Hallo und herzlich willkommen zu das gewünschteste Wunschkind der Podcast mit Daniel Graf und Katja Seide. Wir sprechen heute über ein Thema, das so viele Eltern beschäftigt. Wie bleibe ich in Verbindung mit meinem Kind, wenn es im Alltag richtig schwierig wird? Wenn die Geduld mal weg ist, die Nerven blank liegen und wir eigentlich ganz anders reagieren wollten? Bei uns zu Gast ist Romina Alberti. Sie ist Diplomsoziologin, Eltern- und Familienberaterin und Mutter von drei Kindern. Romina begleitet seit vielen Jahren Eltern dabei, Wege im Miteinander zu finden und unterstützt sie dabei, aus dem Gefühl der Hilflosigkeit herauszukommen und Beziehungen neu zu denken. Romina hat auch ein spannendes Buch geschrieben, das ein wirklich praktischer Begleiter für stressige Situationen mit Kindern ist. Es ist ganz frisch in der letzten Woche erschienen und heißt Zwischen Nein und Nähe. Ich freue mich sehr, dass du da bist. Herzlich willkommen, Romina. Vielen Dank. Ich freue mich sehr, mit euch zu sprechen. Romina, zur bedürfnis- und beziehungsorientierten Begleitung kommen ja insbesondere Eltern, die es gern anders machen wollen als ihre eigenen Eltern. Aber gerade in Stresssituationen brechen immer wieder alte Muster durch. Woran liegt denn das eigentlich? Ja, das stimmt. Also das empfinde ich auf jeden Fall auch so. Und ich persönlich mag da ganz gerne das Bild von so einem Dampfkessel. Also dass wir uns vorstellen können, wir versuchen irgendwie wahnsinnig viel. Wir wollen es irgendwie anders machen und wollen das gut machen. Und haben da aber irgendwie so wahnsinnig viel Druck dahinter. Also wir haben ganz viel Druck, die wir bei uns gut machen. Wir wollen vielleicht im Konflikt die, weiß ich nicht, Sätze der gewaltfreien Kommunikation verwenden. Wir wollen alles perfekt machen und haben keinen Bock mehr, das irgendwie mit Drohnen, Strafen und so weiter zu arbeiten. Und gleichzeitig haben wir wenig Vorbilder. Wir haben häufig immer noch wenig Unterstützung. Und dann kommt das so zusammen. Und das läuft vielleicht auf den ganzen Tag ganz gut. Und irgendwann passiert dann was. Also keine Ahnung, das Kind kippt irgendwie noch ein Glas Saft um. Das Kind sagt, ich möchte nicht in den Kindergarten oder was auch immer. Nee, du sollst mir jetzt die Schuhe zumachen. Und wir denken, das kann ja nicht sein. Ich versuche so viel, aber es reicht einfach nicht. Und dann explodieren wir irgendwie so. Jetzt haben relativ viele Eltern einen hohen Perfektionsanspruch. Kannst du uns kurz erklären, wie dieser innere Druck entsteht und können wir uns da irgendwie auch von lösen? Ja, also natürlich ist es einerseits sehr individuell. Ich glaube, es gibt einfach auch wahnsinnig viele Eltern, die Themen in sich tragen, zum Beispiel aus der eigenen Kindheit, dass es da Geschichten gibt, die wir uns selbst erzählen, wie ich muss alles perfekt hinbekommen, nur dann bin ich liebenswert oder ich muss alles irgendwie gut machen, ich bin verantwortlich. Und das sind oft Sachen, die dann auch mal total viel Sinn ergeben haben, die aber dann heute einfach es sehr schwer machen und zu so einem hohen Perfektionsanspruch führen. Und gleichzeitig ist es aber schon auch so ein kollektives Ding, so erlebe ich das, dass es einfach auch so hohe Erwartungen gibt. Also wir erwarten, also gerade von Müttern, die sollen irgendwie zugewandt sein, die sollen liebevoll sein, die sollen aber auch irgendwie Grenzen setzen und Nein sagen. und in der Öffentlichkeit sollen die Kinder auch bitte leise sein und sich benehmen an den Strichen. Ja, das ist so viel. Und ich glaube, das geht eigentlich gar nicht anders, außer dass man diesen Anspruch hat, es perfekt zu machen. Also vielleicht gehört das auch einfach irgendwie so fast dazu, wenn man dem allen entsprechen möchte. Und ich glaube, um das zu lösen, ist es vielleicht erst mal hilfreich, auch zu schauen, also erst mal diesen Anspruch auch so ein bisschen loszulassen, dass man das direkt jetzt auch lösen muss, weil am Ende ist das sonst ja auch was, was wieder einfach Druck macht, wenn wir das Gefühl haben, naja, so jetzt muss ich das direkt loslassen, aber erstmal vielleicht einfach hilfreich auch das anzunehmen und zu sagen, okay, ich möchte es gut machen und es geht vielleicht auch damit einher, dass es gerade irgendwie schwierig ist und dann davon ausgehend dann kleine Schritte zu finden. Also vielleicht, wenn man feststellt, na gut, dieser Perfektionsanspruch ist immer in besonderen Situationen belastend, zum Beispiel, wenn ich das Baby ins Bett bringen will und ich will aber, dass das dreijährige Kind sich ruhig draußen beschäftigt, weil ich will auch nicht, dass es irgendwie eine Serie schaut, das wäre was, okay, da könnte man dran arbeiten, vielleicht sage ich dann alles klar, dann macht das jetzt halt doch, auch wenn es irgendwie eigentlich nicht so gut anfühlt, aber es gibt gerade keinen anderen Weg oder dass man zum Beispiel sagt, naja, eigentlich, das belastet mich in Bezug auf... Weiß ich nicht, wenn Freunde kommen, dass ich das Gefühl habe, es muss perfekt ordentlich sein, dass ich das loslassen