Kraken, die ganze Schiffe mit ihren Armen in die Tiefe ziehen oder Meerjungfrauen, die Matrosen mit ihren Gesangen ins Verderben locken wollen oder Geisterschiffe ewig unterwegs auf der See. Die Welt der Seefahrer ist von jeher voller Mythen. Was ist dran? Stimmen gar einige von Ihnen? Ich bin Anne Baum und ihr hört schneller schlau den Wissens-Podcast von PM. Durch diese Folge segelt mit mir heute PM-Autor Birk Grüling. Ahoi Birk. Ahoi Anne, danke, dass ich mit an Bord sein darf. Legen wir jetzt ab? Ja, mit Vergnügen. Lass uns mit den Tieren starten, die sind ja bekanntlich genau meine Kragenweite. Und ja, Kragen waren in der Vorstellung mancher Seeleute so groß wie eine Insel und konnten Schiffe mitsamt Besatzung in die Tiefe ziehen. Das ist natürlich maßlos übertrieben, aber Birk, trotzdem gibt es ja in der Tiefsee riesige Tiere mit Tentakeln. Jeder Mythos hat natürlich einen wahren Kern und die Seefahrer des Mittelalters. Berichten ja von riesigen Tentakeln, die aus dem Wasser reichen und von aufgeblähten Kadavern, die an der Küste angeschwemmt werden. Und es gibt eben diese gewaltigen Narben an den Pottwalen und das spricht tatsächlich für Riesenkalmare. Das sind die mit den Zehen armen. Kraken übrigens haben nur acht. Und woher kommt denn die Furcht, dass Riesenkalmare auch Schiff und deren Besatzung verspeisen könnten? Also das liegt ein bisschen daran, dass die nicht gut rechnen konnten. Und zwar scheint sich jemand wirklich verrechnen zu haben. Und zwar gibt es Kampfspuren von Pottwalen und Riesenkalmaren. Und diese Narben in der Walhaut waren so groß, weil die Tiere einfach auch sozusagen wachsen. Tiere wachsen, die Narben wachsen und dann hat man sich verrechnet und geschätzt, dass diese Tintenfische bis zu 60 Meter lang sein müssen. Und Meeresbiologen sagen heute, naja, das stimmt nicht ganz, sind wahrscheinlich so maximal 13 bis 19 Meter. Das ist zwar immer noch riesig, aber da kann man mit keinem Schiff attackieren. 19 Meter und 60 Meter, das ist wahrlich ein kleiner Unterschied. Aber Birk, sag, wie jagen denn die Tiere wirklich? Also tatsächlich wusste man das lange gar nicht. Aber 2004 gibt es jemanden, dem es gelungen ist, diese Aufnahmen von einem Lebenexemplar in 700 Meter Tiefe zu machen. Zwar ist es ein japanischer Meeresbiologe und der hat eine Kamera dort unten installiert und hat. Dann eine Beute ausgelegt und hat gedacht, okay, eigentlich müssten diese Tiere Lauerjäger sein, aber dieser Kalmar hat sich angeschlichen und dann blitzschnell zugeschlagen, Und ja, heute weiß man, okay, es sind blitzschnelle, sehr aggressive Jäger, die ihre Beute wirklich attackieren und dann einfach mit diesen Tentakeln umklammern und dann auffressen. Also die heutigen Tiere sind nicht so riesig, aber letztens gab es eine neue Studie. Und zwar drehte die sich um den Fund einer Uhrzeit Kraken. Und zwar hat ein japanisches Forschungsteam eine Studie über fossile Kieferschnäbel aus der Kreidezeit. Also wir reden hier vor ungefähr 100 bis 72 Millionen Jahren untersucht. Und die untersuchte Art Nanaemote toitos hagati, 7 bis 19 Meter lang. Und hätte damit an der Spitze der Nahrungskette der damaligen Meeresbewohner gestanden. Und wahrscheinlich sogar Jagd auf Fischsaurier gemacht. Das ist auf jeden Fall die Darstellung in der Studie. Erstmal toll, dass du diesen Namen ohne Fehler ausgesprochen hast. Das habe ich noch nicht geschafft. Und tatsächlich ist die Hochrechnung dieses Schnabel so ein bisschen umstritten, aber tatsächlich scheint das also einen sehr großen und sehr beeindruckenden Kraken gegeben zu haben. Und auch das zeigt wieder, ein Fünkchen Wahrheit ist bei dieser Geschichte über Kraken oder Kalmare eben schon dran. Und die Uhrzeit ist sowieso