Hallo und herzlich willkommen zu Das gewünschteste Wunschkind der Podcast mit Daniel Graf und Katja Seide. Leider erleben viele Eltern das Thema Schule als eine Dauerbaustelle und auch mir geht das so. Ich hätte nie gedacht, dass damit so viele Sorgen verbunden sein können, man irgendwie ewig vergleicht und ständig das Gefühl hat, irgendwie irgendwas falsch zu machen oder vielleicht auch zu wenig zu tun. Und dabei wünschen wir uns doch einfach nur, dass unsere Kinder neugierig bleiben, gerne lernen und innerlich stark werden. Wie das tatsächlich gelingen kann, darüber sprechen wir heute mit Bob Blume. Er ist Lehrer, Bildungsexperte und Vater und beschäftigt sich seit vielen Jahren mit der Frage, wie Lernen gelingen kann und welche Rolle Eltern dabei spielen. Gerade ist dazu sein wirklich hilfreiches Buch »Wie kommt mein Kind?« gut durch die Schule erschienen. In unserem Gespräch wird es heute um Leistungsdruck, Noten, Hausaufgaben, Medien und die große Frage gehen, wie wir unsere Kinder durch die Schulzeit begleiten können, ohne sie zu überfordern oder uns selbst dabei zu verlieren. Schön, dass du da bist, Bob. Hi, schön, dass ich wieder dabei sein kann. Bob, ich habe es ja eben schon gesagt, viele Eltern nehmen Schule heute als extremen Belastungsraum wahr. Für ihre Kinder, aber auch für sich selbst. Woher kommt denn dieses Gefühl vom Dauerstress und was macht das langfristig mit Familien? Ja, ich glaube, da gibt es verschiedene Ursachen. Das erste ist, glaube ich, dass man sich selber stresst, weil man unabhängig davon, ob man jetzt für das Kind das Beste möchte, so ein bisschen im Hinterkopf hat. Ich habe einen bestimmten Weg mir ausgesucht oder bin ihn gegangen und das sollte meinem Kind auch so gehen. In der Soziologie spricht man von Statuserhalt. Also es ist gar keine Schuldzuweisung, sondern es ist sozusagen so ein manchmal auch unbewusster Druck, den man sich selbst macht, dass man so denkt, okay, das Kind ist jetzt in der ersten Klasse, was muss es für das Abitur beachten? Und wenn man das selber relativiert, wird einem klar, okay, das ist jetzt vielleicht nicht die allererste Frage, die ich stellen sollte. Das Zweite ist, dass Schule ein Ort ist, auf den gerade ganz viel einprasselt und der ganz viel von dem, was wir auch außerhalb von Schule spüren, abfangen soll und es aber oftmals nicht abfängt. Also sowas wie Konflikte und Medienbildung und die Wahrnehmung von Ungleichheit. Also das ist alles etwas, das findet in Schule statt. Und die Kinder merken das natürlich und das setzt sie unter Druck. Und der dritte Punkt ist, dass Schule gleichzeitig bei all diesen Veränderungsprozessen ja noch ganz viele Dinge beibehalten hat, die schon immer so waren. Also Stichwort Noten, Tests, Klausuren und dieses gesamte Amalgam von unterschiedlichen Anforderungen, was da auf die Kinder einprasselt. Und was dann sozusagen mit den eigenen Erwartungshaltungen noch resoniert, das führt dazu, dass man dann so eine leichte Panik bekommt oder zumindest auch dieses Gefühl hat, unter Druck zu stehen. Ja, das kann ich mir gut vorstellen. Jetzt hast du in deinem Buch verschiedene Arten unterschieden, wie sich Kinder innerlich zur Schule verhalten, also vom offenen Widerstand bis zum bloß Mitlaufen. Woran erkennen Eltern denn, in welchem Modus ihr Kind da gerade unterwegs ist und muss man an diesem Modus was ändern oder ist das schlimm? Also es ist erstmal so, dass sich diese Modi von einer US-amerikanischen Forscherin unternommen hat, die wirklich über 70.000 Schülerinnen und Schüler nach ihrer Haltung befragt hat und die dann eben mit diesen verschiedenen Modi rausgekommen ist. Also um das mal zu nennen, den Passenger-Modus, das ist so, dass ein junger Mensch so auf Autopilot ist, dem ist eigentlich alles einigermaßen egal, der wurstelt sich so durch, aber so richtig Feuer für die Schule hat er nicht. Den Widerständler, der wirklich ganz aktiv sich gegen alles schulische wehrt, den Achiever. Vielleicht kommen wir da auch nochmal drauf zurück, der eigentlich alles total genial machen will und wo die meisten Lehrer auch sagen, ey, das läuft doch super, aber der sich dann wahnsinnig unter Druck setzt und eben den Explorer, also als Modus jemand, der so Feuer gefangen hat. Und für mich war das erst mal von der Erkenntnis so wichtig, weshalb ich das in diesem Buch dann auch ausführe, weil man plötzlich etwas hat, mit dem man arbeiten kann. Das ist ja oft so, dass man so das Gefühl hat, was hat mein Kind jetzt eigentlich? Ich weiß gerade gar nicht, wo das Problem ist. Und da kommen dann so Reflexionsfragen dahin, wo man dann wirklich weiß, okay, vielleicht haben wir hier was, wo wir anknüpfen können. Zwei Drittel der Kinder sind in diesem Passenger-Modus, in diesem Autopiloten-Modus und jetzt kann ich natürlich nicht alles nachreferieren, aber so ein typisches Beispiel dafür ist, dass Schule nicht resoniert. Also sowas, was vielleicht der eine oder andere kennt. Wie war es in der Schule? Okay, hast du was auf? Weiß ich nicht. Schulterzucken. Also vielleicht kann man sagen, das ist der Schulterzucken-Modus. Und dann geht es halt darum, wie kann ich eigentlich dafür sorgen, dass mein Kind möglicherweise in einen anderen Modus kommt. Das soll nämlich keine Diagnose sein, so nach dem Motto, jetzt bist du halt Passagier und kommst da auch nie wieder raus. Sondern wie kriegen wir dich dazu, dass du vielleicht ein bisschen mehr Lust aufs Lernen hast? Weil das ist ja das A und O. Ja, absolut. Wenn es um Schule geht, dann sagen viele Eltern ja auch, mein Kind ist irgendwie unmotiviert. Du würdest vermutlich sagen, Motivation ist oft eine Folge von etwas anderem. Was fehlt denn den Kindern, wenn sie innerlich so aussteigen? Also es gibt die sogenannte Selbstbestimmungstheorie von DC und Ryan. Die wird in Schulen auch gelehrt, aber... Die wird im Studium auch gelehrt für Lehrerinnen und Lehrer, aber dann schnell wieder vergessen. Und das klingt jetzt ein bisschen technisch, aber ich finde das wichtig, das mal einmal gesagt zu haben. Die haben nämlich gezeigt, dass Motivation entsteht auf der Grundlage von drei Dingen. Von Kompetenzerleben, also ich mache etwas und spüre dabei, dass es mir auch gelingt. Von sozialer Eingebundenheit und von Kontrolle und Autonomie über das, was ich tue. Und wenn wir uns mal überlegen, wie viele Möglichkeiten es in den meisten Schulen für Autonomie und Kompetenz erleben gibt und wie das mit der sozialen Eingebundenheit auch manchmal ist, dann ist da nicht so viel. Das heißt, diese wichtigsten Säulen für Motivation, die fallen manchmal raus. Und weil das so ist, ziehen sich Kinder dann innerlich zurück, weil sie im Grunde genommen dauernd das Gefühl haben, ich bin ausgeschlossen, ich komme inhaltlich nicht mit und eigentlich kann ich auch gar nicht mitbestimmen. Und jetzt kann man als Eltern natürlich auch die Schule wechseln. Da geht es ja auch wirklich darum zu sagen, also wenn es gar nicht mehr geht, dann ist auch nichts verloren, wenn man wirklich diesen Schritt wagt. Aber es gibt eben auch Möglichkeiten zu überlegen, wie komme ich denn dahin, dass das Kind vielleicht Selbstwirksamkeit auch spürt. Also vielleicht mal als ein Beispiel, weil ich beim Passenger-Modus wahrscheinlich die meisten ZuhörerInnen jetzt gerade gesagt habe, ja, aber was ist es denn? Ja, wäre jetzt auch meine Frage gewesen. Aber man soll ja auch noch in das Buch reingucken. Aber ein typisches Beispiel ist. Wenn Kinder überfordert sind oder zumindest keine Lust haben, dann ist die Tendenz oft zu sagen, okay, also die