kann. Also, dass man dann vielleicht so kleine Schritte findet, mit diesem Perfektionsanspruch umzugehen. Aber ohne diesen Anspruch, jetzt muss ich das auch noch loslassen und direkt habe ich wieder was zum Arbeiten, was wieder Druck macht. Ja, genau so war das bei mir auch so. Jetzt ist wieder ein To-Do, du musst weniger perfektionistisch sein, aber aus eigener Erfahrung ist es tatsächlich so, dass das ganz viel wertvolle Energie für den Alltag gibt, wenn man da wirklich loslässt. Und man sieht ja, es passiert auch gar nichts Schlimmes oder Böses. Ich meine, nach oben justieren kann man immer noch. Deswegen empfehle ich immer, es einfach mal zu versuchen. Was passiert denn, wenn jetzt die Küche morgens nicht aufgeräumt wird oder die Wäsche nicht sofort aufgehängt wird? Ja, das kann sehr viel Entspannung in den Alltag bringen. Romina, bei unserer Art der Begleitung, über die wir hier bei uns im Podcast sprechen, geht es ja ganz viel um Bedürfnisse. Bezüglich der Bedürfnisse gibt es aber leider immer noch viele Missverständnisse. Also zum Beispiel ist vielen nicht ganz klar, was ist denn jetzt der Unterschied zwischen einem Bedürfnis und einem Wunsch? Kannst du das mal kurz erklären? Ja, also ich finde da immer dieses Bild ganz hilfreich erstmal, dass ein Bedürfnis etwas ist, was wir einfach brauchen. Also das ist etwas, was wir brauchen, was eben potenziell auch alle Menschen erstmal brauchen. Und das unterscheidet das natürlich von einem Wunsch. Also vielleicht habe ich den Wunsch, irgendwie ein Schokobrötchen zu essen, aber das ist nichts, was ich brauche, weil ich könnte auch einfach jetzt, keine Ahnung, eine Banane essen oder so, weil das Bedürfnis ist nicht ein Schokobrötchen, sondern eben, dass ich eine Nahrungsaufnahme jetzt irgendwie brauche. Und so ist das eigentlich, finde ich, immer hilfreich, sich das vorzustellen. Also auch meinem Kind geht es vielleicht darum, dass es gerade, ich sage jetzt mal, Zugehörigkeit sucht, zu anderen vielleicht und das muss aber nicht dann dadurch sein, dass ich jetzt sage, alles klar, deswegen müssen wir jetzt sofort die Nintendo Switch kaufen oder so. Also das ist so der Unterschied. Ein Bedürfnis ist was, was wir brauchen, Und genau, und das, wie gesagt, auch potenziell alle Menschen brauchen. Okay. Und wie kann ich denn jetzt als Elternteil im Alltag schneller erkennen, welches Bedürfnis bei mir jetzt gerade unerfüllt ist? Ja, also das finde ich auch eine total gute Frage und das ist auch eine Frage, die ich ganz oft gestellt bekomme. Also sowohl, wie kann ich denn rausfinden, welches Bedürfnis ich habe, als auch, was hat denn jetzt mein Kind? Und davon ist auch wieder ganz wichtig, auch wieder ranzugehen, zu sagen, erstmal, alles klar, du musst es nicht direkt wissen. Weil ganz oft entsteht da sowas, dass auch Eltern zu mir sagen, naja, also ich kann ja gar nicht bedürfnisorientiert sein, weil ich weiß ja gar nicht, was die Bedürfnisse sind. Und da auch wirklich erst mal zu sagen, du kannst doch einfach raten. Also teste dich einfach erst mal ran. Es kann da hilfreich sein, auch sowas zu machen, wie sich eine Bedürfnisliste auch aufzuschreiben. Dafür kann man einfach im Internet mal, da gibt es ja super viele Listen, was gibt es für Bedürfnisse. Dann liest man sich das durch und schaut mal, was könnte da passen, was könnte mir fehlen, was merke ich einfach. Das spürt man dann ja ganz schnell. Stimmt, Autonomie, das ist ja echt ein Ding für mich. Und dann kann man einfach mal Strategien sammeln. Weil auch da wieder, es gibt unzählige Strategien für jedes Bedürfnis, ich hatte es schon mit Schokobrötchen, es gibt so viele Dinge, die man tun kann, wenn man Hunger hat und dann schreibt man sich einfach mal auf alle Strategien, die einem einfallen zu einem Bedürfnis und probiert es einfach mal aus. Und am Ende ist es dann nämlich auch ganz oft so, dass Eltern feststellen, ja, ich dachte vielleicht, ich brauche Yoga oder ich brauche Alleinezeit, aber ich merke, nee, eigentlich ist es das gar nicht. Also eigentlich tut es mir gerade viel besser, mich irgendwie auszutauschen, einen VHS-Kurs zu besuchen, vielleicht sogar auch in einem Internetforum Zeit zu verbringen, keine Ahnung, was auch immer, eine Ausstellung zu gehen. Weil oft ist es einfach so hilfreich, erst mal wirklich zu gucken, zu testen, zu probieren, ohne diesen Anspruch zu haben, Und jetzt muss ich direkt auch hier wieder. Eins mit Sternchen, Bedürfnisorientierungstest bestanden. Also darum geht es ja gar nicht. In deinem neuen Buch geht es ja auch um die besonders schwierigen Situationen. Und in dem Zusammenhang fand ich ganz spannend das Konzept des Toleranzfensters. Erzähl das doch mal. Was genau bedeutet das und wie hilft mir das im Alltag im Umgang mit meinen Kindern? Ja genau, also dieses Konzept des Toleranzfensters, das finde ich auch super spannend. Das ist von Dr. Dan Siegel. Das ist ein Professor für Psychiatrie, der hat das entwickelt und zeigt damit nochmal ganz deutlich, wie wir auf Stress reagieren können. Und was wir da sehen, ist, dass wir uns einfach erstmal vorstellen können, dass