Ein eckiger Punkt, der hin und her fliegt, links und rechts zwei Linien, fertig. So sah das erste Computertennis aus von 1972. 72, pixelgroß wie Streichholzköpfe. Dass sich daraus einmal ein Kulturgut entwickeln würde, hätte damals wohl kaum jemand gedacht. In Deutschland spielen heute 40 Millionen Menschen regelmäßig Computerspiele. Sie zocken sich durch virtuelle Welten, fliegen Kampfjets, feuern Vögel auf wütende Schweine, was Handy oder Konsole ebenso hergeben. Wie aus ein paar Eine Milliardenindustrie wurde, darum geht es heute bei Schneller Schlau. Mein Name ist Andreas Albes und mit mir am Controller ist PM-Autor Börg Krühling. Hallo Börg, sag, bist du Gamer? Hallo Andreas, ja, teilweise. Und zwar in der Jugend habe ich echt viel gezockt, also stundenlang. Ich hatte einen richtigen coolen Gaming-PC, war mit meinen Freunden auf LAN-Partys, habe auch im Internet gezockt. Aber genau, inzwischen fehlt einem ja dafür ein bisschen die Zeit, wenn man erwachsen wird und so viel Verantwortung hat. Und ja, trotzdem spiele ich dann ab und zu mal vielleicht auf dem Klo und eben auf dem Smartphone. Eine Konsole oder einen Gaming-PC habe ich heute leider nicht mehr. Wie war denn das bei dir? Also ich war nie ein richtig großer Gamer. Ich fand das als Jugendlicher eher als Zeitverschwendung. Aber hier reden wir wirklich von Pac-Man und Super Mario. Wenn ich jetzt aber sehe, was mein Sohn heute in Minecraft erschafft, welche Welten, dann kann ich diese Faszination schon verstehen. Und was ich faszinierend finde, ist ja, dass wir selbst, und ich bin jetzt schon im fortgeschritteneren Gamer-Alter, eigentlich noch viel zu jung sind für die allerersten Videospiele, denn die gab's, wie ich gehört habe, schon in den 1950er Jahren, als Computer noch so riesig waren, dass die ganze Wohnzimmer füllten. Ja, tatsächlich gibt es die frühesten Vorläufer in den 40er und 50er Jahren und zwar an amerikanischen Universitäten. Und da haben sie gar nicht die Professoren oder so unterhalten, sondern sollten eben diese Funktionsweise der damals komplett neuen Computertechnik demonstrieren. Zum Beispiel gab es 1951 in Berlin die Deutsche Industrieausstellung. Und da wurde ein Spiel vorgestellt und zwar Nimrod war ein Apparat aus 480 Vakuumröhren, das muss man sich wirklich mal anschauen und auf diesem Ding konnten die Besucher ein Nim-Spiel gegen den Computer spielen. Das ist so ein Spiel, da müssen die Spieler abwechselnd eine beliebige Zahl von Streichhölzern nehmen aus verschiedenen Reihen. Und wer das letzte Hölzchen nimmt, der gewinnt. Das Spiel gilt so ein bisschen als... Spiel, das rein logisch funktioniert und gar keine Glückselemente hat. Und man konnte quasi eine Partie gegen das Elektro-Hirn gewinnen. Und wer das gewagt hat, bekam einen coolen Anstecker und da drauf stand, I have seen the future. Das ist irgendwie schön, oder? I have seen the future. Wahnsinn. Kann man heute wirklich nur drüber schmunzeln. Aber jetzt sag mal, das erste Unterhaltungsspiel, das war doch jetzt doch das Balkentennis, von dem ich eingangs gesprochen habe. Genau. Das ist wirklich das erste Spiel, was nur zur Unterhaltung gespielt wurde oder programmiert wurde und zwar von einem amerikanischen Physiker und der hieß William Higginbottom. Und der entwickelte dieses Tennis for Two 1958 für den Tag der offenen Tür in der Brokehaven National Laboratory und, mit so einem Oszilloskop wurde das gespielt und ja, da konnte man eben den Lichtpunkt hin und her spielen und die Jugendlichen entstanden angeblich Schlange, um mal das auszuprobieren. Aber was lustigerweise passierte, das Spiel geriet dann völlig in Vergessenheit und es hat überhaupt gar keinen kommerziellen Erfolg gehabt. Also jedenfalls mit dem Oszillometer. Okay, aber es kam doch dann später mit dem Namen Pong wieder auf den Markt. So habe ich das kennengelernt. Genau, das ist dann 