Das ist mein persönlicher Horror-Ohrwurm. Blue von Eiffel 65, einer italienischen Band, quasi der Ferrari unter den Ohrwürmern. Einmal gehört und er rotiert durchs Gehirn wie ein neurobiologischer Parasit. Was Ohrwürmer aber auch zeigen, ist die Macht der Musik, welchen Einfluss sie auf uns und unsere Psyche hat. Darum geht es heute bei Schneller Schlau. Mein Name ist Andreas Albes und mir gegenüber am Mikrofon steht der PM-Autor und studierte Musikjournalist Börg Grühling. Hallo Börg. Hallo Andreas, danke für die Einladung. Kannst du dich an deinen letzten Uhrwurm erinnern? Natürlich, und zwar bei der Vorbereitung auf diese Folge habe ich den Song Wannabe von Spice Girls gehört und er blieb mir im Ohr. Mit diesem Ohrwurm scheine ich übrigens überhaupt nicht allein zu sein. Laut der Universität in Amsterdam ist es nämlich der ansteckendste Song der Welt. Okay, sag mal, wie haben die Forscher das denn rausgefunden? Das ist ganz witzig. Die haben einfach 50.000 Menschen besonders eingängige Songs vorgespielt. Und im Durchschnitt haben die nur 2,3 Sekunden gebraucht, um den Song zu erkennen. Und den höchsten Wiedererkennungswert hatte Wannabe von Spice Girls gleich gefolgt von Numbo No. 5 und Eye of the Tiger. Also Songs, wo man sofort keinen Takt braucht, um sie zu erkennen. Absolut, aber trotzdem 2,3 Sekunden, das ist ja bald weniger als ein Takt oder es ist weniger als ein Takt. Und trotzdem... Bleibt der Song so im Ohr hängen? Ich muss ja beim Wort Ohrwurm immer an diese Ohrenkneifer denken, diese kleinen Käfer, von denen man als Kind immer glaubte, die würden in die Ohren kriechen. Aber daher kommt ja auch der Name, eine Melodie, die sich eben wie ein Wurm mit Widerhaken im Ohr festsetzt. Was weiß man denn darüber, wie so ein Ohrwurm entsteht? Was passiert da im Gehirn? Ohrwürmer sind vielleicht so eine Art akustische Erinnerung, die wir aber gar nicht bewusst steuern können. Auch andere Erinnerungen, wie zum Beispiel Erinnerungen an einen Geruch oder so etwas, kommen uns auch einfach so in den Sinn. Und diese akustischen Erinnerungen setzen sich vermutlich in unserem Schläfenlappen im Gehirn fest. Da gibt es so etwas Ähnliches wie eine Art Gesangszentrum, weil da auch das normale Singen angesprochen wird. Und bei einem Ohrwurm singen wir eben innerlich und ganz still mit. Und spannenderweise können sogar Menschen mit starker Hirnbeeinträchtigung Ohrwürmer bekommen. Spannend. Sag mal, wann tritt denn so ein Ohrwurm besonders intensiv auf? Wenn wir so ein bisschen die Gedanken schweifen lassen und wenig Konzentration brauchen. Also z.B. beim Bügeln, beim Spazierengehen, kurz vorm Einschlafen. Und das Gehirn schlendert quasi herum und braucht Beschäftigung. Und dann holst einfach mal Wannabe raus und spielt es ab. Das Gehirn schlendert herum, das gefällt mir. Sag mal, kann man denn auch sagen, wer besonders anfällig ist für Ohrwürmer? Also tatsächlich, wir beiden müssten ein bisschen anfälliger sein, weil wir viel Musik hören. Du spielst sogar noch ein Instrument. Die scheinen sozusagen ein besseres auditives Gedächtnis zu haben und springen leichter auf Musik an. Was mich bei Ohrwürmern ja besonders stört, dass es ganz oft Songs sind, die man gar nicht mag. Also schlimmer als Dabbedee Dabbedei. Das war ja gar kein schlechter Song. Aber die Eingängigkeit scheint ja nicht unbedingt von der musikalischen Qualität bestimmt zu sein. Ich denke an einige Werbe-Jingles. Also im Ohr ist mir immer noch ganz furchtbar, das ist die Joghurette, die schmeckt so himmlisch Joghurtleicht. Furchtbar. Aber warum ist das so? Warum bleiben solche Sachen hängen? Ich glaube, die Eingängigkeit ist da ein großes Argument und das wird noch viel verrückter. Und zwar gibt es eine Studie der University of California. Und zwar hat ein Team dort 30 Menschen gebeten, ihren Ohrwurm nachzusingen und so ein bisschen aufzuzeichnen. Und das Ergebnis war wirklich verblüffend. 