es eben ein Fenster gibt, also das namensgebende Toleranzfenster. Und das ist ein Fenster, in dem wir quasi in einem optimalen Erregungszustand sind. Also das bedeutet, da ist quasi, ich sage jetzt einfach mal, alles gut so ein bisschen. Wir sind entspannt und vielleicht gibt es auch da Unterschiede. Wenn wir gerade ein Buch lesen, ist es anders, als wenn wir gerade Sport machen. Also nein, das heißt nicht, dass es immer gleich ist, aber da ist alles okay und wir fühlen uns grundsätzlich entspannt und alles ist gut. Und dann kann es passieren, wenn wir in eine Situation kommen, die für uns auch irgendwie sehr stressig ist. In einen Konflikt kommen, der uns wirklich herausfordert, überfordert, dass wir in so eine Disregulierungsphase rutschen und wir merken das dann auch ganz häufig, dass wir anfangen zu schwitzen, dass wir vielleicht uns verspannen, dass der Puls hochgeht. Und wenn wir es dann nicht schaffen, uns zu regulieren, dann rutschen wir nochmal raus in so ein Feld der Hypo- oder der Hypererregung. Also wir werden entweder super wüten, explodieren, rasten aus. Das wäre so Hypererregung, Panisch, ängstlich oder in die Hypererregung. Und das wäre dann sowas, dass wir dann sehr lethargisch sind, beträubt, gefühllos. Das kann bis hin zur Depression gehen. Also das sind so diese Felder, wo wir eben rausrutschen können. Und das ist einfach irgendwie nochmal spannend zu wissen, weil wir natürlich in beiden von diesen Bereichen, ja ist unsere Handlungsfähigkeit total eingeschränkt und wir können es ja gar nicht mehr anders oder gut machen, wie wir uns das irgendwie vorgenommen haben. Jetzt finde ich das auch total spannend, weil dieses, wenn wir quasi in der Hyperreaktion sind, das fällt ja vielen Eltern auf. Also wir sind aufgebracht, wir sind wütend, wir können unsere Gefühle schlecht regulieren. Aber ich glaube, zu wenig Beachtung findet tatsächlich noch der Zustand der Hypoerregung. Also es heißt ja im Prinzip, ich falle in einen Zustand, in dem ich relativ taten- und planlos bin. Und ich glaube, das erkennen viele Eltern gar nicht, dass das tatsächlich was mit dem Stress zu tun hat. Weil im Grunde bin ich ja nicht erregt, sondern untererregt. Und das finde ich ganz spannend, dass ich da so ein bisschen auch den Blick drauf haben muss, wenn ich eben ganz lethargisch da sitze, kann das eben auch was damit zu tun haben. Ja, das stimmt, dass es dann trotzdem einfach zu viel ist. Das ist ja auch ganz klassisch bei einer Depression. Es ist ja auch einfach, kann ja auch einfach durch Stress, Burnout oder irgendwie solche Geschichten, daher kennt man das ja auch, dann einfach auch ausgelöst sein, weil es einfach zu viel war. Okay. Jetzt habe ich das Gefühl, dass viele Eltern schon außerhalb des Toleranzfensters sind, Und bevor eigentlich was Dramatisches jetzt im Alltag passiert, dass das Kind ausrastet oder so, was verengt denn dieses Fenster am meisten? Und kann man irgendwie erkennen, dass es sich gerade verengt oder dass ich dieses Toleranzfenster verlasse? Ja, also zum einen ist es natürlich so, dass es auch einfach akute Dinge sein können, die das Toleranzfenster verengen. Also zum Beispiel, man hat sehr wenig geschlafen. Das kennen ja auch die meisten Eltern. Man hat einfach ganz viele Reize gerade. Man ist total überreizt, weil, weiß ich nicht, die Kinder die ganze Zeit nur rumschreien und dann noch dies passiert und das und so. Oder es sind Konflikte, die schwierig sind für uns zu begleiten. Also das kann natürlich sein. Und es kann aber natürlich auch sein, dass wir einfach ein kleineres Toleranzfenster haben, quasi von Haus aus so ein bisschen, weil zum Beispiel, das ist halt auch ein bisschen das, was so unfair ist. Wenn wir quasi auch, naja, ich sag mal, nicht so gut gelernt haben, uns zu regulieren, wenn wir irgendwie Erfahrungen in der Kindheit haben, die es uns irgendwie schwerer machen als anderen. Also die Bindungsgeschichte, all diese Dinge spielen eine Rolle, wie groß unser Fenster ist. Und das ist natürlich so ein bisschen unfair, weil wenn wir vielleicht eh schon eher ein kleineres Fenster haben und dann kommen noch die Herausforderungen mit dem Familienalltag dazu, dann wird es halt besonders schwer. Genau, also das ist so das eine und das andere, also wie erkenne ich, dass ich da irgendwie aus diesem Fenster rausgehe, dafür finde ich es auch immer nochmal hilfreich zu gucken, was ist mit meinem Körper los, weil ganz oft ist es so, dass der Körper uns einfach schon super früh zeigt, wenn es schwierig für uns wird, dass wir dann, wie gesagt, anfangen zu schwitzen, ganz viele Eltern verspannen sich, also das ist so ganz oft so ein Stresssymptom, dass wir so die Kiefermuskulatur anspannen oder den Nacken. Und gleichzeitig auch da wieder, das ist auch wieder ein bisschen voraussetzungsreich, weil wir oft ja gar nicht so drin sind im Körper. Wir haben das gar nicht so gelernt, auf den Körper zu achten. Und da würde ich empfehlen, tatsächlich das zu üben, immer mal in so einem kleinen Check-In zu machen im Tagesverlauf. Das kann man zum Beispiel immer machen, wenn man in die Küche