WEBVTT

00:00:04.568 --> 00:00:08.573
Schneller Schlau – der kurze Wissens-Podcast von PM,

00:00:14.105 --> 00:00:17.217
Hummeln – das sind für die meisten nur die pummeligen Insekten,

00:00:17.217 --> 00:00:19.463
die eher schwerfällig über Blüten schwieren.

00:00:19.724 --> 00:00:24.017
Doch seit kurzem wissen Forscher, Hummeln können mitfühlen und andere gar mit

00:00:24.017 --> 00:00:25.535
ihren Optimismus anstecken.

00:00:25.727 --> 00:00:30.783
Sind Hummeln also empathisch und fühlen Tiere auch mit anderen Tierarten mit?

00:00:31.137 --> 00:00:35.677
Ihr hört eine tierische Folge Schneller Schlau, dem Wissens-Podcast von PM.

00:00:35.677 --> 00:00:39.485
Ich bin Anne Baum und zu Gast ist heute die Journalistin Lisanne Dehnbostel.

00:00:39.606 --> 00:00:43.873
Lisanne, erklär uns doch mal gleich, was ist denn Empathie überhaupt?

00:00:44.129 --> 00:00:47.733
Wie so oft ist das in der Wissenschaft gar nicht ganz eindeutig definiert.

00:00:48.029 --> 00:00:52.197
Im Wesentlichen heißt Empathie, dass man die Emotionen eines anderen nachempfinden

00:00:52.197 --> 00:00:56.331
kann oder genauer gesagt die Emotionen, die man vermutet, die der andere hat.

00:00:56.632 --> 00:01:00.985
Und dann reagiert man darauf, indem man sich zum Beispiel mit ihm freut oder ihn tröstet.

00:01:01.537 --> 00:01:04.037
Wir kennen das ja aus unseren menschlichen, sozialen Miteinander.

00:01:04.037 --> 00:01:08.299
Also wenn jemand traurig ist, umarmen wir ihn ja zum Beispiel und zeigen so Mitgefühl.

00:01:08.578 --> 00:01:12.856
Genau, und wenn man das weiter aufdröselt, gibt es jetzt zwei Arten von Empathie.

00:01:13.251 --> 00:01:17.488
Die emotionale oder affektive Empathie und die kognitive Empathie.

00:01:18.011 --> 00:01:22.725
Emotionale oder affektive Empathie heißt, dass man die Emotionen des anderen nachempfindet.

00:01:22.910 --> 00:01:26.627
Das kann zum Beispiel auch schon dann passieren, wenn einen einen Film zum Weinen

00:01:26.627 --> 00:01:29.907
bringt, wenn der Hauptfigur darin etwas Trauriges widerfährt.

00:01:29.907 --> 00:01:34.416
Das heißt, die Emotional Empathie ist sozusagen, dass man mitfühlt.

00:01:34.538 --> 00:01:39.477
Genau, und wie gesagt, auch mit fiktiven Figuren. Und die andere Art ist ja

00:01:39.477 --> 00:01:43.477
die kognitive Empathie. Das bedeutet, dass wir die Perspektive eines anderen

00:01:43.477 --> 00:01:46.258
einnehmen und uns rational in sich hineinversetzen.

00:01:46.554 --> 00:01:50.118
Dazu müssen wir aber nicht die Emotionen teilen, sondern wir verstehen sie nur.

00:01:50.577 --> 00:01:54.167
Um das noch mal kurz zusammenzufassen. Wer emotionale Empathie hat,

00:01:54.167 --> 00:01:59.807
fühlt also mit und kognitive Empathie bedeutet auch die Perspektive des anderen zu verstehen.

00:02:00.255 --> 00:02:03.326
Beide können natürlich oder treten oft zusammen auf.

00:02:03.616 --> 00:02:09.391
In der Psychologie heißt die kognitive Fähigkeit dahinter übrigens The Theory of Mind.

00:02:09.803 --> 00:02:13.912
Beginnen wir jetzt erstmal uns etwas genauer die erste Form von Empathie anzuschauen,

00:02:13.912 --> 00:02:15.765
also die emotionale Empathie.