ein super Vorbild. Für modernen Seemannsgarn. Man denke nur an den Plesiosaurus Nessie in Loch Ness oder die Spekulationen darum, dass irgendwo in der Tiefsee noch ein Megalodon lebt. Megalodon, das waren übrigens Urzeithaie. Die waren größer als Reisebusse und lange Stoff für Legenden und landeten auch in so manchen Hollywood-Filmen, zum Beispiel Hugh Mack. Dieser Film, wirklich an alle Zuhörer und Zuhörerinnen, schaut diesen Film, es ist wirklich spannend. Und der spielt auch echt spannend mit diesem Glauben, weil also, ja, es gibt auch zig YouTube-Videos dazu, wo Leute so ein bisschen darüber spekulieren, ob es, ja, ob es den noch gibt und. Muss es leider sagen, es gibt einfach keine Belege dafür. So gern ich ein Megalodon sehen würde, sonst würde man ja wahrscheinlich irgendwie Bissspuren an Walen oder Zähne auf dem Meeresgrund sehen oder irgendwie das Ding wirklich selbst mal auftauchen neben irgendeinem Kreuzfahrtschiff. Aber ja, das war wirklich der größte Hai, der auch jemals gelebt hat. Und alle Berechnungen, die es zu seiner Größe gibt, stammen durch ein paar Wirbel, die in Schottland oder auch in Dänemark gefunden sind. Und man geht halt wirklich von 24 Metern aus und das ist fast so lang wie ein moderner Blauwal und das ist das Größte, was heute lebt. Und zum Glück ist der vor 3,6 Millionen Jahren ausgestorben und seine Zähne sind ungefähr so groß wie der Salatteller bei unserem Mittagessen. Und jahrhundertelang haben eben Seefahrer auch solche Zähne gefunden, konnten sich das nicht erklären und glaubten, dass irgendwo da unten in der Tiefe auch so ein Riesenhai lebt. Also einst waren Haie größer, glücklicherweise jetzt nicht mehr. Aber es gibt noch einen anderen Seefahrer-Mythos, den wahrscheinlich jeder kennt, der auch sehr popkulturell einen Klang gefunden hat und ja, man findet ihn sogar im Spielzeugladen. Und zwar rede ich von den Meerjungfrauen. Genau. Ariel wurde nicht von Disney erfunden, sondern gehört wirklich zu den ältesten Mythen der Menschheit. Schon die Griechen berichten von diesen Sirenen, so Mischwesen aus Frauen und Vogel oder Frauen und Fisch. Und die wollten die Seeleute mit ihrem Gesang in den Tod locken. Und über Jahrhunderte glaubten Seefahrer auf der ganzen Welt, dass diese Dinge wirklich auftauchen und sie anlocken. Und als Liebhaberin alter Quellen habe ich natürlich mal wieder was ausgekramt und zwar gibt es da eine Geschichte von Christoph Kolumbus. Am 8. Januar 1493 schrieb er in sein Tagebuch, er habe eindeutig drei Meerjungfrauen gesehen, die aus der See auftauchten. Sein Kommentar dazu, sie seien nicht so schön, wie man ihnen es nachsage. Ihre Gesichter, die hätten maskuline Züge gehabt. Spoiler, es waren einfach Seekühe. Ja, also genau, ich hätte mir das Ganze ein bisschen romantischer vorgestellt, nach diesen ganzen Sagen über wunderschöne Frauen. Aber vielleicht, wenn man so lange alleine auf See ist mit so vielen Männern, findet man auch Seekühe attraktiv. Ja, also Seekühe können lustigerweise tatsächlich senkrecht im Wasser stehen und tauchen auch auf und ab. Und an ihren Vorderflossen sieht man auch so ein bisschen fingerartige Knochen. Und sie können sogar den Kopf drehen dank Heizwürmer. Also mit schlechter Sicht und ein bisschen viel rum kann man das wirklich für eine Frau halten, die im Wasser schwimmt. Nach Kolumbus' Expeditionen wurden in europäischen Kuriositäten Kabinetten erledigt. Regelmäßig frisch entdeckte Meerjungfrauen aus der Neuen Welt ausgestellt, bei denen es sich um verstorbene Seekühe handelte. Die Verwechslung hat sogar die Wissenschaft mit einem kleinen Augenzwinkern aufgegriffen. Wie meinst du das? Die Ordnung der Seekühe heißt bis heute Serenäa, nach den Serenen, also den Meerjungfrauen