Das gewünschteste Wunschkind, der Podcast. Hallo und herzlich willkommen zu Das gewünschteste Wunschkind, der Podcast mit Daniel Graf und Katja Seide. Heute geht es um ein Thema, das ganz viele Eltern beschäftigt, oft leise, manchmal sehr plötzlich, aber fast immer mit großer Unsicherheit verbunden, nämlich psychische Belastungen bei Kindern. Es gibt Eltern, die beobachten Veränderungen bei ihrem Kind und fragen sich, ob das noch eine normale Entwicklungsphase ist oder ob ihr Kind vielleicht gerade innerlich leidet. Ob Rückzug, starke Wut, Ängste, Bauchschmerzen oder Schlafprobleme noch irgendwie dazugehören oder ob das Zeichen sind, genauer hinzuschauen. In dieser Folge wollen wir Orientierung geben, ganz ohne zu dramatisieren oder zu bagatellisieren. Wir sprechen mit Psychologin Michelle Liusi darüber, wie sich psychische Belastungen bei Kinder zeigen können, warum Kinder oft über Verhalten statt über Worte kommunizieren und was Eltern konkret tun können, um ihre Kinder gut zu begleiten, ohne sich selbst dabei zu überfordern. Michelle hat über dieses Thema gerade ein wirklich interessantes Buch geschrieben. Es heißt, wenn kleine Seelen leiden. Herzlich willkommen, Michelle. Hallo, schön, dass ich da sein darf. Wir freuen uns auch sehr. Michelle, wenn wir über psychische Belastungen bei Kindern sprechen, wovon sprechen wir da eigentlich ganz konkret? Und warum ist es so wichtig, diesen Begriff nicht sofort mit Krankheit gleichzusetzen? Das ist mir wirklich sehr wichtig, dass wir nicht gleich total dramatisch von Krankheit oder Störung sprechen. Denn psychische Belastungen sind eigentlich erstmal eine ganz normale Reaktion auf Dinge, die sich gerade verändern, die gerade zu viel sind, zu schnell, zu unsicher. Oder die kindliche Psyche reagiert darauf dann mit dem ganzen System, wenn möglich schon mit Worten, aber oftmals dann im Verhalten und im Körper. Das sind dann Sachen wie Veränderungen, das können Dinge. Kleinigkeiten sein oder für uns Erwachsene vermeintliche Kleinigkeiten wie das ungeräumte Zimmer oder ein Umzug, der Schulwechsel. Natürlich dann auch große Veränderungen wie die Trennung der Eltern, der Verlust eines Familienmitglieds und auch Konflikte, wiederkehrende Konflikte im Alltag. Das sind alles Dinge, die das System in Unruhe bringen und dann gibt es eine Belastungsreaktion. Auf diese Belastung wird reagiert, aber das ist noch keine Krankheit und auch keine Diagnose. Und warum erleben Kinder solche Belastungen oft ganz anders als Erwachsene? Und oft reagieren sie auch so, dass Eltern da erstmal ratlos davorstehen. Die Antwort ist eigentlich ganz naheliegend, weil Kinder nun mal keine Erwachsenen sind. Also es fehlen ihnen einfach noch ganz viele Entwicklungsschritte, Fähigkeiten, Kompetenzen. Die können noch nicht nach innen schauen und nachdenken, okay, diese wiederkehrenden Bauchschmerzen am Morgen, die kriege ich, weil ich eigentlich Angst vor der Schule habe oder vor dieser Situation auf dem Pausenhof, oder davor, dass die Lehrerin wegen meinen Hausaufgaben schimpft, sondern die spüren halt erst mal die Bauchschmerzen. Genau, weil das System merkt schon, da ist was los, irgendwie fühle ich mich unwohl, aber die Zusammenhänge können noch nicht reflektiert werden innerlich und auch noch nicht verbal geäußert werden. Manchmal können sie dann schon reflektiert werden, aber es fehlen noch die sprachlichen Ausdrucksmöglichkeiten, weil wenn wir uns mal überlegen, eigentlich ist es ziemlich kompliziert, den inneren Erlebenszustand und Gefühle in Worte zu fassen. Ich meine, manche Erwachsene tun sich damit noch schwer. Es fehlt, im Gehirn fehlen Fähigkeiten wie Problemlösefähigkeit. Es fehlt noch Emotionsregulationskompetenz, gerade bei eben Kindergarten- und Vorschulkindern. Und deshalb wird es dann relativ ungefiltert. Da fehlt dann noch eben dieser kognitive Zwischenschritt und es geht dann auf den Körper und die Gefühle sind groß. Das kennen wir ja von unseren Kindern. Die nehmen sich den Raum, machen sich Luft, der Körper reagiert und sie ziehen sich vielleicht auch zurück. Du sagst ja, dass Veränderungen so ein ganz zentraler Hinweis sind, dass irgendwas im Argen liegt. Also wenn Eltern beispielsweise feststellen, ja mein Kind ist irgendwie anders geworden. Worauf genau sollten wir denn achten? Da möchte ich gern kurz ein Beispiel irgendwie versuchen aufzumalen. Ja, super gern. Und zwar, wir arbeiten in der Diagnostik ja immer total gern mit Symptomen, also Ausprägungen. Und sagen dann zum Beispiel sowas wie, der soziale Rückzug ist ein Symptom von einer Störung oder Belastung. Wenn ich jetzt aber schon ein sehr schüchternes Kind habe, von seinem Grundcharakter her, vom Temperament her, dann wird es mir schwerfallen, jetzt da zu sagen, okay, ist mein Kind jetzt schüchtern oder im sozialen Rückzug? Weil das war jetzt schon immer nicht der große Socializer