Jetzt spucken wir mal kräftig in die Hände und machen uns an eine neue Folge Schneller Schlau. Das ist natürlich bildlich gesprochen, passt aber zum Thema, denn heute geht es bei uns um Speichel. Ich bin Andreas Albes und spreche mit der Ärztin und PM-Medizinjournalistin Astrid Viziano über diese extrem unterschätzte Körperflüssigkeit, von der wir heute lernen werden, welchen Einfluss sie auf unsere Gesundheit hat, sogar auf unsere Psyche und warum Hundespeichel gut für uns ist. Aber first things first, hallo Astrid. Hallo Andreas, freut mich heute dabei zu sein. Astrid, fangen wir doch mal ganz vorne an. Wofür brauchen wir unseren Speichel überhaupt? Also erstmal ist der Speichel dafür da, um unsere Zähne und unser Zahnfleisch zu schützen. Sie spülen nämlich immer wieder Bakterien von der Zahnoberfläche weg, vom Zahnfleisch weg und helfen auch den Zahnschmelz zu reparieren. Nämlich man muss wissen, die Bakterien, viele der Mundbakterien ernähren sich nämlich von Zucker aus der Nahrung. Und dabei entsteht Milchsäure. Und diese Milchsäure ist gar nicht gut für die Zähne, weil sie eben Löcher in den Zahnschmelz frisst. Dadurch entsteht dann auch viel leichter Karies. Und deswegen haben wir diesen Speichel. Das ist so ein wunderbares, eigentlich uraltes, eingebautes Zahnputzmittel, wenn man so will. Das spült nämlich sozusagen diese Bakterien immer wieder weg, sodass eben diese Löcher nicht so gut entstehen können. Jetzt weiß ich auch, wofür Colgate-Fluor-S steht. Wahrscheinlich Colgate-Fluor-Speichel. Genau, genau. Und gleichzeitig hilft auch der Speichel, diese entstandenen Löcher, die ja trotzdem zum Teil entstehen, eben zu reparieren. Und was ganz interessant ist, glaube ich auch, also ich fand das ganz eindrucksvoll eigentlich, also wir haben drei Speicheldrüsen, also jeweils links und rechts am Kopf, eine ist so vor und hinter dem Ohr, eine ist so am Unterkiefer und eine am Zungengrund und die produzieren pro Tag ungefähr ein Liter Speichel. Wow, ein Liter, das hätte ich jetzt echt nicht gedacht. Ich würde sagen, da bleibt mir fast die Spucke weg. Ja, und das passiert ja auch, das kennt man ja auch, selbst wenn man aufgeregt ist, dass einem eben die Spucke wegbleibt, dass man plötzlich so einen trockenen Mund bekommt. Und das ist eben eine ganz andere wichtige Funktion des Speichels eigentlich. Dass der Speichel eben die Schleimhäute feucht hält. Weil wir, wenn wir dann aufgeregt sind, müssen wir oft einen Schluck Wasser trinken, um dann überhaupt vernünftig weitersprechen zu können. Das heißt auch dafür, für das Sprechen, für das Kommunizieren ist eben eine feuchte Schleimhaut und damit eben auch der Speichel wichtig. Jetzt ist es ja trotzdem so, dass die meisten Menschen Spucke ganz eklig finden. Und ich frage mich, woran das eigentlich liegt. Denn es gab ja Zeiten, da schrieb man speichelheilende Kräfte zu. Da wurde auf Wunden gespuckt, damit sie schneller heilen. Unter anderem, weil man beobachtet hat, dass Wunden im Mundraum schneller heilen als außen auf der Haut. Ja, das stimmt. Aber das hat sich irgendwann geändert. Das war so gegen Ende des 19. Jahrhunderts ungefähr. Da haben nämlich so die großen Mikrobiologen damals in der Zeit, unter anderem auch Robert Koch, haben eben festgestellt, dass bestimmte Erkrankungen durch den Speichel, durch die Spucke übertragen werden können. Und das war sozusagen das Aus des guten Rufs des Speichels. Und inzwischen weiß man tatsächlich, dass sich ungefähr 700 verschiedene Bakterienarten im Speichel finden