Das gewünschteste Wunschkind, der Podcast. Hallo und herzlich willkommen zu Das gewünschteste Wunschkind, der Podcast mit Daniel Graf und Katja Seidem. Wenn Eltern sich trennen, verändert sich für Kinder plötzlich ganz viel. Das Zuhause, der Alltag, Beziehungen, manchmal sogar der Wohnort oder die Schule. Eltern in Trennungssituationen fragen sich häufig, wie sie ihrem Kind möglichst einfühlsam von der Trennung erzählen können und wie sie ihr Kind gut durch diese Zeit begleiten können. Oder wie sie es schaffen, trotz der Trennung weiterhin gute Eltern zu bleiben. Über all diese Fragen sprechen wir heute mit Erziehungswissenschaftlerin, Autorin und Expertin für die psychische Situation von Trennungskindern, Ute Steffens. Sie begleitet seit vielen Jahren Familien in Trennungssituationen und beschäftigt sich intensiv damit, wie Eltern ihre Kinder in dieser Zeit stärken und schützen können. Und sie hat schon einige wirklich hilfreiche Bücher geschrieben, zum Beispiel das therapeutische Lesebuch mit Kindern durch die Trennung oder Trennungskinder begleiten. Schön, dass du da bist, Ute. Ja, danke. Ich freue mich sehr, dass ich hier sein kann. Ute, viele Eltern haben große Angst davor, dass eine Trennung ihren Kindern dauerhaft schadet. Was erlebst du in deiner Arbeit, was ist für Kinder in dieser Situation wirklich entscheidend? Ja, das ist eine Frage, die sich hartnäckig hält und ich muss dann immer da an mein letztes Gespräch denken. Ich bin ja ganz gut vernetzt auch mit Fachleuten und hatte da einen Austausch mit der Leiterin einer Kinder- und Jugendpsychiatrischen Einrichtung. Also wir haben über meine Arbeit gesprochen. Und es ist ja inzwischen so, dass beinahe die Hälfte aller Familien mindestens einmal eine Trennung erlebt. Und sie sagte, ja, das ist so. Und selbstverständlich haben wir ja auch Kinder, wo das nicht gut gelaufen ist und die deswegen hier bei uns in Behandlung sind. Aber sie meinte, der weitaus größere Teil der jungen Patienten besteht aus Kindern und Jugendlichen, deren Eltern sich eben nicht trennen. Also der Fokus liegt immer so auf der Trennung, als sei die Trennung an sich was ganz Pathologisches. Das gibt ja auch so Volksmutkommentare, die armen Kinder. Aber das hat alles wenig zu tun mit dem, was eine Trennung für Kinder tatsächlich bedeutet und wie es gelingen kann, die ganz sicher durch diese Veränderung hindurchzuführen. Für mich ist es so, nach den gefühlten 100 Jahren Beratungsarbeit mit Trennungseltern, dass sie eigentlich in der überwältigenden Mehrheit sagen, das war Kacke auf Deutsch. Also das haben wir uns nicht gewünscht, es war eine schwere Zeit und für uns war das eine massive Lebenskrise. Aber in der Reflexion, also in der Betrachtung rückwärts, müssen wir sagen, kann ich nur sagen, ich will dahin nicht mehr zurück und wir haben alle, wir haben alle ganz, ganz viel gewonnen durch diese Trennung. Okay, das ist spannend. Jetzt versuchen ja viele Eltern zunächst mal, Konflikte möglichst komplett vor den Kindern zu verbergen. Gleichzeitig ist es aber so, dass Kinder ja sehr genau spüren, wenn was nicht stimmt. Der Moment, in dem Eltern ihrem Kind sagen, dass sie sich trennen, ist für viele wirklich schwer. Was hilft Kindern denn in diesem Gespräch ganz besonders? Und wie offen sollten Eltern mit ihren Kindern über die Gründe der Trennung reden? Ja, das ist in der Tat eine der häufigsten Fragen, mit denen Eltern auf mich zukommen. Wie sagen wir es unseren Kindern? Wo sagen wir es? Wann sagen wir es? Sagen wir es zusammen? Sagen wir es ihnen einzeln? Sie zerbrechen sich den Kopf, wenn sie dann zu mir kommen. Und ich sage ihnen, dass sie sich erstmal beruhigen können, weil ihre Kinder