auf dem Schulhof oder so. Wenn ich aber ein Kind habe, das richtig extrovertiert ist, würde ich sagen, und ein offenes Temperament hat, mit allen spricht und sich dann plötzlich zurückzieht, weniger Freunde einlädt, weniger spricht und so weiter, dann muss ich da hinschauen. Das heißt, ich habe hier eine Veränderung von dem, wie mein Kind generell so ist und das kennen Eltern am besten. Eltern wissen, wie ihr Kind so von der Grundstimmung her, von der Grundprogrammierung her ist. Und wenn sich die verändert, dann kann ich hinschauen, über welchen Zeitraum verändert sie sich oder in welchen Situationen verändert sich mein Kind. Und kann viel besser abschätzen, ist das jetzt mein Kind einfach schüchtern oder eben sehr laut und schnell gereizt oder so oder ist das ein Zeichen dafür, dass mit meinem Kind gerade irgendwas los ist und ich vielleicht gut hinschauen muss. Okay, das ist ein guter Hinweis. Das fand ich jetzt sehr interessant. Jetzt ist ja nicht nur diese Grundstruktur oder der Grundcharakter des Kindes so, dass es manchmal eben schüchterne Kinder gibt, sondern es gibt ja auch so Entwicklungsphasen, in denen Kinder sich dann automatisch oder natürlicherweise anders verhalten. Und wie kann ich denn auseinanderhalten, ob das jetzt eine normale Entwicklungsphase ist, wie zum Beispiel die Pubertät oder ob das eine Belastungsreaktion ist? Ja, das ist tatsächlich eine große Schwierigkeit, deswegen auch ein bisschen ausführlicher im Buch drin. Weil, wie du sagst, auch so eine Entwicklungsaufgabe ist eigentlich eine Belastung, weil es ändert sich vieles. Die Kinder müssen neu ordnen. Manchmal lernen sie Dinge, durch die sie dann die Welt auch plötzlich anders sehen. Das ist an und für sich spannend, aber auch belastend. Das heißt, das wirklich trennscharf auseinanderzukriegen, ist immer schwierig. Gut gelingen kann mir es zum Beispiel dadurch, dass ich hinschaue, wenn ich Wissen über Entwicklungsschritte habe, sind wir da gerade in einem dieser ungefähren Fenster. Also ich halte nicht viel von Monatsmarkern, aber so ungefähr sind wir da jetzt gerade in der Autonomiephase oder in der Pubertät und können deswegen da vielleicht auch ein bisschen was drauf attribuieren. Oder gab es gerade eine große Veränderung im Leben meines Kindes, das eher dafür spricht, dass ich hier gerade eine Belastungsreaktion erlebe? Also eben genau, ist jemand gestorben, sind wir umgezogen, gab es viele Konflikte zu Hause, ist ein guter Freund weggezogen, den man jetzt schrecklich vermisst. Also ich kann erst mal gucken, gibt es einen Auslöser vielleicht auch im Leben meines Kindes für eine Belastungsreaktion. Dann ist es ganz spannend hinzuschauen, wie lange hält die Veränderung denn an. Hält sie in zeitlichem Zusammenhang mit einer Belastungsaktion längere Zeit an? Weil normale Anpassungsreaktionen dürfen auch gerne mal ein paar Tage dauern. Das ist vollkommen in Ordnung. Und leidet mein Kind jetzt darunter sehr? Das ist immer ganz viel, wo ich hinschauen muss. Ist das jetzt gerade auch vielleicht für mein Kind einfach okay, dass es sich ein bisschen zurückzieht? Oder leidet es auch eigentlich darunter, dass es sich schwer tut, plötzlich mit anderen ins Gespräch zu kommen? Und dann ist immer noch gut, beeinträchtigt das Alltagsspiel und Lernen. Also haben wir jetzt wirklich Alltagseinschränkungen durch diese Situation. Durch Reaktionen, durch die körperliche Symptomatik, durch die schwierigen Emotionen. Und muss ich da vielleicht genauer hinschauen, was mein Kind braucht, damit ich ihm dadurch helfen kann. Ich habe es ja eingangs schon gesagt, dass Kinder ihre Belastung häufig über ihr Verhalten zeigen und eben nicht über Worte. Das ist für Eltern besonders herausfordernd, oder? Absolut. Also da kann ich auch gleich zugeben, das geht mir auch selber noch so. Mit meinem eigenen Wissen im Kopf vermute ich ja bei Bauchschmerzen ganz oft eben, morgens Bauchschmerzen ist mein Kopf sofort bei, oh Gott, Schulangst. Also ganz schnell von Bauchschmerzen zur direkten Schulverweigerung. Und das ist auch wirklich schwierig, weil wir sind ja dann keine Ärzte, keine Therapeuten, keine Diagnostiker, haben aber dieses Wissen im Kopf. Prinzipiell habe ich es vorher schon gesagt, wir haben hier ein Kind, das noch in der Entwicklung ist, also sich sprachlich noch nicht äußern kann. Dann übernehmen halt Körper und Verhalten diese Aufgabe. Also die wollen dann nicht das Kind ärgern oder uns als Erwachsene, sondern die wollen helfen zu kommunizieren. Hallo, hier stimmt was nicht. Ich habe dauernd Bauchschmerzen vor der Schule, vor dem Arzttermin, bevor ich zu dieser Betreuungsoption oder dem Verein muss oder was auch immer. Kopfschmerzen, Schlafprobleme, glaube ich, da sind wir alle recht sensibel dafür, dass Schlafprobleme oft ein Zeichen dafür sind, die Psyche arbeitet. Starke Wutanfälle können natürlich ein Zeichen