und insgesamt ungefähr 100 Millionen Exemplare, also Bakterien sich im Speichel finden, wobei man dazu sagen muss, die meisten dieser Bakterien im Speichel sind völlig harmlos, aber trotzdem hat halt die Spucke bis heute einen schlechten Ruf. Dabei ist der Speichel ja so extrem wichtig, allein schon, wenn es ums Essen geht. Es gibt ja sogar eine Krankheit, bei der Menschen unter Mundtrockenheit leiden. Xerostomie heißt die. Und die Betroffenen, das habe ich gelesen, können im schlimmsten Fall überhaupt keine Nahrung mehr zu sich nehmen. Ja, das stimmt. Das ist tatsächlich ganz schlimm. Und das liegt daran. Dass wir den Speichel eben ganz dringend brauchen, um eben diese Nahrung hinunterzuschlucken. Wenn wir zum Beispiel ein trockenes Stück Brot in den Mund nehmen, dann durchfeuchtet nämlich der Speichel dieses Stück Brot und formt es dann auch, während wir so darauf herumkauen, eben zu einem Brei. Und den Brei können wir dann schlucken, aber hätten wir keinen Speichel oder wie es eben bei diesen Patienten mit Xerostomie auch ist, die eben diesen Vorgang nicht im Mund haben, weil ihnen der Speichel fehlt, denen würde praktisch das Essen, dieses trockene Happen, dieses trockene Stück Brot tatsächlich im Hals stecken bleiben. Und gleichzeitig löst die Spucke auch, das ist glaube ich auch noch wichtig zu wissen, den Zucker aus der Nahrung und spült den dann um die Schnacksknospen. Das heißt, wenn wir so ein trockenes Stück Brot haben und eben eine ganze Weile darauf herumkauen, dann löst ein ganz wichtiges Enzym im Speichel, die sogenannte Amylase, bricht dann so komplexe Kohlenhydrate, das ist nämlich die Stärke im Brot, zu einfachen Zuckern herunter. Und daran liegt es auch, das kennen glaube ich auch viele von uns, wenn man so ein Stück Brot in den Mund nimmt und so ein bisschen länger drauf herumkaut, dann wird das mit der Zeit immer süßer, das schmeckt immer süßer. Und das liegt daran, dass diese Amylase, dieses wichtige Enzym im Speichel, eben Zeit hat, sehr viele komplexe Kohlenhydrate in einfache Zucker runterzubrechen und das schmeckt dann eben süß. Okay, das heißt Amylase, das ist sozusagen der Schlüssel dafür, dass die Verdauung bei uns schon im Mund beginnt. Jetzt frage ich mich aber, gilt es eigentlich auch für Tiere oder hat der Speichel bei denen eine ganz andere Funktion? Ja, das ist eine Frage, die tatsächlich auch viele Forschende interessiert. Und um sich da ein Bild darüber zu machen, haben sie eben verschiedene Säugetierarten miteinander verglichen. Nämlich zum Beispiel Säugetiere, die sich ganz viel von Fleisch ernähren, Pumas zum Beispiel. Also die ganz wenig Stärke, wenig Kohlenhydrate eigentlich zu sich nehmen. Und haben die zum Beispiel mit Wildschweinen verglichen, weil Wildschweine vor allen Dingen im Herbst eben sehr viele Eicheln fressen. Also Eicheln haben sehr viele Kohlenhydrate und haben eben sich dann angeschaut, wie viele Kopien dieses Amylase-Gens, also des Gens für dieses wichtige Enzym im Speichel, das eben diese Stärke in Zucker runterbricht, wie viele Gen-Kopien eben einmal bei den Fleischfressern und bei den Tieren, die eben sehr viel Kohlenhydrate zu sich nehmen, wie eben die Wildschweine in Form der Eicheln. Und dann war es gestellt, je mehr Kopien, also je mehr Enzymen der Amylase, desto besser können die Tiere Stärke verdauen. Also Wildschweine hatten deutlich mehr Gen-Kopien als die Pumas, weil die es eben brauchen, um die Stärke in den Eichern zum Beispiel zu verdauen. Also das würde dann ja aber auch