00:02:16.200 --> 00:02:19.741
Ein Aspekt davon ist die sogenannte emotionale Ansteckung.

00:02:20.171 --> 00:02:23.352
Das ist eben, wie schon gesagt, wenn jemand traurig ist, dass man auch traurig

00:02:23.352 --> 00:02:26.550
wird oder wenn jemand glücklich ist, steckt die Freude an und so weiter.

00:02:26.928 --> 00:02:30.532
Und mit der emotionalen Ansteckung kann ein anderes Konzept zusammenhängen,

00:02:30.532 --> 00:02:34.632
das auch bei Tieren erforscht wurde, nämlich das unwillkürliche Nachahmen der

00:02:34.632 --> 00:02:36.256
Körpersprache des Gegenübers.

00:02:36.483 --> 00:02:38.625
Das wird als Mimikrie bezeichnet.

00:02:39.043 --> 00:02:42.816
Und auch wir Menschen können das. Zum Beispiel du, Lisanne, hast vorhin zurückgelächelt.

00:02:43.983 --> 00:02:48.582
Als ich über unseren sehr improvisierten Mikrofonständer schmunzeln musste.

00:02:48.582 --> 00:02:54.362
Im Alltag passiert das ja oft und manchmal hebt ja auch so ein simples Zurücklächeln die Stimmung.

00:02:54.662 --> 00:02:58.962
Und so ähnlich ist es womöglich auch bei manchen Tieren. Orang-Utans und Schimpansen

00:02:58.962 --> 00:03:02.262
zum Beispiel haben beim Spielen die Mimik des Gegenübers nach.

00:03:02.640 --> 00:03:05.602
Und Wissenschaftler von der Uni Pisa haben sich mal angeschaut,

00:03:05.602 --> 00:03:09.202
ob es diese emotionale Ansteckung beim Spielen auch bei Hunden gibt.

00:03:09.202 --> 00:03:13.238
Eine emotionale Ansteckung beim Spielen? Ja, die haben Hunde sicherlich.

00:03:13.656 --> 00:03:17.610
Ja, aber eher, wenn die Hunde miteinander vertraut sind, hat die Studie gezeigt,

00:03:17.900 --> 00:03:19.746
also eher unter Hundekumpels.

00:03:20.106 --> 00:03:24.042
Wenn sie sich kaum kennen, imitieren sie das Verhalten der anderen dagegen nur selten.

00:03:24.425 --> 00:03:27.136
Hunde zeigen ja ganz verschiedene Signale beim Spielen.

00:03:27.588 --> 00:03:32.343
Wie genau haben Wissenschaftler das nun untersucht? Die haben auf zwei Verhaltensweisen

00:03:32.343 --> 00:03:34.665
geachtet und Hunde beim Spielen beobachtet.

00:03:34.891 --> 00:03:38.543
Zum einen haben sie insbesondere darauf geachtet, wenn Hunde sich spielerisch

00:03:38.543 --> 00:03:42.118
vorbeugen. Das ist ja bei Hunden eine typische Spielaufforderung.

00:03:42.356 --> 00:03:45.096
Und zum anderen, wenn sie spielerisch das Maul öffnen.

00:03:45.410 --> 00:03:49.133
Als emotionale Ansteckung gilt es in der Studie, wenn der Hund das Verhalten

00:03:49.133 --> 00:03:51.331
innerhalb von nur einer Sekunde nachahmt.

00:03:51.656 --> 00:03:54.785
Bei ihren Hundefreunden haben die Hunde das wie gesagt am meisten gemacht.

00:03:55.098 --> 00:03:59.093
Und das heißt, für emotionale Ansteckung ist bei Hunden auch die soziale Bindung

00:03:59.093 --> 00:04:02.373
entscheidend. Bei Hunden zeigte sich ja das Spielverhalten dadurch,

00:04:02.373 --> 00:04:03.932
dass sie das Maul geöffnet haben.

00:04:04.304 --> 00:04:07.973
Haben denn die Wölfe das jetzt auch gemacht? Genau, auch die Wölfe haben das

00:04:07.973 --> 00:04:10.625
nachgeahmt und ihr Maul ebenfalls geöffnet.