dafür sein, dass was nicht stimmt, sind aber in manchen Phasen, aber auch einfach entwicklungszuträglich, wie in der Autonomiephase. und eben der Rückzug. Das sind alles Signale, die gesendet werden, um, zu zeigen, hier stimmt was nicht. Aber klar, diese Signale sind ja quasi nonverbal und wir würden uns wünschen, unsere Kinder könnten einfach sagen, ich fühle mich in dem Verein nicht wohl oder dieses eine Kind macht, dass es sich mich da unwohl fühlt und können wir daran was ändern. Stattdessen kriegt es halt Bauchschmerzen und wir müssen jetzt so ein bisschen wie Detektive sein und hingucken, okay, sind es Bauchschmerzen, weil gerade ein Virus in der Schule rumgeht? Sind es Bauchschmerzen, weil wir in letzter Zeit vielleicht nicht so gut gekocht haben, weil es ein bisschen stressig war. Kann ja auch mal vorkommen, solche Phasen gibt es bei uns auch. Oder eben tritt es immer wieder vor der gleichen Sache oder im gleichen Kontext auf und ich muss mal hinschauen, vergeht es dann, wenn mein Kind da ist? Ist es nur eine Aufregung vor der Sache? Bleiben die Bauchschmerzen? Vielleicht kann man dann auch über die Bauchschmerzen konkret mit dem Kind sprechen. Gehen die nachher weg, wenn wir in der Umkleidekabine waren oder bleiben die dann noch? Was hilft denn, dass sie weggehen? Und so kann ich diesem Symptom, diesem Signal des Körpers vielleicht ein bisschen auf die Spur gehen. Was ich aber bitte noch ergänzen möchte, ist, dass wir jetzt eben nicht hingehen und bei solchen Sachen immer gleich die Alarmglocken läuten lassen. Oh mein Gott. Sondern sie wirklich als Signale verstehen. okay, ich sollte mir diesen Kontext, in dem ein bestimmtes Signal immer wieder auftaucht, vielleicht mal genauer anschauen, mit meinem Kind auch ins Gespräch gehen und dieses Signal als Wegweiser nehmen und nicht als Gegner, das ich jetzt bekämpfen muss. Und vielleicht ist die Bauchschmerzen in der Früh, so wie es bei meinem Sohn war, vielleicht auch einfach eine Laktoseintoleranz. Und keine Schulangst. Ja, gut zu wissen. Jetzt gibt es ja Kinder, die bei Belastung sehr laut werden. Also wütend oder aggressiv reagieren. Und dann gibt es andere, die sich zurückziehen und still werden. Sagt das was über das innere Erleben dieser Kinder aus, sodass das so unterschiedlich ist? Nein, eigentlich bringen wir alle so ein bisschen eine bevorzugte Richtung von unseren Bewältigungsstrategien mit. Also der Volksmund sagt witzigerweise nicht ohne Grund, das schlägt mir auf den Magen oder mir platzt gleich der Schädel oder das macht mich sprachlos. Das sind oft so unsere ureigenen. Kanäle für Belastungen. Und manche von uns tendieren eher dazu, überreizt zu sein und sich dann den Rückzug zu wünschen, während wieder andere vom Temperament und von diesen Kanälen her eher dazu tendieren, laut zu werden, alles von sich zu stoßen, ganz viel Energie in sich zu haben, die sie dann abbauen müssen. Und genau, also das sollte man vielleicht auch gar nicht vergleichen oder irgendwie auch unterschiedlich werten, weil beides sind Schutzmechanismen, also laut und leise sind beides Schutzmechanismen, die hinschauen wollen, hier stimmt was nicht. Der eine braucht in dem Fall, muss sich mehr Raum verschaffen, indem er durch die Wut alles so von sich bläst quasi und der andere muss sich mehr in sich zurückziehen und das ein bisschen mit sich selber ausmachen. Aber es sagt uns tatsächlich eigentlich nicht wirklich was darüber. Also es sind Strategien und wir lernen was über die Strategien unserer Kinder. Aber wir können von ihnen tatsächlich leider nicht Rückschlüsse jetzt auf die Belastung, die dahinter liegt. Also die Leisen sind nicht immer die, wo man auf die Belastung Mobbing zurückschließen könnte oder so. So rum geht der Schluss leider nicht. So ist es nicht. Okay. Wenn wir jetzt Kinder haben, die in belastenden Phasen sind, dann scheinen die ja häufig so ein Verhalten zu zeigen, dass sie in ihrer Entwicklung zurückfallen. Also die schlafen dann schlechter, die wollen plötzlich wieder viel mehr Nähe oder können Dinge dann plötzlich auch gar nicht mehr, die vorher noch gingen. Was steckt denn hinter solchen Rückschritten? Eine super schlaue Einrichtung von unserer Psyche ist das. Und ich weiß, dass das für ganz viele Eltern sehr mühsam ist und auch auf Unverständnis stößt. Weil das ging doch schon und ich musste dich doch nicht mehr in den Schlaf begleiten, oder? Wir konnten vorlesen, ein Licht ausmachen, rausgehen. Da waren wir doch schon, juchu. Und jetzt geht das nicht mehr. Und was aber die Psyche hier tut, ist, sie macht einen Schritt zurück auf ein Entwicklungslevel oder für einen bestimmten Kontext in einen Entwicklungslevel, wo Sicherheit da war. Hier war ich schon kompetent, das konnte ich schon, da habe ich mich wohl gefühlt. Da war das nicht alles so unsicher und ich wusste nicht, was ich tun soll. Sondern da ging es