44 Prozent der Aufnahmen stimmten, in der Originaltonhöhe überein und 70 Prozent wichen kaum einen Halbton ab. Und das legt nahe, dass ein großer Teil der Bevölkerung wirklich ein sehr gutes musikalisches Gehör haben. Und das ohne zu wissen und nur bei Ohrwürmern. Da müssen wir nachher mal reinspielen, ob ich mit der Jogurette-Performance auch die Tonhöhe getroffen habe. Aber jetzt ist es ja so, dass Ohrwürmer zum Glück nicht ewig bleiben. Gibt es denn irgendwas, was dagegen hilft? Also bei mir ist es so, wenn es richtig extrem ist, dann muss ich irgendeinen anderen Song hören und dann kickt der einfach den Ohrwurm wieder aus meinem Gedächtnis. Genau, also du könntest mit Wannabe deinen Joguretten-Ohrwurm verdrehen. Nicht unbedingt Wannabe, aber okay. Genau, und zwar habe ich noch zwei andere Tipps gefunden. Eine Rechenaufgabe lösen. Dabei, das Gehirn kann nicht zwei Sachen gleichzeitig, also rechnen und singen. Oder Kaugummi kauen. Diese Kaubewegung unterbricht sozusagen das innere Singen und beides scheint parallel nicht möglich zu sein. Okay, das ist ein guter Tipp. Das muss ich unbedingt mal probieren. Aber wenn sich die Forscher so intensiv mit Ohrwürmern auseinandergesetzt haben, dann wissen sie doch bestimmt auch, wie Musik sonst im Gehirn wirkt. Denn das ist ja nur ein Faktor. Genau. Und zwar habe ich ein schönes Zitat gelesen und zwar hat ein Forscher gesagt in einem Interview, dass Musik unser komplettes Gehirn anspricht wie kaum etwas anderes, war seine Aussage. Gut, er war Musikwissenschaftler, aber der erzählt, dass zum Beispiel der auditive Kortex angesprochen wird für Melodie und Rhythmus, aber auch ein Bewegungszentrum, mit dem wir tanzen. Musik hat auch viel mit Emotionen zu tun und da wird das limbische System angesprochen, der Hypocampus für Erinnerungen, wenn wir uns zum Beispiel bei einem Song an etwas sehr Schönes erinnern und aber auch das Sprachzentrum, das Broker-Areal quasi. Und ja, kaum etwas anderes schafft es, so viele Bereiche auf einmal zu mobilisieren. Und würde man mein Gehirn scannen und Wannabe spielen, wären wahrscheinlich alles rot und würde flackern und würde die Reaktionen zeigen. Okay, also ich bin jetzt nicht so ein großer Spice-Girl-Fan, aber du ja offensichtlich schon. Genau, aber bei dir wäre die Reaktion noch viel, viel stärker, weil du nämlich Musiker bist und ein Instrument spielst. Weil nämlich Forschende haben eineigige Zwillinge untersucht und bei denen war einer, der hat ein Musikinstrument gespielt, der andere nicht. Und die haben festgestellt, dass bei denen, die ein Musikinstrument beherrschen, die Reaktion auf Musik viel stärker ausfiel und die rechte und linke Gehirnhälfte irgendwie ein bisschen besser miteinander kommuniziert und eben dann auch reagiert. Und ja, die Musiker müssen also vorausdenken, welche Bewegungen sie ausführen und vielleicht auch noch ein bisschen, ob sie was richtig gespielt haben. Und das Gehirn scheint sich auf diese Anforderungen anzupassen und eben, wenn sie ein Musikstück dann hören, sofort in den Arbeitsmodus zu schalten. Aber das nutzt ja inzwischen sogar die Medizin, zum Beispiel bei Demenzpatienten im Frühstadium, wo Musik die Formbarkeit des Gehirns trainieren und erhalten soll. Genau. Und zwar auch bei Parkinson oder nach Schlaganfällen wird viel mit Rhythmus und Gesang gearbeitet, um einfach die Motorik zurückzugewinnen. Und eben die Musik scheint diese betroffenen Areale zu stimulieren und so ein bisschen neu zu vernetzen. Und ein Instrument zu lernen oder zu spielen ist also definitiv gut für den Kopf in jedem Alter. Jetzt sag mal, was ist eigentlich mit dem berühmten Mozart-Effekt? Da gab es ja in den 90er Jahren mal eine Psychologiedozentin aus Wisconsin, die hat behauptet, Ihre Studenten würden räumliche Aufgaben besser lösen, wenn sie zuvor ein Stück von Mozart gehört