Wegen des Irankriegs wird nicht nur Benzin teurer, auch die Düngemittelpreise schießen durch die Decke. Die Straße von Hormuz ist dicht. Einige der weltweit größten Düngeproduktionsanlagen in der Golfregion sind momentan geschlossen. Das ist fatal für die Landwirte, denn jetzt zur Aussaatzeit im Frühling können sie kaum auf Dünger verzichten. Darum geht's in dieser Folge des NTV-Podcasts Wieder was gelernt. Alle Folgen finden Sie auf sämtlichen Podcast-Plattformen und in der NTV-App. Abonnieren Sie unseren Podcast gern, dann bekommen Sie eine Nachricht, wenn eine neue Folge fertig ist. Ich bin Karoline Amme. Hallo und willkommen.
Der Iran hat die Straße von Hormuz mal eine Straße des Friedens genannt. Heute ist die Meerenge eher eine Straße des Krieges und eine Geisterstraße. Wegen des Irankriegs und der Blockade kommen dort aber praktisch keine Schiffe mehr durch. Normalerweise sind dort pro Tag im Durchschnitt bis zu 140 Schiffe unterwegs, aktuell sind es nur noch einige wenige. Durch die etwa 50 Kilometer breite Meerenge wird nicht nur Öl und Flüssiggas in die ganze Welt transportiert, sie ist auch die wichtigste Düngemittelhandelsroute der Welt. Durch sie wird rund ein Drittel der weltweiten Düngemittel transportiert. Die Golfregion ist mit einem Anteil von knapp 12 Prozent einer der größten Düngerexporteure der Welt. Der Grund? Stickstoffdünger wird aus Erdgas hergestellt. Und am Golf sind die Erdgasvorkommen günstig. Im Iran, in Katar, dem Oman, den Vereinigten Arabischen Emiraten, in Bahrain und in Saudi-Arabien sitzen große Düngemittelhersteller. Diese Lieferketten sind jetzt gestört, sagte Agrarexperte Jan Peters vom Fachmagazin Top Agrar. Das hat dazu geführt, dass der Handel sozusagen mit Ausbruch des Iran-Krieges alle Preisnennungen zurückgezogen hat und erstmal die Kriegssituation abwarten will. Also eine sehr unsichere Situation. Aber der Handel hat im letzten Jahr, also Ende 2025, schon große Menge Import-Düngemittel in den Häfen eingelagert.
Letztendlich ist aber die Versorgungssituation nicht groß.
Also Landhandel und Genossenschaften haben letztendlich für das Frühjahr nur diese Mengen an Stickstoff, an Phosphor und an Kalidüngemittel eingekauft, die sie gleichzeitig an die Landwirtschaft verkaufen konnten. Und jetzt, das sind etwa 50 Prozent. Und die Importmengen, die in den Häfen liegen, die sind also auch schon ziemlich aufgebraucht. Der Zeitpunkt könnte nicht schlechter sein. Jetzt im März geht's für die Landwirte wieder auf die Felder. Sie pflügen und düngen ihre Äcker und beginnen mit der Frühjahrsaussaat. Genau jetzt brauchen sie also viel Dünger. Wer jetzt nicht düngt, verliert Ertrag. Landwirtinnen und Landwirte düngen mit organischem und mineralischem Dünger. Organische Dünger bestehen aus pflanzlichen Stoffen wie Gülle, Mist und Kompost.
Die wichtigsten Mineraldüngemittel sind Stickstoff, Phosphat, Kalium und Kalkdünger. Wer diesen Kunstdünger schon früh bestellt hat, ist im Vorteil. Wie Gemüsebauer Herbert Jung aus Hessen. Er hat 60 Prozent seines Jahresbedarfs schon im Herbst eingekauft. Die anderen 40 Prozent sind mir gerade bei, die zu adern. Natürlich mit Preisen, die schon sehr horrend sind und die Situation für den Betrieb durchaus sehr, sehr schwierig gestalten. Landwirte, die jetzt erst ihren Dünger kaufen, zahlen viel mehr dafür oder bekommen gar nichts mehr. Dünger war schon vor dem Iran-Krieg teuer. Aber seit Kriegsbeginn explodieren die Preise, hat Bauernpräsident Joachim Ruckwied nach Kriegsausbruch vor rund zwei Wochen bei NTV gesagt. Wir haben gerade mit der Frühjahrsaussage begonnen. Die Pflegemaßnahmen stehen an.