Noten sind nicht so pralle, jetzt machen wir mal Nachhilfe. Und wenn dann Eltern die Möglichkeit hätten, also entweder geht das Kind in eine Arbeitsgemeinschaft, die sich selber aussuchen kann, oder Nachhilfe, naja natürlich Nachhilfe, weil es muss ja besser in Mathe werden. Und meiner Erfahrung nach, meiner 15-jährigen Erfahrung nach, ist das tatsächlich andersrum viel besser. Weil wenn ein Kind in eine Situation kommt, wo es plötzlich mitbekommt, ey, ich kann hier selber was machen. Ich kann hier was aussuchen. Mein ewiges Beispiel ist die Theater-AG. Da kommen Kinder rein und merken, ich mache hier einen Unterschied. Ich werde gesehen. Und darüber kriegen die Selbstbewusstsein. und darüber, Trauen Sie sich zum Beispiel, sich in Mathe zu melden, was Sie vorher nicht gemacht haben. Also nicht falsch verstehen, das ist kein direkter Zusammenhang nach dem Motto, jetzt schickt alle euer Kind in die Theater, dann wird es mit Mathe besser. Sondern es heißt einfach, dass wenn man überlegt, wo gibt es Möglichkeiten, wo das Kind selbst wirksam sein kann, dann ist der Effekt einfach ein unheimlich großer. Das heißt, es ist manchmal ein bisschen kontraintuitiv, weil man eben nicht sagt, okay, wir müssen jetzt direkt was verändern in Bezug auf, keine Ahnung, Mathe oder Deutsch. Sondern eigentlich müssen wir was verändern, was dann die Haltung zum Lernen betrifft. Weil wenn da der Switch umgelegt wird, dann entstehen wunderbare Dinge. Total, aber das wäre jetzt meine Frage, denn an Schule können ja Eltern, dein Buch ist ja speziell für Eltern geschrieben, an Schule an sich können ja Eltern nichts ändern. Also am Matheunterricht können die Eltern ja nichts ändern. Das heißt, so wie ich dich jetzt verstanden habe, müssen die Eltern den Umweg dann gehen über die Freizeit, um da eben die Freude am Lernen wieder zu verstärken? Also zwei Sachen. Erstens, Eltern können an Schule sogar relativ viel ändern, aber natürlich nicht innerhalb von kürzester Zeit. Man kann nicht sagen, ey, der Mathelehrer ist doof. Oder dem noch schreiben, ey, Mathelehrer, mein Kind ist dauernd demotiviert, auch wenn man das vielleicht am liebsten will. Sondern es gibt natürlich Gremien und Möglichkeiten, wie man zumindest Einfluss erlangen kann. Auch über Nachfragen. Ich meine, das ist natürlich bei der Schulwahl oder bei einem Schulwechsel ganz gut, Dass man zum Beispiel schon weiß, da habe ich in dem Buch immer mal wieder so Fragen, Reflexionsfragen, aber auch Fragen an Schule, dass man weiß, worauf kann ich eigentlich achten. Ich will nur sagen, ja, das Schulsystem oder eine Einzelschule ändern kann man nicht, aber sozusagen die Hinweise darauf, gibt es hier eigentlich Möglichkeiten der Bewegung oder welche Möglichkeiten bestehen, dass Kinder offen in Gebieten, die sich selbst ausgewählt haben, arbeiten können. Das ist zumindest schon mal ein ganz guter Hinweis. Das andere, was du gesagt hast, genau, Freizeit. Da geht es ja so ein bisschen um beides. So Arbeitsgemeinschaften sind ja an der Schule oft angekoppelt. 2026 gibt es das Recht auf Ganztag. Das heißt, da müssen Schulen sich sowieso auf den Weg machen. Und da können Eltern dann natürlich gucken, welche Kooperationspartner gibt es. Aber in der Tat, wenn man dem Kind was Gutes tun möchte, hat es ganz viel mit Haltung zu tun, zum Lernen. Und Haltung zum Lernen, das kann zum Beispiel auch bedeuten, dass man eben zum Beispiel bestimmte Dinge nicht verstärkt. Obwohl man es möchte. Das Kind kommt nach Hause und sagt, Mathearbeit ist wieder schlecht gelaufen. Jetzt nehme ich mal die ganz schlimmen Sachen weg. Also schimpfen oder Stress machen oder so. Und gehe davon aus, die Eltern wollen was Gutes und sagen, mach dir nichts draus. Ich war in Mathe auch immer schlecht. Das liegt in der Familie. Das habe ich sogar als Beispiel von Stefanie Stahl, dieser berühmten Psychologin. Was man aber eigentlich tut, ist, dass man sozusagen diesen Negativ-Effekt verstärkt. Anstatt sozusagen hinzugehen und zu sagen, hey, Das verstehe ich total. Macht dir nichts draus. Lass uns mal gucken, wie wir nach Strategien finden können, wie das vielleicht beim nächsten Mal besser wird. Also so eine Form von konstruktiver, positiver Grundhaltung. Die ist schwer, das ist mir durchaus klar. Aber was das angeht, haben Eltern unglaublich viel Einfluss auf die, man muss sagen, gesamte Bildungsbiografie der Kinder. Das heißt, es hat super viel Einfluss, wie Eltern über Schule sprechen, selbst dann, wenn die Eltern denken, ihr Kind hört nicht hin oder? Total. Es ist total spannend, dass du gerade sagst, sogar wie sie drüber sprechen. Im zweiten Kapitel geht es ja auch nochmal um das sogenannte Growth Mindset, das sehr kurz zusammengefasst bedeutet, man kann etwas noch nicht und das bedeutet, das was man als Eltern lobt, Lob ist ja extrem wichtig, ist nicht das Talent, sondern die Anstrengung und die Strategie. Und das ist ja total nachvollziehbar für uns auch, dass sozusagen eine positive Verstärkung der Anstrengung, gerade in Zeiten von KI, wo man ja sonst einfach alles rauslassen kann, dazu führt, dass das Kind eben erst immer, wenn es wirklich was kommt, was schwierig ist, nicht sagt, kann ich nicht, sondern kann ich noch nicht. Vielleicht muss ich mich länger hinsetzen oder vielleicht kann ich eine andere Strategie anwenden, also mal so ganz kurzfristig. In dem Buch von Carol Dweck, die dieses Growth Mindset entwickelt hat, sagt diese aber auch, dass dieses Growth Mindset selber nur dann auch auf das Kind sozusagen übergehen kann, wenn man das tatsächlich auch beherzigt in Bezug auf Alltägliches. Also wenn ich dem Kind jetzt sage, wenn es lernt, du kannst das nur noch nicht, kommt auf die Strategien an und dann sagt der Ehemann zu mir. Die Johanna hat angerufen, Lotte hat ihre Hausaufgaben nicht verstanden und ich sage, ja die Lotte, die checkt das sowieso nicht und das Kind kriegt das mit, dann mache ich eigentlich das Gegenteil davon. Dann bestärke ich diesen Fixed-Mindset-Gedanke und der sagt aus, jemand kann halt was oder er kann es nicht und daran lässt sich nichts ändern. Und das ist fürs Lernen eigentlich fatal. Was mir immer so ein bisschen schwerfällt zu unterscheiden ist, wann ist meine Unterstützung hilfreich und wann führt sie dazu, dass ich vielleicht ungewollt Druck erzeuge? Kannst du mir da so ein bisschen helfen? Ja, also erstmal muss man sagen, eine Unterstützung ist ja ein unglaublich breites Spektrum. Unterstützung kann zum Beispiel bedeuten, dass wenn man es schafft, weil das ist ja abhängig von der Familienkonstellation, abhängig davon, ob man alleinerziehend ist, welche Voraussetzungen man hat. Aber Unterstützung kann schon einfach Präsenz sein. Also, dass man es sozusagen, wenn das Kind Hausaufgaben macht, dass man es schafft, im Raum zu sein, das muss man natürlich ausprobieren. Ganz viel in dem Kapitel über Hausaufgaben ist übrigens auch so ein bisschen Trial and Error, weil manchmal Kinder ganz widersprüchliche Dinge anzupassen. Tun oder nicht tun, die eine unglaubliche Auswirkung haben. Ich sage mal ganz kurz ein Beispiel, damit das nicht so abstrakt bleibt. Und dann komme ich zurück zu deiner Fragestellung. Es ist zum Beispiel so, dass manche von uns, wenn sie wissen, ich habe jetzt eine ganz nervige Sache zu tun heute und eine, auf die ich mich wahnsinnig freue. Dann würden wir sagen, ich mache jetzt erst die nervige, weil dann kann ich danach mich total auf diese Sache, auf die ich mich freue, einlassen. Das ist als Konzept, eat the frog first, also den Frosch zuerst essen. Und dann