wissen ja längst, dass das nicht rund läuft. Dazu braucht es keine verbalen Kommunikation. Kinder sind haarscharfe Beobachter und insbesondere beobachten sie alles, was sich verändert bei ihren allerwichtigsten Bindungs- und Bezugspersonen. Und deswegen ist es immer ein guter Einstieg in so ein Gespräch, wenn Eltern sagen, ihr habt es ja sicher bemerkt, Papa und ich streiten häufig oder wir schweigen uns oft an oder es läuft irgendwie nicht mehr so richtig rund zwischen uns. Und dann ist es meistens so oder ganz, ganz häufig so, je kleiner die Kinder sind, dass sie dann mit großen Augen gucken und sagen ganz ängstlich und verhalten, trennt ihr euch? Und je nach Phase und je nach persönlichem Entwicklungsstand, also je nachdem, wie weit diese Entscheidung ja auch gereift ist, hat es sich bewährt und dann sind wirklich Knoten geplatzt. Wenn Eltern ganz authentisch antworten, du, so ganz genau kann ich dir das auch noch nicht sagen. Oder ich weiß es, wir wissen es gerade selber noch nicht. Wir versuchen noch einiges. Aber wichtig ist, dass ihr wisst, damit habt ihr überhaupt nichts zu tun. Das ist allein unsere Erwachsenensache. Und wir versprechen euch, dass ihr die Ersten seid, die erfahrt, wenn sich etwas ändert. Ute, gibt es denn bei Trennungen sowas wie typische Phasen? Ja, also analog so zu den Trauerphasen, wie Verena Kast sie beschrieben hat, gibt es hier ganz ähnliche Phasen und eine Phase mehr. Und das ist die erste Phase, die man so überschreiben könnte mit, es knirscht im Gebälk, es läuft nicht mehr rund, Enttäuschung, Frustration machen sich breit. Und die Frage trennt sich so in den Raum, should I stay or should I go? Und das ist sozusagen die erste Vortrennungsphase. Darauf folgt dann, wenn die Trennung ausgesprochen ist, wenn sie Wirklichkeit wird, so eine Schockphase. Also was ich dann höre von meinen Klienten und Klientinnen ist, ich hatte das Gefühl, ich funktioniere noch. Ich stand irgendwie richtig neben mir. Ich wusste, ich habe das gehört, ich wollte das, ich habe das gesagt, aber das fühlte sich noch so unwirklich an. Das ist die Schockphase. Dann kommt die Phase der aufbrechenden Gefühle, also wo vielleicht sowas wie Trauer extrem wahrnehmbar ist, besonders für den oder diejenige, die verlassen wurde. Aber auch Wut, Enttäuschung, man ist dünnhäutig, man bezieht alles auf sich. In dieser Zeit können Eltern, also diese Phase lässt sich nicht abkürzen, die dauert so lange, wie sie dauert. Und in dieser Phase können Eltern ganz, ganz schlecht miteinander sprechen. Und da ist es unheimlich wichtig, dass sie ihre Gefühle vor den Kindern nicht verbergen, sondern dass sie ihnen sagen. Es ist gerade ganz schwierig mit uns, wir bemühen uns, aber weißt du, ich ärgere mich so über Papa, ich ärgere mich so über Mama und das hat aber immer wieder gebetsmühlenartig, das hat aber überhaupt nichts mit euch zu tun und ich bin mir sicher, wir finden einen Weg, aber im Moment ist es einfach ganz schwierig. Das ist auch so die Zeit, in der die Weichen oder die Phase, in der die Weichen für Hochschrittigkeit gelegt werden. Dabei ist es wirklich eine Phase, das vergeht und es wird abgelöst durch so eine Phase, die ich bezeichne als Phase der zunehmenden Akzeptanz. Also ich komme wieder raus aus meinem Gefühlschaos, ich habe wieder mehr Bodenhaftung, wir gruben uns so ein bisschen ein in den neuen Rhythmus, in die Betreuung, in das Zusammenleben mit dem Kind, in die Aufteilung der Aufgaben. Und die letzte Phase, das ist dann die völlige Wahrnehmung der Veränderung und das ist dann so ein richtiger Neuanfang. Da ist man sozusagen, um es so ein bisschen lax zu sagen, fein mit der Trennung. Man muss sich das jetzt