Hallo und herzlich willkommen zu Das gewünschteste Wunschkind, der Podcast mit Daniel Graf und Katja Seide. Wir sprechen heute über etwas, das unseren Alltag überhaupt erst möglich macht und trotzdem ganz oft unsichtbar bleibt, nämlich Care-Arbeit. Damit meinen wir nicht nur das direkte Versorgen von Kindern, sondern auch das Organisieren, das Planen, das emotionale Auffangen und Kümmern um Angehörige. Dazu haben wir Franzi Helms eingeladen. Franzi ist systemische Coachin, Trainerin und Expertin für Equal Care und Mental Load. Und als zweifache Mama und Co-Gründerin der Liga für unbezahlte Arbeit setzt sie sich auch dafür ein, dass Fürsorge endlich die Anerkennung und den Schutz bekommen, den Familien brauchen. Mit ihr sprechen wir darüber, warum Care-Arbeit noch so oft abgewertet wird Und warum Sätze wie, das machst du doch aus Liebe, nicht nur falsch, sondern politisch hochproblematisch sind. Es soll außerdem um Equal Care und über mentale und strukturelle Lasten gehen. Und wir klären auch, warum Eltern sich nicht mehr alles individuell aufbürden können und warum wir gesellschaftlich ganz neue Lösungen brauchen. Und wir tauchen ein in die Motivation von Franzi, warum sie gemeinsam mit Joe Lücke, die Liga für unbezahlte Arbeit, Deutschlands erste Care-Werkschaft gegründet hat, wie aus persönlicher Wut politische Kraft wurde und wie Eltern auch aktivistisch werden können, ohne dafür Energie übrig haben zu müssen. Ich bin super gespannt. Herzlich willkommen, Franzi. Ja, schön da zu sein. Danke für die Einladung. Sehr gerne. Franzi, ich habe es eben schon gesagt, der Satz, du machst das doch aus Liebe, ist problematisch und der triggert dich auch sehr. Warum eigentlich? Und was macht diesen Satz politisch? Ja. Ja, das Problem oder das, was ich daran problematisch sehe, ist, dass es so viel verschleiert. Wenn wir alles so aus Liebe tun, diese Care-Arbeit, die Fürsorge, die wir tagtäglich leisten, dann wird damit so ganz viel verschleiert. Das ist ja auch so ein Totschlagargument. Da kann ich ja gar nicht gegen halten. Da habe ich ja gar keine Möglichkeit, mir irgendwie in ein Gespräch oder in eine Argumentation einzusteigen. Das heißt, es verschleiert zum einen, wenn ich einfach sagen möchte, so als Mutter, ich bin erschöpft, ich bin kaputt, ich darf das nicht als anstrengend empfinden, weil ich tue das ja aus Liebe, aus Hingabe. Und auf der anderen Seite darf es dann auch nicht abgesichert werden. Also es hat auch was dann mit Bezahlung zu tun, dass wir uns das schwer tun, können wir das jetzt monetarisieren oder nicht? Wie können wir das am besten absichern? Das heißt, da steckt ganz, ganz viel Verschleierung drin und wir dürfen uns da nicht darüber beschweren. Und das hat halt dieses sehr verinnerlichte gesellschaftliche Narrativ, mit dem wir da noch viel arbeiten. Also die Care-Arbeit ist historisch der Frau zugeordnet und hat halt auch sehr viel Abwertung einfach erfahren. Und dadurch ist diese Care-Arbeit heute auch so viel romantisiert. Also ich glaube, viele wahrscheinlich auch von den Zuhörerinnen können sich da identifizieren, dass man irgendwie so sehr in diese Elternschaft reingeschlittert ist und sich das dann doch ein bisschen anders vorgestellt hat. Dass das auch ganz schön anstrengend ist und dass man sehr erschöpft ist. Und aber natürlich auch, dass das auch eine Benachteiligung mit sich führt. Und darüber müssen wir auch ganz klar sprechen und deshalb ist es politisch, weil alle, die in Deutschland Care-Arbeit leisten, die Fürsorgeverantwortung tragen, haben auch Nachteile in unserer Gesellschaft. Sei es jetzt vom Gehalt her, von der Rente, von der politischen Teilhabe, aber auch ganz klar von der verfügbaren Zeit, die wir haben. Und wann ist dir persönlich bewusst geworden, wie wenig Wertschätzung Care-Arbeit bekommt? Ja, ganz klassisch. Als ich Mutter geworden bin. Ich glaube, so geht das viel, dass wir das alle nicht so richtig gesehen haben. Das ist ja auch so ein transformativer Prozess Elternschaft. Also wir können uns das ja vorher gar nicht vorstellen. Das liegt ja gar nicht in unserem Vermögen, dass wir das überhaupt wissen, worauf wir uns da gerade einlassen. Und genau, ich bin Mutter geworden und habe einfach festgestellt, dass, ja, wie wir mit Eltern oder mit Müttern auch umgehen in Deutschland. Also auf einmal, ich hatte damals diesen Irrglauben mit meinem Mann, dass wir das Equal Care-mäßig machen, also dass wir uns die Elternzeit einfach 50-50 aufteilen. Ich gehe sieben Monate und er geht sieben Monate. Und ich hatte überhaupt nicht damit gerechnet, was uns dann so entgegenschwappte. Also jeder hatte natürlich was dazu zu sagen, ganz klar. Und also ich glaube, einer der heftigsten Sprüche, die ich so bekommen habe, war von einer Arbeitskollegin so, sie findet das total bewundernswert, wie ich das mache und toll. Also sie könnte das ja nicht. Sie liebt ja schließlich ihr Kind. Also wieder das Argument der Liebe. Also wie kann ich nach sieben Monaten wieder in die Erwerbstätigkeit gehen? Ich liebe doch mein Kind oder etwa nicht? Also