geht, wenn man das Kind abholt, wenn man auf die Toilette geht. Immer mal kurz einchecken, aha, wie geht es mir gerade? Bin ich irgendwie, kann man auch gerne dieses Ampelbild nehmen, was auch ganz oft verwendet wird. Bin ich im grünen Bereich, alles entspannt? Und bin ich orange? Schwieriger. Oder komme ich wirklich in so eine Disregulierungsphase? Rot, alles ist zu viel. Und dann immer mal reinzuspüren. Und wenn man mag, kann man dann auch super gerne einmal da, wo man merkt, dass man sich gerade anspannt, so locker lassen so kurz. Und das kann auch schon helfen, um damit so umzugehen, dass man halt eben nicht immer wieder aus diesem Fenster rauskommt. Ja, was ich bei mir auch festgestellt habe, ist, dass gerade so die Grundbedürfnisse da ganz, ganz großen Einfluss haben. Also logisch, kennt wahrscheinlich jeder, nicht genug geschlafen, dann ist die Lunte viel, viel kürzer. Bei mir ist zum Beispiel Hunger so ein ganz, ganz großer Faktor. Ich werde sehr schnell hangry, also die Mischung aus, wir bin denn hungry und angry. Und meine Kinder haben das leider auch geerbt, was eine blöde Kombination ist in Stresssituationen. Warum fällt uns denn das eigentlich so schwer, vor allem die Grundbedürfnisse im Blick zu behalten? Ja, also zum einen glaube ich, weil es einfach auch tatsächlich oft zu viel ist. Also das ist auch immer wieder was, was ich auch in Beratung erlebe, dass es einfach so viele auch wirklich herausfordernde Situationen gibt mit wenig Unterstützung, wo dann Eltern da sitzen und das Baby schreit und das weiß ich nicht, Dreijährige sitzt auf dem Tisch und sagt, ich möchte jetzt sofort irgendwie was essen und das Siebenjährige muss die Hausaufgaben noch machen. Und dann merkt man so, okay, Mist, ich muss eigentlich seit einer Stunde aufs Klo und kriege das einfach nicht hin. Also ich glaube, das ist auch einfach wirklich eine Herausforderung, das zu schaffen. Und gleichzeitig stimmt es natürlich total, auch mit diesem Hangry, wir müssen es unbedingt versuchen zu priorisieren, diese Grundbedürfnisse. Und da möchte ich auch immer gerne ermutigen, also gerade wenn man merkt, naja, es hat bei mir vielleicht auch schon was mit diesem Perfektionsanspruch zu tun, dass man da wirklich auch guckt und sagt, nee, ich muss jetzt aber auf Toilette. Und das ist jetzt so. Und dann ist es okay, wenn ich mein Baby irgendwie mit der Stimme übergleite, wenn es weint. Oder ich nehme es halt mit auf dem Schoß, wie auch immer. Oder ich mache jetzt auch für mich einen Arzttermin aus. Und ich will damit sagen, es ist halt auch einfach wirklich schwierig. Und gleichzeitig, klar, es lohnt sich halt total, das dann auch immer wieder auch im Blick zu haben. Wobei das beim Schreien zum Beispiel ganz oft auch die Angst ist, da was kaputt zu machen in der Beziehung zum Kind. Also ganz viele Eltern priorisieren sich eben nicht, weil sie halt sagen, okay, ich kann das aushalten, jetzt für fünf Stunden nicht auf Toilette zu gehen. Aber mein Kind kann halt, also mein Baby zum Beispiel, versteht nicht, warum es jetzt nicht zu essen kriegt. Und mein Bluten ist Zweijähriges auf dem Tisch. Das braucht jetzt einfach ein Pflaster. Und da dann den Mut zu haben, zu sagen, okay, nee, das hält unsere Beziehung aus. Ich muss jetzt wirklich doll. Das ist ein Schritt, den man erst mal lernen muss, glaube ich, oder zu dem man den Mut haben muss. Da kommen wir auch gleich zu dem Thema Grenzen. Lass uns mal über Grenzen sprechen. Was sind denn typische Situationen, in denen Eltern jetzt ihre eigenen Grenzen ständig übergehen? Also zum einen natürlich Grundbedürfnisse, das hatten wir jetzt eben gerade, aber ich glaube, oft ist es tatsächlich eher die Frage, also welche Eltern übergehen nicht ihre Grenzen, weil ich das Gefühl habe, also wir machen das alle ganz, ganz oft und das kann dann wirklich auch sowas sein, auch da wieder Erwartungen von außen, ich muss jetzt noch schnell für morgen für die Kita noch den Kuchen backen oder irgendwie 23 Muffins nachts um 12 für den Kindergeburtstag. Also da ist auch wieder so einfach oft super viel zu tun, wo wir über Grenzen gehen. Und dann ist es aber natürlich auch oft so, dass Eltern... Ja, genau. Also auch Angst haben, dann vielleicht auch Nein zu sagen oder auch nicht wissen, darf ich mich jetzt priorisieren, wie es auch gerade das Thema war. Und dann eben auch über ihre Grenzen gehen, einfach weil sie nicht trauen, auch sich Nein zu sagen oder jetzt zu sagen, nee, jetzt diese Grenze, was auch immer, das muss ich wahren, diesem Bedürfnis muss ich nachgehen von mir. Dieses Nein sagen ist, glaube ich, grundsätzlich ein sehr, sehr schwieriges Thema. Ich weiß, ich halte ja relativ viele Vorträge und da sagen die Eltern immer, dass sie sich sehr schwer damit tun, freundlich, aber bestimmt Nein zu sagen. Und damit beschäftigst du dich ja in deinem Buch auch. Wie kann denn das Nein so gesagt werden, dass es ganz klar ist, aber nicht hart wirkt? Also ich glaube, da ist immer erstmal wichtig, dass man sich nochmal deutlich macht, dass ein Nein also kein Beziehungsabbruch ist, weil das ist ja erstmal, glaube