Hallo und herzlich willkommen zu Das gewünschteste Wunschkind der Podcast mit Daniel Graf und Katja Seide. Wir sind ja mitten im Hochsommer und den verbringen viele Kinder am liebsten im und am Wasser. Gerade für Eltern, deren Kinder noch nicht schwimmen können, geht das mit vielen Ängsten einher. Nur wie lernen Kinder eigentlich am besten schwimmen? Und wann sollte man das Thema überhaupt angehen? Ab wann können Kinder überhaupt schwimmen lernen? Und aus dem Schwimmlernen kann auch sehr schnell ein emotionales Thema werden. Andere Kinder haben vielleicht schon ein Sehpferdchen. Und was sollen wir tun, wenn die Schwimmkurse alle schon voll sind? Wir wollen ja eigentlich nicht selbst SchwimmlehrerInnen sein. Und wir wollen unser Kind natürlich auch nicht überfordern oder zu früh unter Druck setzen. Wir sprechen daher heute darüber, wie Kinder lernen, sich im Wasser sicher zu fühlen, was sie brauchen, um Vertrauen zu entwickeln und welche Rolle wir Eltern dabei spielen. Bei uns zu Gast ist Anja Kerko. Sie ist Schwimmlehrerin und bietet als Inhaberin von Rochenkinder Schwimmkurse an. Dabei vertritt sie einen Ansatz, bei dem nicht Tempo und Leistung im Mittelpunkt stehen, sondern Sicherheit, Vertrauen und die Freude am Wasser. Schön, dass du heute da bist, Anja. Ich freue mich. Anja, viele Eltern erleben beim Schwimmenlernen einen inneren Konflikt. Also einerseits möchten sie ihr Kind natürlich nicht drängen. Andererseits wissen sie natürlich, wie wichtig Schwimmenlernen für die Sicherheit ist. Warum erzeugt denn dieses Thema eigentlich so viel Druck? Das ist eine gute Frage. Ich glaube, es ist halt so ein sicherheitsrelevantes Thema. Also jeden Sommer ertrinken Kinder immer noch in Deutschland. Und deswegen ist das natürlich auch so ein ganz emotionales Thema. Und zweitens hat natürlich auch jeder so seine eigenen Erfahrungen auch damit. Also wir haben ja als Kinder auch schwimmen gelernt oder ja schon die meisten, und können alle was dazu beitragen. Und der Vergleich ist natürlich auch immer, also es ist dieses Umfeld, was auch so Druck macht. Deswegen glaube ich, genau da kommt der Druck her. Ja. Wenn wir jetzt an Schwimmlernen denken, dann denken wir sofort viel an Abzeichen, an Kurse, an bestimmte Altersgrenzen. Was meinst du, hat sich unser Blick auf das Thema vielleicht ein bisschen zu weit auf Leistung verschoben? Ich glaube, dass wir ja immer auf der Suche nach Orientierung sind und so Abzeichen, die geben erstmal eine scheinbare Orientierung. Also das Kind hat irgendwas erreicht und dann muss ich vielleicht auch nicht mehr so gucken. Und deswegen entsteht genau dieser Leistungsdruck, weil alle auf diese Abzeichen hinarbeiten, die letztendlich in meiner Welt gar nicht so viel aussagen über die Sicherheit eines Kindes, also im Wasser. Ja, aber ich glaube, das Seepferdchen steht halt so, ist wie so ein Synonym für Schwimmlernen. Also Kind hat das Seepferdchen, Kind kann jetzt schwimmen und das ist ja echt ein Trugschluss. Okay, das finde ich aber jetzt wirklich ganz wichtig. Das heißt automatisch, dass Kinder, die quasi das Seepferdchen haben, auch nicht unbeaufsichtigt schwimmen gelassen werden sollten, oder? Ja, unbedingt. Ja, also es ist, also ein Kind, was ein Seepferdchen hat, ähm, Kann bereits sicher im Wasser sein, aber muss es gar nicht. Also es sagt schlichtweg überhaupt nichts über die Wassersicherheit aus, denn es werden ja nur wenige Fertigkeiten geprüft. Und auch die Bedingungen, unter denen Kinder dieses Abzeichen machen, sind ja, obwohl es einheitliche Regelungen gibt, sind aber in der Praxis sehr, sehr unterschiedlich. Ja, also es gibt Kinder, die machen ihr Seepferdchen in einem Pool, was irgendwie acht Meter lang ist und wo das Kind das einzige Kind ist, was im Wasser ist und wo sie dann mehrmals hin und her schwimmen. Und es gibt Kinder, die machen das im großen Freibadbecken, ja, 50 Meter Bahn, viele Wellen. Andere werden angetrieben. Bei manchem wird nochmal das Auge zugedrückt. So, ah ja, hast du noch nicht ganz 25 Meter geschafft, erst 20, übst du noch ein bisschen, kriegst schon mal das Abzeichen. Andere denken sich noch zusätzliche Schwierigkeiten aus. Von daher sagt das einfach nichts aus. Und das ist, glaube ich, genau der Punkt, dass wir uns halt nicht darauf verlassen können, nur weil Kinder so ein Abzeichen haben. Ich habe mal ein Schulprojekt begleitet in einer kleinen freien Schule. Und da waren, also ich lebe ja auf dem Land und da gibt es nicht viele Schwimmkurse, Schwimmbäder. Also wir können eigentlich nur den Sommer, wenn die Freibäder offen haben. Und dieses Schulprojekt, das fand im Herbst statt. Also das war dann schon November. Und die Kinder hatten irgendwo so ein Seepferdchen gemacht und hatten das Bild von sich, ich kann ja schwimmen. Nur haben sie das innerhalb von einer Woche gemacht und waren seitdem monatelang nicht im Wasser und sie sind losgeschwommen und haben plötzlich gemerkt, so es geht gar nicht und ich habe erst mal drei Kinder gleichzeitig mehr oder weniger aus dem Wasser gezogen. Und das ist, es ist trügerisch für die Eltern, weil sie sich darauf verlassen und auch für die Kinder. Sie haben so das Siegel, ich kann jetzt schwimmen und sie prüfen gar nicht mehr, okay, wie ist es denn heute? Wie ist die Umgebung? Wie fühle ich mich denn eigentlich? Ist hier irgendwas vielleicht anders? Wie kann ich mich dem jetzt