Schneller Schlau – der kurze Wissens-Podcast von PM, Hummeln – das sind für die meisten nur die pummeligen Insekten, die eher schwerfällig über Blüten schwieren. Doch seit kurzem wissen Forscher, Hummeln können mitfühlen und andere gar mit ihren Optimismus anstecken. Sind Hummeln also empathisch und fühlen Tiere auch mit anderen Tierarten mit? Ihr hört eine tierische Folge Schneller Schlau, dem Wissens-Podcast von PM. Ich bin Anne Baum und zu Gast ist heute die Journalistin Lisanne Dehnbostel. Lisanne, erklär uns doch mal gleich, was ist denn Empathie überhaupt? Wie so oft ist das in der Wissenschaft gar nicht ganz eindeutig definiert. Im Wesentlichen heißt Empathie, dass man die Emotionen eines anderen nachempfinden kann oder genauer gesagt die Emotionen, die man vermutet, die der andere hat. Und dann reagiert man darauf, indem man sich zum Beispiel mit ihm freut oder ihn tröstet. Wir kennen das ja aus unseren menschlichen, sozialen Miteinander. Also wenn jemand traurig ist, umarmen wir ihn ja zum Beispiel und zeigen so Mitgefühl. Genau, und wenn man das weiter aufdröselt, gibt es jetzt zwei Arten von Empathie. Die emotionale oder affektive Empathie und die kognitive Empathie. Emotionale oder affektive Empathie heißt, dass man die Emotionen des anderen nachempfindet. Das kann zum Beispiel auch schon dann passieren, wenn einen einen Film zum Weinen bringt, wenn der Hauptfigur darin etwas Trauriges widerfährt. Das heißt, die Emotional Empathie ist sozusagen, dass man mitfühlt. Genau, und wie gesagt, auch mit fiktiven Figuren. Und die andere Art ist ja die kognitive Empathie. Das bedeutet, dass wir die Perspektive eines anderen einnehmen und uns rational in sich hineinversetzen. Dazu müssen wir aber nicht die Emotionen teilen, sondern wir verstehen sie nur. Um das noch mal kurz zusammenzufassen. Wer emotionale Empathie hat, fühlt also mit und kognitive Empathie bedeutet auch die Perspektive des anderen zu verstehen. Beide können natürlich oder treten oft zusammen auf. In der Psychologie heißt die kognitive Fähigkeit dahinter übrigens The Theory of Mind. Beginnen wir jetzt erstmal uns etwas genauer die erste Form von Empathie anzuschauen, also die emotionale Empathie. Ein Aspekt davon ist die sogenannte emotionale Ansteckung. Das ist eben, wie schon gesagt, wenn jemand traurig ist, dass man auch traurig wird oder wenn jemand glücklich ist, steckt die Freude an und so weiter. Und mit der emotionalen Ansteckung kann ein anderes Konzept zusammenhängen, das auch bei Tieren erforscht wurde, nämlich das unwillkürliche Nachahmen der Körpersprache des Gegenübers. Das wird als Mimikrie bezeichnet. Und auch wir Menschen können das. Zum Beispiel du, Lisanne, hast vorhin zurückgelächelt. Als ich über unseren sehr improvisierten Mikrofonständer schmunzeln musste. Im Alltag passiert das ja oft und manchmal hebt ja auch so ein simples Zurücklächeln die Stimmung. Und so ähnlich ist es womöglich auch bei manchen Tieren. Orang-Utans und Schimpansen zum Beispiel haben beim Spielen die Mimik des Gegenübers nach. Und Wissenschaftler von der Uni Pisa haben sich mal angeschaut, ob es diese emotionale Ansteckung beim Spielen auch bei Hunden gibt. Eine emotionale Ansteckung beim Spielen? Ja, die haben Hunde sicherlich. Ja, aber eher, wenn die Hunde miteinander vertraut sind, hat die Studie gezeigt, also eher unter Hundekumpels. Wenn sie sich kaum kennen, imitieren sie das Verhalten der anderen dagegen nur selten. Hunde zeigen ja ganz verschiedene Signale beim Spielen. Wie genau haben Wissenschaftler das nun untersucht? Die haben auf zwei Verhaltensweisen geachtet und Hunde beim Spielen beobachtet. Zum einen haben sie insbesondere darauf geachtet, wenn Hunde sich spielerisch vorbeugen. Das ist ja bei Hunden eine typische Spielaufforderung. Und zum anderen, wenn sie spielerisch das Maul öffnen. Als