8 Punkte für einen verwundeten russischen Soldaten, 25 Punkte für einen getöteten Drohnenpiloten, 120 Punkte Jackpot für einen lebenden russischen Soldaten, den die Ukraine dann für einen Gefangenenaustausch nutzen kann. Kiews Drohneneinheiten bekommen Punkte, je mehr russische Soldaten sie ausschalten und je mehr Kriegsgerät sie zerstören. Die Ukraine will damit die Kriegskosten für den Kreml in die Höhe treiben. Wie erfolgreich ist das Bonuspunkte-System? Die Einzelheiten dazu gibt es jetzt in dieser Folge von Wieder was gelernt, dem Podcast von NTV. Ich bin Kevin Schulte, sage Danke fürs Zuhören. Abonnieren Sie den Podcast gerne und hinterlassen Sie dann fünf Sterne bei Spotify, bei Apple. Vielen Dank dafür und jetzt geht's rein in die neue Folge.
Anfang dieses Jahres gibt Volodymyr Zelensky ein ambitioniertes Ziel aus. Pro Monat soll das ukrainische Militär dauerhaft 50.000 russische Soldaten ausschalten, so der ukrainische Präsident.
Aufgabe seiner Armee sei es, die gegnerischen Truppen so stark zu dezimieren, dass die russischen Verluste höher sind als das Auffüllvolumen, das sie monatlich in die Truppen schicken können. Die Ukraine will also im Klartext mehr Russen töten, als Putin neu an die Front schickt. Das ist eine realistische Aufgabe, meinte Zelensky Ende Januar. Wie er auf diese Zahl kommt, erklärt Oberst Markus Reisner vom österreichischen Bundesheer im Interview mit NTV.de. Ja, sehen wir uns ganz kurz die Zahl an, woher sie kommt. 50.000 Mann, das ist das Ziel, das sich die Ukraine gesetzt hat, pro Monat an russischen Soldaten zu töten, um diesen Kreislauf zu durchbrechen des Abnutzungskrieges. Warum Kreislauf des Abnutzungskrieges? Weil die russische Föderation zwischen 35.000 und 40.000 Mann pro Monat zuführt an frischen Soldaten für die Front. Und die Ukraine hat also daher ausgegeben, dass sie quasi mehr töten muss, damit also diese Zahl entsprechend nicht mehr aufgefüllt werden kann. Damit das klappt, setzt das ukrainische Militär vor allem auf Drohnen und hat damit Erfolg. Im Dezember seien erstmals mehr russische Soldaten ausgeschaltet worden, als neu an die Front geschickt wurden, hat der Kommandeur der ukrainischen Drohnenstreitkräfte Robert Bovdi Mitte März im Interview mit dem Economist gesagt. Demnach haben ukrainische Drohnen seit Beginn des Winters rund 8.800 Soldaten mehr getötet oder außer Gefecht gesetzt, als Russland ersetzen konnte.
Mitte Januar hatten Kiews Truppen zum ersten Mal die Marke von 50.000 außer Gefecht gesetzten russischen Soldaten gerissen. Die Ukraine hatte zu dem Zeitpunkt erstmals im 30-Tage-Durchschnitt pro Tag rund 1.650 tote russische Soldaten gezählt. Danach sank der Wert aber wieder deutlich. Auch wenn westliche Einschätzungen den Zahlen aus Kiew oft nahe kommen, empfiehlt Markus Reißner, bei den Truppenverlusten eher vorsichtig zu sein. Ja, da bin ich immer bei dem Punkt, den ich immer betone. Man muss die Ergebnisse messen können. Und messen kann man sie natürlich immer erst nach einer gewissen Zeit. Das heißt, man müsste jetzt quasi abwarten. Wir haben also jetzt den Beginn der Frühjahrsoffensive. Die Frühjahrsoffensive ist immer das Shaping für die Sommeroffensive, die spätestens dann, meistens beginnt, wenn das Laubdach sehr dicht ist. Und wenn wir jetzt quasi erkennen könnten, dass die Sommeroffensive bei weitem nicht so prominent ausfällt wie in den letzten Jahren, dann könnte das ein Ergebnis sein, bereits diese erhöhten Neutralisierungsraten durch eben dieses Army of Jones Bonussystem bezahlt macht. Aber dazu braucht es also noch mehrere Wochen und Monate, um das wirklich einschätzen zu können. Das Army of Drones Bonussystem ist ein Bonuspunktesystem für Drohnenpiloten. Das ukrainische Militär hat es vor etwa eineinhalb Jahren eingeführt und immer wieder angepasst. Für einen verwundeten russischen Soldaten bekommen die ukrainischen Piloten laut New York Times-Bericht 8 Punkte, für einen toten Soldaten 12 Punkte. Bei einem verwundeten russischen Drohnenpiloten gibt es 15 Punkte, wird er getötet 25.
Wer einen russischen Soldaten lebend schnappt, hat den Jackpot. 120 Punkte. Aber auch zerstörtes Kriegsgerät gibt Punkte, also zerstörte Panzer, zerstörte Hubschrauber. Die Frage, die man sich gestellt hat, 24, 25, war, wie man eben die Soldaten zusätzlich motivieren kann. Vor allem die Soldaten, die aufgrund des lang andauernden Krieges, was also die Moral betrifft, bereits schon sehr unter Druck stehen.