Und uns trifft die Preiserhöhung insbesondere beim Diesel stark und bei Stickstoffdüngern. Bei Stickstoffdüngern sind die Preise in den letzten zehn Tagen um rund 30 Prozent gestiegen und das ist eine große Belastung für uns. Sollte sich diese Situation lang fortsetzen, also auch in ein, zwei Jahren noch so Bestand haben, dann ist das Risiko, dass mehr Höfe aufgeben müssen, sehr groß. Der Stickstoffdünger, der am weitesten verbreitet ist, ist Harnstoff. Für diese kleinen Kügelchen braucht man Erdgas. Daraus wird Ammoniak und zusammen mit Stickstoff aus der Luft, Kohlendioxid, wird der Dünger hergestellt. Für dieses Verfahren hat der deutsche Chemiker Fritz Haber 1918 den Nobelpreis für Chemie bekommen. Seine Erfindung hat die Ernährung der Menschheit gerettet. Damals hatten die Bauern wegen der britischen Seeblockade nicht mehr genügend natürliche Dünger für ihre Felder. Heute kostet der Stickstoffdünger Harnstoff im Mittleren Osten fast 70 Prozent mehr als noch Mitte Februar, rund 650 US-Dollar pro Tonne.
Der Gaspreis steigt und mit ihm auch der Düngerpreis. Die Schiffe müssen Umwege fahren, das treibt auch die Transportkosten nach oben. Die meisten Düngemittelfabriken sind dort, wo Gas günstig ist, unter anderem am Persischen Golf. Dort gibt es einige der weltweit günstigsten Erdgasvorkommen, erklärt Alexis Meckwe von Bloomberg im Bloomberg-Podcast Ort Lotz.
Stickstoffdüngerwerke liegen oft in der Nähe von Erdgasfeldern. Erdgas muss für den Transport auf sehr niedrige Temperaturen gekühlt werden. Und der Transport ist auch sehr teuer. Harnstoff ist ein Granulat. Man kann es als Massengut transportieren. Das ist viel günstiger und man erreicht damit schnell viele Menschen weltweit. Die meisten Anlagen befinden sich aber an Standorten mit kostengünstigem Gas. Daher findet man diese Anlagen vor allem in Ländern wie Russland, dem Nahen Osten, den Vereinigten Staaten und in China. Die Länder der Golfregion haben in den vergangenen Jahrzehnten viel investiert in die Produktion für Ammoniak und Harnstoff. Die sind für den Export gedacht. Der Dünger wird durch die Straße von Hormuz transportiert, auch das Flüssigerdgas und andere Vorprodukte wie Ammoniak oder Schwefel. Und gerade die blockiert der Iran aktuell.
Außerdem hat der Krieg Düngemittelwerke im Nahen Osten stillgelegt. Viele Anlagen haben vorsorglich zugemacht. In Indien, einem der wichtigsten Abnehmer, mussten mehrere Anlagen ihre Produktion drosseln. Bangladesch hat vier seiner fünf Düngemittelfabriken geschlossen. Das ist fatal für die weltweite Lebensmittelversorgung. Wenn die Bauern nicht düngen können, kann das Millionen Tonnen weniger Ernte bedeuten. Das ist besonders ein Problem für Pflanzen wie Mais, die viel Stickstoff brauchen.