aber nicht so vorstellen oder darf sich das leider nicht so vorstellen, dass diese fünf Phasen zack. Abgearbeitet werden, sondern es ist so ein bisschen so wie auf so einer Wendeltreppe, wo wir so Lote fällen, vielleicht so Bänder in verschiedenen Phasen, die eine dieser Phasen versintellichen. Wir kommen immer wieder an diesen Phasen vorbei, aber das dauert kürzer und wir erreichen eine immer höhere Ebene. Okay, interessant. Jetzt reagieren Kinder ja auch sehr unterschiedlich auf eine Trennung. Also es gibt manche, die traurig werden, andere werden wütend, wieder andere ziehen sich zurück. Welche Reaktionen sind denn ganz typische Verarbeitungsformen bei Kindern? Ja, das hängt so ein bisschen davon ab, wie sehr die Kinder auch involviert waren, so worüber ich gerade gesprochen habe, in dem Prozess und wie sehr sie auch begriffen haben und verinnerlicht haben. Dass das mit ihnen nichts zu tun hat, sondern dass das eine Sache zwischen den Erwachsenen ist. Da gibt es so... Ganz unterschiedliche Reaktionen. Viele Eltern berichten, gerade von Jungen, so im Alter von neun bis zwölf etwa, dass die sich das anhören und dann hochgucken und sagen, war es das jetzt, kann ich jetzt spielen? Es gibt Reaktionen, dass Kinder anfangen zu weinen. Es gibt emotionale Reaktionen, muss das denn sein? Ich will das nicht. Und die emotionalen Reaktionen, also die Tränen. Die muss man ein bisschen auch, wenn man die bewerten will und einordnen, muss man immer auch ein bisschen im Blick haben, dass Kinder eine Orientierung suchen, was jetzt von ihnen erwartet wird. Also offenbar teilen die Eltern etwas mit, was für die Eltern existenziell wichtig ist. Dann fragt sich das Kind, also ich übersetze das mal so ein bisschen. Und jetzt, was soll ich jetzt tun, wie soll ich mich verhalten? Und da sind dann auch so, gerade so Gefühlsausbrüche, so dramatische, nein, ihr sollt euch nicht trennen, dieses Festklammern und sowas. Da würde ich als Fachfrau immer noch mal einen zweiten Blick drauf verwenden, um diese Reaktionen einordnen zu können. Wichtig ist aber, in dieser Situation noch mal zu sagen ... Ist allein unsere Erwachsenensache. Ihr wisst, damit habt ihr nichts zu tun. Ist doof für euch, es verändert sich was. Wir bleiben eure Eltern und wir sind super sicher, dass wir zusammen einen guten Weg finden. Viele Kinder fragen sich nach einer Trennung insgeheim, ob sie vielleicht etwas falsch gemacht haben. Das hast du auch schon angedeutet oder ob sie vielleicht schuld sind. Wie können wir dem Gefühl denn vorbeugen? Ja, ich bin eine große Verfechterin davon, dass im Gespräch mit unseren Kindern weniger mehr ist. Es erfordert viel Disziplin manchmal sogar von Eltern, die Kinder kommen zu lassen. Weil Kinder stellen Fragen, wenn sie Vertrauen zu ihren Gezugspersonen haben. Doch in diesem Falle ist es wirklich gebetsmühlenartig wichtig, immer wieder zu sagen, das hat mit euch nichts zu tun, das ist allein unsere Erwachsenensache. Kinder haben niemals Schuld, wenn sich die Eltern streiten, wenn sich die Eltern trennen. Das ist allein Sache der Erwachsenen. Das ist das, was Kinder machen. Begreifen müssen und was Eltern glaubwürdig transportieren müssen, dann ist das mehr als die Hälfte der Miete. Okay, das hört sich gut an. Daniel hatte das eingangs ja schon gesagt, dass sich nach so einer Trennung der Alltag oft komplett ändert. Also zwei Haushalte, neue Routinen, andere Abholzeiten. Warum sind denn gerade in dieser Phase so klare Strukturen für Kinder wichtig? Ja, das hängt so ein bisschen vom Alter der Kinder ab. Je jünger die Kinder sind, desto wichtiger sind klare Strukturen, sind Rituale. Weil kleine Kinder, je kleiner Kinder sind, haben