das wird damit gleich im Zusammenhang gesetzt, obwohl einfach ich dem Vater an der Stelle auch einfach die Möglichkeit geben wollte, Zeit oder auch den Anspruch auf die Elternzeit zu bekommen. Und da war es halt einfach so, dass ich erfahren habe, wie sehr da einfach auch noch eine Bewertung liegt. Also unter was für einem gesellschaftlichen Druck wir stehen. Und das, obwohl ich nach sieben Monaten wieder in den Beruf zurückgegangen bin, stand ich irgendwie, bin ich so auf den Abstellgleis gestellt worden. Und musste aber auf der anderen Seite mir immer anhören, dass ich ja nie bei meiner Tochter bin. Also dass ich bei sämtlichen Babykursen und Kinderkrabbelkursen nicht mehr war. Und ja, wie viel Druck da auf der einen Seite auf Frauen liegt, aber auch allgemein darauf, weil durchaus mein Mann auch. Die Nachteile zu spüren bekommen hat. Und dass einfach unsere Gesellschaft sowieso allgemein diese Care-Arbeit überhaupt nicht wertschätzt. Also dass da gar kein, dass so eine Abwertung halt ständig erfährt. Also wir haben halt auch da dieses romantisierte Bild davon so gefühlt, dass wir alle in der Elternzeit mit einem Latte Macchiato in unserem Café sitzen und die Kinder so entspannt auf dem Schoß sitzen oder sie schlafen. Also dieses ganze Thema Schlafen wurde ja auch irgendwie anscheinend uns allen falsch erzählt, dass die Kinder dann doch gar nicht so schlafen, wie man das möchte. Oder man wird dann ja immer wieder überrascht. Oder es gibt neue Phasen. Hat sich gerade wieder eingespielt und dann passiert was Neues. Und ich glaube, das ist so dieses, wie sehr man in einem ständigen Veränderungsprozess ist, immer wieder sich anpassen muss, aus der Komfortzone raus, ja auch in dieser Fremdbestimmung ist. Das ist einfach Wahnsinn, was da ja passiert. Absolut. Kannst du kurz erklären, was zur Care-Arbeit eigentlich alles dazugehört. Ich habe ja schon gesagt, das ist ja nicht nur das Versorgen der Kinder. Ne, genau. Also die Care-Arbeit beinhaltet halt das ganze Kümmern und Sorgen um andere Menschen. Das sind auch nicht nur Kinder, sondern das können natürlich auch Alte sein, aber das können auch einfach Freundschaften sein. Mit unseren Mitmenschen sich kümmern, sich Sorgen machen, füreinander da sein. Da ist halt nicht nur die Kinderbetreuung mit gemeint, sondern auch die ganze Beziehungspflege, die wir so tagtäglich ja auch betreiben. Bei den Kindern natürlich auch noch die Erziehung, aber natürlich auch sowas wie die Hausarbeit. Und natürlich auch, das ist ja ein riesiger, ja mittlerweile auch so ein riesiges Buzzword, ist natürlich Mental Load. Also alles, was wir so mental an Gedankenarbeit noch dazu beitragen. Und natürlich auch relativ neu dieses Emotional Load, also diese ganze emotionale Begleitung, die es ja auch braucht und die wir alle miteinander brauchen. Und klar brauchen wir die vielleicht bei Kindern, wenn wir bei Wutanfällen sind oder Regulationen halt, brauchen wir die auch sehr stark. Aber wir brauchen die auch im Mitmenschlichen, bei allen Freundschaften, bei unseren Eltern, im Freundeskreis, aber auch durchaus im Kollegenkreis. Also auch im Beruflichen haben wir ganz viel Beziehungspflege, die wir da ständig leisten. Und das alles ist Care-Arbeit. Und dann haben wir natürlich auch noch den bezahlten Sektor, ganz klar. Die ganzen Pflegeberufe und Erziehungsberufe sind natürlich dann die bezahlte Care-Arbeit. Aber genau, ich heute hier spreche über die unbezahlte Care-Arbeit, die wir im Privaten leisten. Okay, und warum erfährt diese Arbeit denn so wenig Anerkennung? Und welche Folgen hat das für Familien? Ja, also das Hauptproblem ist, dass halt, wie gesagt, die Care-Arbeit halt historisch gewachsen, halt zu der Frau gehörte oder auch ja leider immer noch gehört. Das heißt, da ist einfach so eine gesellschaftliche Abwertung, so nach dem Motto, naja, ein bisschen Kinder, das bisschen Haushalt macht sich von alleine, gibt es ja auch dieses schöne Lied dazu. Also wir haben halt einfach das Gefühl, das kann so ein bisschen jeder, das kann man so ein bisschen auch nebenbei halt machen. Und das, was das riesige Problem daran halt ist, dass es halt im Privaten nicht bezahlt wird. Und obwohl es so ist, dass wir 117 Milliarden Stunden jährlich leisten an unbezahlter Care-Arbeit. Also das ist doppelt so viel wie Erwerbstätigkeitsstunden, die wir leisten in Deutschland. Also das ist ein total Batzen. Es gibt dazu auch Studien, wie man das halt dann monetarisieren könnte. Und dann wären wir bei 1,2 Billionen Euro, über die wir reden. Das ist ein Drittel des Bruttoinlandsproduktes. Also das ist einfach Wahnsinn, über was wir da natürlich auch sprechen, was geleistet wird und was einfach auch keine Beachtung erfährt, weil das ist ein ganz klares Problem. Wir individualisieren halt diese Care-Arbeit und dadurch passieren halt Menschen, die sich dafür entscheiden, zum Beispiel Kinder zu bekommen oder die Alten zu pflegen, haben dadurch halt persönliche Nachteile, also werden benachteiligt. Sei es jetzt nun, dass wir logischerweise weniger Zeit haben für Erwerbstätigkeit