bedeuten, dass sich die Zusammensetzung unseres Speichels im Laufe der Zeit entwickelt hat. Denn ich meine, unsere frühen Vorfahren, die waren ja auch Jäger und Sammler, die haben ja nicht alle gleich Brot gebacken, soweit war man ja gar nicht und haben ganz andere stärkehaltige Nahrungsmittel verzehrt. Ja, tatsächlich. Das fand ich einen der besonders spannenden Aspekte meiner Recherche auch und zwar, dass sich das tatsächlich im Laufe der Evolution verändert hat. Und erstmal wissen wir ja, dass unsere Vorfahren vor ungefähr 12.000 Jahren wurden sie eben sesshaft, haben angefangen mit dem Ackerbau und haben eben da auch viel Getreidebrei und Brot eben zu sich genommen. Das heißt, zu diesem Zeitpunkt vor etwa 12.000 Jahren waren die Menschen im Vorteil und hatten auch einen Überlebensvorteil, die besonders gut Stärke verdauen konnten. Die also besonders viele von diesen Gen-Kopien der Amylase in sich trugen. Okay, das heißt also, wer Brot und Brei effizienter aufspalten konnte, der hatte also einen klaren Vorteil. Ja, eindeutig, genau. Die konnten eben viel besser diese Nahrung verwerten und diese Energie dann eben auch zu sich nehmen. Aber was ich auch ganz interessant fand, dass man dann bei weiteren Genanalysen festgestellt hat, dass eben diese Genkopien für diese Amylase im Speichel sich schon viel früher vervielfältigt haben. Also schon viel früher hatten plötzlich Menschen offensichtlich einen Überlebensvorteil, die mehr Genkopien in ihrem Erbgut hatten im Vergleich zu anderen. Und da haben dann die Wissenschaftler ziemlich lange gerätselt, bis sie sich das einigermaßen erklären konnten. Und sie gehen davon aus, dass das zu einem Zeitpunkt zu einem Vorteil wurde, als unsere Vorfahren damit begannen, in der Erde, im Boden nach Knollen, nach Wurzeln zu graben, als potenzielle Nahrungsmittel, um eben zu testen, wie so eine Art Schnelltest, muss man sich das ja nicht vorstellen. Man gräbt im Boden und findet eine Knolle und beißt einmal kurz rein und diejenigen, die eben besonders viel Amylase im Speichel hatten, also besonders gut Kohlenhydrate zu einfachen Zuckern zerlegen konnten. Die konnten eben sehr schnell feststellen, oh hier ist Zucker, sind Kohlendraht enthalten, das ist also potenziell etwas, was mir viel Energie liefert. Und das war eben im Laufe der Evolution so wichtig, weil ja im Laufe der Evolution unser Gehirn so stark an Volumen zugenommen hat. Und unser Gehirn ist ein enormer Energiefresser. Wir brauchen ganz viel Energie, eben vor allem auch für unser Gehirn. Und deswegen war das eben ein großer Vorteil. Aha, das heißt, ich habe also mal kurz zugebissen, um zu wissen, ist diese Nahrung gut für mich, hat die genau die Energie, die ich brauche? Und wer das schnell für sich entscheiden konnte, hatte einen Vorteil bei der Entwicklung. Und das bedeutet dann aber auch, dass ja wahrscheinlich bis heute nicht jeder gleich viele Kopien dieses Gens in sich trägt, weil die Entwicklung ja so unterschiedlich war. Oder sehe ich das falsch? Nee, genau. Das vermuten eigentlich auch die Wissenschaftler. Sie gehen davon aus, dass wenn man sich verschiedene Bevölkerungsgruppen anschauen würde, zum Beispiel in Asien zum Beispiel, die besonders viel Reis essen, also besonders viele Kohlenhydrate zu sich nehmen, dass die besonders viele Genkopien der Emulase in sich haben dürften. Und andere Bevölkerungsgruppen, wie zum Beispiel die Inuit, die vor allen Dingen von Fleisch und vor allen Dingen von Fisch sich ernähren, also sehr wenig Stärke zu sich