erstmal, wie sicher fühle ich mich und wie kann ich jetzt überhaupt erstmal prüfen? Wie ist das? Wie verhält sich das jetzt hier gerade? Und das ist tatsächlich die Gefahr. Du begleitest ja schon seit vielen Jahren Kinder im Wasser. Was beobachtest du denn bei Kindern, die sich im Wasser noch unsicher fühlen? Na, ich sehe, dass Kinder ja sich erstmal auf dieses ganze Thema einlassen müssen und dass wir Erwachsene, oft glauben, es ist doch ganz selbstverständlich, ja, im Schwimmbad oder im Freibad und wir wissen, wie sich das anfühlt und es gelingt uns nicht immer, uns da wirklich reinzufühlen, was das auch für ein Kind heißt, ja. Plötzlich, ne, es war sonst vielleicht nur in der Badewanne und jetzt in so einem großen Schwimmbad zu sein. Und die logische Folge ist ja, dass erstmal so ein Unsicherheitsgefühl aufkommt. Wo bin ich hier? Was wird hier eigentlich erwartet? Was passiert jetzt hier gleich? Wie ist das mit diesem großen Wasser? Und es ist ja ganz logisch, dass Kinder dann erstmal vorsichtig sind. Möglicherweise, wir haben auch Zweijährige, die rennen einfach rein. Aber dass sie vorsichtig sind und einfach Zeit brauchen, um sich mit der Umgebung, mit diesem großen Element, was ja auch ganz ungewöhnlich aussieht, sich so bereit zu machen, dass sie sich darauf einlassen können. Und ich glaube, die große Kunst ist bei uns Älter, bei Erwachsenen, dass wir uns da reinfühlen können und dass wir Kindern einfach diese Zeit geben und sie nicht so mit diesem Stempel versehen, mein Kind ist wasserängstlich oder ist ein Problemfall oder ähnliches, sondern dass wir einfach so einen Blick haben, okay, es braucht möglicherweise einfach mehr Zeit, um sich damit vertraut zu machen, um dann von selbst auch diese nächsten Schritte zu gehen. Jetzt hast du gerade Kinder erwähnt, die so wasserängstlich sind. Ich glaube, viele Eltern kennen Situationen, in denen ihr Kind dann relativ plötzlich nicht mehr ins Wasser möchte oder Angst vor Spritzern hat oder sich, panisch am Beckenrand festhält. Kannst du sagen, was dahinter steckt und wie man das irgendwie lösen kann? Mhm. Oft beobachte ich diese Situation, wenn Kinder schon entweder vorher in Schwimmkursen waren oder tatsächlich so viel Druck im Spiel war. Wenn sie Dinge tun sollten, die sie eigentlich noch nicht machen wollen, zu denen sie eigentlich noch nicht bereit sind. Wenn ich mit Eltern spreche, eigentlich kommt es immer wieder auf drei Punkte zurück. Also Kinder sollten irgendwie ins Wasser oder ins tiefe Wasser, wo sie sich noch nicht sicher gefühlt haben und wo sie eigentlich gedrängt wurden, da reinzugehen. Sie sollten tauchen, obwohl sie noch nicht bereit waren oder sie sollten ins Wasser springen, obwohl sie sich noch nicht getraut haben. Und ich sage ganz bewusst noch nicht, weil das verändert sich ja auch. Aber ab dem Moment, wo wir Kinder drängen, entsteht Druck. Und das führt dazu, dass Kinder so ganz ad hoc plötzlich verweigern, gar nicht mehr hinwollen, plötzlich so wirklich Ängste entwickeln, die vorher noch gar nicht da waren. Ja, genau. Also das ist das eine. Meistens im Kurs, dass irgendwie hohe Erwartungen waren, dass die Kinder Dinge tun sollten. Und natürlich kann auch, wenn das jetzt alles nicht ist und wir Kinder achtsam im Wasser begleiten, es können ja immer mal Situationen passieren, die einfach im Wasser entstehen. Also ich bin im Schwimmbad, stellen wir uns das vor, wir sind im Schwimmbad und da springt nebenan ein Kind ins Wasser und es gibt einen riesen Platscher, und dein Kind bekommt jetzt diese Wasserspritze ins Gesicht. Da wäre jetzt weder Absicht oder irgendwas Böswilliges im Spiel. Es ist einfach passiert und auf das müssen wir uns ja im Schwimmbad einstellen. Das ist ja diese Umgebung. Und das kann natürlich erst mal zu einem Schreck führen, zu Verunsicherung. Es kann dafür zuführen, dass die Kinder erst mal die Nähe der Erwachsenen brauchen. Vielleicht auch erst mal aus dem Wasser rausgehen, um das zu verarbeiten. Und gleichzeitig sind das ja wichtige Erfahrungen. Das passiert und ich kann als Kind dann lernen, okay, wie gehe ich damit um? Und in meinen Kursen beobachte ich, dass sie damit mit solchen Situationen, die einfach so passieren, auch gut klarkommen. Also vielleicht dieser erste Schreck da ist, möglicherweise auch erstmal anders agieren, nicht mehr so mutig sind. Das ist für mich kein Rückschritt, sondern ich sorge für mich, ich gucke, dass es mir gut geht. Von daher müssen wir unterscheiden, kommt das von außen oder sind das Situationen, die einfach mal passieren? Wie reagieren denn dann die Erwachsenen, die Eltern in solchen Situationen häufig? Sie kriegen oft selber einen großen Schreck. Und oft ist das Bedürfnis der Eltern so ganz schnell, das so klein zu reden. Also war doch nur Wasser, war doch nicht schlimm. Und das ist, glaube ich, nicht so hilfreich. Denn es ist ja was passiert. Das Kind hat Wasser ins Gesicht bekommen. Ob es schlimm ist oder nicht, das können wir als Erwachsene ja gar nicht so beurteilen. Es war ja in dem Moment, wo das Kind einen Schreck kriegt und möglicherweise weint, war es ja etwas, was das Kind beunruhigt hat, was irgendwie ein unangenehmes Gefühl war, weil sonst würde es ja so nicht reagieren. Deswegen, wenn wir darüber nachdenken, was könnten wir dann tun? Ich wäre immer da, gucken, was braucht es. Aber halt zu schauen, dass wir die Sachen nicht