Bis dahin hatte ich mich wirklich sehr bemüht, die perfekte Tochter zu sein und alles richtig zu machen. Und dann, es war mir dann auf einmal zu viel. Ich konnte nicht mehr. Und da habe ich mich dann irgendwie geweigert, das zu machen, was sie von mir erwarten. Und ja, dafür habe ich dann auch, ja, ich hatte große Konsequenzen, sagen wir es mal so. Hallo, herzlich willkommen bei Stahl, aber herzlich. Und heute ist die Laila bei mir und Laila kommt mit dem Thema, dass sie einen wesentlich älteren Freund hat, der von ihren Eltern überhaupt nicht akzeptiert wird. Sie ist jetzt seit fünf Jahren mit dem Freund zusammen und ihre Eltern haben sie massiv unter Druck gesetzt und auch erpresst, dass sie sich von diesem Freund trennt. Und da ist es zu ganz starken Verletzungen gekommen Und sie ringt um eine innere Haltung, die sie zu ihren Eltern einnehmen kann, beziehungsweise welche Haltung sie überhaupt einnehmen darf. Und über diesen massiven Konflikt werden wir reden.

Hallo Leila, herzlich willkommen. Was hast du an Problemen mitgebracht? Hallo Steffi, ich habe einen fünfjährigen Konflikt mit meinen Eltern, der ausgelöst worden ist durch meine Partnerwahl. Der mich belastet. Einerseits die Wunden von damals, als der Konflikt noch sehr neu war, bis hin zu der heutigen Dynamik. Okay, also es geht darum, wenn ich dich richtig verstehe, dass dein Freund, dein Partner, deinen Eltern irgendwie nicht zu gefallen scheint. Genau, ja. Kannst du einfach mal kurz erzählen, worum es da geht, was dir nicht passt? Ja, also wir haben einen sehr großen Altersunterschied von 28 Jahren. Ich habe ihn kennengelernt, als ich 17 war und er war da 45. Und ja, jetzt sind schon fünf Jahre vergangen. Und bis heute verweigern meine Eltern jeglichen Kontakt mit ihm. Das heißt, auch auf Familienfesten wie Geburtstagen wird erwartet, dass ich alleine komme. Und auch generell, dass ich trotzdem regelmäßig noch kenne. Mit ihnen in Kontakt bin, aber von meiner Beziehung und von meinem Leben, wir wohnen jetzt auch zusammen, wollen sie absolut nichts wissen und das ist ziemlich schwierig für mich, damit umzugehen.

Ja, und ich weiß nicht, wie ich mich da verhalten soll und wie ich meine Grenzen setze, was gesunde Grenzen vielleicht auch sind in dem Kontext. Das ist ja ein bisschen ein schwieriges Problem, weil ich glaube, ganz viele und so auch ich können im ersten Moment tatsächlich auch Verständnis für die Eltern aufbringen, weil der Altersunterschied ist ja schon gewaltig. Und dann poppen natürlich so Fragen auf, was ist, warum hast du dir einen derartig viel älteren Freund ausgesucht. Und ich glaube, es wird schwierig, dieses Thema zu besprechen, ohne zumindest am Anfang auch mal kurz eure Beziehung zu verstehen zwischen dir. Und du kannst ihm ja irgendeinen Namen geben, wie magst du ihn nennen jetzt für den Podcast? Thomas. Nennen wir ihn Thomas. Also der Thomas ist wesentlich älter als du. Da fragt man sich, hast du vielleicht ein Vaterkomplex oder irgendwas? Kannst du uns mal ein bisschen was von der Beziehung erzählen? Also was die, ich meine, ihr seid ja auch fünf Jahre schon zusammen, also scheint sie ja irgendwie auch zu funktionieren, also, was die Beziehung so besonders für dich macht mit ihm? Ja, also ich habe tatsächlich schon immer auf ältere Männer gestanden. Es war jetzt nicht, dass er irgendwie die Ausnahme war.

Und jetzt aber ist es eine sehr gesunde Beziehung, wo auch der Altersunterschied immer weniger eine Rolle spielt. Also ich merke das auch im alltäglichen Leben überhaupt nicht, dass wir so einen großen Altersunterschied haben. Und ich finde, die Beziehung tut mir sehr gut, Sonst wäre ich nicht so lange in der Beziehung geblieben.

Also du bist einfach so froh mit ihm? Ja, auf jeden Fall. Und ich höre so raus, dass er dich auch gut behandelt. Ihr habt jetzt sonst keine Schwierigkeiten in der Beziehung. Ja, total gut. Also er ist auch derjenige, wo ich auch ein paar Dinge realisiert habe über mich und auch über meine Kindheit. Und weil ich schon eher so ein sehr überangepasster Mensch war oder vielleicht auch noch ein bisschen bin. Und ja, da hat er mir sehr geholfen, mich zu ermutigen, für meine Bedürfnisse einzustehen und die zu kommunizieren und alles, was ich davor so von meiner Familie nicht so kannte. Okay, also du hast auch das Gefühl, dass du in dieser Beziehung reifen kannst. Ja, genau, auf jeden Fall. Sogar besser, weil er auch so selber gesund ist und eine gute Menschenkenntnis mitbringt. Das ist so meine Perspektive. Wie wird denn die Beziehung in deinem anderen Umfeld aufgenommen, in deinem Freundeskreis, in seinem Freundeskreis? Also kannst du mir dazu auch noch ein bisschen was erzählen? Ja, also meine Freundinnen sehen das alle entspannt. Es gibt sicherlich auch Leute, die das komisch finden oder so, aber mit denen bin ich nicht in Kontakt oder mit denen freunde ich mich dann auch nicht an. Seine Freunde sind auch sehr nett und akzeptieren uns auch.

Die verhalten sich ganz normal, genauso wie seine Familie. Es ist tatsächlich nur meine Familie, die da so Schwierigkeiten mit hat. Okay, dann fokussieren wir jetzt auf dein eigentliches Problem. Aber das war für mich jetzt einfach wichtig, ein bisschen den Hintergrund auch zu verstehen. Ja, das ist so eine ganz wichtige Stelle im therapeutischen Prozess und im therapeutischen Gespräch. Man erlebt es ja sehr häufig, dass die Leute eben einzeln kommen und einem erklären, was der Konflikt mit anderen Personen ist. Und für mich ist es immer ganz wichtig, als Psychotherapeutin da erstmal so einen Boden unter den Füßen zu bekommen. Das heißt, auch ein gewisses Verständnis für die abwesende Partei zu bekommen.