00:04:10.974 --> 00:04:15.147
Frühere Studien haben ja schon gezeigt, dass es diese Mimikrie auch bei Primaten gibt.

00:04:15.525 --> 00:04:19.193
In Bezug auf Empathie ist es wichtig, über die emotionale Ansteckung zu reden,

00:04:19.193 --> 00:04:23.183
weil vermutet wird, dass hinter dieser emotionalen Ansteckung ähnliche kognitive

00:04:23.183 --> 00:04:29.428
Mechanismen hinter der Empathie liegen. Ich muss bei Ansteckung vor allem ans Gähnen denken.

00:04:30.177 --> 00:04:34.056
Bei Menschen sagt man ja, dass Gähnen ansteckend ist und die Studien deuten

00:04:34.056 --> 00:04:37.857
darauf hin, dass Menschen, die empathischer sind, eher mit Gähnen.

00:04:38.205 --> 00:04:42.556
Wie sieht es denn bei Tieren aus? Kann man anhand des Gähnens auch etwas über die Empathie sagen?

00:04:42.556 --> 00:04:46.686
Ja, auch Tiere lassen sich vom Gähnen teilweise anstecken. Auch bei Wölfen und

00:04:46.686 --> 00:04:50.776
Hunden, genauer gesagt zwischen Hunden und ihren Besitzern, wurde das beobachtet.

00:04:50.776 --> 00:04:54.703
Genauso wie bei Affen, Ratten, Löwen und sogar bei Wellensittichen.

00:04:55.092 --> 00:04:58.146
Allerdings fehlt es noch an mehr Studien und bei denen, die es gibt,

00:04:58.146 --> 00:05:00.037
wurden verschiedene Methoden verwendet.

00:05:00.299 --> 00:05:04.326
Weshalb sie kaum vergleichbar sind und deshalb auch wenig Rückschlüsse auf Empathie

00:05:04.326 --> 00:05:08.163
zulassen. Zum Beispiel die Studie zu den Wellensittichen ist außerdem umstritten,

00:05:08.453 --> 00:05:12.836
weil das Gähnen auch dann noch als ansteckend galt, wenn es erst nach fünf Minuten auftrat.

00:05:13.132 --> 00:05:17.466
Wie Gähnen und Empathie zusammenhängen, muss man bei Tieren also noch weiter erforschen.

00:05:17.786 --> 00:05:22.229
Wie sieht es denn jetzt aber konkret mit den Nachempfinden von Emotionen aus?

00:05:22.525 --> 00:05:27.466
Also merken Tiere, wenn andere Tiere traurig sind? Manche Tiere ja,

00:05:27.766 --> 00:05:30.797
Affen zum Beispiel und Raben und auch Elefanten.

00:05:31.093 --> 00:05:35.036
Elefanten trösten dann offenbar auch ihre Artgenossen. Das hat eine Studie zu

00:05:35.036 --> 00:05:40.120
asiatischen Elefanten gezeigt. Wie stelle ich mir denn einen tröstenden Elefanten vor?

00:05:40.369 --> 00:05:44.116
Dafür ist der Rüssel ganz wichtig. Sie strecken dann nämlich ihre Rüssel aus

00:05:44.116 --> 00:05:48.154
und berühren sanft den anderen Elefanten oder stecken ihm den Rüssel ins Maul.

00:05:48.543 --> 00:05:53.046
Unter Elefanten ist das quasi wie eine Umarmung und Elefanten nutzen dazu anstelle

00:05:53.046 --> 00:05:54.644
von Armen eben ihren Rüssel.

00:05:55.085 --> 00:05:58.946
Und Elefanten rücken in angespannten Situationen auch instinktiv näher zusammen,

00:05:58.946 --> 00:06:00.166
genauso wie wir Menschen.

00:06:00.166 --> 00:06:04.456
Elefanten trösten also, wie sieht es denn mit anderen Emotionen aus,

00:06:04.456 --> 00:06:09.126
zum Beispiel Frust? Ja, Raben, die lassen sich von dem Frust von anderen anstecken,

00:06:09.126 --> 00:06:12.376
das hat ein Experiment der Universität Atlanta gezeigt.