nehmen, sehr wenig Kohlenhydrate, dass die weniger haben dürften. Was ich in dem Zusammenhang auch ganz interessant fand, dass eben diese vielen Genkopien im Erbgut nicht nur dazu führen, dass man eben die komplexen Kohlenhydrate, also besonders viel Amylase hat, um diese komplexen Kohlenhydrate in einfache Zucker zu zerlegen, sondern dass es auch besonders effektiv, besonders schnell geschieht. Das ist insofern relevant, weil man eben befürchtet, vermutet. Dass Menschen, die besonders viele Genkopien für die Amylase in ihrem Erbgut haben und damit eben besonders gut diese komplexen Kohlenhydrate in einfache Zucker und besonders schnell in einfache Zucker zerlegen, dann eben auch einen sehr schnellen Anstieg des Blutzuckerspiegels haben und damit vielleicht ein erhöhtes Risiko, einen Typ-2-Diabetes zu entwickeln. Okay, das heißt, man kann also vom Speichel auch schon Rückschlüsse auf solche Gefahren ziehen. Sag mal, dann erzählt Speichel aber nicht nur was über unsere Ernährung, sondern man kann ja aus dem Speichel auch ganz viel über unsere Herkunft ablesen. Ja, das fand ich auch besonders interessant, dass man tatsächlich da Rückschlüsse ziehen kann. Zum Beispiel haben sich die Wissenschaftler, die sich mit dem Speichel beschäftigt haben, natürlich nicht nur die Amylase angeschaut, sondern auch andere wichtige Eiweiße im Speichel. Und da gibt es zum Beispiel das MUC7-Protein und haben eben festgestellt, als sie sich das Erbgut von 2500 Menschen aus der heutigen Zeit angeschaut haben, so aus ganz unterschiedlichen Regionen der Welt. Stellten sie eben fest, dass das Gen für dieses wichtige MUC7-Protein im Speichel... Erstmal in ganz vielen verschiedenen Varianten vorkommt und stellten dann eben fest, dass eine bestimmte Bevölkerungsgruppe südlich der Sahara eine Variante in ihrem Erbgut hat, die überhaupt keine Ähnlichkeit hatte mit den Gegenvarianten, die man früher bei den Neandertalern oder den sogenannten Denisova-Menschen, also Frühmenschen, die inzwischen ausgestorben sind, gefunden hat, noch im Gerbgut des heutigen Menschen, also des modernen Homo sapiens. Das klingt spannend, aber was schließt man denn daraus, dass das bei denen nicht vorkam? Ja, dadurch, dass man eben diese völlig andere Genvariante gefunden hat. Geht man davon aus, dass diese Bevölkerungsgruppe, die man untersucht hat, in dieser Region südlich der Sahara noch vor etwa 150.000 Jahren Kontakt mit anderen Frühmenschen hatte. Und die sich auch tatsächlich noch gekreuzt haben und sich also Gene, Genvarianten von diesen sehr frühen Homönen, also sehr archaischen Verwandten eigentlich, die längst ausgestirbt sind, dass diese Spuren man heute noch in dieser Bevölkerungsgruppe findet. Das heißt, interessanterweise, das fand ich wirklich faszinierend, in so einem Tropfenspeichel, wenn man ihn sich genauer anschaut, kann man auch tatsächlich was über die menschliche Evolution erfahren. Und welche Rolle spielt dieses MUC7-Gen dann bei uns im Mund? Was ist die ganz konkrete Funktion? Das MUC7-Gen ist tatsächlich sehr wichtig im Speichel, weil es nämlich zum einen, davon geht man aus, schädliche Bakterien daran hindert, sich ans Zahnfleisch und an die Zähne zu binden, sich dort anzusiedeln. Also spült praktisch diese oder hemmt diese schädlichen Bakterien, sich dort festzusetzen. Und sorgen dafür, dass sich eher nützliche Keime im Mund ansiedeln. Das heißt, sie sorgen für ein gutes Gleichgewicht im Mund. Und je nachdem wie viele Kopien, da geht es auch wieder um Genkopien, wie auch bei der