Um Gold ranken sich Sagen und Legenden wie die um den Nibelungenschatz, der von ein Zwergnahns alberig behütet wird. Doch mindestens genauso spannend wie verborgene Goldschätze ist die Entstehung des Goldes. Was haben Neutronensterne mit Gold zu tun? Und welchen Forschern gelang es, Gold herzustellen? Ich bin Anne Baum und ihr hört Schneller Schlau, den Wissenspodcast von PM. Mit der Journalistin Marleen Wiegmann begebe ich mich heute auf die Spuren des begehrten Goldes. Sag mal, wie viel Gold gibt es denn auf der Welt? Ja, da gibt es so Berechnungen. Und theoretisch sagt man, das passt alles in einen Würfel. Und der Würfel hätte dann ungefähr so eine Länge von 22 Meter. Das kann man sich irgendwie vorstellen wie so ein großes Einfamilienhaus. Und das Gewicht, das wären dann ungefähr 220.000 Tonnen. Nur ein großes Einfamilienhaus, das ist viel weniger, als ich tatsächlich gedacht hätte. Total, ich schließe mich da voll an, habe ich auch gedacht. Und das Interessante ist ja vor allen Dingen, es spielt aber trotzdem so eine große Rolle in der Geschichte, für die Gesellschaft, in unserer Vorstellung von Macht und Reichtum. Aber irgendwie liegt da ja vielleicht auch schon ein Teil von der Antwort. Gold ist sehr selten und auch wahrscheinlich gerade deshalb so wertvoll. Was unterscheidet Gold denn von anderen Metallen? Also es ist ein Edelmetall und deshalb schwer und es hat eine besonders hohe Dichte, ist dabei aber relativ weich. Und es kann Strom und Wärme leiten. Vor allen Dingen ist Gold aber unvergänglich. Das heißt, es reagiert kaum mit anderen Stoffen. Es rostet nicht, es vergeht nicht, es hat einfach Bestand. Und also Königreiche verschwinden, alles verändert sich. Aber Gold, das bleibt einfach. Das Gold bleibt uns erhalten. Wenn zum Beispiel ein Schiff untergeht, ist das meiste davon nach ein paar Jahrtausenden wahrscheinlich verschwunden. Aber der Goldschatz an Bord, der liegt noch immer auf dem Grund des Meeres und funkelt wie am ersten Tag. Ja, interessanterweise war schon im alten Ägypten das Gold was Besonderes. Man hat früher gedacht, dass die Götter auch aus Gold bestehen, also es hatte so eine kulturelle und auch religiöse Bedeutung. Und es war auch ganz zentral im Totenkult. Also das heißt, Verstorbene haben eben so Goldgegenstände mitbekommen. Ich denke da persönlich auch direkt an die Grabkammer von Tutankhamud. Da muss man sich mal vorstellen, da waren so wahnsinnig viele Goldschätze in dieser Kammer drin. Und allein der Sarg hat aus über 100 Kilogramm Gold bestanden oder besteht daraus. Genau, und das Spannende daran ist ja, dass wir heute wissen, er war gar nicht so ein besonders bedeutender Herrscher. Also da kann man sich irgendwie nur vorstellen, wie andere Gräber dann vielleicht ausgesehen haben. Wir wissen es einfach nicht so richtig. Man muss mit bedenken, es wurde wahnsinnig viel damals geräubert. Es gab Grabräuber, die haben sich das Gold halt eben unter den Nagel gerissen. Und dann haben sie es wahrscheinlich eingeschmolzen, um irgendwie auch so ein bisschen die Herkunft zu vertuschen. Und von daher, keine Ahnung, wo das ganze Gold abgeblieben ist. Aber sehr schade, es war natürlich wahrscheinlich besonderer Schmuck hergestellt wurde oder Schmuck, den man ja heute so nicht mehr findet. Aber was ich daraus mitnehme, Gold stand schon damals für Macht, für Prestige und eben für die Ewigkeit. Christopher Columbus hat die Suche nach Reichtümern und auch nach mehr Gold sogar über den Atlantik geführt. Aber was mich vor allem interessiert, sag mal, wie entsteht Gold überhaupt? Ja, das ist tatsächlich super spannend, weil dafür braucht es ein sehr außergewöhnliches Ereignis. Und zwar im Weltall tatsächlich. Es braucht dafür zwei Neutronensterne. Und man muss sich vorstellen, also das ist ja alles ein bisschen