sind Männer und Frauen gleich intelligent, aber es gibt mehr sehr dumme Männer und auch mehr sehr schlaue Männer. Ja, genau. Perfekt gesagt. Aber warum glauben viele dann, dass Männer dümmer sind? Wo kommt das her, Jochen? Ja, weiß man nicht so richtig, aber ich glaube, weil uns diese Extremfälle halt besonders ins Auge fallen und weil wir uns an die erinnern, die prägen unser Menschenbild. Also wir sehen den Typen, der sein Auto zu Schrott fährt, der den Darwin-Preis gewinnt oder der von oben auch auf Stromkabel von Zugoberleitungen pinkelt und am nächsten Tag in der Zeitung steht und man denkt sofort bei all diesen Typen. Okay, typisch Mann, ist einfach so. Also die normale durchschnittliche Intelligenz, die fällt halt nicht so auf. Unser Eindruck ist also nicht komplett falsch, sondern eher verzehrt. Genau, also es gibt tatsächlich einen wahren Kern. Es gibt sehr viele sehr dumme Männer und deshalb sind Jungs früher etwa doppelt so häufig in der Schule sitzen geblieben als Mädchen. Und deshalb ist bei Fernsehserien wie den Simpsons oder Family Guy, ich liebe Family Guy, der Trottel ist immer der Mann. Der Familienvater ist der Depp. Ja, wir wissen intuitiv, ja, diese Typen gibt es, die gibt es tatsächlich. Ja, Jochen, dann vielen Dank dir für diese sehr differenzierte Betrachtung. Sehr gerne. Das Fazit, Männer sind dümmer und schlauer als Frauen. Und damit war es das mit dieser Folge Schneller Schlau. Und ich hoffe, egal ob Mann oder Frau, ihr seid so intelligent und schaltet nächsten Donnerstag wieder zu einer neuen Folge ein. Schneller Schlau Der kurze Wissens-Podcast von PM.