1982 ganz eng mit der Firma Atari verbunden. Den Atari kennen viele von uns noch als Computer. Und der hat dann dieses Pong eben entwickelt, der Gründer. Und zwei Linien als Schläger, Pixel als Ball und die Anleitung, da gab es eben einen einzigen Satz, avoid missing the ball for high score. Also quasi trifft den Ball für bessere Punkte so ungefähr, frei übersetzt. Und dann hatte er noch eine coole Idee, der Gründer von Atari. Der hat nämlich sozusagen einen Computer gebaut, an dem man zusammen an einem Bildschirm programmieren konnte. Und dann hat er dann noch einen Münzschlitz eingebaut und dann hat er sozusagen den Videospielautomaten entwickelt. Und so war ein Videospiel zum ersten Mal zugänglich für die breite Masse. Man musste eben nur ein bisschen Kleingeld mitnehmen. Okay, aber eben nicht viel Geld und musste sich keinen Computer kaufen, die ja unerschwinglich waren. Aber damit begann ja dann die glorreiche Zeit der Automaten. Ich kann mich da noch gut dran erinnern, in meiner Kindheit, in Kinos, Gaststätten, überall standen diese Automaten rum. Und dann gab es ja später auch diese Videospielhallen, wo die rumstanden. Und viele meiner Klassenkameraden haben da tatsächlich ihr ganzes Taschengeld verzockt. Ganz wichtig, das waren ja keine Glücksspielautomaten, sondern man hat Geld da reingeworfen, um zu spielen. Also nicht, um irgendwie Geld rauszukriegen oder sowas, sondern wirklich nur zum Spielen. Und da gibt es ein Spiel, was wirklich durch die Decke gegangen ist, kennen auch noch ganz viele. Space Invaders wurde auch, glaube ich, tausendmal kopiert, gibt es heute auch als tausend Varianten im App Store von der japanischen Firma Taito. Und genau, das löste wirklich dieses Zeitalter der Arkadehallen aus. Und das ist so ein Spiel, da hast du so einen lenkbaren Raumschiff und schießt dann Gegner ab und eine lenkbare Figur. Und das ist sozusagen auch ein neues Genre damals. Ja, sowas wie den Ego-Shooter oder Shoot Them Up. Ich muss sagen, wenn du mich jetzt fragst, welches war das erste Videospiel? Und da ist das, woran ich mich sofort erinnere, Pac-Man. Dieser gelbe, ewig hungrige Ball. Für mich ist das eigentlich die Ikone der Computerspiele. Warum hat Pac-Man bis heute diesen Ruf? Ganz einfach. Die haben nämlich was ganz Geniales gemacht, die Entwickler von Pac-Man. Die haben eine Spielfigur entwickelt, die man auch offline quasi vermarkten kann. Und Pac-Man gab es plötzlich als Puppen auf Tassen im Müsli, als Cartoons. Es gibt sogar einen Pac-Man-Kinofilm. Und heute ist es halt ganz normal. Also Super Mario, Zelda und Co. Haben ja einen riesen Merchandise. Aber angefangen hat alles mit Pac-Man auch ein spannendes Beispiel. Und wann kamen die Spiele dann aus den Spielhallen in die Wohnzimmer? Wann wurde das erschwinglich genug? Auch gar nicht so lange hin. 1972 gab es die erste Spielekonsole für den Heimgebrauch. Und das hieß Magna Fox Odyssey, ein sehr abstrakter Name, kennt heute auch kaum jemand. Raffel Bear, der diese entwickelt hat, war eigentlich Fernsehreparateur und fuhr quasi von Ort zu Ort und kam dabei auf die Idee, dass man diese Fernseher auch zum Spielen nutzen konnte. Und das war aber nicht so ein großer Erfolg. Das Ding floppte, kaum jemand hat es gekauft. Aber 1977 kommt dann Atari und bringt die Atari 2600 raus und das ist wirklich so ein Durchbruch. Das Ding wurde, glaube ich, über 30 Millionen Mal verkauft und es gab eben auch diese austauschbaren Kassetten. Damit konnte man quasi ganz viele Spiele zu Hause haben und eine unendlich unbegrenzte Spielbibliothek sich anschaffen, wenn man das notwendige Kleingeld dafür hat. Okay, aber du sagst unendlich, die Wahrheit ist ja so groß, war die Auswahl damals ja nicht. Trotzdem, man musste eben nicht mehr in die Stadt fahren, nicht mehr in die Spielhalle gehen, um dort sein Taschengeld zu verbrennen. Genau. Tatsächlich