und wir wissen leider auch, dass das die Realität ist, dass wenn man weniger Teilzeit, also wenn man weniger Erwerbstätigkeit leisten kann. Dass das auch bedeutet, dass wir weniger Karrierechancen einfach leider noch haben. Dadurch haben wir natürlich auch ein Rentenproblem. Zurzeit ist es ja auch häufig zum Glück so, dass viel mehr über weibliche Altersarmut auch gesprochen wird, weil das einfach eine riesige Herausforderung unserer heutigen Zeit ist. Und dann haben wir natürlich aber auch das Problem der politischen Teilhabe. Also auch da ist es so, dass wir natürlich, wenn wir zurzeit haben wir auch, reden wir viel ja über die Frauenquote in der Politik. Aber wenn wir dann schauen, okay, wie viele der Frauen sind denn überhaupt Mütter und wie viele von diesen Müttern haben denn auch junge Kinder? Also dann wird die Quote doch sehr, sehr gering an der Stelle. Das heißt, wir haben überhaupt gar keine politische Lobby für uns Eltern oder auch für alle, die Fürsorgeverantwortung leisten. Und je mehr Merkmale so dazukommen, also wenn wir jetzt zum Beispiel noch dazu haben, Kinder, die einen erhöhten Pflegebedarf haben, dann wird es noch weniger, dass sich diese Menschen überhaupt Zeit haben, natürlich in der Pflegebedarf in der Politik zu engagieren oder auch woanders. Und wir haben einfach auch viel weniger Zeit natürlich für uns, weil wir einen sehr hohen Grad an Fremdbestimmung haben durch diese Fürsorgeverantwortung. Und die liegt vor allen Dingen bei Frauen. Das fand ich ganz spannend. Du hast mir erzählt, dass der Gender-Care-Gap weiterhin riesig ist. Also 43,4 Prozent mehr Zeit wenden Frauen täglich für unbezahlte Sorgearbeit auf als Männer. Warum ist das aus deiner Sicht so? Ja, also wir sehen das halt an diesen Statistiken. Es gibt so einen Spruch, ich weiß gar nicht mehr, wer ihn ursprünglich gesagt hat, aber ich zitiere ihn immer ganz gerne, ist, man geht als gleichberechtigtes Paar in den Kreißsaal rein und kommt als Familie der 60er Jahre raus. Also ich sage immer, es gibt so ein unsichtbares Band der Sozialisation anscheinend, was über dem Kreißsaal hängt. Weil wir schon, solange wir in den Zwanzigern sind, auch was natürlich die Ausbildung angeht, sind Frauen und Männer sehr gleich auf, was die Ausbildungsberufe angeht, die Studienabschlüsse. Und da ist auch zum Beispiel der Gender-Pay-Gap noch nicht so unterschiedlich. Und es ist halt nicht so erheblich, da wo es dann halt auseinandergeklafft ist, sobald das erste Kind geboren wird. Also da ist wirklich, da passiert irgendwas, genau, im Kreißsaal anscheinend, dass da uns da so diese unsere Prägungen, unsere Rollenbilder, die wir so noch sehr internalisiert haben, die da sehr schnell uns halt im Griff haben. Und dann habe ich das immer sehr häufig in meiner Selbstständigkeit, was ich viele Frauen habe, die sagen, ich weiß gar nicht, wie das passiert ist. Wie konnte das? Wir sind eigentlich total gleichberechtigt gestartet und auf einmal, wir wissen gar nicht, wo haben wir die falsche Ausfahrt genommen. Und das ist auf jeden Fall was, was anscheinend halt dann auch schon ein strukturelles Problem ist. Also bei all diesen Sachen ist es natürlich so, wenn wir merken, wir sind auf dem Spielplatz und da stehen zehn Frauen und da erzählen die gleiche Geschichte, da ist ein relativ gutes Indiz dafür, dass es kein individuelles Problem ist, sondern strukturelles und gesellschaftliches und dass wir halt über diese Rollenbilder, auch wenn wir vielleicht auch das gar nicht mehr hören können und sagen, ach komm, diese ganze Geschichte, da sind wir jetzt doch langsam schon drüber, Trotzdem scheint uns das weiterhin so sehr geprägt zu haben, dass es schwierig ist, da scheinen unsüchtbare Mechanismen im Hintergrund zu laufen. Und das ist eine Sache, da müssen wir sehr bewusst immer wieder gegensteuern, wenn wir sagen, nein, wir wollen das nicht. Und selbst dann ist es natürlich total schwierig, weil wir halt in dieser Gesellschaft leben. Also ich kann das auch aus persönlicher Erfahrung sagen, dass mein Mann und ich haben das ja mit Equal Care oder leben Equal Care und haben das mit der Elternzeit ja auch wirklich 50-50 aufgeteilt. Und trotzdem ist es so, und das haben wir bis heute, dass ich bin tendenziell gerne die Rabenmutter oder werde gerne so hingestellt. Das sagt natürlich keiner so ins Gesicht. Ja, man bemerkt es ja. Genau, die Bemerkungen sind schon klar. Und mein Mann ist immer der super engagierte Vater. Also wir hatten letztens wieder die Situation, da mussten wir eine Obstplatte mitbringen für den Kindergarten. Und wow, also das hat mein Mann gemacht, weil ich war auf Dienstreise, ich war unterwegs. Boah, das hat er geschafft. Nee, das hat er nicht nur geschafft. Also die Erzieherinnen haben wochenlang davon gesprochen, dass ein neuer Standard gelegt wurde. Ja, also da wurde wochenlang drüber gesprochen, dass das, also das hat er wirklich ganz toll gemacht. Da hat er Obst geschnitten. Also es war super. Das ist so absurd. Ja, total. Also das ist natürlich auch das Ding. Selbst wenn man versucht zu