Sie Tokens singen in ihrem Song The Lion's Leaps von Löwen, die im Dschungel schlummern. Die Raubtiere gehören zu den Langschläfern unter den Tieren. Warum können sich die Löwen den Luxus vom Langen ausschlafen gönnen? Und wovon träumen eigentlich Ameisen? Ihr hört eine alles andere als einschläfernde Folge Schneller Schlau, dem Wissenspodcast von PM. Ich bin Anne Baum und mein Gast ist heute der Journalist Birk Grüling. Birk, eine simple Frage gleich zu Beginn. Schlafende Hunde sind problemlos zu erkennen, sie rollen sich zusammen und schließen die Augen. Aber woran erkennt man schlafende Fische? Fische haben wie ganz viele andere Tiere auch keine richtigen Augen wieder, also können sie auch nicht die Augen schließen und Forschende definieren deshalb den Schlaf mit anderen Merkmalen. Also zum Beispiel das Tier nimmt eine typische Ruhehaltung ein, du hast schon gesagt beim Hund zusammenrollen, es reagiert langsamer auf die Reize und wenn man auch irgendwie Messgeräte an den Kopf kriegt, dann könnte man sogar die Hirnaktivitäten messen. Das ist natürlich bei einer schlafenden Ameise zum Beispiel ein bisschen schwieriger. Genau, und diese Veränderung der Gehirnaktivität erlaubt auch sehr ungewöhnliche Formen des Schlafens. Und zwar schlafen im Stehen, im Wasser, im Flug oder nur mit einer Gehirnhälfte. Aber dazu später. Erstmal, Birg, welche Tiere sind denn die absoluten Rekordhalter im Tierreich, also die absoluten Rekordschläfer? Koalas schlafen bis zu 22 Stunden am Tag und Schuld daran ist ihre Nahrung. Eukalyptusblätter sind nämlich super schwer verdeutlicht, enthalten wenig Energie und deshalb sparen Koalas, wo sie nur können und bewegen sich so kaum wie möglich. Und das ist, finde ich, sehr niedlich. Die klemmen ihren kleinen, flauschigen Hintern in Astgabeln, um nicht runterzufallen beim Schlafen. Genau, aber auch Giraffen kommen dafür aber dann mit zwei bis vier Stunden Schlaf aus und verteilen das über ganz kurze Nickerchen. Für mich wäre das nichts. Ich brauche ein bisschen mehr Schlaf, aber genau. Die sind nämlich sehr große und auffällige Tiere und sie leben in einer offenen Landschaft und brauchen eben mehr Zeit zum Fressen, Deshalb schlafen die dann im Stehen. Die brauchen ein bisschen weniger Schlaf als der Koala. Und im Liegen wäre es ja auch extrem gefährlich, weil bis man aufgestanden ist, dauert es eine ganze Weile und währenddessen kann man nicht aufpassen. Genau, also der Schlaf ist so ein typischer Kompromiss der Evolution. Also einerseits braucht man den Schlaf, andererseits wer schläft, reagiert auch langsamer und nimmt seine Umgebung eben schlechter wahr und wird eben auch leichter gefressen. Trotzdem alle schlafen und die Evolution hat den Schlaf dann deshalb auch gar nicht abgeschafft, weil eben die Nachteile von Schlafmangel deutlich größer sind als die Risiken des Lebens. Mal ein kleines Nickerchen. Und ohne Schlaf funktioniert das Gehirn nämlich auch nicht. Unser Immunsystem bricht zusammen. Ja, das Verhalten wird unzuverlässig. Und Schlaf ist damit irgendwie doch am Ende keine Schwäche, sondern eine wichtige Überlebensstrategie. Du sagst Überlebensstrategie. Und wir hatten ja gerade die Giraffen, die sich unsicher im Schlaf fühlen. Und das ist auch der Grund, weshalb Raubtiere wie Löwen lange ausschlafen können. Nämlich eben, weil sie nicht sofort gefressen werden. Genau. Raubkatzen wie Löwen schlafen 18 Stunden am Tag. Das ist ganz klar. Die Jagd, wer die schon mal gesehen hat, die ist relativ anstrengend. Man muss weite Strecken zurücklegen, man sprintet und ja, dafür hat man dann aber auch eine relativ energiereiche Beute am Ende und man kann sich dann ein bisschen ausruhen, man muss nicht dauernd fressen und außerdem kann man eben in Ruhe schlafen, weil man keine Feinde hat und das ist nicht so riskant, mal wegzupinnen. Wir reden jetzt die ganze Zeit über Schlafen, wie wir es selbst machen. Also sich irgendwann und irgendwo zur Ruhe zu legen und dann am nächsten Morgen wieder aufzuwachen. Aber es gibt ja noch eine andere Form des Schlafes und zwar den Winterschlaf. Genau, das ist streng genommen, die Biologen nennen das keinen richtigen