Amylase, und auch welche Genvarianten man hat, kann sich also diese Mundflora, diese Zusammensetzung der Bakterien im Mund verändern. Okay, das heißt dann, unser Speichel verrät, welche Mikroben unsere Mundhöhle besiedelt. Das kann man messen, wenn man so eine Speichelprobe nimmt. Ja, genau. Und das ist ein Thema, was viele, viele Forschende, auch gerade Mikrobiologen gerade umtreibt. Sie schauen sich nämlich das sogenannte Speichelmikrobiom an. Also die Gesamtheit der Bakterien, die sich im Speichel findet. Und sie gehen oder sie hoffen darauf und haben auch erste Hinweise darauf, dass die Bakterienbesiedlung im Mund auch etwas über die Besiedlung im Darm verraten kann. Okay, da gibt es dann also einen direkten Zusammenhang. Genau, davon geht man aus. Einfach zum einen, weil irgendwie alles, was in den Darm gerät, kommt ja irgendwie durch den Mund in den Darm. Wir schlucken ja auch große Mengen Speichel jeden Tag herunter. Und es gab tatsächlich erste Studien, die sich angeschaut haben, wie ist das denn eigentlich, ähnelt sich die bakterielle Zusammensetzung im Mund, im Speichel, jener im Dünndarm. Und da haben sie tatsächlich, Wissenschaftler, in kleinen Studien erste Hinweise gefunden, dass diese Bakterienmuster tatsächlich ähnlich sind. Und das ist insofern interessant und möglicherweise auch wirklich in Zukunft könnte das wirklich wichtig und hilfreich werden, weil gerade im Dünndarm entstehen ganz viele entzündliche Prozesse. Und über diese entzündlichen Prozesse wüssten Mediziner gern viel mehr. Aber so eine Dünndarmprobe über eine Magen-Darm-Spiegelung zu entnehmen, ist ja extrem aufwendig. Wenn man sich aber den Speichel anschauen könnte, wäre das natürlich viel einfacher. Klar, logisch. Sag mal, welche Muster hat man denn zum Beispiel im Speichel gefunden? Also welche Bakterienmuster? Da hat man zum Beispiel, um ein Beispiel zu nennen, ein Bakterienmuster gefunden, da kamen besonders viele der sogenannten Fuso-Bakterien vor. Das sind Bakterien, die vermutlich bei der Entstehung von Dickdarmkrebs eine Rolle spielen. Oder man hat zum Beispiel auch eine Gruppe von Bakterien, ein Muster gefunden, das dann mit erhöhten Entzündungsmarkern im Blut einherging. Ein Risikofaktor auch für viele Erkrankungen. Aber man muss wirklich sagen, dass bei diesen Studien, die ich gerade erwähnte, diesen kleinen Studien, da wurden, das waren wirklich Momentaufnahmen. Da hat man einmal Speichel entnommen, einmal Dünndarmproben entnommen. Also wie sich das vielleicht auch verändert im Laufe des Tages mit der Ernährung oder welche anderen Faktoren da vielleicht eine Rolle spielen, das muss man alles noch mehr untersuchen. Aber trotzdem, wenn sich die Forschung da weiterentwickelt, dann können wir eines Tages vielleicht über unseren Speichel Krankheiten früh erkennen, also vielleicht sogar Krebs. Dann wäre Bucke ja so eine Art Frühwarnsystem. Es würde den Leuten es erleichtern, zum Arzt zu gehen. Es wäre kostengünstig und schnell und damit auch sehr zuverlässig, um Krankheiten vorauszusagen. Genau, das ist so die Hoffnung, die diese ganzen Studien begleitet. Man ist noch nicht so weit, aber wenn wir eines Tages, oder wenn die Forscher eines Tages verstehen würden, wie diese Bakterienmuster zusammenhängen mit Entzündungen, mit der Krebsentstehung oder auch mit anderen Erkrankungen, dann könnte man ja theoretisch Tests entwickeln. Einen Speicheltest, also man spuckt einmal irgendwo rein und dann werden eben bestimmte Risiken früh angezeigt, vielleicht sogar so