Auf der Leinwand sehen wir Dinos meist beim Fressen, Angreifen oder Jagen. Nur eines bleibt verborgen, das Liebesspiel der Dinos. Wie flirteten Dinos und wie hatten sie Sex? Ihr hört eine neue, diesmal urromantische Folge Schneller Schlau, dem Wissens-Podcast von PM. Ich bin Anne Baum und zu Gast ist der Journalist und Autor diverser Dino-Bücher Birk Grüling. Hallo Birk. Hallo. Ja Birk, wie konstruieren Forscher denn das Fortpflanzungsverhalten von Tieren, die man ja nicht mehr beobachten kann, weil sie seit Millionen von Jahren ausgestorben sind? Das ist tatsächlich eine sehr spannende, aber auch sehr schwierige Frage der Paläontologie. Und ja, lange Zeit gab es dazu fast gar nichts. Aber in den letzten Jahren sind ein paar erstaunliche Entdeckungen gemacht worden. Und eine davon, meine absolute Lieblingsentdeckung, stammt aus Colorado. Und dort haben Forscherinnen und Forscher 2016 in kreidezeitlichen Sandsteinschichten 60 Kratzspuren gefunden. Und manche waren so groß wie Badewannen. Und das hält man für 100 Millionen Jahre alte Balzspuren. 100 Millionen Jahre alte Balzspuren. Das heißt, muss ich mir das so für vorstellen, haben die Dinosaurier etwa im Sand gescharrt wie ganz gewöhnliche Hühner. Ich finde, die Vorstellung liegt ja ein bisschen nahe, weil immerhin sind Vögel eng mit den Dinosauriern verwandt. So eng, dass der englische Naturforscher Thomas Henry Hühner gar mal aufgetackelte Reptilien nannte. Ja, voll. Also, die Forschenden von der Universität of Colorado haben diese Spuren als charakteristische Doppelkratzer charakterisiert. Und das heißt quasi, ein Tier hat mehrfach im Boden gescharrt. Und weil es in der Nähe auch keine Beutetiere oder Kampfspuren gibt, muss... Glauben die Forschenden, dass die Balz eine logische Erklärung ist. Und heute machen viele bodenlebende Vögel wie Strauße oder auch die Hühner, die wir kennen, beim Balz ähnliche Spuren. Also quasi, ja, das Männchen präsentiert sich dem Weibchen und scharrt im Boden und wackelt auch ein bisschen mit dem Hintern. Und ich finde, es ist einfach eine wahnsinnig coole Vorstellung, wenn ein großer Raubsaurier, der so ein bisschen aussah wie ein T-Rex, ein paar Federn hatte, mit den Krallenschad und mit dem Popo wackelt. Das ist einfach eine so schöne Vorstellung, oder? Ich stelle es mir auch ziemlich witzig vor. Birg, wie groß sind denn die Balzspuren aus Colorado? Relativ groß. Also dieses Areal, wo diese Spuren gefunden wurden, das ist ungefähr so groß wie zwei Basketballfelder. Und vermutlich waren das Balzplätze, an denen sich die Dinosaurier liebestoll sammelten. und miteinander balzten. Es gab nämlich auch noch unterschiedlich große Spuren und vielleicht waren sogar mehrere Arten an diesem Platz und vielleicht war das so ein bisschen das romantische Love Island der Dinosaurier. Wenn wir einen Blick in die Vogelwelt werfen, also unsere heutigen Vögel, da ist ja das Balzverhalten des Geflügels ziemlich vielfältig. Also da wird gesungen, getanzt und mit Federn gebrotzt. Wie rüsteten sich die Dinos zum Flirten? Zu Tänzen und Gezwitscher kann man wenig sagen, aber vermutlich klang der berühmte T-Rex nicht so. Sondern eher ein bisschen schnarrend. Also vermutlich waren die möglichen Balzgesänge ein bisschen lieblicher als nur das reine Brüllen. Total. Also es gibt auch Hinweise zu Balzgesängen oder gibt es quasi nur am Rande, aber es gibt prächtiges Federkleid. Das ist nämlich bei vielen Dinos erhalten geblieben. Im Jurassic Park, daher kommen ja auch die Einspieler, sind die Dinosaurier noch irgendwie so braun und grün und geschubbt und irgendwie Monster. Aber das ist überhaupt nicht der Wahrheit entsprechend. Die viele waren nämlich gefiedert und ziemlich farbenprächtig. Und das gilt vor allen Dingen für die großen und kleinen Theropoden. Das sind nämlich die zweibeinigen Raubsaurier. Anhand von Fossilien lässt sich ja allerlei nachweisen. etwa die Vorlieben beim Speisen. Das finden Forscher unter anderem heraus, indem sie schauen, wie viel Zink in den fossilen Zähnen eingelagert