kleinreden, weil das passiert da einfach und das ist normal und es ist auch völlig okay, einen Schreck zu bekommen und negative Emotionen erstmal so zu haben, aber es sind Emotionen und die können wir einfach begleiten. Jetzt hast du selbst lange in klassischen Schwimmkursen gearbeitet. Gab es da einen Moment, an dem du dachtest, okay, so wie wir das bisher machen, passt das für viele Kinder eigentlich nicht? Den hatte ich tatsächlich schon ganz, ganz am Anfang. Also ich habe ja tatsächlich im Teenageralter begonnen, mit Kindern im Wasser zu arbeiten, während ich noch selber im Leistungssport unterwegs war. Und da habe ich schon sehr früh Situationen erlebt, die für mich fremd waren. Also ihr könnt euch vorstellen, ich meine, ich bin im Leistungssport groß geworden. Ich war immer im Wasser, mein ganzes Umfeld total wassererfin. Und dann waren da Kinder, die hatten Ängste, die wollten nicht ohne ihre Eltern ins Schwimmbad. Die haben zurückgezuckt bei jedem Wasserspritzer. An Tauchen war gar nicht zu denken. Der ganze Körper ist so steif geworden, wenn sie ins Wasser gegangen sind. Und das hat mich damals schon ermutigt, so Fragen zu stellen. Also was machen wir hier eigentlich? Und wie kann es gelingen, dass die Kinder auch diese Freude zum Wasser, die Mia so innewohnt, auch teilen können? Und letztendlich sicher schwimmen lernen, aber dass es ihnen dabei gut geht. Weil ich habe damals schon gesehen, ihnen geht es nicht gut, also vielen nicht. Und das hat mich dann tatsächlich begleitet und je älter ich wurde und je differenzierter dann auch mein Blick wurde, habe ich einfach gemerkt, wir müssen einfach Dinge radikal anders machen. Du sprichst in dem Zusammenhang ja häufig von der Wasservertrautheit, dass die halt enorm wichtig ist. Was bedeutet denn dieser Begriff konkret? Na, wenn wir ans Schwimmen lernen denken, denken wir ja meistens erstmal an Schwimmbewegungen. Also an Armbewegungen, an Beinbewegungen. Kinder müssen diese Bewegungen lernen. Und ich glaube, dass die wirkliche Basis sind ganz andere Dinge. Ja, das sind Grundfertigkeiten, auf die man jetzt vielleicht im ersten Blick erstmal gar nicht kommt. Also das ist sowas wie unter Wasser sein. Dazu gehört natürlich auch, die Augen unter Wasser zu öffnen, die Atmung zu kontrollieren, aufzutreiben. Also schweben auf dem Wasser, sich tragen lassen vom Wasser, ins Wasser zu springen, sich zu rollen und zu drehen. Das sind ganz klassische Grundfertigkeiten des Schwimmens und des Schwimmenlernens. Und faktisch, ich muss mich im Wasser wohlfühlen. Ich muss dieses Element Wasser wirklich kennen. Ich muss wissen, wie funktioniert das? Also ich durfte es erleben, wie das Wasser trägt, wie es mich wieder hochzieht, wie es eigentlich schwerer ist, nach unten zu kommen, als oben zu bleiben. Genau, das ist eine Wasservertrautheit. Also dass ich wirklich das Element schon, wahrnehmen durfte mit all seinen Facetten. Und das steht letztendlich vor diesen ganzen Fortbewegungen und Armbewegungen und Schwimmtechniken. Das klingt für mich, als sagst du, dass das Gefühl von Sicherheit im Wasser, aus deiner Sicht wichtiger ist, als jetzt zum Beispiel bestimmte Schwimmbewegungen. Habe ich das richtig verstanden? Ja, auf jeden Fall. Also es ist zum einen diese Wasservertrautheit, also wirklich das Wasser zu kennen. Und dann gibt es aber noch einen Aspekt und das ist wirklich selber auch ein Gespür zu entwickeln, wo sind denn meine Fähigkeiten, was kann ich und was kann ich nicht. Also da selber ein gutes Gefühl dafür zu haben. Also selber zu wissen, okay, mag ich jetzt wagen, diese Bahn zu schwimmen oder auf die andere Seite zu schwimmen oder ist mir das noch zu weit? Und danach auch zu handeln, also wirklich zu gucken, was ist hier mein sicherer Handlungsrahmen, wie weit kann ich gehen und worauf kann ich da auch vertrauen? Also dass Kinder das lernen. Also wenn wir uns vorstellen, also ich habe ja jugendliche Kinder, meine Kinder sind schon größer, wenn die mit ihren Freunden an den See gehen, dann möchte ich doch, dass sie selber ein gutes Gefühl haben, wie weit können sie hier rausschwimmen, damit sie auch wieder zurückkommen. Und ich möchte nicht, dass sie, weil irgendjemand sagt, wird schon irgendwie klappen, komm, wir schwimmen jetzt hier einmal rüber, dass sie einfach blindlings mitschwimmen, sondern dass sie für sich ein gutes Gefühl haben, okay, erscheint mir das realistisch, passt das mit meinen Fähigkeiten, meinem heutigen Zustand überein, ist das was, was ich wagen kann und was auch gut ausgeht. Also das sind zwei verschiedene Dinge, denn wir haben ja auch Kleinkinder, die. Haben schon viel Wassererfahrung, die tauchen, die springen rein, die rollen und drehen sich, aber die machen das einfach so, auch wenn niemand dabei ist oder ihnen fehlt noch wirklich diese Fähigkeit, diese Risiken einzuschätzen. Also das sind verschiedene Ebenen, also Wasservertrautheit ist das eine, Risikokompetenz und dieses Wahrnehmen der eigenen Grenzen sind nochmal andere Themen. Mhm. Lass uns mal auf das Schwimmenlernen an sich zurückkommen. Ich weiß, dass viele Eltern sich das nicht zutrauen, ihren Kindern irgendwie beizubringen. Also bei mir war da ein heilen Respekt. Ich habe immer im Kopf gehabt, dass wenn Kinder einmal falsche Bewegungen einstudiert haben, dass die dann schwer wieder alternativ zu lösen sind. Deswegen haben viele so den Gedanken, ich