Schlaf, sondern eher eine Art Energiesparmodus. Das heißt, Körpertemperatur, Herzschlag, Atmung werden drastisch runtergefallen. Und weil es zum Beispiel im Winter, es gibt aber auch einen Sommerschlaf, eben nicht genug zu fressen gibt. Und genau, der Sommerschlaf wird zum Beispiel von einem australischen Frosch gehalten, der Zykloronana albugeta heißt. Hoffentlich habe ich das richtig ausgesprochen. Wahrscheinlich habe ich das nicht richtig ausgesprochen, aber viel spannender ist, dass der sozusagen in den Schlaf fällt, wenn die Regenzeit vorbei ist. Er vergräbt sich im Schlamm und wartet, bis die trockene Zeit endet. Und ja, in dieser Zeit braucht er weder Nahrung noch Wasser. Das dauert bis zu zehn Monate, dieser Sommerschlaf. Okay, also Winter- und Sommerschlaf hilft also, Nahrungsknappheit zu überstehen. Schlafen hingegen ist nur eine ganz kurze Erholungspause, um wieder Energie zu bekommen. Und für diese Erholungspause braucht es einen Ort. Wir Homo sapiens nutzen dafür in der Regel unser Bett. Und Birg, du hast es ja gerade schon erzählt, Koalas sind bei der Wahl ihrer Schlafstätte ziemlich pragmatisch. Und zwar schlafen sie auch direkt dort, wo sie fressen und sie sparen sich unnötige Wege dadurch. Und um nicht vom Baum zu fallen, klemmen sie sich mit ihren flauschigen Po in Astgabeln. Das ist wirklich, das muss man sich angucken, das ist einfach sehr niedlich. Genau, das ist evolutionär ziemlich clever gelöst und die Schlafposition macht im Tierreich durchaus Sinn. Oder darüber hat sich die Evolution Gedanken gemacht. Zum Beispiel Pferde schlafen oft im Stehen und die haben so eine Art speziellen Haltekontext, ein Apparat in den Beinen, so eine zusätzliche Sehne, die die Gelenke stabilisiert und so kann man ruhen, aber wenn Gefahr droht, können die sofort lossprinten, die müssen quasi nicht extra aufstehen oder irgendwie brauchen noch Anlaufzeit, genau. Genau. Außerdem schlafen die nie alleine. Die ganze in der Herde halten immer einige Tiere wache, die anderen schlafen. Und manchmal sieht man das natürlich auf der Pferdeweide. Die legen sich dann hin und auf die Seite und die Fohlen machen das auch gern. Das machen die aber eigentlich vor allen Dingen, wenn sie sich sehr sicher fühlen und sie eigentlich wissen, okay, jetzt passiert ja nichts. Wie bettet man sich eigentlich unter Wasser? Das ist nicht weniger aufregend als ein Land. Zum Beispiel verstecken sich viele Fische einfach in Höhlen oder in Wasserpflanzen. Und was ich ganz toll fand, das habe ich bei der Recherche herausgefunden, den Papageienfisch, der macht sich einen Schlafanzug und zwar aus Schleim. Und der schleimt sich einmal komplett ein und zieht das sozusagen über diesen unsichtbaren Schlafanzug und der lässt keine Gerüche durch und damit wird er unsichtbar für Angreifer. und während der Nachtruhe sind sie dann auch ganz still und atmen kaum und. Bleiben gut versteckt. Ein Schlafanzug aus Schleim. Meine Lieblings-Unterwasserschläfer sind die Pottwale. Pottwale schlafen nämlich hochkant im Wasser, total verrückt. Und sie müssen aber regelmäßig zum Atmen auftauchen. Also ihre Schnauze liegt deshalb knapp unter der Oberfläche des Wassers. Und während des Schlafes halten sie bewusst ihren Atem an und tauchen dann zum richtigen Zeitpunkt wieder auf. Quasi als eingebauter Atemwecker. Und das funktioniert erstaunlich gut. Ja, ihr Schlaf ist dabei so fest, dass sie nicht einmal vorbeikommende Schiffe bemerken. Und die machen noch was richtig Cleveres. Und zwar schlafen die nur mit einer Gehirnhälfte und die andere ist wach. Das nennt man Unihemisphären-Schlaf. Und nach einer gewissen Zeit wechseln sich diese Gehirnhälften dann ab. Und so bekommt jede Seite ausreichend Erholung. Und die Fische können weiterschwimmen oder bei manchen Vögeln, die machen das nämlich genauso, die können einfach weiterfliegen, während sie schlafen, mit einer Seite. Sie können weiterfliegen, das ist krass. Manche Vögel fliegen ja endlose Tage lang. Zum Beispiel der Mauersegler kann bis zu 300 Tage am Stück in der Luft bleiben, ohne ein einziges Mal zu landen. Das machen die sogar ab. Einem Auge offen, damit sie nicht in einen anderen