wurde. Birg, verrate uns doch, wie findet man denn die Gefiederfarbe nach so langer Zeit von Dinos heraus? Es gibt ganz tolle Funde aus China. Und dort hat man an den Federn Reste von Melasomen gefunden. Das sind Zellorgane, die Pigmente bilden. Und diese Hüllen sind relativ robust und überstehen lange Zeit im Gestein. Und unter dem Elektronenmikroskop konnten die Forscherinnen und Forscher die untersuchen und konnten anhand ihrer Form, also nicht wegen Farbresten, sondern wegen der Form, die Farben abschätzen. Und ein ganz einfaches Beispiel ist zum Beispiel, wenn die länglich sind, dann sind die Farben, Federn eher schwarz oder grau. Und wenn sie ein bisschen runder sind, dann haben wir es eher mit Rot oder Braun zu tun. Und 2010 gelang Michael Bieten und seinem Team der Durchbruch. Sie konstruierten die Farben des Sinusauroopteryx. Das ist so ein kleiner Raubsaurier, der auch in Deutschland gelebt hat und China. Und der ist so... Ein bisschen so ein rot-braunes Federkleid und hinten so einen ganz schönen rot-weiß gestreiften Schwanz. Ein Raubsaurier mit rot-weiß gestreiften Schwanz. Ja, ein bisschen wie rote Pandas. Total, total. Und das waren keine richtigen Federn, sondern so ein bisschen flauschige Federn. Und zuerst dachten die Forscher an die Tarnung von einem Tiger. Aber der Schwanz ist ja nur gestreift und nicht der restliche. Und eine logische Schlussfolgerung ist quasi, das könnte ein Balz mal sein, also wahrscheinlich, hat der Sinosaupteryx, wenn der gebalzt hat, einfach seinen gefiederten, langen Schwanz gezeigt. Jetzt warnen wir ja vor allem bei den Raubsauriern. Wie sieht es denn mit dem Aufmotzen bei den Pflanzenfressern aus? Ja, also zum Beispiel beim Triceratops, das ist zum Beispiel so ein Riese, bei dem, da könnte man das nicht so nachweisen, aber vielleicht könnten Nackenschilder ganz bunt gewesen sein. Was man auf jeden Fall gefunden hat, sind Spuren von Kämpfen. In diesen Nackenschilden. Das heißt, die haben auf jeden Fall um die Weibchen gekämpft. Und unlängst wurde eine Dinomumie von einem Edmontosaurus gefunden. Und da haben die Forschenden sogar so einen Abdruck eines Hautschnorchels auf dem Kopf gefunden, so einen Hahnenkamm. Und wahrscheinlich konnte der den aufpusten und so ein bisschen damit wackeln. Genau, also das heißt, eigentlich haben alle Dinomännchen um die Damenwelt geworben. Mhm. Hautschnorchel, Balzplätze, bunte Federn, Kämpfe. Ja, so weit, so gut. Aber jetzt zur anatomischen Frage. Wie hat der Sex dann tatsächlich unter Dinos funktioniert? Das wird kompliziert. Ich wurde mal bei einer Kinderbuchlesung von einem Kind gefragt, wie denn der Penis eines T-Rex aussieht. Das Problem ist, so etwas ist ein Weichteil und das bleibt eben nicht als fossil erhalten in der Regel. Und es gibt nur einen Nachweis bisher von einer äußerlichen Geschlechtsöffnung und das ist eine Kloake. Das ist quasi sozusagen eine Allzwecköffnung für alles, Fortpflanzung, Urin, Kot und die kommt aus einem relativ bekannten Fossil, dem Cytacosaurus. Das ist so ein kleiner pflanzenfressender Dino, der so ein bisschen aussieht in Labradorgröße und der liegt im Frankfurter Senckenbergmuseum. Also den kann man sogar angucken, die Kloake. Ich habe dieses Fossil tatsächlich auch schon gesehen und erinnere mich noch vage daran. Ich fand, er sah sehr unspektakulär aus und An eine Kloake kann ich mich überhaupt nicht erinnern. Ja, wahrscheinlich hattest du aber auch kein Elektronenmikroskop mit, weil das Fossil ist tatsächlich auch sehr platt gedrückt und sozusagen nicht schön nach außen geformt. Genau, und wenn man genau hinsieht, ist das sozusagen relativ einzigartig geformt. Nicht wie bei Vögeln, sondern eher so ein bisschen krokodilähnlich. Das ist so eine v-förmige Verdickung da hinten. Und vielleicht hatte das sogar so farblich abgesetzte Schuppen, sodass man das genau sehen konnte, wo es reingeht. Und sozusagen als optisches Signal der Paarung, dass jeder den Eingang findet. Geschlecht lässt sich da nicht feststellen. Und bisher wurde auch nur ein Zytacosaurus-Skelett-Fossil