00:06:12.868 --> 00:06:17.434
Und dieses Experiment war ein wenig gemein. Einem Raben wurden zuerst Möhren

00:06:17.434 --> 00:06:21.965
und Fleischstücke gezeigt. Dann wurde das Fleisch weggenommen und der Rabe bekam die Möhren.

00:06:22.284 --> 00:06:24.681
Fleisch wäre ja für Raben viel leckerer gewesen.

00:06:25.001 --> 00:06:28.274
Also war der Rabe erst mal frustriert. Ja, ziemlich verständlich.

00:06:28.274 --> 00:06:30.318
Also ich hätte auch lieber den Leckerbissen gehabt.

00:06:30.492 --> 00:06:34.264
Und bei dem Ganzen hat noch ein anderer Rabe zugeschaut. Als er sich dann den

00:06:34.264 --> 00:06:37.696
Futterbechern annähern durfte, war er zögerlich und langsamer.

00:06:38.050 --> 00:06:42.677
Und laut dem Vorschein zeigt das, dass der zuschauende Rabe sich von dem Frust hat anstecken lassen.

00:06:42.990 --> 00:06:46.525
Dazu muss man ja sagen, dass Raben generell sehr soziale Tiere sind.

00:06:46.740 --> 00:06:51.614
Sie haben zwar einen schlechten Ruf, aber untereinander halten sie zusammen,

00:06:51.614 --> 00:06:56.249
knüpfen Freundschaften und behalten ihre Partner in der Regel ein ganzes Leben lang.

00:06:56.522 --> 00:07:01.913
Ein anderes sehr soziales Tier, um nun von den Vögeln zu nagern überzuleiten, sind Ratten.

00:07:02.308 --> 00:07:03.844
Auch bei ihnen gibt es eine spannende

00:07:03.844 --> 00:07:07.173
Studie zur Empathie und wie Hilfsbereitschaft damit zusammenhängt.

00:07:07.550 --> 00:07:11.874
Bei diesem Experiment wollten Wissenschaftler von der Universität Chicago herausfinden,

00:07:11.874 --> 00:07:15.311
ob Ratten empathisch motiviert anderen Ratten helfen.

00:07:15.683 --> 00:07:20.344
Dazu wurde eine Ratte in eine enge Röhre gesperrt und eine andere Ratte war frei.

00:07:20.762 --> 00:07:24.074
Die Wissenschaftler haben dann geschaut, ob die freie Ratte die Eingesperrte

00:07:24.074 --> 00:07:25.958
befreit, also die Röhre öffnet.

00:07:26.184 --> 00:07:30.439
Und das ist passiert, obwohl es für die freie Ratte ja erstmal gar keinen Eigennutzen hat.

00:07:31.101 --> 00:07:34.994
Sie hat also geholfen, weil sie gesehen hat, dass eine andere Ratte ein Problem

00:07:34.994 --> 00:07:37.515
hat. Finde ich total clever übrigens. Ja, richtig.

00:07:37.858 --> 00:07:41.864
Und dann gab es noch eine zweite Schwierigkeitsstufe. Die freie Ratte musste

00:07:41.864 --> 00:07:45.886
sich entscheiden, ob sie die andere befreit oder doch lieber Schokolade nascht.

00:07:46.188 --> 00:07:49.424
Dazu wurden in einen weiteren Käfig Schokostücke gelegt. Ja.

00:07:49.904 --> 00:07:54.024
Also die fiese Versuchung sozusagen. sagen. Ihre Wahl fiel aber tatsächlich

00:07:54.024 --> 00:07:57.762
darauf, die andere zu befreien und nicht direkt die Schokolade zu vernaschen.

00:07:58.133 --> 00:08:01.764
Aber die Schokolade hat sie sich danach dann geschnappt und beide Ratte haben

00:08:01.764 --> 00:08:03.909
die Schokolade in der Regel geteilt.

00:08:04.229 --> 00:08:07.744
Das Fazit der Wissenschaftler ist, dass das Hilfsverhalten der Ratten tatsächlich

00:08:07.744 --> 00:08:09.164
empathisch motiviert ist.