sagen, komm, wir machen das gleichberechtigt, ist natürlich unsere Gesellschaft. Und ich meine, das klingt immer so, ich finde, das klingt immer so ein bisschen abstrakt, unsere Gesellschaft. Aber das ist ja, das ist eine Arbeitskollegin, das ist die Bäckereifachverkäuferin. Das ist die Kollegin, das ist die Nachbarn. Die dann halt immer mal wieder so einen Spruch sagen. Und der kann halt dann auch so ein bisschen zwicken, immer mal wieder. Und da muss man das auch manchmal ein bisschen ertragen und es tut auch durchaus weh. Jetzt könnte man halt von außen denken, ja Gott, dann teilt es halt fairer auf. Aber warum ist aus deiner Sicht diese Sicht zu kurz? Genau, also ich denke, das, was daran zu kurz gedacht ist, ist, dass es immer wieder individualisiert wird. Also es ist ein strukturelles Problem, das Care-Arbeit, und ich glaube, das ist ein ganz wichtiger Punkt, wir müssen uns einigen in unserer Gesellschaft, dass Care-Arbeit das Fundament unserer Gesellschaft ist. Ohne Care-Arbeit funktioniert das nicht. Das ist das Fundament und wir vergessen das immer irgendwie wieder. Heute ist ja hier wieder schulfrei und wir vergessen das immer wieder. Wir hatten ja mal die Pandemie, die ist gar nicht so weit entfernt. Und da haben wir uns immer darauf geeinigt, dass Care-Arbeit, dass das System relevant ist. Und da war das schon, dass wir so einen Schritt eigentlich weiter waren und man dachte so, jetzt haben wir es verstanden, dass es wirklich auch wichtige Berufe gibt. Hier rede ich jetzt von der Bezahlung in Care-Arbeit, aber dass man dachte, okay, vielleicht schwappt das auch mal über. Und das hat mir schnell wieder vergessen, dass das unser Fundament ist. Wir können nur, wenn wir Care-Arbeit, wenn wir Fürsorge füreinander leisten, können wir nur leben. Das ist ein Problem, dass wir das immer wieder anscheinend vergessen und denken, das ist sowas, was einfach so gegeben ist. Und das ist aber eine gesellschaftliche Aufgabe, dass wir füreinander da sind. Und wir haben ganz viele strukturelle Probleme, die das so ein bisschen verschleiern und das Ganze individualisieren. Also wir individualisieren das im Sinne, dass wir jetzt sagen, okay, Eltern, ihr müsst das jetzt Equal Care aufteilen und das ist die Lösung. So, das heißt, was machen wir? Das sind strukturelle Probleme, die jetzt auf der individuellen Ebene geklärt werden sollen. So, dann wundert man sich, warum streiten sich jetzt auf einmal alle Paare? Weil das natürlich ganz schön was ist, was da gefordert wird. Und das ist nicht nur in der Paarbeziehung, sondern das haben wir natürlich auf sämtlichen Beziehungen. Also zum Beispiel die Kita hat im Winter ständig Notbetreuung, weil Fachkräftemangel, weil da zu wenig Wert drauf gelegt wurde, jahrelang, dass da die Qualität in der Kinderbetreuung und die Quantität, aber auch die Qualität in der Kinderbetreuung, an der gearbeitet werden muss. Und was passiert aber? Es ist nicht so, dass wir sagen, oh, das ist aber ein strukturelles Problem, sondern nein, die Eltern streiten sich jetzt mit der Kita-Leitung, warum denn jetzt schon wieder Notbetreuung ist. Das heißt, hier ist es auch so, dass wir einfach diese strukturellen Probleme nehmen und dann wieder individualisieren und dann uns auf der individuellen Ebene miteinander streiten. Ob das jetzt in der Partnerschaft ist, ob das mit der Kita-Leitung ist oder mit den Lehrkräften. Und ich glaube, das ist eine Sache, die wir allgemein halt dann reflektieren müssen und mal überlegen müssen, es sind strukturelle Probleme, die brauchen strukturelle Lösungen. Wir tun uns damit keinen Gefallen, wenn wir uns auf der individuellen Ebene die ganze Zeit da anfeinden und so einen Sündenbock suchen für die ganze Sache. Weil die Kita-Leitung kann da mit Sicherheit nichts für, dass sie da die ganze Zeit Notbetreuung hat. Und die hat da auch keinen Spaß dran. Und auf der anderen Seite kann man auch die Eltern verstehen, die einfach sagen, ich kann halt nicht schon wieder meinem Arbeitgeber, meiner Arbeitgeberin halt sagen, dass ich halt nicht arbeiten kann. Also das ist natürlich ein totaler Zwiespalt, der da halt passiert. Und das sind aber Sachen, die wie gesagt auf der strukturellen Ebene verändert werden müssen. Franzi, du hast ja die Liga für unbezahlte Arbeit mitgegründet. Was war denn der Moment, in dem du wusstest, wir brauchen unbedingt eine Interessensvertretung für Eltern und Fürsorgende? Der Moment war, dass ich immer unzufriedener wurde mit der politischen Situation, aber auch dem, dass man das Gefühl hat irgendwie, dass wir auch eher wieder so eine Rückwärtsrolle machen. Und dann war 2000, jetzt muss ich überlegen, wir haben jetzt ja mittlerweile 26, daran habe ich mich noch nicht ganz gewöhnt. Also es war ja Ende 24, dass ich so die Wahl in Amerika abzeichnete und dann zeichnete sich auch das in Deutschland ab, was hier so passierte mit Wiederwahl und dann war so, okay, wir müssen was machen. Also es war so ein bisschen, wir haben, Joe Lücke und ich kennen uns aus dem Gleichstellungsbereich, Ich habe da jahrelang ehrenamtlich