Die Hörerinnen und Hörer mit kleinen Kindern werden diese Melodie erkannt haben. Es ist der Titelsong aus der Kinderserie Bluey. Diese Serie passt zu unserer heutigen Folge, denn sie ist nicht nur für Kinder gemacht, sondern außerdem für Hunde. Denn sie ist so animiert und koloriert, dass Hunde sie schauen können. In den sozialen Netzwerken gibt es Videos von Vierbeinern, die sind ganz verrückt nach ihrer täglichen Dosis Bluey. Doch schauen Haustiere wirklich fern? Erstaunlicherweise gibt es zu dieser Frage einige Studien und darüber sprechen wir heute. Mein Name ist Andreas Albes und neben mir am Mikrofon begrüße ich unseren PM-Autor Birg Grüling. Hallo Birg. Hallo, danke für die Einladung. Du hast für unsere heutige Folge ein Experiment gewagt und mit deinem Hund Fiete, das ist so ein kleiner Pudelmischling, fern gesehen. Sag mal, was ist dabei rausgekommen? Das war eine ganz große Enttäuschung. Fida hat sich überhaupt nicht für den Fernseher interessiert. Egal, was ich mit ihm geschaut habe. Fußball oder eine Folge Bluey. Er hat sich einfach auf dem Sofa zusammengerollt. Er ist seelenruhig eingeschlafen. Wie, nicht mal Bluey hat ihn interessiert? Absolut keine Reaktion. Und dass er aber den Fernseher durchaus wahrnimmt, habe ich schon mal erlebt. Und zwar habe ich als Welpe mit ihm eine Giacosto-Doku geschaut. Und er hat diesen Meeresforscher absolut angeknurrt. Und das hat mich total irritiert. Ich dachte ganz lange, es wäre das knallige Rot seiner Mütze gewesen. Jetzt nach der Recherche für diese Folge weiß ich, das war es nicht, weil Hunde nehmen das komplett anders wahr als wir Menschen. Vielleicht waren es eher die Geräusche vom Meer oder die Stimme des Forschers. Da sind wir ja schon mitten im Thema. Auch Tiere scheinen sich wirklich fürs Fernsehen zu interessieren. In den USA gibt es ja sogar einen Pay-TV-Sender nur für Hunde. Das Programm soll ihnen die Zeit zu Hause versüßen, während Frauchen und Herrchen unterwegs sind. Aber fangen wir doch mal einen Schritt früher an. Wie sehen denn eigentlich Hunde oder auch Katzen die Welt? Und wie sehen sie damit auch das Fernsehprogramm? Also unser Auge hat drei Arten von Farbrezeptoren. Das sind die Zapfen und das, hat unser Auge für Rot, Grün und Blau. Und damit können wir zehn Millionen verschiedene Farbtöne ungefähr unterscheiden. Und lange hat man gedacht, das wäre auch bei den ganzen Tieren so, aber es ist tatsächlich eher die Ausnahme. Die meisten Säugetiere, also auch Hunde, Pferde, Katzen, Löwen, Zebras und so, haben nur zwei Zapfentypen und sie sehen deshalb die Welt vor allen Dingen in Blau- und Gelbtönen und Rot existiert für sie eigentlich gar nicht so richtig. Also so wie das rote Tuch beim Stierkampf, das ist ja auch völliger Quatsch, der wütende Stier, wird nicht von der Farbe aufgeregt, sondern von der Rumpfuchtelei. Und bei den Hunden ist das ganz ähnlich. Die sehen kein Rot und auch kein Grün im richtigen Sinne. Ihre Welt ist eher so ein bisschen wie so ein blasses Foto in Blau- und Gelbtönen. Und auch der grüne Rasen und orangefarbene Ball wirken für einen Hund ungefähr gleichgelblich. Und Kontraste und Bewegungen sind einfach für sie viel wichtiger als so eine feine Farbabstufung. Also auch wer keine Kinder hat, klickt euch mal rein bei Bluey. Das ist ganz spannend. Da sieht man wirklich, das ist nur in blau, gelb und hellbraun gehalten, die ganze Serie. Und denn Hunde können einfach nicht mehr erkennen. Aber sag mal, Birg, warum haben andere Säugetiere als wir denn so wenige Farbrezeptoren? Was ist da der Hintergrund? Für diese Antwort müssen wir in die Zeit der Dinosaurier zurückreisen quasi. Und da waren ja die Säugetiere und unsere Vorfahren damit auch klein und nachtaktiv. Und die lebten in der Dunkelheit, um