noch kein gutes Zeitgefühl. Gefühl. Das sagt ihnen gar nichts, wenn die Mama sagt, am Sonntag kommt der Papa und holt dich ab. Das braucht Rituale, das braucht Stichworte, unter denen Kinder sich etwas vorstellen können. Sehr hilfreich ist zum Beispiel, das machen inzwischen alle die Eltern, die ich betreue, gerade von kleinen Kindern bis im Kindergartenalter, dass sie so einen Kalender anlegen mit so einem Verschieberegler und gekennzeichneten Mama- und Papa-Wochenenden, dass das Kind abzählen kann, dreimal noch schlafen, dann bin ich wieder bei Mama oder bei Papa. Also das betrifft vor allem jüngere Kinder. Dann ist wichtig, dass je älter Kinder werden, ich meine, das wisst ihr ja auch, das fängt ja schon in der Grundschule an, Dass die Musikschule, Ballett, dass sie Fußball, dass sie irgendwelche eigenen Verpflichtungen haben. Und die müssen einfach vorgehen. Da gibt es so merkwürdige Konflikte dann plötzlich zwischen Eltern, gerade im Residenzmodell, wo dann derjenige oder diejenige, die das Kind weniger häufig sieht, sagt, ich sehe das Kind schon so häufig und dann soll ich auch noch meinen ganzen Sonntag für ein Handballspiel opfern, wo ich nur am Rand sitze. Das ist einfach total wichtig, weil es geht um Alterserfahrung, es geht um Präsenz Und es geht darum, dass das Kind in seinen Bedürfnissen gesehen wird und in seiner Entwicklung gefördert. Es ist nun mal an der Reihe. Es ist dran für Grundschulkinder, dass sie sich in die Selbstständigkeit abbewegen. Und dementsprechend muss das auch ernst genommen werden. Also wie gesagt, Rituale, Regelmäßigkeit, das trifft vor allen Dingen auf kleinere Kinder zu. Und dann sind es kleinere Zeiträume bei großen Kindern. Also ich gehe jetzt nochmal so auf Kinder auch im Alter von 16 und 17 ein. Auch da ist eine Regelmäßigkeit wichtig. Da ist es toll, wenn die Eltern jeder für sich... Weil es geht dann um die eigene Beziehung zu dem Kind. Zum Beispiel, was weiß ich, Himmelfahrt fahren wir immer auf unsere Lieblingsinsel für drei Tage. Das ist so fest wie irgendwas. Und das begleitet ja dann auch das Kind das ganze Jahr. Das ist was ganz Zuverlässiges, auch wenn es nicht häufig ist. Und das festigt und vertieft sozusagen die Selbstverständlichkeit der Eltern-Kind-Beziehung enorm. Also quasi feste Ankerpunkte. Jetzt ist ja auch ein großes Thema die Loyalität. Also viele Kinder haben ja das Gefühl, sie müssten sich irgendwie zwischen den Eltern entscheiden oder sie dürfen, wenn sie bei dem einen Elternteil sind, das andere möglichst nicht vermissen. Wie entsteht denn dieses Gefühl und wie können Eltern verhindern, dass Kinder in so einen Loyalitätskonflikt geraten? Indem Eltern aufrichtig sind. Authentisch sind und sich bemühen, das ist nicht immer einfach, in der Erwachsenenrolle zu bleiben. Sie sind die Großen und die Kinder sind die Kleinen. Und es ist einfach wichtig, dass, also auch manchmal spielerisch und nicht immer so bierernst, wenn die Kinder sich Sorgen machen, auch mal Humor ist ein so tolles Mittel, vielleicht auch einfach mal loszugrinsen oder loszulachen und zu sagen, weißt du, ich bin schon groß, das kriege ich schon allein hin. Also alles, was Kindern signalisiert, es richtig ist, wenn sich die Großen, also die Eltern, um mich als Kind kümmern. Und es ist überhaupt nicht nötig, dass ich mich als Kind um die Eltern kümmere. Weil das ist die allerbeste Vorbeugung vor diesem wirklich pathologischen Problem der Parentifizierung, also der Rollenumkehr. Loyalität passiert immer, also jetzt aus kindlicher Sicht, weil sie das Gefühl haben, sie müssten das vermeintlich schwächere Elternteil unterstützen. Und das ist manchmal eine unglaubliche Herausforderung, gerade