war das mit dieser Auswahl bald irgendwie so ein relativ großes Problem. Und zwar gab es sozusagen 1983 einen Zusammenbruch des Videospielmarktes. Und es gab eben viel zu viele Konkurrenz. Und ganz viele verschiedene schlechte Spiele. Zum Beispiel gab es ein Spiel zum Film E.T., dieser süße Außerirdische, man erinnert sich. Und E.T. hat sozusagen ein Spiel bekommen von Atari und das wurde superschnell entwickelt, aber war halt spielerisch wohl eine absolute Katastrophe. Und irgendwann hat Atari tausende von Kapien davon auf einer Mülldeponie in New Mexico vergraben. Und das wurde jahrzehntisch später wieder ausgegraben und ist heute sozusagen eine Legende der Videospielgeschichte. Aber tatsächlich, ja, es gab zu viele schlechte Spiele und das hat den Markt zusammengebrochen. Nachdem du mir eingangs schon davon erzählt hast, habe ich das mal gegoogelt und mal nachrecherchiert. Atari hat ja wirklich Millionen ausgegeben, um die Rechte zu kaufen und dann so ein Flop. Und heute ist es ja so, dass manche dieser Kassetten bei einzelnen Versteigerungen Preise von weit über 1000 Dollar erzielen, Aber das allerdings nur, so habe ich auch gelernt, wenn die Packung gut erhalten ist. Doch das Spiel selber war wirklich kein Highlight. Die Beschwerden lagen darin, man steuerte diesen E.T. Über einen Bildschirm und musste Teile eines Telefons sammeln. Also dieses berühmte Telefon, mit dem E.T. nach Hause telefonieren wollte. Nur dabei fiel man unentwegt in irgendwelche Löcher. Und das Problem war wohl, dass man aus den Löchern nicht mehr rauskam. Und wenn IT dann in dem Loch saß, dann war das Spiel praktisch vorbei und da waren die Spieler genervt, offensichtlich genervt genug, dass eben der Markt dann so kollabierte. Aber anders als in Amerika, in Japan offensichtlich, ging die Entwicklung genauso erfolgreich weiter und richtig durch die Decke. Wenn du dieses Spiel so erzählst, stresst mich das schon. Schon beim Hören habe ich keine Lust mehr, das zu spielen. Ja, ja, mich hat es dann aber so interessiert. Ich musste das googeln und ich habe gar nicht mehr aufgehört zu lesen. Nur dass diese Spiele, diese Kassetten heute so wertvoll sind, wenn die original verpackt sind. Das fand ich schon spannend. Wobei es gibt ja auch Spiele, habe ich gesehen, da werden teilweise fünfstellige Summen aufgerufen, wenn man da noch alte Kassetten hat. Also noch viel, viel, viel, viel teurer. Verrückt. Du hast Japan erwähnt. Japan, tatsächlich kommen da zwei sehr wichtige Spielefirmen her, die wir auch bis heute kennen, Nintendo und Sega. Und die brachten quasi am gleichen Tag fast, 1983, neue Konsolen auf den Markt, und zwar in Japan erstmal. Und long story short, Nintendo hat das gewonnen, den Kampf, und hat halt dieses, Nintendo Entertainment System, Nintendo ES, quasi auf den Weltmarkt gebracht. Das ging durch die Decke. Die hatten wirklich gute Geschichten, die, Gute Spiele, eigene Charaktere und innovative Genres. Und ja, die meisten davon kennen wir, ne? Ja, Super Mario vor allen Dingen. Genau. Den erfand Shigeru Miyamoto. Und der wollte eigentlich Comic-Zeichner werden. Und dann ist er zu Nintendo gewechselt und hat da plötzlich Super Mario erfunden. Donkey Kong, Zelda. Und ja, diese Super Mario-Version, da gibt es ja unfassbar viele. Also nicht nur das Jump'n'Run, das wir kennen und Super Mario Kart, das wir bis heute spielen, glaube ich. Also ich auf jeden Fall. Da gibt es 200 Varianten und das ist bis heute das meistverkaufte Spiel. Über 300 Millionen Mal verkauft. Und der hat, wollte eben, die Besonderheit an seinem Ansatz ist, dass er richtige Geschichten machen wollte und eben nicht nur, So einfache kleine Spielereien. Ja, aber da war er ja sehr vorausschauend, der Miyamoto. Denn so funktionieren ja moderne Videospiele. Mit Nintendo verbinde ich ja nicht nur die Spiele, sondern vor allem den Game Boy. Tetris, schon erwähnt, Super Mario, Pokémon. Und darauf hat ja eine ganze Generation von Kindern die ersten Spiele gespielt. Genau. 