abstrakt, aber man kann sich Neutronensterne ungefähr so vorstellen, die sind super extrem. Also alles an denen ist extrem. Die haben die größte Schwerkraft nach einem schwarzen Loch. Und wenn man jetzt nochmal ein anderes Beispiel, quasi ein Teelöffel von so einem Neutronenstern quasi auf der Erde, der würde dann eine Milliarde Tonnen wiegen, ungefähr. Außerdem herrschen bei so einem Neutronenstern ganz extreme Temperaturen. Also das ist 10.000 Mal höher als die Temperatur im Zentrum von unserer Sonne. Ein außergewöhnliches Ereignis im Weltall. Das heißt mal ganz kurz, um reinzugreifen, Gold ist also kosmisch. Ja, richtig. Und vor allen Dingen wirklich auch so ein besonderes Ereignis, weil man braucht eben nicht nur einen von diesen superextremen Sternen, so einen Neutronenstern, sondern man braucht zwei. Und die müssen dann auch noch irgendwann aufeinandertreffen. Und für den Fall, dass das aber dann mal passiert und die aufeinandertreffen, dann entsteht sowas wie so ein Neutronenfeuerwerk. Also dabei entstehen dann so große, instabile Atomkerne. Und die zerfallen dann zum Teil wieder. Und daraus entsteht dann Gold, aber auch zum Beispiel Platin oder Silber. In der Physik gesprochen, nennt man diesen Prozess Rapid Neutron Capture oder auch Er-Prozess. Und genau, der beschreibt eben diesen Zerfall mit den Atomkernen und so weiter. Und wie ist denn nun das Gold zur Erde gelangt? Ja, das ist im Grunde dann auf die Erde gekommen, nachdem es entstanden ist. Und viel davon ist tatsächlich im Erdkern. Und wir kommen da gar nicht so richtig ran. Dann ist noch eine geringere Menge so in der Erdkruste und dann ist noch ein kleinerer Teil davon auch irgendwie abbaubar, also tatsächlich für uns erreichbar. Interessanterweise irgendwie in der Antike und im Mittelalter, weil das wahrscheinlich auch so schwer zu erreichen war, haben Alchemisten tatsächlich überlegt, wie sie irgendwie Gold herstellen können. Das ist ja auch eine schöne Vorstellung, einfach reich werden. Und die Idee war, irgendwie hatten sie diese Vorstellung, dass sie aus niederen Elementen dann sowas, in Anführungsstrichen, eben so ein höheres Element machen können wie Gold. Der Gedanke, Gold herzustellen, ist ja irgendwie naheliegend. Aber wenn man weiter oder tiefer drüber nachdenkt... Dann muss man ja sagen, die Idee ist gar nicht mehr so gut, weil wenn es ihnen geglückt wäre, wäre das ganze Gold ja nichts mehr wert gewesen. Es wäre nicht mehr selten gewesen. Ja, das stimmt. In dem Sinne haben vielleicht die Alchemisten nie so wirklich weit genug gedacht. Wobei wahrscheinlich haben sie gedacht, sie behalten das Geheimrezept für sich. Ganz sicher. Aber man kann sagen, es gibt mittlerweile andere Erfolge in der Richtung. Welche? Tatsächlich hat ein Forschungsteam für winzige Sekundenbruchteile mal kurz Gold entstehen lassen. Und zwar ist das folgendermaßen passiert. Das haben Forschende am Kernforschungszentrum CERN gemacht. Und zwar wollten sie eigentlich herausfinden, was kurz nach dem Urknall passiert ist. Und dafür haben sie so Bleikerne durch einen Teilchenbeschleuniger gejagt. Und wenn die sehr nah aneinander vorbeifliegen, dann ist da in dem Fall eben Gold entstanden, weil die innere Struktur da in Schwingung geraten ist. Und dann wird eine kleine Anzahl von Neutronen und Protonen ausgestoßen. Und genau, eben für winzige Sekundenbruchteile war da mal ganz kurz Gold da. Aber man muss leider sagen, so kurz, das hat uns jetzt auch nicht weitergebracht. Der Traum der Alchemisten, der bleibt wohl für immer unerfüllt. Das heißt, Gold lässt sich immer noch nicht herstellen? Nein, tatsächlich, es gibt auch Berechnungen darüber, wie viel Gold wohl noch abbaubar ist. Und der World Gold Console, der geht von 54.000 Tonnen Gold aus, an die wir jetzt irgendwie mit unseren derzeitigen