emotionale Ansteckung gilt es in der Studie, wenn der Hund das Verhalten innerhalb von nur einer Sekunde nachahmt. Bei ihren Hundefreunden haben die Hunde das wie gesagt am meisten gemacht. Und das heißt, für emotionale Ansteckung ist bei Hunden auch die soziale Bindung entscheidend. Bei Hunden zeigte sich ja das Spielverhalten dadurch, dass sie das Maul geöffnet haben. Haben denn die Wölfe das jetzt auch gemacht? Genau, auch die Wölfe haben das nachgeahmt und ihr Maul ebenfalls geöffnet. Frühere Studien haben ja schon gezeigt, dass es diese Mimikrie auch bei Primaten gibt. In Bezug auf Empathie ist es wichtig, über die emotionale Ansteckung zu reden, weil vermutet wird, dass hinter dieser emotionalen Ansteckung ähnliche kognitive Mechanismen hinter der Empathie liegen. Ich muss bei Ansteckung vor allem ans Gähnen denken. Bei Menschen sagt man ja, dass Gähnen ansteckend ist und die Studien deuten darauf hin, dass Menschen, die empathischer sind, eher mit Gähnen. Wie sieht es denn bei Tieren aus? Kann man anhand des Gähnens auch etwas über die Empathie sagen? Ja, auch Tiere lassen sich vom Gähnen teilweise anstecken. Auch bei Wölfen und Hunden, genauer gesagt zwischen Hunden und ihren Besitzern, wurde das beobachtet. Genauso wie bei Affen, Ratten, Löwen und sogar bei Wellensittichen. Allerdings fehlt es noch an mehr Studien und bei denen, die es gibt, wurden verschiedene Methoden verwendet. Weshalb sie kaum vergleichbar sind und deshalb auch wenig Rückschlüsse auf Empathie zulassen. Zum Beispiel die Studie zu den Wellensittichen ist außerdem umstritten, weil das Gähnen auch dann noch als ansteckend galt, wenn es erst nach fünf Minuten auftrat. Wie Gähnen und Empathie zusammenhängen, muss man bei Tieren also noch weiter erforschen. Wie sieht es denn jetzt aber konkret mit den Nachempfinden von Emotionen aus? Also merken Tiere, wenn andere Tiere traurig sind? Manche Tiere ja, Affen zum Beispiel und Raben und auch Elefanten. Elefanten trösten dann offenbar auch ihre Artgenossen. Das hat eine Studie zu asiatischen Elefanten gezeigt. Wie stelle ich mir denn einen tröstenden Elefanten vor? Dafür ist der Rüssel ganz wichtig. Sie strecken dann nämlich ihre Rüssel aus und berühren sanft den anderen Elefanten oder stecken ihm den Rüssel ins Maul. Unter Elefanten ist das quasi wie eine Umarmung und Elefanten nutzen dazu anstelle von Armen eben ihren Rüssel. Und Elefanten rücken in angespannten Situationen auch instinktiv näher zusammen, genauso wie wir Menschen. Elefanten trösten also, wie sieht es denn mit anderen Emotionen aus, zum Beispiel Frust? Ja, Raben, die lassen sich von dem Frust von anderen anstecken, das hat ein Experiment der Universität Atlanta gezeigt. Und dieses Experiment war ein wenig gemein. Einem Raben wurden zuerst Möhren und Fleischstücke gezeigt. Dann wurde das Fleisch weggenommen und der Rabe bekam die Möhren. Fleisch wäre ja für Raben viel leckerer gewesen. Also war der Rabe erst mal frustriert. Ja, ziemlich verständlich. Also ich hätte auch lieber den Leckerbissen gehabt. Und bei dem Ganzen hat noch ein anderer Rabe zugeschaut. Als er sich dann den Futterbechern annähern durfte, war er zögerlich und langsamer. Und laut dem Vorschein zeigt das, dass der zuschauende Rabe sich von dem Frust hat anstecken lassen. Dazu muss man ja sagen, dass Raben generell sehr soziale Tiere sind. Sie haben zwar einen schlechten Ruf, aber untereinander halten sie zusammen, knüpfen Freundschaften und behalten ihre Partner in der Regel ein ganzes Leben lang. Ein anderes sehr soziales Tier, um nun von den Vögeln zu nagern überzuleiten, sind Ratten. Auch bei ihnen gibt es eine spannende Studie zur Empathie und wie Hilfsbereitschaft damit zusammenhängt. Bei diesem Experiment wollten Wissenschaftler von der Universität Chicago herausfinden, ob Ratten empathisch motiviert anderen