haben. Und damit war damals in den USA und weltweit der Mozart-Effekt geboren. Eine ganze Industrie ist entstanden sogar mit Baby-CDs und pädagogischen Versprechungen. Das ging ja so weit, dass Schwangere ihre noch ungeborenen Kinder mit Klassik beschallt haben. Jetzt die Frage, gibt es da wirklich einen Zusammenhang oder ist das Quatsch? Also ich würde sagen, das ist Quatsch. Es gibt irgendwie solche Zusammenhänge schon, dass sozusagen, wenn man ein Violinkonzert hört, dass das Lernen vielleicht ein bisschen leichter ist. Aber das gilt vor allen Dingen für Leute, die musikalisch geschult sind. Nichtsdestotrotz, Baby-CDs mit Klassik sind toll. Es gibt sogar eine Klassik-Baby-CD, auf der Metal-Songs von Metallica und Co. klassisch aufbereitet werden für Babys. Okay, das kann ich mir vorstellen, dass das ganz gut ankommt. Also sag mal, dann wird ja aber oft behauptet, dass Musik Kinder schlauer macht. Und umgekehrt frage ich mich aber, ob es nicht eher so ist, dass die schlauen Kinder eher zu einem Instrument greifen. Gibt es dazu eine Theorie? Was sagt die Forschung? Genau, das wird genau so strittig auch diskutiert. Also klar, Familien, die darauf achten, dass ihre Kinder Musikinstrument lernen, kommen häufig aus einem Bildungshaushalt und haben deshalb häufig auch eine höhere Bildung und bessere Schulnoten. Das ist leider so. Was aber unstrittig ist, gemeinsames Musizieren steigert die Sozialkompetenz. Und zwar gibt es eine Langzeitstudie in Berliner Grundschulen. Und die hatten Musikunterricht. Und die haben festgestellt, dass die Anzahl der ausgegrenzten Kinder singt und das Schulklima besser wurde, wenn die alle regelmäßig zusammen singen. Das ist ja ein gutes Argument für Musikunterricht. Da fällt mir auch eine schneller Schlauffolge ein, die wir mal aufgenommen haben. Ich glaube, vor anderthalb Jahren. Nämlich über Singen unter der Dusche. Und da hatten wir auch über das verbindende Element von gemeinsam musizieren gesprochen. Unser Körper schüttet dabei Oxytocin aus, dieses Bindungshormon, auch Kuschelhormon genannt. Das eben unsere Verbindung zu anderen stärkt. Das heißt, Musik macht einfach glücklich, ganz egal, ob allein oder in der Gemeinschaft. Genau, singen macht natürlich glücklich, wie wir damals festgestellt haben, zusammen singen. Es gibt aber auch noch eine andere Studie aus Finnland. Dort haben Forscher sich die Gehirne von 30 Frauen angeschaut, während ihre Lieblingsmusik lief. Okay, die haben die gescannt? Gescannt, genau, die lagen im CT quasi. Und danach, daneben lief ihre Lieblingsmusik. Und lustigerweise schien dieses Hören von, was auch immer, sozusagen das Opeljadzentrum des Gehirns anzusprechen. Also das sozusagen auch bei der Befriedigung von Lust, Durst, Hunger oder so aktiv wird. Man wurde quasi glücklicher. Okay, aber jetzt sagst du gerade die Befriedigung von Hunger und Durst und sexueller Lust. Das sind ja die stärksten menschlichen Bedürfnisse eigentlich. Und deutlicher kann man die Macht von Musik ja kaum erklären. Was ich mich aber oft frage, Musik ist ja von Land zu Land unterschiedlich. Gibt es da kulturelle Unterschiede, wie ein Lied auf uns wirkt? Also nehmen wir mal ein Requiem. Das klingt für mich jetzt traurig. Aber wie empfindet das jemand aus einem ganz anderen Kulturkreis? Also keine Ahnung, irgendwo in Asien, Afrika oder so. Ich habe mich gerade für ein Kindersachbuch durch K-Pop-Songs gehört. Da versteht man sehr wenig, aber man erkennt schon, wenn die über Liebe singen oder es eher traurig zugeht. Und ich glaube, selbst wenn wir einen Song aus Ghana hören, auf der Landessprache, eine der Landessprachen, würden wir sofort erkennen, okay ... Da ist es jetzt vielleicht nicht gerade fröhlich oder so. Also das würde uns schon berühren. Und vielleicht würde sie ein bisschen geringer ausfallen, als etwas, was wir kennen oder wo wir den Text verstehen. Lustigerweise