können wir darauf kommen, dass das bei unseren Kindern eigentlich auch so sein muss. Komm, du magst Mathe nicht, jetzt mach erst Mathe. Während meiner Recherche zum Thema Neurodivergenz habe ich allerdings einen ADHS-Ratgeber gelesen, der gesagt hat, ja, bei ihm hat er irgendwann gemerkt, das ist andersrum. Eat the ice first. Wenn der was macht, was ihm viel leichter fällt am Anfang, dann hat er sozusagen dieses Glücksgefühl, hey, das hat super geklappt. Und danach macht er dann das, was anstrengend ist. Und das ist, wenn man das weiß, dass sozusagen bestimmte oder erst mal einem bewusst wird, dass das bei einem selbst ganz anders sein kann als bei einem Kind, kann es ein absoluter Game Changer sein. Zu deiner Fragestellung, ich schreibe ja auch einiges darüber, wie wichtig ich das finde, das Kind, ich sage es dir mal ganz groß, scheitern zu lassen. Also ganz klar, wenn das Kind nicht weiterkommt und man selber die Aufgabe machen müsste, dann geht es nicht mehr um Unterstützung. Dann geht es darum zu sagen, okay, ehrlich gesagt, du kommst nicht weiter, das ist okay. Vielleicht hat die Lehrkraft das auch nicht auf eine Art kommuniziert, dass man vielleicht mal nachfragen könnte. Also Lehrkräftekommunikation ist ja auch nochmal ein ganzes Kapitel, weil es immer so schade ist, wenn Dinge eskalieren, obwohl alle dasselbe wollen. Aber ab dem Moment, wo ich das Gefühl hätte, eigentlich mache ich gerade die Aufgabe, ist das Signal eigentlich schon da, das ist nicht gut. Unterstützung kann immer nur bedeuten, sozusagen eine Leitplanke zu sein und nicht derjenige, der das Kind quasi über den Fluss trägt. Und jetzt haben wir ja gerade schon über diese Bilder gesprochen, die Kinder häufig übernehmen von anderen, also über sich selbst. Zum Beispiel, ich bin nicht gut in Mathe. Das ist ja wirklich so ein Klassiker, den dieses Selbstbild hatte ich auch lange. Ich weiß auch noch, dass es mit der ersten drei in Klasse drei in Mathe angefangen hat und ich in Klasse vier durch diese Multiplikation und Division komplett abgehängt wurde. Und ich dann auch wirklich nie, also ich habe es dann nicht mehr. Bis ich jetzt mit 45 als Sonderpädagogin im Unterricht bei meinem Kollegen mit drin war, der vierte, fünfte, sechste Klasse unterrichtet hat in Mathe. Und ich hinten drin saß und dann so wirklich so die ganze Zeit so, wow, das ist ja voll interessant. Und ich war so, hier Schüler, Schüler, guck doch mal, was der so Tolles macht. Boah, und das hängt ja alles miteinander zusammen. Mann, ja, ich war total high. Die Schüler haben so, oh, Frau Seude. Also für die war das überhaupt keine Revelation irgendwie, sondern wirklich langweilig. Aber ich saß da hinten und dachte, okay, habe ich nie kapiert, aber jetzt plötzlich, so wie er es erklärt, kann ich Mathe plötzlich, ja, so. Jetzt zurück zu meiner Frage. Diese Selbstbilder, die entstehen ja dadurch, dass andere Leute meistens was über einen sagen oder auch denken. Wie können denn Eltern helfen, die wieder zu lösen? Gibt es da irgendeine Möglichkeit? Ja, also erst mal ganz kurz, ich finde das lustig, dass du das gerade gesagt hast. Das ist sowas, das mir noch mal deutlicher klar geworden ist. Bildung und zwar jetzt unabhängig von Mathe oder Deutsch oder was auch immer, ist gleichzeitig immer Voraussetzung und Zielsetzung. Und das ist total widersprüchlich. Das heißt, ein guter Lehrer schafft es, Und sozusagen die Idee davon, dass das, was er macht, wenn man es einmal verstanden hat, so zu präsentieren, dass es einem selber was bringt. Das heißt, man muss ihm aber auch glauben, deshalb ist Vertrauen so wichtig. Weil du eigentlich da sitzt und denkst, ich raffe gerade gar nichts, aber ich glaube dem gerade, dass wenn ich es raffe, wird es richtig cool. Und wenn du da sitzt und das plötzlich alles toll findest, ist das nicht zwangsläufig, nur weil er es besser erklären kann, sondern weil du sozusagen mittlerweile mit der Haltung da sitzt, erlernen, wenn man das will, ist das richtig genial. Und das heißt sozusagen, dass es ganz viel um diese Haltung zum Lernen geht. Und was Selbstbilder angeht, das sind natürlich immer sehr komplexe. Es gibt komplexe Strukturen, die da ineinander gehen. Das sind ja nicht nur wir als Eltern, das sind die Großeltern, das Tante und Onkel, die unser ganzes Growth Mindset kaputt machen, wenn wieder die erste Frage nur ist und wie war die Note oder so. Das sind die Lehrerinnen und Lehrer, wenn ich sowas höre von Lehrkräften, die sagen so, ja, ihr könnt das ja sowieso nicht, ihr seid dumm und so, dann kriege ich die absolute Krise. Aber ich habe es gerade schon angedeutet, was wir halt eben tun können, ist abstrakt gesprochen erst mal, den Fokus auf den Prozess legen, den Fokus aufs Lernen legen. Den Fokus auf Anstrengung und Strategie legen und eben nicht auf sozusagen Ziffern und Produkte. Also typisches Beispiel, meine Tochter, die ist neun, die kam jetzt wieder von der Schule und sagt, Papa, ich habe den Deutschtest wieder, möchtest du ihn angucken? Die Frage ist immer ja. Immer. Weil wenn ich den nicht mehr angucke und sage, nee, nee, komm, was hast du? Eins, ja, super. In dem Fall, weil meine Tochter das gerade super hinkriegt, dann zeige ich ihr eigentlich, das, was du gemacht hast, interessiert mich gar nicht. Wichtig ist nur das, was rausgekommen ist. Und jetzt könnte man sagen, na ja, gut, aber sie schafft es doch. Ist doch alles gut. Ja, aber ... Ab dem Punkt, wo es dann nicht mehr gut läuft, ist es ja auch wieder nur sozusagen der Ausgang. Das heißt, im besten Fall schafft man das, das, was jemand tut, zu loben. Und nicht so zu tun, als wäre jeder festgelegt in dem, was er kann und was er nicht kann. Ich würde gerne noch so ein bisschen über das Thema Stress sprechen. Denn Schule ist ja sowohl für uns Eltern als auch für viele Kinder Stress. Woran erkenne ich denn als Elternteil, dass mein Kind jetzt gerade gar nicht Probleme an normalen Herausforderungen hat, sondern dass es sich um richtig echte Überforderungen handelt, bei der ich was tun müsste? Ja, ich glaube, die meisten Eltern kennen das eigentlich schon, dass bestimmte Symptome ein Hinweis darauf sind, was gerade nicht gut läuft. Das, was wir nur überlegen müssen, ist, inwiefern das miteinander verknüpft ist. Also ich will sagen, wenn Kinder mal so Bauchschmerzen haben. Bauchschmerzen ist gerade übrigens ein ganz schönes Beispiel, weil ich gerade ein Reel mit einer Mama zusammen veröffentlicht habe, die das schon mal gemacht hat, die gesagt hat, das Kind kam aus der Schule, hat gesagt, ich habe Bauchschmerzen. Und die Mutter hat gesagt, hast du wirklich Bauchschmerzen? Weil wenn nicht, kannst du auch einfach sagen, du hast es nicht und du brauchst es gerade mal eine Pause. Und das fand ich so toll. Weil das sozusagen ein typisches Beispiel dafür ist, wie man ein vertrauensvolles Verhältnis hat und mit dem Kind wirklich darüber sprechen kann, was es gerade bedrückt, ohne das sofort zu bewerten. Also so als Grundvoraussetzung. Und ich glaube, die wichtigsten beiden Worte in meinem Buch sind sowieso bedingungslose Liebe. Bedingungslos ist deshalb so wichtig, weil man eben aufpassen muss, dass man in so einer Situation der Überforderung nicht noch zusätzlich Druck ausübt. In der Therapie, und das weiß ich deshalb, weil meine Mutter Psychotherapeutin ist, gibt es so eine Fragetechnik, die bestimmte Annahmen relativieren soll. Also wenn Leute so Ängste haben. Und jetzt machen wir das mal in so einer Situation mit dem Kind. Mama, ich schaffe es morgen nicht in die Schule. Ich habe