für Eltern, die sich verlassen fühlen, die sich so richtig reingraben, zeitweise in ihre Opferrolle, den anderen dafür einzig und allein verantwortlich machen, dass ihre ganze Lebensperspektive geplatzt ist. Und da dann wirklich professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen, um gemeinsam in diesem geschützten Raum nochmal zu reflektieren, was sind meine Anteile, was sind meine Gefühle und was braucht mein Kind jetzt von mir als Erwachsenen. Jetzt verschwinden Konflikte zwischen den Eltern ja nicht automatisch sofort nach der Trennung. Wie können denn Eltern streiten oder Meinungsverschiedenheiten klären, ohne dass die Kinder jetzt darunter leiden? Ja, dann sehen Sie, zum einen, es ist total wichtig, es gibt Themen auf der Elternebene und das ist übrigens in einer intakten Familie genauso, das wisst ihr auch. Es gibt einfach Themen, mit denen Kinder überfordert sind und ganz sicher sind kleine Kinder überfordert mit allem, was Sexualität in der Partnerschaft betrifft und auch mit allem, was finanzielle Dinge betrifft. Also solche Sätze wie, weißt du, du brauchst dringend einen neuen Anorak und stattdessen fährt Papa mit seiner neuen Ische in Urlaub. Das geht gar nicht. Das kann nur schlimm sein für ein Kind. Und wenn das klar ist, dann kann man sagen, wieder aufrichtig, authentisch, aus der Verantwortung der Elternrolle heraus und kindgerecht, weißt du, Papa und ich müssen jetzt ein paar Sachen noch auseinander kriegen und das ist nicht ganz einfach. Und da ärgern wir uns auch manchmal übereinander, weil wir vielleicht beide, wir werden uns einfach nicht einig und das braucht dann seine Zeit. Aber das hat überhaupt nichts mit dir zu tun und das besprechen wir auch nicht mit dir. Und wenn du bei Papa bist, hat das keinen Platz. Und wenn du hier bist, musst du dich damit auch nicht beschäftigen. Gute, ich beobachte, dass manche Eltern nach der Trennung versuchen, irgendwie besonders perfekt zu sein. Irgendwie so aus Angst, dass das Kind vielleicht sonst noch mehr leiden könnte. Und gleichzeitig stehen sie dabei aber selbst oft ja unter wirklich großem emotionalem Druck. Was hilft denn Eltern in dieser Zeit gut für sich zu sorgen? Das klingt jetzt so banal. Sie selbst zu sein, sich zu zeigen, sich zu zeigen auch in ihren, also weil wir sind ja als Eltern sind wir die aller, aller wichtigsten Modelle für unsere Kinder und das gilt auch noch für Kinder in der Pubertät, auch wenn sie gerade das weit von sich weisen würden. Wir sind die wichtigsten Modelle und selbstverständlich haben auch Eltern mal einen schlechten Tag. Auch wir Eltern kennen vielleicht neben dem ganzen Stress auch mal Phasen der Unzufriedenheit, weil wir das Gefühl haben, wir machen überhaupt nichts Sinnvolles. Oder wir wollen einfach mal so ein bisschen rumprokrastinieren oder irgendwelche doofen Serien gucken oder Kitschbücher lesen oder weiß der Teufel was. Oder einfach nur puzzeln oder sowas. Also wir haben ja nicht alle, also uns macht ja als Menschen nicht nur sozusagen die Fassade aus, wo wir tolle Dinge leisten, wo wir Anerkennung kriegen, sondern wir haben ja auch alle diese kleine private Seite, die völlig unspektakulär und manchmal vielleicht sogar ein bisschen spießig und belanglos ist. Und wenn wir aufhören, unseren Kindern diese Hochglanzseite präsentieren zu wollen, dann tun wir unseren Kindern und der gesunden kindlichen Entwicklung eine Faktor. Einen unglaublich großen Gefallen, weil sie mitkriegen. Auch ihre Eltern kochen nur mit Wasser und es ist völlig normal, man kann auch mal schlechte Laune haben und das Wichtige ist doch, was die Eltern den Kindern damit voraus haben, ist, sie zeigen ihnen und die Kinder dürfen