technischen Mitteln drankommen. Das hört sich aber jetzt fast so an, als könnte es irgendwann den Punkt geben, wo es kein Gold mehr gibt. Also wo man nichts mehr abbauen kann. Ganz theoretisch ja, in dem Sinne, dass es eben ein endlicher Stoff ist. Aber erst mal ist da jetzt gerade kein Ende in Sicht. Also jetzt gerade ist der Goldpreis war ja letztlich auch in letzter Zeit total hoch. Er ist immer noch auf einem hohen Niveau. Und dann lohnt sich der Abbau von total wenig schon sehr, weil eben der Preis so hoch ist. Von daher bleibt das wahrscheinlich noch ein wenig. Im 19. Jahrhundert waren viele Menschen berauscht vom Gold und versuchten ihr Glück, darin Gold zu finden. Nicht jeder wurde reich und anstrengend war das Schürfen auch noch dazu. Wie schwierig ist es denn heute noch, Gold abzubauen? Ja, da gibt es auf jeden Fall eine große Menge von Problemen, aber andererseits wahrscheinlich auf eine ganz andere Art und Weise als das, was du beschrieben hast. Heute kommen eben häufig giftige Chemikalien dabei, also beim Abbau vor. Und man braucht meistens sehr große Mengen Wasser, das ist auch ein Problem. Außerdem, wenn man das so im Tagebau abbaut, dann braucht man total viel Platz. Und auch oft Platz, um dann diese Reststoffe irgendwo ablagern zu können. Das ist jetzt quasi eher so dieser große Maßstab und im kleinen Maßstab, das ist dann der Kleinbergbau. Und da baut man das dann eben, das Gold, mit so einfachen nicht-industriellen Mitteln ab. Das ist eben alles kleinerer Maßstab. Und da gibt es eben teils gefährliche Arbeitsbedingungen für die Menschen. Und häufig ist das dann verbunden mit einer großen Armut vor Ort, schlechten Arbeitsbedingungen. Also da kann man schon echt zusammenfassen. Gold hat einen ganz schön dunklen Hintergrund, den man bei so einem schönen, schimmernden Edelmetall vielleicht gar nicht vermuten würde. Also du sagst ja schon, Gold hat einen dunklen Hintergrund. Aber dennoch, bis heute zieht Gold Menschen an und ist ja total wertvoll. Zuletzt stieg der Goldpreis in schwindelerregende Höhen. Eine Feinunze Gold kostete Anfang des Jahres erstmals über 5.000 US-Dollar. Also eine Unze, muss man sich mal vorstellen. Ja, das ist wirklich der Wahnsinn. Also Privatpersonen, Investoren, die vertrauen alle in Gold. Und auch, man muss sagen, wirklich die Zentralbanken, weil von denen hängt eigentlich so mit der Boom, also diese Preisentwicklung hängt da so mit zusammen, weil die da irgendwie eigentlich die größten Player, die größten Akteure am Markt sind und eine besonders große Nachfrage hatten da vor allen Dingen China und Indien. Okay, China und Indien, warum sind die so hinter Gold? Das hängt vor allen Dingen damit zusammen mit der Rolle von den USA auf der Weltbühne. Also der US-Dollar ist ganz oft so eine Reserve oder eine Handelswährung und in dem Sinne total beliebt. Aber diese Währung steht eben gerade total auch unter Druck und der US-Dollar verliert eher an Wert. Warum? Naja, unter anderem wegen der unberechenbaren Politik der US-Regierung. Dann gibt es noch eine hohe Staatsverschuldung und auch so die Zollpolitik spielt da mit rein. Also es sind ganz viele Unsicherheiten. Ist ja auch kein Wunder. Der US-Präsident gilt ja, ich sag jetzt mal vorsichtig, als notorisch unvorhersehbar. Also er hat ja Handelskonflikte, Zölle im Nahosten zu Eskalationen geführt. Also da ist es kein Wunder, dass man sich vielleicht nach etwas Handfesten wie Gold sehnt. Und die Staaten versuchen eben dann unabhängiger zu werden, weil also eben selber mehr Gold zu haben und quasi so ein bisschen davor zu sorgen. Ich glaube, da kommt auch hinzu, dass quasi auch da der Blick nach Russland geht und man da sieht, da gibt es eben Sanktionen gegen das Land. Das macht andere Länder mit vorsichtiger, weil Währungen lassen sich quasi leichter