mir gut und das hole ich mir jetzt wieder. Weil jetzt gerade ist mir die Welt, was auch immer, zu laut, zu leise, zu bunt, zu verwirrend, zu wild. Und diesen Schritt zurück zu machen, kann helfen, nochmal richtig Energie zu tanken oder sich mal kurz wieder sicher zu fühlen und zu stabilisieren. Und dann in diese neue Situation, also die Veränderung, die die Belastung aufgebracht hat, hier reinzugehen und zu sagen, okay, jetzt habe ich wieder Energie, habe wieder Sicherheit getankt und jetzt schauen wir uns an, wie wir das jetzt angehen. Das sind aber alles keine bewussten Entscheidungen, wie ich sie jetzt gerade kommuniziert habe. Das macht die Psyche eher unbewusst, aber sie tut es aus einem sehr, sehr guten Grund und der ist einfach Sicherheit und Stabilität nochmal kurzzeitig herzustellen. Und wir tun unseren Kindern einen Gefallen, wenn wir das auch kurz mitgehen. Also wenn wir da auch mal eine kleine Phase sagen, okay passt, wir gehen halt nochmal diesen Extrameter, vielleicht auch mal nochmal ein bisschen mehr tragen, mehr Einschlafbegleitung, ein bisschen mehr Nähe, um zu helfen, diese Sicherheit wieder herzustellen, um eben genau diese Energie zu tanken, die es braucht, um eine Anpassung zu bewältigen. Das klingt super. Jetzt hast du die Einschränkung gemacht kurz. Also wie lange sollten deine Eltern in so einer Regression mitgehen? Finde ich schwierig, zeitlich festzumachen, weil es von der Größe der Belastung abhängig ist. Haben wir einen direkten Trauerfall, würde ich länger raten, als kurzfristige Belastungen jetzt im Schulfeld, so mit Prüfungen oder Streit mit den Freunden, je nachdem. Also würde ich jetzt nicht gerne, aber man müsste prinzipiell schon immer hinschauen. Okay, wie lange geht das gut für mich und mein Kind? Und kommen wir da wirklich nicht wieder raus? Also wie lange kann ich das mittragen? Ich bin auch immer dafür, dass Eltern auch ihre eigenen Grenzen gut im Blick haben. Und kann ich mein Kind dann, nachdem ich, sagen wir mal, wirklich zwei, drei Wochen das mitgegangen bin, vielleicht auch eine vierte Woche, kann ich dann wieder anfangen zu schauen, okay, was brauchen wir jetzt, um wieder dahin zu kommen, wo wir schon waren. Also vielleicht nicht von jetzt auf gleich, aber ich darf dann schon auch als Elternteil derjenige sein, der sagt, okay, wir haben das jetzt mal wieder ein bisschen gemacht. Ich hatte das Gefühl, du brauchst das. Es tut dir auch gut. Ich habe das Gefühl, es geht dir wieder besser. Wie würdest du sagen? Und welche Schritte können wir jetzt unternehmen, um zum Beispiel von der sehr langen Einschlafbegleitung um wieder hinzukommen, zu vorlesen, Gute-Nacht-Kuss und Kind schläft alleine. Nein, so. Also da darf ich in mich selber reinhören und gucken, wann kann ich denn, wann passt es, wann hat mein Kind sich auch wieder so weit stabilisiert, dass ich jetzt wieder den Schubser geben kann in Richtung, komm und jetzt wieder Richtung Selbstständigkeit. So vielleicht. Jetzt ist es ja so, dass Kinder ganz, ganz unterschiedlich gut mit Belastungen umgehen können. Wovon hängt es dann eigentlich ab, wie widerstandsfähig ein Kind in schwierigen Situationen ist? Also ein bisschen bringen wir ja auch unterschiedliche Vulnerabilitäten mit. Also das möchte ich unbedingt vorweg geben, weil es soll nicht der Eindruck entstehen, psychische Belastungen sind die Schuld der Eltern. Eltern wissen wir alle, haben einen großen, umso kleiner das Kind, umso größer der Einfluss von Eltern und der Bindung zu den Eltern auf die psychische Gesundheit von Kindern. Aber das allein ist es nicht. Also wir bringen gewisse Prädispositionen mit, die uns für manche Sachen anfälliger macht. Manche von uns haben sehr große Gefühle, sind vielleicht auch hochsensibel. Manche bringen vielleicht auch schon eine Neurodivergenz mit, die genetisch ist und, und, und. Also wir haben eine Grundausstattung und das ist auch da ein bisschen mit drin, wie widerstandsfähig oder wie vulnerable sie eben sind. Also verletzlich, vulnerable heißt verletzlich. Und dann haben wir aber als Eltern natürlich auch noch hier ein bisschen eine Einflussmöglichkeit. Und zwar die Widerstandsfähigkeit speist sich auch aus der Bindung zu den Eltern. Also eine sichere Bindung, wie wir alle schon wissen, ist ein ganz großer Faktor für resiliente Kinder, also widerstandsfähige Kinder und Kinder, die in ihrer Entwicklung und beim Aufwachsen Selbstwirksamkeit erleben. Und dazu kann ich vielleicht auch gleich sagen, Selbstwirksamkeit ist für uns Menschen, für uns alle ein Schutzschirm für psychische Erkrankungen. Also wenn wir uns hilflos fühlen, sind wir sehr anfällig dafür, dass wir eben in Anpassungsreaktionen oder Belastungsreaktionen hängen bleiben und sich das dann zu einer psychischen Erkrankung entwickeln kann. Habe ich aber immer noch das Gefühl, ich habe Handlungsmöglichkeiten, ich kann was