gefunden, das so gut erhalten ist wie das in Frankfurt. Farblich abgesetzte Schuppen. Das heißt, die haben ihre Genitalien ähnlich zur Schau gestellt, wie Paviane es tun. Bei den Pavian-Weibchen schwillt nämlich das Hinterteil an und färbt sich knallrot, wenn sie paarungsbereit sind. Ja, wahrscheinlich hat das ganz ähnlich funktioniert bei den Dinosauriern. Visuelle Signale sind ja dabei auch ganz wichtig. Zurück zur Paarung. Also die meisten Vögel haben ja keinen Penis, sondern machen sozusagen einen Kloakenkuss. Das ist auch ein schöner Begriff, oder? Die drücken quasi ihre Kloaken aneinander. Und dann gibt es aber auch sowas wie Enten, Strauße oder so. Die haben Penisse, Krokodile auch. Und diese rekonstruierte Kloake, das haben die Forscher auch rausgefunden, die wäre ganz gut geeignet für die Verwendung eines Penis. Also wir können aber nicht sagen, ob es ein Männchen oder ein Weibchen ist. Und die Kloaken werden sich wahrscheinlich auch sehr ähnlich gewesen sein. Das heißt, ein Penisfossil eines Dinosauriers zu finden, das wäre eine richtig große Sensation. Das würde für Schlagzeilen sorgen, oder? Die Bildzeitung würde sich freuen. Also da würde ich mich auch auf die Schlagzeilen freuen. Noch ein spannendes Detail. Krokodile haben Duftdrüsen an der Kloake. Und sie verströmen da während der Paarungszeit so anlockende Düfte. Und ja, das halten die Forscher auch bei Dinosauriern für möglich. Ja, Düfte. Birg, wie sah es denn mit dem Produkt des Balzens aus? Also was passierte, nachdem es mit den sechs geklappt hat, was passiert nach der Befruchtung? Dinosaurier legten Eier. Erstaunlicherweise gibt es aber gar nicht so viele versteinerte Eier, die gefunden wurden. Beim meisten weiß man auch nicht mal, wer das gelegt hat. Aber es wurden in den letzten Jahren einige spannende Funde gemacht, zum Beispiel gibt es sehr kleine Embryos von frühen Sauriern und da hat man einfach kein Ei drumherum gefunden, dachte man anfangs. Ja, man muss sich ja auch die Eier der frühen Dinos anders vorstellen als unsere heutigen Vogeleier, denn die Vogeleier, die sind ja hart, Birgner, aber die Eier von Dinos, die waren eher weichschalig, eher so wie bei heutigen Reptilien. Genau, und die fossilisieren viel schlechter und deshalb gibt es da gar keine Eifossilien und man hat nur so einen winzigen Schatten unter dem Elektromikroskop, um diese Dinosaurier-Eier, äh, Embryos gefunden. So, und später entwickelten aber mehrere Gruppen unabhängig voneinander hartscheilige Eier und manche waren eher so klein wie Hühnereier und andere groß wie ein Straußenei. Das ist aber auch wirklich das Größte. Und dann hat 1921, das ist ein ganz spektakulärer Fund aus der Wüste Gobi in der Mongolei, da gab es nämlich unversehrte Dinosauriernester mit so langen ovalen Eiern. Brüteten die Dinos die Eier aus? Also haben die sich da auf das Nest draufgesetzt? Ich stelle mir das gerade sehr witzig vor, so ein riesiger Dino, der ja auch so ein Ei hockt. Genau, und zwar gibt es so einen gefiederten Raubsaurier, der Oviraptor. Und der lag auf seinem Nest mit ausgebreiteten Armen. Anfangs dachte man, der würde die Eier klauen. Aber heute weiß man, der hat einfach gebrütet wie ein Vogel. Und der ist beim Brüten verstorben. Ja, wurde wahrscheinlich vom Sandsturm überrascht. Aber das Fossil zeigt, dieser Saurier hat wirklich aktiv ausgebrütet, mit viel Körperkontakt, ähnlich wie bei heutigen Vögeln. Und noch spannender vermutlich war das der Papa. Und da erkenne ich schon wieder eine Parallele zu den heutigen Vögeln, denn bei vielen Arten sind es ja auch die Männer, die mitbrüten oder sogar alleine ausbrüten. Ja, das macht Sinn. Die Gleichberechtigung ist sehr fortschrittlich in der Uhrzeit, aber es macht doch Sinn, weil dann können die Weibchen nämlich mehr Eier legen, wenn sie sich eben nicht noch ums Brüten kümmern müssen. Und mein Lieblingsfund ist auch wieder ein Cytacosaurus, also der mit der Kloake. Und der hat 24 frisch geschlüpfte Jungtiere um sich herum. Und das war vermutlich nicht mehr der