Kopfschmerzen, ich habe Bauchschmerzen. Aber wir schreiben die Klassenarbeit. Ja, und dann? Ja, dann schreibe ich die nicht mit. Und dann muss ich die nachschreiben. Und dann? Also jetzt sagt man natürlich nicht nur und dann, sondern geht dann rein und sagt, hey, aber das stimmt alles, aber das kriegen wir hin zusammen. Und du hast gerade nach Alarmsignalen geschafft, ich glaube, wenn es bestimmte Dinge gibt, die so eine chronische Form annehmen, also zum Beispiel einen Interessensverlust, also eine grundsätzliche emotionale Veränderung, eine Niedergeschlagenheit, Ängste oder Gereiztheit auch, über so einen schlechten Tag, den man halt mal haben kann, hinaus, dann sind das Anzeichen dafür, dass man nach Gründen suchen sollte. Dann gibt es natürlich körperliche Warnsignale, so Schmerzen, wo man erst mal denkt, da gibt es doch gar keinen richtigen Grund für. Oder Schlafstörungen oder das Essverhalten ändert sich. So was sind Signale. Und natürlich gibt es auch so soziale und verhaltensbezogene Signale. Das schreibe ich dann alles natürlich etwas länger noch. So ein Rückzug oder eine Vermeidung von bestimmten Tätigkeiten. Das sind alles Dinge, wo man dann übrigens auch nicht in Alarmismus verfallen sollte, aber wo man dann überlegen könnte, okay, welche Möglichkeiten gibt es, da an einem anderen Ende etwas gegenzusetzen, weil was wir wissen oder was wir oft vergessen als Erwachsene. Wir leben alle, je nachdem natürlich, was wir machen und wie wir es machen, aber in einer ziemlich vorgefertigten Struktur, an die wir uns aber gewöhnt haben. Und Kinder erleben diese Strukturen manchmal als sehr einengend. Und wenn die dann zum Beispiel einen langen Tag haben, einen langen Schultag, einen Stundenplan, ich weiß nicht, sechs, acht Stunden, dann kommen die nach Hause und dann müssen sie noch Hausaufgaben machen. Und selbst was Schönes, also ein Hobby oder so, kann dazu führen, dass die Kinder, wir hatten es gerade eben von Motivation, sozialer Eingebundenheit, das Gefühl haben, ich bin quasi gar nicht mehr Herr meines eigenen Tagesablaufs. Also eigentlich bräuchte ich mal eine Zeit und einen Raum, wo ich mich entfalten kann. Und das kann eben dann so ein Stressor sein, der dazu führt, dass man sich eben überlegen muss, gibt es da Möglichkeiten? Und wenn es die innerhalb des Systems, in dem man sich gerade befindet, nicht gibt, dann gibt es eben auch andere Möglichkeiten. Also ich gebe jetzt mal ein Beispiel, ich schreibe ja auch über Reformschulen und ich schreibe auch selber, dass ich überhaupt nicht, also mir geht es nicht darum dogmatisch zu sagen, nur das ist gut oder nur das ist gut, sondern eher darum zu sagen, es gibt bei allen Problemen, die das deutsche Schulsystem hat, ganz viele unterschiedliche Wege seinen Bildungsweg zu vollziehen. Und ich glaube, das ist wichtig, weil die wichtigste Grundhaltung, wir sprechen die ganze Zeit von Haltung und das ist übrigens auch kein Wunder, weil ich mit diesem Buch für Eltern einen Widerspruch eigentlich lösen möchte, nämlich auch Strategien an die Hand geben, ohne dass man jetzt sozusagen eine Zusatzausbildung als Hilfslehrer machen muss. Dass diese Grundhaltung eine der Gelassenheit sein muss. Die ist ganz, ganz wichtig. Eine zugewandte Gelassenheit dem Kind gegenüber. Das vermittelt, auch wenn es gerade nicht läuft, auch wenn es gerade Probleme gibt. Oder, wie du gerade gesagt hast, sogar durchaus zu erkennende. Wirklich körperliche oder psychische Belastungssituationen, wir kriegen das hin, ich bin für dich da. Jetzt hoffen viele Eltern, dass sich so Probleme, die mit der Schule zusammenhängen, mit der Zeit von selbst regeln. Und oft ist das ja auch so. Ich kenne zum Beispiel bei Erstklässlern, wenn der Übergang von der Kita zur Schule ist, also viele Erstklässler finden Schule erstmal doof und wollen da nicht hin und haben Bauchschmerzen. Und nach ein paar Wochen haben sie sich aber an den Ablauf gewöhnt. Und dann kommen die ersten Freundschaften und so. Und dann wird es ja tatsächlich auch besser. Bei vielen, nicht bei allen. Wie viel abwarten ist also sinnvoll? Oder wann sollten Eltern denn aktiv werden, wenn sie jetzt feststellen, okay, mein Kind geht nicht so gerne zur Schule oder kommt mit Bauchschmerzen nach Hause? Also die schnellste Antwort ist, wenn es chronisch wird. Aber das, was du gerade gesagt hast, ist erstmal ein ganz wichtiger Punkt, abwarten. Zum Beispiel eine Zeit des Abwartens heißt ja auch, oder was heißt aktiv werden und was heißt abwarten? Also man kann ja auch aktiv abwarten. Okay, also ich will jetzt nicht so den Germanisten raushängen lassen, aber ich will zum Beispiel sagen, wenn das Kind von der Grundschule in die Weiterführende Schule geht, das ist einfach sehr früh. Also unabhängig davon, dass das für manche geht, ist es für einige sehr früh. Und das bedeutet, das Kind kriegt mit hoher Wahrscheinlichkeit, oder ich formuliere es mal um, die Wahrscheinlichkeit ist nicht gering, dass das Kind erst mal schlechtere Noten bekommt. Und wenn man das weiß ... Dann kann man sich darauf einlassen und sagen, hey, das weiß ich, das ist jetzt erstmal so eine Angleichungsphase, ist alles in Ordnung. Natürlich wird das nicht bedeuten, also es bedeutet immer nicht Gleichgültigkeit, sondern Gleichmut. Es bedeutet zu sagen, okay, ich weiß, du hast eigentlich die ganze Grundschulzeit Supernoten gemacht. Wenn du möchtest, kann ich den Lehrer mal fragen, ob wir was machen können. Aber so eine Übergangszeit von zwei, drei Monaten ist völlig normal. Und deshalb ist Abwarten eigentlich ein super Stichwort, nicht in Panik verfallen und sozusagen sofort in so einen Aktionismus, weil das Kind denkt dann ja auch, shit, ich bin falsch. Eigentlich müsste ich sozusagen sofort funktionieren, tu es aber nicht. Alleine wie groß die meisten Schulen schon sind. Ich habe als Klassenlehrer dann immer mit meinen Fünfklässlern, haben wir so eine Rallye nochmal durch die Schule und haben ein Lied darüber gemacht Die haben immer gesagt, ja, am Anfang war das für die früchteinflößend. Und das ist aber auch okay, wenn man sagt, hey, du kriegst einfach die Zeit. Das ist die Perspektive. Und wenn man dann merkt, es funktioniert aber nicht. Also zum Beispiel ein Freund von mir, dessen Tochter hat eben eine Neurodivergenz, ist nicht der Hauptgrund, aber auch einer der Gründe, warum ich das unbedingt als Kapitel auch noch mit reinnehme wollte. Die hat halt eine... Die Fähigkeit, die es für so eine Regelschule braucht, nicht. Und das ist diese Form von Anpassungsfähigkeit. Denn so wie die meisten Schulen gerade aufgebaut sind. Eben noch so dieses viele Sitzen und Passivsein und wenige Möglichkeiten haben, sich zu bewegen. Da kommen viele mit klar, aber manche halt überhaupt nicht. Und dann, wenn man so merkt, nee, das nimmt Überhand. In dem Fall war das eben auch Rückzug und ich möchte da nicht hin. Dann sollte man sich Gedanken machen. Und da kann ich jetzt natürlich schlechten Zeitraum nehmen. Aber wenn jetzt sozusagen wirklich ein halbes Jahr lang eigentlich klar wird, das funktioniert so nicht, dann muss man sich überlegen, gibt es nicht Möglichkeiten, sich umzuorientieren? Und eine Umorientierung kann dann zum Beispiel bedeuten, an eine Schule zu gehen, wo es mehr Möglichkeiten für Bewegung gibt, mehr Freiraum oder mehr individuelle Betreuung, ist ja auch so ein Stichwort. Und jedenfalls nicht eine Schule, wo sozusagen diese Form der Anpassungsfähigkeit das absolut Wichtigste dafür ist, durch den Tag zu gehen. Was ich in deinem Buch auch ganz, ganz wichtig fand, ist, dass