ich, ganz oft die Idee, dass in dem Moment, wo ich Nein sage, weil das eben viele auch selber so erfahren haben in der Kindheit, das ist halt, dann ist aus so. Also entweder ich sage ja und alles ist toll und wir sind lieb und klar, Beziehungen und so. Oder es ist halt nein und es ist eine Grenze und da muss ich auch wirklich mich jetzt mal durchsetzen. Und dann werde ich so ganz, weiß ich nicht, so wie man sich das vorstellt, wie strenge Eltern sind oder so. Und rutscht da irgendwie so eine Rolle rein. Und ich glaube, da ist es halt wirklich wichtig, so bei sich zu bleiben. Und es gibt auch ein Bild, das habe ich bei Nora Indau mal gelesen. Da hatte sie das beschrieben, also ich weiß nicht mehr genau, die Worte, die sie gewählt hatte. Aber das Bild war so ein bisschen dieses, wie wenn man so ein verletztes Tier in so eine Art Koffer oder was es da gibt, diese Geräte, wo die Tiere dann reinkommen, wenn man zum Tierarzt geht, weil man das da so reintun muss. So ein Transportkoffer. Ja, genau, ein Transportkoffer. Und dieses Bild, weil man muss ja auf dieses Tier nicht böse werden dann in dem Moment. Man ist ja trotzdem nett, so irgendwie, und so zugewandt. Und dieses Bild fand ich auch nochmal so ganz eindrücklich, weil das ist ja eigentlich das Gleiche. Also es gibt überhaupt keinen Grund, jetzt in die eigene emotionale Not zu gehen, weil mein dreijähriges Kind da gerade ist. Und ich finde, mit diesem Bild kann man noch mal so eher auch arbeiten und sich denken, ja, also ich kann auch nein sagen und trotzdem zugematt bleiben. Es geht beides gleichzeitig, wenn man das auch natürlich vielleicht erst mal üben muss, so ein bisschen. Du arbeitest in deinem Buch viel mit dem Gedanken, dass Eltern authentisch bleiben dürfen. Wenn man die jetzt verloren hat, die Authentizität, wie findet man die wieder? Und ja, also wenn man nicht weiß, wer man ist, wie geht das? Also auch da finde ich, ich finde es total schön formuliert, dieses, wenn man es ein bisschen verloren hat, weil ich glaube, dass total viele Eltern das erstmal ein bisschen verlieren, wenn Kinder kommen, Gerade auch nach dieser sehr sensiblen Phase, auch nach der Geburt und vielleicht auch mit den Geschwistern kommen auch nochmal, weil man ja einfach auch so viel hat und man lässt sich so ein auf neun Menschen und dann verliert man sich ein bisschen. Und dann geht es darum, wie kann ich das wieder auch vielleicht zurückgewinnen und das ist natürlich auch wieder sehr individuell, was da hilft. Also ich kann sagen, bei mir ist es zum Beispiel sowas wie Musik, das hilft mir, mir hilft das, wenn ich auch mit meinen Kindern meine Musik anmache, wenn ich die nicht direkt ausmache, sondern sage, oh nee, warum nicht, können wir auch zusammenhören, wir machen gerne sowas, wenn wir Autofahren, dass jeder sich ein Lied aussuchen darf, abwechselnd und man auch da wieder sich auch so selber findet und erlebt und das kann aber auch natürlich sowas sein, dass man sagt, ich mache auch meinen Sport, auch wenn die Kinder dabei sind und wenn das Kind schon älter ist, dann kann das vielleicht dann auch nochmal zwei Minuten warten, bis ich fertig bin. Und ich finde auch immer nochmal so dieses Thema Sprache auch irgendwie ganz interessant, weil viele Eltern, glaube ich, schon das Gefühl haben, ich muss so reinrutschen in so eine Elternrolle und Eltern sind so und so und die reden so und so mit ihren Kindern und so muss ich das formulieren. Und da finde ich auch wichtig, es geht schon darum, dass wir auch echt sein dürfen und dass wir uns so ausdrücken dürfen, wie wir sind und uns da nicht verstellen müssen. Und ich hatte die Situation mit meinem Sohn auf dem Spielplatz neulich, wo er irgendwie dann so stand und so sagte, ey Leute, was machen wir denn jetzt? Und weil das halt was ist, was ich auch öfter mal sage, so dieses Ey und Leute und so, und kann ich das irgendwie so schön, weil ich so dachte so, ja, er hat mich halt auch als Mensch schon kennenlernen dürfen und nicht als Mama nur. Und das heißt nicht, dass er jetzt auch so sprechen soll, um Gottes Willen, das wird er auch nicht. Aber es ist einfach so dieses, wir dürfen uns zeigen. Das ist mir da, glaube ich, einfach wichtig. Und auch so diese Angst, wir dürfen uns auch die Angst nehmen davon, dass wir alles halt, sind wir wieder beim Perfekt sein, perfekt machen müssen und es immer nach Schema F laufen muss. Jetzt haben ja im Alltag viele Eltern so ein bisschen Angst vor Konflikten, einfach weil sie selbst schlechte Erfahrungen damit gemacht haben. Du hast ja vorhin schon gesagt, ja, für uns hieß es Beziehungsabbruch, wenn die Eltern Nein gesagt haben. Das ist noch ein Learning, was ganz viele vor sich haben. Wie schaffen wir das denn, Konflikte auszuhalten? Also ich glaube, da ist wirklich erstmal auch wieder hilfreich dieser Gedanke von, also Konflikte sind okay und ich weiß, das ist was, das haben wir auch alle schon tausendmal gelesen und das wissen wir auch, aber es halt wirklich zu verinnerlichen, dass es nicht unser Job ist, Konflikte wegzumachen. Das ist was, was, glaube ich, für ganz viele Eltern hilfreich