Papa oder der Mama, sondern eher so ein Aufpasser aus der Herde. Eine Dino-Kita gab es also damals schon. Genau, und zwar gibt es eine Theorie dazu, dass ein älteres Jungtier aus der Gruppe auf die Kleinen aufgepasst hat, vielleicht auch nur die Tante oder so, während die Eltern auf Nahrungssuche waren oder vielleicht auch sich ein romantisches Date gemacht hat. Aber so ähnlich wie heute das bei Elefanten oder Giraffen oder Wölfen gemacht wird. Wie haben sich denn Dinos als Eltern geschlagen? Also waren alle Dinos liebevolle Eltern? Nee, nicht alle. Es gibt natürlich auch Eltern, die so ein bisschen wie, nicht Krokodile, aber zum Beispiel Schildkröten, einfach Eier legen und sich dann aus dem Staub machen. Beispiel dafür sind natürlich die Langheitssaurier. Ich meine, wenn man 50 Tonnen wiegt, kann man kein Ei ausbrüten und dann auch einfach legen ging nicht. Das wäre ja, wenn das hinten raus aus der Kloake fällt, wird das Ei zermatscht. Und vielleicht hatten diese Langhalssaurier so einen langen Legeschlauch aus Haut und den konnten sie quasi ausfahren. Und dann kullerten die 40 Eier sanft in ein Nest. Finde ich irgendwie auch schön. Und dann zog die Mutter natürlich weiter, weil ein falscher Schritt oder ein Hinlegen war, der Nachwuchs wäre zertrampelt gewesen. Und deshalb waren die Babys selbst auf sich gestellt. Und vermutlich überlebten das aber nicht viele. Deswegen wurden wahrscheinlich so viele gelegt, weil damit auch wenigstens einige überleben. Wie lang blieben denn die Jungen im Ei? Überraschend lange. Also beim Vögeln ist es irgendwie so, dass die meisten nach ein paar Wochen oder manchmal sogar Tagen fertig sind. Dinosaurierembryos brauchten etwa drei bis sechs Monate zum Schlüpfen. Und das haben Forscher herausgefunden, weil sie an den 10 die Wachstumslinien gezählt haben. Sechs Monate. Dagegen sind unsere gewöhnlichen Haushühner mit ihren drei Wochen ja richtige Turbobrüter. Ja, voll. Und das macht auch diese Eier extrem verletzlich und auch angreifbar. Also je länger die liegen, desto höher ist das Risiko, von kleinen Raubsaugern gefressen zu werden oder eben Naturkatastrophen wie Überschwemmung oder Dürre zu Opfer zu fallen. Deshalb mussten die Eltern entweder gut darauf aufpassen oder sie verstecken. Und dazu passt es, dass viele Eier eher bunt waren. Also bei dem Oviraptor waren die Eier zum Beispiel grün-blau. Ganz schön eigentlich. Und ja, das war eine Tarnung im offenen Nest. Und Signalwirkung, nämlich so bunte Eier zeigen auch, Nicht der Osterhase war da, sondern es ist ein gesundes, starkes Tier. Birg, eine letzte Frage. Gab es eigentlich auch romantische Dinosaurier, die lebenslang zusammenbielen? Fossilien verraten ja viel, aber die Beziehungsdauer gehört eben nicht dazu. Und hier kann man natürlich auch wieder ein bisschen spekulieren. Es gibt ja einige Vögel, die monogam sind. Und das ist bei Arten mit intensiver Bruthaltung tatsächlich relativ wahrscheinlich. Vielleicht gab es also Zitakusaurus, der jeden Abend mit der gleichen Partnerin kuschelte und Date Nights hatte, während der Babysitter eingesprungen ist und auf die 24 Kleinen aufgepasst hat. Werden wir nicht wissen, ist aber eine schöne Vorstellung, oder? Ja, absolut, finde ich auch. Ja, Birg, dann das war doch ein romantisches Ende für unsere Folge über Urzeitliebe. Lieber Birg, ich danke dir, dass du bei uns warst. Gerne, Anne. Es hat mir wirklich viel Spaß gemacht. Ja, mir auch. Und wer sich jetzt noch einen besonders aufgetackten Dino im Balz-Kostüm angucken möchte, googelt mal den Ubira Yara Jubatus. Der sah nämlich vermutlich aus wie eine Mischung aus Punk, Rocker und Paradiesvogel und aus seinen Schultern raken lange, steife Bänder an beiden Seiten und die richtete er vermutlich zum Balztanz auf. Und damit bleibt neugierig und schaltet nächste Woche wieder zu einer neuen Folge Schneller Schlau ein. Und wer Lust hat, Wissenschaft im Kino zu kaufen, kann natürlich auch das PM-Magazin unter Schneller Schlau Magazin kaufen. Schneller Schlau, der kurze Wissens-Podcast von PM.