erleben, man kommt da auch wieder raus aus so einer Phase. Und selbstverständlich, auch wenn ich mein Kind wenig sehe und wenn dieses Wochenende, an dem wir zusammen sind, super kostbar sind, wenn ich vorher eine total harte Arbeitswoche habe, dann ist es nicht gut, wenn ich mich überfordere, sondern dann ist es auch total gut und auch gut für das Kind, wenn ich sage. Weißt du was, bei kleinen Kindern vielleicht, ich stelle jetzt die Eieruhr auf 20 Minuten. Und wenn die klingelt, dann darfst du mich wieder wecken oder bei größeren Kindern ist das in Ordnung. Du kannst auch deine Serien gucken, aber ich weiß, ich werde dir auch nicht gerecht. Ich brauche einfach jetzt mal einen Moment, wo ich die Augen zumache oder wo ich die Füße hochlege. Das heißt also, authentisch zu sein und nicht nur die Hochglanzseiten zu zeigen, weil damit fällt unfassbar viel Druck weg. Weil über den Druck, jetzt mache ich das, jetzt muss ich das machen, dann fahren wir noch in den Freizeitpark. Dann muss ich vielleicht mein Kind gegen seinen Willen noch davon überzeugen, einen unglaublich anspruchsvollen Kunstfilm für Kinder im Kino zusammen anzugucken, obwohl das Kind dazu überhaupt keine Lust hat. Das heißt, das ist so kräftezehrend und das ist so unbefriedigend am Ende. Und man hat das Gefühl, das Kind geht nach Hause und eigentlich war es nur anstrengend. Da ist es eben tausendmal besser zu versuchen, authentisch zu sein, den eigenen Bedürfnissen in der Situation Rechnung zu tragen und das auch zu kommunizieren, zu sagen, warte mal einen Moment, ich bin gleich für dich da. Oder weißt du, macht dir das was aus? Wir hatten zwar angedacht, dass wir heute das und das machen. Macht dir das was aus, wenn wir das erstmal verschieben und stattdessen heute so einen Daddeltag machen? Ich hoffe, ich habe genug Beispiele gebracht und es wird deutlich, was ich mir vorstelle, wie Eltern diesen Druck loswerden. Ja, total. Jetzt ist ein weiteres Thema nach so einer Trennung ja die Frage nach dem Kontakt. Wie viel Zeit Kinder mit welchem Elternteil verbringen, das wird ja oft super emotional diskutiert. Woran können Eltern sich denn orientieren, wenn sie überlegen, was für ihr Kind jetzt gut ist? Auch das hängt wieder ab vom Alter des Kindes. Also ein kleines Kind, ich sage jetzt mal, knappes Jahr wird immer noch bestillt. Ich meine, die Frage beantwortet sich doch selbst. Und größere Kinder, wenn wir jetzt natürlich, also was Kinder wirklich brauchen, ist, das ist ihre Identität. Sie brauchen die Gewissheit, dass sie auch beide Eltern haben. Dass sie auch zwei Eltern haben, dass das ihre Identität ist. Und im allerbesten Falle, aber auch das haben wir häufig einfach nicht, weil Eltern daran gar kein Interesse haben. Sowas gibt es auch. Im allerbesten Falle haben die Eltern auch noch Interesse an den Kindern und bemühen sich um halbwegs regelmäßigen Kontakt. Je älter die Kinder werden, umso mehr müssen wir Kinder auch mit einbeziehen. Weil, das sagte ich ja eben schon, Kinder haben eigene Termine. Der Anspruch an Kontakt verändert sich. Da geht es vielmehr darum, auch so ein Alltagsgefühl mit den Eltern zu haben beziehungsweise im Residenzmodell mit dem Elternteil zu haben, das weniger häufig gesehen wird. Auch da ist es wichtig, Alltagserlebnisse zu haben. Und die Quantität, also die Häufigkeit des Konzerts, die ist völlig unerheblich. Wir kennen ja den Begriff der Quality Time und das ist das, was letztlich entscheidend ist. Ich finde auch die Perspektive häufig sehr fragwürdig, mit der da Häufigkeiten eingeklagt werden, mit der da verglichen wird. Weil das ist so, also das suggeriert immer so, ich treibe es jetzt mal komplett auf die Spitze, das