00:08:09.164 --> 00:08:14.154
Ratten haben also Mitgefühl mit ihren Mitratten und helfen ihnen,

00:08:14.154 --> 00:08:18.004
wenn diese eingesperrt sind und selbst dann, wenn etwas ziemlich Verlockendes,

00:08:18.004 --> 00:08:21.274
nämlich Schokolade, als Alternative da ist.

00:08:21.274 --> 00:08:24.804
Vor ein paar Jahren haben Wissenschaftler aus Bern das Experiment wiederholt

00:08:24.804 --> 00:08:29.484
und sich dabei nochmal gefragt, welche Vorteile die Befreiung eines Artgenossen haben kann.

00:08:29.484 --> 00:08:33.174
Ihre Vermutung, entweder ist es generell hilfreich, um gemeinsam nach Futter

00:08:33.174 --> 00:08:37.404
zu suchen, oder die Ratten helfen eher Verwandten. Tierreich ist es ja oft so,

00:08:37.404 --> 00:08:40.510
dass Tiere eher mit den Tieren kooperieren, mit denen sie verwandt sind.

00:08:40.690 --> 00:08:44.114
Genau, deshalb haben sie das Experiment jetzt erweitert und zwar so,

00:08:44.114 --> 00:08:47.662
dass die Ratten nach der Befreiung noch gemeinsam Futter beschaffen konnten.

00:08:47.894 --> 00:08:51.232
Sie wollten dadurch auch herausfinden, ob eine Ratte, die befreit wurde,

00:08:51.551 --> 00:08:55.474
eher mit ihrem Helfer zusammen das Futter beschafft, als wenn ihr nicht geholfen wurde.

00:08:55.810 --> 00:08:59.601
Und das Ergebnis war eindeutig, Verwandtschaft spielte dagegen keine Rolle.

00:08:59.909 --> 00:09:04.663
Verwandtschaft spielte keine Rolle. Was genau bedeutet das nun für die Empathie?

00:09:05.011 --> 00:09:08.624
Laut den Wissenschaftlern kann es bedeuten, dass das mitfühlende Verhalten durch

00:09:08.624 --> 00:09:12.594
natürliche Selektion gefördert wird, weil das hilfsbereite Verhalten,

00:09:12.594 --> 00:09:16.563
das dadurch entsteht, die eigenen Überlebens- und Fortpflanzungschancen erhöhen kann.

00:09:16.888 --> 00:09:19.408
Egoismus dagegen lohnt sich auf lange Sicht nicht.

00:09:19.762 --> 00:09:24.296
So breitet sich Hilfsbereitschaft und die dahinterstehende Empathie im Laufe der Evolution aus.

00:09:24.796 --> 00:09:29.523
Empathie kann also einen Überlebensvorteil schaffen. Das klingt für mich nun

00:09:29.523 --> 00:09:31.692
ja irgendwie auch schon wieder egoistisch.

00:09:31.913 --> 00:09:36.226
Ist es aber nicht immer. Wir hatten ja auch schon das Beispiel der Elefanten, die sich trösten.

00:09:36.789 --> 00:09:41.813
Und mir fällt noch ein Beispiel ein. Wenn wir traurig sind und sich unser Hund

00:09:41.813 --> 00:09:44.493
an uns schmiegt, da würde ich jetzt gerne von dir wissen, Lisanne,

00:09:44.493 --> 00:09:48.443
fühlt der wirklich mit uns mit oder merkt der nur, dass wir aufgelöst sind und

00:09:48.443 --> 00:09:51.098
sich die Wahrscheinlichkeit auf Hundekekse dadurch erhöht?

00:09:51.301 --> 00:09:54.063
Das müsstest du den Hund jetzt wahrscheinlich selbst fragen,

00:09:54.063 --> 00:09:56.582
nur wird der dir ja leider keine Antwort geben.

00:09:56.953 --> 00:10:00.503
Aber auf jeden Fall merken Hunde, wenn jemand traurig oder aufgewühlt ist und

00:10:00.503 --> 00:10:03.276
versuchen dann sich oder auch ihre Besitzer zu trösten.