sein kann, weil wir halt immer noch das Gefühl haben, wir müssen das jetzt direkt lösen, wir müssen die Idee haben, wir sind die Eltern. Aber da wirklich sich klarzumachen, Konflikte gehören dazu, wir müssen die nicht wegmachen, die sind wichtig. Also wir können nur eine Beziehung mit jemandem haben, wenn wir auch Konflikte haben. Also das finde ich das eine und dann geht es natürlich ganz viel um das Thema Selbstregulation. Also dass wir schauen, okay, was sind denn überhaupt meine Strategien, um mich zu regulieren? Weil ich erlebe es ganz oft, dass Eltern sagen, ja, also für meine Kinder, da wünsche ich mir, dass die in den Kissen boxen und ich wünsche mir dies und ich wünsche mir das. Und wenn ich dann frage, okay, was machst du denn für dich? Dann ist es so, eigentlich nix. Ja, vielleicht schreie ich oder so dann. Also da nochmal zu überlegen, also was können wir da machen weil das hilft natürlich auch Konflikte auszuhalten und da kann es wirklich auch hilfreich sein, ganz niedrigschwellige Dinge zu finden wie sich abklopfen, schütteln, atmen ist natürlich immer das allerbeste aber das funktioniert für viele Eltern nicht, wenn sie es noch nicht so geübt und gelernt haben, genau und dann, wenn man das aber dann übt und lernt wie ich vorhin gesagt habe, immer dieses, wenn ich in die Küche gehe, dann gucke ich mal, ich check mal ein ich übe meine Selbstregulierungsstrategien, ich klopfe mich ab, ich mache das auch vor meinen Kindern Und dann werde ich immer sicherer, weil ich auch immer wieder die Erfahrung mache, dass ich Konflikte auch sicher begleiten und halten kann, ohne irgendwie auszurasten. Du arbeitest ja relativ viel mit Familien im Alltag. Welche typischen Situationen tauchen denn immer wieder auf? Also ganz egal, wie unterschiedlich jetzt die Familien sind, gibt es irgendwie Dinge, die in allen Familien passieren? Ja, also es gibt tatsächlich, ich würde sagen, verschiedene Sachen, ganz viele Muster, die da immer wieder auftauchen. Was mir immer besonders häufig auffällt, ist, dass Eltern auch sowas sagen, wie das Kind sie provoziert. Also so, mein Kind provoziert Milch, das lacht irgendwie über Milch. Ich fühle mich irgendwie, also ich habe das Gefühl, das Kind, das tanzt mir auf der Nase herum, in Anführungsstrichen, das ist auch sowas, was dann gerne gesagt wird, das ist schon sowas, was ganz oft vorkommt. Okay, dann nimm uns mal in so eine typische Situation mit, wenn du Eltern berätst, was wäre denn ein erster kleiner Schritt, der eigentlich fast immer Verbindung schafft? Ja, ich glaube, da ist es wirklich auch immer wieder erst diese Idee von, okay, dein Kind will dich nicht ärgern, dein Kind ist nicht gegen dich. Weil gerade wenn die Muster so verfestigt sind, und dann ist es oft ganz hilfreich, erst mal zu schauen, okay, also worum könnte es meinem Kind denn gehen? Was möchte es denn gerade von mir? Warum taucht das auf in der Situation? Was war vor der Situation? Was ist grundsätzlich los? Und dann ist es oft wirklich hilfreich zu verstehen, das ist irgendwie, ne, ist das ein kleines Kind? Häufig ist es das in den Beratungen. Und das sucht irgendwie gerade deine Unterstützung. Es sucht dich. Und das hilft dann schon dabei, den zweiten Schritt zu gehen und zu schauen, okay, an welchen Punkten ist jetzt Verbindung möglich. Das kann dann sowas sein. Das hatte ich auch mal herausgearbeitet in der Beratung. Und das war ganz hilfreich, dass dann die Mutter immer, wenn das Kind ja angefangen hat, ich sag mal, in Anführungszeichen zu provozieren, ist sie so auf das Kind zugegangen und hat so ein Spiel draus gemacht. Also so, ah, schon wieder, sagst du das? Und ist so spielerisch nachgelaufen. und hat so Quatsch gemacht und hat da sehr viel Humor reingebracht in die Situation. Und das Kind, weil dem ging es tatsächlich da um Verbindung, ist dann so ein bisschen so weggelaufen. Dann haben wir da ein bisschen so, ja, fast schon so ein Punk-Spiel letztlich draus gemacht. Und sie hat es dann so gejagt und so. So Tiger-Spiel haben wir das genannt. Das kann zum Beispiel eine Situation sein. Und ansonsten finde ich es aber auch hilfreich, auch immer nochmal zu schauen, also wie spreche ich auch in solchen Situationen mit meinem Kind? Weil oft ist es auch wirklich hilfreich, da nochmal zu schauen. Also diese Grundhaltung zu haben von, Okay, also du scheinst ja gerade irgendwie was zu suchen, was zu brauchen. Ich weiß, dass du ein traules Kind bist, du brauchst irgendwie gerade meine Unterstützung, weil sonst würdest du das ja nicht machen. Und das, finde ich, ist auch was, was man auch wirklich auch so formulieren kann, dass man sagt kann, okay, wow, da muss ja gerade ganz schön was los sein bei dir, dass du das jetzt machst oder zu mir sagst, um was es auch geht. Und dadurch kann man auch wieder ganz schön in Verbindung kommen. Jetzt gibt es ja auch die sozusagen entgegensetzte Sorge, nämlich das Kind zu verwöhnen, wenn man jetzt bedürfnisorientiert begleitet. Es gibt relativ viele Eltern, die Angst haben, dass sie ihr Kind verwöhnen. Was antwortest du denn auf diese Sorge? Also erstmal, dass