der griechischen Mythologie. Ja, also das ist auf jeden Fall eine sehr schöne Verneigung vor der Mythologie. Was mich auch sehr fasziniert hat als Fan von Seemannsgarn sind Geisterschiffe. Sag mal, kennst du die Lady Love Bond? Nein, nein, nein, erzähl, erzähl, jetzt wollen wir die Geschichte hören. Und zwar gibt es eine Geschichte über einen Kapitän, der am 3. Februar 1748 aufbrach und zwar von London nach Portugal. Und an Bord hatte er seine Frau Amanda und zahlreiche Hochzeitsgäste. Und Frauen auf dem Schiff galten damals als Unglücksbringer. Und der Kapitän hat einfach gesagt, ach egal, ich nehme meine Frau mit. Als Frau muss ich dann natürlich protestieren. Das ist natürlich ein verachtenswertes Vorurteil. Und bekanntlich haben ja auch Frauen auf Schiffen damals schon Höchstleistungen vollbracht. Genau. Es gibt auch Piraten, Kapitäninnen, genau. Und jetzt wird es aber ein bisschen true crime-ig. Und zwar hat der erste Mat, John Rivers, der war auch in diese Amanda sehr verliebt und total eifersüchtig auf dieses junge Brautpaar. Und er tötete den Steuermann, übernahm das Steuer und lenkte die Lady Lovey Boy gezielt. Auf eine Sandbank, und zwar die Goodwin Sands vor Kent, also vor der englischen Küste. Und alle Menschen an Bord kamen ums Leben bei diesem Unglück. Und angeblich kehrt aber dieses Schiff alle 50 Jahre zum Jahrestag des Unglücks zurück. Und Kapitäne berichten bis heute darüber, dass sie beinahe mit einem Segelschiff kollidiert sind, das aus dem Nichts auftauchte. Und man hörte auch noch Musik und das Lachen von feiernden Menschen. Die letzte Sichtung gab es 1948. Ach, 1998 hat niemand hingeschaut. Und in ein paar Jahren, nämlich 2048, gibt es die nächste Sichtung. Und da muss man mal genau hinschauen und ein bisschen drum segeln. Ja, das wäre ein Grund für eine kleine Segelreise. Klingt auf jeden Fall nach der perfekten Gruselgeschichte. Also genau, sie funktioniert auch so gut, weil eben diese echten Elemente dabei sind. Die Gurdwins Sand sind wirklich da und auch gefährlich. Dort gibt es hunderte von Wracks, es gibt Nebeln, es gibt Strömungen und wenn man zur falschen Zeit da durchfährt und eben ein bisschen Nebel auftaucht und ein bisschen Wind und so, kann man eben solche Sichtungen schon mal glauben. Genauso mysteriös wie die Sichtungen von Geisterschiffen ist eine Region und zwar das berühmt-berüchtige Bermuda-Dreieck. Birg, erzähl uns, wie gefährlich ist es wirklich? Also auf jeden Fall ist das Bermuda-Dreieck wirklich einer der bekanntesten Seefahrermythen der Moderne. Das Gebiet liegt nämlich zwischen den Bermuda-Inseln, der Südspitze von Florida und auch Puerto Rico. Und das wird auch so als der Friedhof des Atlantiks oder das Todesdreieck bezeichnet. Schöne Namen, oder? Und angeblich sollen dort mindestens 50 Schiffe und 20 Flugzeuge im letzten 100 Jahren verschwunden sein. Und eins der bekanntesten Fälle sozusagen ist der Fall von fünf Tornadobombern, die am 5. Dezember 1945 quasi zu einer Trainingsmission über dem Atlantik aufgebrochen sind und sie kehrten nie zurück. Und auch das Suchflugzeug, das man losschickte, verschwand über dem Bermuda-Dreieck. Gibt es dafür eine logische Erklärung? Ja, leider komme ich mit dieser Erklärung nicht zu Galileo Mystery. Also und zwar gibt es eine logische, aber auch sehr tragische Erklärung. Und zwar hat der Leutnant Charles Taylor, der Ausbilder der Staffel, an diesem Tag darum gebeten, nicht fliegen zu müssen. Er kannte nämlich das Gebiet nicht und tatsächlich verlor er während des Flugs wahrscheinlich einfach die Orientierung. Und er sah unter sich kleine Atlantikinseln, die er für die Florida Keys im Golf von Mexiko hielt und dann in der falschen Richtung abdrehte. Also er flog immer