eben nicht vom T-Rex gefressen oder zertrampelt zu werden. vom Langhalsaurier und die brauchten da gar keine Farben, sondern eigentlich nur maximales Lichtsehen in der Dämmerung. Und deshalb haben sie sozusagen zwei der ursprünglich vier Zapfentypen verloren und haben eben sozusagen lichtempfindliche Stäbchen dafür entwickelt im Auge. Und das macht sie eben zu ausgezeichneten Dämmerungssehern, aber eben zu schwachen Farbsehern. Und übrigens viele Meeressäuger haben sogar nur einen einzigen Zapfentyp oder gar keinen. Sag mal, und was ist mit anderen Primaten wie Schimpansen oder Gorillas? Bei denen ist es quasi ähnlich wie bei uns. Die haben drei Zapfentypen. Und warum ausgerechnet die? Müssen die in der Nacht nicht genauso gut sehen können? Die können doch auch Opfer von Fressfeinden werden. Genau, da gibt es zwei ganz interessante Erklärungsansätze. Zum Beispiel einmal braucht man gutes Farbsehen, um reife rote Früchte in so einem Blätterwald, der grün und unreif ist, um die bestens rauszusehen, ist es gut, wenn man eben gute Farben sieht, dann erkennt man die Früchte besser. Und dann gibt es noch eine zweite Hypothese und zwar, dass die Farbrezeptoren von Primaten besonders auf die Rotschattierung von Gesichtshaut reagieren. Also quasi, dass wenn wir gut Farben sehen können, sehen wir nicht nur besser die Früchte, sondern eben auch den Gefühlszustand unserer Artgenossen. Das heißt, wir sehen rot, um soziale Signale zu erkennen? Genau, dieses Erröten vor Scham, Blässe, aber auch Rötung vor Wut. Das sind Informationen, die wirklich wichtig sind und die eben durch ein rot gutes Farbvermögen eben sichtbar werden. Jetzt haben wir ja über die Tiere gesprochen, die am schlechtesten sehen. Also wenn ich das richtig verstehe, einige Fische, die gar keine Rezeptoren haben, dann rangieren irgendwo in der Mitte wir mit drei Rezeptoren. Aber du sagtest ja ursprünglich gab es vier und jetzt frage ich mich, welche Tiere sehen denn wirklich am allerbesten heutzutage? Die Vögel tatsächlich, die haben vier Zapfentypen und sehen zusätzlich ultraviolett. Also das hilft denen zum Beispiel, um UV-Muster auf Blüten zu erkennen und das ist wie ein Wegweiser für die. Auch sehen die ihre Artgenossen viel farbenfroher als wir. Also wir sehen ein schlichtes braunes Vögelchen und aber die anderen Vögel sehen wahrscheinlich einfach ein leuchtendes Kunstwerk da vor sich. Spannend, also dann sehen nur wir die Tauben grau und in Wirklichkeit sind das schillernde Vögel. Wir können uns diese Farben offensichtlich nicht mal denken. Weil wir schlicht die Rezeptoren dafür nicht haben. Jetzt denke ich mir aber noch mal zurück zum Thema Fernsehen. Das ist ja ein technisches Bild. Die Bildraten sind unterschiedlich. Spielt das denn eine Rolle für das Sehen von Tieren? Tatsächlich. Und zwar haben wir eine andere Bildrate als Hunde sozusagen. Und zwar, unser Auge braucht nur 50 Bilder pro Sekunde. und dann wirkt ein Film auf uns flüssig. Hundeaugen würden bei 50 Bildern pro Sekunde die Krise kriegen. Das sieht nämlich aus wie so ein wackeliger Film aus den 20ern. Es ruckelt, es flimmert und ist eigentlich nicht anschaubar. Und zum Glück gibt es ja diese modernen Filmmonitore, die quasi inzwischen 100 Hertz haben und damit eine schnellere Bildrate. Und damit ist auch der Grund, warum es jetzt auch erst Hundefernsehen gibt, weil das ist nämlich gut genug für die Hundeaugen. Die haben nämlich ungefähr 75 bis 80 Bilder pro Sekunde brauchen, um ein schönes Bild zu sehen und zu genießen. Ja, also damit enthüllt Schneller Schlau der Podcast, dass HDTV eigentlich nur für Hunde entwickelt wurde. Aber jetzt hattest du Anfang ja von ganz viel Forschung gesprochen, die es schon gibt zu fernsehschauenden Hunden. Sag mal, was hat