du es immer wieder betonst, dass super darauf ankommt, wie wir mit Fehlern umgehen. Warum sind denn Fehler fürs Lernen so entscheidend und warum tun wir uns so schwer damit? Also ich kenne es ja auch von mir selbst, Fehler machen es einfach immer schwierig. Vor ein paar Monaten habe ich gelesen, dass Fehler eigentlich ja ein Anagramm von Helfer ist. Und das hat bei mir total viel ausgelöst. Und seitdem versuche ich das immer ganz, ganz aktiv, auch meinen Kindern mitzugeben, dass wir aus Fehlern eben lernen. Aber ich glaube, das ist noch nicht so allgemein bekannt, wie wichtig das wirklich ist, oder? Ja, genau. Also man kann das so ein bisschen umdrehen. Aus der Forschung ist bekannt, dass das Wichtigste oder das Wirkungsvollste, so rum, das Wirkungsvollste für das Lernen ist das konstruktive Feedback. Und wenn wir alle schon perfekt wären, dann bräuchten wir kein konstruktives Feedback. Was ist konstruktives Feedback im Gegensatz zu destruktivem Feedback? Ich sage halt eben nicht, ja, sorry, also du kannst es halt nicht, tschüss. Unser Schulsystem funktioniert da aber drauf. Also wir haben uns ja gewisse Dinge, hinterfragen wir gar nicht mehr, die völlig absurd sind. Also zum Beispiel, dass man nach sechs Wochen eine Klassenarbeit schreibt und das für viele, dass der erste Moment ist, wo die wirklich ein Feedback bekommen. Und wenn das Feedback dann heißt, ja, du kriegst es halt nicht hin, hier ist deine fünf, dann heißt es ja nicht so und deshalb arbeiten wir da jetzt dran, sondern dann heißt es, da musst du jetzt selbst mit klarkommen, weil jetzt geht die nächste Einheit weiter und übrigens, die basiert auch auf denen. Ja, sozusagen. Gar keine Fehler richtig machen, sondern das, was man tut, ist ja, man probiert etwas aus und kommt vielleicht zu einem Ergebnis, was erstmal nicht das Gewünschte ist und dann probiert man es wieder aus. Überhaupt sozusagen diese Kategorie Fehler impliziert ja oft auch schon falsch, und da wegzugehen und zu sagen es geht gar nicht erstmal ob richtig oder falsch sondern es geht darum sozusagen zu überlegen wie man. Gemeinsam zu dem Zielpunkt kommt, das ist super wichtig und deshalb ist dieses Helferfehler Fehler sind Helfer so toll weil das eigentlich die Perspektive wechselt für die Grundschule ist das jetzt so, also das kann ich jetzt mit meinen, Übrigens, mit meinen Elfern würde ich das auch machen. Also mit meinen Abiturienten, da würde ich das ein bisschen anders formulieren. Die sind schon cool genug. Aber da ist das natürlich total toll. Und deshalb finde ich es auch super. Ich weiß gar nicht, ich glaube, ich habe im Buch auch darüber gesprochen, dass das an der Grundschule meiner Tochter so schön war, weil die nämlich in Bezug auf Fehler, oder in Bezug auf Entwicklung dieses Growth Mindset total ernst genommen haben und bei so einem Feedback-Gespräch eine... Verbildlichung von so einem Pflänzchen hatten. Und dann geht es darum, wo ist das Pflänzchen noch klein bei dir und wo ist es groß und wo ist es so mittendrin, um zu zeigen, es geht nicht darum, dir zu sagen, so übrigens, das kannst du nicht, sondern da ist das Pflänzchen noch klein. Aber das heißt ja nicht, dass es nicht noch größer wird. Und ich bin da jetzt so ein bisschen kindlich-spielerisch, um zu zeigen, es geht eigentlich um den Entwicklungsprozess und nicht sozusagen um so ein Aburteil. Und wenn man das aber weiß, ist es halt eben wichtig, dass man dem Kind sagt, ah, du hast das nicht richtig hingekriegt. Ja, Mensch, das heißt doch, wenn wir es jetzt richtig hinkriegen, dann hast du einen richtigen Sprung gemacht, geil. Okay, muss man jetzt vielleicht nicht geil sagen. Also ich wäre so jemand. Genau, also deshalb ist das so ein fundamental wichtiger Punkt. Und deshalb hoffe ich natürlich trotzdem auch immer, dass das in den Schulen auch weitergeführt wird. Ich habe aber, um mal hoffnungsvoll zu sein, das Gefühl, dass es schon immer mehr Schulen gibt, die das auch ganz ernst nehmen. Denn dahinter steht ja noch eine andere Sache. Dahinter steht die Perspektive, ich unterstütze dich, unabhängig davon, wie weit du in einem Thema bist oder nicht. Und auch wie weit du kommen kannst in diesem Thema. Wir haben ja nicht alle Kinder die gleichen Voraussetzungen. Jetzt hast du vorhin schon über Noten gesprochen. Lass uns mal darauf noch kurz eingehen. Noten spielen ja im Alltag vieler Familien einfach eine riesige Rolle. Auch Zeugnisse. Wir hatten gerade Zeugnisse, Zwischenzeugnisse. Was sagen denn Noten eigentlich aus? Und wie können Eltern mit schlechten Noten umgehen, ohne ihr Kind zum Beispiel zu beschämen oder ihm das Gefühl zu geben, du reichst nicht aus, du bist nicht gut genug? Also Noten sollen, da wird es jetzt ein bisschen fachsprachlich, aber nur, dass ich es mal gesagt habe, valide, reliabel und objektiv sein. Valide heißt, dass die wirklich das messen, was sie messen sollen. Reliabel heißt, dass man sich darauf verlassen kann, dass sie auch wirklich das messen, was sie zu messen vorgeben. Und objektiv heißt eben, dass da keine persönlichen Einflüssen eine Rolle spielt. Und das sind sie alle nicht. Das wissen wir aber auch, aber wir tun immer so, weil die praktisch sind. Das muss man mal dazu sagen, Noten sind praktisch und effizient. Wir können in Momenten, wo uns entfällt, dass sie es eigentlich nicht sind, einfach sagen, ja Mensch, das Kind hat eine Eins oder eine Zwei, also ist es gut. Das Kind hat eine 3, da kommt es dann so ein bisschen auf die eigene Haltung an. Und bei einer 4 fängt schon die leichte Panik an. Aber ab dem Moment, wo wir selber daran zurückerinnern, ist eine 2 eigentlich immer eine 2? Oder war eine 2 bei Herrn Müller, wo man darauf stolz sein konnte? Und eine 2 bei Frau Sauer war etwas, wo man sich geärgert hat, weil die sonst nur Einsen verteilt hat? Da fängt es ja schon an. Und dann geht es mit den Schulformen weiter und mit den einzelnen Schulen und mit den Ländern. Okay, aber die Noten sind halt da. Deshalb verstehe ich eben Eltern auch, die sagen, ja, das ist ja alles schön und gut, aber das Kind muss doch trotzdem gute Noten haben. Und da geht es wieder um Perspektiven. Ich mache es mal sehr... Und polemisch und in kurz, wenn man will, dass das Kind gute Noten hat, ist es wichtig, dass man sich nicht auf die Noten konzentriert. Ja, ist so. Das ist so ein bisschen kontraintuitiv, aber was für mich wichtig ist, dass ich sozusagen nicht so, wie soll ich sagen, geframed werde als so ein Anti-Leistungstyp, der sagt, wir kuscheln uns alle ein. Ich will nur immer darauf hinweisen, dass sozusagen dieser Hinweis, Noten sind wichtig, weil wir in einer Leistungsgesellschaft leben, Quatsch ist. Weil Leistungsgesellschaft hin oder her, erst mal, was genau ist eigentlich Leistung? Und wenn Leistung bedeutet, dass man über das, was man tut, so lange besser wird, bis man so gut ist, dass man dafür fürstlich entlohnt wird, sagen wir mal, also nur im monetären Sinn, na ja, dann bedeutet das eigentlich, dass man etwas gefunden hat, woran man so viel Interesse hat, dass man dafür sozusagen die Extrameile geht. Und ich weiß nicht, ob das tatsächlich immer damit zusammenhängt, auch nach der Schule, dass jemand sagt, ja, also da kriegst du jetzt eine zwei bis drei für. Sondern es ist eher andersrum, dass die Bestärkung dieses eigentlichen Prozesses, und da hatten wir es ja heute schon, dazu führt, dass sich dann am Ende das auch niederschlägt, eben in dieser Ziffer. Das heißt, wie du es gerade gesagt hast, beschämen und so weiter ist sowieso Quatsch. Aber, also was heißt Quatsch? Das