bin kein Schwimmlehrer, ich will das nicht versuchen. Aber du sagst ja, dass Eltern trotzdem eine wichtige Rolle beim Schwimmlernen spielen können. Ja, ich glaube, ich habe ja eben schon darüber gesprochen, dass ja oft dieses Bild ist, dass erst diese Bewegungen gelernt werden müssen. Aber das ist ja tatsächlich der aller, aller, allerletzte Schritt. Ja, also es geht ja um diese Wasservertrautheit. Das Interessante ist, und ich weiß, dass das ungewohnt klingt, wir brauchen den Kindern gar keine Bewegung beizubringen, damit sie sicher schwimmen lernen können. Also wenn wir daran denken, an die Bewegungsentwicklung im ersten Lebensjahr. Also Kinder sind auf dem Rücken, sie beginnen sich zu drehen, sie fangen irgendwann an zu krabbeln, irgendwann richten sie sich auf. Das ist ja wie so ein inneres Programm, was abläuft und es braucht niemanden, der den Kindern erklärt, welche Hand jetzt beim Krabbeln nach vorne geht und wie sie gleichzeitig ihr Knie nach vorne ziehen. Es ist auch nicht nötig, dass die ganze Familie plötzlich am Boden krabbelt, damit das Kind es lernt. Also, dass wir sagen, es muss das Umfeld, es gibt Vorbilder, die Kinder machen, alle lernen nur über Nachahmung. Sondern das sind Bewegungsstrukturen, die sind in uns angelegt. Und das Interessante ist, und das ist natürlich auch das Besondere an meiner Arbeit, ist, dass auch das Schwimmen angelegt ist. Das heißt, wir können ganz intuitiv schwimmen lernen, ohne dass wir den Kindern Bewegung zeigen, ohne dass wir ihnen was beibringen müssen. Und das macht es ja auch Eltern, also ermächtigt ja auch Eltern, ihre Kinder zu begleiten, denn sie müssen gar nicht in diese Rolle der Schwimmlehrerin, des Schwimmlehrers schlüpfen und irgendwie Bewegungen beibringen, sondern sie, geben einfach diesen sicheren Rahmen und ermöglichen das Ausprobieren und Erfahren für das Kind. Und dann kommst du gar nicht in diese Rolle. Das ist spannend. Ich weiß, dass es so eine große Angst ist und das wird auch tatsächlich leider von einigen Kollegen immer so geschürt mit, dann sitzt da irgendwas falsch und es wird das Kind nie wieder los und, Und ich bin ganz ehrlich, am Anfang dachte ich das auch noch. Und natürlich ist das auch ein Ergebnis von meiner Jugend. Also meine ganze Jugend habe ich damit beschäftigt, irgendwie Schwimmtechniken. Die Technik noch zu perfektionieren. Habe da viel Zeit reingegeben. Und da liegt der Fokus natürlich auch so darauf, dass es doch möglich korrekt ist. Und ich durfte auch lernen, wie wichtig ist das denn eigentlich für die meisten Menschen in unserem Leben? Ob die Hände jetzt da richtig sind, ob die Füße richtig gestellt sind. Wer sagt das denn letztendlich, was da richtig ist? Also wenn ich im Freibad bin und gucke, wie die meisten Menschen schwimmen, dann würde ich in meiner Welt sagen, es macht ja keiner richtig. Und die Frage ist ja, wie wichtig ist das denn, um gut durchs Leben zu kommen? Wenn ich Wettkämpfe schwimmen möchte, da gibt es bestimmte Regeln, die eingehalten werden müssen. Und wenn dein Kind sich dafür entscheidet, dann ist aber auch keine Tür zu. Also man kann das alles immer noch lernen und auch nachbessern, wenn es dann nötig ist. Aber die Frage ist doch eigentlich, warum ist es dann so wichtig? Und das war für mich aber auch ein Prozess, mich davon zu lösen, einfach zu gucken, ist es nicht vielleicht wichtiger, dass Menschen mit Freude im Wasser sind, sich gerne im Wasser bewegen, dass ihr Leben lang teilen, ist das nicht vielleicht wichtiger? Und ich bin zum Entschluss gekommen, ja, ich finde das wichtiger. So wie ich es jetzt verstanden habe, kriegen die Kinder in deinem Rochenkinderkurs wenig Anweisungen und mehr Raum zum Ausprobieren. Hast du das Gefühl, oder du weißt es ja wahrscheinlich, können die Kinder dann am Ende aber wirklich schwimmen, also so klassisch schwimmen oder schwimmen die anders? Ja, das ist die Frage, wie schwimmen sie dann, wenn man ihnen das nicht zeigt? Also wir haben ja so ein Bewegungsrepertoire und das sind so kreuzkoordinierte Bewegungen. Also wenn du ans Krabbeln denkst, ans Gehen, Treppensteigen, Fahrradfahren. Und wenn Kinder im Wasser beginnen, sich fortzubewegen, ohne dass wir ihnen was erklären, dann machen sie das erstmal paddelnd. Also wir sagen ja immer so abwertend, Hundepaddel. Aber das ist so eine Bewegung, die in unserem Körper inne wohnt. Das ist das, was Kinder machen, was Menschen als erstes machen. Und wenn wir sie weiter in den Raum geben, probieren sie ja immer weiter aus. Und wenn man sich mal dieses Hundepaddel ganz genau anguckt, ist es ja letztendlich die Vorstufe vom Kraulschwimmen. Und wenn sie sich dann irgendwann auf den Rücken drehen, und das machen sie auch intuitiv, ohne dass wir ihnen das erklären, ist es die Grobform vom Rückenkraulschwimmen. Das heißt, sie fangen irgendwann tatsächlich an, auch die Arme noch größer zu fassen und dann ist es letztendlich eine Grobform vom Kraulschwimmen. Und was auch noch super interessant ist, was sie ganz intuitiv machen, nicht alle, aber sehr, sehr viele, zeigen auch so eine Delfin-Ganzkörperwelle. Also, dass sie wirklich wie so ein Delfin durchs Wasser schwimmen, was ja auch Kernbewegungen, das ist jetzt so ein bisschen Schwimmsport spezifisch, was Kernbewegungen sind fürs Brustschwimmen und fürs Schmetterlingsschwimmen. Das heißt, sie haben viele, viele, viele Grundlagen. Die große