Einfach damit die Beratung oder die Therapie auch in die richtige Richtung geht und nicht völlig am Thema vorbeigeht. Weil es könnte ja in diesem Fall auch sein, dass der Standpunkt der Eltern einfach der richtige ist. Vor allen Dingen dann, wenn sie jetzt auch eine schwierige Beziehung hätte und und und. Dann würde das ja alles in eine völlig andere Richtung gehen. Dabei ist es natürlich klar, dass es immer nur so ein bisschen begrenzt auch zu objektivieren ist, wenn die andere Konfliktpartei nicht dabei ist. Weswegen man die auch gerne mal in längeren Therapien, also die eben nicht in diesem Format sind, mit einem einmaligen Beratungsgespräch, dann auch gerne mal einlädt und dazu bittet. Aber in diesem Fall war es für mich jetzt ausreichend zu erfahren und auch sehr glaubwürdig, dass die Leila mit ihrem Freund offensichtlich sehr glücklich ist, dass es auch gute Entwicklungsräume für sie gibt. Und von daher für mich auch als Beraterin, als Therapeutin einen Standpunkt zu ihren Eltern bzw. Zu ihr zu bekommen. Denn auch ich brauche ja einen gewissen festen Boden unter den Füßen.

Dann wenden wir uns jetzt dem eigentlichen Problem zu. Das ist das mit deinen Eltern. Die scheinen da ja sehr rigide zu sein. Ja, erzähl mir einfach ein bisschen von diesem Konflikt und wie es dir damit geht und dass ich auch mal so ein bisschen einen Eindruck von deinen Eltern auch bekomme. Okay, ja. Also ich würde vielleicht mit der Anfangszeit, wo der Konflikt noch eine andere, akutere Dynamik hatte, anfangen. Und auch, dass ich meinen Eltern schon mehrfach kommuniziert habe, dass ich auch verstehen kann, dass Eltern Sorgen haben, wenn sie, vor allem wenn man noch 17 ist, also noch jung, einfach in der Beziehung mit einem älteren Mann eingeht, dass es auf jeden Fall Risiken hat und dass man da auf jeden Fall drauf schauen muss und es nicht einfach so herrscht. Hinnimmt und sich denkt, okay, super. Aber ja, für mich hatte das alles einen ganz anderen Beigeschmack, weil es mir mehr so vorkam, dass sie einfach.

Sie wollen, dass ich mit dem Schluss mache und dafür ziehen sie alle Mitte. Also du hast das Gefühl, es geht gar nicht wirklich um dich. Genau. Sondern es geht eigentlich um einen Machtkampf. Ja, genau. Also wirklich, wo ich auch sage, von der Zeit, was mich am meisten, also die hat mich emotional übel belastet. Ich war richtig am Ende. Vor allem wegen meinen Eltern, weil es war wirklich täglich ein absoluter Terror zu Hause. Ich wurde, also ich finde, ich wurde terrorisiert. Ich habe mich wirklich so gefühlt und da sind auch ganz viele Sachen passiert.

Ich habe schon mal mit meiner Mutter darüber geredet und deshalb fällt es mir auch ein bisschen schwer, das auszusprechen, weil meine Mutter als Reaktion immer gesagt hat, das war so nicht und dann bin ich irgendwie so verunsichert. Aber mir wurde beispielsweise mein Datenvolumen weggenommen, mein Taschengeld weggenommen, und alles so Druckmittel, damit ich halt mich trenne. Und ich habe auch einmal zu meiner Mutter gesagt, dass es mir richtig schlecht geht wegen dem ganzen Streitereien zu Hause. Und dann hatte sie nur geantwortet, dass ich so egoistisch sei und dass ich mal drüber nachdenken soll, wie die sich fühlen. Und ja, ich wurde auch zu einer Psychologin gezwungen aus meiner Sicht. Ich meine, ich hatte dann auch Ja gesagt, weil ich dachte, mit einer Psychologin zu reden ist nie verkehrt. Vielen Dank. Und das war auch da sehr interessant, weil ich hatte mich dann halt hingesetzt und habe dann gesagt, ja, also ich bin hier, weil meine Mutter möchte, dass ich drüber rede, dass ich einen älteren Freund habe. Und die Psychologin hat sofort gesagt, ach, erzähl mir über das Verhältnis mit deinen Eltern. Und ich war mega verwirrt, weil ich dachte, hat sie mich gerade nicht gehört? Ich bin doch wegen einer ganz anderen Mission hier.

Ja, und dann hat sie auch ganz energisch angefangen, Sachen zu zeichnen. Denn ich kann mich schlecht erinnern und damals habe ich mich überhaupt nicht ausgekannt mit Psychologie, aber ich glaube, es war ein inneres Kind oder so, was sie aufgezeichnet hat mit Mutter und Vater links und rechts, so wie es auch in deinem Buch ist. Und dann am Ende haben wir dann eigentlich nur über die Beziehung zwischen mir und meinen Eltern geredet. Und als ich dann rauskam, meine Mutter hatte mich hingefahren und hat mich dann wieder zurückgefahren. Hat sich herausgestellt, dass sie gelauscht hat an der Tür. Und hat gesagt, dass ich die total schlecht geredet habe und dass das alles gar nicht stimmen würde.

Und es war nie meine Absicht, die irgendwie schlecht zu reden. Ja, das war irgendwie komisch. Und das sind so kleine Sachen von früher, die mich immer noch so belasten, wo ich so schlecht drüber hinwegkomme. Ja, verstehe. Also ich nehme wahr, wie entsetzlich dein Druck ist, den du im Elternhaus erfährst. Und zwar auf zwei Ebenen. Die eine Ebene der ganz unmittelbare Druck, was deine Eltern veranstalten. Und die zweite Ebene, dass danach behauptet wird, das wäre gar nicht so gewesen. Sagt man ja heute im modernen Deutsch Gaslighting zu. Genau, ja. Habe ich dann auch irgendwann mal realisiert. Warte mal.

Gaslighting heißt ja einfach, dass einfach behauptet wird, zum Beispiel, das wurde nie gesagt oder das habe ich nie gesagt, also dass Realität eben negiert wird und dass das Gegenüber dann irgendwann völlig verunsichert ist, ob es die Sachen vielleicht geträumt hat. Und das ist ja bei dir der Fall. Und das passiert ja vor allen Dingen dann, wenn man ohnehin nicht so ein selbstsicherer Mensch ist. Und das bist du ja nicht, das hast du ja eben schon gesagt, du wärst immer überangepasst gewesen.