Ratten helfen. Dazu wurde eine Ratte in eine enge Röhre gesperrt und eine andere Ratte war frei. Die Wissenschaftler haben dann geschaut, ob die freie Ratte die Eingesperrte befreit, also die Röhre öffnet. Und das ist passiert, obwohl es für die freie Ratte ja erstmal gar keinen Eigennutzen hat. Sie hat also geholfen, weil sie gesehen hat, dass eine andere Ratte ein Problem hat. Finde ich total clever übrigens. Ja, richtig. Und dann gab es noch eine zweite Schwierigkeitsstufe. Die freie Ratte musste sich entscheiden, ob sie die andere befreit oder doch lieber Schokolade nascht. Dazu wurden in einen weiteren Käfig Schokostücke gelegt. Ja. Also die fiese Versuchung sozusagen. sagen. Ihre Wahl fiel aber tatsächlich darauf, die andere zu befreien und nicht direkt die Schokolade zu vernaschen. Aber die Schokolade hat sie sich danach dann geschnappt und beide Ratte haben die Schokolade in der Regel geteilt. Das Fazit der Wissenschaftler ist, dass das Hilfsverhalten der Ratten tatsächlich empathisch motiviert ist. Ratten haben also Mitgefühl mit ihren Mitratten und helfen ihnen, wenn diese eingesperrt sind und selbst dann, wenn etwas ziemlich Verlockendes, nämlich Schokolade, als Alternative da ist. Vor ein paar Jahren haben Wissenschaftler aus Bern das Experiment wiederholt und sich dabei nochmal gefragt, welche Vorteile die Befreiung eines Artgenossen haben kann. Ihre Vermutung, entweder ist es generell hilfreich, um gemeinsam nach Futter zu suchen, oder die Ratten helfen eher Verwandten. Tierreich ist es ja oft so, dass Tiere eher mit den Tieren kooperieren, mit denen sie verwandt sind. Genau, deshalb haben sie das Experiment jetzt erweitert und zwar so, dass die Ratten nach der Befreiung noch gemeinsam Futter beschaffen konnten. Sie wollten dadurch auch herausfinden, ob eine Ratte, die befreit wurde, eher mit ihrem Helfer zusammen das Futter beschafft, als wenn ihr nicht geholfen wurde. Und das Ergebnis war eindeutig, Verwandtschaft spielte dagegen keine Rolle. Verwandtschaft spielte keine Rolle. Was genau bedeutet das nun für die Empathie? Laut den Wissenschaftlern kann es bedeuten, dass das mitfühlende Verhalten durch natürliche Selektion gefördert wird, weil das hilfsbereite Verhalten, das dadurch entsteht, die eigenen Überlebens- und Fortpflanzungschancen erhöhen kann. Egoismus dagegen lohnt sich auf lange Sicht nicht. So breitet sich Hilfsbereitschaft und die dahinterstehende Empathie im Laufe der Evolution aus. Empathie kann also einen Überlebensvorteil schaffen. Das klingt für mich nun ja irgendwie auch schon wieder egoistisch. Ist es aber nicht immer. Wir hatten ja auch schon das Beispiel der Elefanten, die sich trösten. Und mir fällt noch ein Beispiel ein. Wenn wir traurig sind und sich unser Hund an uns schmiegt, da würde ich jetzt gerne von dir wissen, Lisanne, fühlt der wirklich mit uns mit oder merkt der nur, dass wir aufgelöst sind und sich die Wahrscheinlichkeit auf Hundekekse dadurch erhöht? Das müsstest du den Hund jetzt wahrscheinlich selbst fragen, nur wird der dir ja leider keine Antwort geben. Aber auf jeden Fall merken Hunde, wenn jemand traurig oder aufgewühlt ist und versuchen dann sich oder auch ihre Besitzer zu trösten. Bei Tierarten wie Hunde und Elefanten ist es für Tierfreunde jetzt wahrscheinlich auch nicht überraschend, dass sie andere trösten. Bei einer anderen Tierart aber vielleicht schon, auch Präriewühlmäuse trösten sich. Präriewühlmäuse, das sind übrigens sehr monogame Tiere, also sie leben meistens ihr ganzes Leben mit ihren Partnern zusammen. In einem Versuch einer Uni in Atlanta wurde das ausgenutzt sozusagen. Da wurde ein Paar voneinander getrennt und ein Tier bekam dann schwache Stromstöße. Danach hat das andere Tier es getröstet, indem es es zum Beispiel abgeleckt hat. Interessant ist, dass in einem gleichen Versuch