Frage ist immer, schwimmen Sie Brust? Nein, Brust schwimmen Sie nicht intuitiv. Das haben Sie sich entweder irgendwie abgeschaut. Es ist eine sehr künstliche Schwimmart, die tatsächlich nicht intuitiv ist. Aber Grauschwimmen, Rückengrauschwimmen, die wurden ja auch entwickelt. Man muss ja mal auf die Idee gekommen sein, die wurden ja entwickelt, weil Menschen sich so im Wasser am besten fortbewegen können. Und Grau schwimmen ist ja auch so ein bisschen, das wollen alle können. Das stimmt. Es ist einfach so ein hohes Ziel. Und eigentlich ist es ganz leicht. Und das Interessante ist ja, dass wir mit diesem Brustschwimmen hier in Deutschland auch sehr einsam dastehen. Denn in vielen, vielen anderen Ländern, nicht in allen, aber in vielen anderen, große Schwimmsportnationen, USA, Kanada, Australien, da würde niemand mit einem Brustschwimmen anfangen. Also die fangen alle mit Grauer Rückengrau an, weil das intuitive Bewegungen sind. Jetzt bringen ja in Bezug auf das Schwimmenlernen viele Erwachsene auch so ihre eigenen Erfahrungen mit. Also manche erinnern sich da an durchaus viel Druck oder das kalte Wasser oder unangenehme Situationen. Wie beeinflusst uns das dann bei der Begleitung unserer Kinder? Also ich kann mir vorstellen, dass wir diese Ängste auch irgendwie unbewusst weitergeben, oder? Das ist eine große Sorge, die viele Eltern haben. Und ja, es ist tatsächlich so, dass viele Erwachsene heute noch mit den Folgen ihres eigenen Schwimmlern zu kämpfen haben. Ich glaube aber, dass das kein Grund ist, sein Kind nicht selbst beim Schwimmlernen zu begleiten. Ich glaube, es ist wichtig, das nicht zu verstecken, sondern dass wir als Erwachsene einfach uns selber diesen sicheren Rahmen suchen. Gucken, wo fühle ich mich grundsätzlich sicher. Also wenn ich jetzt im Becken bin, wo ich stehen kann, fühle ich mich da sicher. Dann kann ich auch ein Kind begleiten. Auch dann, wenn ich mich vielleicht nicht so als sichere Schwimmerin bezeichnen würde. Ich glaube, wichtig ist, da klar zu sein und auch bei dem eigenen Gefühl zu sagen. Also nicht zu sagen, okay, das Wasser ist oder da ist es gefährlich, sondern wirklich zu gucken, okay, in dem Bereich da drüben fühle ich mich unsicher. Deswegen möchte ich, dass wir hier sind. Weil hier ist mein sicherer Rahmen. Also dass wir bei unseren Gefühlen sind, um den Kindern das so zu ermöglichen. Wird sich das auswirken auf das Kind? Ja, natürlich wird sich das aus. Also genauso wie viele andere Erfahrungen aus unserem Leben sich auf das Begleiten unserer Kinder auswirken wird. Ja, also wenn wir nicht gerne vor großen Gruppen sprechen und wir das machen müssen und unsere Kinder uns dabei erleben, dann werden sie auch unsere Unsicherheit spüren. Aber das gehört ja dazu. Ich glaube, es ist wichtig, auch das klar zu benennen und nicht so wegzulächeln. Also viele versuchen, das so ein bisschen zu kaschieren und zu tun, als ob. Und ich tue so, als ob es alles ganz toll ist und ich mich richtig wohlfühle. Aber innerlich merke ich, so ist ein kleines Unwohlgefühl. Ich glaube, es ist wichtig, da total klar zu sein und das nicht zu verheimlichen. Und dann ist es möglich. Und ich hatte ja eben, haben wir ja schon lange darüber gesprochen, es ist nicht wichtig oder nötig, Kindern die Sachen zu zeigen und beizubringen. Das ist ja die große Sorge. Ich kann selber nicht tauchen. Wie soll mein Kind tauchen lernen, wenn ich es ihm nicht zeigen kann? Du musst nicht selber tauchen, damit dein Kind tauchen lernt. Es wird einfach irgendwann anfangen, mit dem Kopf unter Wasser zu gehen. Hm. Dann lass uns mal über Schwimmhilfen sprechen. Für viele Familien gehören Schwimmflügel ganz selbstverständlich dazu, aber du siehst die kritisch. Ja, Schwimmhilfen, also alles, was so die Kinder oben halten sollen, also Schwimmflügel, Polnudeln, Schwimmwesten, Gurte, Schwimmscheiben, es gibt ja viel. Die haben ja die Aufgabe, dass die Kinder oben bleiben sollen. Also es wird montiert und die Kinder sollen an der Wasseroberfläche bleiben. Und die Kinder sollen an der Wasseroberfläche bleiben. Wichtig zu wissen ist, dass sie zum einen nicht die Sicherheit geben, die sich Eltern davon erhoffen. Also es heißt, sie bieten keine Sicherheit. Das ist die einzige Ausnahme und das liegt sprachlich oft so dicht, deswegen möchte ich das kurz noch erwähnen. Es gibt einen Unterschied zwischen Schwimmwesten und Rettungswesten. Rettungswesten, die haben so einen Ohnmachos, die haben so einen Kragen. Die sind wichtig, dass Kinder, die tragen, wenn ihr auf Booten seid, Steganlagen, Segelboot und ähnliches, die sorgen wirklich für Sicherheit. Also die halten dein Kind definitiv oben. Hier empfehle ich, dass die aber nicht zum Baden benutzt werden, sondern das sind Rettungsutensilien, die im Idealfall trocken bleiben. Weil sie nämlich die Funktion haben, nur wenn dein Kind irgendwo reinfällt, dein Kind dann zu schützen. Fürs Schwimmen lernen sind sie auch nicht geeignet, weil da gibt es jetzt verschiedene Gründe, aber es ist so wichtig, deswegen möchte ich kurz darüber sprechen. Also zum einen verhindern sie wichtige Lernerfahrung. Also ich habe ja vorhin gesprochen, es geht um diese Wasservertrautheit. Also das ist ja so die Basis beim Schwimmlernen. Und es gibt dieses zu spüren, wie funktioniert dieser Auftrieb hier eigentlich im Wasser. Es gibt den natürlichen Auftrieb des Wassers. Wir können uns