Und dann ist man ja eh leichter zu verunsichern, auch noch oben drauf. Ja, auf jeden Fall. Du, Laila, also was du mir so von deinen Eltern erzählst, dieser massive Druck, Erpressungsversuche, eine sehr hohe Machtausübung, das kann ja nicht erst angefangen haben, wo du einen älteren Freund hattest. Das muss ja auch so ein bisschen im Charakter deiner Eltern liegen. Das heißt, du musst ja wohl mit sehr viel Strenge oder so erzogen worden sein oder wie war das früher? Ja, das ist ein bisschen schwierig. Also ich würde meine Eltern oder auch meine Mutter schon als sehr gute Mutter bezeichnen. Sie selber ist ohne Mutter aufgewachsen und deshalb war so ihr Lebensentwurf oder ihr Lebenssinn auch eine gute, tolle Mutter zu sein. und sie hat sich auch sehr viel gekümmert. Aber definitiv lag ihr auch sehr viel an guter, vielleicht auch ein bisschen strenger Erziehung. Sie selber wurde auch von ihren Großeltern erzogen. Vielleicht spielt das auch eine Rolle.

Und ich persönlich hatte schon so in Erinnerung, dass es so implizite Erwartungshaltungen gibt, die jetzt nicht wirklich so ausgesprochen worden sind, aber die ich schon sehr stark gespürt habe. Und wo ich dann auch, Irgendwie als ich so in die Pubertät gekommen bin, habe ich dann auch angefangen, ganz gute Noten zu schreiben, um halt da irgendwie Liebe und Anerkennung zu bekommen.

Was war denn gut an deiner Mutter? Du sagtest, sie hätte auch ihre guten Seiten gehabt, aber alles, was du bisher erzählt hast, klingt es eher nach ein bisschen wenig emotionaler Wärme. Ja doch, sie kümmert sich sehr viel. Also auch heutzutage, ich habe so... Auch seit dem Konflikt, Verdauungsbeschwerden. Und auch da erkundigt sie sich regelmäßig und fragt, ob sie irgendwie helfen kann, ob sie mir irgendwas kochen soll. Und ja, auch ich konnte immer zu ihr gehen mit jeden Sorgen. Und das war auch ihr Anspruch.

Und ich denke, ich hätte es auch nie so in Retrospektive gemerkt, dass es doch auch so dysfunktionale Aspekte in der Beziehung gibt, Und wäre nicht dieser große Konflikt dann ausgebrochen, wo man schon fast hätte blind sein müssen, um da diese Kontrolldynamik oder diesen Druck nicht zu spüren. Ja, das ist schön, was du gerade sagst, weil ich höre ja heraus aus dem Gespräch, dass du eigentlich sehr identifiziert bist mit deinen Eltern. Das ist ja auch ein Teil deines Problems, dass du einen massiven Loyalitätskonflikt hast, weil du hast ja eben unter Tränen gesagt, ich wollte doch nicht schlecht über meine Mutter reden oder ich wollte es also singgemäß, ich wollte es ja nicht verraten. Also schon eine ziemlich enge Bindung an deine Eltern hast, obwohl du thematisierst hier vor allen Dingen immer gerade die Mutter, also ich sage mal, an deine Mutter hast und identifiziert warst. Das heißt, lange Zeit ist dir vielleicht gar nicht aufgefallen, dass deine Eltern oder deine Mutter zu kontrollierend ist. Auf keinen Fall, ja.

Für mich war auch, ich denke, das ist bei vielen so, So, dass erst mal das Verhältnis so, dass die Eltern sind normal, die eigene Familie ist normal. Man denkt, so ist es halt. Erst wenn man ein bisschen über den Talerrand hinausblickt, merkt man, das ist doch nicht so normal. In anderen Familien ist es irgendwie anders. Und dann kam dieser Riesenkonflikt und dann sagtest du eben so, Treffen, da hätte man ja schon die Augen verschließen müssen. Das heißt, das war ja irgendwie auch so ein bisschen böses Erwachen für dich, oder? Auf jeden Fall. Weil, ja, bis dahin hatte ich wirklich mich sehr bemüht, die perfekte Tochter zu sein und alles richtig zu machen. Und dann war halt da irgendwie so, es war mir dann auf einmal zu viel. Ich konnte nicht mehr. Und da habe ich mich dann irgendwie geweigert, das zu machen, was sie von mir erwarten. Und, ja, dafür habe ich dann auch, ja, Strafe bekommen. Also ich hatte große Konsequenzen, sagen wir es mal so.

Also es ist so eine Mischung zwischen Enttäuschung und Rebellion, ja? Ja. Also einerseits hast du deine Eltern enttäuscht, das hast du immer versucht zu vermeiden. Du wolltest die perfekte Tochter sein. Ja. Aus der Formulierung hört man ja schon raus, welche Anstrengungen du unternommen hast. Und dass Liebe anscheinend kein Geschenk war, sondern etwas... Was du dir erarbeiten musstest. Und dann aber sowas wie so eine, ich bewerte es jetzt mal, wie so ein gesunder Kampf um Autonomie. Nach dem Motto, bis hierhin nicht weiter. Ja, genau. Kein Bock mehr. Genau, ja. Aber trotzdem war ich in dem Ganzen immer noch sehr konfliktscheu, weil das auch so ein großes Attribut der Familiendynamik ist, dass man über Konflikte nicht redet. Und dass man, wenn dann irgendwelche unterschwelligen Bemerkungen, also bloß nicht die Sachen so ansprechen, wie sie sind oder irgendwie.

Ja, ich habe vergessen, wie ich meinen Satz angefangen habe. Ja, ist nicht schlimm. Also es ist im Grunde ein wenig verhandelbar dann ja auch. Wenn man nichts ansprechen kann, kann man eigentlich auch nicht viel gestalten oder mitgestalten, sondern ich drücke es jetzt mal ein bisschen härter aus, aber nur um den Punkt klar zu machen. Da geht ja eigentlich nur Unterwerfung oder Rebellion, weil es ja keine Verhandlungsspielräume dann gibt. Ja, genau. Ja, und jetzt habe ich auch, also es sind ja jetzt schon fünf Jahre her, im letzten Jahr habe ich dann endlich mal meinen Mut zusammengepackt und tatsächlich mal mit meinen Eltern drüber geredet, weil ich mir dachte, ja gut, ich mache mir voll die Gedanken und mir passt das alles gar nicht, aber so wirklich mal ehrlich mit meinen Eltern zu sprechen, tue ich nicht, also da habe ich auch eine Verantwortung, sonst kann sich auch nichts ändern und dann...