bewirken, ich kann was tun, ich bin selbstwirksam, dann schützt mich das vor dem Gefühl der Hilflosigkeit und in weiterer Folge vor einer psychischen Erkrankung. Und Kinder, die im kleinen Alter schon Selbstwirksamkeit und Autonomie erleben, weil sie Dinge ausprobieren dürfen, weil sie selber Probleme lösen dürfen, sind besser geschützt, dass ihre Belastungsreaktionen, die immer noch okay und gesund und normal sind, sich aber dann nicht verhärten und zu vielleicht eben einer psychischen Störung entwickeln. Und der letzte Punkt, der für das innere Schutzschild enorm wichtig ist, und auch das gilt wieder eigentlich für Kinder wie für Erwachsene, die Erfahrung, ich werde mit meiner Belastung und auch mit meinem Erleben, mit meinen Gefühlen gesehen und ernst genommen. Wenn wir als Eltern immer wieder sagen, das ist nicht so schlimm oder jetzt stell dich nicht so an oder ja gut, das Kind ärgert dich, aber dann geh einfach weg. So, dann hinterlässt das immer wieder so dieses Gefühl von das, was ich fühle, ist falsch. Und damit mindern wir den Selbstwert und der Selbstwert ist wichtig für Menschen. Ein gutes Gefühl und für die Identität und dass man sich gegen solche psychischen Belastungen auch wappnen kann. Das heißt, es ist ganz wichtig, dass wir das auch einfach ernst nehmen und in einer verlässlichen Verbindung zu unseren Kindern sind. Ich weiß, dass Eltern sich ganz oft konkrete Strategien oder auch Übungen wünschen, um ihrem Kind zu helfen. Ich habe aus deinem Buch aber herausgelesen, dass Beziehung oft wirksamer ist als jede Methode. Also was heißt denn das ganz praktisch im Familienalltag? Ja, ich weiß auch, dass eigentlich gerne immer alle so eine 1-2-3-Methode hätten, die sie anwenden können. Und ich fühle es voll, ich hätte es auch gern. Nur möchte ich auf der anderen Seite auch niemandem das auferlegen, du müsstest jetzt zu Hause, wir sind ja eh schon Köchinnen und Pädagoginnen und Bastelqueens und was weiß ich, was wir alles sind. Und jetzt würde ich halt ungern noch oben drauflegen, Und jetzt solltest du noch Psychotherapeutin sein und die perfekten Interventionen für dein Kind anlegen, damit es da durchkommt. Das möchte ich nicht. Und das ist auch tatsächlich nicht notwendig. Zum einen gibt es dafür Profis, wenn es wirklich nötig sein sollte. Und ich kann mit meiner Beziehung zum Kind und gerade, wie ich vorher schon gesagt habe, mit diesem, ich höre dich, ich sehe dich, ich bin an deiner Seite. Bei mir kannst du sein, wie du bist. Ich akzeptiere dich. Und ich akzeptiere dich auch, Wenn dein Verhalten manchmal inakzeptabel ist, das auch zu trennen, also das wäre vielleicht so eine konkrete Sache, die man mal probieren kann oder die wichtig wäre zum Anwenden. Dieses Verhalten, also zum Beispiel dieses ganz laute Schreien oder Sachenwerfen in einem Wutanfall, dieses Verhalten ist nicht akzeptabel in unserer Familie. Da setzen wir eine Grenze. Das muss anders gelöst werden, muss es einen anderen Weg dafür geben. Aber dich als Mensch und dein Gefühl der Wut, das akzeptiere ich. Das sehe ich, das höre ich, das ist okay. An dem Ausdruck müssen wir arbeiten. Damit bin ich emotional noch verbunden. Mein Kind wird nicht abgewertet und ich bin emotional auch verfügbar. Wir sprechen darüber, ich versuche das auch mal auszuhalten, was mein Kind erlebt. Ich begleite das, ich spiegle das auch. und auch nochmal sowas, was man konkret umsetzen kann. Ich zeige mich auch selber, weil von mir kann mein Kind lernen, wie man über Gefühle spricht, wie Gefühle gesund geäußert werden können, welche Rückzugsstrategien man vielleicht mal ausprobieren könnte. Ich kann kommunizieren, mir tut das gut, vielleicht magst du es mal probieren. Also mir tut es gut, wenn ich mich jetzt mal kurz zurückziehe und halt laut Musik höre und die Welt mal ausblende, Außenweltpause mache. Vielleicht magst du das auch mal probieren. Guck mal, wie du dich damit fühlst. Also ich kann Vorbild sein dafür, wie es möglich sein kann. Meine Strategie muss nicht die passende sein. Aber es ist mal ein Beispiel zum Hinspüren. Und damit habe ich wieder durch meine Beziehung zum Kind, Weil durch diese Beziehung bin ich ja auch ein interessantes Vorbild. Kann ich mittragen in dieser belastenden Zeit, ohne dass ich jetzt aber die sein muss, die Gesprächstherapie anbieten muss oder Spieltherapie oder was auch immer. Jetzt weiß ich als Elternteil, dass ich sehr dazu neige, schnelle Lösungen zu bevorzugen. Sei es aus Angst oder aus Hilflosigkeit. Mir ist schon klar, dass das wahrscheinlich jetzt nicht die ideale Lösung ist. Also was brauchen denn Kinder in belastenden Phasen? Antworten oder was konkret? Ja. Ich würde mir auch wünschen, es gäbe Antworten und ich verstehe das total, vor allem wenn wir unsere Kinder dann auch fragen, was ist es denn, was ist es denn und wir würden uns so doll wünschen, dass da jetzt kommt, ja es ist