ist schädigend. Aber es ist auch nicht die beste Idee zu belohnen. Bei guten Noten. Und auch nicht eine Belohnung vorher auszusprechen. Aus zwei Gründen. Nummer eins, wenn man eine Belohnung für gute Noten in Aussicht stellt, heißt das ja, dass wenn man die Note dann nicht kriegt, es doppelt bitter ist. Also jetzt habe ich nicht nur nicht die 2 plus gekriegt, wie ich mit meiner Mutter ausgesagt habe, sondern ich kriege noch nicht mal die 20 Euro. Das ist blöd. Wenn ich die Belohnung bekomme, dann ist für mich klar, das Lernen spielt überhaupt keine Rolle. Das, was eine Rolle spielt, ist eben die Benotung. Und die spielt auch nur deshalb eine Rolle, weil ich dafür Geld kriege. Dass das kontraintuitiv ist, das können sich alle vorstellen, die einmal anfangen, das Kind dafür zu bezahlen, dass es den Tisch abräumt. Wenn ich möchte, dass das Kind den Tisch abräumt und das eine solidarische Aufgabe ist, dann sollte ich das nicht tun. Weil sobald ich nicht mehr bezahle, sagt das Kind, wieso soll ich denn jetzt den Tisch abräumen? Ich kriege da ja nichts mehr für. Das heißt, es ist eher so, dass, also mal davon abgesehen, ja, ist ja sowieso nicht dogmatisch, natürlich kann man sich freuen und das Kind freut sich auch, aber das Kind ärgert sich auch und wenn das Kind sich über eine Note ärgert. Dann ist das Schlimmste, was man tun kann, diesen Ärger noch mal zusätzlich zu intensivieren. Sondern man kann es andersrum sagen, wenn das Kind mit einer schlechten Note nach Hause kommt, dann sollte man was Schönes zusammen machen. Nicht als Belohnung, sondern einfach als Ausgleich. Und dann hingehen und in der Situation, wo der Ärger ein bisschen verflogen ist oder die Wut oder die Scham überlegen, so wie können wir da denn jetzt aktiv was dran ändern. Ein anderer Punkt, der viele Familien bewegt, sind ja die Hausaufgaben. Also ich kenne viele, bei denen das wirklich ein täglicher Konflikthert ist. Warum eskaliert denn das Thema so häufig? Weil es oftmals so ist erstmal, dass es ganz einfach zu viel ist, weil die Lehrkräfte sich nicht absprechen und oftmals auch nicht absprechen können. Und weil dieser Druck und dieser Zwang eben dazu führt, dass der irgendwie kanalisiert werden muss und dann die Kinder eben irgendwann in der Situation sind und eigentlich auch nicht mehr können und das dann an den Eltern auslassen. Also ich spreche ja auch davon, den Begriff habe ich ja jetzt nicht erfunden, aber ich habe ja auch dazu noch einiges recherchiert und nachgeguckt und geprüft und dass Hausaufgaben mit Hausfriedensbruch assoziiert werden, ist ehrlich gesagt nicht so, also ist relativ häufig. Jetzt muss man ja überlegen, es gibt ja ein paar Punkte, ich nehme mal zwei raus. Einmal kurzer Perspektivwechsel. Hausaufgaben in der Art, wie sie oft gemacht werden, bringen nicht besonders viel. Jetzt kann man als Eltern sagen, ja, das ist blöd, aber es nützt mir natürlich nichts. Warum ist das so? Naja, wenn der Lehrer mir erklärt hat, wie man eine Kurzgeschichte interpretiert, Und ich interpretiere die dann zu Hause, dann gibt mir ja keiner Feedback. Wir hatten es ja gerade davon. Konstruktives Feedback. Also ist das eigentlich Quatsch. Eigentlich sollte der Lehrer mir aufgeben, vielleicht mal ein YouTube-Video zu gucken. Das ist okay. Und da geht es dann darum, wie man eine Kurzgeschichte interpretiert. Und die Interpretation schreibe ich in der Schule, wo der bei ist. Weil sonst wird das ja auf die Eltern ausgelagert. Wenn man das jetzt aber weiß, dann nützt das ja insofern nichts. Und deshalb gebe ich ja, also ich bin ja Nestbeschmutzer. Ich gebe ja in dem KI-Kapitel zwar auch Hinweise darauf, wie man KI nutzen kann, damit die Hausaufgaben produktiv gemacht werden. Aber ich sage ja manchmal auch, ey, manchmal ist es auch einfach genug. Und dann kann man auch mit dem Kind zusammen sagen, da gehen wir jetzt mal kurz den leichten Weg, solange das nicht sozusagen jedes Mal passiert. Oder auch dem Lehrer zu schreiben und zu sagen, hey, Johanna hat es wirklich versucht, aber sie hat es leider nicht geschafft, die Hausaufgaben zu machen. Das finde ich auch völlig in Ordnung. Viel wichtiger ist aber noch, dass, also aus meiner Sicht, dass man so diesen Lernbegriff ein bisschen weitet und sich überlegt. Lernen heißt nicht immer nur, dass man sich hinsetzt und irgendwie ein Arbeitsblatt ausfüllt, sondern ganz viele andere Sachen tragen zum Lernen bei. Zum Beispiel, also ich meine gut, das ist jetzt wirklich, ich würde mal sagen, nach meinen Begriffen. Sagen wir mal etwas begrenzten Erfahrungen, ist das jetzt vielleicht ein bisschen holzschnittartig, aber der eine oder andere, der Jungs hat, wird sich die Augen reiben. Meine Tochter und ihre beste Freundin haben gestern einfach gebacken mit neun, mit dem Thermomix. Da würden sich viele, glaube ich, würden sich das wünschen, weil die standen anderthalb Stunden so. Aber was machen die denn? Die wiegen ab und die überlegen und die lesen nach und so weiter. Das ist alles Lernen. Und das finde ich auch wichtig, damit man sozusagen nicht an einen Punkt kommt, wo man sozusagen Lernen selbst immer nur mit was Schlechtem verbindet. Eben mit diesem blöden Ausfüllen von Hausaufgabenblättern oder mit diesem einen Tag vorher, was ja sowieso ein bisschen spät ist, aber einen Tag vorher sich hinsetzen, weil am nächsten Tag ein Test geschrieben wird. Und ich glaube, ich weiß nicht, jetzt sozusagen über die ganzen Strategien zu sprechen, wie man Hausaufgaben dann erträglicher macht, wird glaube ich den Rahmen sprengen, aber ich glaube, das zu wissen und auch zu relativieren und dann auch da hinzugehen und mit so einem zugewandten, mit so einer zugewandten Unterstützung auf das Kind zuzugehen und zu sagen, hey, ist jetzt auch okay, du probierst jetzt noch und wenn du es dann nicht schaffst, ist es auch in Ordnung. Das ist auch extrem wichtig, weil Druck, in dem Fall Gegendruck erzeugt und weil das Kind ja oft sowieso schon Druck hat, es dann zu so einer typischen Eskalation kommen kann, von der ich im Buch auch schreibe, obwohl ich die nicht so häufig habe, wo dann sozusagen das Geschrei groß ist. Okay, dann lass uns mal noch über das Verhältnis zwischen Eltern und Lehrkräften sprechen, weil das ist wirklich, du hast vorhin schon gesagt, sehr oft angespannt und ich habe persönlich schon wirklich alles erlebt von, die Lehrerin war so dermaßen unverschämt, dass ich wirklich aufgestanden und gegangen bin bis hin zu, die Lehrerin war so großartig, dass sie sogar für längere Zeit Heimunterricht durchgeführt hat. Was können denn Eltern vor allem bei schwierigen Verhältnissen zur Lehrkraft tun? Was sind so die typischen Missverständnisse und wie lassen sich Gespräche grundsätzlich konstruktiver gestalten? Also ich meine, wenn wir bei Gesprächen sind, sind wir ja meistens schon bei einem Punkt, wo es in gewisser Weise nichts mehr genützt hat, über die Distanz zu kommunizieren. Und das kann jetzt ein gutes oder ein schlechtes Zeichen sein. Das hängt dann auch an der Schule. Es ist vor allem dann ein schlechtes Zeichen, wenn es normalerweise keine Austauschmöglichkeiten gibt, die bestimmte Dinge schon im Vorhinein klären, sage ich mal ganz blöd. Also ich gebe ein Beispiel. Ich habe als Klassenlehrer immer wieder auch einfach mal eine Mail rausgeschickt und gesagt, die Klasse, das funktioniert gerade super, wir machen gerade folgende Themen und so, damit so eine Verbindung irgendwie bleibt. Weil wenn das einzige Mal, wo man mit der Lehrkraft redet, das ist, wo es schon irgendwie ein Problem gab, dann kann