ist schließlich auch mein Kind und dann habe ich genauso viele Rechte wie du. Und dann frage ich mich so, um wen geht es hier eigentlich gerade? Mhm. Woran erkennen denn Eltern eigentlich, ob ihr Kind mit der Situation wirklich angemessen zurechtkommt oder ob es vielleicht Unterstützung braucht? Gibt es da so Signale, die wir Eltern ernst nehmen sollten, die uns alarmieren? Naja, das ist in der Tat sehr schwierig, weil da müsste ich jetzt weit ausholen, tue ich aber nicht. Im Grunde genommen so die Symptome, die, Einer misslungenen Elterntrennung, die gibt es nicht. Kinder drücken Überforderungen aus, indem sie zurückfallen auf frühere Entwicklungsstufen. Also jeder kennt das, alle Eltern kennen das, wenn ein Geschwisterkind geboren wird, dann verlangt plötzlich das Kindergartenkind wieder nach der Flasche, obwohl es die irgendwie jahrelang nicht mehr angeguckt hat. Da werden dann Befriedigungsmuster aufgesucht aus früheren Entwicklungsphasen und die dienen dazu sozusagen, dass das Kind selbst eine Möglichkeit wählt, um seinen eigenen Stress zu reduzieren, also sich zu beruhigen. Natürlich gibt es auch andere Regressionen, Einnässen, Einkoten. Also da ist die ganze Palette denkbar. Und natürlich sind solche Rückschritte oder Regressionen wichtig, von den Eltern wahrgenommen zu werden. Nur haben auch nicht alle Regressionen, die sind nicht monokausal, sagen wir Fachleute, immer auf die Elterntrennung zurückzuführen. Dennoch ist es wichtig, sich das anzugucken und wahrzunehmen und gegebenenfalls dann auch professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Okay. Und wenn Eltern merken, dass ihr Kind sehr belastet ist, welche Möglichkeiten der Unterstützung gibt es denn da für Familien? Ja, da möchte ich gerne noch einen Satz zu sagen. Es ist unfassbar schwierig, diese Belastung des Kindes einzuordnen. Das ist so komplex, dieses ganze Beziehungsgeflecht. Also ein Kind zum Beispiel kann bei der Übergabe, in der Übergangssituation total weinen. Und das kann aber genauso gut sein, dass das Kind das tut, weil es das Gefühl hat, Der Elternteil, von dem es sich gerade trennt, erwartet das. Es ist sozusagen seine Form, den Elternteil, den es zurücklässt, irgendwie zu, ich sag mal ein Tüdelchen, zu trösten. Also, was ich damit sagen will, ist, wir müssen immer, also die Situationen sind immer komplex und da brauchen wir immer eine ganze Menge Informationen, bevor wir die Situation eindeutig beurteilen können. Und jetzt frage ich nochmal nach deiner Frage, Katja. Welche Möglichkeiten der Unterstützung es gibt für Familien, wenn jetzt die Kinder belastet sind und die Eltern es merken? Ja, also es gibt, was immer gut ist, was immer eine gute Adresse ist, ist zu gucken nach Erziehungsberatungsstellen, die sich zusammengeschlossen haben. Da gibt es auch so eine Bundesverband von denen. Die haben auch ein extra aufgelegtes Programm für Trennungskinder. Das heißt Trennung Kinder im Blick zum Beispiel. Da gibt es Kindergruppen, da gibt es, ich weiß nicht, ob es auch in manchen Einrichtungen Elterngruppen gibt. Also das ist immer ein kostengünstiger oder kostenneutraler Anlaufpunkt. Selbstverständlich, ja, also auch, ich will jetzt hier keine Eigenwerbung machen, aber ich mache seit gefühlten 100 Jahren, arbeite ich mit Trennungseltern, habe dafür ein eigenes Konzept entwickelt. Also man kann sich auch jemanden suchen, von dem man meint, der bringt die Kompetenz, die Erfahrung mit und sich mit dem zusammensetzen. Also da gibt es viele Möglichkeiten. Ute, mich würde zum Abschluss jetzt noch interessieren, wenn Eltern vielleicht uns zuhören, die gerade mitten in einer Trennung stecken und sich große Sorgen um ihr Kind