miteinander gearbeitet und sie hatte relativ früh schon diese Idee, eigentlich brauchst du eine Gewerkschaft, eigentlich müssen wir diese Gewerkschaftslogik, genau sowas brauchen wir auch für Care-Arbeit. Und da haben wir schon länger drüber geredet und naja, wie das ist, Joe hat auch zwei Kinder, ich auch. Und dann war immer so, ja, wir reden darüber nochmal. Genau, und dann war halt, wie gesagt, dieser Herbst und Winter 24, 25, wo irgendwie so viel politisch los war und alle waren so unzufrieden und ich war so, okay, ich brauche ein Ventil. So, ich brauche ein Ventil. Ich weiß, wir sind alle kaputt. Das ist natürlich auch das Superschwierige, warum man ja auch gerade mit Eltern, aber auch nur pflegende Angehörigen, die haben halt keine Lobby, weil wir sind alle kaputt. Wer will da noch, in welchem Ehrenamt, wenn man da noch so von 21 bis 22 Uhr abends, wenn man völlig erschöpft ist, noch was möchte man da noch reißen? Oder kann man auch noch reißen? Und deshalb haben wir, dadurch, dass wir auch viel oder jahrelang schon ehrenamtlich da in dem Bereich gearbeitet haben, haben wir sehr darüber gesprochen, okay, wie kriegen wir das hin? Dass wir das auf gute Beine stellen, dass wir uns auch nicht selber ausbeuten. Und haben gesagt, okay, jetzt machen wir es, jetzt ziehen wir es durch, jetzt setzen wir uns zusammen und überlegen, wie kriegen wir das hin, dass wir das auf gute Beine stellen, dass das was ist, wo man sagt, da können sich viele mit einfach identifizieren. Weil ich glaube, das ist sehr der Wunsch gewesen, auch von vielen, dass auch das, was wir zurzeit erfahren, dass es hat eine Interessenvertretung für Fürsorgende, für Eltern, für Pflinge, Angehörige hat einfach gefehlt, die so gewerkschaftsähnlich aufgestellt ist. Und genau, das war so der Punkt, um einfach zu sagen, ich brauche jetzt ein Ventil. Um meiner Wut freien Lauf zu lassen oder sie halt irgendwie konstruktiv zu nutzen, weil ich sonst durchdrehe. Und so ist das entstanden, dass wir gesagt haben, jetzt setzen wir hin und jetzt machen wir einen Plan. Ihr fordert, dass familiäre Fürsorgeverantwortung als Diskriminierungsmerkmal ins Grundgesetz aufgenommen wird. Wie würde sich denn das praktisch auswirken? Genau, also wir fordern, dass familiäre Fürsorgeverantwortung genau in Artikel 3 Absatz 3 ins Grundgesetz verankert wird. Da stehen ganz viele andere Diskriminierungsmerkmale schon, so wie Herkunft oder aber auch Behinderung. Und da soll jetzt mit aufgenommen werden familiäre Fürsorgeverantwortung. Und das hätte halt die Wirkung, dass auf alle bestehenden und nachfolgenden Gesetze, die müssen jetzt geprüft werden, inwieweit Menschen mit Fürsorgeverantwortung benachteiligt werden. Also alle Gesetze müssen geprüft werden dahingehend. Und das hätte natürlich ganz, ganz konkrete Auswirkungen, weil natürlich das Grundgesetz ist unser höchstes Gesetz. Das heißt, es hätte wirklich auf alle nachfolgenden Gesetze, auf alle Lebensbereiche Auswirkungen. Abgesehen davon, dass das natürlich auch einfach eine Ausstrahlwirkung hat, wenn das halt im Grundgesetz einfach verankert ist. Und es hätte ganz konkrete Auswirkungen, dass man dann halt überlegen muss, okay, ist denn eine Vollzeit-Norm-Arbeitszeit, so wie wir sie zurzeit haben mit 40 Stunden, benachteiligt das nicht Care-Arbeiten? Brauchen wir nicht eher eine Norm-Arbeitszeit von 30 Stunden, damit es keine Benachteiligung gibt? Weil mal ernsthaft, wenn zwei Elternteile 40 Stunden arbeiten und Kinder haben und vielleicht auch noch Angehörige haben, die sie pflegen, das ist schon nicht wirklich machbar. Das heißt, da müssen wir, kennen wir alle, dass das nicht machbar ist. Und deshalb müsste man da überlegen, okay, ist diese Normarbeitszeit benachteiligt, das Care-Arbeiten, ne? Oder auch sowas wie die Stadtplanung. Also mal zu überlegen, wie kriegen wir das denn jetzt hin, dass der Gehweg bitte breit genug ist, dass da ein Kinderwagen durch kann. Oder aber auch, ich glaube, jeder, der auf einer öffentlichen Toilette war, schon mal mit Kinderwagen. Oder am besten noch so die Kombination, ich habe ein Baby dabei in der Trage und ein Kleinkind. Schönste Situation. Also wie schaffen wir es denn, erst mal mehr öffentliche Toiletten zu haben? Das ist ja auch immer so das Ding. Wo geht man überhaupt hin, wenn man unterwegs ist auf Toilette? Ich bin immer wieder doch sehr erschrocken, wie viele Spielplätze es gibt, wo es nirgendwo in absehbarer Nähe eine Toilette gibt. Und auch an welcher Qualität sind dann diese Toiletten? Kann ich da überhaupt hingehen mit meinem Baby, mit meinem Kleinkind? Sind die groß genug? Also dass man sowas halt auch mitdenken muss. Und wir sehen das jetzt ja zum Beispiel bei dem Diskriminierungsmerkmal Behinderung, dass sämtliche Bahnsteige mussten halt verändert werden. Und das sind alles natürlich Nachwirkungen, dass das Diskriminierungsmerkmal Behinderung halt aufgenommen wurde ins Grundgesetz. Und so geht das halt mit ganz vielen Sachen. Wir müssen über Rentenpunkte reden, ganz, ganz dringend. Es darf halt nicht sein, dass