es sein, dass man sich in einer Zeit der Anspannung. Spricht. Und da ist die Eskalations Wahrscheinlichkeit einfach höher. Also, erstmal, die meisten Lehrerinnen und Lehrer, die ich kenne, sagen bei Elternabend, sie können sich jederzeit an mich wenden. Machen sie das als Eltern. Machen sie das. Schreiben sie einfach, ja, hier ist die Mama von Josefine. Ich wollte gerade einfach nur mal fragen, ob alles in Ordnung ist. Ich habe ein bisschen mitgekriegt. Fand ich schön, dass sie dies und das gemacht haben. Also, vielleicht auch mal ein kleines Lob. Oder so, wenn es gut läuft. Weil das hat gar nichts mit Lehrern zu tun. Wir tendieren alle dazu, Positives als normal anzunehmen und uns dann unheimlich aufzuregen, wenn es mal nicht positiv wird. Und dann kommen nämlich die E-Mails an die Lehrer, wenn man sich aufgrübt. Genau. Und dann ist es so, ich bin in ganz viele Sachen reingewachsen. Also ich gebe euch ein Beispiel. Im Buch habe ich das auch geschrieben, dass ich mal ein Buch gelesen habe mit meiner Klasse und da hat sie dann eine Mutter geschrieben, also sie hat da reingeguckt und das wäre so beschissen, dass sie sich da mit den Arsch abgeputzt hat. Und dann dachte ich so, Boah, das ist jetzt ja ein ganz schönes Stück. Und was kann ich jetzt machen? Nummer eins, da ist ja wirklich ein Hinweis drin. Und den habe ich ernst genommen. Nämlich, das war ein kontroverses Buch. Beim nächsten Mal habe ich eine Mail an alle geschickt. Also nicht in der Klasse, sondern darauf folgend, dass ich denen gesagt habe, das ist kontrovers. Gucken Sie ruhig mal rein. Schreiben Sie mir, wenn Sie Fragen haben. Aber das heißt, ich habe sozusagen das versachlicht. Nummer zwei, ich könnte da jetzt schreiben, was erlauben Sie sich eigentlich? Wissen sie eigentlich, mit wem sie reden und so. Aber was ist das Ziel eigentlich? Was ist das Ziel? Die Mutter hat sich echauffiert und ich überlege, was ist ihr Ziel? Und in dem Fall gab es ja nicht so ein wirkliches Ziel. Die wollte ja gar nicht mit mir sprechen. Also habe ich sozusagen das Ganze auch in meine Antwort versachlicht. Schrieben, sehr geehrte Frau, Hohenstein-Witz. Übrigens alle Namen, die ich heute in dieser Folge sage, sind einfach nur kurzfristig erfunden. Zunächst einmal nehme ich zur Kenntnis, dass sie das Buch irritierend findet und der Grund dafür war das pädagogisch Blabla. Und dann sage ich, zugegeben war ich etwas irritiert von der Art und Weise ihrer Ansprache, aber ich nehme an, dass sie und so weiter. Und danach kam nie wieder was. Und das Ding ist, was ich damit jetzt eigentlich sagen will, ist, das ist aber schon ein Versuch von einer Relativierung. Und deshalb schreibe ich ja zwei Sachen in dem Buch auch noch. Die eine Sache ist, 24-Stunden-Regel, wenn man das noch nicht so beherrscht. Ich beherrsche das mittlerweile ganz gut, sofort zu versachlichen. Aber wenn man das nicht beherrscht, nicht aus der Emotion heraus antworten, wenn man sich an Karren gepisst fühlt. Sondern erst mal ein bisschen Zeit vergehen lassen, bis man sozusagen, bis das Ratio wieder übernommen hat. Und dann ist ChatGPT auch dein Freund. Das finde ich total witzig. Das habe ich sogar mal in einem Video gemacht, wo ich gesagt habe, also ich reche mich jetzt, also aus der Perspektive von Eltern, ich reche mich jetzt total über den Lehrer so und so auf. Der gibt immer so scheiß viele Hausaufgaben und die kapiert dann auch noch keiner. ChatGPT, bitte formuliere das auf eine Art und Weise, die zugewandt und so weiter. Und das sind alles Dinge, die wahnsinnig wichtig dafür sind, dass wenn man dann miteinander spricht, weil man das doch noch klären muss und auch dazu habe ich dann im Buch wirklich, glaube ich, nachvollziehbare und konkrete Ideen, dass man nicht schon sozusagen wie so eine Furie aufgebracht reinkommt, unabhängig davon, ob man da allen Grund für hätte, weil. Diese Erziehungspartnerschaft zwischen Eltern und Lehrkräften, die ist ja nicht nur formal, sondern es ist ja eigentlich auch persönlich so, dass eigentlich alle wollen, dass es gut läuft. Und deshalb ist das ja immer so blöd, dass dann sozusagen in Gesprächen das so eskaliert, obwohl man eigentlich nur möchte, dass das Kind oder die Kinder es gut schaffen. Jetzt lass uns noch mal kurz auf KI eingehen. Hast du ja gerade schon gesagt, kann man auch für Briefe schreiben nutzen. Und so digitale Medien spielen einfach immer eine wichtigere Rolle. Darüber haben wir ja auch schon eine ausführliche Podcast-Folge gemacht. Ich würde jetzt gerne aber in Bezug auf Schule von dir wissen wollen, wie da so eine sinnvolle elterliche Begleitung und auch Haltung aussehen kann im Hinblick auf KI. Denn KI kann ja durchaus ein sinnvoller Helfer sein, aber kann eben auch einen Großteil der Arbeit abnehmen. Und dann lernen Kinder ja vielleicht gar nichts mehr. Ich habe mal mit einer Mutter gesprochen, die hat gesagt, sie findet Chat-GPT total super, weil das viel besser ihrer Tochter die Hausaufgaben erklären kann, als sie es könnte. Und da dachte ich, ja, verstehe ich, aber dafür muss eine Sache gegeben sein, die Tochter muss die Hausaufgaben machen wollen. Weil der Chat-GPT kann nämlich nicht nur die Hausaufgabe gut erklären, sondern die Hausaufgabe auch sehr gut ganz alleine machen. Und für mich ist es eben so, für Eltern wie für Schulen, wenn ich in Schulen spreche, dass das eben für einen aktiven und reflektierten Umgang spricht. Also das heißt, ich sehe es als wirklich reale Bedrohung, jetzt unabhängig von der Auslöschung der Menschheit, als reale Bedrohung für junge Leute, dass sie nichts mehr selber machen. Vor allen Dingen, wir haben darüber gesprochen, Hausaufgaben, die sind anstrengend. Und dann stellt man sich vor, da sitzt so ein Achiever, der möchte alles super gut machen, schreibt sieben Seiten Deutsch-Hausaufgaben und geht zurück in die Klasse und wird nicht drangenommen. Boah, das ist frustrierend. Oder wird drangenommen und dann merkt aber jemand anders, liest das vor, hat es mit ChatGPT gemacht und wird viel mehr gelobt oder so. Deshalb ist es wichtig, das aktiv zu, sich da ein bisschen auszukennen. Und in dem Buch habe ich das so gemacht, dass ich erst mal so ein bisschen das versuche einzuordnen und dann zeige, wie eine Möglichkeit der total produktiven Nutzung passiert. Das ist total cool. Wenn man weiß, es muss für eine Klassenarbeit gelernt werden, das Kind hat aber sowieso schon wenig Bock, dann kann man das so als kleinen Hauselfen benutzen und relativ niedrigschwellig Aufgaben generieren, die in dem Themenbereich des Kindes liegen. Vielleicht hat es dann trotzdem nicht Bock, aber es ist halt vielleicht besser Konjunktionen. Also das ist das, was nach dem Komma und dann das mit zwei S folgt, mit dem Thema Minecraft zu lösen, als mit irgendwie... Keine Ahnung, was in den Schulbüchern dann manchmal für ein Murks steht. Und genau, und da geht es dann halt darum, das auf eine Art und Weise zu lösen, wie das Lernen unterstützt wird und eben nicht outgesourced. Und ehrlich gesagt, das wird uns in Zukunft noch viel beschäftigen, weil wir alle und auch alle, die jetzt teilweise so ein bisschen naive KI-Unterstützer sind. Manchmal vergessen, dass man, wenn man nicht mehr in der Schule ist, ja an einem ganz anderen Punkt ist. Wenn ich sowieso schon weiß, dass ich für mich selber lerne, dann ist KI natürlich wunderbar, weil es mir irgendwie Sachen schnell erklären kann. Aber wenn ein 13-, 14-Jähriger eben die Entscheidung hat, mache ich es selber oder drücke ich auf einen Knopf und bin in sieben Sekunden fertig, dann ist das