1989 kam der raus. Und damit sprichst du jetzt leider einen sehr wunden Punkt bei mir an. Ich bin ja sozusagen in einer Öko-Familie groß geworden und durfte nie einen Gameboy haben und musste dann immer bei Freunden spielen und habe das unfassbar geliebt, bei denen das natürlich zu spielen. Und genau, Tetris besonders, aber auch Super Mario und Co. Aber Tetris war mein Favorit. Das steht aber auch bei uns noch ganz hoch im Kurs. Ich habe neulich mal ein Gameboy zum Selberlöten gekauft und das Ding funktioniert. Und darauf läuft aber nur Tetris und bei uns zu Hause zocken das wirklich alle. Und also das ist wirklich schon genial. Aber die richtig große Sensation jetzt in der Entwicklung von Videospielen ist ja dann gekommen mit der Entwicklung von den 3D-Grafiken. Die haben das ja nochmal auf ein ganz anderes Level befördert. Genau, also du hast recht. Plötzlich werden diese Welten dreidimensional, diese Spielwelten werden auch immer größer und Meilensteine sind da, neben natürlich den Gaming-PCs, aber auch die Playstation, die 1994 auf den Markt kommt. Und ja, plötzlich können sich eben diese Spielfiguren nicht mehr in nur zwei Richtungen bewegen, also wie bei dem ersten Mario, sondern in drei Geschichten, in 3D. Und plötzlich sind halt auch diese Geschichten für damalige Zeiten wirklich filmreif erzählt. Also es gab Tomb Raider, das war zwar immer noch supereckig aus heutiger Sicht, aber für damals war das ein großer Eröffnungsmoment. Und dann auch diese Klassiker wie Age of Empires oder Civilization, Warcraft, was wir dann auch auf dem Computer gespielt haben. Das waren schon riesengroße Spielwelten, damit konnte man stundenlang verbringen und das ist auch das, was wir damals auf diesen LAN-Partys gezockt haben. Also für LAN-Partys, da war ich zu alt. Das hat mich nicht so wirklich interessiert. Außerdem war das zuweilen auch eine sehr ruckelige Angelegenheit, wie du schon gesagt hast. Aber wenn man sich mal diese Dokus über LAN-Partys aus den späten 90ern anguckt, das kann man bei YouTube, man machen muss man mal machen, wenn man das selbst nicht erlebt hat. Also bei uns war das Internet im Dorf super langsam. Also haben wir alle unsere riesigen Computer am Wochenende in den Keller gestellt, haben die vernetzt. Dann haben wir das ganze Wochenende durchgezockt, ganz wenig Schlaf gehabt. Es gab Cola, schlechten Eistee vom Aldi, Pizza vom Tiefeldienst. Und wir haben stundenlang gekämpft. Wir haben Counter-Strike gespielt. Die einen Spieler waren Terroristen und die anderen, die Anti-Terror-Einheit. Und die sind gegeneinander angetreten. Und das war auch damals diese Auslöser für die Killerspiel-Debatte. Okay, aber dann gab es ja den nächsten Schritt, nämlich mit einem richtig gut funktionierenden Internet. Boris Becker bin ich schon drin. Jeder aus der Zeit kann sich daran erinnern. Und von da an musste man ja nicht mehr in den Keller, um LAN-Partys zu haben, zu veranstalten, sondern man konnte ja wirklich jeder zu Hause an seinem Rechner sitzen und hat über das Netz gespielt. Also ich erinnere mich da an World of Warcraft. Ja, World of Warcraft war auch so ein ganz großes Ding. Also zur Erklärung, das war ja so eins der ersten Online-Rollenspiele, die in so einer ganz großen Welt funktioniert hat. Arzaroth war das und man konnte sich dann einen virtuellen Charakter ausdenken und dann losziehen und es gab quasi keine Vorgaben, was man da machen musste. Millionen von Menschen haben das gespielt, es gibt glaube ich heute noch ganz viele, die das spielen. Ich habe es selbst nie so richtig ausprobiert, aber ich hatte Freunde, die dann schon mal eine Woche lang verschwunden waren und wenn man sie gefragt hat, wo sie denn in dieser Woche waren und ob sie krank waren, dann