Ging es halt schon damit los, dass meine Eltern gesagt haben, die sehen da überhaupt keinen Konflikt, die sehen da überhaupt kein Problem, auch mit der Situation, wie sie jetzt ist. Und ja, das war auch schwierig, dann irgendwie mit denen ins Gespräch zu kommen. Sie sehen kein Problem, sie sehen keinen Konflikt? Wie verstehe ich jetzt nicht? Ja, also für die ist die Situation berechtigt, wie sie sich verhalten bis heute. Meine Mutter hat gesagt, für sie sieht schon den Bedarf, die vergangenen Verletzungen aufzuarbeiten, aber so der jetzige Zustand scheint für sie in Ordnung zu sein. Aber immerhin räumt sie ein, dass vergangene Verletzungen erfolgen. Also das wird jetzt nicht völlig negiert. Nee. Und der jetzige Zustand ist wie? Ja, also dass von mir erwartet wird, dass ich regelmäßig bei Ihnen bin oder halt in Beziehung trete. Was ist regelmäßig? Also das kommt drauf an, aber meine Mutter hat manchmal so Phasen, wo sie mich dann schon sehr, sehr oft kontaktiert, fast schon täglich manchmal. Aber manchmal ziehe ich mich so stark zurück, dass wir uns auch schon sehr lange nicht sprechen. Bist du eigentlich Einzelkind? Nee, ich habe eine Schwester, eine ältere. Okay.

Ganz kurz, wo steht die in diesem Konfliktfeld? Also die ist sehr stark auf der Seite meiner Eltern.

Und ich habe auch das Gefühl, sie ist jetzt so ein bisschen, aber das ist jetzt, ich habe nie mit ihr drüber geredet, also weiß ich es nicht, aber sie verbringt sehr viel Zeit mit meinen Eltern und ich habe das Gefühl, sie ist jetzt so ein bisschen in der Rolle, dadurch, dass ich die komplette Enttäuschung bin oder meine Eltern durch die Hölle gezogen habe, ist sie jetzt besonders. Der Liebling. Ja genau und versucht auch besonders Vorteile draus zu schlagen. Ihre große Stunde ist gekommen. Genau so ungefähr, weil davor war es auch ein bisschen anders, weil ich halt so gute Noten geschrieben habe, dass er ich der Liebling war. Also es gab auch immer dann so eine Konkurrenz zwischen dir und deiner Schwester. Ja, auch da nicht so explizit. Also meine Schwester und ich haben uns nie irgendwie gehasst oder uns irgendwie bekriegt, sondern wir waren immer auch eng. Aber für mich war schon explizit so das Bewusstsein, wer hat irgendwie mehr Pluspunkte. Ja, aber es ist ja schon bemerkenswert.

Wie im Grunde das Eltern-Kind-Verhältnis so ein bisschen umgedreht ist, weil alles, was du erzählst, höre ich so raus, man muss sich bei meinen Eltern als Kind anstrengen für die Liebe und Anstrengung wird belohnt und je besser ich abliefer und leiste, desto mehr Liebe bekomme ich auch. Weil eigentlich sollten sich ja die Eltern anstrengen für ihre Kinder und nicht die Kinder für ihre Eltern. Also eigentlich ist es der Job der Eltern, ihre Kinder zu lieben, so wie sie sind und ihnen das Gefühl zu vermitteln und den Job von den Kindern, sich so zu verbiegen, dass sie die Liebe ihrer Eltern bekommen. Ja, genau. So hat es sich auch immer angefühlt und bis jetzt fühlt es sich immer noch so an, ja. Was mir auffällt bei dir ist, da ist viel Trauer bis hin zur Verzweiflung, nehme ich so wahr, weil du das als so ungerecht empfindest und du aber eben an deinen Eltern hängst, das nehme ich ja auch deutlich wahr. Du willst ja ein gutes Verhältnis zu ihnen. Du willst sie nicht enttäuschen. Auf der anderen Seite vielleicht ein bisschen wenig Wut.

Nach dem Motto, habt ihr sie noch alle? Ja, also ich verstehe, was du meinst. Und bei mir ist es auch tatsächlich nicht ein konstanter Zustand. Ich habe schon manchmal Momente der Erleuchtung. Wo ich dann irgendwie dann doch wütend werde, aber ganz schnell kann das auch umschlagen und dann denke ich wieder, vielleicht habe ich ja doch was falsch gemacht und vielleicht, ja. Ah, okay. Ich verstehe. Das ist ein ganz, ganz wichtiger Punkt, an dem du gerade bist, weil um wirklich wütend zu sein, braucht man ja einen Standpunkt. Ja. Und du hast keinen klaren Standpunkt. Ja, der ist noch wackelig. Also im Grunde genommen fragst du dich, habe ich überhaupt ein Recht, wütend zu sein? Ja, genau. schon irgendwie. Und das verunsichert dich so.

Hier geht es ja um die Frage bei Laila, hat sie überhaupt das Recht, sich da einen eigenen Standpunkt zu bilden, beziehungsweise Grenzen zu setzen? Und diese Rechtsfrage ist in allen Konflikten wahnsinnig zentral, denn wenn ich meine eigene Position nicht wirklich klar habe, kann ich auch nicht für mich eintreten. Und das hat man halt in Konflikten sehr häufig, vor allen Dingen, wenn sie so verstrickt sind wie zwischen Laila und ihren Eltern, Weil Laila ist ja sehr am Schwimmen zwischen Bindung und Autonomie bei ihren Eltern. Sie war ihr Leben lang angepasst. Das heißt, sie hat gar nicht richtig gelernt, auch für sich einzutreten, weil sie immer so beschäftigt war, ihre Eltern zufriedenzustellen. Und da ist diese Rechtsfrage unglaublich zentral und liegt auf vielen Unsicherheiten zugrunde, auch oft unreflektiert, dass den Leuten selber gar nicht so klar ist, dass sie eigentlich mit dieser Frage ringen. Und da ist es natürlich ganz wichtig in Folge, sich eine gewisse Standpunktsicherheit zu erwerben. Und das geht meistens am besten erstmal durch klare Argumente für das Für, beziehungsweise eben auch für das Wieder. Und da schauen wir jetzt mal, wie ich da mit der Leila weitergehen kann.

Du bräuchtest ja erstmal sowas wie eine klare Meinung. Und das machen dir deine Eltern schwer, weil ja auch immer wieder so teilweise dieses Gaslighting ist, dass Sachen negiert werden und dann aber auch nicht durchgängig negiert. Es wird ja noch komplizierter in deinem Fall, weil deine Mutter ja immerhin mal eingeräumt hat, dass sie versteht, dass es da frühere Verletzungen gab. Also sie wischt jetzt nicht alles vom Tisch. Das wird es ja fast noch ein bisschen leichter machen, weil du dann klar sagen könntest, das stimmt einfach alles nicht. Aber so ist es dann ja noch verwirrender für dich, die Frage zu beantworten, darf wie überwütend sein. Ja, genau. Und du bräuchtest ja Wut, um dich auch besser lösen zu können. Ja, auf jeden Fall. Weil was du ja machst, ist ein ständiger Spagat.