schon was anderes. Deshalb ist mein Plädoyer immer diese Offenheit und dieses Vertrauen gegenüber den Kindern. Und vielleicht, wenn es geht, auch eine Begleitung, wie man dann selber Dinge ausprobieren kann. Und da habe ich so ganz verschiedene Beispiele dann, wie man das in den unterschiedlichen Fächern macht, welche Möglichkeiten es gibt, welche Prompts man eingeben kann. Weil dann, wenn man es gut macht, dann kann es einem wirklich zusätzlich eine Hilfestellung geben, gut durch die Schule zu kommen. Okay. Lass uns mal noch kurz über neurodivergente Kinder sprechen. Ich habe ja selbst zwei davon und merke, wie die im klassischen Schulsystem wirklich an ihre Grenzen kommen. Was kann ich denn da als Elternteil gegenüber der Schule tun, damit meine Kinder bestmöglichst begleitet werden? Das Neurodivergenz-Kapitel war für mich ehrlich gesagt in zweifacher Hinsicht eine Offenbarung. Als erstes deshalb, weil ich, als ich überlegt habe, wie ich das selber gemacht habe, mir klar geworden ist, welche Fehler ich als Lehrer so gemacht habe. Ich dachte, ach Mensch, mir fällt einer ein und dann sind mir hinterher ganz viele eingefallen, über die ich übrigens auch schreibe, um einfach zu zeigen, Ich hoffe, dass das mir gelungen ist, aber um deutlich zu machen, es geht jetzt nicht darum, dass ich das alles schon vorher wusste, sondern ich habe Dinge nach und nach anders gemacht. Und da geht es erstmal von Elternseite um Bewusstwerdung und Strategien für die Schule. Ich gebe mal ein Beispiel. Da schreibe ich auch im Buch drüber, da schreibe ich, wie gesagt, über mehrere Beispiele meines Scheiterns, meiner Fehler. Fehler und Helfer und so hatten wir ja schon. Ich hatte einen Junge, von dem weiß ich nicht, ob er neurodivergent war. Der hatte jedenfalls keine Diagnostik. Aber der hat sich halt immer hingestellt. Wenn er nachgedacht hat, wenn er irgendwie mit jemandem gesprochen hat, hat er sich immer hingestellt. Und wir hatten es ja gerade von Anpassungsfähigkeit. und ich habe völlig unreflektiert den dann immer wieder hinsetzen lassen. Sogar in so einer Art von, das sollte eigentlich ironisch sein, aber ich glaube, das war halb beschämt, weil ich immer gesagt habe, Christoph, sitz. Und dann hat er sich irgendwie wie so ein Hund. Und das war dann irgendwie so witzig. Das ist gar nicht mehr witzig. Und eigentlich hätte ich jemanden gebraucht, der mir sagt, Und du, das ist eigentlich genau das Problem, wenn er steht. Und dann hätte ich vielleicht sowas gesagt, naja, da wo der gerade ist, dann können andere nicht sehen. Ja gut, dann setz ihn halt woanders hin. Und in dem Buch von Rebecca Winthrop, von der wir schon gesprochen haben, gibt es eine Situation, wo sie über ein neurodivergentes Mädchen spricht, die unterm Spülbecken sich eingerichtet hat und da super gut lernen konnte. Und ich bin mittlerweile an dem Punkt, wo ich sage, na ja, also ist doch super, wenn es eine Einzelaufgabe gab. Das heißt, alleine der Ortswechsel oder in dem Fall des Schülers, der sich hinstellt, na ja, hätte ich halt gesagt, komm, dann gucken wir mal, wo du dich gut hinsetzen kannst, wo du dann auch mal stehen kannst, wäre ein absoluter Gamechanger gewesen. Und dann gibt es verschiedene andere Dinge noch, die ich dann selber rausgearbeitet und rausgefunden habe in meiner Recherche, in den Podcasts, die ich gehört habe und so weiter. Oder sowas wie Möglichkeiten der Bewegung, ob das jetzt ein Fidget-Spinner ist oder so ein Wackelkissen oder die Möglichkeit, sich es auch mal auszuschließen, also mit einem Kopfhörer. Auch da als Hinweis natürlich nicht nur ein Kopfhörer fürs neurodivergente Kind, sondern im besten Fall dann 23, damit jeder die sich nehmen kann. Das ist nämlich so, dass viele von solchen Strategien auch für neurotypische junge Menschen sinnvoll sein können. Und das sind alles Dinge, die, wenn man behutsam kommuniziert, für die Lehrkräfte auch super gewinnbringend sind, weil die das selber oftmals nicht wissen. Das heißt. Kürzeste Wort als Antwort auf deine Frage ist eben eine gemeinsame Bewusstwerdung. Okay, das waren jetzt zwei. Bewusstwerdung. Weil vieles wusste ich selber nicht. Und ich muss ganz ehrlich sagen, ich bin jetzt noch nicht am Abschluss, aber als ich ein Buch gelesen habe zum Thema ADHS, habe ich irgendwie dann angefangen, das anzustreichen und abzustreichen. Und irgendwann habe ich gemerkt, shit, ich streiche das gar nicht mehr für meine Recherche an, sondern weil ich hier ganz viel bemerke, dass für mich selber plötzlich die Dinge noch mal ein anderes Licht rückt. Insofern glaube ich, dass man als allererstes ein Bewusstsein schaffen muss, zusammen mit der Schule, wie man da an Hilfestellung rankommt. In dem Buch geht es natürlich aber auch so ein bisschen darum, diese Hürden, die man sich selber setzt in Bezug darauf, Diagnose, wann soll ich das eigentlich machen, was folgt danach und so weiter, für sich auch nochmal klar zu machen. Weil ich glaube, das ist manchmal auch schambesetzt oder man hat bestimmte Befürchtungen, die dann auch erst mal relativiert werden müssen, bevor man dann mit der Schule auch in Kontakt tritt. Das auf jeden Fall. Jetzt sind wir fast am Ende unserer Folge. Lass uns abschließend für heute nochmal einfach die Frage stellen, wenn jetzt Eltern nur eine Sache aus diesem Podcast mitnehmen, um ihr Kind gut durch die Schulzeit zu begleiten. Was wäre das? Was würdest du ihnen sagen? Ich würde ihnen wahrscheinlich sagen, dass Don't Panic. Die bedingungslose Liebe ist das Wichtigste, was wir unseren Kindern geben können. Und darauf baut alles auf. Unsere eigene Unsicherheit, unsere eigene Panik, unser eigener Druck führt meist nicht zu einem Ergebnis, zumindest nicht zu einem nachhaltigen Ergebnis, was wir uns eigentlich für die Kinder wünschen. Deshalb ist es so wichtig, so eine zugewandte Form der Unterstützung zu finden, die gleichzeitig auch sagt, du bist völlig in Ordnung, wie du bist, und zwar völlig unabhängig davon, mit was für einer Note du kommst, ob dir mal ein Fehler passiert ist, online oder offline oder mit dem Lehrer oder so, sondern ich begleite dich, ich unterstütze dich als derjenige, der du bist. Das ist das Allerwichtigste. Ja, ein wunderbares Schlusswort. Vielen, vielen lieben Dank, Bob, für dieses tolle Gespräch und die vielen Gedankenanstöße. Sehr, sehr gerne. Danke für die nochmalige Einladung. Ja, immer gerne. Es war uns wieder eine große, große Freude. Genau, egal welches Buch du schreibst, bitte, bitte, bitte komm zu uns zu Gast. Wenn ihr noch mehr zum Thema lesen wollt, dann schaut natürlich unbedingt in Bobs Buch hinein. Es heißt, wie kommt mein Kind gut durch die Schule und ist im Mosaik Verlag erschienen. Und Bob hat uns auch ein Exemplar mitgebracht. Das könnt ihr wie immer bei Insta gewinnen oder indem ihr uns eine Mail an wunschkindblog at gmail.com schickt. Und wenn ihr noch mehr von Bob hören wollt, dann könnt ihr das in seinem Podcast Die Schule brennt tun. Oder ihr klickt euch bei uns durchs Archiv. Dort findet ihr beispielsweise die Folge 90, in der Bob uns erzählt, was die zehn Dinge sind, die er an der Schule hasst. Oder die Folge 155, in der es darum ging, warum Kinder heute überhaupt noch lernen und wie Schule heute aussehen müsste. Wenn euch diese Folge geholfen hat, dann teilt sie gerne mit anderen Eltern, folgt unserem Podcast, bewertet uns auf Spotify oder Apple Podcasts und empfehlt uns weiter. Wir hören uns, wenn ihr mögt, nächste Woche wieder. Für heute sagen wir Tschüss. Tschüss. Ciao. Das war der Podcast vom gewünschtesten Wunschkind.