stellte sich raus, dass sie ihren Org, von Level 40 auf Level 50 bringen mussten und in dieser Zeit weder die Freundin gesehen haben noch Uniklausuren. Das wurde alles verpasst. Und das fand ich ein bisschen erschreckend auch. Und ehrlich gesagt, habe ich in dieser Zeit angefangen ja auch dann zu studieren und habe so ein bisschen den Bezug zu den Spielen verloren. Und ja, da war das irgendwie, hatte ich nicht mehr die Zeit, wie als Teenager mich eben zeitintensiv diesem Hobby zu widmen. Ja, die Bedeutung wächst jetzt erst wieder, weil ich irgendwie ein Kind habe, das sich für Spiele interessiert. Und jetzt bin ich wieder tiefer im Thema zum Beispiel, weil ich eben, wie dein Sohn ja auch, Minecraft wiederentdeckt habe oder mit meinem Kind zusammen Let's Play Videos sehe, wo Menschen Spiele spielen und erklären, was sie da gerade spielen. Also Minecraft ist bei uns schwer angesagt. Wie gesagt, mein Sohn, der liebt es, mit diesen würfelförmigen Blöcken Welten zu bauen. Und das findet auch meistens im Kreativmodus statt, also ganz ohne Gegner, ohne Druck. Und ich habe das Gefühl, es bringt ihn auch weiter. Total. Und man muss ja sagen, dass Minecraft auf den ersten Blick überhaupt nicht so, das ist ja ein Spiel, was von der Grafik her voll aus der Zeit gefallen scheint. Das ist ja total eckig und dieser schwedische Erfinder Magnus Persson hat dieses Spiel ja fast alleine entwickelt und hat damit aber trotzdem einen Nerv getroffen. Und also ein Spiel ohne festes Ziel, man kann irgendwie diese würfelförmigen Glöcke so alles bauen und ganze Welten machen und 2014, ja, hat das Microsoft dann auch für 2,5 Milliarden US-Dollar gekauft und heute ist wirklich Minecraft noch mehr, wurde noch mehr verkauft als Super Mario-Spiele zusammen. Liegt ungefähr jetzt bei 350 Millionen, auch natürlich durch die Corona-Pandemie, wo auch ganz viele Leute das wieder für sich entdeckt haben. Würde ich sagen, alles richtig gemacht, oder? Absolut. Und ich bin auch fasziniert davon, wie viel Geld man mit den Games machen kann. Auch die Gaming-YouTuber, die unsere Kids sich anschauen, die verdienen damit ihren Lebensunterhalt. Bekannte Kanäle haben ja teilweise mehr Abonnenten als so manche Fernsehsendung. Einer, der bei uns ganz populär ist, Paluten. Den erkenne ich schon, wenn ich nach Hause komme und nur seine Stimme höre. Genau, von Paluten gibt es sogar inzwischen Kinderbücher und Kuscheltiere und alles. Ja, genau. Das volle Programm. Genau. Und die verdienen auch, das sind kleine Medienmarken geworden. Also die haben auch Mitarbeitende, die sich um einen Videoschnitt kümmern und alles ist sehr, sehr faszinierend. Ich bin auch immer noch beeindruckt davon, wie groß E-Sport ist. Das ist ja quasi auch ein wirklich anerkannter Sport inzwischen. Die treten vor ausverkauften Arenen an. Und man kann sich das angucken, in Südkorea gibt es Events, da kommen 100.000 Menschen zusammen live, plus noch weitere Tausende im Livestream. Und das ist mehr, als manche Bundesligaspiele verfolgen. Und gerade Plattformen wie Twitch oder so, da schauen sich Millionen von Menschen eben diese Spiele an, wie Fortnite, Counter-Strike oder Leech of Legends. Und man merkt aber auch gleichzeitig, auch wenn wir das so ein bisschen belächeln. Inzwischen spielen halt auch ganz viele Menschen, die jenseits von 40, 50 sind. Und es sind weltweit 3,7 Milliarden Spieler, Tendenz klar steigend. Und die Gaming-Industrie, da steigen auch die Umsätze. Im Moment sind es so ungefähr 500 Milliarden US-Dollar pro Jahr. Das ist mehr als die Film- und Musikindustrie zusammen. Ja, das ist eine unglaubliche Summe. Wobei ich das ja schon wieder, da kommt der Punkt, wo ich das so ein bisschen besorgniserregend finde. Also jetzt nicht wegen der puren Masse, sondern wie die Gaming-Industrie ihren Gewinn eigentlich macht. Denn man kauft ja nicht unbedingt eine Konsole, damit