Und hier gab es eben die Idee dieses Punktesystems, also Army of Drones, Bonus genannt, so hat man das System genannt. Und die Soldaten verdienen sich quasi durch das Treffen und das Ausschalten von Militärgeräten oder durch das Natalizieren von Soldaten Punkte. Also zum Beispiel für ein mehrfacher Ergebniswerfer gibt es 50 Punkte, für einen Kampfpanzer, für einen zerstörter jetzt 40 Punkte. Diese Punkte kann man sammeln und für diese Punkte bekommt man dann auf einem Online-System Drohnen oder Material oder Ausrüstung. Und das ist natürlich motivierend, weil die Soldaten hier die Möglichkeit haben, sich gute Ausrüstung zu besorgen. Erfolgreiche Einheiten sammeln viele Punkte und werden dafür mit dem besten Kriegsgerät belohnt. Die ukrainischen Drohnenpiloten können ihre Punkte in einem Online-Shop gegen neue Waffen eintauschen. Zur Auswahl stehen über 100 verschiedene Drohnen, autonome Fahrzeuge, Roboter und anderes Kriegsgerät. Insgesamt über 1500 verschiedene Produkte. Das Bonuspunkte-System soll die Drohneneinheiten nicht nur motivieren, sondern auch eine Kettenreaktion auslösen. Je mehr Infanteristen man tötet, desto mehr Drohnen bekommt man, um noch mehr Infanteristen zu töten. Das wird zu einer Art sich selbst verstärkendem Kreislauf, hat der stellvertretende Ministerpräsident der Ukraine Mikhailo Fedorov dem Guardian erklärt.
Und das lässt sich auch in Zahlen messen. Die gesamten Drohnentruppen seien für über ein Drittel aller toten russischen Soldaten im Krieg verantwortlich, sagt Robert Bovdi. Andere Kommandeure behaupten sogar, dass Drohnen mittlerweile bis zu 70 Prozent aller russischen Todesfälle und Verletzungen ausmachen. Dabei sind nur zwei Prozent des ukrainischen Militärs in den Drohneneinheiten aktiv, heißt konkret nur jeder 50. Militärangehörige gehört dazu. Das Bonuspunktesystem hat aber nicht unbedingt nur positive Effekte. Der BBC hat mehrere Drohnenpiloten befragt. Einige fühlen sich dadurch tatsächlich noch mal extra motiviert. Andere wiederum kritisieren es fresse zu viel Zeit. Manche Einheiten seien zu sehr damit beschäftigt, sich gegenseitig Treffer zuzuschreiben. Und um an die begehrten Punkte zu kommen, schummeln die Drohneneinheiten, so wie es aussieht, auch schon das ein oder andere Mal. Es gibt auch Kritik, das muss man auch erwähnen. Es gibt also auch Berichte von ukrainischen Soldaten, die sagen...
Dass einige Einheiten sich nur mehr auf das konzentrieren, beziehungsweise auch bereits zerstörte oder beschädigte Panzer immer wieder angegriffen werden, um hier Punkte zu generieren. Ich denke, die Wahrheit wird in der Mitte liegen. Auf jeden Fall kann man sagen, dass das Bonussystem dazu geführt hat, dass die Drohneneinheiten, was ihre Ausfallsraten betrifft, auf russischer Seite enorm zugenommen haben. Und das sehen wir auch quasi aufgrund der Zunahme der Ausfälle auf russischer Seite, vor allem auch jetzt gerade am Beginn der jetzigen Frühjahrsoffensive, wo wir sehen, dass also auch dokumentiert durch viele Videos, die in den sozialen Netzwerken verfügbar sind, die Anzahl der getöteten Soldaten offensichtlich steigt. Gleichzeitig ist das Punktesystem auch ein wertvoller Datenlieferant. Die Drohneneinheiten müssen nämlich Videos ihrer Treffer ans Verteidigungsministerium nach Kiew schicken, um die Punkte dann auch zu bekommen. Dieses Material helfe der Ukraine, die Lage auf dem Schlachtfeld besser zu verstehen, hat Vizeministerpräsident Fedorov der BBC gesagt. So sehen wir, was effizient und was weniger effizient. ist. Auch Russland hat ein Einreizprogramm ins Leben gerufen. Allerdings gibt es kein Bonuspunkte-Modell nach ukrainischem Vorbild. Wer feindliches Gerät, Hubschrauber oder Panzer zerstört, bekommt Geld. Das ukrainische Militär ist vom Bonusprogramm jedenfalls so sehr überzeugt, dass sie es sogar ausweiten will. Auch Soldaten, die Aufklärungsarbeit leisten, logistische Operationen durchführen oder in Artillerieeinheiten kämpfen, sollen künftig mit Punkten belohnt werden.
Aufklärungssoldaten könnten zum Beispiel Punkte bekommen, wenn sie ein Ziel markieren, das später erfolgreich angegriffen wird. Bleibt die Ukraine mit ihren Drohnen-Einheiten weiter so erfolgreich, könnte Kreml-Chef Putin eines Tages feststellen, dass die Kosten für den Krieg zu hoch sind. Das ist jedenfalls die Hoffnung in Kiew. Allerdings lässt Russland seit Jahren jegliche Friedensbemühungen ins Leere laufen. Gut möglich also, dass Putin den Krieg bis zur völligen Erschöpfung und darüber hinaus fortsetzen wird. Egal, wie viele russische Soldaten noch von ukrainischen Drohnen getötet oder verletzt werden. Das war wieder was gelernt, der NTV-Podcast über die Drohnen-Einheiten des ukrainischen Militärs und das Bonuspunkte-System, das dabei helfen soll, möglichst viele russische Angreifer auszuschalten. Ich bin Kevin Schulte, sage Danke fürs Zuhören, Tschüss und auf Wiederhören, bis zum nächsten Mal.