früh, bevor irgendwelche Krankheitssymptome entstehen, idealerweise. Und genau, und wie du schon sagtest, der Speichel ist billig, das ist ein kostengünstiger Test, es ist leicht zu gewinnen, es ist schmerzlos und, ja, könnte eben eine ganz wichtige Methode sein, aber das ist eben alles noch Zukunftsmusik, so weit ist man noch nicht. Aber was es doch schon eine ganze Weile gibt, sind Speicheltests, mit denen man das Stresshormon Cortisol bei uns in der Spucke messen kann. Und da frage ich mich, kann man eigentlich mit so einer Speichelprobe etwas über das psychische Befinden von Menschen herausfinden? Ja, da gibt es tatsächlich spannende Hinweise, erste Studien. So gab es zum Beispiel eine Studie mit schwangeren Frauen. Und die wurden eben auf ein psychisches Befinden untersucht, ob sie zum Beispiel an Ängsten litten, an Depressionen, ob sie besonders gestresst waren oder an einer posttraumatischen Belastungsstörung litten. Und nachdem sie das erhoben hatten unter den Teilnehmerinnen, haben sie sich die Bakterien im Speichel angeschaut, die Bakterienmuster bei diesen Patienten, bei diesen Probanden. Und haben eben dann festgestellt, dass bestimmte Bakterienmuster damit zusammenhängen, dass sie eben über das Bakterienmuster etwas über die psychischen Probleme dieser Patientin sagen könnten, weil sich eben bestimmte Bakterien in besonders hoher Konzentration im Speichel fanden. Wie das jetzt genau zusammenhängt, ob die Bakterien, diese Bakterienmuster wirklich der Auslöser waren oder einen Einfluss darauf hatten, dass diese psychischen Probleme entstanden sind oder die psychischen Probleme Einfluss haben auf die bakterielle Zusammensetzung, das weiß man noch nicht. Das ist noch eine offene Frage. Aber es weckt natürlich die Hoffnung, dass, wenn sich das alles bestätigt, man vielleicht später einmal, vielleicht sogar durch solche Probiotika, die Zusammensetzung der Batterien im Speichel verändern könnte und somit vielleicht auch das psychische Befinden mancher Menschen verbessern könnte. Okay, das klingt wirklich ein bisschen nach Science Fiction. Man spuckt in ein Reagenzglas, man findet raus, wie es jemandem geht und dann kann man den Speichel auch nachträglich so beeinflussen, dass wir uns besser fühlen. Ich meine, wäre ja eine schöne Zukunftsvision oder ist eine schöne Zukunftsvision. Gibt es dazu denn irgendwelche Studien schon, die darauf hindeuten, dass das, was du da gerade beschrieben hast, wirklich eines Tages eintreten könnte? Also da gibt es erste Hinweise darauf. Das sind vor allem Studien an Versuchstieren, Experimente an Versuchstieren, am Menschen noch nicht. Da ist man echt noch nicht so weit. Aber diese Versuche, da gab es zum Beispiel eine Studie an Ratten. Die sind schon sehr spannend, weil man eben da festgestellt hat, dass man bei diesen Tieren tatsächlich durch die Gabe von bestimmten Probiotika Stress und auch Angstverhalten lindern konnte. Aber wir wissen ja, Experimente an der Ratte im Tierversuch sind nicht so leicht auf den Menschen zu übertragen. Das ist wirklich nur ganz am Anfang. Was ich aber ganz spannend fand, es gab jetzt gerade vor kurzem eine neue Studie aus Japan. Und da haben Wissenschaftler festgestellt, dass der Speichel von Hunden auch eine Rolle auf das psychische Befinden haben könnte, nämlich ihrer Besitzer. Vor allem bei Jugendlichen haben sie mir nicht festgestellt, dass die Jugendlichen, die mit Hunden zusammenlebten, ein ganz anderes Speichelmikrobiom hatten als Gleichaltrige, die keinen Hund besaßen. Und somit