00:10:03.397 --> 00:10:06.543
Bei Tierarten wie Hunde und Elefanten ist es für Tierfreunde jetzt wahrscheinlich

00:10:06.543 --> 00:10:08.633
auch nicht überraschend, dass sie andere trösten.

00:10:08.859 --> 00:10:12.773
Bei einer anderen Tierart aber vielleicht schon, auch Präriewühlmäuse trösten

00:10:12.773 --> 00:10:17.243
sich. Präriewühlmäuse, das sind übrigens sehr monogame Tiere,

00:10:17.243 --> 00:10:20.336
also sie leben meistens ihr ganzes Leben mit ihren Partnern zusammen.

00:10:21.123 --> 00:10:24.759
In einem Versuch einer Uni in Atlanta wurde das ausgenutzt sozusagen.

00:10:24.969 --> 00:10:29.519
Da wurde ein Paar voneinander getrennt und ein Tier bekam dann schwache Stromstöße.

00:10:29.815 --> 00:10:34.041
Danach hat das andere Tier es getröstet, indem es es zum Beispiel abgeleckt hat.

00:10:34.453 --> 00:10:37.713
Interessant ist, dass in einem gleichen Versuch Wiesenwühlmäuse,

00:10:37.713 --> 00:10:42.238
die nahm mit Präriewühlmäusen, verwandt sind, ihre Artgenossen nicht getröstet haben.

00:10:42.547 --> 00:10:46.223
Sie haben aber auch keine so enge soziale Bindung und leben auch nicht monogam.

00:10:46.223 --> 00:10:49.913
Empathie hängt also scheinbar auch damit zusammen, wie Sozialtiere sind.

00:10:49.913 --> 00:10:54.671
Ganz am Anfang hattest du Unterschieden in emotionale und kognitive Empathie.

00:10:55.089 --> 00:10:58.508
Dass es emotionale Empathie bei Tieren gibt, haben wir schon festgestellt.

00:10:58.827 --> 00:11:03.016
Wie ist es aber mit der kognitiven Empathie, also der Fähigkeit,

00:11:03.016 --> 00:11:05.294
sich in andere auch hineinzuversetzen?

00:11:05.677 --> 00:11:10.298
Das zu beantworten ist schwierig, weil wir ja nicht in die Köpfe der Tiere hineinschauen können.

00:11:10.680 --> 00:11:14.646
Wissenschaftler müssen sich also Versuche ausdenken, an denen sie das ableiten können.

00:11:14.954 --> 00:11:18.916
Es gibt zum Beispiel eine Studie zu Bonobos von der Johns Hopkins Universität

00:11:18.916 --> 00:11:23.046
in den USA, in der sich die Affen offenbar in Menschen hineinversetzt haben.

00:11:23.319 --> 00:11:26.736
Die Einschränkung ist aber, dass nur drei Bonobos beobachtet wurden,

00:11:26.736 --> 00:11:28.502
die auch nicht in freier Wildbahn leben.

00:11:28.816 --> 00:11:31.602
Ob sich das auf andere übertragen lässt, ist also unklar.

00:11:32.026 --> 00:11:35.996
Trotzdem ist es ein sehr interessanter Ansatz. Wie genau haben wir uns denn

00:11:35.996 --> 00:11:39.666
diesen Versuch vorzustellen? Es ging darum, ob die Bonobos erkennen,

00:11:39.666 --> 00:11:44.936
was ihr Gegenüber, ein Mensch weiß oder nicht weiß und ihr Verhalten entsprechend anpassen.

00:11:45.250 --> 00:11:49.336
Das sah so aus. Vor dem Bonobo standen drei umgedrehte Becher und unter einem

00:11:49.336 --> 00:11:50.820
davon war eine Weintraube.

00:11:51.210 --> 00:11:54.616
Nur wenn der Mensch den Becher richtig aufdeckt, hat der Bonobo die Weintraube

00:11:54.616 --> 00:11:58.366
bekommen. Also schon wieder eine Futterbelohnung. Mir fällt auf,

00:11:58.366 --> 00:12:01.920
die Versuche zur Empathie hängen auffällig oft mit Nahrung zusammen.

00:12:02.112 --> 00:12:05.665
Und immer wird dann damit gespielt, ob die Tiere das Essen bekommen oder nicht.