Wiesenwühlmäuse, die nahm mit Präriewühlmäusen, verwandt sind, ihre Artgenossen nicht getröstet haben. Sie haben aber auch keine so enge soziale Bindung und leben auch nicht monogam. Empathie hängt also scheinbar auch damit zusammen, wie Sozialtiere sind. Ganz am Anfang hattest du Unterschieden in emotionale und kognitive Empathie. Dass es emotionale Empathie bei Tieren gibt, haben wir schon festgestellt. Wie ist es aber mit der kognitiven Empathie, also der Fähigkeit, sich in andere auch hineinzuversetzen? Das zu beantworten ist schwierig, weil wir ja nicht in die Köpfe der Tiere hineinschauen können. Wissenschaftler müssen sich also Versuche ausdenken, an denen sie das ableiten können. Es gibt zum Beispiel eine Studie zu Bonobos von der Johns Hopkins Universität in den USA, in der sich die Affen offenbar in Menschen hineinversetzt haben. Die Einschränkung ist aber, dass nur drei Bonobos beobachtet wurden, die auch nicht in freier Wildbahn leben. Ob sich das auf andere übertragen lässt, ist also unklar. Trotzdem ist es ein sehr interessanter Ansatz. Wie genau haben wir uns denn diesen Versuch vorzustellen? Es ging darum, ob die Bonobos erkennen, was ihr Gegenüber, ein Mensch weiß oder nicht weiß und ihr Verhalten entsprechend anpassen. Das sah so aus. Vor dem Bonobo standen drei umgedrehte Becher und unter einem davon war eine Weintraube. Nur wenn der Mensch den Becher richtig aufdeckt, hat der Bonobo die Weintraube bekommen. Also schon wieder eine Futterbelohnung. Mir fällt auf, die Versuche zur Empathie hängen auffällig oft mit Nahrung zusammen. Und immer wird dann damit gespielt, ob die Tiere das Essen bekommen oder nicht. Auch bei den Bonobos, die mögen Weintrauben nämlich richtig gerne. Es gab in dem Versuch zwei Varianten. Entweder konnte der Mensch sehen, unter welchem Becher die Weintraube versteckt ist oder nicht. Und die Vermutung der Wissenschaftler war, dass die Bonobos mit den Menschen anders kommunizieren, wenn sie verstehen, was der Mensch weiß oder nicht weiß. Wenn sie sich dagegen nicht in den Menschen hineinversetzen können, wäre ihre Kommunikation immer gleich. Tatsächlich haben die Bonobos, wenn der Mensch das Versteck nicht kannte, häufiger und schneller auf die versteckte Weintraube gezeigt. Sie haben sich also in sie hineinversetzt und dann strategisch das eigene Verhalten angepasst, um die Weintraube zu bekommen. Aber jetzt kommen wir noch einmal zu den Beginn dieses Podcasts und zwar zu den Hummeln. Die habe ich ja schon angeteasert. Ich erzähle euch mal ganz kurz die Kurzfassung des Experimentes. Und zwar, die Hummeln lernten beim Experiment, dass sie bei einer bestimmten Blütenfarbe als Belohnung Zuckerwasser bekommen. Von vorherigen Experimenten mit Hummeln wusste man, Zuckerwasser macht Hummeln optimistisch. Neben der Belohnungsfarbe wurden später auch noch Mischblumen aufgestellt. Ich vermute jetzt, dass die Hummeln, die am Zuckerwasser getrunken hatten und dadurch auch optimistisch waren, häufiger die Mischblumen angeflogen haben als die Hummeln, die kein Zuckerwasser bekommen haben? Genau, also die optimistischen Hummeln, die flogen auch die Mischblumen an. Könnte ja sein, dass da auch leckeres Zuckerwasser drin ist. Aber das Spannendste an der ganzen Sache, diese positive Stimmung übertrug sich auch auf die Hummeln, die beim Experiment zunächst nur zugeschaut haben. Sie flogen später auch die richtige Blütenfarbe an und vermehrt die Mischblumen. Scheinbar hatten sie sich also von ihren Mithummeln anstecken lassen, hatten also mitgefühlt. Und bevor euch jetzt der Kopf summt, bleibt neugierig bis zu einer neuen Folge Schneller Schlau, dem Wissenspodcast von PM. Und falls ihr noch mehr Lust auf Wissenschaft habt, könnt ihr das PM-Magazin oder das Schneller Schlau-Magazin auch am Kiosk kaufen. Schneller Schlau, der kurze Wissens-Podcast von PM.