Zwischen deiner eigenen Autonomie, du bist ja jetzt auch bei dem Freund geblieben, wohnt ihr auch zusammen? Ihr wohnt auch zusammen, ne? Ihr wohnt zusammen. Also schon bei dir und deiner Autonomie auf der anderen Seite, versuchst du da immer noch deinen Eltern viel recht zu machen. Auf jeden Fall. Also du kannst dich da nicht richtig entscheiden. Ja. Ja, ich denke, was für dich jetzt wichtig wäre, im ersten Schritt, dass du für dich ein klares Bild bekommst, weil sonst schwimmst du immer in diesem Nebel, wer von uns beiden spinnt jetzt hier eigentlich. Und das ist ja das, was ich auch immer wieder sage und ich müde werde, mich dazu wiederholen, was mir aber erst die letzten Jahre nochmal so richtig, richtig klar geworden ist, dass es eigentlich in fast allen, wenn nicht in allen zwischenmenschlichen Konflikten am Ende, also wenn man es wirklich auf den absoluten Kern reduziert, immer um die Frage geht, wer von uns beiden ist hier der Fehler. Und das ist genau auch deine Frage. Ja, hundertprozentig. Und wenn die beantwortet wäre, dann könntest du dich auch besser entscheiden? Ja. Okay.

Ich glaube, es wird schwierig, aber versuch mal den Kern deiner Unsicherheit zu formulieren. Also wo schwankst du, ob du Recht hast, auf deine Eltern wütend zu sein? Was ist da so das größte Hindernis, also der größte Widerstand in dir? Ich glaube, dass sie es nicht so gemeint haben oder nicht so meinen. Was meinen sie nicht so? Ich denke schon, dass sie es gut mit mir meinen. Also, dass sie das nicht aus irgendwelchen bösen Motivationen machen, sondern tatsächlich denken, dass sie richtig handeln. Und auch meine Mutter gibt sich schon sehr viel Mühe bis zu einem gewissen Punkt, weil als ich die.

Diesen Konflikt angesprochen habe und mal alles auf den Tisch gelegt habe, habe ich auch kompensiert, dass ich es nicht mehr aushalte und dass, wenn sich nicht irgendwas ändert, ich den Kontakt abbrechen möchte. Und da ist sie dann zu mir gefahren und hat ganz oft geklingelt und wollte mit mir reden und wollte dann doch irgendwie aktiv was ändern.

Und dann hatte ich auch, weil ich mich dann auch so überfordert hatte durch das Ganze und ich nicht das Gefühl habe, dass ich das selber irgendwie tragen kann, hatte ich dann auch die Bitte in den Raum gestellt, mit einer professionellen dritten Person, entweder einer Mediatorin oder sogar einer Familientherapeutin, darüber zu reden. Und dass sie dann auch, als ich eben gesagt habe, dass ich das alles nicht mehr aushalte, ist sie darauf auch eingegangen. Und wir hatten auch zwei Sitzungen, die aber nicht so gut verlaufen sind oder nicht wirklich was geholfen haben. Also genau, da ist auch schon irgendwie eine gewisse Entscheidung, Mühe dahinter oder meiner Mutter ist auch schon sehr wichtig, mit mir in Kontakt zu bleiben und wenn ich jetzt sagen würde, ich will jetzt keinen Kontakt mehr, dann würde ich wissen, dass meine Mutter ganz schön am Boden zerstört wäre. Ganz kurz mal und dann machen wir genau da weiter. Welche Rolle spielt dein Vater in dem Ganzen? Mein Vater spielt auch schon eine Rolle, aber es war schon immer eher so, dass meine Mutter die Erziehungsarbeit geleistet hat. Mein Vater hat auch sehr viel gearbeitet.

Also es sind auch, als dieser Konflikt ausgebrochen ist, hat meine Mutter das eben erstmal nicht erzählen wollen von der Beziehung, die ich mit meinem Freund habe. Weil sie halt auch Angst hatte, wie mein Vater reagiert. Weil er auch zu aggressiven Reaktionen tendiert. Aber da hat er auch an sich gearbeitet, sagt er auch immer wieder. Bist du früher geschlagen worden? Nein. Ja, aber genau. Mein Vater hat auch sehr verletzende Sachen gemacht in der Zeit. Aber also ja, bevor ich irgendwie also ich habe ja meine Mutter als Anlaufperson. Okay. Dann werden wir auch weiter auf sie fokussieren. Also es ist alles hochgradig ambivalent. Einerseits signalisiert deine Mutter und hat es ja auch wirklich gemacht. Sie ist dann ja auch mit zu der Mediatorin gegangen. Sie macht schon klar, dass sie die Beziehung zu dir unbedingt will, nur nicht zu deinem Freund. Und es kommt hinzu, dass deine Mutter schon kontrollierend und anspruchsvoll war, sodass bei dir immer so das Gefühl entstanden ist, ich muss um die Liebe meiner Mutter kämpfen. Das sind aber alles auch Dinge, die unausgesprochen zwischen euch sind? Ja, also ich hatte das schon angesprochen, aber ich denke nicht, dass es irgendwie angekommen ist und dass...

Ich verstanden wurde oder überhaupt gehört. Also du hast es richtig schwer, da durchzukommen. Ja. Und deine ganze Sozialisation war ja eigentlich davon geprägt, dass du dich versucht hast, deiner Mutter anzupassen und ihren Ansprüchen zu genügen. Ja. Weil deine Mutter ihrerseits, so muss ich das deuten, da auch zu wenig Empathie hat für dich. Ja, ich meine, man muss auch sagen, dass meine Mutter eine ziemlich schwierige Kindheit hatte, die in den traumatischen Bereich geht und wenn ich dann halt komme mit, oh, ich hatte das Gefühl, ich muss gewisse Dinge leisten, um geliebt zu werden, dann ist sie und jetzt. Vielleicht ist der eine Teil, den sie sagt, das stimmt gar nicht, liebe dich, egal was ist, aber die Handlungen sprechen halt nicht dafür und andererseits ist da auch vielleicht der Gedanke von, du hattest das so gut. Ja, deine Mutter kommt aus einer Kindheit, die hat ganz andere Maßstäbe. Genau, genau, genau. Kleiner Gedanke vielleicht zur Beruhigung für dein Bindungsgefühl. Ich gehe fest davon aus, dass deine Mutter dich liebt. Und wenn du total verklagt hattest wahrscheinlich, ja. Aber das sind halt permanente Botschaften, die sie verströmt. Wir waren ja bei der Standpunktsicherheit, von daher sind wir ja gekommen. Mir ist aufgefallen, du hast ja gesagt, ich glaube schon, dass sie es gut mit mir meint.