denn die Forschung da herausgefunden und wer erforscht das? Genau, also ganz viel ist ein bisschen übertrieben, aber es gibt auf jeden Fall ordentlich viel Forschung und es wird auch der Monitor, wird im Hundetraining sozusagen oder in der Hundeforschung eingesetzt. Es gibt aber tatsächlich eine große Studie zu diesem Hundefernsehen. Und zwar hat das Team unter Lame Montgomery von der Auburn University Hunde untersucht und kommt dabei zu einem klaren Schluss. Der sagt nämlich dass manche hunde das fernsehen wirklich als eine bedeutsame welt voller objekte wahrnehmen und sie verhalten sich als wäre das wirklich real also die bellen die wedeln mit dem schwanz und verfolgen auch die bewegungen und das ist ein. Aus Sicht der Forscher nicht nur so ein beiläufiges Wahrnehmen, wie Fiete jetzt, der mal kurz da hinguckt und dann wieder weiterschläft, sondern ein echtes Erleben. Und am stärksten reagieren die Hunde übrigens auf Bilder von Tieren, aber eben auch auf so Geräusche wie Stimmen, Klingeln oder eben Bellen. Und die Studie hat dann noch Unterschieden zwischen so passiver Aufmerksamkeit, wo der Hund mal hinschaut und eben sogar einer aktiven Interesse. Da hat der Hund dann sozusagen richtig reagiert und stand quasi angespannt vor dem Fernseher und wollte mitmachen. Okay, ich stelle mir schon richtig vor. Ein Dobermann beim Binge-Watching von Bluey. Sag mal aber, wo wir gerade über Dobermänner und Pudelmischlinge sprechen, spielt denn die Rasse eine Rolle? Ist das unterschiedlich? Tatsächlich spielt wohl eher das Temperament eine Rolle. Es gibt aber auch Unterschiede bei der Rasse. Und zwar wurde gesagt, dass sozusagen Schweißhunde, die wie Bloodhounds oder Beagles, die eigentlich eher über den Geruchssinn jagen, haben sich kaum. Für den Bildschirm interessiert. Das würde dazu sprechen, weil mein Pudel nämlich ein Pudel-Cockerspaniel-Mix ist und auch die eher sozusagen Stöberhunde sind, die mit der Nase riechen. Hütehunde dagegen, die sehr visuell unterwegs sind und auch, ja, die werden quasi mehr getriggert, vor allen Dingen von diesen kleinen, schnellen Bewegungen auf dem Bildschirm und die sind dann so ein bisschen, ja, da und die verfolgen wirklich alles, was über dem Bildschirm läuft und die sind auch ein bisschen aktiver. Jetzt haben wir so viel über Hunde gesprochen und ich denke mal, einige Katzenliebhaber werden jetzt wahrscheinlich sagen, oh, jetzt ist das die Hundefraktion, wir sind da völlig neutral und deshalb die Frage an dich, wie ist es bei den Katzen? Gibt es da ähnliche Beobachtungen? Hat man das auch erforscht? Ja, tatsächlich sind ja Katzen auch im Alltag immer ein bisschen anspruchsvoller als Hunde und tatsächlich, ihr visuelles System ist auf noch schnellere Beute ausgerechnet als bei den Hunden Und deshalb brauchen die noch mehr Bilder pro Sekunde. Und da kommen dann auch selbst moderne Fernseher an ihre Grenzen. Und deshalb würde zum Beispiel eine Folge Bluey für eine Katze eher wie so ein flimmerndes Standbild wirken, wie wieder aus den 20ern. Und auch ein Standbild einer Maus ist halt überhaupt nicht interessant. Und also wirklich Aufmerksamkeit weckt das eher dann sozusagen, wenn es quietscht oder so. Und es gibt dann ab und zu auch mal Videos von Katzen, die so in den Fernseher springen, aber das ist wirklich die Ausnahme und. Noch ein wichtiger Punkt, wenn ich jetzt mit meinem Hund irgendwo hinschaue, schaut der Hund auch in die Richtung Katzen, ist das halt voll egal, wo der Mensch hinschaut. Solange die Dose geöffnet wurde, ist der Fernsehabend mit Katzen wirklich super langweilig. Okay, typisch Katze, sehr, sehr anspruchsvoll. Jetzt sag mal, ich habe gelesen, dass es im Stuttgarter Zoo ein Experiment mit Primaten gab, und zwar mit Bonobos, den man einen