Ermittler durchsuchen im Sommer das Berliner Zahnärzte-Versorgungswerk. Unter anderem wird gegen zwei der früheren Führungskräfte ermittelt. Jahrelang hat die Rentenkasse riskant investiert, unter anderem in Luxushotels. Über die Hälfte des Vermögens ist verloren. Die versicherten Zahnärzte müssen um ihre Rente zittern. Darum geht's in dieser Folge von Wieder was gelernt, dem NTV-Podcast. Abonnieren Sie den Podcast gern überall, wo es Podcasts gibt. Und wenn Sie wieder was gelernt unterstützen möchten, dann freuen wir uns über eine Bewertung von Ihnen bei Apple Podcasts oder bei Spotify. Ich bin Caroline Amme. Hallo und willkommen. So mitschreiben, die Rente ist sicher. Diesen legendären Satz hat der ehemalige Bundesarbeitsminister Norbert Blüm von der CDU 1997 im Bundestag gesagt. Ein Satz, der sich für die Zahnärztinnen und Zahnärzte in Berlin, Brandenburg und Bremen wie Hohn anhören muss. Denn ihre Rente ist nicht mehr sicher. Das Versorgungswerk der Zahnärztekammer Berlin, VZB, hat sie größtenteils verzockt. Es verwaltet die Altersvorsorgegelder der Zahnärzte. Was genau passiert ist und wer schuld ist, das wird aktuell ermittelt. Die Generalstaatsanwaltschaft hat im Sommer das Versorgungswerk durchsucht, hat das Handelsblatt Ende Juli berichtet. Demnach haben die Ermittler bei einem Gericht erreicht, dass sie etliche E-Mail-Postfächer des Versorgungswerks durchsuchen und auswerten dürfen. Die Generalstaatsanwaltschaft ermittelt laut dem Bericht gegen 18 Personen. Konkret geht es um ehemalige Mitarbeiter des VZB, unter anderem Mitglieder des Verwaltungs- und des Aufsichtsausschusses, einschließlich zweier ehemaliger Führungskräfte. Der Verdacht? Zusammengerechnet sollen sie eine hohe Millionensumme veruntreut haben, heißt es in dem Artikel. Sie sollen die Investments freigegeben oder nicht ausreichend geprüft und hinterfragt haben. Die Generalstaatsanwaltschaft hat dazu auf unsere Nachfrage nichts gesagt, weil die Ermittlungen noch laufen. Thomas Schiritz vom Zahnärzteversorgungswerk hat uns gesagt, die Generalstaatsanwaltschaft ermittelt schon seit Anfang 2025 in dem Fall. Er ist der aktuelle Vorsitzende des Verwaltungsausschusses beim VZB. Grundsätzlich ist die Staatsanwaltschaft bzw. Generalstaatsanwaltschaft von Berlin schon seit Auftreten der Fragenkataloge von Herrn Plutke aktiv und hat das beobachtet. Und ab Juni 2025, also letzten Jahres, nachdem wir die erste umfassende Strafanzeige eingereicht haben, ermittelt die Staatsanwaltschaft auch in der Angelegenheit. Aber wichtig ist für uns, dass das VOCB grundsätzlich die umfassende Aufklärung der Vorgänge vermittelt. Und die strafrechtliche Aufarbeitung rund um diesen Finanz- und mutmaßlich auch Korruptionsskandal begrüßt. Der Verdacht, dass etwas nicht stimmt, kommt dem Versorgungswerk schon im Januar 2025. Es schaltet mehrere Kanzleien ein, um die Vorgänge zu prüfen. Außerdem erstattet das VZB laut Berliner Zeitung Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft. Im Februar gibt es eine Vertreterversammlung. Dort erfahren zum ersten Mal auch die Mitglieder von der Sache. Sechs Monate später, im August 2025, ermittelt die Berliner Generalstaatsanwaltschaft wegen Verdacht auf Korruption gegen ehemalige Gremienmitglieder des VZB, so die Berliner Morgenpost. Die Krise beim VZB hatte aber schon viel früher angefangen. Der Kipppunkt war eigentlich tatsächlich circa zehn Jahre vorher, also circa 2015, als die Anlagestrategie des Versorgungswerks komplett neu strukturiert wurde und in Richtung Wagniskapitalgebung sich entwickelt hat. Und darauf beruhen dann letztlich die Verluste, die wir jetzt zu