Gut meinen ist nicht immer gut getan. Und du hast damit argumentiert, sie glaubt ja, dass sie im Recht ist und dass sie dich beschützen will. Ich meine, das glaubt Putin auch, wenn er in die Ukraine einmarschiert. Weißt du, wie ich meine? Dass er im Recht ist. Das ist ja nicht unbedingt nur, wenn man selber daran glaubt, dass es auch gleichzeitig richtig ist. Im Grunde argumentierst du mit Bindung.

Du argumentierst auf einer tieferen Ebene, ich glaube schon, dass sie mich liebt. Also habe ich ein Recht, ihr Böse zu sein. Richtig? Ja. Ich finde das spannend, weil eigentlich müsste sie hier die Frage stellen, sollte das nicht einfach selbstverständlich sein, dass sie dich liebt?

Sollte das nicht die absolute Grundlage eurer Beziehung sein? Und darauf aufbauend muss man sich darüber Gedanken machen, was ist übergriffig, was ist nicht, wo sind meine Grenzen? Aber da ein innerstes Argument ist, aber ich glaube, sie liebt mich ja schon, also darf ich dann überhaupt dann so böse sein? Sie meinte es ja nicht wirklich böse. Sie meinte es ja eigentlich gut, eigentlich will sie mich beschützen. Sollte ja eigentlich auch so sein zwischen Eltern und Kindern. Und trotzdem darf man ja als Kind seine eigenen Grenzen wahren, wo man sagt, Mama bis hier und nicht weiter und das ist jetzt mein Leben und das geht dich einfach nichts an. Oder da hast du dich nicht derartig einzumischen. Ja, ein weiterer Aspekt ist aber auch, ich meine, ich weiß, dass ich meinen Eltern oder auch meine Mutter, weil die mir das auch sehr oft kommuniziert, sehr viele Schmerzen zubereitet habe durch diese Beziehung mit meinem Freund. Aber trotzdem ist auch so ein Aspekt von, ich weiß nicht, ihr Leben war schon so hart. Also Mitleid? Ja, auch. Also du übernimmst die Verantwortung für deine Mutter? Ja, genau, weil ich Angst habe, dass ihr dann ganz, ganz schlecht geht. Och, Riesenverantwortung. Ja. Das ist doch viel zu viel, oder? Warum übernimmt deine Mutter nicht die Verantwortung? Geht sie zum Psychologen? Nee, sie hat Angst davor.

Sie hat mir gesagt, sorry. Alles gut. Nimm dir Zeit, wir können auch eine kleine Pause machen, wenn du willst. Das ist ganz schlimm. Sie hat mir gesagt, dass sie nicht weiß, ob sie es irgendwie überlebt, wenn sie mit einem Psychologen über ihre Hinterheit redet. Okay, also Ja.

Es fällt einem natürlich schon schwer, sowas zu hören. Ja, natürlich. Und dann ist ja auch diese große Bereitschaft, deinerseits Verantwortung zu übernehmen, auch völlig verständlich und nachvollziehbar, weil du liebst deine Mutter ja auch. Und das ist natürlich ein wirklich, wirklich schweres Päckchen, was du da zu tragen hast, weil das macht es ja noch umso schwerer, sich zu entziehen. Und trotzdem ist es ja ihre Verantwortung letztlich für ihr Leben. Du kannst ja nicht das Leben deiner Mutter auf deinen Schultern tragen. Und das tust du ja im Moment. Und dafür kriegst du dann auch noch Prügel. Ja, ich wollte eigentlich schon immer, dass es meiner Mutter gut geht. Und es war mir schon immer als Kind sehr, sehr wichtig. Also man könnte sagen, du hast schon immer dieses Leid gespürt. Ja, genau. Aber auch diese, und das hat sie auch gesagt, dass sie uns dann hatte als Kinder, dass dann alles so perfekt für sie war und dass endlich alles in Ordnung war und sie endlich eine tolle Familie hatte.

Ja, also der Druck ist enorm und das macht es jetzt auch nochmal noch verständlicher, dass du dich so angestrengt hast, eine gute Tochter zu sein. Das war nicht nur, um der Liebe deiner Mutter herzulaufen, sondern auch, um deine Mutter zu stabilisieren. Ja, ich denke schon. Damit die Familie auch perfekt bleibt. Ja. Und dann kam aber irgendwann die große Rebellion bei dir. Und dann bist du mit diesem Mann zusammengekommen.

Weil du hast es ja formuliert, ich wollte irgendwann auch nicht mehr funktionieren. Ja, genau. Und trotzdem bleibt ja noch das Alte in dir, dieses Päckchen. Die Mama, die Arme mit ihrer schlimmen Kindheit. Und ich muss ja irgendwie die Sonne vom Himmel holen. Ja. Weil es ihr sonst so schlecht geht. Und das ist natürlich... Echt nicht leicht, da gesunde Grenzen zu ziehen.

Mal rein vom Verstand aus betrachtet. Wenn du jetzt die Beziehung mal selber mehr gestalten würdest und nicht dich immer nur den Wünschen deiner Mutter anpasst. Wie würdest du denn die Beziehung gesund gestalten wollen zu deiner Mutter? Was wären deine Wünsche, wenn du mal bestimmst, wie es läuft? Ich meine, mein Wunsch wäre klar, dass sie auch mal dahin kommt, wo ich wohne und sich einladen lässt. Sich einladen lässt? Ja, einladen lässt. Ja, mir fehlt da auch ein bisschen eine konkrete Vorstellung, weil ich auch hier merke, dass ich so hin und her gerissen bin zwischen Ich möchte Autonomie, weil das ist mein größtes Problem in der ganzen Sache, dass ich auch nicht als autonome Person anerkannt werde oder gesehen werde. Aber halt auch gleichzeitig finde ich die Nähe schon schön.

Ja, also ich weiß nicht, irgendwie fällt mir die Frage schwer zu beantworten. Ja, vielleicht ist sie auch ein bisschen überfordernd, weil du ja selber die Beziehung nie wirklich gestaltet hast. Also die Frage, was will ich, was sind meine Bedürfnisse, die ist ja in deinem Leben bisher viel zu kurz gekommen. Aber im Grunde genommen, wenn wir es jetzt mal auf den Punkt reduzieren, willst du, dass deine Mutter deine Lebensentscheidung respektiert. Das heißt, damit könnte sie erheblich dazu beitragen, dass euer Verhältnis besser wird. Ja, auf jeden Fall. Findest du, dass du ein Recht hast darauf, das zu erwarten von deiner Mutter, dass sie deine Entscheidung respektiert? Ich denke schon. Warum? Argumente? Ja, weil ich... Jetzt erwachsen bin und meine Entscheidung alleine treffen darf.