Etwa die Hälfte der weltweiten Nahrungsmittel wird mit Düngemitteln angebaut. Eine monatelange Blockade hätte spürbare Folgen für die Verbraucherpreise, sagt Henrik Malko vom Kiel-Institut für Weltwirtschaft in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Außenminister Johann Wadephul sorgt sich deshalb um die globale Ernährung. Die Straße von Hormuz muss so schnell wie möglich wieder passierbar sein. Dieser Krieg muss bald ein Ende finden. Über den persischen Golf werden nicht nur Öl und Gas, sondern auch weltweit benötigte Düngemittel exportiert. Stocken diese Transporte hat das verheerende Auswirkungen auf die Nahrungsmittelsicherheit weltweit. Schon jetzt warnen die Vereinten Nationen, dass Missernten, Hungersnöte und Nahrungsmittelknappheit drohen, wenn Düngemittellieferungen aus den Golfstaaten dauerhaft ausbleiben würden. Können die Golfstaaten als einer der größten Exporteure ersetzt werden? Immerhin gibt es ja noch andere große Produzenten, die USA, Kanada, China, Marokko und Russland. Russland hat vergangenes Jahr trotz des Ukraine-Kriegs noch viele europäische Bauern mit billigem Dünger versorgt. Seit diesem Jahr gelten in der EU aber höhere Zölle auf russische und belarussische Düngemittelimporte.
Außerdem produziert Russland weniger Dünger, weil die Ukraine große russische Düngerwerke angegriffen und beschädigt hat. China behält seinen Dünger lieber selbst, um die eigene Ernährungssicherheit und niedrige Inlandspreise zu garantieren.
In Europa selbst ist die Produktion heruntergefahren worden, weil Russland als billiger Gaslieferant weggefallen ist. Wir haben nicht viel storage, zu verändern, was wir in den Middle East verlieren. In den Middle East, wenn wir die Länder, die in den Persian-Gulfen sind, über 45% der Welt's tradable Urea-Cup Wir haben keine nennenswerten Lagerbestände, um die Verluste im Nahen Osten auszugleichen. Etwa 45 Prozent des weltweiten Handelsvolumens stammen aus dem Nahen Osten. Etwa 20 Prozent der Ammoniaklieferungen kommen ebenfalls aus dieser Region. Zum jetzigen Zeitpunkt gibt es keine wirklich gute Alternative. Man könnte versuchen, Material aus Russland zu beschaffen. Aber ein Großteil des Westens hat Sanktionen gegen Russland und seine Düngemittelprodukte verhängt. China hat derzeit ein Exportverbot für seine Düngemittel verhängt, um die heimische Industrie und die Landwirte zu schützen. So bleiben einem dann nur noch Ägypten oder die Vereinigten Staaten.
Die Bauern haben in dieser Krise mitten in der Aussaatzeit gerade nur wenige Möglichkeiten. Sie können weniger oder gar keinen Dünger ausbringen, sie können auf organischen Dünger umsteigen oder sie bauen Pflanzen an, die weniger Stickstoff brauchen, zum Beispiel statt Mais Sojabohnen. Erbsen oder Linsen könnten Stickstoff aus der Luft binden und den Boden für die kommenden Früchte anreichern, sagt Henrik Malko im NDR. Einige europäische Bauern haben sich schon für andere Kulturen entschieden. In Italien, Polen, Frankreich und Spanien bauen sie dieses Frühjahr weniger Mais an. Selbst wenn der Iran-Krieg vorbei ist, braucht es einige Zeit, bis die Preise wieder fallen, sagt Agrarexperte Jan Peters. Vier Wochen, bis sich die Märkte wieder normalisieren und Dünger wieder günstiger wird. Ein Ende der Blockade der Straße von Hormuz ist gerade aber nicht in Sicht. Ein britischer Düngemittelimporteur warnt in einem Bericht von Agrar heute, dass Europa schon bald keinen Stickstoffdünger mehr haben wird, und zwar im Frühjahr 2027. Weniger drastisch sieht das der Industrieverband Agrar. Der Krieg habe zwar Auswirkungen auf die Preise, aber von Preisspitzen wie nach Russlands Überfall auf die Ukraine vor vier Jahren sei der Markt noch weit entfernt. Das war der NTV-Podcast Wieder was gelernt über die steigenden Düngerpreise durch den Iran-Krieg. Wenn Ihnen die Folge gefallen hat, lassen Sie uns gern bei Spotify oder Apple Podcasts 5 Sterne da. Ich bin Caroline Amme, bedanke mich fürs Zuhören, bis zum nächsten Mal.