beklagen haben. Die sind nicht in 2024 oder 2023 entstanden, sondern die sind schrittweise mit der Zeit. Haben die sich entwickelt und man hat ein anlagenkonformes Portfolio in ein nichtanlagenverordnungskonformes Portfolio umgewandelt über die Zeit. Also man muss sich das so vorstellen, man hat quasi Aktienfonds genommen, die Liquidität daraus entnommen und in Richtung Verwaltung. Weniger Einzelunternehmensbeteiligungen umzuschichten. Und das ist evident und offensichtlich nicht konform mit der Anlagenverordnung, denen Versorgungswerke unterlegen sind. Die Änderung der Anlagestrategie, die ging maßgeblich auf die beiden führenden Personen im Versorgungswerk zurück. Das war damals der Dr. Rellermeyer, mein Vorgänger im Amt, und der damalige langjährige Direktor Ralf Woltmann. Ingo Rellermeyer war von 2013 bis 2025 Vorsitzender des Verwaltungsausschusses im Versorgungswerk. Kurz nach Bekanntwerden der Fehlinvestitionen wurde er von der Vertreterversammlung abgewählt. Das war im April 2025. Dagegen hat Rellermeyer geklagt. Vor dem Verwaltungsgericht ist er aber gescheitert. Dieses Jahr im Mai hat dann das VZB beim Landgericht Berlin geklagt. Sie fordert, die Schadenersatzpflicht von zwölf Parteien festzustellen, dem Land Berlin als Aufsichtsbehörde, einem Wirtschaftsprüfer, der Deutschen Apotheker- und Ärztebank und früheren Organ- und Gremienmitgliedern wie Ingo Rellameier. Der Vorwurf, sie sollen ihre jeweiligen Pflichten grob verletzt haben. Ralf Wultmann war Direktor des Versorgungswerks 25 Jahre lang, von 2000 bis 2025. Das VZB hatte ihn Anfang 2025 freigestellt und später entlassen. Dagegen hat Woltmann geklagt, aber vor Gericht verloren. Nur in einem Punkt hat ihm das Berliner Arbeitsgericht Recht gegeben. Das VZB hätte die vertragliche Kündigungsfrist von einem Jahr einhalten müssen. Das Versorgungswerk wiederum hat auch Wohltmann im April auf 50 Millionen Euro Schadensersatz verklagt. Jahrelang hatte das VZB große Summen in riskante Beteiligungen investiert, wie Luxushotels oder Start-ups. Das alles hat zu massiven Verlusten geführt. Die haben sich inzwischen summiert auf deutlich über die Hälfte des ehemaligen Vermögens von 2,2 Milliarden Euro. 1,3 Milliarden Euro sind zum Stichtag 31. Dezember 2024 verloren, sagt Thomas Schieritz. Ingo Rellermeiers Anwalt teilte dem Handelsblatt mit. Die Stellung als Vorsitzender eines mehrgliedrigen Verwaltungsausschusses begründe für Rellermeier weder eine alleinige Entscheidungskompetenz noch eine persönliche strafrechtliche Verantwortlichkeit für sämtliche Investitionen und deren spätere Wertentwicklung. Die bisherigen Untersuchungen zeigen aus Sicht des Versorgungswerks, dass ein erheblicher Teil der Kapitalanlagen mit übergroßen Risiken verbunden war und meist nicht im Einklang mit den geltenden internen Anlagerichtlinien, und den gesetzlichen Vorgaben stand. Konkret wurde sehr stark in eine illiquide Anlageklasse von Spezialimmobilien investiert, nämlich Luxushotels. Das VZB verfolgt daher den Ansatz, mögliche interne. Und externe Verantwortlichkeiten umfassend aufzuklären und als Treuhänder des Vermögens der Berliner Brandenburger und Bremer Zahnärzteschaft etwaige Schadensersatzansprüche durchzusetzen. Dies ist im Übrigen die einzig relevante Möglichkeit, in Zukunft auch nur annähernd zur Erholung des Vermögens unserer Mitglieder beizutragen. Einige der Unternehmen, in die das Versorgungswerk investiert hat, sind heute pleite. Dazu gehören ein Zuchtbetrieb für Gourmet-Garnelen, ein Versicherungs-Start-up und ein Luxushotelinvestor, die 1218 Investment Management. Der gehört zur 1218-Gruppe. Über diese Gruppe hat