Das war die Titelmelodie von SENA, eine Serie aus den 1990er Jahren. Im Mittelpunkt eine Kriegerprinzessin, die mit Schwert und Wurfringen für Recht und Ordnung sorgte. Gab es wirklich Kriegerinnen? Ihr hört Schneller Schlau, den Wissens-Podcast von PM. Ich bin Anne Baum und mit dem Journalisten Birk Grüling mache ich jetzt eine Zeitreise zu den kampferprobten Frauen. Ja Birk, du hast die Intro-Melodie vorgeschlagen. Warum gerade diese Serie? Ich fand Szene als Jugendlicher richtig cool und weil die war irgendwie viel cooler als diese ganzen hilflosen Disney-Prinzessinnen aus meiner Kindheit. Und ja, taffer wurden die ja erst mit Mulan oder so später. Und Zehner war aber in meiner Kindheit oder Jugend ein richtig toller Kontrast. Und zwar war das keine hilflose Prinzessin, die irgendwie auf den Ritter gewartet hat, sondern wirklich jemand, der gekämpft hat. Und diese hilflose Prinzessin, das ist auch eine erstaunlich neue Erfindung. Wir sprechen ja jetzt über Kriegerprinzessinnen. Das entstand nämlich erst in der viktorianischen Romantik des 19. Jahrhunderts. Und das war erstaunlicherweise auch die Zeit, wo die ersten Kriegerinnengräber gefunden wurden und die Archäologen haben es einfach gleich mal falsch gedeutet. Heute wissen wir es zum Glück besser. Kürzlich wurden in Ägypten die Gräber von fünf ägyptischen Prinzessinnen gefunden. Was besonders spannend daran ist, daraus lässt sich rekonstruieren, was die Prinzessinnen so für ein Leben führten. Genau, das waren die Tüchter eines Pharaos, der etwa 1843 vor Christus über ganz Ägypten geherrscht hat. Und in ihren Gräbern, die lagen in der Nekropole Dachur in der Nähe von Gizeh und da wurde schon 1894 diese Gräber gefunden, und ja, damals fiel schon diese ungewöhnliche Grabbeigaben auf und zwar waren die Prinzessinnen mit Bögen, Pfeilen, Deuchen und Streitkolben begraben. Dolche und Streitkolben, also typische Herrschaftssymbole. Genau das haben die Archäologen auch lange gedacht, weil echte Prinzessinnen kämpfen ja nicht. Und jetzt gibt es aber eine Biologie-Archäologin, was es alles gibt, aus Ägypten. Und die hat diese Skelette mal mit modernen Methoden untersucht. Und zwar hat sie sich die Muskelansatzstellen an den Knochen angeschaut. Und auch diese Muskeln hinterlassen, nämlich Spuren an den Knochen. Und je intensiver ein Muskel benutzt wurde, desto stärker ausgeprägt ist eine Stelle, an der dieser Muskel ansitzt. Und das kann man eben an diesen alten Knochen sehen. Ah, okay, ich verstehe. Sie hat also geschaut, ob die Prinzessinnen stark genug waren, um einen Bogen zu spannen und auch einen Streitkolben schwingen zu können. Genau. Also die hat auch geschaut, ob die das oft gemacht haben. Und tatsächlich, alle fünf Frauen hatten stark entwickelte Muskelansatzstellen in Schultern und Oberarmen. Also das heißt, die hatten richtig Power in den Schultern, aber auch in den Oberarmen. Und das deutet eben auf eine hochintensive Belastung hin. Außerdem waren diese Muster asymmetrisch. Also das heißt, die rechte Seite war deutlich stärker als die linke und das interpretiert das Forschungsteam eben als ein Muster von biomechanischer Reaktion auf wiederholte Arbeit. Also zum Beispiel Ziehen eines Bogens oder eben dem Schlag mit einem Streitkolben. Aber Bogenschießen allein macht noch keine Kriegerprinzessin aus. Zogen die Prinzessinnen auch in den Kampf? Ja, und auch davon gibt es Spuren tatsächlich. Und zwar zeigen diese Knochen der Prinzessinnen verheilte Brüche, stressbedingte Knochenbrüche aus Belastungsbrüche und auch wiederholte Stöße gegen das Schienenbein. Und die Forschenden