vom Wasser tragen lassen. Wir können uns aufs Wasser legen lassen, jederzeit. Wir müssen uns nicht bewegen, um atmen zu können. Wir müssen nicht irgendwelche komplizierten Bewegungen machen. Wir können uns einfach hinlegen. Wenn wir den Kindern aber immer was montieren, was sie einfach oben hält, können sie gar keine Erfahrung machen, wie sich ihr Körper in diesem Element Wasser verhält. Das ist der eine. Es verhindert sozusagen wichtige Lernschritte, Und auch in puncto Sicherheit ist es so, dass die Kinder nicht mehr unterscheiden können, was kann jetzt eigentlich diese Schwimmhilfe und was kann ich. Und sie sozusagen auch in Gebiete gezogen werden, die sie eigentlich noch nicht bewältigen können. Sie können plötzlich im Wecken schwimmen, wo sie, also ohne Elternkontakt, wo sie nicht gar nicht stehen können. Also wenn jetzt plötzlich, angenommen, die Luft wäre plötzlich raus, zack, raus, dann wüssten sie gar nicht mehr, was sie tun sollten. Also sie werden gelockt in Bereiche, die sie nicht mehr sicher handeln können. Und verlieren das Gefühl über das, was sie eigentlich können und welche Achtsamkeit und Aufmerksamkeit in diesem Raum, Wasser, Schwimmbad, Pool, See eigentlich vonnöten wäre. Ja, einfach wirklich zu gucken, wie ist der Rahmen hier? Wo kann ich mich eigentlich gut bewegen? Was kann ich wagen? Sondern sie haben diese Dinger an und sie können eigentlich alles machen und können in Anführungsstrichen sehr sorglos da einfach irgendwie agieren. Aber das ist ja tatsächlich nur so eine scheinbare Sicherheit, denn die können tatsächlich abrutschen. Es kann mal Luft rausgehen. Und der weitere Aspekt ist, dass sie möglicherweise in anderen Situationen gar nicht mehr unterscheiden können, habe ich die jetzt an oder nicht. Also sie haben das Bild von sich, ich kann hier einfach reinspringen, ich werde immer wieder hochgezogen. Und dann passieren aber Situationen wie diese, die ich mal erlebt habe in Spandau. Und zwar ist das so ein ganz kleines Therapiebecken und da sind die Wege ganz kurz und die Umkleiden sind direkt und das Schwimmbad sind durch so eine Glasscheibe getrennt, also so eine Glastür, die man so hin und her schiebt. Und es war ein neuer Kurs, der startet. Das heißt, wir hatten auch viele neue Familien, die ich noch nie gesehen habe. Und wir hatten gerade so einen Kurswechsel. Eine war zu Ende. Die neun Kinder kamen gerade in die Halle. Und es kam ein kleiner Junge reingerannt, den ich noch nie gesehen habe. Und sprang ganz beherzt direkt neben mir ins Wasser. Ich habe einen kleinen Moment gewartet und habe dann gesehen, er kommt gar nicht mehr hoch. Also er war gar nicht vertraut damit. Dann habe ich ihn erst mal hochgezogen. Was war passiert? Er hatte immer, immer Schwimmflügel an und er konnte gar nicht mehr unterscheiden. Er hat nur Wasser gesehen, also ein total wasserbegeistertes Kind. Hat nur Wasser gesehen und dachte, oh wunderbar, das ganze Becken war leer und wollte da beherzt rein, aber er hatte überhaupt kein Bewusstsein dafür, dass diese Schwimmflügel eigentlich das immer ermöglicht haben. Und das ist halt einfach die Gefahr. Und der letzte Aspekt, es sind so viele, der letzte Aspekt ist, dass einfach die Aufmerksamkeit der Eltern auch rapide sinkt, wenn Kinder Auftriebshilfen haben. Ja, und das ist tatsächlich total gefährlich, ja, weil sie denken, ah, jetzt kann ich ein bisschen weiter weg oder ich kann jetzt doch mal kurz nochmal zur Tasche. Und ich weiß, wenn ich darüber spreche, sagen immer alle so, natürlich, das steht ja überall drauf und das wissen wir doch. Und wenn ich aber im Sommer unterwegs bin, hier jetzt im Freibad, dann... Ich sehe andauernd Situationen, bei denen Kinder nicht lückenlos beaufsichtigt sind. Und diese lückenlose Aufsicht, die gilt auch, wenn sie irgendwelche Auftriebshilfen montiert haben. Und das ist aber so einfach und die Ablenkung so schnell und wir verlassen uns drauf und dann kann es tatsächlich schnell gefährlich werden. Und deshalb bin ich total für Klarheit von Anfang an, dass klar ist, was ist hier zu erwarten? Wie verhält es sich hier im Wasser? Das fokussiert uns. Es gibt den Kindern eine klare Rückmeldung. Wir behindern sie nicht am Lernen. Sie können wichtige Erfahrungen machen. Und wir sehen, dass die Kinder achtsamer sind, vorsichtiger sind und ihre Fähigkeiten besser einschätzen können. Und ja, ist es der Garant, dass kein Kind nach vorne einfach so reinspringt wie der Junge? Nein, aber diese Kinder wissen, was passiert, wenn sie reinspringen. Sie haben mehr Zeit, die Eltern haben einen anderen Fokus. Und sie lernen dann, also diese Kinder, dieser Junge übrigens, hat noch in dieser Stunde selber das geschafft, zum Rand zu kommen, was vorher undenkbar war, was vorher ja gar nicht nötig war. Das heißt, sie entwickeln dann auch die Kompetenzen, dann wieder zum Rand zu kommen. Sie haben ein besseres Bild über ihre eigenen Fähigkeiten und können besser agieren. Entbindet es uns von unserer Aufsichtspflicht, nicht mehr genau hinzugucken? Nein. Also auch da braucht es diese lückenlose Aufsicht. Aber woran erkenne ich denn jetzt als Elternteil, dass mein Kind tatsächlich sicher schwimmt? Du hast schon gesagt, die Kinder fühlen sich oft sehr sicher. Aber wann ist der Zeitpunkt, wo ich sagen kann, okay, jetzt kann ich mein Kind eben auch mal fünf Minuten aus den Augen lassen, weil es tatsächlich sicher im