blockieren und Gold ist in dem Fall aber ein bisschen widerstandsfähiger. Und ich sage jetzt auch nur widerstandsfähiger, weil es gibt natürlich auch gegen russisches Gold Sanktionen, aber es ist eben ein bisschen schwerer, das da durchzusetzen. Man könnte aber sagen, der Trend geht zum hauseigenen Goldkeller. Also da stelle ich mir immer so riesige Tresore vor, hinter deren Tülen sich Regale voller Goldbahnen finden lassen. Und ich denke da vor allen Dingen immer sofort an Fort Knox. Das ist das berühmte Goldlager in den USA. Ich glaube, das ist auch das Goldlager, worum sich die meisten Mythen und Legenden irgendwie spannen und ranken. Weil, woran liegt das wahrscheinlich? Weil es einfach schon ganz lange keine Bestandsaufnahme mehr gab. Also es hat schon lange niemand mehr genau nachgezählt, wie viel da jetzt eigentlich liegt. Und dann ist das einfach der Nährboden für Verschwörungstheorien. Die haben alle so unterschiedliche Richtungen. Aber der Grundgedanke ist eigentlich immer der gleiche, nämlich... Das Gold ist wahrscheinlich gar nicht mehr da und wer weiß, wo es ist. Und da wir ja nicht alle nachschauen können, hält sich diese Erzählung wahrscheinlich ziemlich hartnäckig. Das kann ich mir auch vorstellen. Tatsächlich muss man aber auch sagen, Fort Knox ist gar nicht das größte Goldlager der Welt. Das ist tatsächlich bei der FED in New York. Und bei der US-Zentralbank, die hat nach eigenen Angaben ungefähr 507.000 Goldbarren. Das ist so ein Gewicht von 6.331 Tonnen. Und um jetzt noch eine Zahl, um draufzupacken, aber das jetzt nur als Vergleich ist das ungefähr so das Gewicht 50 Mal vom Eiffelturm, so die Größenordnung. Das ist eine ganze Menge. Jetzt wollen wir aber natürlich wissen, wie viel hat die Deutsche Bundesbank? Es ist weniger. Also nach eigenen Angaben hat die Bundesbank 2025 3.350 Tonnen gehabt. Es ist aber immer noch nach den USA die zweitgrößte Goldreserve. Also ich finde gar nicht mal so schlecht. Das Gold liegt in Frankfurt, New York und London. Also da wird das auch jeweils dann an den letzten beiden Standorten direkt gehandelt. Und interessanterweise, wir Deutschen horten auch selber total viel Geld. Also da hat ein Team der Steinbeiß-Hochschule Berlin festgestellt, dass rund 9000 Tonnen Gold sich wirklich in Privatbesitz in Deutschland befinden. Dazu zählen zum Beispiel Barren, Münzen, aber auch Schmuck. Und man muss sich mal vorstellen, dass es jetzt, also die Anzahl oder die Menge ist dreimal so viel wie das, was die Bundesbank hat. Wow, das ist wirklich eine Menge. Man müsste wahrscheinlich unter die eine oder andere Matratze gucken. Also was wir da aber auch sehen, es scheint so eine Art oder scheint immer noch so eine Art menschliche Gier nach Gold zu geben. Ja, man muss sich auch mal vor Augen führen, so Auszeichnungen sind aus Gold. Zum Beispiel der Nobelpreis, der ist tatsächlich sogar aus purem Gold. Also das sind mehrere hundert Gramm Gold, die da drin stecken. Dann bei den Olympischen Spielen, wenn man eben der absolute Sieger oder die Siegerin ist, dann gibt es Gold. Die anderen kriegen Silber und Bronze, aber Gold ist das Beste. Wobei übrigens, in dem Fall ist es kein echtes Gold, sondern nur mit Gold überzogen. Und dann bei Hochzeiten stecken wir uns ja gegenseitig auch häufig zumindest irgendwie einen Goldring an die Finger. Und auch da sieht man ja wieder, dass Gold auch heute noch für Prestige, Macht und Ewigkeit steht, so wie schon damals bei den alten Ägyptern. Ja, dann danke dir, dass du da warst. Ihr liebe Hörerinnen und Hörer, bleibt neugierig. Ich hoffe, ihr habt einen goldenen Abend Sonnenuntergang. Und falls ihr noch Lust habt auf mehr Wissenschaft, es gibt das PM-Magazin und das Schneller Schlau-Magazin am Kiosk und als E-Paper. Schneller Schlau, der kurze Wissens-Podcast von PM.