schreiben in der Studie, dass diese Verletzung wahrscheinlich von Unfällen, Stürzen, harten Schlägen und, ich zitiere, heftigen Impact verursacht wurde. Das klingt nicht gerade nach einem angepassten Leben im Palast. Waren diese fünf Kriegerprinzessinnen eher die Ausnahme oder die Regel im alten Ägypten? Genau diese Frage stellt natürlich die Studie auch. Und die Forschenden haben vorgeschlagen, sich mehrere Prinzessinnen, andere Prinzessinnen sozusagen anzuschauen, und zu gucken, ob solche Spuren da nämlich auch dran sind. Das hat man ja ehrlich gesagt noch nie untersucht vorher. Aber wenn man ins alte Ägypten schaut, gibt es durchaus mächtige Frauen. Ein Beispiel ist Hatschel-Zugt. Die war 21 Jahre lang Pharaonin. Und von ihr gibt es auch Darstellungen als Kriegerin. Und auch von Nofretete gibt es übrigens solche Bildnisse, in denen sie die Feinde Ägyptens in die Flucht schlägt. Ob das jetzt nur so symbolische Darstellungen denn Macht sind oder ob die wirklich in die Schlacht zogen, das ist ein bisschen umstritten. Hatschisut war einer der ersten Pharaoninnen lange vor Kleoprata. Ich habe ein Bild von ihr vor Augen, denn sie ließ sich immer mit künstlichen Bart und Königsmantel darstellen. Genau, das sind sozusagen die Insignien der Macht und die waren damals sehr männlich geprägt, aber sie ließ sich eben auch große Tempel bauen und darunter sozusagen einen imposanten Totentempel in Daya el-Bahari, hat richtig große Handelsexpeditionen an den Horn von Afrika, gesandt und hat wirklich Ägypten durch eine Zeit der Stabilität und des Wohlstands geführt. Und sie schuf sogar den Mythos um ihre göttliche Herkunft. Also sie hat einen Tempel gebaut und dort ließ sie sich so darstellen, als sei Gott Amun ihr Vater. Das nenne ich mal machtbewusst. Cleoprata folgte ihrem Vorbild mehr als tausend Jahre später. Sie wird ja oft nur als die Verführerin von Julius Caesar und Markus Antonius dargestellt. Dabei war Cleoprata vermutlich eine außergewöhnlich gebildete Herrscherin. Sie sprach nach antiken Quellen neun Sprachen. Und sie kannte sich vermutlich in Mathematik, Philosophie, Medizin und der Astronomie aus. Stand sie auch auf dem Schlachtfeld wie Cleoprata? Auch das weiß man nicht. Man hat zum Beispiel ihr Leichnamen nicht gefunden, um nachzuschauen, ob sie vielleicht ähnlich gut trainiert war. Aber sie war auf jeden Fall eine strategische Feldherrin. Sie führte selbst Feldzüge, verteidigte auch ihr Reich gegen ihre Brüder, baute diese ägyptische Flotte aus, und koordinierte auch die Kriegsstrategie im Bündnis von Marc-Anton gegen Octavian, also Kaiser Augustus. Das heißt quasi, sie war schon auf jeden Fall sehr strategisch fit. Auch die entscheidende Seeschlacht von Actium, bei der Cleopatra und Antonius unterlagen, war jetzt keine Liebestragödie wie dargestellt, sondern es war ein strategischer Kampf um die Kontrolle über das Mittelmeer. Sie hat zwar verloren, aber sie war maßgeblich sozusagen an ihrer Strategie beteiligt. Und dann kam Octavian und mit ihr das Ende von Cleopatra, wie wir wissen. Genau. Nach der Niederlage und dem Tod ihres Partners nahm sich Cleopatra vermutlich das Leben, um einer Gefangennahme zu entgehen. Sie wollte nicht einfach als Trophäe durch Rom geführt werden. Und das war eben auch, muss man auch sagen, sozusagen der letzte Akt politischer Kontrolle in einer wirklich aussichtslosen Situation. Und Octavian, der später eben als Augustus die Kaiserzeit begründet hat, ließ eben aktiv daran arbeiten, ihr Bild als irrational und verführerisch darzustellen. Und wer eine Frau eben als gefährliche Verführerin