genau das, aber das kriegen wir in der Regel nicht. Was sie von uns brauchen in diesen Zeiten, wo es für sie selber diffus ist, dieses ich bin da. Ich helfe dir, wenn du möchtest, beim Sortieren. Und ich kann aber auch mal kurz aushalten, wenn wir jetzt gerade nichts zum Sortieren haben. Dann bin ich immer noch da. Also wenn du mir das noch nicht sagen kannst. Und wenn es jetzt gerade große Gefühle sind, dann ist vielleicht auch einfach mal die Resonanz schön. Ich werde verstanden und jetzt nicht gleich, ich erkläre dir das jetzt auch alles. Also ich verstehe, warum es dir jetzt so geht, weil XYZ und das ist ganz normal. Wir haben uns alle schon so gefühlt und klar wollen wir es gerne erklären. Können wir vielleicht auch zu einem anderen Zeitpunkt mal tun. Aber in dem Moment ist es das Wichtigere eigentlich, okay, ich bin da und ich höre dich. Und damit habe ich schon ganz, ganz viel Netz aufgezogen, um meinem Kind zu zeigen, okay, du kriegst jetzt von mir die Zeit, dich zu sortieren, dich zu beruhigen und dann können wir gemeinsam hinschauen. Oder auch, wenn es jetzt wirklich schwieriger wird, also wir dann vielleicht auch in Therapierichtung gehen müssen, immer noch dieses... Ich bin da und wir werden gemeinsam rausfinden, was hier los ist. Und wir holen uns da vielleicht auch Hilfe dafür. Aber im ersten Moment bin ich einfach mal deine Stütze und jetzt nicht derjenige, der unbedingt gleich alles erklären oder beantworten muss. Ja, total wichtiger Punkt. Jetzt frage ich mich oder wahrscheinlich auch die HörerInnen draußen an den Radios. Gibt es noch Radios? Egal. Also an den Podcasts. Wie kann man denn als Eltern jetzt psychische Belastungen bei ihrem Kind ansprechen, ohne irgendwie Druck aufzubauen oder auch dem Kind irgendwie das Gefühl zu geben, mit mir stimmt was nicht? Gibt es da einen guten Weg? Ja, ich denke schon. Und zwar würde ich sagen, wie ich gerade vorher schon gesagt habe, also zumindest mal auf einen guten Zeitpunkt achten. Also nicht mitten im großen Gefühl, wo unser Hirn eigentlich nur gerade aus allen Rohren feuert, sondern zu einem ruhigeren Moment. Und dann sollte ich für mich selber schon beschlossen haben, das hier wird jetzt kein Verhör, sondern ein Angebot. Also diese innere Haltung, ich möchte meinem Kind jetzt die Möglichkeit geben, wenn es möchte, mit mir darüber zu reden. Aber ich muss jetzt nicht auf Biegen und Brechen irgendwie Antworten rauskriegen. So warum, warum, warum, warum. Dann wird mein Gegenüber in den meisten Fällen, natürlich nicht in allen, aber vielleicht auch einfach mal erstmal zumachen. Und die Warum-Frage setzt ja auch voraus, dass ich schon innerlich Kausalitäten und Zusammenhänge habe herstellen können. Da sind wir ja vielleicht auch noch weiter davon entfernt, je nach Alter. Hilfreich kann es sein, mit Beobachtungen zu arbeiten. Weil wir haben schon gehört und gelernt, es zeigt sich ja im Verhalten und im Körper vorrangig. Das heißt, ich muss auch auf diesen Ebenen eigentlich kommunizieren und mal sagen, ich habe beobachtet oder mir ist aufgefallen, dass du in letzter Zeit da nicht mehr so gerne mit deinen Freunden spielen wolltest. Oder wo sie da waren, hast du dich eigentlich zurückgezogen. Was war denn da? Magst du mal erzählen? oder eben diese Bauchschmerzen sind mir aufgefallen, wann gehen denn die wieder weg? Was passiert denn dann, wenn die wieder weggehen? Oder eben natürlich, wir Eltern müssen natürlich dann auch nach der Verdauung und so weiter fragen. Aber ihr wisst, was ich meine. Ich nehme die Beobachtung, die ich gemacht habe, dieses Signal, das ich erkannt habe und spreche dieses an. Und lasse aber dabei mal weg, dass ich vielleicht schon eine Vermutung oder so habe. Und möchte mal von meinem Kind hören, was es selber dazu sagt. Also eben, wann geht das wieder weg? Oder war das jetzt mit den Freunden? Was erzählt es dann? Ja, die waren in letzter Zeit immer so laut vielleicht. Deswegen habe ich mich da ungut damit gefühlt. Dann kann ich auch einfach mal diese Situationen mir beschreiben lassen, in denen ich gemerkt habe, dass sich was verändert hat. Wie fandest du das in letzter Zeit, wenn wir da zum Verein gegangen sind? Also ich Botschaften und Beobachtungen beschreiben, sind ein guter Einstieg in ein Gespräch, wenn ich die Situation gut abgepasst habe. Und jetzt hattest du gerade schon auch so ein bisschen angedeutet, dass Kinder auch zumachen manchmal. Was können Eltern denn dann tun? Also wenn das Kind jetzt abwehrend reagiert, darüber nicht reden will und sagt, alles gut, so? Ist sicherlich schwierig und auch ganz schwer auszuhalten. Jetzt ist aber, Das an und für sich auch wieder ein Schutzmechanismus. Also da muss ich auf jeden Fall schon mal, oder ich würde allen raten, müssen tut niemand, aber ich würde allen raten, mal tief durchzuatmen und sich nochmal bewusst zu machen, dieses Schweigen, dem