weiter auf den offenen Atlantik rauf und die Piloten seiner Staffel widersprachen ihn zwar per Funk, aber dann bestand Taylor auf dem Kurs und alle sind in die falsche Richtung geflogen und dann ging ihm irgendwann der Streibstoff aus und sie stürzten ins Meer. Und das Suchflugzeug ist einfach auch kurz darauf explodiert. Genau, vermutlich hatte da nur ein Besatzungsmitglied geraucht an Bord und da ist es zu einer unglücklichen Explosion gekommen. Also scheint es logisch zu erklären zu sein. Ja, eine tragische Geschichte mit, aber wie du gerade schon sagst, einer logischen Erklärung, die nicht ganz so mysteriös ist. Jetzt ist es so, dass im Belmuda-Dreieck sehr oft die Fracks oder die Überreste der gesunkenen Schiffe oder auch Flugzeuge nicht gefunden wurden. Warum ist das so, Birk? Dafür gibt es auch eine natürliche Erklärung und zwar gibt es den Golfstrom und das ist ein sehr schneller, warmer Meeresstrom, der durch dieses Gebiet fließt und alle Wrackteile innerhalb kurzes der Zeit weiträumig verstreut und. Die sinken dann auf dem Atlantikboden und ja, außerdem gibt es in diesem. Heftigen Gewitter und plötzlichen Gewitter auch. Und diese Brise kann sich eben innerhalb von wenigen Minuten in einen lebensbedrohlichen Sturm entwickeln und dann verteilt sich eben solch ein Wrack sehr schnell. Und außerdem lagern dort Maritangasvorkommen und da kann es dann auch schnell zu einem Seebeben kommen und. Das ist also wirklich eine sehr ungünstige Konstellation dort unten. Das heißt, für fast alle Bermuda-Dreieck-Fälle gilt, die Ursache ist menschliches Vorsagen oder eben wegen der widrigen Bedingungen dort. Genau. Es gibt zum Beispiel auch, auf was ich auch gestoßen bin, die Lloyds of London, die bekannteste Schiffversicherung, verlangt für das Bermuda-Dreieck keine höheren Prämien als auf anderen Meeresgebieten, wenn man dort durchfahren will. Und das spricht ja dafür, dass es quasi eher so ein bisschen tagbefeiner Meeresregionen und anspruchsvolles Wetter, aber nichts Mysteriöses. Also wenn selbst die Versicherungen keine extra Honorare verlangen, um dort durchzusegeln, dann scheint es ja tatsächlich nicht so furchtbar gefährlich zu sein. Ja, also wir können festhalten, Geisterschiffe, riesige Kraken, Urzeithaie oder Meerjungfrauen, all diese Mythen haben auch einen wahren Kern. Genau, und das verwundert gar nicht. Also die Ozeane bedecken drei Viertel der Erdoberfläche und wir haben bis heute nur einen Bruchteil davon erforscht. Also man sagt ja auch, dass die Tiefsee weitaus weniger bekannt ist als die Oberfläche des Mondes. Und wenn man sich jetzt vorstellt, dass da Seefahrer unterwegs sind, die keine Radar, die keinen Satelliten, keine Unterwasserkameras haben. Ja, für die ist das Meer einfach ein Raum voller Gefahren. Und eben da füllt man die Lücken, die man hat im Wissen, mit Fantasie auf. Und diese Mythen haben auch immer eine Funktion. Und sie verarbeiten echte Angst und erklären eben dieses Unerklärliche. Und die Mythen und Legenden, sie überleben auch dann noch, wenn die Wahrheit längst bekannt ist. Ja, danke Birg dir, dass du da bist. Wir sehen mal wieder, unser Gehirn liebt eine gute Geschichte mehr als eine nüchterne Erklärung. Und wer weiß, dass wir alles in den Tiefen der Meere noch entdecken werden. Über diese Entdeckung würdet ihr natürlich auch in unserem Heft lesen. Das gibt es jeden Monat am Kiosk. Also falls ihr die neuesten Meeresentdeckungen lesen wollt, kauft PM oder das Schneller Schlau Magazin an Kiosk. Gibt es übrigens auch online. Und nächste Woche kommt natürlich wieder eine neue Podcast-Folge raus. Bis dahin wünschen wir euch eine gute Zeit. Bleibt neugierig und nehmt euch vor allen Dingen vor dem Gesang der Seekühe in Acht. Musik.