beschreibt, muss eben nicht erklären, warum es so lange gedauert hat, sie zu besiegen. Der wahre Grund war, sie war einfach sehr, sehr klug und konnte wahrscheinlich gut kämpfen. Und deswegen kennen wir vielleicht ihren Namen auch noch heute. Wir waren jetzt im alten Ägypten unterwegs. Wie sieht es denn in anderen Ländern aus? Genau, da gibt es auch einige Beispiele, zum Beispiel aus Großbritannien. Und zwar auch hier sorgt eine Frau bei den römischen Standhaltern ordentlich für Sorgenfeind. Boutica war eine Königin eines keltischen Stamms, der Ikena. Und das ist heute im heutigen Ostengland. Und die führte um dem Jahr 60 nach Christus einen der gefährlichsten Aufstände der Römer. Und wahrscheinlich war ihr persönlicher Auslöser ziemlich massiv. Und zwar nach dem Tod ihres Mannes ignorierten die Römer sein Testament und übergangen quasi Boutica und ihre Töchter in der Rangfolge. Und stattdessen haben sie einfach ihr das Land weggenommen, ließen sie auspeitschen und ihre Tochter misshandeln. Aber das ließ sie nicht einfach auf sich sitzen. Was passierte dann? Genau, sie brannte drei römische Städte nieder, unter anderem London. Und der römische Historiker Cassio Dio, der das sozusagen hunderte Jahre nach diesen Ereignissen schrieb, beschreibt sie als imposante Erscheinung mit rötlichem Haar bis zur Hüfte und sehr groß und kämpferisch. Ob das jetzt historisch belegt ist, kann man nicht sagen. Aber an der Geschichte ist selbst dran. Also Duttikas Armee vernichtete eine ganze römische Legion und trieb die Römer wirklich an den Rande der Niederlage, bevor sie eben zurückgeschlagen wird. Mhm. Möglicherweise war die Insel auch matriarchaler, als man bislang annahm. Kürzlich nämlich kam eine Studie zur Eisenzeit heraus. Untersucht wurde die DNA von mehr als 500 Individuen. Forschende fanden dabei ein klares Muster. Frauen blieben in ihrem Geburtsort und die Männer, die zogen weg. Die Gesellschaft organisierte sich also scheinbar um den Wohnort der Frauen. Genau, normalerweise ist es komplett anders. Man findet normalerweise Frauen, die auszogen, um sich einer neuen Gruppe anzuschließen. Und das deutet eben in England auf eine Gesellschaft hin, wo die weibliche Abstammungslinie quasi das organisierte Prinzip war und die Frauen das Sagen hatten. Dazu kamen übrigens weitere Befunde. Zwölf Frauen hatten Kinder mit mehr als einem Mann, was auf weitreichende weibliche Autonomie hinweisen könnte. Also vermutlich war die Boutique als starker Anführer nicht die einzige auf der Insel. Ja und Birk, im Zusammenhang mit den Kriegerinnen muss ich immer an die Amazonen denken. Sie sind in der griechischen Mythologie ein Volk von Kriegerinnen. Waren die Briten dafür die Vorbilder? Vermutlich eher nicht. Also heute gilt die Vermutung unter den Forschen, dass die Sküten Vorbilder für die Amazonen waren. Das ist ein nomadisches Reitervolk, was ungefähr von 900 bis 200 vor Christus in der Eurasischen Steppe lebte. Und der griechische Historiker Herodot hat die als kriegerisches Volk beschrieben, bei dem eben auch die Frauen kämpften. Und lange hielt man das für eine Fantasie, aber Archäologen haben in den letzten Jahrzehnten hunderte von Skütengräbern geöffnet und etwa 20 Prozent, der als Krieger ausgestatteten Personen waren Frauen und wurden eben mit Bögen, Pfeilen und Schwertern begraben. Und auch, wie so in Ägypten schon, ihre Knochen zeigten deutliche Spuren von Kampfverletzungen und Reitverletzungen. Aber nicht nur auf dem Schlachtfeld wurde gekämpft, sondern auch in der Arena. Historische Berichte und Abbildungen liegen nahe. Es gab auch weibliche