Wasser ist? Mhm. Also es ist erstmal natürlich ein Prozess. Also es gibt nicht den Katalog, den ich dir geben kann. Und ich sage, okay, wenn dein Kind das kann, dann kannst du mal fünf Minuten weggucken. Und wenn dein Kind das kann, dann kannst du allein ins Freibad. Sondern es sind viele, viele Aspekte. So leicht ist Elternschaft nicht. Auch wenn wir uns das wünschen. Also es ist ein Prozess. Und es ist natürlich ein Prozess von, mein Kind ist das erste Mal im Schwimmbad und kann noch nicht sicher schwimmen. Ich bin in Griffweite. Mein Kind agiert jetzt schon und kann jetzt zumindest schon mal so zwei, drei Meter schwimmen, taucht gerne, ist lange unter Wasser, holt irgendwelche Ringe oder Gegenstände hoch, kann ich vielleicht ein bisschen ein paar Meter weiter weg. Also es ist immer so Schritt für Schritt, dass ich diese Aufsicht entfernen kann. Diese lückenlose Aufsicht ist wirklich das Letzte, was so geht. Und es hängt nicht nur ab von den Schwimmfähigkeiten, sondern auch, und das hatte ich vorhin schon erwähnt, von wie schätzt mein Kind Risiken ein? Wie agiert es in Situationen, die unvorhergesehen einfach passieren? Wie vertraut ist es damit, wenn es plötzlich einfach ins Becken geschubst wird von irgendjemand anderem? Oder auch, wenn wir so perspektivisch gucken, wie agiert mein Kind in der Peergroup? Also wie ist das, wenn die nur mit ihren Freunden da im Schwimmbad sind? Was passiert denn da? Also es sind viele verschiedene Ebenen, die wir betrachten müssen und dann eine individuelle Entscheidung treffen. Und das hat selten was mit Alter zu tun und auch selten was wirklich mit diesen ganz konkreten Schwimmfähigkeiten. Also wir haben auch Kinder, die sind sechs oder fünf, die im Wasser sehr sicher sind, die ausdauernd eine Viertelstunde schwimmen können, die unter Matten durchtauchen können, die mit Kleidern schwimmen, die die Augen souverän öffnen. Und trotzdem sind sie erst sechs und agieren möglicherweise in Überraschungssituationen wieder ganz anders. Also das sind verschiedene Kriterien, die ich immer mitgeben kann anhand ihrer Eltern. Nochmal guckt, wie ist das jetzt? Genau, wie schätze ich das ein? Und dann nicht so eine Hauruck, okay, von Griffweite auf jetzt gucke ich mal fünf Minuten nicht hin und der nächste Schritt ist, sie gehen allein ins Freibad, sondern das wirklich so in kleinen, kleinen Schritten immer mal gucken, wie reagiert mein Kind, hinschauen. Deswegen finde ich es ja auch so wichtig, wenn Eltern bei diesem Prozess des Schwimmlernens dabei sind und nicht irgendwie auf der Bank sitzen oder im Hinteren, hinter der Scheibe und irgendwie gar nichts mitbekommen, sondern dass sie wirklich mit dabei sind und selber gucken können, wie fühlt sich das an, wie reagiert mein Kind, wie erlebt mein Kind, wie erlebe ich mein Kind in diesen Situationen. Was ich noch nicht ganz verstanden habe, ist, was du jetzt empfiehlst, sollen die Eltern ihr Kind selbst beim Schwimmlernen begleiten oder sollen sie doch einen Schwimmkurs buchen oder gibt es was, was für das eine spricht und was für das andere spricht oder sollen sie deinen Schwimmkurs buchen? Also was genau empfiehlst du? Also ich habe ja mich schon lange mit diesem Thema beschäftigt und habe ja auch schon gesagt, ich habe so radikal viele Dinge geändert. Und für mich ist dieses Eltern mitnehmen, also dass Eltern wirklich ihr Kind selber begleiten, es hat so viele Vorteile. Und das ist auch das, was ich tatsächlich allen Familien empfehle, weil ich einfach sehe, dass die Kinder sich so viel sicherer fühlen, wenn sie eine vertraute Bezugsperson dabei haben. Ich sehe, dass die Eltern vieles lernen und einen guten Blick für Wassersicherheit entwickeln, für die Entwicklung ihres Kindes und ich sehe, dass es auch so schöne Beziehungsmomente im Wasser werden. Ja, also jetzt gemeinsam mit Zeit zu verbringen ohne Ablenkung. Von daher fällt es mir mittlerweile schwer, auf einen Schwimmkurs zu gucken, und die Vorteile zu sehen, wo Kinder abgegeben werden und wo die Eltern außen vor sind. Okay, aber wenn ich mich jetzt tatsächlich für einen Schwimmkurs entscheiden möchte, bei dem ich möglicherweise ja dann auch dabei bin, worauf sollte ich denn da konkret achten? Und was sind so Alarmsignale? Also wahrscheinlich, wie du gerade sagst, wenn die Eltern da völlig abseits stehen. Gibt es da aber noch Sachen, die eher schwierig sind? Also ich würde tatsächlich mir auf jeden Fall vorher ein Bild machen. Also wie läuft dieser Kurs ab? Ich würde mich erkundigen, wie werden die Eltern einbezogen? Wie ist der Betreuungsschlüssel? Wer hat noch eine zusätzliche Aufsicht? Also wie wird für Wassersicherheit gesorgt? Ich würde auch gucken, welche Qualifikationen haben die Personen, die dort die Kinder im Wasser begleiten. Genau, dieser Aspekt des Kinderschutzes fände ich wichtig. Und ich würde es mir vorher angucken wollen. Also wie ist der Ton? Wie wird mit Kindern umgegangen? Wie wird mit Kindern umgegangen, die dort nicht in das Schema passen? In den allermeisten Schwimmkursen gibt es ja so wie ein Programm, wo alle dann mitmüssen. Und wo die alle wie durch so eine Schablone gepresst werden. Aber was ist mit Kindern, die da nicht durch diese Schablone, die da einfach nicht durchpassen? Ja, weil sie ganz andere Bedürfnisse haben, am ganz anderen Punkt stehen. Also wie wird damit umgegangen? Das wären alles Fragen, die ich hätte. Ich