ich das total nachvollziehen kann, weil das glaube ich auch was ist, was ja auch natürlich wieder mit Erwartungen von aus zu tun hat. Und dann ist es auch so, dass einfach auch diese Dinge oft ganz tief in uns drin sind, dass die wirklich so internalisiert sind. Einfach weil ja auch bis in die 70er Jahre auch dann noch in Hauswirtschaftsschulen Sachen belehrt wurden von Tyrannikindern und so. Ich glaube, das ist einfach was, was bei ganz vielen Eltern mitschwingt. Und auch bei den Eltern, die das gar nicht so vielleicht formulieren oder so realisieren, ist es oft immer noch so ein bisschen so eine Angst. Also so dieses, ja, ich will, dass mein Kind kooperiert und gleichzeitig wünschen wir uns dann aber doch in manchen Situationen auch, dass sie dann doch irgendwie in Anführungsstrichen gehorchen. Und das klingt jetzt irgendwie so böse, aber ich finde es halt hilfreich, sich das nochmal deutlich zu machen. Ja, weil dann doch einfach die Idee oft ist, naja, wenn mein Kind nicht mitmacht, dann habe ich es halt nicht hinbekommen. So, dann bin ich wohl doch nicht so eine gute Mama oder ein guter Papa. Und irgendwie habe ich halt diese Erwartung. Genau, deswegen finde ich es eigentlich erst mal gut, wenn man überhaupt zu diesem Punkt kommt und es so formuliert, dass man diese Sorge hat. Und dann ist es natürlich aber so, wir haben ja schon darüber gesprochen, also bei Bedürfnisorientierung geht es ja eben um Bedürfnisse und nicht um Wünsche. Es geht darum, dass wir quasi sehen, was braucht mein Gegenüber, was brauche ich? Und wie können wir da innerhalb der Familie Wege finden? Wie können wir Zumutungen verteilen? Wie können wir gucken, wie kann es uns zusammen gut gehen? Und das, finde ich, hat ja mit Verwöhnen erst mal gar nichts zu tun, weil man darf ja auch feststellen, was man braucht und was jeder braucht. Und ich dachte auch, da finde ich auch so diese Frage auch hilfreich, dieses, wer leidet mehr? Weil wir es davon auch vorhin hatten. Also auch wirklich zu gucken, okay, wer leidet mehr? Die ist aus den Elternbriefen, diese Frage. Und die kann auch sehr hilfreich sein, und eben auch in der Situation Entscheidungen zu treffen, zu priorisieren. Welches Bedürfnis hat jetzt Vorrang? Na klar, das Babydust, dass es Hunger hat, das hat natürlich Vorrang, weil das leidet mehr. Aber wenn ich mich jetzt zum hundertsten Mal zurückstelle und meinen Sport nicht mache, weil mein siebenjähriges Kind keine Lust hat, irgendwie sich was zu trinken, selber zu holen, dann ist es eine andere Geschichte. Und wenn man das so sieht, finde ich, und das auch dann nochmal so sich wirklich deutlich macht, was bedeutet denn Bedürfnisorientierung, finde ich, wird auch ganz schnell klar, dass es mit Verwöhnung überhaupt nichts zu tun hat. Na auch, man muss dann auch gucken. Also ja, das Baby hat in der Situation Vorrang, aber wenn dann immer wieder das große Kind zurückstecken muss zum Beispiel, dann muss man eine ruhige Minute suchen und dann aktiv ja auch auf das zweite Kind hingehen und dann eben dessen Bedürfnis befriedigen, auch wenn es da gerade nicht nachfragt. Das ist, das finde ich ganz, ganz wichtig in dem Moment, das noch zu sagen. Ja, total. Also ich meinte das auch wirklich nur im Sinne von, dass man immer auf die konkrete Situation schauen muss. Und natürlich in so einem Geschwisterkontext oder allgemein hast du natürlich total recht. Es geht ja nicht nur um die akute Situation, sondern auch immer darum, das Gesamtkonstrukt im Auge zu haben. In dem Gesamtkonstrukt weiß ich, dass viele Eltern sich im Alltag ziemlich alleine fühlen. Also die haben das Gefühl, irgendwie scheinen das alle hinzukriegen, nur ich schaffe das irgendwie nicht. Ist es denn tatsächlich so, dass alle anderen das Ganze locker flockig hinkriegen oder täuscht da so ein bisschen der Eindruck? Ja, ich glaube, dass die meisten Eltern sich phasenweise zumindest immer wieder alleine fühlen. Und dass es da wirklich auch super hilfreich sein kann, in den Austausch zu gehen. Und auch gerade natürlich auch, vielleicht hat man einen Freundes- oder Bekanntenkreis, mit dem man sprechen kann. Aber ansonsten ist es ja auch in Social Media oder wie auch immer ist ja Austausch möglich, da auch einfach mal zu gucken, okay, wie geht es dir denn damit, wie geht es mir? Und ich glaube, da stellt man ganz häufig fest, dass dieses Thema ganz viele Eltern haben, weil ja auch sowohl allgemein als auch vielleicht mit den Themen, ich würde es gut machen, weiß nicht wie, mir fehlen die Vorbilder. Aber das ist, glaube ich, echt ein Thema, was fast alle Eltern begleitet. Wie kann man denn zum Beispiel im Alltag jetzt so kleine Inseln schaffen, die Beziehungen mit den Kindern stärken oder auch zwischen den PartnerInnen, ohne jetzt zu viel Zeit oder Vorbereitungen nutzen zu müssen? Weil das ist ja was, was wir alle nicht haben. Gibt es da irgendwie was, was du raten kannst? Ja, also erstmal finde ich es total hilfreich, auch sich nochmal zu verdeutlichen, dass diese schönen Verbindungsmomente gar nicht immer so nach wunderschönen Sonnenscheinen aussehen müssen. Also, weil wir