Gladiatoren. Ja, die Gladiatorinnen gab es wirklich. Die hießen Gladiatrices und waren weibliche Gladiatoren. Wahrscheinlich waren die eher so ein bisschen selten und in der Arena eine Sensation. Es gibt auch nur relativ wenig Belege, zum Beispiel eine Inschrift oder eben auch, dass Schreiber Tacitus und Cassius eben über Duelle von Frauen berichten, zum Beispiel unter Nero oder Titus. Okay, es gab also auch in der Arena kämpfende Frauen. Ja, Birk, wir haben uns jetzt vor allem in der Zeit vor dem Mittelalter bewegt. Gibt es auch Beweise für kämpfende Frauen im Mittelalter oder nach dem Mittelalter? Wahrscheinlich das bekannteste Beispiel ist Johanna von Aurelans, die Jungfrau von Aurelans auch genannt. Sie wurden 1412 in Lothringen geboren, als Tochter vermutlich eher wohlhabender Bauern und in Frankreich fand gerade in dieser Zeit der 100-jährige Krieg gegen England statt. Und als 13-Jährige behauptete, sie Stimmen des Erzengels Michael und Zweierheiliger zu hören, der ihr befahl, Frankreich zu retten. Und später wurde ihr erlaubt, dann eben für Frankreich zu kämpfen. Und im Mai 1429 brach sie die Belagerung von Orléans, die als uneinnehmbar galt, in wenigen Tagen. Sie kämpfte angeblich in der ersten Reihe, man kennt diese Bilder von ihr auf dem Schlachtross, und überlegte sich auch die Schlachtpläne, die eben zum Sieg gegen die Engländer führte. Mhm. Geholfen hat es ihr nicht, denn am Ende wurde sie als Ketzerin verbrannt. Aber immerhin wird sie heute als Nationalheldin in Frankreich verehrt. Stimmt. Es gibt auf jeden Fall noch mehr Kämpferinnen und wichtige Frauen im Mittelalter. Nur die Quellenlage ist eben schwer. Also es gibt Belege für Frauen, die während der Belagerung ihre Burgen verteidigten, weil die Männer unterwegs waren oder gefallen waren. Auch in den Kreuzzügen sollen Frauen mitgezogen sein, teils auch in Form von Kämpfern. Es gibt auch Beispiele aus anderen Kulturen. Zum Beispiel gab es in Japan eine weibliche Krieger in der Samurai-Klasse, die sozusagen mit ausgebildet wurden im Kampf mit der Naginata. Das ist eine Stangenwaffe mit gebogener Klänge. Das ist bis heute ein Sport, der vor allen Dingen von Frauen ausgeführt wird in Japan. In China gibt es Fu-Ha-Ho, das ist eine Königin der Shang-Dynastie, ungefähr 1200 vor Christus, die nachweislich eigene Feldzüge leitete und auch ihr Grab enthielt Waffen und Inschriften, dass sie als, große Feldherrin loszog. Das heißt, die ägyptischen Prinzessinnen reiten sich ein in eine Tradition von Kämpferinnen, die teils einen sehr hohen sozialen Status hatten und trotzdem auf dem Schlachtfeld standen. Wobei wir ja auch wissen, dass es weibliche Gladiatoren gab, die ja oft aus dem einfachen Volk kamen oder Sklavinnen waren. Ja, Birk, ich danke dir für diesen spannenden Einblick in die Geschichte der Kriegerinnen, Prinzessinnen und kämpfenden Frauen. Ja, gerne. Und vielleicht schauen wir doch nochmal 10er die Serie, weil jetzt wissen wir, solche kämpfenden Kriegerinnen gab es auf jeden Fall. Ja, dann das war's und danke, Birg, dir. Also, bleib neugierig bis zu einer neuen Folge Schneller Schlau, dem Wissenspodcast von PM. Und wer Lust auf eine ganz besondere Veranstaltung hat, am 23. Oktober findet die Deutsche Science Slam Meisterschaft statt. Dort treten die besten Science Slammer Deutschland gegeneinander an und wir von PM sind Kooperationspartner. Also, wenn ihr wollt, guckt doch gerne in unsere Show Notes, da findet ihr mehr Infos dazu. Und wer Lust hat, sich durch Wissenschaft zu blättern, ihr könnt das PM-Magazin und das Schneller-Schlau-Magazin auch am Kiosk kaufen.