würde nicht einfach einen Schwimmkurs aussuchen, weil. Der Wochentag gut passt oder weil es praktisch ist, weil da noch ein Kita-Freund mitgeht und wir uns mit der Betreuung oder mit dem Fahren abwechseln können. Denn es ist wichtig, da eine bewusste Entscheidung zu treffen, denn diese Erfahrungen, die Kinder, also diese negative Erfahrungen, die sie möglicherweise machen und nein, es machen natürlich nicht alle Kinder negative Erfahrungen. Ja, also darum geht es nicht. Aber wenn das so ist und das für dein Kind nicht passt, dann kann das halt wirklich Auswirkungen haben. Und die sind manchmal nicht nur für die nächsten zwei Stunden, sondern das kann im Ernstfall dafür zu führen, dass Kinder sich über Jahre weigern, ins Schwimmbad zu gehen, überhaupt bei dem Thema Schwimmlernen, die Augen drehen und die Timmer zu schmeißen. Und wir haben auch Erwachsene, die sagen, sie hatten genau dieses Erlebnis und 20 Jahre später und sie können immer noch nicht schwimmen. Deshalb ist es so wichtig, darüber zu sprechen und einfach eine gute Entscheidung, zu treffen und wenn wir merken, den Kindern geht es nicht gut, auch tatsächlich, nicht zu denken, da müssen sie jetzt durch, das ist jetzt halt so, sondern dann zu agieren und die Kinder auch rauszunehmen aus einem Kurs. Mhm. Du beschreibst gemeinsames Schwimmen oft auch als besondere Familienzeit. Also was macht Wasser denn für dich zu einem Ort, an dem wirklich Beziehung entstehen kann? Das Wasser fordert unsere Präsenz. Also haben wir gesagt, wenn wir keine Auftriebshilfen oder auch ohne Auftriebshilfe, also es fordert unsere Präsenz. Wir können uns keine Ablenkung erlauben. Und ich glaube, das sind schon in unserer heutigen Zeit besondere Momente geworden, dass wir kein Handy haben, dass wir wirklich fokussiert in Kontakt treten können. Wir sind auf einer Augenhöhe, also im wahrsten Sinne des Wortes auf Augenhöhe, im Wasser und es ist so ein ganz besonderes Element und das ist immer wieder, was Eltern mir auch zurückmelden, die dann sagen, ja, am Anfang war ich so ein bisschen skeptisch und ich fühle mich ja vielleicht im Badeanzug auch nicht so wohl und eigentlich so Schwimmbad, ich weiß gar nicht. Aber wir haben das jetzt gemacht und das ist für uns eine richtig gute Zeit. Sie freuen sich drauf, die Kinder freuen sich drauf, wenn es vorher irgendwie der Alltag schwierig war oder es irgendwie hing, wenn wir dann ins Schwimmbad gehen. Das sind dann gute Momente. Und gemeinsame Momente, das finde ich total wichtig und auch wunderschön. Ich kann ja auch erzählen, ich habe ja vorhin schon erwähnt, meine Kinder sind ja schon ein bisschen größer. Und ich sehe es auch als gemeinsame Familienaktivität, die über das Vorschulalter, Grundschulalter hinausgeht. Wie toll, gemeinsam im Wasser zu sein, Spaß zu haben, Wassersportarten zu machen, das können wir auch noch in. Unser Familienleben mitnehmen und auch ins Erwachsenenalter. Das sind immer Dinge, die dann nochmal wieder verbinden. Auch schon zu Zeiten, wo Kinder oder Jugendliche ihre eigenen Freundeskreis haben, ihre eigenen Aktivitäten machen, sind das noch Dinge, die man auch als Familie lange, lange gemeinsam machen kann. Und das finde ich auch einen ganz wichtigen Aspekt. Da denkt man oft noch nicht dran, wenn die Kinder noch gerade dabei sind, schwimmen zu lernen. Aber das sind so Dinge, die dann immer noch verbindend sein können. Und das beobachte ich in meinen Kursen auch. Auch ich habe Kinder, die schon seit Jahren sicher schwimmen, die immer noch in unsere Kurse kommen, gemeinsam mit ihren Eltern. Die sind zum Teil schon in der vierten Klasse. Könnten sie ohne ihre Eltern an dem Kurs teilnehmen? Natürlich genießen sie diese gemeinsame Zeit mit den Eltern ungemein. Und das, finde ich, sind ganz schöne, besondere Familienmomente. Ja, total. Anja, ich würde gerne zum Schluss der heutigen Folge noch wissen, Wenn Eltern jetzt nur drei Dinge mitnehmen sollten, damit ihr Kind sicher und gerne langfristig schwimmt, welche wären das denn? Also das eine, dass es nicht mit Technik anfängt, sondern Schwimmenlernen beginnt. Mit der Basis, mit der Wasservertrautheit. Das ist das Erste. Punkt zwei wäre, Schwimmen lernen ist ein Marathon. Schwimmen lernen ist ein Prozess. Schwimmen lernen ist nicht was, was man in zehn Terminen lernt. Und der letzte Punkt ist, das Schwimmen lernen darf mit Freude verbunden sein. Und wenn da Ängste und Druck im Spiel sind, dann ist das nicht förderlich. Und Schwimmen darf Spaß machen und Freude machen. Ja, was für ein wunderbares Schlusswort. Vielen lieben Dank, Anja, dass du heute bei uns zu Gast warst. Gerne, es hat mich gefreut. Ich glaube, viele Eltern nehmen aus dieser Folge etwas wirklich Entlastendes mit, nämlich die Erkenntnis, dass Schwimmenlernen eben kein Wettlauf ist und sein sollte und dass, Sicherheit nicht mit Druck entsteht, sondern dass Kinder eben am besten lernen, wenn sie sich sicher fühlen, Vertrauen entwickeln und eigene Erfahrungen machen dürfen. Wenn euch diese Folge gefallen hat, dann abonniert gern unseren Podcast, empfehlt ihn weiter und lasst auch gern eine Bewertung da. Damit helft ihr uns, noch mehr Familien zu erreichen. Wir freuen uns, dass ihr heute zugehört habt, wünschen euch eine wunderbare Woche und freuen uns auf die nächste Folge. Bis dahin macht's gut, wir sagen Tschüss! Das war der Podcast vom gewünschtesten Wunschkind.