ich mich gerade gegenüber sehe, ist keine Provokation. Das ist nicht ein Ignorieren meiner Person. Ignorieren ist ja etwas sehr Schmerzhaftes, wo man dann auch mit Wut reagiert und gehört werden will. Nein, das ist Schutz. Da will sich jetzt gerade jemand schützen, weil derjenige noch nicht aussortiert hat oder die Worte noch nicht hat. Und wahrscheinlich innerlich auch recht gestresst ist, ob meiner Fragen. Deswegen hier erstmal diese Haltung wiederfinden. Okay, das ist jetzt nicht gegen mich. Das Kind handelt für sich nicht gegen mich. Und dann Präsenz anbieten. prinzipiell auch wirklich sagen, ist okay. Wenn du jetzt gerade nicht reden möchtest, darf ich aber bei dir bleiben, darf ich mich neben dich setzen, darf ich vielleicht hier mit dir warten, vielleicht fällt dir doch noch was ein. Ich kann auch anbieten, okay, du möchtest jetzt gerade nicht reden, soll ich dir mal von meinem Tag erzählen oder wie es mir gerade so geht oder von einer Situation, die ich mal ähnlich erlebt habe, hier wieder die Verbindung herstellen. Nur weil ich erwachsen bin und groß bin und für alles schon Worte habe, heißt das nicht, dass ich nicht manchmal struggle oder dass ich in allem perfekt bin, sondern auch mir geht es manchmal schlecht. Und wenn das auch nicht funktioniert, kann ich auch mal... Und versuchen vielleicht einen sicheren Raum zu schaffen. Vielleicht ist es auch woanders. Umso älter die Kinder werden, umso mehr fürchten sie sich vielleicht auch vor Bewertung, weil sie sind dann schon in einem Lebenskontext, der sehr viel Bewertung mit sich bringt. Und dann ist da vielleicht Scham mit drin. Und dann könnte ich mal so einen Kniff probieren und sagen so, hey, wir gehen an einen bestimmten Ort, ich weiß nicht, baut euch eine Höhle, geht in ein Baumhaus, geht im Spielplatz am Abend, wenn er leer ist, in dieses Rutschhäusle, was auch immer, keine Ahnung, was euch einfällt, im Auto. Sagen, hier ist jetzt mal kurz eine sichere Zone. Was hier drin gesagt wird, bleibt hier drin. Und gibt es keinen Ärger für, gibt es jetzt auch mal keine Bewertung für, ich höre nur zu, wenn du magst, sage ich auch gar nichts dazu oder erst später, wenn du mich fragst, so in ganz, ganz sicheren Zone aufmachen, wo ich sage, hier kannst du mal alles parken. Kann ich anbieten, kann auch sein, dass es abgelehnt wird oder dass später darauf zurückgegriffen wird, das kann ich auch sagen. Okay, wenn du jetzt nicht magst, ich frage dich später nochmal, okay? Also nochmal auch als Eltern in der Verantwortung bleiben und nicht sagen, ja dann komm du auf mich zu. Das ist ja nochmal eine Hürde. Sondern da ist es dann okay, wenn ich später nochmal frage oder wenn ich morgen nochmal frage. Vielleicht geht es dann. Michelle, ich würde gerne noch wissen, ab wann ist denn eine Belastung etwas, wo ich mir unbedingt professionelle Hilfe holen sollte? Das sollte man sich aus zwei Perspektiven anschauen, vom Kind und von den Eltern. Für beide gilt aber das Gleiche, und zwar wenn der Leidensdruck zu hoch ist und der Alltag massiv eingeschränkt ist. Das heißt, es kann auch manchmal sein, dass die Eltern früher an ihre Grenzen kommen, was sie mittragen können vom veränderten Verhalten ihres Kindes. Und das Kind jetzt noch nicht vielleicht unbedingt jetzt stark mitteilt, dass es unter diesem veränderten Verhalten leidet und der Alltag jetzt für sich genommen noch nicht so groß eingeschränkt ist, dann ist es genauso legitim, wie wenn ich, ich könnte es noch weitertragen, aber mein Kind leidet und der Alltag meines Kindes ist stark eingeschränkt. Also prinzipiell natürlich, wenn ich, schaue ich mir an, derjenige, der belastet ist. Wie sehe ich eine Verbesserung über die Zeit, wird es besser, zieht es sich weniger zurück, nehmen die Bauchschmerzen ab, wird das Schlafen wieder besser oder bleibt es schlecht oder wird es sogar noch schlechter, dann sollte ich Hilfe holen und wenn das Kind wirklich sagt, ich will eigentlich total gern mit meinen Freunden spielen und ich vermisse sie, aber ich weiß nicht wie, ich kriege es nicht mehr hin, ich komme da nicht hin zurück, dann leidet eine Alltagsqualität, eine Lebensqualität leidet hier, in dem Fall die sozialen Kontakte. Wenn der Rückzug so weit geht, dass das Kind nicht mehr aus dem Zimmer kommen will, um mit der Familie zu essen und dementsprechend vielleicht sogar die Nahrungsaufnahme leidet, Alarmsignal, wir brauchen Hilfe, wir können das nicht mehr leisten. Der Alltag ist eingeschränkt, die Hausaufgaben funktionieren nicht mehr, wobei jetzt da nicht jede einzelne Hausaufgabe damit gemeint ist, weil die, finde ich ganz normal, dass da manchmal auch einfach der Tag, die Stimmung nicht passt, dann passt eine Hausaufgabe mal nicht vollkommen in Ordnung. Wenn wir hier über Wochen hinweg das nicht mehr schaffen. Lernen, Hausaufgaben, auch die Sachen, die Spaß machen wollen, nicht mehr