verdienen die ja heute gar nicht mehr das Hauptgeld. Und auch nicht damit, dass sie die Spiele verkaufen, sondern der wahre Profit, der liegt in diesen In-App-Käufen. Und wenn man das verfolgt, dann sieht man, wie die Menschen und dann ja auch vor allem Kinder ruckzuck spielsüchtig werden. Und ich glaube, da liegt die größte Tücke beim Gaming. Solche Schatztruhen zum Beispiel, Lootboxen genannt, wo man irgendetwas herausbekommt, also die man kaufen muss, damit man dann irgendwelche Chancen, irgendwelche Items hat, die einen im Spiel dann noch erfolgreicher machen. Und das bringt die Kinder dazu, immer mehr an diesen Spielen dran zu bleiben. Ich weiß, dass es teilweise Spiele gibt, wenn man da nicht alle 24 Stunden mitmacht, dass in deiner Abwesenheit auf einmal alles, was du aufgebaut hast, zerstört werden kannst. Ich meine, das sind wirklich alles Psychotricks, mit denen man Leute abhängig macht. Ich persönlich achte da bei meinem Sohn sehr darauf, dass er an sowas nicht rankommt. Und in Belgien sind ja diese Lootboxen, also diese Schatztruhen sogar verboten, weil sie nämlich rechtlich unter die Rubrik Illegales Glücksspiel fallen. Trotzdem muss man sagen, Gaming hat inzwischen einen festen Platz in unserem Kulturgut und das wird man auch nicht mehr rückgängig machen können. Total, aber ich verstehe, was du sozusagen als Kritikpunkt ausgibst. Ich habe auch meinem Sohn ganz klar verboten, wir kaufen nicht für echtes Geld irgendwie virtuelle Sachen. Damals im Studium haben Leute, mit denen ich zusammen studiert habe, auch Geld verdient mit World of Warcraft. Die haben dann irgendwie ein besonderes Schwert, was sie eingesammelt haben, verkauft bei Ebay an andere und haben da teilweise 150 Euro dafür bekommen. Und ich fand das immer so absurd. Wer gibt denn Geld aus dafür, dass er ein virtuelles Schwert hat für seinen Ort? Heute ist das die gängige Masche. Und die Industrie macht ja mehr Geld damit, als mit dem Verkauf von Spielen und Konsolen zusammen. Das ist schon echt heftig. Auf jeden Fall. Aber man muss natürlich sagen, Gaming ist neben Fernsehen und Kino und aber auch Streamingdienste einfach ein Kulturgut geworden. Und wahrscheinlich wird es das auch noch immer mehr, weil wir stehen ja quasi mit virtueller Realität, aber eben auch KI, eben vor einer. Neuen Generation von Gaming, wo wir wahrscheinlich noch viel tiefer in virtueller Welten eintauchen können. Vielleicht sogar haptischer Berührung werden wir vielleicht irgendwann simulieren und genau, irgendwann werden wir vielleicht in Welten spielen, die von der Realität kaum noch zu unterscheiden sind, Und das klingt einerseits sehr faszinierend, aber auch ein bisschen beunruhigend, weil ich glaube, mehr Menschen werden noch vielleicht aus diesen virtuellen Welten gar nicht mehr so richtig rauskommen. Naja, das ist natürlich dann auch so, weil du darin lebst, deine eigenen Geschichten erlebst und weil du deinen Helden eines Tages mal persönlich gegenüberstehst. Das kannst du dir bei einem Streaming-Dienst gar nicht. Also alles wahnsinnig faszinierend, aber auch ein bisschen gruselig, wenn man sich das überlegt. Von einem Pixel, wie bei diesem Tennisspiel, hin zu 500 Milliarden Dollar Jahresumsatz. Das ist schon eine erstaunliche Entwicklung. Lieber Burg, ich danke dir für diese interessanten Einblicke. Das war mir ein Vergnügen. Ich glaube, ich gehe jetzt mal ein bisschen zogen. Mach das. Damit ist Schluss für heute, weil schneller schlau. Den Link zum PM-Partner Science Slam findet ihr, wie immer, in unseren Shownotes. Übrigens findet bald in Berlin und zwar im Oktober die deutsche Science Slam-Meisterschaft statt. Ein echtes Highlight. Ansonsten, wenn euch unsere Folge gefallen hat, freuen wir uns über viele Sternchen. Ich sage Tschüss, bleibt neugierig, bis zur nächsten Folge. Schneller Schlau, der kurze Wissens-Podcast von PM.