Fernseher hingestellt hat und eine Fernbedienung dazu, wo sie eben auf Knopfdruck das Gerät einschalten konnten und auch zwischen den Programmen wählen. Was hat es damit auf sich? Tatsächlich gab es da fünf Programme, eins sogar mit Raubtieren. Und wenn die kamen, haben die dann umgeschaltet oder was? Nee, aber die Bonobos haben so Missbilligung gezeigt. Also am heftigsten war die Reaktion, als Schlangen aufgetaucht sind. Da haben sie nicht abgeschaltet, aber sind weggelaufen. Okay, also ein Bonobo-Horrorfilm. Wenn die aber so genau begreifen, was da passiert, kann man denn höher entwickelte Tiere durch eine Fernsehsendung Schulen trainieren? Also ich sag mal ein YouTube-Tutorial für Affen? Genau, das ist ja im Prinzip soziales Lernen. Man schaut sich etwas an. Und dazu gibt es auch Experimente. Und zwar haben britische Forscher von der St. Andrews University Schimpansen-Videos gezeigt, in denen ein Affe so zwei Kunststoffrohre zusammensteckt und damit Weintrauben angelt. Und nach einigen Versuchen haben wirklich viele Schimpansen diese Methode übernommen. Und das funktioniert eben auch, dieses soziale Lernen eben über den Bildschirmen. Dann kommt aber noch ein kleiner Haken. Die Affen wendeten diese Methode auch dann an, wenn sie gar nicht mehr nötig war. Sie steckten die Röhre einfach zusammen. Und auch wenn die Weintraube nah genug dran ist, da kann man vielleicht denken, die Affen sind durchs Fernsehen ein bisschen blöder geworden. Das heißt, sie haben die Technik erkannt, aber nicht das grundlegende Prinzip dahinter. Genau. Und die Vergleichsgruppe, die dieselbe Methode durchs eigene Ausprobieren erarbeitet hat, verhielt sich eben anders. Und die haben einfach die Röhre genommen und auch nur dann, wenn sie wirklich notwendig ist. Und wie gesagt, die Schlussfolgerung ist, Fernsehen macht klug, aber nicht flexibel. Und erst, wer sozusagen nur durch Beobachtung lernt, übernimmt eine Technik, aber versteht nicht, wie man sie einsetzt. Okay, das ist beim Menschen aber auch nicht anders. Denn wer eine Methode nur durch Nachahmung lernt, ohne zu verstehen, warum, wendet sie starr an. Hingegen, wer sie selbst erarbeitet, versteht sie tiefer. Aber darüber reden wir ja heute nicht, sondern wir reden über Hundefernsehen. Was ist denn jetzt deine Expertenmeinung dazu? Hast du jetzt irgendwie Bluey als festen Sendeplatz eingerichtet? Also tatsächlich sieht die Fachwelt vor allen Dingen in Deutschland DocTV kritisch. Inzwischen ist sozusagen DocTV auch in Deutschland. Gab es das mal eine Zeit lang im PayTV? Das ist wieder eingestellt worden. Das gibt es jetzt nur noch in den USA. Und einer der häufigsten Kritikpunkte ist einfach. Geruchssinn ist viel wichtiger für die Hunde und der Fernseher riecht halt im besten Fall nicht, und das Bild der Welt wird eben, kein Bild der Welt kann sozusagen das Schnüffeln ersetzen und ja, einfach, den Hund vom Fernseher zu parken ist halt so ein halbgares Erlebnis und da ist es besser sozusagen den Hund vielleicht irgendwie in eine Hundekita zu bringen oder zum Spaziergeher, das macht wahrscheinlich mehr Spaß. Okay, das klingt alles logisch. Das heißt, das perfekte Hundefernsehen müsste Geruchsfernsehen sein. Und das möchte ich jetzt wirklich nicht im Wohnzimmer stehen haben. Lieber Birk, ich danke dir für diese fachkundige Hunde-TV-Kritik. Es war mir ein Vergnügen, auch wenn mein Hund kein Blu-ray-Fan wird. An dieser Stelle verabschieden wir uns. In unseren Shownotes findet ihr wie immer den Link zu den neuesten Terminen des Science Slam, dessen Partner PM ist. Wissenschaft auf der Bühne. Wirklich, wirklich tolle Shows. Und ich sage damit Tschüss. Bleibt neugierig und lasst eure Hunde nicht so viel fernsehen. Schneller Schlau. Der kurze Wissens-Podcast von PM.