Vogel reinfliegen. Und die versuchen möglichst hoch zu fliegen und lassen sich dann eben vom Wind tragen. Und dann müssen sie weniger mit den Flügeln schlafen und stürzen auch nicht ab. Und dann können sie so ein bisschen wegdämmern. Und das machen sie übrigens nur für so zehn Sekunden. Und es gibt übrigens dann aber auch Zeiten, in denen die Vögel mehr schlafen. Also zum Beispiel der Fregattvogel schläft bei Wanderung 42 Minuten pro Tag, nicht am Stück, sondern manchmal so fünf Minuten und manchmal nur wenige Sekunden. Und wenn die dann im Nest Küken haben, dann schlummern die bis zu zwölf Stunden am Tag. Dann holen die alles nach, was die in der Luft verpasst haben. Das verstehe ich gut. Ja, wir schlafen eigentlich alle Tiere, weil ich habe noch nie was von schnarchenden Insekten gehört. Tatsächlich sind sich die meisten Biologinnen und Tierforscher einig, dass eigentlich alle Tiere schlafen. Also sowohl vom Fadenwurm bis zur Qualle. Manchmal ist es schwierig, den Schlaf als solches zu erkennen. Also zum Beispiel ... Muss man halt Ameisen. Die sind immer unterwegs, Start ruht nie. Aber auch Ameisen schlafen, wenn man genau hinguckt. Und zur Entspannung ziehen die sich eben in den Bau zurück, lassen den Kopf hängen und verharren ein paar Sekunden regungslos. Und dann geht es weiter. Nur die Königin, die gönnen sich dann etwas längere Pausen. Augen, wir hatten das am Anfang ja schon, Augen können sie auch nicht schließen, weil die haben nämlich Facettenaugen und auch kein Augenlid. Aber es gibt sogar Forscher, die glauben, Ameisen träumen. Wie beobachtet man denn eine träumende Ameise? Also das ist natürlich alles ein bisschen spekulativ, aber man kann, wenn die sozusagen stehen und anhalten, kann man sehen, dass ihre Antennen ein bisschen zucken. Und das könnte so ähnlich sein wie wir mit unseren Augen im REM-Schlaf. Ob sie wirklich von leckeren Läusen oder so träumen, wissen wir natürlich nicht. Und Forschende haben auch Tauben im Schlaflabor untersucht und dabei auch eine Art REM-Schlaf entdeckt. Genauso die Schlafphase, in der wir auch träumen. Und in dieser Phase sind bei den Tauben Hirnareale aktiv, die fürs Sehen und Fliegen wichtig sind. Und das spricht dafür, dass sie davon träumen, wie sie durch die Stadt fliegen und irgendwo auf die Autos machen. Also wahrscheinlich ähnelt unser Schlaf auch. Dem Schlaf der Tiere viel stärker, als man lange gedacht hat. Vom Fliegen habe ich auch schon geträumt. Ja, Birg, wir haben jetzt sehr viel über das Schlafen gesprochen und langsam werde ich auch schon ganz müde. Was mich zu einer der letzten Fragen bringt, brauchen Tiere eigentlich einen Wecker oder wachen die ganz von alleine auf? Die meisten Tiere wachen einfach von alleine auf. Die haben sowas wie eine innere Uhr. Die orientiert sich an Dunkelheit, an Lichttemperaturen oder im Fall von Haustieren-Fütterungszeiten. Und kurz bevor das Tier tief wird, kommen Aktivitätshormone auf, Stresshormone werden aufgeschüttet und der Körper wird bereit fürs Aufwachen gemacht. Und wenn ich an meinen Hund denke, das fühlt sich auch an wie ein Wecker. Meistens ist der um sieben Uhr wach und will gestreichelt werden oder sein Frühstück haben. Und das liegt aber eher daran, dass diese Haustiere nichts anderes machen als uns. Dann beobachten und auch schnell lernen, wann der Mensch aufwacht und wann es Futter gibt. Ein Hundewecker ist der beste Wecker. Ja, zum Abschluss habe ich noch ein Beispiel aus dem Tierreich, das uns sehr ähnlich ist. Und zwar, Schimpansen machen jeden Abend ihr Bett aus Zweigen und Blättern. Und am liebsten nehmen sie dafür große Bäume mit vielen dicken Ästen. Und da oben, da sind sie sehr gut vor Feinden geschützt und können die ganze Nacht durchschlafen. Wie herrlich. und am liebsten kuscheln sie sich beim Einschlafen an ihre Artgenossen. Ja, und damit sind wir durch mit dieser hoffentlich nicht allzu einschläfernden Folge. Danke dir, Birk, dass du da warst und genau, bleibt neugierig. Und wenn ihr noch mehr Wissenschaft wollt, das PM-Magazin und das Schneller-Schlau-Magazin gibt es auch am Kiosk. Und bis zu einer neuen Folge Schneller Schlau. Gute Nacht. Tschüss.