machen. Was würdest du ihnen am liebsten mitgeben für den bevorstehenden Prozess? Ja, ich würde Ihnen mitgeben, dass es sich bei der Trennung immer um eine massive Lebenskrise für die Erwachsenen handelt. Diese Lebenskrise ist vorübergehend. Sie hat einen Anfang und sie hat ein Ende. Und das heißt nicht, dass Trennungseltern per se nicht mehr alle Latten am Zaun haben, sondern sie sind einfach durcheinander. Ich würde Ihnen empfehlen, Luxus wäre wirklich, sich Begleitung zu holen für diesen Prozess. Meiner Erfahrung nach braucht es manchmal nur drei, manchmal sieben, aber maximal zehn Sitzungen. Und dann ist der Drops gelutscht und Sie haben so einen inneren Kompass und wissen, wie Sie weitermachen wollen. Und der zweite Ratschlag oder Tipp wäre, meine zweite Empfehlung wäre, versucht so authentisch wie möglich aus der Verantwortung der Elternrolle heraus kindgerecht zu interagieren. Das heißt, steht zu euren Gefühlen. Ich ärgere mich. Schwierig finde ich so Vokabeln wie, ich bin jetzt ganz traurig. Also da muss man aufpassen, dass man nicht sozusagen in so eine Opferrolle abrutscht. Aber schon auch dazu stehen, dass sich die Beziehung zum anderen Elternteil anders darstellt, als es für das Kind ist und dass das gut so ist. Und Zuversicht verströmen, das war schon irgendwie, wir kriegen das schon irgendwie hin. Und das wird auch gut gelingen, wenn man sich ein bisschen intensiver mit dem Thema auseinandersetzt. Was man ja getan hat, wenn man heute zugehört hat. Vielen lieben Dank, Ute, für das Gespräch und für die vielen hilfreichen Einblicke in dieses sensible Thema. Darf ich nochmal eine Sache ergänzen? Na klar. Um das so ein bisschen lecker zu machen? Ja klar. Also was ich wirklich immer und immer wieder höre von Eltern, die da heil und gut durchgekommen sind, die sagen, als wir akzeptiert haben, dass wir uns von den Fragen unserer Kinder nicht verstecken konnten. Haben wir plötzlich zu einer Form der Selbstreflexion gefunden, sozusagen zu einer schonungslosen Reflexion unserer Motive und Handlungsweisen, wie wir sie normalerweise nur im therapeutischen Setting antreffen. Und damit erklären sich die Eltern, dass damit letztlich für alle, wenn sie diese Herausforderung angenommen haben, ein riesiger Wachstumsschub möglich wurde. Ja, und wenn ihr jetzt vielleicht mehr darüber lesen wollt, vielleicht auch, weil ihr aktuell betroffen seid, dann könnt ihr das zum Beispiel in Utes Buch mit Kindern durch die Trennung tun. Von ihr gibt es außerdem auch noch ein Buch darüber, wie man mit Trennungskinder in den ersten zehn Jahren einfühlsam und liebevoll den Prozess begleiten kann. Und Ute hat auch ein ganz tolles Kinderbuch geschrieben. Es heißt Jakob kann zaubern. Und das ist besonders gut geeignet, wenn Kinder bei der Trennung der Eltern die Schuld bei sich selbst vielleicht suchen. Alle Bücher verlinken wir natürlich auch wieder in den Shownotes und im Blog. Und Ute hat uns auch jeweils ein Exemplar zum Verlosen mitgebracht. Schaut gerne bei Insta vorbei und kommentiert unter dem Beitrag, in dem das Buch vorgestellt wird, das ihr gerne gewinnen wollt. Und alternativ könnt ihr uns natürlich auch immer eine Mail schreiben. Wenn euch die Folge gefallen hat, dann abonniert gerne unseren Podcast, damit ihr keine neuen Folgen verpasst. Wir freuen uns auch sehr über jede Bewertung, denn damit helft ihr anderen Eltern, unseren Podcast zu finden. Und wenn ihr jemanden kennt, für den diese Folge speziell hilfreich sein könnte, dann teilt sie auch gerne. Wir sagen vielen Dank fürs Zuhören. Bis zur nächsten Folge. Bleibt gesund und uns gewogen. Für heute sagen wir Tschüss. Tschüss. Das war der Podcast vom gewünschtesten Wunschkind.