Menschen, die Fürsorgeverantwortung geleistet haben in ihrem Leben, dass die über Altersarmut Angst haben müssen. Ich denke, da sind wir uns einig, dass wir da einfach eine gerechte Gesellschaft halt uns alle wünschen. Und was macht die Liga für unbezahlte Arbeit heute konkret? Genau, also das muss man natürlich auch sagen. Wir versuchen da immer sehr transparent zu sein. Das war uns ganz wichtig. Wir wollen eine transparente Organisation sein, die auch versucht, realistische Ziele zu geben. Und eine Grundgesetzänderung wird nicht zu morgen passieren. Das ist auch ganz, ganz klar, sondern wir schätzen zurzeit eher so mit 15 Jahren, die das Ganze dauert. Wobei das können wir natürlich auch an der Stelle auch nicht garantieren, aber das ist so der zeitliche Rahmen, über den wir zurzeit sprechen. Und das war auch ein Grund, warum wir überlegt haben, wie wir das finanziell gut aufstellen. Also wir sind dabei, eine Geschäftsstelle aufzubauen mit Hauptamtlichen, damit... Wir einen langen Atem haben für diesen Weg, weil den brauchen wir. Also wir brauchen sehr viel Lobbyarbeit, die gemacht wird. Wir brauchen sehr viel Aufklärungsarbeit, die wir leisten. Also wir haben so drei Punkte, die wir zurzeit als Säulen haben. Das eine ist das Thema Solidarität. Also wir vernetzen Care-Arbeiten, wir unterstützen Care-Arbeiten. Dafür haben wir digitale Formate, weil wir natürlich auch wissen, dass gerade Menschen, die Fürsorge leisten wie Eltern, dass die einfach nicht so mobil unterwegs sein können. Das heißt, wir haben Abendangebote. Wir haben aber auch so Mittag-zu-Mittagspause mal ein Angebot, was wir digital machen. Wir sind aber gerade auch dabei, Regionalgruppen aufzubauen. Also, dass man halt einfach guckt, was braucht man gerade. Und dass man hier einfach auch vernetzt und auch einfach natürlich auch bestärkt. Ich glaube, das ist ganz, ganz wichtig, dass es Menschen gibt, die verstehen, ich bin in der gleichen Situation. Und natürlich, ich möchte nicht diskutieren, dass ich meine Kinder liebe. Natürlich liebe ich meine Kinder, das steht überhaupt gar nicht zur Frage. Und trotzdem darf ich mich erschöpft fühlen und trotzdem darf ich sagen, dass ich Angst habe vor der Rente, weil ich überhaupt nicht weiß, ich finde es immer so super, hier Anfang des Jahres gibt es immer ganz viele neue, was man jetzt in ETFs investiert und bloß in die Altersvorsorge, Privatvorsorge und so. Und dann, es gibt einfach auch unfassbar viele Familien, die sagen, am Ende des Monats ist gar nicht so viel übrig. Worüber reden wir denn hier? Wir haben ganz andere Sorgen. und trotzdem macht man sich halt die Gedanken, wie wird das in der Rente oder auch halt schon heute natürlich, wenn halt wir immer sehen, dass die Lebenshaltungskosten natürlich auch immer. Immer größer werden. Und das ist auf jeden Fall ein ganz wichtiger Punkt, eine Säule von der Liga für unbezahlte Arbeit, dass wir hier halt eine Vernetzung schaffen, dass man halt weiß, man ist auch nicht alleine. Und eine weitere Säule ist, die Sichtbarkeit zu schaffen. Also wir haben natürlich ein Instagram-Account, wo wir ganz viel Aufklärungsarbeit und Sensibilisierungsarbeit leisten. Wir schreiben Stellungnahmen oder auch wir haben gerade eine Petition laufen, wo wir Care ins Grundgesetz fordern. Die hat schon über 70.000 Unterschriften mittlerweile gesammelt. Und eine dritte Säule ist halt, dass wir uns natürlich auch an der Gewerkschaftsarbeit orientieren und hier halt auch einfach starke Argumente liefern. Also wir bilden halt weiter, wir klären auf zu Themen, dass wirklich auch Menschen geschult werden, Für Gespräche am Küchentisch oder auch auf dem Spielplatz. Immer, weil da finden ja die Gespräche statt. Inwieweit dürfen wir denn jetzt noch sagen, dass wir das alles aus Liebe tun? Oder ist Kerbert überhaupt Arbeit? Also das sind ja alles weiterhin Diskussionen, die durchaus auf Spielplätzen stattfinden. Und dass wir dort halt den Menschen die Argumente an die Hand geben und sie bestärken, indem wir sagen, genau, dein Gefühl ist richtig und du darfst dich dafür stark machen. Du sollst dich dafür stark machen und jeder kann in seinem Kleinen halt schauen, inwieweit der Wirkungskreis auch so einfach ist. Ich glaube, das ist auch ein ganz wichtiger Punkt bei uns von den Mitgliedern, die wir haben, weil das ist vielleicht auch nochmal ein wichtiger Punkt. Wir sind wie eine Gewerkschaft, das heißt, wir sind finanziert über unsere Mitglieder. Die Mitgliedsbeiträge finanzieren uns, damit wir halt Hauptamtliche haben, damit wir eine Geschäftsstelle aufbauen oder auch gerade am Aufbau sind. Und weil wir natürlich wissen, wir haben Ehrenamtliche, die sagen, wir haben Lust, uns zu engagieren. Aber wir wissen auch, dass das in vielen Lebenssituationen überhaupt nicht möglich ist, dass man total kaputt ist. Und das heißt, man darf sich bei uns ehrenamtlich engagieren, aber man muss es nicht. Sondern wir freuen uns über alle Mitglieder, über alle Mitgliedsbeiträge, die dazu beitragen, dass wir halt unsere Arbeit machen können. Und dass wir natürlich aber auch