ja oft die Idee haben, naja, wir gehen jetzt Eis essen und wenn wir beim Eis sind, dann fängt die Verbindung an, dann wird es schön. Aber auch das, was vorher passiert, das Schuhe anziehen im Flur, das Losgehen, die Treppe runterlaufen, all das sind ja Dinge, die Verbindungen sind. Und auch in diesen kleinen Momenten können wir immer wieder schauen, wie können wir da eine gute Zeit zusammen haben. Also ich glaube, das hilft oft, um auch so ein bisschen klarzumachen. Also das ist halt oft der Alltag, auf den es wirklich ankommt. Und gleichzeitig finde ich es trotzdem auch total gut, sich auch immer wieder diese Verbindungsmomente auch einzuplanen. Einfach, weil die ja sonst so schnell verloren gehen. Und man dann irgendwann merkt, naja, schade, jetzt habe ich irgendwie den ganzen Tag neben meinem Kind nur so hergelebt und habe es gar nicht angeschaut. Und deswegen mache ich das zum Beispiel so, dass ich mir da einen Handywecker gestellt habe. Ich habe da einfach so einen Timer, 15 Minuten, jedes Kind heißt der und der klingelt abends. um fünf, wenn ich auch noch mal Zeit habe. Und dann kann ich gucken, aha, hatte ich denn ein bisschen Zeit mit meinen Kindern? Und wenn nicht, dann mache ich da noch mal was. Und es muss dann was ganz, es muss nichts Großes sein, was ganz Kleines. Ich frage noch mal meinen großen Sohn, wie es ihm geht. Oder mache noch mal irgendwie Hopperreiter mit dem Kleinen, mir ist was vor. Einfach noch mal kurz. Und sich das wirklich so, also entweder in Erinnerung zu stellen oder wirklich proaktiv einzuplanen mit, weiß ich nicht, drei kleinen Minislots am Tag, Aufwachbegleitung nach der Kita oder Schule oder abends. Das kann schon sehr hilfreich sein, um es einfach nicht zu vergessen. Jetzt hattest du ja gesagt, dass Selbstregulation auch ganz wichtig ist. Hast du so ein paar kleine praktische Ideen für den Alltag, wie wir es schaffen, uns in Stresssituationen ein bisschen schneller zu beruhigen? Ja, also erstmal finde ich immer total hilfreich so dieses Wissen, dass man schon mal gehört hat, dass es in der Regel ja 90 Sekunden braucht, wenn so ein Gefühl da ist, bis es auch wieder irgendwie zu Ende gefühlt ist. Und das fühlt sich ja in dem Moment super lang an, aber eigentlich ist es ja was, was schaffbar ist. Also wir können das eigentlich schaffen. Und was da konkret helfen kann, sind Strategien, also einmal Strategien, die irgendwie den Fokus irgendwie so ein bisschen weglenken. Da kann man sowas machen wie so ein Haargummi am Handgelenk schnalzen lassen, das finden viele Eltern hilfreich. Man kann sowas machen wie sich abklopfen, das habe ich schon gesagt, auf den Boden stampfen. Also ich spreche da auch zum Teil von Hauruck-Strategien, weil die so Sachen sind, die man jetzt nicht so auf dem Schirm hat, weil man denkt ja immer, naja, ich muss irgendwie atmen und so, Glas Wasser trinken und das hilft. Aber wie gesagt, auch gerade so ein bisschen aktivere Sachen, die auch so körperlich einen so ein bisschen herausfordern, bei Liegestützen oder so, das kann auch schon hilfreich sein, um so den Stress irgendwie so ein bisschen abzubauen. Cool. Und dann, wir haben ja vorhin schon über dieses Toleranzfenster gesprochen. Was hilft denn da langfristig, dieses eigene Toleranzfenster vielleicht ein bisschen zu vergrößern sogar? Ich glaube, oft sind das ja Sachen, die wir wirklich auch alle schon gehört haben. Also dieses Atmen, Meditieren, Selbstversorge, auf die Grundbedürfnisse achten, der Schlaf. Also all diese Themen, die wir ganz oft auch irgendwie wissen, dass die wichtig sind. Das ist was, was hilft irgendwie. So gerade Stichwort Toleranzfenster. Sich Unterstützung holen. Das kann auch so eine Therapie sein, dass man sagt, okay, ich brauche da jetzt wirklich Unterstützung von außen, um da zu schauen, dass ein Toleranzfenster wieder größer wird. Und gleichzeitig hatten wir es aber auch schon ein bisschen davon, den Blick auf die individuellen Bedürfnisse zu haben, zu gucken, was brauche ich, was fehlt mir. Für viele Eltern ist da wirklich ein Autonomien-Thema, aber es können auch andere Dinge sein. Und das ist alles hilfreich, um da wieder ein bisschen mehr sich selber zu finden. Also auch wieder, Stichwort Autistizität, sich finden, was fehlt mir, was brauche ich, weil das kann ja auch am Ende wieder bei jedem unterschiedlich sein. Ja, genau. Eben auch die eigenen Bedürfnisse im Blick behalten. Ja, Romina, damit sind wir auch schon am Ende der heutigen Folge. Vielen, vielen Dank für dieses tolle Gespräch. Vielen Dank. Vielen Dank, dass ich da sein durfte. Ja, gerne. Es hat uns sehr gefreut. Und wenn du dieses Thema vielleicht noch vertiefen möchtest, dann legen wir dir natürlich Ruminas Buch Zwischenein und Nähe ans Herz. Das verlinken wir natürlich auch wieder in den Shownotes und schau gerne mal bei Insta vorbei. Dort verlosen wir nämlich aktuell ein Exemplar des Buches. Wir sagen danke, dass ihr auch heute wieder mit dabei wart. Wir hören uns, wenn ihr mögt, in der nächsten Woche wieder. Bis dahin sagen wir Tschüss. Tschüss. Das war der Podcast vom gewünschtesten Wunschkind.