wahrgenommen werden, obwohl das Kind eigentlich darunter leidet, dass es eben nicht zum Fußball kann und weil es dort dann Ängste kriegt, dann brauche ich unbedingt Hilfe. Und das gilt eben aber auch, wenn ich als Elternteil sage, nee, so geht es nicht mehr, ich schaffe das so nicht, wir können das so nicht weiterlaufen lassen. Und das finde ich auch einen ganz wichtigen Aspekt, dass man wirklich auch auf die Eltern gucken muss, weil ich ganz häufig auch in meinem Umfeld sehe, dass Eltern wirklich leiden, denen geht es nicht gut, die sind erschöpft und unsicher und vollkommen überfordert. Aber es ist wirklich ganz, ganz wichtig, da auch unbedingt auf sich selbst zu schauen. Absolut. Also das ist eine ganz wichtige Botschaft, auch im Buch. Wir dürfen uns in so einer Phase auf gar keinen Fall zu sehr hinten anstellen. Wir Eltern tendieren alle dazu, mal für eine gewisse Phase das Kind absolut zu priorisieren und das ist auch ehrenswert für uns alle, aber wenn wir uns darüber hinaus komplett vergessen. An unsere Grenzen gehen, ständig erschöpft sind, tun wir eigentlich unserem Familiensystem und unserem Kind keinen Gefallen. Zum einen Mal, wie ich vorher schon gesagt habe, wir wären dann auch ein schlechtes Vorbild, weil es ist anscheinend okay, sich dauernd zu übergehen, keine Ruhe zu gönnen. Das ist ja das, was wir signalisieren. Wir bringen aber auch Spannung ins Familiensystem, weil wir können nicht mehr so geduldig und feinfühlig sein, wenn wir ständig unter Strom sind, ständig müde sind, Und vielleicht dann sogar selber psychosomatisch reagieren mit Kopfschmerzen, Nackenschmerzen, weil wir die ganze Zeit Sorgen haben, weil wir die ganze Zeit grübeln, bis uns der Kopf platzt. Das nimmt uns auch die Fähigkeit, ein guter Resonanzboden für unser Kind zu sein. Ich werde mich nicht da hinsetzen können und sagen können, ist okay, ich bleibe an deiner Seite, auch wenn du gerade nicht mit mir reden willst. Ich bin zu müde dafür, weil ich nicht auf mich geschaut habe. Und deswegen ist es mir ultra wichtig, dass ich sage, hey, es ist kein Egoismus, sich um sich selber auch zu kümmern, sondern es ist eine ganz wichtige Voraussetzung dafür, dass ich mein Kind in so einer Phase gut begleiten kann. Und wenn das nicht geht, dann muss ich schauen, dass ich mir Hilfe dazu hole im sozialen Umfeld, bei Freunden oder auf professionellem Wege. Und da muss man ja zum Glück wirklich sagen, leben wir ja in Systemen, leider mit einiger Wartezeit, aber es gibt relativ viele Angebote, manche auch niederschwellig und kurzfristig zu bekommen, manche langfristig. Also es gibt wirklich tolle Sachen, mit denen man sich helfen kann. Ich habe auch einige davon im Buch, damit man auch weiß, was einen da erwartet und an wen man sich wenden kann und was zu was auch gut passt, welches Angebot zu welcher Thematik habe ich alles drin und da nicht zu zögern, das auch anzunehmen, damit man selber gesund bleibt und gut für sein Kind da sein kann. Ja, man sollte sich wirklich bewusst machen, Belastungen gehören zum Leben einfach dazu. Die sind auch kein Zeichen davon, dass wir irgendwie versagt haben. Und im Zweifel sollten wir uns einfach Hilfe suchen. Ganz genau. Vielen lieben Dank, Michelle, dass du das heute so deutlich gemacht hast. Und vielen Dank auch für das wirklich interessante und hilfreiche Gespräch. Vielen Dank für die Einladung. Dankeschön. Ja. Entscheidend ist also nicht alles richtig zu machen oder immer sofort zu wissen, was los ist. Entscheidend ist, dass wir hinschauen, dass wir Veränderungen ernst nehmen und dass wir uns eben Unterstützung erlauben für uns und unser Kind. Wenn ihr mehr über das Thema seelische Belastungen bei Kindern lesen wollt, dann schaut natürlich unbedingt gern in Michels Buch. Es heißt, wenn kleine Seelen leiden. Das haben wir für euch im Blog und in den Shownotes verlinkt. Und wir verlosen passend zur heutigen Folge auch wieder ein Exemplar des Buches auf Instagram. Also schaut gerne mal dort vorbei. Und wenn ihr mehr von Michelle hören wollt, dann schaut doch mal in unser Podcast-Archiv. Dort findet ihr zum Beispiel die Folge 89, in der wir mit ihr über die Erschöpfung von Eltern gesprochen haben. Oder Folge 113, in der es darum ging, wie wir mit Schuldgefühlen und schlechtem Gewissen umgehen. Und vielleicht hast du auch Lust, etwas über die Kommunikation mit Kindern zu erfahren. Dann ist die Folge 133 die richtige für dich, in der hat uns Michelle nämlich erklärt, wie wir mit unseren Kindern kinderleicht ins Gespräch kommen können. Wenn dir unsere Folgen helfen und gefallen, dann abonnier doch unseren Podcast, bewert ihn gern und empfehle ihn weiter. Damit hilfst du auch anderen Eltern, sich weniger allein zu fühlen. Wir sagen für heute danke fürs Zuhören, bis zum nächsten Mal, macht's gut und tschüss. Tschüss. Tschüss. Das war der Podcast vom gewünschtesten Wunschkind.