einfach viele Mitglieder werden, weil natürlich Gewerkschaften sind nur so stark wie ihre Mitglieder. Und wir werden zurzeit, wenn wir halt... Natürlich auch irgendwelche von der Presse oder so gefragt werden, werden wir auch immer gefragt, wie viele Mitglieder habt ihr denn? Also das ist auch zum Beispiel ganz wichtig, dass man da auch überlegt, einfach auch Mitglied zu werden, nicht nur wegen der Finanzierung, sondern auch da zu sagen, wir sind halt auch einfach viele, weil das dürfen wir auch nicht vergessen. Wir haben manchmal so das Gefühl, man ist so, Elternschaft ist ja auch häufig, kommt ja einher mit so einer Isolation manchmal. Und wir sind aber ganz viele. Wir sind alleine 22,4 Millionen Menschen in Deutschland, die Fürsorgeverantwortung tragen. Wahnsinn. Also wir sind nicht wenig. Wir müssen nur lauter werden, beziehungsweise gar nicht lauter, weil manche wollen vielleicht auch leise bleiben. Auch das ist in Ordnung. Aber uns zusammenzuschließen und solidarisch auch miteinander zu sein und da uns zu unterstützen, ist ein ganz, ganz wichtiger Punkt, den wir einfach... Versuchen gerade zu leben und da halt eine wirklich solide Organisation aufzubauen, die halt auch einen Mehrwert bietet an der Stelle. Und natürlich mit dem ganz klaren Ziel, dass niemand in Deutschland wegen Care-Arbeit benachteiligt werden darf. Franzi, jetzt hast du ja vorhin schon gesagt, du und dein Mann, ihr liebt konkret IQ Care. Kannst du uns mal erzählen, unseren HörerInnen und uns beiden, wie das genau funktioniert? Ja, ich glaube, also der erste Punkt war, genau den hatte ich schon gesagt, mit der Elternzeit. Also wir haben uns die Elternzeit aufgeteilt und das war einfach sehr hilfreich für uns beide. Und zwar einfach einen guten Startschuss dahin zu bekommen, ein Verständnis füreinander aufzubauen. Also im Sinne von einfach den Perspektivwechsel zu haben, dass wenn mein Mann vom Job kommt und ich zu Hause bin mit der Client und ich bin kaputt oder er ist kaputt, dass wir beide zusammen kaputt sein dürfen und es nicht so eine Vorwurfshaltung gibt. Und aber auch nochmal dann halt ein halbes Jahr später zu schauen, dass ich nach Hause gekommen bin und dachte, okay, so fühlt sich das an. Und auch ich darf trotzdem von meiner Erwerbstätigkeit kaputt sein. Und das hat ein ganz gutes Verständnis gebracht, aber trotzdem ist es so, dass man weiter daran arbeiten muss. Wir machen das so, dass wir haben so eine Vereinbarkeit, die wir angefangen haben. Also das hat natürlich keinen rechtlichen Rahmen, aber da schreiben wir einmal im Jahr, lesen wir uns das nochmal durch und ergänzen dann immer, was wir uns so voneinander wünschen, welche Erwartungen wir aneinander haben. Welche Ziele wir im Leben haben, welche Werte. Also ich finde auch immer so diese Werte immer wieder abzugleichen, das ist total wichtig, weil am Ende des Tages auch immer wieder sich auch für die Familie entschieden werden muss und es gibt ja immer wieder so die Challenge, ob man nicht doch, ah ja, dieser Karriere-Schritt wäre vielleicht doch nett oder dieser, aber der hat natürlich immer auch Auswirkungen, von daher muss man da auch immer wieder nachjustieren, gucken, okay, sind wir noch auf der gleichen Seite. Haben wir dann noch die gleichen Werte, die wir vertreten, haben wir noch die gleichen Ziele und natürlich auch, es kommen ja auch immer wieder neue Sachen dazu. Da hat man eine Phase mit den Kindern durchstanden und hat einmal eine gute Struktur, einen Wochenplan, alles aufgestellt und dann kommt die nächste Lebensphase und die Kinder werden eingeschult oder irgendwie so und alles ist wieder über den Haufen gebrochen. Alles ist anders, ja. Also man darf ja da auch sehr veränderungsbereit sein, ständig. Und deshalb ist es wichtig, dass wir diese Vereinbarkeit haben, die immer so unser Fundament ist, unserer Beziehung und wo wir immer wieder nachlesen und überlegen, Es ist auch ganz nett, immer mal wieder von vor zehn Jahren das nochmal durchzulesen. Ah, deshalb haben wir uns mal ineinander verliebt. Ach ja, jetzt, jetzt, wo ich es lese, kann ich mich wieder daran erinnern. Weil das natürlich auch so schnell in Vergessenheit gerät, wenn man als Eltern sehr viel in diesem Funktionsmodus ist, sich immer wieder auch da Zeit füreinander zu nehmen und darauf zu besinnen, warum sind wir eigentlich als Paar noch zusammen. Das finde ich einmal auch sehr wichtig. und aber, was natürlich auch einfach dazukommt, wir sind super strukturiert. Also wir haben halt, wie gesagt, einen Wochenplan, der muss zwar immer angepasst werden. Wir haben jetzt ganz neu ausprobiert, gerade mit den Kindern, so einen Routinenplan mit Lichtern, wo die Kinder die Lichter anmachen können. Das ist jetzt ja auch gerade so ganz trendy. Und das sind so Sachen, da sind wir schon einfach sehr strukturiert und überlegen uns, okay, alles, was wir irgendwie routinieren können, routinieren wir. Und aber auch ganz klar, die Wochentage sind aufgeteilt. Also wir haben drei Nachmittage die Woche, habe ich die Kinder, zwei Nachmittage meinen Mann. und wir haben