Darf, richtig. Darfst du. Das ist dein Leben. Und du kannst die Entscheidung ja auch gut begründen. Also ich sage ja immer, wenn man sich innerlich so unsicher fühlt wie du, ist die große Brücke zur Standpunkt Sicherheit sind Argumente. Also was du wirklich trainieren solltest, ist, dich im Argumentieren zu üben, am besten schriftlich. Was dafür spricht, dass du deine Lebensentscheidungen treffen darfst. Und ich würde auch einen Schritt weiter gehen. Du hast ja eben erzählt, wie gut dir dein Freund tut, wie gut du dich in dieser Beziehung auch entfalten kannst, wie aufgehoben du dich fühlst, dass du ja auch eine richtige Entscheidung getroffen hast. Und da gibt es auch ganz viele Argumente. Und ich finde, zu einer guten Beziehung gehören immer zwei. Und für mich ist ein ganz starkes Argument, dass du ja eigentlich immer sehr viel dafür getan hast, zu funktionieren und die perfekte Tochter zu sein. Warum sollte deine Mutter jetzt nicht mal dazu beitragen, ihrerseits, dass es besser wird und sie sich öffnet für deine Lebensentscheidung? Warum solltest du das nicht verlangen dürfen von ihr? Das ist doch ihr Anteil an dem Konflikt, oder nicht?

Ja, das sehe ich auch so. Das ist bei mir aber auch so ein Teil von, dass ich meiner Mutter oder meinen Eltern nicht zutraue, dass sie so drüber hinwegkommen, weil ich schon...

Deren Verhältnis zu dem ganzen Thema ist sehr emotional. Also auch damals waren deren Emotionen richtig krass, was ich damals auch schon nicht verstanden habe. Könnte man krass durch krank ersetzen? Ja, könnte man. Ich möchte das so machen, weißt du warum? Weil man manchmal auch eine klare Bewertung braucht. Wenn man sich nie traut, irgendwas zu bewerten, kriegt man auch keinen guten Abstand. Dann kriegt man auch keinen Standpunkt unter den Füßen. Also was du jetzt im Grunde gesagt hast, die Forderung wäre richtig, aber leider hoffnungslos. Genau. Aber bleiben wir dabei, dass das die richtige Haltung deinerseits ist. Und das auch klar zu formulieren. Zu sagen, pass mal auf, das ist in eurer Verantwortung und ich erwarte von euch, dass ihr meine Lebensentscheidung respektiert. Ja.

Kann ich noch deine Frage zu stellen? Ja. Wie würde das Respektieren aussehen? Weil ich weiß, dass wenn ich meinen Eltern das so sage, dass sie sagen, ja tun wir doch, wir respektieren doch deine Entscheidung. Nur fühlt es sich nicht so an. Ja, nein, Respektieren wäre ja, also wirklich Respektieren und nicht einfach eine innere Wand hochziehen, sondern wirklich ihn auch mal kennenlernen, sich öffnen und das Verhältnis mal normalisieren, wie das in anderen Familien auch ist. Okay, danke. Respektieren, das ist ein gestörter Waffenstillstand. Respekt sieht anders aus. Da muss man sich ein bisschen im Argumentieren trainieren. Und das ist natürlich deine schwache Seite, weil du das nie üben konntest. Das stimmt.

So, und dann ist ja die zweite Frage, also du brauchst für dich eine klare Haltung und sagen, das ist dein Anteil oder euer Anteil. Den stelle ich euch vor die Tür, seht zu, dass ihr euch da abgefangen bekommt. Und das zweite Ding ist ja, wie viel Kontakt willst du denn zu deiner Mutter haben? Ich meine, sie werden es ja wahrscheinlich so nicht umsetzen, es wäre aber wichtig, es mal zu formulieren, dass du das erwartest. Wie sind denn deine Kontaktwünsche? Auch das ist wieder mega schwierig zu beantworten, weil ich schon gemerkt habe, dass es mir sehr, sehr schwierig fällt, dass das Verhältnis so schlecht geworden ist. Also das habe ich auch in der E-Mail geschrieben, dass ich, ja, also ich habe meine guten Schulnoten und alles geschrieben, damit meine Mutter glücklich ist. Und dann so als es weggefallen ist, dachte ich mir so, und jetzt? Also was mache ich jetzt? Ich habe ja jetzt gar keine Mutter mehr, für die ich toll sein kann. Also da ist dieser Aspekt, diese Abkopplung ist noch nicht ganz da, weil ich mich selber als Mensch irgendwie noch finden muss, aber das würde ich perspektivisch halt schon gern, dass ich aus einem eigenen Antrieb, mein Leben gestalte und ja.

Also, ich weiß nicht, schon ein regelmäßiges Verhältnis zueinander, aber vielleicht von meiner Seite oder auch von der Seite meiner Mutter ein bisschen abgelöster, dass ich trotzdem noch so als getrennte Person... Deine Mutter kannst du ja nicht beeinflussen von deiner Seite. Wie oft möchtest du Kontakt zu ihr haben in der Woche oder im Monat? War äußerlich angefangen. Okay. So zweimal im Monat? Zweimal im Monat. Ja. Traust du dir zu, das umzusetzen? Ja. Ja. Also mir geht es darum, wir sind jetzt bei der Frage, wie möchte ich die Beziehung zu meiner Mutter gestalten? Weil dieses Mitgestalten, das kam immer zu kurz in deinem Leben. Du hast dich ja immer nur angepasst und nicht gestaltet. Ging ja auch nie anders. Ja. Buy it, Also damit du aus dieser Anpassung rauskommst und mehr zu dir findest in die eigene Autonomie. Dafür brauchst du auch Standpunkte. Für Standpunkte brauchst du Argumente. Das haben wir eben schon so ein bisschen geübt. Das solltest du unbedingt weiterüben. Dass du auch eine klare Haltung bekommst, eine wirklich klare Haltung. Dass du ein Recht hast auf diese Lebensentscheidung mit deinem Freund. Und dass es der Anteil deiner Mutter oder deiner Eltern ist, das zu akzeptieren.

Und das ist ihr Anteil. Die haben eine Verantwortung, damit eure Beziehung funktioniert. Bisher in deinem Leben warst du zu 100% dafür verantwortlich, dass deine Beziehung zu deinen Eltern gelingt. Also in deinem inneren Erleben. Ich rede jetzt nicht von objektiv. So fühlt dir sich das an. Ich muss mich so verhalten, dass ich mit Mama und Papa klarkomme. Aber in jeder gesunden Beziehung gibt es 50-50. Bei Eltern ist es sowieso normal. anders. Erstmal sind die Eltern zu 100% verantwortlich, wo das Kind klein ist. Aber jetzt seid ihr erwachsen. Jetzt liegen mal mindestens 50% auf Seiten deiner Eltern. Also, dass du dir wirklich klar machst, das ist ihr Anteil am Konflikt. Da müssen sie sich verändern. Und wenn sie zum Psychologen gehen, mir egal, aber sie brauchen eine andere Haltung. Und da musst du klar sein. Da brauchst du die Klarheit, die ich hier gerade verströme. Und dafür brauchst du ein bisschen Wut im Hintergrund. Die hörst du auch bei mir raus. Weil ich habe so ein bisschen empathische Wut für dich, weißt du? Da ist so eine Grenze, die da überschritten wird.