waren offensichtlich die Bakkeien aus dem Maul der Tiere in ihren Mund tatsächlich übergegangen. Okay, also es ist ja wahnsinnig spannend, was man an Speichel alles sehen kann, was der ausmacht. Und man glaubt wirklich, dass sich das auf unsere Psyche auswirkt? Also sie haben das jetzt in dieser Studie an den Jugendlichen und ihren Hunden, haben die das sozusagen noch weitergeführt, also haben sie noch weiter geschaut, was passiert denn da eigentlich und was für Konsequenzen hat das vielleicht? Und zwar haben sie eben diese Bakterien aus der Spucke von den Hundebesitzern, also in denen sich Bakterien auch aus dem Maul der Hunde fand, die haben sie auf Versuchsmäuse übertragen. Und stellten dann eben fest, dass diese Versuchsmäuse nach der Übertragung dieser Bakterien aus der Spucke von Hundebesitzern, dass sie sich dann deutlich sozialer und auch neugieriger verhalten haben als andere Artgenossen. Das heißt, so ist so ein bisschen die Idee, die Bakterien aus dem Hundesabber könnten tatsächlich über die Mundhöhle, indem sie in die menschliche Mundhöhle kommen, die Stimmung beeinflussen. Vor allem eben bei Jugendlichen, wie diese Studie gezeigt hat. Okay, also wenn der Hund einem übers Gesicht schlotzt, ist das vielleicht sogar gesund und es könnte das Verhalten ändern und womöglich Menschen sogar sozialer und neugieriger machen. Ja, tatsächlich. Also es gibt zumindest eben diese ersten Hinreise, dass dieses Geschlabbern nicht nur eine klebrige Liebeserklärung natürlich der Hunde an ihre Besitzer ist, sondern dass es möglich noch mehr sein könnte. Wobei natürlich, Hundesaber kann natürlich in keinster Weise irgendeine Therapie ersetzen. Das ist klar. Aber ich fand das ganz interessant, dass eben man jetzt möglicherweise sieht, dass das Leben mit einem Hund nicht nur natürlich emotionaler, also auf emotionaler Ebene vielleicht das psychische Befinden verbessert, weil man eben jemanden als Begleiter hat, man ist nicht allein, man hat jemanden, der einem treu ergeben ist. Das ist ja alles sehr schön, aber möglich, dass es auch biologische Ursachen für dieses bessere Wohlbefinden ist, eben durch die Zusammensetzung des Speichels, wenn wir einen Hund haben, der sich eben dann entsprechend verändert. Und damit verrät eben unsere Spucke, was ich ganz spannend finde, nicht nur etwas über unsere Evolution und mögliche Krankheiten, die wir darin dann im Speichel entdecken können, sondern tatsächlich auch, kann es möglicherweise erklären, warum ein Hund für manche Menschen tatsächlich die beste Medizin ist. Also du bist immer so ausgeglichen. Astrid, hast du eigentlich einen Hund? Nein, ich habe eine Katze. Ich weiß nicht, ob es dazu schon Studien gibt, aber den muss ich mal nachdenken. Das werden wir auch in einer nächsten Folge herausfinden. Ich fand es wahnsinnig spannend. Da sage ich mal auf hundisch wow. Ganz lieben Dank, Astrid. Das war eine super spannende Folge mit dir. Danke, danke auch. Sehr gerne. Damit verabschieden wir uns bei Schneller Schlau. Wer es noch nicht gehört hat, ich habe es an dieser Stelle oft gesagt und werde nicht müde, es zu tun. Wir von PM sind stolzer Partner des Science Slam, wo Wissenschaftler ihr Fachgebiet sehr unterhaltsam, nerdig und unterhaltsam auf der Bühne präsentieren. Alle Daten zu den Veranstaltungen findet ihr in unseren Shownotes. Ansonsten freuen wir uns auf eure Kommentare, natürlich auf gute Bewertungen. Ich sage Tschüss, bleibt neugierig und freut euch, wenn euch ein Hund mal so richtig durchs Gesicht schlotzt.