halt einfach, genau, einfach aus dem Grund, weil ich häufiger abends oder am Wochenende weg bin und dann haben wir aber auch einfach die Tage festgelegt. Also wenn Montag die Kinder krank sind oder die Kita ist zu oder irgendwas anderes, dann bin ich zuständig und dann muss ich gucken, wie wir das organisiert kriegen. Natürlich gibt es Ausnahmen an der Stelle, aber wir haben natürlich häufig diese Situation um 7.58 Uhr, Alle stehen im Flur, sind fertig, wollen losgehen zur Kita und zur Schule. Und dann kommt von der Kita die E-Mail, ach ja, heute ist übrigens Notbetreuung. Und dann ist natürlich so, wenn man dann erst anfängt zu diskutieren, und ich meine, dafür sind wir auch alle Menschen, also unsere Termine sind alle wichtig. Also da kann auch nichts Gutes bei rauskommen in so einer Stresssituation. Und dann ist einfach für uns sehr schnell klar, okay, am Montag, da wird gar nicht diskutiert, außer es gibt jetzt eine Ausnahmesituation, sondern da weiß ich halt, okay, das ist mein Tag. Und am Dienstag ist es dann aber der von meinem Mann. Finde ich super. Genau, das sind einfach so Sachen, die sind sehr, sehr routiniert bei uns und wir versuchen einfach, es gibt genug Konfliktpotenzial und auch Konflikte sind toll und daran kann man wachsen. So ganz wichtig. Aber trotzdem versuchen wir zu gucken im Alltag, wo können wir halt auch Konfliktpotenzial einfach reduzieren, wo nicht mehr und wo es natürlich auch unfair ist, miteinander zu diskutieren. Also, weil wir sind, wer ist am gestresstesten, auch das tun wir auch bei Equal Care im Übrigen, auch wenn wir, obwohl wir es 50-50 machen, können wir das trotzdem sehr gut, dass wir sagen, aber ich bin aber viel gestresst, das zahlst du oder so oder ich leiste hier viel mehr. Davon können wir uns auch nicht freimachen, aber es hilft halt immer wieder, sich das immer wieder zu vergegenwärtigen, wer macht hier eigentlich was und natürlich ist es immer wieder auch eine Herausforderung, weil es halt ja auch nicht nur darum geht, die Geschirrspielmaschine ein- und auszuräumen. Das ist ja das, was es auch sehr komplex macht. Ich empfehle da immer den Mental Load Test. Den gibt es von Joe Lücke, aber auch vom Bundesverband Equal Care, weil der das immer ganz gut darstellt, was wir alles ja auch nicht nur so physisch machen wie die Geschirrspielmaschine, sondern auch gerade dieses Thema Mental Load. Und das ist einfach sozialisationsbedingt dann häufig doch bei mir. Dass ich dann doch vielleicht über das Geschenk noch nachdenke oder halt doch noch mal einen Ratgeber lese. Und das ist total schwierig. Da natürlich immer wir jetzt sagen. Das hat halt genauso den Stellenwert wie die Geschirrspülmaschine. Und wir müssen hier halt auch manchmal hin und her tauschen und gucken, wie es passt. Weil das Umfeld natürlich schon immer wieder versucht zu sagen, ja, nein, also es ist schon schwierig, das auch so ganz eins zu eins immer zu leben, weil das fängt an mit irgendwelchen WhatsApp-Gruppen in der Schule. Wo man ja immer wieder, ja, aber wer geht da jetzt rein? Und da haben wir einfach sehr klare Aufteilungen. Und daran muss man sich dann aber auch halten. Und das ist, glaube ich, eine ständige Herausforderung. Ja, aber eine gute Lösung. Genau, aber, und das ist halt auch einfach so, Wir konnten sehr schnell beide immer mal wieder halt für ein Wochenende verreisen und das ist das, was ich glaube, das ist, warum es sich lohnt, Equal Care auch zu leben, weil wir beide auch einfach mal Zeit für uns haben können. Und das machen wir schon recht regelmäßig, dass wir beide uns dann auch rausziehen können. Und es funktioniert trotzdem. Und beide sind halt einfach auch, natürlich, ich glaube, es ist auch da schwer, das zu sagen, dass man 50-50-Bezugsperson immer für die Kinder ist. Das ist, glaube ich, auch da, das kann man nie so richtig sagen. Und es gibt immer so Tendenzen. Aber es ist halt schon so, dass beide als gleichwertiges Elternteil angesehen werden. Ja, das ist ja eigentlich das, was wir uns eigentlich alle wünschen. Aber es liegt eben auch an uns. Wir müssen miteinander sprechen, wir müssen Verabredungen treffen und eben auch immer im Gespräch bleiben. Das ist, glaube ich, vielen verloren gegangen. Wenn ich immer so auf mich reflektive, denke ich so, ja, man muss einfach dranbleiben. Ja, danke Franzi. Das war ein ganz, ganz tolles und wie ich finde auch wirklich wichtiges Gespräch. Ich nehme aus der Folge vor allem mit, dass Fürsorge etwas ist, das uns wirklich alle trägt und dass es neue politische Visionen braucht, damit Eltern eben nicht weiter allein unter dieser Last zusammenbrechen. Danke, dass du uns und die Gesellschaft dafür heute sensibilisierst. Ja, danke für die Einladung. Ich habe mich sehr gefreut, hier zu sein. Mehr über Franzis Arbeit und die Liga für unbezahlte Arbeit erfährst du übrigens in den Show Notes. Und wenn dir diese Folge gefallen hat, folge uns gerne auf deiner Podcast-Plattform, lass eine Bewertung da und empfehle uns gerne an andere Eltern weiter. 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