Und die Haltung kannst du nur haben, wenn du dir selber sagst, das ist mein gutes Recht, das zu erwarten. Wenn du da unsicher bist, dann schwimmst du. Okay, ja. Dann schwimmst du. Also, dass du für dich klare Grenzen definierst, dafür Argumente findest und die umsetzt. Und das wäre die Haltung, die Verantwortung, da deinen Eltern zurückzugeben. Und dass du viel mehr gestaltest, wie oft der Kontakt zu deiner Mutter ist.

Davon mal ganz abgesehen, was du mir heute erzählt hast. Das ist so ein krasser Brocken, den du da trägst. Bist du in Psychotherapie? Nee, ich hatte schon Bemühungen in die Richtung, aber es ist ein bisschen schwierig. Einen Platz zu finden. Bleib einfach dran. Bleib einfach dran, weil ich würde dir das wirklich sehr ans Herz legen, Das zu machen, weil das Päckchen ist sehr groß, da sind so massive Loyalitätskonflikte, so massive Verantwortlichkeiten, so massive Verletzungen, so massive Bindungswünsche. Das ist ja unmöglich in einem Gespräch, in diesem Format das zu bearbeiten. Also das würde ich auf jeden Fall dir ans Herz legen, da dran zu bleiben, dass du eine Psychotherapeutin findest und das wirklich nochmal aufarbeitest. Weil das ist schon ein schweres Päckchen. Also es ist nicht so Pille-Palle, Mama war ein bisschen zu streng, sondern das ist ein richtig großes Ding. Vor allen Dingen die Nummer mit der Verantwortlichkeit. Dadurch kannst du dich auch nicht abgrenzen. Und wie soll man sich von einer Mutter, die leidet, kann man sich nicht abgrenzen und kann sich nur von einer Mutter gut abgrenzen, wo man das Gefühl hat, die ist stark und gesund, die hält das schon mal aus. Und wenn diese Botschaft von deiner Mutter nicht kommt, sondern im Gegenteil.

Sie ist eigentlich noch unbewusst ein bisschen verstärkt, ich bin so arm dran, bitte bleib bei mir, dann wird es natürlich echt schwierig. Aber dass du zumindest mitnimmst, die Verantwortlichkeiten auseinander zu definieren, dich argumentativ stark machst, dann kannst du es auch mehr fühlen. Argumente sind erstmal im Kopf, aber Argumente können auch gut ins Gefühl gehen, wenn man so das Gefühl bekommt, ja, da habe ich wirklich recht. Und dann fühlt sich das auch richtig an. Und anfängst, die Beziehung nicht nur über dich ergehen zu lassen, wie bisher, sondern aktiver mitzugestalten. Ja, meine Überlegung war tatsächlich auch in die Richtung, dass wenn ich meinen Geburtstag habe, dass ich die dann einladen könnte. und wenn sie nicht kommen wollen, dass ich dann halt nicht nochmal extra zu denen fahre? Absolut richtig. Genau so. Okay. Genau so. Das ist das, was ich meine. Das ist ihr Anteil. Keine Extrawürste mehr. Ja. Dass du wieder die Verantwortung dafür übernimmst, den Familienfrieden herzustellen. Nein. Stell das Paket auf ihre Seite. Da haben sie sich zu benehmen. Punkt. Ja. Okay.

Ich glaube, das ist für dieses Gespräch das wichtigste Outcome, dass du wirklich sagst, das ist euer Teil der Verantwortung. Das hilft mir auch, jetzt nochmal so explizit zu hören, ich darf das. Weil da war ich mir immer so unsicher, bin ich jetzt total böse.

Das ist ja das, was deine Eltern dir immer ein Leben lang suggeriert haben. Und da ist es eben so schwierig, diese Gehirnwäsche, die du da ein Leben lang hattest, die wieder rauszukriegen. Natürlich darfst du das. Und ich glaube, wenn du jetzt hier rausgehst und dich mehr im Argumentieren übst oder auch deinen Freund oder Freundinnen fragst um Argumentationshilfen, desto standpunktsicher wirst du. Ja.

Trainier das mal. Trainier auch mal Auseinandersetzungen im Geiste. Also entweder indem du dir wirklich Zeit dafür nimmst oder bei so Routinetätigkeiten wie Autofahren oder so mal einen alten Konflikt durchgehst und dir überlegst, wie hätte ich da eigentlich gut durchargumentieren können. Das ist ein wahnsinniges Training. Dies durch argumentieren. Ruhig auch an alten Konfliktsituationen mal argumentieren üben. Damit du dir sicherer wirst. Und je sicherer du dir wirst, desto mehr kannst du dir erlauben, auch mal Wut an der richtigen Stelle zu entwickeln. Ja, das hört sich gut an. Ja, du siehst auch erleichtert aus. Das freut mich. Und für den Rest machst du mal noch ein bisschen Zeitlang Psychotherapie, um diese ganzen extremen Verstrickungen in deiner Familie sehr, sehr verstrickt mal in Ruhe aufzuarbeiten. Okay. Ja? Ja. Gut, dann danke ich dir für dieses wirklich sehr interessante Gespräch. Ich danke dir.

Ja, das war ein sehr interessantes Gespräch mit Laila. Ich glaube, da können sich viele identifizieren. Konflikte mit den eigenen Eltern, zwischen den Stühlen stehen zum aktuellen Beziehungspartner. Und Laila hat da ja schon ein sehr schweres Päckchen zu tragen. Und ich wünsche mir für sie, dass sie eben auch einen guten Psychotherapeuten oder eine gute Psychotherapeutin findet, um das wirklich in der Tiefe nochmal aufzulösen. Und ich denke aber, dass Sie jetzt mit einer etwas neu gewonnenen Standpunktsicherheit die ersten Schritte schon in die richtige Richtung gehen können. Ich drücke ihr auf jeden Fall die Daumen. Und dann bis zum nächsten Mal. Deine Steffi. Stahl aber herzlich, der Psychotherapie-Podcast mit Stefanie Stahl. Ein Podcast von RTL Plus, produziert von Auf die Ohren. Produktion Jonathan Rauhe, Redaktionelle Leitung an Groß.