00:12:05.978 --> 00:12:09.188
Auch bei den Bonobos, die mögen Weintrauben nämlich richtig gerne.

00:12:09.461 --> 00:12:12.976
Es gab in dem Versuch zwei Varianten. Entweder konnte der Mensch sehen,

00:12:12.976 --> 00:12:15.591
unter welchem Becher die Weintraube versteckt ist oder nicht.

00:12:15.969 --> 00:12:19.136
Und die Vermutung der Wissenschaftler war, dass die Bonobos mit den Menschen

00:12:19.136 --> 00:12:22.900
anders kommunizieren, wenn sie verstehen, was der Mensch weiß oder nicht weiß.

00:12:23.318 --> 00:12:25.766
Wenn sie sich dagegen nicht in den Menschen hineinversetzen können,

00:12:25.766 --> 00:12:27.759
wäre ihre Kommunikation immer gleich.

00:12:28.206 --> 00:12:31.436
Tatsächlich haben die Bonobos, wenn der Mensch das Versteck nicht kannte,

00:12:31.436 --> 00:12:34.546
häufiger und schneller auf die versteckte Weintraube gezeigt.

00:12:34.546 --> 00:12:39.026
Sie haben sich also in sie hineinversetzt und dann strategisch das eigene Verhalten

00:12:39.026 --> 00:12:40.878
angepasst, um die Weintraube zu bekommen.

00:12:41.602 --> 00:12:46.537
Aber jetzt kommen wir noch einmal zu den Beginn dieses Podcasts und zwar zu den Hummeln.

00:12:46.827 --> 00:12:51.760
Die habe ich ja schon angeteasert. Ich erzähle euch mal ganz kurz die Kurzfassung des Experimentes.

00:12:52.248 --> 00:12:56.660
Und zwar, die Hummeln lernten beim Experiment, dass sie bei einer bestimmten

00:12:56.660 --> 00:12:59.530
Blütenfarbe als Belohnung Zuckerwasser bekommen.

00:12:59.530 --> 00:13:05.260
Von vorherigen Experimenten mit Hummeln wusste man, Zuckerwasser macht Hummeln

00:13:05.260 --> 00:13:10.893
optimistisch. Neben der Belohnungsfarbe wurden später auch noch Mischblumen aufgestellt.

00:13:11.253 --> 00:13:15.200
Ich vermute jetzt, dass die Hummeln, die am Zuckerwasser getrunken hatten und

00:13:15.200 --> 00:13:19.060
dadurch auch optimistisch waren, häufiger die Mischblumen angeflogen haben als

00:13:19.060 --> 00:13:21.349
die Hummeln, die kein Zuckerwasser bekommen haben?

00:13:21.593 --> 00:13:25.773
Genau, also die optimistischen Hummeln, die flogen auch die Mischblumen an.

00:13:26.005 --> 00:13:28.900
Könnte ja sein, dass da auch leckeres Zuckerwasser drin ist.

00:13:28.900 --> 00:13:32.910
Aber das Spannendste an der ganzen Sache, diese positive Stimmung übertrug sich

00:13:32.910 --> 00:13:36.610
auch auf die Hummeln, die beim Experiment zunächst nur zugeschaut haben.

00:13:36.610 --> 00:13:40.970
Sie flogen später auch die richtige Blütenfarbe an und vermehrt die Mischblumen.

00:13:40.970 --> 00:13:44.459
Scheinbar hatten sie sich also von ihren Mithummeln anstecken lassen,

00:13:44.645 --> 00:13:46.398
hatten also mitgefühlt.

00:13:46.798 --> 00:13:51.090
Und bevor euch jetzt der Kopf summt, bleibt neugierig bis zu einer neuen Folge

00:13:51.090 --> 00:13:54.780
Schneller Schlau, dem Wissenspodcast von PM. Und falls ihr noch mehr Lust auf

00:13:54.780 --> 00:13:59.889
Wissenschaft habt, könnt ihr das PM-Magazin oder das Schneller Schlau-Magazin auch am Kiosk kaufen.

00:14:04.556 --> 00:14:08.388
Schneller Schlau, der kurze Wissens-Podcast von PM.