das VZB in den vergangenen Jahren in Luxushotels in Deutschland und Europa investiert. In Mecklenburg-Vorpommern, auf Sylt, Ibiza, Teneriffa, Sardinien und in Schottland, berichtet der Tagesspiegel. Spiegel. Demnach hat das Versorgungswerk seit 2015 rund 200 Millionen Euro in die 1218-Gruppe gesteckt. Erst in Form von Darlehen, ab 2018 auch über eine Direktbeteiligung. Obwohl es der Gruppe nicht gut ging. Damit ist das Versorgungswerk nicht nur Geldgeber, sondern auch direkt am Unternehmen beteiligt. Es hält rund 60 Prozent der Geschäftsanteile an der 1218 Investmentmanagement. Im August hat der Luxushotelinvestor Insolvenz beantragt. Das VZB könnte dadurch noch mehr Geld verlieren. Das Insolvenzverfahren wurde ja für die Eigenverwaltung beantragt. Aus VZB-Sicht halten wir das für einen schwierigen Weg, um die Vermögensinteressen zu sichern. Deswegen legen wir da unsere Rechtsmittel ein, um da ein für das Versorgungswerk gangbarer und für das Versorgungswerk, einen zielführenderen Weg zu finden. Das liegt ja jetzt beim Insolvenzgericht in Düsseldorf. Und dort machen wir unsere Ansprüche geltend. Für die Zahnärztinnen und Zahnärzte in Berlin-Brandenburg und Bremen sieht es düster aus. Insgesamt rund 11.000 sind im Versorgungswerk. Trotz der Milliardenverluste müssen sie weiter ihre Beiträge zahlen. Das hat das Verwaltungsgericht Berlin entschieden. Eine Zahnärztin hatte sich gegen ihren Beitragsbescheid für dieses Jahr gewehrt. Wegen der mutmaßlich pflichtwidrigen Anlagepolitik des Versorgungswerks könne von den Mitgliedern nicht verlangt werden, weiterhin Beiträge zu zahlen, so ihre Argumentation. Die Richter sahen das anders. Die Beiträge zu einem berufsständischen Versorgungswerk seien öffentlich-rechtliche Abgaben und deshalb weiterhin zu zahlen. Thomas Schieritz sagt, an der Beitragshöhe könne das Versorgungswerk nicht schrauben. Das liege daran, dass die Bundesregierung die Beitragsbemessungsgrenze jedes Jahr anpasst. Die Beiträge im Versorgungswerk sind daran gekoppelt und steigen dadurch automatisch. Was die künftige Rente der Mitglieder angeht, hat er eine düstere Prognose. Grundsätzlich sind die Auswirkungen der Vermögensverluste auf die Rentenleistung. Und die Anwartschaften der Mitglieder noch nicht final bewertet. Diese Bewertung muss im Rahmen einer Sanierungsstrategie erfolgen und nach derzeitigem Kenntnisstand sind leider schmerzhafte Einschnitte bei den Leistungen nicht vermeidbar. Ein solcher Vorgang ist bislang einmalig in der Geschichte der deutschen Versorgungswerke. Dieser Sachverhalt verlangt von uns höchste Sorgfalt und verfassungsrechtliche Absicherung. Ein in Erarbeitung befindliches versicherungsmathematisches Gutachten bildet dafür die rechnerische Grundlage. Unsere Aufgabe ist nun mittelfristig, eine ausgewogene Lösung für alle Generationen zu finden, damit die Lastenverteilung für zukünftige Beitragszahler ebenso wie für rentennahe Jahrgänge und heutige Rentner tragfähig bleibt. Die neue Führung des Zahnärzte-Versorgungswerks will die Fehlentscheidungen konsequent aufklären und sich die verlorenen Milliarden zurückholen. Bis das Schadensersatzverfahren durch ist, dauert es aber noch. Thomas Schiritz rechnet mit einer Verfahrensdauer von acht bis zehn Jahren. Möglicherweise geht der Fall bis zum Bundesgerichtshof. Das war der NTV-Podcast. Wieder was gelernt. Alle Folgen finden Sie auf sämtlichen Podcast-Plattformen und in der NTV-App. Falls Sie das noch nicht getan haben, abonnieren Sie uns gern, dann bekommen Sie eine Nachricht, wenn es eine neue Folge gibt. Ich bin Karoline Amme. Vielen Dank fürs Zuhören und bis zum nächsten Mal.