gibt es dazu auch Studien mit Babys, die ja wirklich noch wenig verstehen. Und da wurde festgestellt, dass Wiegenlieder in allen Ländern ähnlich funktionieren. Also langsames Tempo, getragene Melodie, viele Wiederholungen. Und in allen Kulturkreisen schlafen die Kinder ein. Egal auf welcher Strache. Jetzt kann man ja dank Musikplattformen wie Spotify doch bestimmt gut nachvollziehen, welche Musikpräferenz in welchem Land herrscht. Also wie unterscheiden sich die Länder dabei? Zum Glück gibt es zu jedem verrückten Thema eine Studie. Und es gibt tatsächlich eine Spotify-Analyse zu gestreamten Songs aus 51 Ländern. In allen Kulturen wird quasi abends eher entspannte Musik gehört, Tagsüber eher, ja, energiegeladen. Nur was ist eben energiegeladen, ist ein bisschen unterschiedlich. Menschen in Asien hören auch energiegeladen eher ruhigere Musik. In Lateinamerika gibt es eben heiße Latino-Rhythmen. Absolutes Klischee, aber eben fernöstliche Philosophie ist ja die Kraft aus der Ruhe beziehen und in Südamerika gibt es eben dieses Lebensgefühl des Tango und Latin. Also perfekter kann man es eigentlich nicht zeigen. Also erzeugt Musik auf der ganzen Welt extreme Emotionen. Die Unterschiede gibt es nur bei der kulturellen Prägung. Habe ich das so richtig zusammengefasst? Absolut. Und deshalb gibt es auch manche Forscher, die glauben, dass eben Musik durch dieses Gemeinschaftsgefühl am Lagerfeuer bei den Steinzeitmenschen auch entstanden ist. Dazu passt natürlich auch, dass die ältesten Instrumente aus dieser Zeit passen. Ja, so Knochenflöten waren es doch. Ja, auch die erwähnte Gänsehaut, die man kriegt, wenn man etwas sehr Schönes hört, das ist auch so ein Urinstinkt, der vermutlich auch schon bei den ganz frühen Menschen auftrat. Also man hört einen Chor, eine Solostimme, einen tollen Akkord und plötzlich, reagiert unser Körper mit Alarm, als ob sich etwas Unbekanntes nähert. Aber diese Alarmbereitschaft ist natürlich irgendwie ein sehr schönes Gefühl. Bei Alarmbereitschaft durch Klänge muss, glaube ich, jeder von uns sofort an die schrille Geige in Hitchcocks Psycho denken. Das klingt ja wie so ein hoher, verzerrter Hilfeschrei und versetzt einen sofort in Angst. Also war ja ein genialer Kniff von Hitchcock. Aber was funktioniert da eigentlich bei uns und funktioniert das bei allen Menschen gleich? Also ich hatte auf jeden Fall bei dieser Geige ziemlich, habe ich mich erst mal ziemlich erschrocken und habe auch immer noch Gänsehaut. Lustigerweise scheint es aber Menschen zu geben, die emotional für Musik nicht empfänglich sind. Schätzungen zufolge sind das ungefähr drei bis fünf Prozent der Bevölkerung. Dafür gibt es sogar einen Namen. Die Forschung nennt das musikalische Anhedonie. Und da ist aber keine Erkrankung oder so. Und die Menschen holen sich dann eben, woanders die Emotionen her, zum Beispiel beim Kochen oder beim Sport. Jetzt haben wir ganz viel über die emotionale Wirkung von Musik gesprochen. Da denke ich mir doch, dass sich diese Erkenntnisse bestimmt zu Songwritern rumgesprochen haben. Gibt es eigentlich den perfekten Popsong? Gibt es dazu auch eine Studie? Es gibt, glaube ich, keine perfekte Anleitung für den perfekten Popsong. Aber das Max-Planck-Institut hat mal die 80.000 Akkordfolgen von 700 Songs ausgewertet und Probanden vorgespielt, ohne Text und Melodie, einfach nur die Akkordfolgen. Und das Ergebnis ist der perfekte Popsong. Errätst du den Popsong? Jetzt machst du nicht so spannend. Was könnte es sein? Ich habe keine Ahnung. Ist es Blue oder ist es Barbaras Rabababa oder so? Nein, bestimmt nicht. Es ist ein sehr bekannter Song. Und zwar Opladi, Oplada von den Beatles. Wow, Obladi Oblada aus dem Jahr 1968. Das hätte ich jetzt wirklich nicht gedacht. Vor allen Dingen, wenn man bedenkt, dass John Lennon den Song gehasst hat. Er hat ihn verächtlich Granny Shit Musik genannt, also Oma Mist Musik. Ja, er fand ihn wirklich peinlich und hat gesagt, das sei unter seinem Niveau. Paul McCartney hatte es komponiert und John Lennon hat bei der Aufnahme angeblich war er sehr betrunken, weil er so genervt war von diesem Song und hat einfach mit doppeltem Tempo auf dem Klavier gespielt. Also war jetzt nicht sein Lieblingssong auf jeden Fall. Nee, hört sich nicht so an. Aber der Rest der Band, der fand ihn ja offensichtlich ganz gut. Aber jetzt interessiert mich natürlich die Begründung der Forscher. Warum funktioniert dieser Song so perfekt? Vielleicht haben wir da auch eine Antwort auf, was braucht ein perfekter Popsong? Und zwar ist die Akkordfolge sehr unerwartet, aber trotzdem eingängig und überfordert uns nicht, wie Free Jazz zum Beispiel. Und genau, das ist für unser Gehirn quasi eine angenehme Überraschung. Und dieses Opladi trifft halt so einen Sweet Spot quasi in unserem Gehirn. Und wir sind auch nicht sicher, wenn wir das hören, wie das Lied weitergeht. Und genau, das ist so ein bisschen, ja, einfach sehr schön, wenn man es hört. Übrigens ähnlich perfekt ist Invisible Touch von Genesis und I Want You Back von Jackson 5. Okay, das sind jetzt ja alles Oldies. Werden heute keine guten Popsongs, keine perfekten Popsongs mehr geschrieben? Wahrscheinlich hat es einfach nur niemand mehr analysiert. Aber tatsächlich scheinen sich sozusagen Erfolgskriterien für Popsongs zu wandeln. Also zum Beispiel ist die Tanzbarkeit seit den 80ern wichtiger geworden. Auch das Tempo hat so ein bisschen zugenommen. Und rhythmische Variationen, Dreivierteltakt oder Sechsachteltakt sind auch wichtig. Und ja, es muss harmonisch sein und nicht zu simpel sein. Und die Länge hat sich aber zum Beispiel, das ist das, was man ganz klar auch bei Spotify sieht, hat sich sehr geändert. Früher war ein Song drei Minuten dreißig, ideal fürs Radio. Inzwischen sind die Songs viel kürzer geworden und zwar meistens so zwei Minuten dreißig, also eine Minute kürzer. Spielt denn auch unsere Gewohnheit, Musik zu streamen eine Rolle? Ich meine, früher waren wir einfach dazu verurteilt, einen Song im Radio bis zu Ende zu hören. Erst dann kam der nächste und heute klickt man einfach weg. Gemeinsam mit Spotify, aber auch TikTok, hat sich da was Grundlegendes verändert. Und die Songs bauen heute anders auf. Das ist nicht mehr so, dass es sozusagen so Pre-Chorus und langsam und. So ein bisschen Aufbauen der Spannung gibt, sondern die müssen von Anfang an super schnell starten, damit sie entweder eben in 60 Sekunden TikToks passen oder eben die Menschen im Streaming-Dienst sofort überzeugen und eben nicht dazu führt, dass jemand nach wenigen Sekunden sofort wegklickt. Okay, jetzt will ich aber, brauche ich mal ein Beispiel. Sag mal, was ist denn so ein typischer Song, der auf TikTok passt und der für so einen Streaming-Dienst perfekt komponiert ist? Sagt der Harry Styles was? As it was, ne? Genau. Das ist zum Beispiel super schnell Synthi-Hook, Sekunde eins, kein Aufbau, keine Teasing-Phase für das Ganze, sondern einfach schneller Song, ganz kurz und sofort geht's auf die Nase. Puh, das ist ja auch ein ganz schöner Ohrwurm. Ja, jetzt müssen wir Kaugummi kauen. Danke, ich nehme gerne eins. Falls ich Harry Styles jetzt als neurobiologischer Parasit in meinem Ohr festsetzen sollte. Aber an dieser Stelle, lieber Birg, ganz herzlichen Dank für diesen Ohrenschmaus. Gern geschehen. Dann möchte ich jetzt noch einmal auf unseren Science Slam hinweisen, dessen Partner PM ist. Beim Science Slam, da treten Wissenschaftler auf, die ihr Fachgebiet kurz und unterhaltsam auf der Bühne präsentieren. Alles für einen spannenden und lehrreichenden Abend. Den Link zu den Terminen findet ihr in unseren Shownotes. Das war's für heute. Wenn euch die Folge gefallen hat, lasst uns ein paar Sternchen da. Damit sage ich Tschüss, bleibt neugierig und lasst euch nicht ohrwurmen.